Kardinale
Luft
- Herrscher: Venus
- Erhöhung: Saturn
- Exil: Mars
- Fall: Sonne
Waage ist das kardinale Luftzeichen, und das sollten
wir nicht vergessen, denn dieses von der Venus beherrschte Zeichen
der Zweierbeziehungen wird oft automatisch für ein Wasserzeichen
gehalten. Als kardinales Zeichen hat Waage klare Ansichten über
Gerechtigkeit, Harmonie und zivilisiertes Verhalten. Die Waage ist
vornehm. Sie herrscht über alle zivilisierten Künste – Theater,
Konzerthallen, Kunstgalerien, und auch über die Gesetze, die sich
jede zivilisierte Gesellschaft zur eigenen Führung gibt. Saturn,
der in der Waage erhöht ist, fühlt sich in diesem Zeichen
sehr wohl, denn auch Saturn herrscht über die Gesetze. Die Funktion
der Waage, die sich auch in ihrem Symbol der Waagschalen andeutet,
besteht darin, das System im Gleichgewicht zu halten.
Manchmal ist es sehr erhellend, sich vorzustellen, was eigentlich
fehlen würde, wenn ein Zeichen völlig aus dem Tierkreis entfernt
würde. Zum Beispiel gäbe es ohne die Waage keine schönen
Gegenstände in unserem Zuhause, keine Statuen, Gärten oder
Parks in unseren Städten, keine eleganten Gebäude oder Prachtstraßen,
weder ein ordentliches Anstellen an der Kasse noch irgendwelche Umgangsformen
oder höfliche Rücksichtnahme anderen gegenüber. Alle
diese Waage-Eigenschaften zusammengenommen machen das zivilisierte
Leben erfreulich und angenehm. Regeln, Gesetze und Verträge im
Zeichen der Waage ermöglichen es uns, harmonisch zusammenzuleben
und auf eine gerechte Strafe für jene zu vertrauen, die die Gesetze
des zivilisierten Zusammenlebens brechen. Die Venus, die über
die Waage herrscht, ist nicht jene sinnliche, körperliche, erdige
Venus, die wir als Aphrodite kennen; die Waage-Venus ist eher der Athene
verwandt, der Kriegsgöttin, die ganz ausgewachsen und vollständig
bewaffnet mit einem Schwert in der Hand der Stirn ihres Vaters Zeus
entstieg. Ihre Aufgabe war es, die Helden und tapferen Krieger zu beschützen
und den Menschen die Segnungen der Zivilisation zu bringen. Sie ist
die Schutzherrin der Architektur und aller ästhetischen Künste.
Ich bin sicher, Sie alle kennen die berühmte Statue der Gerechtigkeit
oben auf dem Old Bailey in London. Diese weibliche Figur hält
das Schwert der Gerechtigkeit in einer Hand und die Waage der Gerechtigkeit
in der anderen. In gewisser Hinsicht ist diese Figur ein genaues Abbild
der Widder-Waage-Achse im Horoskop. Waage hat mit Ästhetik, Struktur,
Stil, Anmut, Ausgleich und Harmonie zu tun. In Zweierbeziehungen setzt
die Waage jene Verträge auf, die das vereinbarte Verhalten zweier
Menschen definieren, sei es im Geschäftsleben oder in persönlichen
Beziehungen. Die Stärke der Waage sind Theorien und Konzepte zu
den Themen Frieden, Harmonie und Gerechtigkeit.
Da es sich um ein von Venus beherrschtes Zeichen handelt, haben waagebetonte
Menschen etwas Charmantes, Anmutiges, Attraktives und auch Androgynes
an sich. Die Männer haben etwas Weibliches, die Frauen etwas Männliches
an sich, und darin kommt eine sowohl innere als auch äußere
Balance zum Ausdruck. Wie die Dinge aussehen und wie die Menschen sich
anderen zeigen, ist wichtig für Waagemenschen; in bezug auf Inneneinrichtung
und Mode kann man sich stets auf das Geschmacks- und Stilempfinden
der Waage verlassen, denn sie besitzt ein feines Gespür für
Ausgeglichenheit und Harmonie. Auf der intellektuellen Ebene sind es
wahrscheinlich die Waagemenschen, die im Ballett oder Konzert die Partitur
mitlesen, um sicherzugehen, daß die jeweilige Kunstform richtig
aufgeführt wird – so, wie es sich gehört. Wasser- und
feuerbetonte Menschen werden dagegen in die emotionale Spannung und
Dramatik eintauchen und sich ganz auf die mythische oder emotionale
Erfahrung einlassen.
