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Loop! Astrologie-Zeitung

Die Frau, die im Schmerz wohnte

Gebrochener Mythos Alice Miller: 
Astrologisch hätte man es ahnen können. Auch wenn ihre Geburtszeit genauso wenig bekannt ist, wie fast alles andere Biografische. Nicht etwa, weil die Psychologin sich selbst zu dem Mythos hätte machen wollen, der sie dann wurde. Sondern aus Verdrängung des Eigenen. Eine Frau, irdisch-erdige Steinbock-Sonne, Pragmatikerin, spröde, hoch intelligent, tief und fantasievoll, mit diesem hier überaus schwierigen Skorpion-Mond, der die Tiefen und vor allem Abstürze des Seelischen immer ausschöpfen musste bis zum Urgrund, wo Leere ist. Wo neu entweder Aufstieg beginnt oder Tod.

Mit Jupiter an dieser sensiblen, gepeinigten Sollbruchstelle zwischen Intensität, eigener Kraft und Trauma. Skorpion. Ein Katalysator, der im Leben als Stimme aller traumatisierten Kinder beide möglichen Pole des Plutonischen überdehnt, bis die endlos vereinnahmende Empfindung zum riesigen, kontrollierenden Gefühls-Käfig wird und alles Wirkliche verdrängt. Dazu Lilith-Chiron im Widder Quadrat Pluto Krebs. Die wahnsinnige Wunde der schwarzen Eva im Kampf mit dem Abgrund im Gepäck. Ihre Kriegs-Traumata spaltete Miller ab.

Die Frau, Tochter, die immer im Schmerz wohnte - ohne Zeugen, denn die ließ sie in saturnischer Klarheit und Abgrenzung der Sonne und dem kontrollierenden Mond nicht zu. Bis 1950 der Sohn zur Welt kommt, der diesen Mythos zur Mutter macht, sie allein durch Dasein als Baby mit ihren Defiziten konfrontiert. Macht- und Ohnmacht, narzisstische Kränkung, als der Säugling ihre Brust nicht will - aus den Dunkelwelten des eigenen Pluto, des Mondes. Über dem Skorpion-Mond hermetisch wacht, wenn es schlecht kommt. Ein Junge, der danach mit all dem Schatten all ihrer Schatten leben muss, lebenslänglich. Sie nur heben kann, wenn Alice Miller, die Mutter sie hebt. Aber das tut sie nicht. Der den unsichtbaren Eisberg darunter nun, Jahrzehnte später, aus der Finsternis holt, in der Alice Miller, ein Teil dieses Menschen, die verletzliche Frau, mit all ihren Bürden steckte. Jupiter legt Glanz und Perspektive über alles, was ihn von hinten drückt, aus den unbewussten Ecken des Schützen, seinem 12. Haus, dem Skorpion. Was blind bleibt, würgt, wenn man es nicht willentlich öffnet.

Mein Vater lebte seine Gewalttätigkeit gegen mich offen aus und hat mich zeitweilig halb tot geschlagen. Nein, sie hat alles miterlebt, aber sie konnte mit dieser Schuld nicht leben. Und deshalb hat sie ihren Fehler abgewehrt." (Martin Miller, Interview BERNER ZEITUNG)

Alice und Martin Miller, Mutter und Sohn. Sie, die Getriebene, Berufene, Göttin der Nicht-Erziehung, Aufdeckerin dessen, was Kindern angetan wird, begabt oder nicht. Die ihren Sohn weggibt, gängelt oder sogar psychologisch drangsaliert. Stimme all der Stimmlosen, die je übersehen, weggeliebt, bestraft, geschlagen wurden. Die offenbar ihre eigenen Erlebnisse, Erfahrungen, Schmerzen, ja, fast ihre gesamte Biografie einer extrem schwierigen Kindheit in Kriegstraumata und bei einer distanzierten Mutter lebenslang dem Dunkel ihres fordernden Mondes opferte. Daraus, mit Jupiters Glanz lackiert, oben, in der Sichtbarkeit, dann Philosophie, Anklage, Anspruch machte. Er, der Junge, der bei schweren Transiten über ihrem Radix zur Welt kam, selbst mit Chiron im Schützen, der auf Mutters Mond-Jupiter verweist. Die Verletzung durch Weltsicht, Übertreibung, Kolonialisierung, in der sich Schütze und Skorpion so ähneln. Sie hatte Pluto auf Jupiter-Neptun damals und Saturn Opposition Uranus. Der Kreidekreis. Und so gibt sie den Jungen nach der Geburt weg und bringt mit dem Wegschieben seiner Hilflosigkeit einen Teil ihrer Vergangenheit zum Schweigen. Von Martin Miller existiert nur die Angabe seines Geburts-Monats.

