•    
    Aktuelle Planetenstände
    1-Okt-2016, 08:32 Weltzeit
    Sonne835'35"3s24
    Mond1226'51"2s31
    Merkur218'43"4n55
    Venus925'48"14s51
    Mars238'47"25s48
    Jupiter442'48"0n52
    Saturn1138'33"20s45
    Uranus234'24"r8n23
    Neptun952'46"r8s41
    Pluto1455'58"21s25
    Mondkn.w1238'41"r6n49
    Chiron2212'10"r0n55
    Erklärungen der Symbole
    Horoskop des Moments
| Mein Astro | Forum | FAQ
Menü
Loop! Astrologie-Zeitung

Fische & Leben: Traum vom Träumen

 What have I become, my sweetest friend, everyone I know goes away in the end. And you could have it all, my empire of dirt, I will let you down, I will make you hurt.  (Trent Reznor, "Hurt").

Es ist vielleicht das schönste, süßeste, bitterste und zerbrechlichste Lied, das ein Doppel-Fisch je gesungen, aber nicht selbst geschrieben hat. Denn "Hurt" erzählt von der Tragödie und ganzen Seele des 12. Tierkreis-Prinzips, in wenigen Worten und Tönen. Vom manchmal übergroßen Schmerz jener Erd-Gebundenheit und end- und namenlosen Leere, die Neptuns Kinder einholt, wenn Sehnsucht und Gewissheit eines absoluteren Seins an den Ecken und Kanten der Wirklichkeit zerbrechen. Johnny Cash, der heute Geburtstag hat, war in gewisser Weise einer der Über-Neptunier, der mit diesem Lied die Vision eines anderen Neptuniers spürbar und wirklich machte.

Mit "Hurt" begegnete er noch spät in einem fremden Titel dem flüchtigen, diffusen, aber mächtigen allgemeinen Mythos, den er so gut kannte - und seinem eigenen Movens. Mit allen schrecklichen, wundersamen, verlorenen, verlogenen und wahren Augenblicken in Neptuns Stimme, der Kunst. In ihr spiegelt sich ein Traum, die Milliarden Möglichkeiten. Der schießende Soldat, das tote Kind, die Geburt der Liebe, des Streits und der Vernichtung. Der eine Wimpern-Schlag, der Schönheit zu Schönheit macht und Hässlichkeit einschließt. Diese eine, einzige, neptunische Welle, die nie angefasst, gesehen, gehört, gerochen, geritten, sondern nur gespürt und ausgedrückt werden kann. Der ewige Fluss, Werden und Vergehen, wo die schwimmen, die mit wichtigen Bezügen zur 12. Phase geboren sind. 

Wie alle Doppelzeichen sind die Fische zwei-schneidig. Das wissen Neptunier, die ihrem Traum verloren gehen, indem sie an der scheinbaren Getrenntheit beider Wahrheiten scheitern. Der relativen aus der Welt der "logisch nachvollziehbaren" Erscheinungen und der absoluten, von da, wo keine Regel mehr gilt und nur wenige träumend und wirklich glücklich hinreichen. Denn Sehnsucht nach der Ganzheit, die jene 12. Phase meint, fesselt auch. Wer sich im Bodensatz dieser Ozeane des Seelischen verirrt, verliert darum oft auch das tiefere Wissen Neptuns an die kristalline, scharfe Notwendigkeits-Welt der Jungfrau gegenüber. Dann tritt manchmal die Natur-Narkose des Neptunischen ein. Mit ihren Drogen, dem Ausschwemmen des Rationalen, dem sich Losmachen aus einem unerträglich profan empfundenen Universum. Mit seinen Fluchten und Lügen. Denn wer von uns ist schon ein Johnny Cash, mit AC in den Fischen, Sonne in 12 und dazu der Neptun-Opposition aus 6? Mensch, Mann, Süchtiger, Sänger. Einer, der gezeigt und gelebt hat, was Neptun umfasst.

