Fixe
Luft
- Traditioneller Herrscher: Saturn
- Kollektiver Herrscher: Uranus
- Exil: Sonne
Ich finde es schwierig, mir fixe Luft bildlich vorzustellen – es
sei denn symbolisch, als fixe Ideen oder Ideale, oder vielleicht als strukturierten
Intellekt oder starres Denken. Fest steht, daß uns das Zeichen Wassermann
einmal mehr an die generelle Dualität der Luftzeichen erinnert und uns
mit radikalen Gegensätzen konfrontiert, wie sie in den ganz unterschiedlichen
Motiven der beiden Planetenherrscher dieses Zeichens, Saturn und Uranus, zum
Ausdruck kommen.
Saturn und Uranus sind in fast jeder Hinsicht gegensätzlich.
Saturn steht für Tradition, Struktur, Hierarchie, Autorität
und den Status quo. Uranus steht für die Kraft, die den Status
quo und die alten Strukturen umstürzen will, die Saturn zu bewahren
versucht. Uranus ist ein Erneuerer, der Träger neuer Ideale zum
Wohl der Allgemeinheit. Uranische Ideale sind insofern utopisch, als
es dabei um Offenheit und Ehrlichkeit, um Demokratie und Gleichheit
sowie um die Möglichkeit geht, daß die Menschheit sich zu
einer Ebene aufschwingt, auf der wir unsere Unterschiede respektieren
und zum Nutzen aller zusammenarbeiten können.
Wassermann ist ein überaus zivilisiertes, weit entwickeltes,
humanitär orientiertes und reifes Luftzeichen. Es hat mit sozialen
Strukturen, Organisationen und politischen Systemen zu tun, deren Ziel
es ist, dem gesellschaftlichen Fortschritt zu dienen und die Lebensumstände
der einfachen Leute zu verbessern; es setzt sich für humanitäre
und soziale Belange ein. Der Herrscher Saturn beschreibt die gesellschaftlichen
Strukturen, und der Herrscher Uranus verleiht dem Zeichen mit seiner
Vorausschau, seinen Idealen und seinem Gespür für die künftigen
Möglichkeiten der Menschheit eine zusätzliche Aufladung.
Können Sie verstehen, daß beide Planeten trotz ihrer grundlegenden
Unterschiede mit diesem Zeichen in Verbindung gebracht werden? Die
Integration der Sonne, die sich in Wassermann im Fall befindet, ist
ein wichtiger Hinweis darauf, wie eine ganz ausgereifte Ausdrucksform
dieses Zeichens aussehen kann: die Sonne, der Planet der Individualität,
zeigt uns, daß individuelle Werte und persönlicher Selbstausdruck
das ideale Gegengewicht zu den kollektiven Belangen dieses Zeichens
darstellen.
Teilnehmerin: Ich habe die Sonne in Wassermann.
Clare: Haben Sie das Gefühl, Zugang zu einem bestimmten
Wissen, einer Vorahnung oder Vision zu haben, die der Menschheit nützen
könnte?
Teilnehmerin: Also, mit Sicherheit habe ich eine unkonventionelle
Weltanschauung. Ich glaube, ich denke ganz anders als andere Menschen.
Clare: Ja, Wassermänner neigen dazu, die Dinge auf den
Kopf zu stellen, sich den Dingen unter einem ganz ungewöhnlichen
Blickwinkel zu nähern und „quer“ zu denken. Können
Sie aus Ihrer persönlichen Erfahrung sagen, daß Sie sowohl
Ihren Zeichenherrscher Saturn spüren, der es Ihnen wichtig erscheinen
läßt, den Respekt der Gruppe oder Gemeinschaft zu erringen,
als auch dieses gewisse Extra, das sie von den anderen unterscheidet,
das die Gruppe provozieren, die alten Strukturen zerschlagen und sie
durch etwas besseres ersetzen will?
Teilnehmerin: Wie Sie bloß darauf kommen – genau
so fühle ich mich!
Clare: Ich glaube, für Menschen mit der Sonne in Wassermann
ist es wichtig, mit diesem Paradoxon zurechtzukommen, denn in diesem
Zeichen steckt ein innerer Widerspruch. So kümmert sich zum Beispiel
Saturn durchaus darum, was andere denken, wogegen Uranus sich überhaupt
nicht darum schert. Daher auch der bekannte Wassermann-Ausspruch: „Ich
liebe die Menschheit, bloß die Leute kann ich nicht ausstehen.“ Trotz
der inneren Gegensätze ist das Fixe am Wassermann ein Hinweis
auf seine unbedingte Loyalität und seine hohen Freundschaftsideale.
An der echten Klarheit, der freien Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit und
der offenen Freundlichkeit dieses Zeichens ist nichts Betuliches oder
Schwammiges. Diejenigen unter uns mit Wassermann-Freunden können
sich glücklich schätzen.