Aber er veröffentlicht sein Buch über Mutter Alice, als Pluto-Uranus, drei Jahre nach ihrem Tod, über die zerreißende Konstellation von Lilith-Chiron-Pluto in ihrem Radix laufen. Es ist keine Anklage, mitnichten eine Abrechnung. Nur ein Protokoll, Schilderung dessen, was wirklich war, der Mensch Miller unter seinen Thesen. Das wahre ,Drama des begabten Kindes’, mit dem Untertitel Die Tragödie Alice Millers – wie verdrängte Kriegstraumata in der Familie wirken. Trauer, Bedürfnis, Wunsch und Verzeihen des Kindes, verloren hinter der Sprödigkeit des Protokollanten. Alice Miller, die Mutter, wie sie undemonstrativ zum "Fall" wird. Aus Hoffnungen tief hinunter in die Fallen der eigenen Seele gestürzt. Über die Falle der Leugnung gestolpert.

Das Horoskop dieser Mutter ist nicht vollständig, ohne Zeit. Aber die Schlüssel liegen auf der Hand: Ein Skorpion-Mond, hyper-kontrolliert, durch Jupiter in der Nähe überlagert, ein sogenannter "Schott" nach Wolfgang Döbereiner, der wie ein Stau wirkt. Schütze spiegelt sich auf Krebs. Aspekte solcher gegenseitigen "Schatten" im Zodiak zueinander können psychologisch zum autonomen Komplex werden, der fast hermetisch in einem Horoskop kreist. Kein Zugang zum Kokon, außer durch Pluto, im Mutterzeichen, das wieder durch Mond beherrscht wird. Schaukeln im Trauma, vor und zurück, ausweglos, außer durch bewussten Zugriff.

In Alice Millers Radix wirkt dieser Mond-Jupiter im schock-anfälligen Skorpion wie eine Sperre, Palisade gegen die restliche Welt und vor allem, um Mondes Willen, auch gegen die eigene Empfindung. Ein Wehr, Damm vor den eigenen Gefühlen, Erinnerungen, Gedanken, Kinderbildern. All das Wasser in sich erstarrt und gleichzeitig kochend, durch Jupiters Zündung. Manipulativ zur Not auch gegen sich selbst eingesetzt. Ermächtigung und Vereinnahmung sind Bindeglieder zwischen Schütze und Skorpion. Einmal als zwanghaft optimistische Ausdehnung, einmal als emotionale Besitz-Ergreifung. Während Skorpion Schütze wie ein Schild vor sich herschieben, als Möhre vor der Nase wittern oder durch die inneren Landschaften treiben kann, sieht Schütze Skorpion hinter sich nicht. Ähnlich verhält es sich mit den zwanghaften Glaubens-Konzepten eines randalierenden Jupiter-Pluto, der sich selbst zugunsten der Mission auslässt. Und dann Steinbock-Sonne im Quadrat zu Saturn. Die Regel der Regel, Disziplin der Disziplin, Vorrang der Form vor dem Inhalt. Man muss doch. Muss, muss. Sich beugen? Einordnen? Überleben? Dahinter steckt ein Kontext aus Angst und Strukturhunger.