So angelegt, musste er auf beiden Hochzeiten tanzen und schaffte es, über seinen Sonnen-Herrn, den er irdisch konstruktiv nur mit dem Merkurischen im Paket bekam, die Pole der Achse 6-12 zu vernetzen. Neptun ist ja der größte Traum, die gefährlichste Wahrheit, die schönste Lüge und hoch brisante Leere und Stille, die hier oben, im Dasein der Denk-Artisten, eintritt, wenn die Violine nur noch am Meeresgrund spielt, wie neulich eine Freundin sagte. Johnny Cash war einer, der 71 Lebensjahre auf- und untertauchte, zwischen Nirgendwo und Irgendwo, und die Stimme Neptuns schließlich an die Oberfläche holte, indem er am Ende dieses flüchtigen, suchenden Lebens ein Lied sang, das Trent Reznor schon 1994 geschrieben hatte, als Uranus in Konjunktion mit Neptun stand. Für die Narren und Könige, Heiligen und Scheinheiligen, die sich einbilden, verstanden zu haben.

Aber das geht wohl leider nicht. Das Neptunische ist astrologisch nicht das Absolute selbst, das für Menschen gar nicht fassbar, sondern allenfalls ahnbar bleibt. Sondern ein Pulsschlag des großen Geheimnisses in der Endlichkeit, nur das eben, was wir als Absolutes, alles Verbindende erfahren. Es sagt mehr über uns, als über sich selbst. Seine Wahrheit lesen wir vielmehr im über-kulturell Geahnten, Wirklichen, Wahren, das immer schon dieselben Bilder hatte - trotz unterschiedlicher Zugänge und Sprachen. Praktisch machen Fische, Neptun oder das 12. Haus uns damit die Türen in ein Reich auf, wo immer Dämmer herrscht. Die tiefsten Tiefen der wahren Wahrheit gegenüber Fallstricken, in denen menschliche Wirklichkeit baumelt, wenn sie ihre Fantasien über Kausales und Akausales mit dem Heiligen verwechselt. Neptun ist auch das Nein, das Nichts, das Tabu: Kennst du den wahren Namen, darfst du ihn nicht nennen, weil er Chaos in die Welt bringen wird. Dann entfaltet sich der so leicht negative, neptunische Zauber ganz anders als in den Träumen. Und wir träumen ihn - zurecht - doch als schön, wahr und gut, weiter. 

Johnny Cash

Schon sein wirklicher Name aus diesem anderen, ihm fremden Dasein, dem Pool der Archetypen und Magie, dem er entstiegen ist, war ein neptunisches Mysterium. Er hieß tatsächlich offiziell J.R., womit eine der ersten Lebensregeln aus der üblichen Welt gebrochen wurde. Gib dem Kind einen anständigen Vornamen, damit es sich mit seinem Sein fraglos identifizieren kann. Nun kennt der Neptun keine Identifikationen, er spiegelt immer bloße Spuren, die in unserem begrenzten Verständnis von Ahnung, Empfindung und allem Unge- und Unbewussten bleiben. Das fühlt sich manchmal zauberhaft und an anderen Tagen unberechenbar, falsch und trostlos an.

Wo das Wissen aufhört, beginnt eben das Glauben - eine Logik, mit der sich Merkur zuerst als Gegenspieler des Jupiter versteht, dessen Sache immer auch das Glauben und der Glaube war. Ebenso der an sich selbst übrigens wie der an die Götter, so wie wir kleinen Wesen sie uns vorstellen. Und der an ein Ende der Suche, die gerade im Schützen doch nie aufhört, weil sie den Jupiter erst in Gang bringt und am Leuchten hält. 

Der kleine J.R. hatte ein Schütze-MC am galaktischen Zentrum und einen Löwe-Jupiter, über den die köchelnden und überkochenden Eingebungen des GZ zusätzlich in eine kausale Welt des 6. Hauses einströmten. Jupiter, der "Pferde-Neptun", redet laut und man verwechselt seine Inhalte leicht mit Neptuns viel leiserer, feinerer Stimme und Tönen. Erst als Kontrapunkt zum Neptun "weiß" der sortierende, benennende Merkur ja, wenn er mit dem anderen Extrem zusammenarbeitet, um die "Gewissheit" der Wahrheiten, die dort, am letzten Ende des Zodiak liegen. Fische.