Für Waagemenschen ist es wirklich wichtig, daß andere Menschen
und ihre Umgebung sich fair verhalten, daß für Gerechtigkeit
gesorgt wird und daß in Beziehungen ein Gleichgewicht zwischen
Geben und Nehmen herrscht. Waagemenschen glauben sehr an die vertragliche
Natur von Beziehungen, etwa „Wenn ich das für dich tue,
dann tust du jenes für mich“, und „Wenn ich für
dich da bin, mußt du auch für mich da sein.“ Bei der
Waage gibt es immer ein quid pro quo: die Waage gibt nichts ohne Bedingungen,
denn dadurch würde das Gleichgewicht gestört werden. Denken
Sie aber daran, daß wir es hier nicht mit einem Wasserzeichen
zu tun haben und daß sich die Waage sehr unwohl fühlt, sobald
emotionale Themen berührt werden – denn Gefühle sind
oft unzivilisiert, unordentlich und ungerecht, und das geht der Waage
sehr gegen den Strich. So gesehen können Waagemenschen in Beziehungen
sehr unrealistisch sein.
Teilnehmerin: Und ich dachte, sie seien Romantiker.
Clare: Oh ja, aber als Luftzeichen sind sie eben verliebt
in die Liebe als Kunstform oder persönlicher Stil. Sie wollen,
daß alles „hübsch“ ist – es muß von
vorn bis hinten stimmen, bis hin zu den roten Rosen, dem Abendessen
bei Kerzenschein, verliebten Worten und sanfter Musik. Ein zivilrechtlicher
oder ein Heiratsvertrag wird als Versprechen aufgefaßt, sich
auf eine bestimmte Weise zu verhalten oder etwas bestimmtes zu tun.
Nichts verärgert die Waage mehr als ein Vertragsbruch oder das
Gefühl, mehr gegeben zu haben als sie zurückbekommt. Das
ist ihr zutiefst zuwider und löst fast immer überraschend
starke und rohe Gefühle aus, die die Waage normalerweise vermeiden
würde.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Film Der Rosenkrieg, den Sie
vielleicht gesehen haben. Der Film beginnt mit einem äußerst
kultivierten und intelligenten Ehepaar, dargestellt von Michael Douglas
und Kathleen Turner. Sie haben ein schönes Haus und einen gepflegten
Garten, die „richtigen“ Bilder an den Wänden, sie
haben schicke Autos, verkehren in den richtigen Kreisen und sind beruflich
sehr erfolgreich. Kurz gesagt, sie haben alles, was sich ein Luftzeichen
nur wünschen kann. Worüber sie jedoch keine Kontrolle haben,
das sind ihre Gefühle, und der ganze Film ist eine erschreckende
Geschichte darüber, wie alles auseinanderbricht, wenn die Gefühle überhandnehmen
und alles zerstören, was die beiden zusammen aufgebaut haben.
Teilnehmerin: Ja, ich erinnere mich an die schrecklichen Dinge,
die sie einander zufügten. Das war ein sehr verstörender
Film.
Clare: Es endete damit, daß sie mit Messern aufeinander
losgingen, die Haustiere des anderen überfuhren und sich ganz
allgemein aufführten wie verrückte Monster. Waagemenschen
zeigen sich in diesem Bereich nicht gerade von ihrer besten Seite.
Sie sind sehr, sehr gut, wenn es auf gute Manieren, Diplomatie und
Charme ankommt – das ist ihre beste Funktion. Sie sind sehr geschickte
Diplomaten, hervorragende Schiedsrichter und wunderbare Staatsmänner,
und außerdem sind sie wohl die begnadetsten Schmeichler. In gewisser
Weise suchen sie wirklich nach den besten Seiten der anderen, um so
ihrerseits im besten Licht zu erscheinen.
