Kardinales
Wasser
- Herrscher: Mond
- Erhöhung: Jupiter
- Exil: Saturn
- Fall: Mars
Ein hilfreiches Bild für das kardinale Wasserzeichen Krebs ist
Wasser, das kraftvoll in eine bestimmte Richtung fließt, wie zum Beispiel
Flüsse, Wasserfälle oder Wellen. Ich denke, der Schüssel zu
diesem Zeichen ist sein gezeitenhaftes Wesen, denn es steht ja unter der Herrschaft
des Mondes, der ständig zu- und wieder abnimmt und den Rhythmus von Ebbe
und Flut regelt. Auf der körperlichen Ebene herrscht der Krebs über
Brüste und Magen, die Funktionen, Nahrung für andere abzugeben und
selbst Nahrung aufzunehmen. Solange Ebbe und Flut sich irgendwie das Gleichgewicht
halten, arbeitet dieses Zeichen meist positiv.
Wenn bei Flut das Wasser steigt, können Krebse gesellig, großzügig,
liebevoll, verrückt, durchgedreht und übermütig sein;
wenn bei Ebbe das Wasser fällt, zieht sich der Krebs zurück,
und alles, was nach außen sichtbar bleibt, ist der Panzer. Sie
können anklopfen, aber es ist niemand Zuhause. Wie alle Wasserzeichen
hat auch dieses etwas sehr Privates. Krebsmenschen verstecken sich
gern und antworten nicht, außer sie sehen sich dazu gezwungen,
und dann sind sie wahrscheinlich ausgesprochen verdrießlich und
empfindlich. Der Krebsgeborene Marcel Proust, dessen Leben in zwei
große Perioden eingeteilt werden kann, verbrachte die erste Hälfte
seines Lebens als Gesellschaftslöwe, die zweite als Einsiedler
in einer gegen Lärm abgedämmten Wohnung in Paris; in dieser
Zeit schrieb er auch sein berühmtes Buch Auf der Suche nach der
verlorenen Zeit, das voller Bezüge zu seiner Mutter und Erinnerungen
an Speisen ist. Krebs ist ein äußerst feinfühliges
Zeichen mit einer starken emotionalen Verbindung nicht nur zur persönlichen,
eigenen Vergangenheit; dieses Zeichen interessiert sich auch sehr für
die Ursprünge und Wurzeln aller Dinge. Der Krebs kann besser in
Nostalgie schwelgen als jedes andere Zeichen.
Oft bleiben Krebse am äußersten Ende des Spektrums hängen.
Dabei hat die nur nährende, nur gebende, nur fürsorgliche
und sich selbst aufopfernde Seite oft einen Schatten voller Ärger
und Selbstmitleid; andererseits kommen viele Menschen mit der nur fordernden,
abhängigen, bedürftigen, verletzlichen Seite nicht zurecht,
was das Gefühl der Verlassenheit und Abhängigkeit noch verstärkt,
so daß der Krebs emotional noch fordernder und anhänglicher
wird. Krebsmenschen können auch wahre Ungeheuer an emotionaler
Erpressung werden, und dann hört man schon einmal so etwas Ähnliches
wie: „Wenn du das nicht ißt, liebst du mich nicht.“
Die positive Integration von Saturn und Mars, die sich im Krebs im
Exil beziehungsweise im Fall befinden, kann dem Krebsmenschen helfen,
genügend Kraft zu entwickeln, um auf eigenen Füßen
zu stehen (Saturn) oder für sich selbst einzutreten (Mars). Als
kardinales Zeichen ist der Krebs äußerst hartnäckig
und entschlossen; ganz wie ein richtiger Krebs kann er sich seinen
Zielen leise und unbemerkt nähern und dann zur allgemeinen Überraschung
bekommen, was er wollte.
Teilnehmerin: Was bedeutet die Erhöhung Jupiters im Krebs?
Clare: Das für dieses Zeichen so wichtige Gefühl
der Zugehörigkeit erstreckt sich letzten Endes über das persönliche
Umfeld hinaus auf die Gemeinschaft, Gesellschaft, die Nation, die Vorfahren
bis weit zurück in die Geschichte. Wasser ist unpersönlich;
für den Krebs ist es sogar wahrscheinlich, und um einiges sicherer,
seine Stärke nicht von der eigenen Mutter oder Familie zu beziehen,
sondern aus einer tiefen emotionalen Verbindung zu Mutter Erde selbst.
Jupiter erweitert, und daher finden Krebsmenschen oft einen tieferen
Sinn in der Zugehörigkeit zu etwas, das viel größer
ist als die persönliche Familie.