Diese nebelige, verschwommene, strahlende, leuchtende Welt die keine Bezeichnung, keinen Namen, keine Wege von A nach B und keine Kausalitäts-Ketten kennt. Trotzdem ist in ihr alles folgerichtig enthalten - so wie wir es spüren. Neptun ist irrational wie die Absolutheit des Wunsches geliebt zu werden und sich geliebt zu wissen, in guter Hut höherer Zusammenhänge. Auch wenn die manchmal grausam und schrecklich sind, falls wir sie in einer "Funktion" zu verankern versuchen. Denn jede dieser Gewissheiten löst sich auf, sobald sie mit eindimensionalen Settings des Merkurs betrachtet wird, der letztlich als Geburts-Helfer von Neptun und Jupiter ins wirkliche Leben arbeiten soll und könnte. Falls man nicht den Fehler macht, ihn als Gott der letzten Dinge vor die Feuer- und Wasser-Welten zu postieren.

Diese Eltern nun, die einen Jungen bekamen, wussten nichts von der Astrologie, boten ihm aber ein Szenario, das seinem Radix (Rodden Rating A, Astro-Databank) entsprach: Sie konnten sich nicht auf John oder Ray als Namen einigen. Deshalb wurde das vierte von sieben Cash-Kindern früh zur Abkürzung. J.R. Cash, der schon mit sechs Jahren auf die Baumwollfelder des "Landes der Möglichkeiten", Arkansas, zur Arbeit geschickt wurde. Ein Geburts-Herrscher in 6 fordert immer Anpassung, die der, wenn er Neptun heisst, später auflöst. Haus geht vor Zeichen, wenn man persönliche Ausprägungen und Auswirkungen einer Anlage untersuchen will. 

I hurt myself today to see if I still feel.  I focus on the pain, the only thing that´s real.  The needle tears a hole, the old familiar sting.  Try to kill it all away, but I remember everything.
(Trent Reznor, Hurt)

Als die Mondknoten-Achse über seinen 0°-Saturn im Wassermann läuft (auch Begegnung mit dem Tod), der als Herr von 11 in 11 auch seine Bezüge zu Bahnhöfen, Schienen, Zügen und dem "Freight Train Rhythm" erklärt, stirbt sein älterer Bruder bei einem Unfall mit einer Kreissäge. Zwei Jahre davor, bei Neptun auf dem Süd-Knoten und im Quadrat zum MC sowie T-Knoten über dem Radix-Neptun hat J.R.s Mutter ihm eine Gitarre geschenkt. Sie wird sein Freund, weil er sich in ihren Tönen selbst erkennt und vermutlich eine Welt wiederfindet, in die er gehört und zu der er sich hinbewegen soll (Fische-Nord-Knoten am AC). 1950, als Neptun Venus-Uranus in 1 im Widder (Zeichen der spezifischen Durchsetzung) gegenüber steht, hat er seinen ersten Solo-Auftritt. Er benennt sich um in "JohnR" und arbeitet in Fabriken. Beim Militär schreibt er den Folsom Prison Blues, der am 30. Juli 1955 aufgenommen wird. Der aufsteigende Mondknoten sitzt jetzt auf seinem MC am GZ, Neptun und Pluto machen einen Finger Gottes, das berüchtigte Yod, mit seinem AC. Cashs Leben weht in Richtung auf eine berühmte Zukunft - während Neptun dahinter seine ewigen Netze auswirft. Denn der junge Sänger wird wegen Plagiats verklagt, weil er große Teile des Textes einem anderen Stück unerlaubt entnommen hat. Der schwierige Charakter der Fische, die es mit den weltlichen Verreglungen nicht immer genau nehmen. Manchmal sehen sie die einfach nicht, oder sie lösen sich schlicht von den üblichen Grenzen.