Teilnehmerin: Ist das nicht ein wenig streng?
Clare: Ja, Sie haben ganz recht mit Ihrem Hinweis – ich
weiß, daß ich einen Waageschatten habe. Wir dürfen
aber auch nicht vergessen, daß die Eigenschaften des jeweils
gegenüberliegenden Zeichens komplementäre Ergänzungen
darstellen, ohne die eine volle Integration des betreffenden Zeichens
nicht möglich ist. Im vorliegenden Fall zeigt der Widder an, daß die
Waage ohne ein starkes Ichgefühl nicht positiv funktionieren kann.
Das Luftzeichen Waage versteht oft nicht, daß Probleme nicht
ausschließlich durch den rationalen Intellekt gelöst werden
können. Reicht man sich nach einem Streit die Hand, so mag das
der Form genüge tun, doch trägt es nichts dazu bei, den emotionalen
Hintergrund des Problems zu entschärfen. Ein gutes Beispiel dafür
ist auch die Idee der „Friedensgespräche“. Damit sollen
Vernunft und Rationalität Eingang in die Lösung eines Problems
finden, das sehr tiefe emotionale Ursachen hat – das Problem
soll offen dargelegt werden, so daß es möglich wird, die
Sache objektiv zu betrachten, um schließlich einen Kompromiß auszuhandeln.
Verstehen Sie mich? Darin sehe ich auch Anklänge an den Rosenkrieg.
Teilnehmerin: Ich bin selbst Waage, und die Trennung von meinem
früheren Ehemann war schrecklich – genau wie im Film!
Clare: Das Interessante an der Beendigung oder dem Bruch eines
Vertrages wie zum Beispiel bei einer Scheidung ist, daß die Sache
auf einer bestimmten Ebene – nämlich durch die Rechtsanwälte
und das Gericht – sehr zivilisiert behandelt wird. Da wäre
es sehr gut, wenn man vorher einen Ehevertrag geschlossen hätte – eine
Erfindung, die zweifellos auf einen Waagemenschen zurückgeht.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß Michael Douglas und Catherine
Zeta-Jones gemeinsam einen Ehevertrag unterzeichnet haben, und sie
sind beide am gleichen Tag geboren, nämlich am 25. September,
sie sind also beide Waage! Catherine Zeta-Jones spielte auch kürzlich
in einem Film namens Intolerable Cruelty, mit George Clooney als Scheidungsanwalt
für bessere Leute. Auch hier ging es um die vertragliche Seite
der Ehe, wobei sich alles um das Thema vorehelicher Vereinbarungen
drehte. Der Film arbeitete die Tatsache sehr gut heraus, daß keine „außergerichtliche
Einigung“, keine offizielle Trennung oder Scheidung bei der Aufarbeitung
der Emotionen oder Gefühle hilft, die solchen Situationen zugrundeliegen.
Wir wollen aber jetzt weitermachen – hat jemand von Ihnen Planeten
in der Waage, die er sich näher ansehen möchte?
Planeten in Waage
Teilnehmerin: Ich habe Mars in Waage.
Clare: Mars zeigt, wie Sie sich behaupten und verteidigen,
wie Sie kämpfen. Mit Mars in der Waage kämpfen Sie vermutlich
lieber für andere gegen Ungerechtigkeiten als für sich selbst.
Wahrscheinlich sind Sie also eine geborene Vermittlerin und Schiedsrichterin,
die sich in entsprechenden Situationen wie Zuhause fühlt. Mars
in Waage fällt es schwer, für sich selbst einzutreten, denn
diese Menschen sehen Probleme oft zu intellektuell und finden ganz
leicht Gründe, warum der andere sich nun gerade so verhält;
auf diese Weise argumentieren sie sozusagen gegen ihre eigenen Interessen.
Andererseits steht Mars in Waage auch für den „gerechten
Krieg“. Wenn ein Vertrag gebrochen oder ein Unrecht begangen
wurde, kann dies einen Waagemenschen dazu anspornen, sich dagegen einzusetzen,
auch wenn er dies im allgemeinen sehr stilvoll tun wird. Ist es bei
Ihnen auch so, daß Sie bei Ungerechtigkeiten auf die Barrikaden
gehen?