Der Täter kann sich seiner Schuld erst bewusst werden, wenn er sich daran erinnert, wie es war, als er selbst Opfer war." (Martin Miller, SPIEGEL)

Und dann der radikale Merkur: Die Hauptrolle, die scharfe Wahrnehmung und jede ihrer Störungen für Millers pädagogische Position der nötigen bestätigten Wahrnehmung beim Aufwachsen eines Kindes spielt, belegt die weite Opposition zu Neptun. Hier, im Wassermann und Löwen, findet sich auch ihr dominantes Distanzierungs-Talent und gleichzeitig seine subjektive Entgrenzung, die immer einfließt. Über diesen Kanal kommen Erfahrungen hinein - getäuschte Wahrnehmung oder die ewige Frage nach Wirklichkeiten. Dem eigenen Sohn konnte sie wenig bestätigen, was er mit ihr dann erfuhr - an Ablehnung, Verdrängung, Leugnungen. Sein Schmerz, als Kind, ausgerechnet an Punkten ihres Versagens hätte womöglich ihre eigenen Wunden wieder nach Hause geholt. Ins Bewusstsein des Menschen Alice, nicht der Theoretikerin. Mit Martin spaltete sie sich ab. Denn Mond ist auch das Verhältnis zur eigenen Mütterlichkeit, nicht nur zu den Müttern.

Das rangierte, verschobene Kind

Die kühle oder radikalisierte Distanz der perspektivisch beurteilenden Mutter und Psychologin (auch eine Frage der Skorpion-Schütze-Anteile) führte, so beschreibt es Martin Miller, in eine fremde, falsche Welt, in der Miller, die große Psychologin, mit Mutter, dem einst selbst abgewerteten und geschundenen Kind kollidierte. Ihre Kontrolle aus Steinbock und Skorpion sorgte dafür, dass dieses innere Kind (im Radix hauptsächlich Mond) von sich und dem Sohn nicht mehr wissen will, sofern sie bedürftig sind. Vielleicht ist es auch keine Frage des Wollens, sondern Könnens. Alice Miller wuchs in einer othodoxen, jüdischen Familie in Polen auf, was dem Sohn erst viel später klar wird, als er nach ihrer Biografie sucht, die sie verbirgt. Sie macht ein Geheimnis aus sich. Fische-Mars, der Lilith-Chiron regiert, die Wunde der Wut über das chronisch angegriffene und immer wieder gebrochene Rückgrat der Autarkie (Pluto-Quadrat), lässt häufiger Beschönigung oder andere Schleier über Bewusstsein fallen. Bis Bewusstsein sich tarnt in konfusen Settings. Eine seiner Überschriften kann "Selbstlüge" heissen. Eine andere: Höchste Erlösung des Selbst. Man hat die Wahl. Beides bringt Schmerzen durch Wahrnehmung. Mit Neptun im Löwen verhüllen jedoch viele Spiegelungen das Ich-Denkmal, Chaos des Subjektiven, das in Jupiter (und Mond) und selbst den scharfen Merkur einfließt und ihn ruhigstellt. 

Ich musste meine ganze Biografie auslöschen (Alice Miller gegenüber ihrem Sohn)

Offenbar hat Alice Miller selbst eine strenge Mutter, mit der sie nicht warm wird und die sie als Achtjährige zu einer Verwandten in Berlin gibt, wo das geforderte, verregelte Mädchen (das später die Kontrolle an die Kinder weitergeben wird) unter Jupiter Trigon Mond-Jupiter nach einem Transit von Saturn auf Steinbock-Sonne zum ersten Mal frei atmet. Bei Saturn Quadrat zur Skorpion-Konstellation muss Alice zwei Jahre danach zurück. Fische-Mars kennt ja kein eigenes Aquarium, er schwimmt, flieht, bewegt sich oft durch geliehenes Land. Eng verbunden mit Südknoten bleibt die gewohnte Reaktion verschwommen, sich ihrer selbst nicht bewusst. Man kommt schwer aus chaotischen, vorbewussten Ritualen heraus. In einem inzwischen fremden, heimatlichen Kosmos voller Zwang, Druck, Verfolgung ist Alice nun wieder in sich ganz allein. Mitten im Krieg, in Polen, wo ihre Familie verfolgt wird. Später "spielt" sie mit dem Sohn das Verschieben, Rangieren des Kindes nach, indem sie ihn fort gibt, wenn der Bettnässer schwierig wird. Keiner ahnt das. Denn Miller ist eine Institution, nicht privat. Nicht Mensch, nur Stimme. Dafür sorgt sie selbst in der Abspaltung zwischen Brain - Merkur und den plutonischen Mond-Anteilen. 