Aus J.R., der Abkürzung, wird nun die lange, träumerische Geschichte eines amerikanischen Aufstiegs. Als Unterlage gibt es immer ein Dasein, das den Zwängen des Wirklichen entspricht - und auch Cash ackert an den Tagen mit seinem uranischen Saturn als Verkäufer von Elektro-Geräten, während er abends und nachts mit seiner Band, den Tennessee Two, die andere Seite des fische-haften Doppellebens anknipst. In Memphis spielt er in Clubs. Inzwischen hat er geheiratet und bekommt eine Tochter nach der anderen. 1955 entsteht seine erste wichtige Single und er spielt als Einheizer von Elvis Presley. Schon klopft Pluto-Mars-Opposition an und es winkt die Macht.

Ein Jahr später erreicht I Walk The Line 1956 unter Saturn und Pluto in Transiten Richtung Mars Platz 1 der Country-Charts. Die Durchsetzung eines Fischs hat ja manchmal etwas von einem Raketenstart unter Nicht-Anwesenheit des Haupt-Protagonisten - der weiter in anderen Sphären schwebt. Dinge verweben sich wie durch einen Zauber, wenn es gut läuft. Bei Cash wird seine Identifikation mit dem "echten Leben", das ihn aus seinem 12. ins 1. Haus der eingeschlossenen Widder-Planeten (Venus-Uranus) holt, auch zur Begegnung mit der Frau, die ihn nie mehr verlassen soll. June Carter, einer Krebs-Sonne mit Mars-Neptun im hinteren Löwen, der ebenfalls jetzt von Pluto und Saturn transitiert wird. Da taucht er auf.

Ihr Mann, den sie auf dieser anderen, verzauberten Ebene der Gewissheit lange schon kennt, und der fortan die Geburt seines weltlichen Selbst mit den legendären Worten: Hello, I'm Johnny Cash bei jedem Konzert bekräftigt. 1957 passiert, was passieren muss, wenn eine solch starke, neptunische Betonung wie Cashs zu sehr auf das Eigene abhebt: Er nimmt seine erste Benzedrin-Tablette, die später zu einer schweren Sucht führen wird. In diesem Jahr ist Neptun in den Skorpion gegangen und peilt Cashs schwierigen Mond an - und das Quadrat zu Saturn, der ihn lange stabilisiert und mit wirksamen Grenzen ausgerüstet hat. Jede innere Sicherheit wird nun aufgelöst, während Saturn am MC für die Karriere sorgt.

I wear this crown of thorns upon my liar´s chair.  Full of broken thoughts I cannot repair.  Beneath the stains of time the feelings disappear.  You are someone else. I am still right here.
(Trent Reznor, Hurt)

In den nächsten Jahren kämpft, beißt, wütet und liebt Cash in seinen Liedern. In ihnen klingt der Schmerz um die Liebe zu jemandem, den man nicht haben kann (June, die mit ihm singt, ist noch verheiratet und ihr gefällt sein Lebenswandel nicht), um ein Leben, das wehtut, um sein Land, das seine Ureinwohner mit Drogen wie Alkohol zupumpt, um sich nicht mit ihnen beschäftigen zu müssen. Er schreibt in Bildern seiner selbst über seine weltlichen Stellvertreter und baut ein Image als Gesetzloser auf, in den Armen einer wachsenden Subkultur setzt er seinem Erfolg ein persönliches Scheitern und Sehnen entgegen. Uranus und Pluto laufen über seine Fische-Planeten in diesem Jahrzehnt, über seinen Neptun. Neptun selbst, der ewige Spiegler, eskaliert an seinem Mond die Sucht und Suche nach dieser anderen Welt, die er so deutlich spüren kann. Jeder neptunisch Betonte muss sie in sich selbst finden und verlieren und mit der Wunde leben, das innere Glimmen, Leuchten und Wissen, den tiefen Schmerz, die größte Freude, nicht mit der Realität vereinbaren, nicht teilen, nicht entgrenzen zu können.

