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Eine Landkarte der Seele

Einführung in die Psychologische Astrologie, von Clare Martin

Krebs
  • Kardinales Wasser 
  • Herrscher: Mond
  • Erhöhung: Jupiter
  • Exil: Saturn
  • Fall: Mars

Ein hilfreiches Bild für das kardinale Wasserzeichen Krebs ist Wasser, das kraftvoll in eine bestimmte Richtung fließt, wie zum Beispiel Flüsse, Wasserfälle oder Wellen. Ich denke, der Schüssel zu diesem Zeichen ist sein gezeitenhaftes Wesen, denn es steht ja unter der Herrschaft des Mondes, der ständig zu- und wieder abnimmt und den Rhythmus von Ebbe und Flut regelt. Auf der körperlichen Ebene herrscht der Krebs über Brüste und Magen, die Funktionen, Nahrung für andere abzugeben und selbst Nahrung aufzunehmen. Solange Ebbe und Flut sich irgendwie das Gleichgewicht halten, arbeitet dieses Zeichen meist positiv.

Wenn bei Flut das Wasser steigt, können Krebse gesellig, großzügig, liebevoll, verrückt, durchgedreht und übermütig sein; wenn bei Ebbe das Wasser fällt, zieht sich der Krebs zurück, und alles, was nach außen sichtbar bleibt, ist der Panzer. Sie können anklopfen, aber es ist niemand Zuhause. Wie alle Wasserzeichen hat auch dieses etwas sehr Privates. Krebsmenschen verstecken sich gern und antworten nicht, außer sie sehen sich dazu gezwungen, und dann sind sie wahrscheinlich ausgesprochen verdrießlich und empfindlich. Der Krebsgeborene Marcel Proust, dessen Leben in zwei große Perioden eingeteilt werden kann, verbrachte die erste Hälfte seines Lebens als Gesellschaftslöwe, die zweite als Einsiedler in einer gegen Lärm abgedämmten Wohnung in Paris; in dieser Zeit schrieb er auch sein berühmtes Buch Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, das voller Bezüge zu seiner Mutter und Erinnerungen an Speisen ist. Krebs ist ein äußerst feinfühliges Zeichen mit einer starken emotionalen Verbindung nicht nur zur persönlichen, eigenen Vergangenheit; dieses Zeichen interessiert sich auch sehr für die Ursprünge und Wurzeln aller Dinge. Der Krebs kann besser in Nostalgie schwelgen als jedes andere Zeichen.

Oft bleiben Krebse am äußersten Ende des Spektrums hängen. Dabei hat die nur nährende, nur gebende, nur fürsorgliche und sich selbst aufopfernde Seite oft einen Schatten voller Ärger und Selbstmitleid; andererseits kommen viele Menschen mit der nur fordernden, abhängigen, bedürftigen, verletzlichen Seite nicht zurecht, was das Gefühl der Verlassenheit und Abhängigkeit noch verstärkt, so daß der Krebs emotional noch fordernder und anhänglicher wird. Krebsmenschen können auch wahre Ungeheuer an emotionaler Erpressung werden, und dann hört man schon einmal so etwas Ähnliches wie: „Wenn du das nicht ißt, liebst du mich nicht.“

Die positive Integration von Saturn und Mars, die sich im Krebs im Exil beziehungsweise im Fall befinden, kann dem Krebsmenschen helfen, genügend Kraft zu entwickeln, um auf eigenen Füßen zu stehen (Saturn) oder für sich selbst einzutreten (Mars). Als kardinales Zeichen ist der Krebs äußerst hartnäckig und entschlossen; ganz wie ein richtiger Krebs kann er sich seinen Zielen leise und unbemerkt nähern und dann zur allgemeinen Überraschung bekommen, was er wollte.

Teilnehmerin:  Was bedeutet die Erhöhung Jupiters im Krebs?

Clare:  Das für dieses Zeichen so wichtige Gefühl der Zugehörigkeit erstreckt sich letzten Endes über das persönliche Umfeld hinaus auf die Gemeinschaft, Gesellschaft, die Nation, die Vorfahren bis weit zurück in die Geschichte. Wasser ist unpersönlich; für den Krebs ist es sogar wahrscheinlich, und um einiges sicherer, seine Stärke nicht von der eigenen Mutter oder Familie zu beziehen, sondern aus einer tiefen emotionalen Verbindung zu Mutter Erde selbst. Jupiter erweitert, und daher finden Krebsmenschen oft einen tieferen Sinn in der Zugehörigkeit zu etwas, das viel größer ist als die persönliche Familie.

