Anstiftung zur Lebendigkeit
Kolumne von Barbara Hutzl-Ronge

Die aktuelle Venus-Uranus-Konjunktion bringt Bewegung in Beziehungen. Infolgedessen bekomme ich jetzt vermehrt aufregende Liebesgeschichten zu hören. Unabhängig davon, weswegen sich meine KlientInnen ursprünglich bei mir angemeldet haben, im Moment geht’s nur um die Liebe. Zumindest auf den ersten Blick.

Venus und Uranus, von Caroline SmithSelbstverständlich schüren das Duo Venus und Uranus, wenn sie einander in den Fischen umarmen, die Sehnsucht nach dem idealen Liebespartner. "Sei mutig, trau Dich, wirf doch Deine Ängste und Konventionen hinter Dich" flüstert Uranus seiner Geliebten lockend ins Ohr. Venus geniesst, wie sich das Prickeln in ihrem Körper ausbreitet, wie es hochsteigt bis in ihren Kopf, den sie lachend nach hinten legt. Sie fühlt sich auf wunderbare Weise lebendig,alles scheint ihr möglich.

Die Palette der Liebesgeschichten reicht nun von aufregenden Neuentdeckungen bis hin zu Uraltgeschichten, die plötzlich wieder aktuell werden. Das Liebeskarussell dreht sich munter und die Gefühle vieler fahren Achterbahn. Das lässt sich so locker niederschreiben, fühlt sich für die Betroffenen in der Realität aber meist nicht nur aufregend, sondern auch aufreibend an. Oft sind mehrere Personen in komplizierte Partnerrochaden verwickelt, und dann entpuppt sich erotische Leidenschaft schnell als ein Gefühl, das zusätzlich Leiden schafft.

Nicht selten lässt sich aber in den Geschichten, so unterschiedlich und individuell sie auch sein mögen, ein tiefer liegendes Thema feststellen. Viele suchen eigentlich eine Antwort auf die Frage: Wie kann ich mein Leben anders gestalten, damit es sich wieder aufregend und lebendig anfühlt? Den Partner zu wechseln ist zwar eine effektvolle Möglichkeit, aber bei genauer Betrachtung der Lebensumstände kristallisieren sich oft noch andere Bereiche heraus, die nach Erneuerung schreien, weil sich eine - plötzlich als unaushaltbar empfundene - Routine eingeschlichen hat. Kreative Lösungen sind gefragt.

Als grösstes Hindernis, solchen Lösungen näher zu kommen, erweisen sich meistens die eigenen Vorstellungen. Es ist ganz erstaunlich wie viele "Das-macht-man-doch-nicht-Ideen" und "Das-kann-ja-nie-funktionieren-Überzeugungen" in den Köpfen nisten. Um ein Beispiel zu geben, was passieren kann, wenn man sich über fixe Vorstellungen hinwegsetzt, erzähle ich gern folgende Geschichte:

Eine meiner geschätzten Klientinnen arbeitete in den 60er Jahren in Algerien.Als sie eines Tages mit ihrem klapprigen 2CV in der Wüste unterwegs war, kletterte die Temperatur auf ein unerträgliches Höchstmass. Kein Baum, kein Schatten weit und breit. Endlich erreichte sie ein Dorf mit einer Kirche. "In der Kirche ist es sicher etwas kühler", war ihr erster Gedanke, "darin ruhe ich mich auf meinem Liegebett aus, bis es Abend wird" ihr zweiter. Doch die Kirche war abgesperrt.

Kurzentschlossen betrat sie den Polizeiposten, der sich neben der Kirche befand, und fragte nach dem Schlüssel. Wofür sie denn den Kirchenschlüssel brauche, fragte der Kommandant argwöhnisch. Ihr sei so heiss, dass sie es bald nicht mehr aushalte und daher wolle sie sich auf ihrer Klappliege in der Kirche ausruhen, bis es kühler werde. Das habe er noch eine bessere Idee, erwiderte der Polizeikommandant lächelnd - und lud sie in den Garten seiner Familie ein. Im Schatten der Orangebäume durfte sie ihre Liege aufstellen, der Kommandant pflückte ihr wunderbar reife Orangen und seine Frau verwöhnte sie mit Pfefferminztee. Bis es Abend wurde, hatten ihre Gastgeber ihr nicht nur die Geschichte der Kirche, sondern auch allerlei andere G’schichtln aus dem Dorf erzählt.

"Und was hilft mir ausgerechnet diese Geschichte, wenn ich nun mitten in einem Liebesdrama stecke?" mögen an dieser Stelle die kritischen LeserInnen fragen.

Sie ist ein Beispiel dafür, dass, wer - ohne auf gesellschaftliche Konventionen zu achten - sich für die eigenen Bedürfnisse einsetzt, nicht nur erhält, was sie oder er zum Leben braucht, sondern dass dieses Leben dadurch auch lustvoller und "lebendiger" wird. Hätte sich meine Klientin vorgenommen, unbedingt in den Garten des Kommandanten eingeladen zu werden, dann wäre ihr das wohl kaum geglückt. Durch ihre ungewöhnliche Handlungsweise jedoch wurde ihr Bedürfnis nicht nur wahrgenommen, sondern ihr Gegenüber hat ebenfalls seine gewohnten Verhaltensmuster überschritten und aussergewöhnlich reagiert.

Die Ehrlichkeit, zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen und dabei auch unkonventionelle Lösungen ins Auge zu fassen, kann in Liebesdramen ähnlich unerwartete Wendungen mit sich bringen. In manchen Fällen jedoch zeigt sich einfach kein Weg zum erstrebten Liebes-Partner-Ziel. Auch dann finde ich die oben erzählte Geschichte ein hilfreiches Beispiel. Wer sich nämlich traut, eingefahrene Verhaltens- und Denkmuster - einerlei in welchem Lebensbereich - zu ändern, der wird so schnell nicht mehr aus dem Staunen herauskommen, wie schnell viele Dinge (auch die leidigen, leidvollen Liebesdramen) in Bewegung kommen.

Denn bei der Abfahrt riet der Polizeikommandant meiner Klientin, doch im übernächsten Dorf seine Schwester zu besuchen und ihr Grüsse zu bestellen. Wen sie dann dort getroffen hat, - das ist eine andere Geschichte.

"Trauen Sie sich jetzt, ein paar Ihrer Routineverhaltensmuster in Beziehungen über Bord zu werfen", mag ich ihnen stellvertretend für Uranus ins Ohr flüstern. Denn die Chance, dass Sie sich dann bald ziemlich lebendig fühlen, ist im Moment besonders gross.


© Barbara Hutzl-Ronge / Astrodienst AG 01/2004
Astro-Databank
Astro-Databank
Astro Wiki
AstroWiki
Aktuelle Planetenstände
22-Sep-2014, 15:35 Weltzeit
Sonne29Jungfrau33'20"
Mond11Jungfrau45'12"
Merkur25Waage48'13"
Venus21Jungfrau0'22"
Mars5Schütze54' 4"
Jupiter14Löwe25'46"
Saturn19Skorpion43'46"
Uranus15Widder7'13"r
Neptun5Fische32'56"r
Pluto10Steinbock59'46"r
Mondkn.(w)19Waage17'42"r
Chiron14Fische43'13"r
Erklärungen der Symbole
Horoskop des Moments
Werbung
Loading