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Loop! Astrologie-Zeitung

Irgendwann, in einer Zeit ohne Zeit

Es ist Mittwoch, der 7. Mai 2014 und Merkur geht bald in die Zwillinge. Die Nacht beginnt wie alle Tage mit Buchstaben, Zahlen, einem Nichts, denn es ist null Uhr. Wahrscheinlich hat es geregnet, aber keiner erinnert sich an den Regen, nur an sein Geräusch. Tropfen kratzen wie kleine, wilde Tiere am Fenster. Davor Dunkel, dahinter Schwärze. Über, unter. Diese Worte heißen Verhältnisworte, weil sie Verhältnisse beherrschen, ohne die es kein Verhältnis zum Leben gibt.

Wo ist das Universum, wenn niemand es denkt? Das Fenster, du, diese Minute? Nur Merkur läuft in ein paar Stunden nach Hause. Alles andere steht still, einen Augenblick, genau den Moment, den einzigen, wo die Schaukel in der Luft steht, hoch oben, bevor sie umschlägt und das Leben wieder nach Worten ringt. Nun bist du anderswo. Hier, der Regen vor dem Fenster, du dahinter, obwohl du dich, aus Sicht des Regens, vor der Scheibe befinden müsstest, die sich in deinem Spiegel betrachtet.

Darüber und darunter verriegelt Wasser, das aus dem Himmel fällt, einen Meter Sein. Zaun, Mauer, Brücke vor dem Nichts, das sich nie denken ließe, wenn keiner Begriffe dafür fände. Was für eine endlose, alte Geschichte. Wo wären wir ohne das Wort. Zwillinge. Ich denke dich, also bist du. Viele Grüße, deine Welt. 

Das Universum, dahinter, leer, da, wo es Formeln, aber keine Formen hat. Die Flasche auf der Fensterbank trägt einen zarten Spitzenkragen aus Wasser und Kälte. Wenn jemand sie öffnet, werden Abdrücke von Fingern plötzlich erscheinen und wie dunkle Blumen auf etwas Zerbrechlichem blühen. Das Glas, das du neben die Flasche stellst, hat deiner Großmutter gehört. Du könntest es mit denselben Fingern zerdrücken, die Blumen auf den Flaschenhals malen. Regen klirrt, simmert, singt, fällt, redet hinter der Scheibe, in der du dich spiegelst. Sie denkt dich. So kann sie sicher sein, dass immer etwas bleibt. Die Kunst, belanglose Sätze zu sagen, ohne dass sie belanglos klingen, war immer Zwillinge-Zeit. In deiner Sprache sind eigentlich alle Worte aufgebraucht, und auch die Zahlen. Das nennt man Neptun. Es ist trotzdem Mittwoch, der 7. Mai 2014. Gut, dass man angefangen hat, die Tage zu zählen. Wie gut, dass es Verhältnisworte und Verhältnisse gibt.

Zwillinge, und niemand muss mehr sagen: „Tag, der Blumen auf einer Flasche blühen ließ“. Er heisst: heute. Kein „Tag, an dem ich eine endlose Geschichte schrieb.“ Er heisst: gestern. Deine Geschichte hatte sowieso nur ein paar tausend Worte, weshalb gestern auch Dienstag, 6. Mai 2014 war. Wenn man viele Geschichten schreibt, lassen Zahlen merken. Vielleicht wirst du irgendwann die Geschichte vergessen haben, aber nicht, dass der Tag existierte, an dem du sie schriebst. Ein Teil muss ja stets größer sein, als das Ganze, das aus dem der Teil des Ganzen besteht. Das ist das Schlimme an Verhältnissen. Merkur und Zwillinge verändern die Zeit.