...ich habe zeitlebens aus der Fangemeinde hören müssen, viele hätten sich eine solche Mutter gewünscht. Tatsächlich wünscht man sich dies als Leser ihrer Bücher. Ich wähnte mich aber jeweils im falschen Film, denn ich hatte diese Mutter, und sie war mitverantwortlich für das Drama, das ich in meiner Kindheit erlebte, deshalb mein Buchtitel: «Das wahre Drama des begabten Kindes»." (Martin Miller, Berner Zeitung)

Mond-Neptun, in den Jupiter ihre intensive, schmerzhafte, immer wieder brechende Skorpion-Empfindung hineinzieht, spricht für Geschlechts-Konkurrenz in der Familie. Die mütterliche Empfindungs-Welt als Überlagerung, bis man sich daraus befreit. Ihre Mond-Aspekte stellen Alice Miller vor die größte Herausforderung, die man sich astrologisch und psychologisch vorstellen kann. Nur wer in solchen Konstellationen die eigenen Schmerzen mindestens in sich, für sich offenlegt, würdigt, persönlich sein lässt statt überweltlich, kann sie heilen.

Der gemiedene Schlüssel

Martin Miller wächst aber in einem Wattenmeer der Verdrängung auf, weil Alice, die Mutter ihre eigenen Schatten aus einer abgewiesenen Kindheit zwar dauerhaft bannt und aus dem Empfinden heraushält, indem sie zu Theoremen werden, jedoch nicht mit ihnen umgeht. Das Gestern, das nicht ins Heute übertragen wird, kocht stetig vor sich hin. Pluto beherrscht im Krebs, dem Zeichen der Ursprungs-Familie und Heimat, Millers Mond und Jupiter - sowohl die Vision des Anderen, das man den eigenen Gefühlen aufsetzt, als auch die feurige Oberfläche der Kämpferin, unter deren Philosophien die eigentliche Machtlosigkeit ihrer Kern-Familie (und vor allem der Mutter) liegt. Alice Miller hat diesen Schlüssel zu sich selbst gemieden (einer ihrer Buchtitel) und in Jupiters Feuer umgeschmiedet zu einer rein energetischen Perspektive dessen, was Trauma mit einem Leben der Fremden, anderer Kinder, anderer Umstände, machen kann. Ihre eigene Perspektive ging ihr dabei verloren. Sie wies ihre Kinder ab, verschob, formte oder kontrollierte sie.

Als der Junge geboren wird und Pluto auf Millers Neptun sitzt und vermutlich anläuft ins Quadrat zum Mond und Opposition Merkur, muss all das wieder aufkommen in ihr. Kumulation einer Vergangenheit, selbst abgeschoben, Vater im Ghetto. Das, was ihr fehlt, das, was sie braucht, was sie nicht gelernt hat als Frau und Mutter, geht denselben Weg. Weg. Immer wieder wird Martin, der Sohn, der gleich "die Brust verweigerte", fortgegeben, die mit Down Syndrom geborene Tochter sechs Jahre später entsetzt über genetische Mängel auf der Welt begrüßt. Pluto. Auch das Gen-Problem. Auch die ererbten Altlasten. Martin kommt ins Heim, weil er stört, später ins Internat, weil er flieht, es nicht anders kennt - Lösung durch Distanz, durch Versachlichung, Prinzip Wassermann. Mutters Merkur, einzige Kategorie, auf die man sich verlassen kann. Er bewundert sie, er liebt sie, er ist stolz, wenn sie ihn - selten - Ernst nimmt, Meinungen, Ideologie, gesellschaftliche These mit ihm teilt. Meinung ist ungefährlich.