Es darf ja beides sein, das Süße und Bittere und Sehnen und Leiden, das Relative und Absolute. Und vor allem ist Neptun unpersönlich. Speziell das zu begreifen, dass alles Neptunische, ob Kunst oder Liebe oder ihr Leiden, nicht eigen, kein Besitz, sondern Ausdruck allgemeiner Erfahrung ist, die Menschen mit Menschen im allerbesten Fall rückverbindet (nachdem er sie getrennt hat) und einen Teil des Seins ausmacht, erspart manchmal schon die äußeren Betäubungen.

Im Oktober 1967, als Uranus und Pluto den Jungfrau-DC transitieren, legt Johnny Cash sich aber in eine Höhle, um zu sterben. Denn in ihm ist dieses andere, das er spürt und atmet, zu groß. Erschöpft vom persönlichen, auflösenden Ausdruck des Neptunischen, das aus dem Ruder gelaufen ist. Enttäuschten Erwartungen, Wollen, Greifen, Anpassen, Umarmen, der klirrenden Kälte der Nützlichkeit, Nachvollziehbarkeit, all der Defizite aus Haus 6 (Merkur benennt ja, was Neptun sucht), dem ein Sein woanders, in Bildern, entgegensteht. Nie greifbar. Nie erreichbar. Dagegen: Tabletten, Drogen, Alkohol, Sucht und wieder Sucht nach der Erfüllung, die ja innen aufscheint, die dann auch auf Erden sein soll. Nach Neptuns fernen Reichen IN, nicht unter der Welt. Dem ganzen chaotischen, unverständlichen, verzauberten, gebannten und bannenden, fesselnden Leben. Da liegt er. Da sucht er immer noch. Mehr, Erlösung. Und da begreift er: "Ich würde sterben, wenn Gott die Zeit für gekommen hielt, und nicht, wenn ich es wollte.“ 

What have I become my sweetest friend?  Everyone I know goes away in the end.  And you could have it all. My empire of dirt.  I will let you down. I will make you hurt.
(Trent Reznor, Hurt)

Johnny Cashs Aufgabe war die vieler Neptunier. Das Namenlose im Dasein der Kategorien zu leben, ohne daran zu zerbrechen, wie anders es hier ist als dort. Er hatte die Kraft dazu, eine Verlorenheit, wie sie für Neptun in dieser Welt typisch ist, zurückzuspiegeln in die Realitäten mit ihren harten Kanten. Im November 1967, bei Chiron auf Fische-Nord-Knoten und Pluto fast exakt am Deszendenten, steigt dieser Neptunier zurück ins Leben auf. Fast alle haben sie eine Erinnerung an einen solchen Moment. Johnny Cash betritt zum ersten Mal nach 10 Jahren wieder nüchtern eine Bühne. Im Februar sagt auch June endlich "Ja" zu ihm, als er sie wieder fragt, ob sie seine Frau werden will - unter Skorpion-Neptun im Trigon zu Knoten am AC und Mond am GZ auf Cashs MC. Diesmal öffentlich, auf der Bühne. Sie hatte ihn immer wieder abgewiesen, weil er sich weigerte zu entziehen.

Ab da ist Johnny Cashs Geschichte anders, die Legende einer Überwindung, in der er den Erfolg liebt, aber nicht erzwingt. Mit June bekommt er einen Sohn. 1980, mit Neptun am MC, wird er mit nicht einmal 50 Jahren als jüngster Musiker aller Zeiten in die "Country Music Hall of Fame" aufgenommen. Er spielt in den Jahren danach mit den wichtigsten Musikern der Welt und sie spielen für ihn. Immer wieder sinkt sein Stern, aber er funkelt auch neu und hell auf. Cash wird zu einer der Legenden der Nicht-Angepassten im Musik-Business und hat ab 1994 ein fast schon magisches Comeback. Diesmal stehen Pluto, Neptun und Uranus in weichen Aspekten zu AC-Mondknoten in den Fischen und Saturn auf seiner Fische-Sonne. Etwas bekommt Form - noch einmal anders. 2002 nimmt er schließlich sein letztes Album auf -  American IV: The Man Comes Around. Darin auch "Hurt", der Song eines anderen Neptuniers, mit anderen Aufgaben und denselben Bildern.