Wer ihre Sprache spricht, muss genau sein, sonst verbiegt sich die Wirklichkeit. Vielleicht war das ja der Fehler, vorgestern und vor-vorgestern, dass wir nicht genau waren und die Verhältnisworte für die Verhältnisse nie raumlos genug, aber zeitlos wählten. Null Uhr. In der Welt von Morgen ist heute gestern, da, wo du geschlafen hast, in den Tag hinein. Vielleicht hast du gesagt: „Eigentlich ja!“, als dich jemand fragte: „Bist du noch wach?“

Es sollte auch gar keine Frage sein, sondern ein Angebot. Nur gibt es Angebote, die zu zart sind, als dass sie eine Stimme hätten. Das nennt man Neptun, wenn man Merkur ist. Und morgen, das dann heute sein wird, wird jemand das Angebot, das keiner hörte, weil es nicht gesprochen wurde, „kein Angebot“ nennen, sondern „nur eine Frage“. Dem Angebot wird eine Frische, Kühle, eine Bedeutung gestohlen sein. Wie dir, der Geschichte, die du geschrieben hast, dem Regen, der Scheibe, dem Glas. 

Wir werden Protagonisten der Zwillinge-Verhältnisse bleiben und ihrer kühlen, reichen Verhältnislosigkeit, die sie durch Worte beschreiben. Deshalb hat die Logik so ihre Schwierigkeiten mit dir. Mit ihren Armen, Beinen und dem Mund, ihren Räumen und Zeiten. Dem tiefen, dunklen Grund, der unbenannt und unbemannt ist, der Angst, in der Tiefsee, deiner ewigen, durchsichtigen Krake, die dich so liebt, dass sie dich verfolgt wie ein Hund. Wenn du dann heute, aus der Sicht von morgen gestern, den kleinen Schock im Rückgrat spürst, als würde dich ein Zen-Meister schlagen, fragt jemand aus dem Zimmer neben dem Zimmer neben der Küche: „Was ist?“ 

„Nichts,“ sagst du, weil es stimmt. Wenn hinter Gedanken nichts ist, hast du vielleicht auch gar keinen Rücken. Nur eine Idee, nur die herrischen Tropfen des Regens, die gegen die Scheibe prallen, durch die deine Großmutter oft gesehen hat. Für sie war heute nie. Die Zukunft ist ja traumlos. Tief unter dem Boden, auf dem du morgen wieder gehst, wo alles Vergangene liegt und schläft. Verhältnisworte. Eigentlich hast du nie etwas geantwortet, wenn du gesprochen hast. Merkur. Nicht „Nichts!“, sondern nichts. Wenn heute morgen gestern ist, ist alles gut. Der Regen betet seinen Rosenkranz. So lässt sich zusammen laut schweigen. Es ist ja auch keine Kunst, für alles, was sich in Verhältnissen ausdrücken lässt, ein Wort zu finden. Man muss es nur anmutig, mutig und wahr genug klingen lassen. 

Eine Stunde nach Mitternacht, eine Achse wandert, Steinbock angebrochen, die Zeit mit den Hörnern. Das Glas ist erst voll, dann leer. So ändern sich Menschen und Dinge. Im Zimmer neben dem Zimmer, neben der Küche, schläft etwas, Neptun, während du die Geschichte liest, die du in dein Leben geschrieben hast, mit seinen vielen Worten. Neptun macht Geräusche wie Regen an einer Scheibe. Man kann Menschen lieben, ohne sie zu berühren, in Worten.

So kann man über und unter ihnen, in ihnen und neben ihnen sein. Man kann sie morgen getroffen, gestern verlassen und heute geschlagen haben. Man kann auch den Wein, der in einer Kehle blüht wie eine kalte Rose, in ihren Nacken gießen und laut Geschichten erzählen, die übermorgen schon vorgestern passiert sein werden. Man kann gedankenvoll sein und traumlos. So vergehen Tage, dieser Tag, 7. Mai 2014, für den man Geschichten schrieb. Von einer Nacht, die keine war, von einer Zahl, die eine Nacht nannte, die sonst ungesehen vergangen wäre. Davon, was das bedeutet: Nichts. „War etwas?“ 

„Nein!“ Nur eine Stimme mehr aus einem Zimmer, neben dem Zimmer, neben der Küche, in dem Merkur den Neptun vergisst, wenn er nach Zwillinge geht, wie ein flüssiges Bild in all der Luft. Dann werden ihn die einen einen Kämpfer, die anderen einen Realisten und dritte einfach Verräter nennen. Denken ist Illoyalität gegenüber der Kunst, auch wenn es Kunst sein kann, loyal zu denken. „Alles!“ hätte man antworten können. Hätte es irgendetwas geändert? 