Teilnehmerin:  Mein Sohn ist Krebs, und ich hatte noch nie das Gefühl, ihn wirklich zu kennen. Ich kann nicht zu seinem Innersten vordringen.

Clare:  Das klingt, als versuchten Sie, seine Schale aufzubrechen, womit Sie wohl kaum Erfolg haben werden. Krebs ist sehr beschützend und schützt sich auch selbst sehr stark. Die Stärke dieses kardinalen Wasserzeichens besteht darin, seine Ziele still und unbemerkt zu erreichen. Er ist bereit, auf die Flut zu warten – oder darauf, daß alle anderen das Interesse verlieren. Ich vermute, Ihr Sohn möchte nicht, daß Sie bis zu seinem weichen Kern vordringen, den er nur zeigt, wenn ihm die Zeit reif erscheint und seine Bedingungen erfüllt sind. Meistens wird er sich eher hinter irgend etwas verstecken, um sich zu schützen.

Teilnehmerin:  Aber warum bekomme ich auf eine einfache Frage nie eine einfache Antwort?

Clare:  Haben Sie vielleicht zufällig eine starke Betonung der Luftzeichen in Ihrem Horoskop? Ja? Das dachte ich mir. Das ist ein gutes Beispiel für die Spannung zwischen den beiden gegensätzlichen Elementen Luft und Wasser. Sie bekommen keine einfache Antwort, weil Ihr Sohn ein Wasserzeichen ist. Sie bekommen Ablenkungsversuche, Umwege, Themenwechsel und noch manches andere, doch eigentlich bekommen Sie keine Antwort. Das ist kein Zufall, sondern ein Beispiel für einen kräftig wirksamen Abwehrmechnismus des Wassers.

Teilnehmerin:  Ich dachte, Krebse seien sehr vertrauensvoll.

Clare:  Das glaube ich nicht. Ich habe eher das Gefühl, daß dieses Zeichen von Haus aus nicht vertraut, solange es sich nicht absolut sicher fühlt. Und normalerweise ist es eben eine recht sichere Sache, der Vergangenheit und den Erinnerungen zu vertrauen.

Planeten in Krebs

Sally hat Mars in Krebs, das beschreibt also, wie sie sich selbst behauptet und verteidigt. Diese Stellung ist bis zum äußersten auf Selbstschutz bedacht, so daß Sally ihre Gefühle wahrscheinlich besonders stark schützt. Obwohl sich Mars nach traditioneller Auffassung in diesem Zeichen im Fall befindet, ist damit auch die heftige Aggression beschrieben, mit der eine Mutter ihre Kinder verteidigt. Im Tierreich wagt sich kein anderes Tier an eine Mutter mit Jungen heran, denn sie wird bis zu ihrem Tod kämpfen, um sie zu verteidigen. Wenn wir das richtige Verhältnis zu dieser Marsstellung finden, sehen wir, daß daran überhaupt nichts Schwaches ist.

Teilnehmerin:  Ich habe Uranus in Krebs, und ich habe mich gegen meine Familie und sogar gegen mein Land aufgelehnt, denn ich habe die Vereinigten Staaten mit achtzehn Jahren – also eigentlich, sobald ich konnte – verlassen.

Clare:  Ja, das ist ein gutes Beispiel für ein Thema, das eine ganze Generation betrifft. Uranus hielt sich zwischen Juni 1949 und August 1955 sowie noch einmal kurz zwischen Januar und Juni 1956 in Krebs auf. Eine Art Schnelldeutung zu Uranus bekommen wir durch die Fragen „Was ist es, woran wir nicht glauben?“ und „Wo fühlen wir uns isoliert?“ Uranus in Krebs bezieht sich auf eine Gruppe von Menschen, die – ganz allgemein gesprochen – nicht an die Familie oder an die Zugehörigkeit zu irgendeiner biologischen Größe glauben. Jegliche Art von Nestgefühl wird bei einem Menschen mit Uranus in Krebs Panik auslösen. Viele Menschen mit Uranus in Krebs haben eine regelrechte Ablehnung gegen ihre Verwandten und wollen einfach nichts mit ihrer Familie zu tun haben. Sie gehen so bald wie möglich von Zuhause weg oder in ein anderes Land.