Teilnehmerin: Mein Sohn ist Krebs, und ich hatte noch nie
das Gefühl, ihn wirklich zu kennen. Ich kann nicht zu seinem Innersten
vordringen.
Clare: Das klingt, als versuchten Sie, seine Schale aufzubrechen,
womit Sie wohl kaum Erfolg haben werden. Krebs ist sehr beschützend
und schützt sich auch selbst sehr stark. Die Stärke dieses
kardinalen Wasserzeichens besteht darin, seine Ziele still und unbemerkt
zu erreichen. Er ist bereit, auf die Flut zu warten – oder darauf,
daß alle anderen das Interesse verlieren. Ich vermute, Ihr Sohn
möchte nicht, daß Sie bis zu seinem weichen Kern vordringen,
den er nur zeigt, wenn ihm die Zeit reif erscheint und seine Bedingungen
erfüllt sind. Meistens wird er sich eher hinter irgend etwas verstecken,
um sich zu schützen.
Teilnehmerin: Aber warum bekomme ich auf eine einfache Frage
nie eine einfache Antwort?
Clare: Haben Sie vielleicht zufällig eine starke Betonung
der Luftzeichen in Ihrem Horoskop? Ja? Das dachte ich mir. Das ist
ein gutes Beispiel für die Spannung zwischen den beiden gegensätzlichen
Elementen Luft und Wasser. Sie bekommen keine einfache Antwort, weil
Ihr Sohn ein Wasserzeichen ist. Sie bekommen Ablenkungsversuche, Umwege,
Themenwechsel und noch manches andere, doch eigentlich bekommen Sie
keine Antwort. Das ist kein Zufall, sondern ein Beispiel für einen
kräftig wirksamen Abwehrmechnismus des Wassers.
Teilnehmerin: Ich dachte, Krebse seien sehr vertrauensvoll.
Clare: Das glaube ich nicht. Ich habe eher das Gefühl,
daß dieses Zeichen von Haus aus nicht vertraut, solange es sich
nicht absolut sicher fühlt. Und normalerweise ist es eben eine
recht sichere Sache, der Vergangenheit und den Erinnerungen zu vertrauen.
Planeten in Krebs
Sally hat Mars in Krebs, das beschreibt also, wie sie sich selbst
behauptet und verteidigt. Diese Stellung ist bis zum äußersten
auf Selbstschutz bedacht, so daß Sally ihre Gefühle wahrscheinlich
besonders stark schützt. Obwohl sich Mars nach traditioneller
Auffassung in diesem Zeichen im Fall befindet, ist damit auch die heftige
Aggression beschrieben, mit der eine Mutter ihre Kinder verteidigt.
Im Tierreich wagt sich kein anderes Tier an eine Mutter mit Jungen
heran, denn sie wird bis zu ihrem Tod kämpfen, um sie zu verteidigen.
Wenn wir das richtige Verhältnis zu dieser Marsstellung finden,
sehen wir, daß daran überhaupt nichts Schwaches ist.
Teilnehmerin: Ich habe Uranus in Krebs, und ich habe mich
gegen meine Familie und sogar gegen mein Land aufgelehnt, denn ich
habe die Vereinigten Staaten mit achtzehn Jahren – also eigentlich,
sobald ich konnte – verlassen.
Clare: Ja, das ist ein gutes Beispiel für
ein Thema, das eine ganze Generation betrifft. Uranus hielt sich zwischen
Juni 1949 und August 1955 sowie noch einmal kurz zwischen Januar und
Juni 1956 in Krebs auf. Eine Art Schnelldeutung zu Uranus bekommen
wir durch die Fragen „Was ist es, woran wir nicht glauben?“ und „Wo
fühlen wir uns isoliert?“ Uranus in Krebs bezieht sich auf
eine Gruppe von Menschen, die – ganz allgemein gesprochen – nicht
an die Familie oder an die Zugehörigkeit zu irgendeiner biologischen
Größe glauben. Jegliche Art von Nestgefühl wird bei
einem Menschen mit Uranus in Krebs Panik auslösen. Viele Menschen
mit Uranus in Krebs haben eine regelrechte Ablehnung gegen ihre Verwandten
und wollen einfach nichts mit ihrer Familie zu tun haben. Sie gehen
so bald wie möglich von Zuhause weg oder in ein anderes Land.