Der Vater, Andreas Miller, mit Sonne und Mars in den Zwillingen und Mond-Saturn in Waage ein durch und durch Intellektueller und schier mit Geist identifizierter Schweizer Soziologe, hat den verborgenen Ohnmachts-Empfindungen seiner Frau Alice mit dem dominanten, intensiven Wasser-Mond wenig an Halt entgegenzusetzen. Aber sie demonstriert sich selbst auch nicht als "Opfer" ihrer Umstände. Wenn der Junge geschlagen wird, steht sie dabei, um es später zu "unterbinden". Kontrolle, Skorpion, was dieser Mond seinen aufbrandenden Erinnerungen zu bieten hat, durch Jupiter überhitzt. Wenn er sich nicht endlich findet und an sich selbst und in engem Kontakt zum eigenen, alten Empfinden, entwickelte. Das Tragische: Die Überhöhung der Erfahrung zur Gesellschaftsfrage verhindert in Alice Miller genau das. Denn sie sättigt den plutonischen Druck des persönlichen Trauma ab. Skorpion, das erste Zeichen, das stets verführbar ist, ins "Man", Überpersönliche, Transpersonale, ins Konzept oder allgemeine Stellvertreter-Urteil zu gehen, statt die eigene Erfahrung verbindlich in sich selbst zu lösen. Skorpion, die Sollbruchstelle, die Basis eines selbst-entfernenden Wassermanns als Abstraktum.

Ewige Raupe, ewige Puppe

Skorpion-Mond ist eine harte, intensive Stellung - besonders für jede Frau. Seine Leidenschaft wird leicht zum Richterspruch. Über Selbst und andere. Mond als Gegenstück zur Sonne im männlichen Horoskop enthält ja den Archetyp des inneren Leuchtens, das auch aus der Mutter-Erfahrung kommt. Während sich viele Männer immer noch mehr mit ihrer Sonne identifizieren und diese Identifikation mit dem weltlichen Selbst auch leben, sind für Frauen (aber auch Kinder) oft lange die Qualitäten des Mond-Bildes im Radix stärker mit dem verbunden, was sie als ihr Selbst finden, wenn man danach fragt. Skorpion-Mond steht, neben einer beträchtlichen Entwicklungs-Chance und -Herausforderung, auch für das immer Tiefe, manchmal Ohnmächtige, ein seelisches Kontinuum (auch der Mütter), das die Seele des Kindes besonders bei der Stellung leicht berührt und überlagert.

Sie fürchtete, mich als einfühlsames Gegenüber zu verlieren. Das war stets ihre Angst gewesen, schon als Kind musste sie immer für ihre Eltern da sein, ihre Familie retten. [...] Aber sie hat die Parität auf Augenhöhe mit mir nie ertragen." (Martin Miller, Berner Zeitung)

Plutonisches spiegelt Verbindlichkeit und Bindung. Die seelische Verbindlichkeit zwischen Skorpion-Monden und ihren Müttern ist oft lange heftig, unterschwellig genauso dominant wie die spätere eigene Verbindlichkeit im Seelischen. Es kommt bei zusätzlichem Mond-Neptun vor, dass Mutters Wunden so scharf, schwer, dauerhaft und dramatisch-unflexibel sind, dass sich ein Kind ungewollt auf diesen Kokon fixiert. Ewige Raupe, Puppe. Und daher das Eigene erst sehr spät oder zu spät aus den inneren Zwängen aufsteigt. Schuldzuweisungen an die Mütter bleiben oft nicht aus - obwohl hier sehr wichtig ist, dass Kind mit Skorpion-Mond Mutter häufig einfach durch die Brille des Plutonischen sieht. Sie also selbst gar nicht "so sein" muss. Es geht hier schlicht um sehr feine Kanäle für bestimmte Aspekte des Lebens, die mitgebracht sind und durch Familien-Settings bestätigt werden. Das Trauma als Möglichkeit, das mit Skorpion-Monden in Verbindung gebracht wird, kann allerdings aus sehr tiefer, purer Erfahrung anhaltender Loyalität (im Systemischen) bestehen. Ein offener Kanal im Kind für Macht- und Ohnmachts-Problematik im Erbe, für Stirb-und-Werde-Prozesse, für die klassische Nähe des Prinzips Leben zum Prinzip Tod. Pluto-Stellungen der Eltern auf dem Mond eines Kindes setzen meist noch deutlichere Signale für tatsächlich durch die Eltern erlittene Traumata als ein einfacher Skorpion-Mond.

Aber hier kommt vieles zusammen. Analog zu ihrer Mond-Stellung blieben fremde Kinder und fremde Eltern (Jupiter = Fremdes) auch Alice Millers übergroßes Thema. Durch den Schütze-Herrscher mit der an sich so optimistischen Venus im Schützen selbst ins Fegefeuer der Visionen dessen getaucht, "was irgendwo fehlt" (Pluto). Gleichzeitig wird aller Seelen-Stoff energetisch geläutert, aus der reinen Empfindungs-Ebene geholt und zum Thema eines "heiligen Krieges", zur Fackelträgerinnen-Mission, gemacht.