Da Menschen mit der Sonne in Wassermann immer anders waren und immer
anders sein werden als die Norm, fühlen sich Wassermann-Menschen
oft ausgesprochen befreit, wenn sie dahin gelangen, daß sie sich
nicht mehr darum kümmern, was andere denken. Im jugendlichen Alter
kann das nämlich ausgesprochen unangenehm sein, und viele Wassermänner
verwenden einige Anstrengung darauf, „mit den Wölfen zu
heulen“, indem sie sich so anziehen und verhalten wie alle anderen,
um ihr Gefühl des Getrenntseins zu verbergen. Der Saturneinfluß der
ersten Lebenshälfte erzeugt das Gefühl, nicht mithalten zu
können, und die Angst davor, bloßgestellt zu werden oder
sich lächerlich zu machen. Wird Uranus als Zeichenherrscher dann
allmählich stärker, fühlen sich die Menschen mit vielen
Planeten in Wassermann immer wohler so wie sie sind und finden sogar
Gefallen daran, von der Norm abzuweichen.
Teilnehmerin: Das hilft mir sehr, denn als Wassermann habe
ich mich immer sehr anders gefühlt, und erst ab meiner Saturnwiederkehr
habe ich aufgehört, mir darüber den Kopf zu zerbrechen; statt
dessen fing ich an, es zu genießen.
Clare: Ja, offenbar hatten Sie bei Ihrer ersten Saturnwiederkehr
bereits die nötige Erfahrung und Selbsterkenntnis erworben, um
sich das Anderssein zu erlauben.
Teilnehmerin: Ja, es war eine schöne Bestätigung.
Vorher hatte ich immer das Gefühl, als wäre ich mir selbst
gegenüber nicht ganz aufrichtig, und das ist ziemlich schwierig
für einen Wassermann.
Andere Teilnehmerin: Wie steht es mit dem Schatten des Wassermanns?
Was passiert da?
Clare: Gehen wir davon aus, daß Wasser das Gegenteil
von Luft ist, so können wir die Schattenseite von Wassermann als
ein Unterbewerten gewöhnlicher menschlicher Gefühle und Emotionen
beschreiben. Wassermänner zeigen oft eine ideologische Starrheit
oder Totalität, die so selbstherrlich, kompromißlos und
brutal sein kann, daß sie sich rücksichtslos über gewöhnliche
menschliche Belange hinwegsetzt. Mit ihrem inneren Überlegenheitsgefühl
können Wassermänner sehr kritisch gegenüber gewöhnlichen
Sterblichen sein, die vielleicht zu langsam, zu verdorben oder zu dumm
sind, um ihre Brillanz, Wahrhaftigkeit und Klarheit gebührend
zu schätzen.
Teilnehmerin: Und während die anderen allmählich
aufholen, ist der Wassermann schon unterwegs zu seiner nächsten
Vision.
Planeten in Wassermann
Teilnehmerin: Ich weiß nicht, ob das etwas zu bedeuten
hat, aber mein Mond ist in Löwe und meine Sonne gegenüber
in Wassermann.
Clare: Also müssen wir uns speziell bei Ihrem Horoskop
besonders mit der Wassermann-Löwe-Polarität und der wichtigen
Integration dieser Polarität beschäftigen. Sie wurden während
eines Vollmondes geboren, zu einer Zeit, da Sonne und Mond so weit
wie nur irgend möglich voneinander entfernt waren. Das bedeutet,
daß Sie diesen polaren Gegensatz in sich tragen und daher über
ein Höchstmaß an Objektivität in bezug auf diese beiden
Prinzipien in Ihrem Horoskop verfügen. Die Aufgabe besteht nun
darin, herauszufinden, was sie als von einander getrennte Prinzipien
bedeuten, und sie dann zu integrieren – denn wenn wir nicht von
den Gegensätzen zerrissen werden wollen, müssen wir sie integrieren.
Wir werden uns im nächsten Kurs sehr viel eingehender mit diesen
Dingen befassen.
Teilnehmerin: Ich habe den Mond in Wassermann, und das ist
doch bestimmt schon an sich ein Widerspruch. Der Mond hat mit Gefühlen
und Bedürfnissen zu tun und ist wäßrig, doch bei Wassermann
geht es um Losgelöstheit und Ideen.
Clare: Der Mond beschreibt einfach nur, was Sie brauchen,
um sich sicher, genährt und geborgen zu fühlen. Der Mond
in Wassermann braucht Platz und Abstand, Aufrichtigkeit, Loyalität,
Wahrhaftigkeit und Gleichheit in Freundschaften. Was Sie brauchen,
sind Ideen und Ideale. Eine lunare Verbindung gehen wir mit Menschen
ein, zu denen wir eine geistige Verwandtschaft spüren. Dieses
Bedürfnis ist ebenso stark wie irgend etwas Wäßriges.
Menschen mit Mond in Wassermann haben oft das Gefühl, in eine
Familie hinein geboren zu sein, mit der sie nichts verbindet: „Wer
sind diese Menschen?“ Er kann auch ein Hinweis darauf sein, daß Ihre
Mutter nicht der normalen Mutterrolle entspricht, sondern irgendwie
außergewöhnlich ist – vielleicht eine Frau, die ihrer
Zeit voraus ist, oder eine Frau, die sich jetzt, da Sie kein Kleinkind
mehr sind, weit wohler damit fühlt, Ihnen gleichgestellt und mit
Ihnen befreundet zu sein.