Trent Reznor

Trent Reznor von "Nine Inch Nails" (Radix links, Rodden Rating A, Astro-Databank) ist Stier mit Neptun-Opposition zur Sonne, Herrn 12 in 5, Herrin 5 auf Herrn 12 und Neptun in 10. Ein Künstler mit einer ebenso chaotischen, schwierigen Lebensgeschichte, bei der Zusammenhang von neptunischem Traum und Trauma ebenfalls deutlich auftaucht. Im Gegensatz zu Cash hat er jedoch eher den Fische-Ausdruck, über die Häuser- und Aspekte-Ebene, weniger die Anlage im Zeichen.

Das heißt, während der Ältere die intuitive, an das 12. Prinzip angebundene Kongruenz und Power liefert, bietet der jüngere Reznor den weltlichen Stoff dazu. So trifft ein Sänger trotzdem sein Lied und ein Autor seinen Interpreten. "Hurt" wird einer der persönlichsten Erfolge von Johnny Cash. Denn in diesem Song spiegelt sich noch einmal, von der gebrochenen Stimme bis hin zu dem, was er singt, vor Junes und seinem Tod im Abstand von einem halben Jahr, sein ganzes Leben. 

Johnny Cash selbst nennt "Hurt", das ihm zunächst nicht gefiel, am Ende den "besten Anti-Drogen-Song, den er je gehört hat". Trent Reznor, der Urheber dagegen wundert sich, als er die erste Aufnahme von Cash bekommt: "Da war diese andere Person, die sich meinen persönlichsten Song zu eigen machte. Das zu hören war, als wenn jemand deine Freundin küsst. Es fühlte sich an wie ein Eingreifen in die Privatsphäre" (Wikipedia). Dieser Effekt beschreibt auch die Berührung Neptuns, die Verschmelzung des Wahren mit dem Wirklichen, wenn man sich irdisch seine Inhalte zueigen macht, weil man annimmt, sie würden aus einem selbst kommen. Das tun sie nicht - und wenn, stammen sie nie aus Neptuns Gefilden. Aber es ist besonders schwer für neptunische Menschen, diesen Anteil am Zeitlosen, der so nah und eingetunt ins Selbst erscheint, als das zu nehmen, was er ist - ein Lied der Sirenen, die unter den Oberflächen des Sichtbaren von der Wahrheit und Wirklichkeit all dessen singen, was größer ist, als wir selbst. Im Schlechten wie im Guten. Im Ewigen wie im winzigen Lidschlag, der einen Augenblick neptunisch verzaubert. In den Höllen und in den Himmeln.

In der Leere und Hoffnungslosigkeit, die Neptun immer dann vor uns erscheinen lässt wie eine endlose, kalte Wüste, wenn wir auf irdische Erfüllung und die Logik des Bemühens setzen. In der kaum fassbaren Fülle, die auftaucht, aus dem Nichts, das gerade noch war, wenn wir uns der Welle ausliefern. Diesem feinen Gefühl ohne Namen, das einfach weiß, wer wir sind und dass wir dem Leben und seinen Protagonisten auch noch anderswo begegnen, auf ganz andere Weise. In einem Parallel-Universum der Seele, wo die Stimme der Worte, Bilder, Musik, Geister und Gespenster des Ahnbaren, der Schönheit des Ungelebten, des Heiligen, immer zur Verfügung stehen. Und gerade deshalb immer wieder mit den Klippen des Wirklichen, Anderen, kollidieren.