Teilnehmerin: Ja, unbedingt.
Clare: Sally hat Pluto in Waage – eine kollektive Stellung,
die wir uns genauer ansehen sollten. Pluto war von 1971 bis 1983 in
der Waage; die allgemeine Korruption und der Verfall, die bei dieser
Plutostellung zum Vorschein kommen und anschließend geläutert
und eliminiert werden, betreffen Themen wie Gleichheit, Fairneß,
Gerechtigkeit und Vertrauen. Die Watergate-Affäre von 1972/73
ist ein gutes Beispiel dafür. Allgemein war man bis zu diesem
Zeitpunkt davon überzeugt, daß Menschen in Machtpositionen
sich im Großen und Ganzen ethisch verantwortungsvoll, gesetzestreu
und ehrenhaft verhalten und daß Gesetzgebung und Rechtsprechung
mehr oder weniger zuverlässig für Gerechtigkeit sorgen würden.
Nachdem Pluto nun die Waage durchlaufen hat, sind wir uns wohl alle
sehr viel deutlicher der Korruption bewußt, die in den Tiefen
großer Organisationen besteht. Doch zur fraglichen Zeit war die
Watergate-Affäre besonders schockierend, weil auf der kollektiven
Ebene immer noch davon ausgegangen wurde, daß Autoritätspersonen
in verantwortungsvollen Stellungen sich ethisch korrekt verhalten würden.
Auf der persönlichen Ebene liegt der Brennpunkt für diese
Generation im Bereich Vertrauen und persönliche Verantwortung
in Beziehungen, wobei diese Beziehungen wohl immer wieder kaputtgehen
und wieder neu geschaffen werden, denn die Menschen mit Pluto in Waage
kämpfen darum, aufrichtige, ausgeglichene und ganzheitliche Wege
zur Gestaltung ihrer Beziehungen zu finden. In dieser Hinsicht unterscheiden
sie sich deutlich von der zwischen 1942 und 1956 geborenen Generation
mit Neptun in der Waage, denn das kollektive Träumen und Sehnen
dieser Generation war auf Frieden, Liebe und Harmonie gerichtet. Es
war die Hippie-Generation, die Beziehungen idealisierte und – um
die unsterblichen Worte John Lennons zu gebrauchen – daran glaubte,
daß Liebe alles ist, was man braucht.
Teilnehmerin: Pluto ist ja gegenwärtig in Schütze – welche
Art von Korruption kommt denn da zum Vorschein?
Clare: Schütze hat mit höherer Bildung zu tun, mit
der Kirche und dem Gesetz, und ich denke, es kann mit Sicherheit gesagt
werden, daß diese Bereiche derzeit alle Hände voll damit
zu tun haben, ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Hier in England
sollen die Universitäten nicht mehr nur den Privilegierten, sondern
allen zugänglich sein. Das hat jedoch auch mit sich gebracht,
daß Stipendien durch Darlehen ersetzt wurden und viele Universitäten
die größten Schwierigkeiten haben, sich finanziell über
Wasser zu halten. Im Bereich der Kirche sind die Fragen der Ordination
homosexueller Priester und der Ernennung weiblicher Bischöfe weiterhin
heiß umkämpft, ganz zu schweigen von den Enthüllungen über
Kindesmißbrauch durch Priester. Für die Vorstellungen eines
Schützen sollten Gottesvertreter eigentlich gegen körperliche
Begierden gefeit sein, und doch sind alle diese Dinge ans Licht gekommen,
seit Pluto in den Schützen gegangen ist. Im Gerichtswesen erfährt
die Öffentlichkeit gerade, wie korrupt das ganze System der Gerichtskostenbeihilfen
und staatlichen Unterstützung bei Inanspruchnahme von Anwälten
ist. Pluto bringt immer auch Fanatismus und Zwanghaftigkeit mit sich,
was gut zum aktuellen Erstarken des Fundamentalismus und religiöser
Kulte paßt.

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