Hätte man sich, Mensch für Mensch, auf den Regen einigen können? Auf diese Scheibe, blühende Finger an einem Flaschenhals, eine Geschichte, die endlich richtig geschrieben wurde? Wer weiß! Heute war 2011 in drei Jahren. Alle Dinge sind doch geteilt in mindestens zwei Teile. Du, ich. Davor und danach. Heute und gestern. In und neben, oben und unten. Kommt ganz darauf an, wer gerade wo ist. Heute, am 7. Mai 2014, um 14 Uhr 56 Minuten und 32 Sekunden wird Merkur in die Zwillinge einlaufen. Das wird Weltzeit heißen. Neptun wird dann schon schlafen, am Boden der Ozeane, wo die anderen Schiffswracks liegen. Neben mir, neben dir. 

Sie werden dich wie eine Talkshow verfolgen

Man muss sich ja nicht einbilden, durch Schreiben die Zeit festhalten zu können. In zwei, drei Stunden vielleicht wird jemand im Zimmer, neben dem Zimmer, neben der Küche die Erde feiern, bevor er mit traumwandlerischem Gewicht auf den Meeresboden sinkt. Zuvor den Fernseher ausschalten, den Regen aussperren, die Spiegel verhüllen. In den glatten Gesichtern des Namenlosen kommen keine Dinge vor, die man mit Worten in Verhältnisse setzt. Vielleicht wirst du einen lauten Satz sagen, zur Probe, bevor du einschläfst.

„Gedichte, die Menschen wie Regentropfen den Rücken herunter laufen.“ Oder: „Wirklichkeit ist die Erzählung dessen, was es bedeuten könnte, im Verhältnis dazu, was es in Wahrheit ist.“ Zwillinge, die auf den Merkur warten, werden dich wie eine Talkshow verfolgen. All das wird wahr sein, jetzt. Darum sind dir Verhältnisse auch zu Recht so unheimlich. Morgen, wenn du in die Küche kommst, wird heute gestern sein, weil der Schlaf dich getäuscht hat und du glauben musst, dass eine Nacht vergangen ist. In anderen Augen werden Blumen wachsen, die Finger über eine Iris gestreut haben, nur weil du sie einmal auf Lider legtest, dorthin, wo es kühl war. Verhältnisse, die du damit schaffst, wird niemand verschuldet haben, auch wenn jemand Worte dafür findet. Es bleibt ja wenig anderes übrig, als Unverhältnismäßiges zu beschreiben, bevor es einen einholt. 

Irgendwann, in einer Zeit ohne Zeit, wirst du dich zu erinnern versuchen, ob das immer so war, aber keiner wird vom anderen wissen, was wirklich passiert ist. Du wirst auf dem Strom der Worte schwimmen, die deinen Gedanken folgen, im Zwilling. Es wird keine Flaschenblumen, keine Scheiben, keinen Regen gegeben haben, wenn du sie nicht erzählst. „Nichts!“ wird einer sagen, und der andere wird strahlen, ein Glanz, der vom einen ausgeht oder vom anderen. Kommt ganz darauf an, wo man sich gerade befindet. Dann wird der eine sagen: „Doch!“ und der andere „Nein, wirklich - nichts!“ Und einer wird seufzen wie du im Schlaf seufzt, wenn jemand dich ansieht wie einen unheimlichen Gegenstand. Es wird darauf ankommen, wie er danach das Verhältnis beschreibt. Seine Position im Raum und deine Position im Raum, richtig, wirklich, unbestechlich verglichen. 

Es wird kein Regen vorkommen, der nicht da war. Kein Glas, keine Frage, und kein Angebot. Worte sind Gegenstände, die Geschichten der Verhältnisse erzählen.