Jahrzehntelang wusste man allerdings nicht mal, wann ihre eigenen Kinder geboren waren, ja, lange sogar nicht, dass Miller überhaupt Sohn und Tochter hatte. Martin und Julika. Bis heute lag - außer einigen wenigen Brocken für die Medien - alles Persönliche aus ihrem Aufwachsen im Schatten ihrer Werke. Mond-Jupiter, der Schott. Diesem grandiosen Ruf danach, anderen Kindern ihre Würde zurückzugeben, sie zu achten, trug sie in Abspaltung Rechnung. Mit Attacken auf die Psychoanalyse, hinter dem Zeigefinger, der die Bedeutung kindlicher Traumata immer wieder in den Vordergrund schob. Auch die Abwehr von "Erziehung", ihrem Druck und allen Zwängen.

Aber so wie man nicht nicht kommunizieren kann (Watzlawick), kann man eben auch nicht nicht erziehen. Das wird überdeutlich, wenn man Millers zweifelsohne schlüssige Theorien als Erziehungs-Gegnerin mit den Erlebnissen ihres protokollierenden Sohnes abgleicht. Wie sehr die Mutter selbst von ihren Erlebnissen als Kind, die sie fast zwanghaft versteckt, getrieben ist, wie sehr es ihr an Selbst-Mitgefühl mangelt, zeigt nicht nur ihr Radix, sondern auch der Blick dieses Sohnes auf eine ungeschönte Vergangenheit. Irgendwann - vermutlich früh - fing sie an, ihren Jungen zu beurteilen, diagnostizieren, zwang ihn zu Therapien, ein Prozess der Verstrickung in das Leben ihrer Nachkommen, die zweifelsohne mit ihren eigenen Verstrickungen in das Leben ihrer Eltern, dem Pluto-Kokon, mehr zu tun hatte, als mit ihrem Sohn. Irgendwann entschuldigte sie sich viel, viel später für ihre fanatische Anwendung gedanklicher Konzepte und Ideologien bei ihm. Obwohl sie in sich so frei waren (Wassermann-Merkur), aber durch die Zeichen-Herrscher-Kette immer wieder auf Mond und Pluto zurückführten. Ausnahmslos. Unten links das beeindruckende Bild der Dominanten-Verkettungen in Alice Millers Radix. 

Die "Ladung" durch Herrscher, das Haften an bestimmten Themen, kann man sich in der Astrologie tatsächlich wie einen Anker vorstellen. Egal, wie entwickelt die Anlage sich im Einzelnen auch zeigen mag, wie sehr man sich auch mit Innen- und Außenbildern im Zwiebelschalen-Prinzip beschäftigt, man wird sie als Feld des Seins ja doch nicht los.

Die End-Herrscher der Konstellationen sind eine Lebens-Aufgabe, letztlich die Bilder der Konzentration, von denen aus sich ein Horoskop entrollt und immer wieder selbst erklärt. Hier, bei der Frau, die keine warme Mutter sein konnte und auch deshalb wieder gegen die Traumatisierung der Kinder durch die Kindheit kämpfte, bleibt am Schluss wie ein Stempel immer wieder: Wasser-Mond-Wasser-Pluto.

Das Siegel einer der heftigsten, unmittelbarsten emotionalen Berührungen und Berührbarkeiten, das man in weiblichen Geburtsbildern finden kann. Ebenso vielversprechend, wie zehrend, ebenso talentiert und direkt wie geheim. Denn allen Wasser-Monden ist zueigen, dass sie in äußerster Privatheit und zugleich äußerster Demonstration intensivste, tiefste Entwicklung erfahren und dabei immense Schmerzen zu tragen bereit sind. Während gleichzeitig im Skorpion bei nicht konfrontierten Erfahrungen eine extreme Fixierung darauf als Konzept stattfindet. Was häufig dazu führt, dass der Mond im Käfig des Plutonischen sitzen bleibt. Wo die Unmittelbarkeit des Empfindens zugunsten eines Fühl-Systems vermieden werden kann. Eine Technik, um weiteren Schmerz abzuweisen oder zu kontrollieren. Manchmal bis zum eigenen Tod. Alice Miller starb 2010, im Monat, als ihr Sohn Martin 60 wurde. Nach schier endlosem Neptun-Chiron-Transit Quadrat Mond und Jupiter.