Die Generation mit Uranus in Krebs fühlt sich oft fremd in der
eigenen Familie und in ihrer angestammten Kultur; sie wird sich entweder
gegen den Status quo auflehnen oder fliehen wollen. Dadurch geraten
sie in eine Art Zwickmühle: Einerseits verspürt diese Generation
den Drang, die alten Strukturen und Gewohnheiten aufzubrechen, sich
gegen die Grenzen und Einschränkungen durch Familie und Kultur
aufzulehnen und nach neuen Möglichkeiten der Zusammengehörigkeit
zu suchen, die nicht schon genetisch oder historisch vorgezeichnet
sind. Diese Generation versucht, neue Verbindungen herzustellen, die
auf intellektueller Aufrichtigkeit, gemeinsamen Vorstellungen und neuen
Lebensweisen beruhen. So neigte die Generation mit Uranus in Krebs
beispielsweise immer dazu, die Werte und religiösen Bräuche
ihrer eigenen Kultur abzulehnen, denn es fällt ihr viel leichter,
die religiösen und philosophischen Traditionen fremder Kulturen
aufzugreifen. Wir dürfen sagen, daß vor 1949 die „Kernfamilie“ das
Fundament war, auf dem Gesellschaft und Kultur aufbauten, und daß dies
erst mit dem Eintritt von Uranus in den Krebs in Frage gestellt wurde.
Heutzutage ist die Zersplitterung und Auflösung der Familie nichts
besonderes mehr, Familien mit nur einem Elternteil sind normal.
Andererseits kann diese Zersplitterung auf der persönlichen Ebene äußerst
schmerzhaft sein, denn uns gewöhnlichen Menschen fällt es
schwer, die Entfremdung von unseren biologischen oder kulturellen Wurzeln
zu ertragen. Im Extremfall kann diese Stellung dazu führen, daß jegliche
Gruppenzugehörigkeit, oder, frei nach dem berühmten Ausspruch
von Groucho Marx, die Zugehörigkeit zu jedem Verein abgelehnt
wird, der uns als Mitglied aufnehmen würde. Das bedeutet, wir
können uns in einem Zustand der Ablehnung und Verweigerung befinden,
der uns ebenso sehr gefangensetzt wie die Verstrickung in Familienbande.
Das ist ein Beispiel dafür, wie unsere uranische Ideologie uns
fesseln und gefangennehmen kann. Da lehnen wir uns womöglich gegen
jegliche Intimität und Geborgenheit auf, weil sie uns auf einer
bestimmten Ebene absolut zuwiderläuft, selbst wenn wir sie auf
der gewöhnlichen, menschlichen, lunaren Ebene unbedingt brauchen.
Befinden sich außer Uranus noch andere Planeten in Krebs, so
entsteht dadurch eine gewisse Spannung, denn Sie sind Teil einer Generation,
die gerade das zerstören will, was sie auf der persönlichen
Ebene braucht.
Es geht mir hier darum, daß wir den Generationsthemen, in die
hinein wir geboren wurden, solange ausgeliefert sind, bis es uns gelingt,
eine bewußte Beziehung zu ihnen herzustellen. Die gefährlichste
Form von Uranus ist das Gruppendenken, die blinde, kollektive Ideologie.
Das kann zur Identifizierung mit einer fremden Ideologie führen,
die nie auf die Ebene des realen Lebens heruntertransformiert, internalisiert
oder auf menschliche Maßstäbe übertragen wurde. Wenn
wir nicht wollen, daß die kollektiven Kräfte Besitz von
uns ergreifen, brauchen wir eine starke Egostruktur, um zu einer eigenen
Beziehung zu diesen Kräften zu finden.
Teilnehmerin: Ich habe Uranus in Krebs, und sobald ich auf
die Universität ging, verkauften meine Eltern den Familiensitz
und zogen weit weg. Das fand ich niederschmetternd.
Andere Teilnehmerin: Ich merke, daß mir meine Familie
jetzt, da ich älter werde, wieder mehr bedeutet.
Clare: Vielleicht haben Sie jetzt genügend Selbstbewußtsein
und eine gute, starke Egostruktur, so daß Sie sich Ihrer Familie
wieder nähern können, ohne gleich vereinnahmt zu werden.
Bestimmt können Sie mit Uranus in Krebs auf positive Weise nötige
Veränderungen herbeiführen und eine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit
beisteuern, die Ihrer Familie sehr gut tun würde.
Teilnehmerin: Heißt das, die Generation, die gerade
unter Uranus in Wassermann zur Welt kommt, wird sich gegen alle Ideologien
auflehnen?
Clare: Nun, das wäre eine logische Annahme, aber ich
glaube, wir müssen es einfach abwarten.

|