Damals, als du zum ersten Mal auf einer Iris einen Fingerabdruck hinterlassen hast, durch den jemand noch heute das Leben wie durch eine schwarze Blume sieht. Diesen Schauer von Worten, der gegen die Scheibe deiner Gedanken trommelt. Hinter der einen, weißen Wand zwischen den vielen Leben, die neben der Küche liegen, und der großen weißen Wand von Überlegungen. Verhältnisworte können mehr als Staubsauger, weil sie so tüchtig sind. Sie erklären die Position des Staubs, auch ohne ihn zu schlucken. Es ist Mittwoch, der 7. Mai 2014, Merkur geht in die Zwillinge. Kein „Tag, an dem ich zwei rote Becher kaufte, eine Woche vorher schon“, auch nicht: „Tag, an dem es endlich nicht mehr regnete“ oder: „Tag, an dem eine Geschichte von mir fortging, die ich für niemanden schrieb“. Regen blüht, in jedem deiner Knochen, vor den Scheiben dieses Fensters kein Glas.

Zwillinge kann alles ins Verhältnis zu allem setzten - auch das Nichts

Ohne Verhältniswort würde es in den Becher regnen, aus dem deine Großmutter trank, bevor sie schlief und träumte, lautlos, im Zimmer, neben dem Zimmer, neben der Küche. Als du klein warst, bevor sie kleiner wurde und hinter den Verhältnissen versank. Der Ort, an dem man Worte, Gedanken, Visionen versenkt, heißt Zwillinge, wo Merkur wohnt, der wissende Verräter. Er sagt Dinge wie „Papierkorb!“ oder „Platz, wo Neptun lebt!“, „Icon, auf einem Desktop!“, über und unter dem Großen, anderen, Glas, Kühlschrank, unter blühenden Abdrücken auf einer Iris aus Regen. Morgen wird der 8. Mai 2014 sein, heute gestern, aus der Sicht von morgen, und keiner wird auf nichts warten, was unbeschreibbar bleibt. Zwillinge kann alles ins Verhältnis zu allem setzten - auch das Nichts. 

Manch‘ einer wird morgens schlaftrunken seine Augen nach Fingerabdrücken absuchen, durch deren helle, schäumende, verregnete Blüte sich Fragen betrachten lassen, die keine Angebote sind. Keiner aber wird vor oder hinter die Zeit treten, die wir haben, und nichts wird in das zurückkriechen, was ohne Verhältnis ist. Wahr. Stattdessen wirst du zwei rote, tote Becher auf den Tisch stellen, der deiner Großmutter gehörte, den einen mit Kaffee füllen und den anderen leer lassen. Wo du im Spiegel der Scheibe keinen siehst, der in der Küche, neben dem Zimmer, auf einen Kaffee in einem roten Becher wartet. Du wirst nichts denken, was sich nicht auch hätte vorgestern, aus der Sicht von übermorgen, denken lassen. Neptun vergisst. Das Strahlen, Schimmern, Worte, die wie Kaskaden aus Regen in Augen fallen. Du wirst zuhören, wie es aus anderen Mündern regnet. Der zweite Kaffeebecher kann nur sein, wenn es einen ersten gibt. Vielleicht wirst du ihn gestern aus der Sicht von morgen ausgießen und irgendwo werden noch dunklere, schwerere Blüten auf einem großen Wasser treiben, bevor sie versinken. 

„Was ist?“ wird dich jemand gefragt haben. Nichts ist. Außer Mittwoch, der 7. Mai 2014, als Merkur in die Zwillinge geht. Ein Tag, angebrochen wie eine Flasche Wasser, von dem keiner je auch nur ein einziges Glas nahm, ohne es zu denken. 

Bilder (bearbeitet): Blaufraubrief - Rachael Ashe from Vancouver, Canada (Flickr) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], Keoxa Design Collective, for Letters Journal editorial collective (Own work) [CC-BY-3.0 http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)] via Wikimedia Commons und British Library.

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Original-Artikel von www.astrologie-zeitung.de
Autorin: Susanne Riedel Plenio

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