Ich hatte gehofft, dass sie vor der Endgültigkeit des Todes so viel Respekt hat, dass sie mir ein Zeichen geben würde, sie würde mich nun verstehen. Aber sie blieb ihrem Muster treu, die früheren Probleme zu verdrängen. Dass ausgerechnet ich als ihr Kind für sie bedrohlich war, sie mich je länger, je mehr als Aggressor mit ihren Verfolgern im Nationalsozialismus und Krieg gleichsetzte und mich zum Monster machte, das war für mich schrecklich. Sie hat mich wie einen Feind beschwichtigt, im falschen Glauben gelassen und gleichzeitig hinterrücks bekämpft." (Martin Miller, Berner Zeitung)

Die kämpferische Lilith mit Chiron belegt im Widder (mit Südknoten in den Fischen), dass bei Miller ebenso viel Kraft aus dem Angriff gezogen wurde, wie chaotisch Unbewusstes als Standard-Reaktion auf Welt zugelassen. Aber eben nicht bewusst gemacht. Das ist gerade für Wasser-Mond-Frauen schwierig, die aus der Urquelle der seelischen Reichhaltigkeit schöpfen und reflexhaft eine starke Anbindung im Positiven oder Negativen an die weiblichen Linien der Ursprungs-Familie haben. Sie müssen sich erfahrungsgemäß irgendwann erst von der Identifikation mit der Wunde aller Mütter und Kinder lösen und dann weitergehen. Den Schmerz hüten, würdigen, wandeln und heilen, indem sie sich aus seinem Dogma herausschälen. Insbesondere dem konzepthaften, skorpionischen Mond nimmt das niemand ab. Die Verführung eines Jupiter, der bei Alice Miller wie ein Schild des Visionären zumindest neben, wenn nicht gar über dem Eigentlichen der Verbindung zum Seelischen lag (eine Frage der Geburtszeit), war womöglich Garant für ihre immense Überhöhungs-Kraft im Überschreiten des privaten Horizonts. Geschenk und Fluch zugleich. Lebte sie Jupiter, verdrängte sie Mond - wie es in der Schütze-Skorpion-Folge im Tierkreis deutlich angezeigt ist. Skorpion, die Macht und die Ohnmacht, als Movens und Verdrängtes des Schützen, sein 12. Haus. 

Es ist ganz schwierig, zu verstehen, wie Menschen aus einer inneren Not zum Raubtier werden können. Wenn ein Mensch in seiner Kindheit emotional zu kurz kommt, kämpft er später wie ein Raubtier um emotionale Nahrung. Meine Mutter kämpfte stets um emotionale Zuwendung. Wenn sie sie nicht bekam, hat sie die Menschen abserviert." (Martin Miller, Berner Zeitung) 

Dass Täter-Opfer-Dreiecke (und damit ein innerer "Opferkosmos") sich häufig astrologisch über die drei Wasserzeichen "vererben", ist wohl unbestritten. Die psychische Abwehr und Verleugnung des eigenen Opfer-Empfindens kann besonders im Skorpion mit Neptun-Anbindung oft im selben Maß rigide werden, wie sie im Bewusstsein aufzutauchen droht. Das Problem an diesen Prozessen: Ohne Wissen und Zulassen der Welle von Angst, Schuldgefühl und massiver Panik angesichts eigener Hilflosigkeit als Kind, wird die gebundene, psychische Energie des ehemaligen Opfers erwachsen leicht wieder zur übersehenen Täter-Rolle. Alles, was mit dem autonomen Komplex von Machtlosigkeit und Macht (besonderes Skorpion-Thema) zusammenhängt, ob passiv oder aktiv, kommt nur ans Licht, wenn es ans Licht darf. Ansonsten schaukelt es sich speziell in diesem Zeichen des Vererbten häufig auf zu unauflösbaren, familiär übertragbaren Knoten von Übersehen, Leugnen, Überhöhen, Herunterspielen und Weitergeben.