Johnny Cash singt mit "Hurt", die Essenz eines Lebens, als er - spät - schon an einer der zehrenden, eigentümlichen Krankheiten leidet, die Neptun manchmal in ein Leben bringt. Sie erschöpft ihn und blutet ihn aus und niemand weiß ganz genau, was es ist. Vermutlich eine Neuropathie. Eine weitere Post aus der Endlosigkeit des Unbenannten. Aber er beschließt, sie - typisch neptunisch - auszublenden "ihren Namen zu vergessen". Cash tut, was Neptun mit Merkur anfängt, wenn der Merkur ihm den Zauber stehlen will. Sein letztes Album wird noch einmal ein großer Erfolg, weil in ihm alles steckt, was Cash ausmacht. Auch das Apostroph zu seiner Geschichte. Hurt. Der Schmerz über das Vergehen dessen, was geworden ist. Das "Königreich aus Dreck", in dem die Bettler und Könige, die Verrückten und Heiligen manchmal buchstäblich leben, wenn sie erkennen, dass die grenzenlose Reinheit des Neptuns, der Fische, des 12. Hauses, das immer vor oder hinter der Zeit wartet, nicht in die Welt zu holen oder aus ihr zu ziehen ist. Auch wenn es dort umso näher, wahrer und wirklicher scheint. Auch wenn es wahr ist. Weil man es weiß. 

If I could start again, a million miles away

2003, bei Mars-Neptun im Opposition zu seinem Jupiter und Sonne Quadrat Knoten, stirbt June. Ein halbes Jahr danach ist auch Johnny Cash, der mit dieser Frau eine der neptunischen Volten gegen den chronifizierten Sieg des Rationalen vollführt hat, tot. Nach Hause gegangen an einem Tag, als Uranus, der, der den Himmel bringt, genau auf 0° Fische steht. Auf seinen Flügeln lässt sich gut fliegen.  

If I could start again, a million miles away,  I would keep myself. I would find a way.
(Trent Reznor, "Hurt")

Johnny Cashs Geschichte hat keine Botschaft, aber eine Einsicht. Er machte aus dem Stoff, aus dem die Träume sind, nicht nur seine eigene Musik, sondern auch eins der schönsten Videos, was je gedreht worden ist (HURT). Weil im Persönlichen einer eigenen Stimme das Überpersönliche einer Wahrheit klingt. Dem Neptun muss man sich eben ergeben. Und es braucht, Merkur, den Traumfänger und Illusions-Dieb, dazu, die fehlende Ganzheit im Wirklichen auszuhalten. Das kann man so oder so tun, leidend oder lebend. Wie auch immer man es versucht (und das tun wir alle, denn wir alle haben ja einen Neptun im Horoskop), man darf ihn nicht denken, nicht verstehen. Ihn kolonialisieren zu wollen, mit den brüchigen, merkurischen Schmetterlings-Netzen des Beweisbaren oder jupiterhafter Erwartung, ist die Falle. Dann schafft er Treibsand. Seine Irrgärten, Odysseen, grausamen Lieder, die klassischen Schulden, Auflösungen, Rufe, derentwegen man sich an Pfähle fesseln lassen wird, wenn man ihnen nicht nachgeben will. Was selten ist. Denn sie betören mit einer möglichen Erfüllung, die nur im Spüren, nicht im Umsetzen, leben.

Jeder Traum ist größer als seine Erfüllung. Das sagt Neptun. Denn dazu gibt es das Selbst und das Etwas, was mehr als das Selbst weiß. Sich vorzumachen, die Gärten der Fantasie, des Ahnens, urbar und ewig machen zu können, hier, wo wir schwer sind, physisch, endet in Verwirrung. Oder manchmal sogar in der Narkose von Drogen, den Millionen Ablenkungen, Enttäuschungen, Illusionen, Lügen, leichten Versprechen esoterischer Prediger, täglichen Selbst-Überhöhungen oder andere Betäubungen, die alle nur eins wollen: Das Akausale erträglich machen.

Dahinter jedoch lebt und blüht die vielköpfige, unfassbare, wirkliche, wahre ganz rätselhafte Welt des Unbegreiflichen. Ob die sich leben lässt? Das ist die letzte aller Fragen. Ich glaube, nein. Nicht hier. Aber man kann von ihr schreiben, ihre Bilder lesen, die sie uns schickt, man kann in ihr schwimmen. Man muss nur hinunter sinken. Dahin, hoch oder tief, denn hier gibt es keine Relationen mehr, wo alles richtig ist, was falsch war. Da, wo nichts begründbar sein muss. Da, wo die Auflösung jeder Anpassung ihre Schatten-Gestalten zu Königen macht und die Könige der wirklichen Welt zu Bettlern.