Die Generation mit Uranus in Krebs fühlt sich oft fremd in der eigenen Familie und in ihrer angestammten Kultur; sie wird sich entweder gegen den Status quo auflehnen oder fliehen wollen. Dadurch geraten sie in eine Art Zwickmühle: Einerseits verspürt diese Generation den Drang, die alten Strukturen und Gewohnheiten aufzubrechen, sich gegen die Grenzen und Einschränkungen durch Familie und Kultur aufzulehnen und nach neuen Möglichkeiten der Zusammengehörigkeit zu suchen, die nicht schon genetisch oder historisch vorgezeichnet sind. Diese Generation versucht, neue Verbindungen herzustellen, die auf intellektueller Aufrichtigkeit, gemeinsamen Vorstellungen und neuen Lebensweisen beruhen. So neigte die Generation mit Uranus in Krebs beispielsweise immer dazu, die Werte und religiösen Bräuche ihrer eigenen Kultur abzulehnen, denn es fällt ihr viel leichter, die religiösen und philosophischen Traditionen fremder Kulturen aufzugreifen. Wir dürfen sagen, daß vor 1949 die „Kernfamilie“ das Fundament war, auf dem Gesellschaft und Kultur aufbauten, und daß dies erst mit dem Eintritt von Uranus in den Krebs in Frage gestellt wurde. Heutzutage ist die Zersplitterung und Auflösung der Familie nichts besonderes mehr, Familien mit nur einem Elternteil sind normal.

Andererseits kann diese Zersplitterung auf der persönlichen Ebene äußerst schmerzhaft sein, denn uns gewöhnlichen Menschen fällt es schwer, die Entfremdung von unseren biologischen oder kulturellen Wurzeln zu ertragen. Im Extremfall kann diese Stellung dazu führen, daß jegliche Gruppenzugehörigkeit, oder, frei nach dem berühmten Ausspruch von Groucho Marx, die Zugehörigkeit zu jedem Verein abgelehnt wird, der uns als Mitglied aufnehmen würde. Das bedeutet, wir können uns in einem Zustand der Ablehnung und Verweigerung befinden, der uns ebenso sehr gefangensetzt wie die Verstrickung in Familienbande. Das ist ein Beispiel dafür, wie unsere uranische Ideologie uns fesseln und gefangennehmen kann. Da lehnen wir uns womöglich gegen jegliche Intimität und Geborgenheit auf, weil sie uns auf einer bestimmten Ebene absolut zuwiderläuft, selbst wenn wir sie auf der gewöhnlichen, menschlichen, lunaren Ebene unbedingt brauchen. Befinden sich außer Uranus noch andere Planeten in Krebs, so entsteht dadurch eine gewisse Spannung, denn Sie sind Teil einer Generation, die gerade das zerstören will, was sie auf der persönlichen Ebene braucht.

Es geht mir hier darum, daß wir den Generationsthemen, in die hinein wir geboren wurden, solange ausgeliefert sind, bis es uns gelingt, eine bewußte Beziehung zu ihnen herzustellen. Die gefährlichste Form von Uranus ist das Gruppendenken, die blinde, kollektive Ideologie. Das kann zur Identifizierung mit einer fremden Ideologie führen, die nie auf die Ebene des realen Lebens heruntertransformiert, internalisiert oder auf menschliche Maßstäbe übertragen wurde. Wenn wir nicht wollen, daß die kollektiven Kräfte Besitz von uns ergreifen, brauchen wir eine starke Egostruktur, um zu einer eigenen Beziehung zu diesen Kräften zu finden.

Teilnehmerin:  Ich habe Uranus in Krebs, und sobald ich auf die Universität ging, verkauften meine Eltern den Familiensitz und zogen weit weg. Das fand ich niederschmetternd.

Andere Teilnehmerin:  Ich merke, daß mir meine Familie jetzt, da ich älter werde, wieder mehr bedeutet.

Clare:  Vielleicht haben Sie jetzt genügend Selbstbewußtsein und eine gute, starke Egostruktur, so daß Sie sich Ihrer Familie wieder nähern können, ohne gleich vereinnahmt zu werden. Bestimmt können Sie mit Uranus in Krebs auf positive Weise nötige Veränderungen herbeiführen und eine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit beisteuern, die Ihrer Familie sehr gut tun würde.

Teilnehmerin:  Heißt das, die Generation, die gerade unter Uranus in Wassermann zur Welt kommt, wird sich gegen alle Ideologien auflehnen?

Clare:  Nun, das wäre eine logische Annahme, aber ich glaube, wir müssen es einfach abwarten.

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Das Buch"Mapping the Psyche"

Erstveröffentlichung 2005 durch CPA Press, BCM Box 1815, London WC1N 3XX, Großbritannien, www.cpalondon.com.
Copyright ©2005 by Clare Martin.
Mehr Informationen über das Buch.
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