Du sollst nicht merken

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Alice Miller ausgerechnet in berühmten Tätern Opfer-Anteile besser als jede andere ausmachen konnte und stets brilliant herleitete, wie aus dem zerstörten Kind ein zerstörendes Kind wird (ESSAY Die Kindheit Adolf Hitlers - vom verborgenen zum manifesten Grauen). Dafür wurde sie auch heftig kritisiert. Ihr skorpionisches Empfinden, diese maßlose Einfühlung und das Schwingen der seelischen Seite in jeden Schmerz, der nicht eigen war und kontrolliert werden musste, gestattete ihr, eigenes Erleben in anderen zu fühlen. Geholfen hat es ihrem Sohn nicht.

Von der Mutter als Monster gesehen, als er sich ihrem therapeutischen Setting in einer schweren Lebens-Krise selbst als Erwachsener noch nicht mehr unterordnen wollte, konnte er nur mit Mühe gegen ihren Schatten in sich kämpfen und einen Suizid aus Verzweiflung und Verstrickung in ein cooles Familien-System vermeiden. Als Pluto mundan durch Skorpion läuft, versucht sie, Gehorsam, Anpassung und pure "Gesundheit" durch ihre Methodik zu erzwingen, verhandelt hinter seinem Rücken mit seinen Therapeuten. Begeht Verrat. Manipulation des Skorpionischen auf dem Boden einer hierarchisch-pragmatischen Steinbock-Sonne, die Welt als erklimmbaren Berggipfel sieht.

Mutter und Sohn. Alice und Martin Miller. Man wünscht sich, der Sohn, inzwischen selbst längst Psychologe, hätte kein Protokoll, keinen Bericht, keine einfache Listen-Führung der Wahrheit und Erklärung des Falls Mutter geschrieben. Man wünscht sich eine Anklage. Seinetwegen. Dass er mit all seinem Schmerz heraus geschrien hätte, was ihm gefehlt hat. Was er gewünscht hat. Was ihm getan wurde. Sandra Konrad, Hamburger Psychologin, schrieb einmal den sehr klugen Satz: "Wer sich nicht schuldig fühlt, kann auch keine Schuld vererben." Das Problem an Alice Millers Geschichte ist wohl, dass sie dem Sohn durch ihr Leben zwischen Radikalität, Verleugnung und Zwang zur Vision nicht einmal die Chance gelassen hat, wirklich wütend auf sie zu sein. Und ihm damit ungewollt ein Dogma vererbte, das sie im Titel eines ihrer Bücher bei anderen doch so sehr bekämpft hat: Du sollst nicht merken. Die Blindheit gegenüber den Kindern, die man zur Taubheit gegenüber eigenen Gefühlen erzieht. Brisanter ist vielleicht nur noch, Schuldzuweisungen durch Ambivalenz und Rationalisierung zu verhindern. Skorpion, Kontrolle der Kontrolle der Ohnmacht.

Ein selbst-blinder, traumatisierter Skorpion-Mond, der zu Jupiter und Neptun Beziehungen pflegt, saugt - wenn es hart kommt - Loyalität aus denen, die ihn emotional nähren müssen. Weil er sich selbst nicht nähren kann, wenn er sich nicht erkennt. Leider delegiert er die lebenswichtige Fütterung auch an die eigenen Kinder. Das Maß seiner verzweifelten Gefühlstaubheit entspricht dann der Schwere des Kreuzes, das sie manchmal lebenslang tragen. Ja, vielleicht ist Skorpions größte Last und Korrumpierung überhaupt der Mangel an Selbst-Mitgefühl, eine Kette ohne Ende, die weiter und weiter führt, wenn man sie nicht durchschneidet. Es gab mindestens zwei Menschen, in die sich Alice Miller nicht einfühlen konnte. Ihr Sohn ist einer von ihnen. Den anderen, den, mit dem sie lebenslang leben musste, sieht sie am Ende immer noch nicht:

Ich habe mich in so viele Menschen einfühlen können, nur in meinen Sohn konnte ich es nicht. (Alice Miller, 1998)

 

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Original-Artikel von www.astrologie-zeitung.de
Autorin: Susanne Riedel Plenio

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