Die Vernetzungen des Neptunischen brechen die Schmerzen, es nicht im Leben leben zu dürfen, deshalb auch manchmal mit Zartheit und Fließen auf. Mit aller Liebe, die Neptun hat, und die ebenso endlos ist wie seine Hoffnungslosigkeiten. Der Weg zu ihm führt immer über die Haltestelle der Träume. Ihr Kennzeichen bleibt nun mal: Traum wird nie Wirklichkeit. Aber er hat ein Leben. Genauso wundersam wie das, in dem wir täglich aufstehen.

Dann wird der Feind manchmal zu einem Freund, das Geschehene zu seinem Gegenteil, das Rätsel zur unverhofften Wahrheit. Das eben geborene Kind, der schießende Soldat, die weinende Frau, der schreiende Mann, dieses eine Wort, der Ton, in einem Song wie "Hurt" zu einer Wahrheit, von der wir alle wissen und die uns alle verbindet. Wo wir immer waren und sein werden. Im Namenlosen des Neptun, im stillen Unterwasser-Reich der Fische. In der Zeit, in deren Teppiche all die Namen gestickt sind, die sich begegnen, hassen, lieben und wiederbegegnen. Die eine Wahl haben. Die das Licht sehen, was durch die Oberfläche des Wassers zu dir, zu mir, nach unten dringt. Wo es scheint und scheint. Durch Menschen wie Cash, die eine Sprache sprechen, die universell ist. Durch ihr Scheitern und Aufstehen. Durch Ideen, Botschaften, den leisen, hellen Schimmer in der dunklen Nacht. Vor der Zeit. Nach der Zeit. Jetzt, damals und immer. 

Bilder (bearbeitet): Joel Baldwin (LOOK April 29, 1969. p.74) [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons + Felicien de Myrbach-Rheinfeld (1853—1940) [Public domain], via Wikimedia Commons.
Zum Anhören und Anschauen: "Hurt" und Johnny Cash auf YOUTUBE

LOOP! bei Astrodienst
Original-Artikel von www.astrologie-zeitung.de
Autorin: Susanne Riedel Plenio

Loop! und Astrodienst
Loop! Astrologie-ZeitungLoop! ist ein Astrologie-Magazin im Web. Die Autoren publizieren regelmäßig tagesaktuelle Texte und setzen sich vertieft mit vielen astrologischen Themenbereichen auseinander. In Zusammenarbeit mit Loop! veröffentlichen wir hier fortlaufend eine Auswahl aktueller Artikel.
www.astrologie-zeitung.de
Astro Wiki
Aktuelle Planetenstände
1-Okt-2016, 08:32 Weltzeit
Sonne835'35"3s24
Mond1226'51"2s31
Merkur218'43"4n55
Venus925'48"14s51
Mars238'47"25s48
Jupiter442'48"0n52
Saturn1138'33"20s45
Uranus234'24"r8n23
Neptun952'46"r8s41
Pluto1455'58"21s25
Mondkn.w1238'41"r6n49
Chiron2212'10"r0n55
Erklärungen der Symbole
Horoskop des Moments
Werbung
WWW.ASTRO.COM ist das grosse Astrologie-Portal mit den vielen kostenlosen Angeboten. Hochwertige Horoskopdeutungen von den weltweit führenden Astrologen Liz Greene, Robert Hand und anderen Autoren und Autorinnen, viele gratis Horoskope und qualitativ hochwertige Information über Astrologie für Anfänger und Profis machen www.astro.com zur ersten Adresse für alle Astrologie-Interessierten.
Homepage - Gratis Horoskope - Astro Shop - Astrologie Wissen - Ephemeriden - Autorinnen und Mitarbeiter - Mein Astro - Direkte Atlas-Abfrage - Sitemap -FAQ - Forum - Kontakt mit Astrodienst