Sally hat Sonne, Venus und Merkur in Wassermann. Merkur in Wassermann
zeigt, daß sie wahrscheinlich intelligent, rational, auf Abstand
und Fairneß bedacht ist. Ihre Denkhaltung ist logisch, strukturiert
und wissenschaftlich, und sie erwartet von anderen, daß sie intellektuell
auf gleicher Höhe mit ihr stehen und ihre Ideale teilen. Venus
in Wassermann zeigt, daß sie Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und
Loyalität schätzt und sich Freunden gegenüber immer
sehr loyal verhalten wird. Die Sonne zeigt, daß sie sich sehr
stark mit ihren Werten und Ideen identifiziert. Dies ist eine sehr
prinzipientreue, vielleicht sogar etwas selbstherrliche, unnachgiebige
Kombination. Die Integration des Gegenzeichens Löwe mit seinem
Herrscher, der Sonne, kann ihr helfen, die Bedeutung einzigartiger
individueller Werte bei der Verwirklichung kollektiver Ideale schätzen
zu lernen.
David hat dagegen Saturn in Wassermann. Diese Stellung ist viel vorsichtiger
und zeigt, daß er sehr empfindlich darauf reagiert, von anderen
beurteilt oder für dumm gehalten zu werden. Er neigt dazu, sich
in allen Fragen nach Autoritätsfiguren zu richten und allgemeine
Normen und Erwartungen zu erfüllen, um nicht bloßgestellt
oder ausgeschlossen zu werden. Letzten Endes wird er sein eigenes Wissen
und Können entwickeln und auf seinem Gebiet selbst eine Autorität
werden. Sein Geist ist diszipliniert und strukturiert, und diese Kombination
findet sich oft in den Horoskopen von Wissenschaftlern und Strategen.
Teilnehmerin: Ich habe Chiron in Wassermann.
Clare: Wieviele hier haben diese Stellung? Aha, drei oder
vier. Das ist eigentlich eine Erweiterung dessen, worüber wir
bisher gesprochen haben. Chiron ist der Außenseiter und Einzelgänger,
der nirgendwo dazugehört und deshalb oft zum Sündenbock gemacht
wird. Chiron in Wassermann, dem Zeichen der Gruppe, zeigt oft einen
Menschen, der schon viele Versuche unternommen hat, um von den anderen
akzeptiert zu werden, und der es schon oft schmerzlich erlebt hat,
derjenige zu sein, der nicht dazu paßt, der von der Gruppe abgelehnt
und ausgeschlossen wird. Dies kann zu einer verletzten Ablehnung aller
Gruppensituationen führen, der Betreffende rationalisiert dann
dahingehend, daß er „von Anfang an nicht dabeisein wollte“,
was eigentlich ein Schutz dagegen ist, wieder abgelehnt zu werden.
Die Wunde des Chiron in Wassermann besteht darin, von der Gruppe getrennt
zu sein oder von ihr abgelehnt zu werden. Letztendlich sollten wir
uns aber nicht ganz isolieren, sondern uns so annehmen, wie wir sind,
ohne daß wir dazu die Erlaubnis oder auch nur das Verständnis
anderer bräuchten. Beispielsweise geschieht es uns Astrologen
häufig, daß wir von „normalen“ Menschen kritisiert
und verurteilt werden, weil wir eine besondere Denkweise haben, die
von der Allgemeinheit abweicht. Befinden wir uns jedoch in einer Gruppe
anderer einzelgängerischer Astrologen, so können wir gemeinsam
Außenseiter sein, was sehr tröstlich ist. Sobald wir uns
einmal so angenommen haben, wie wir sind, brauchen wir nicht mehr um
die Anerkennung anderer zu kämpfen.
Teilnehmerin: Aber am Ende wird es doch bestimmt darauf hinauslaufen,
daß alle etwas weiterkommen und zu mehr Wissen und Klarheit gelangen.
Clare: Ich denke, wir würden alle gern glauben, daß das
stimmt. Zweifellos gab es seit der Entdeckung von Uranus einen exponentiellen
Zuwachs an wissenschaftlichen Neuerungen und Erfindungen, was ja durchaus
auf einen kollektiven Fortschritt hindeutet und auf eine neue intellektuelle
Fähigkeit der Allgemeinheit hindeutet, unsere Probleme zu erkennen
und zu lösen. Allerdings scheint mir, daß dabei noch offen
bleibt, ob wir unsere Fähigkeiten auch weise und mitfühlend
einsetzen können.
Wir wollen uns jetzt ins Wasser begeben. Dazu müssen wir aus
den klaren, weit entfernten, abgehobenen Sphären des Wassermanns
in die dunklen Tiefen des Wassers hinabtauchen, wo wir es mit einer
sehr viel geheimnisvolleren und archaischeren Welt zu tun haben.

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