Der cineastische Tierkreis -
Neue Bilder für alte Archetypen

Die Bildermaschine Kino bietet eine ungeheure Fülle an vielfältigen Erscheinungsformen für archetypische Gestalten, Motive, Qualitäten, die in der Astrologie von Planeten, Konstellationen und dem Tierkreis repräsentiert werden.

An dieser Stelle bietet Vesna Ivkovic Einblick in die cineastischen Ausdrucksformen und Entsprechungen der Tierkreiszeichen.

Stier im Kino: Geliebte heile Welt!

Auf den kämpferischen Widder folgt im Tierkreis der genussfreudige und konservative Stier. Nachdem Widder den Anfang gemacht, Neuland erobert oder einen Sieg erstritten hat, macht sich Stier daran, das Revier zu sichern, Grenzen abzustecken und die neu gewonnene Materie mit allen Sinnen zu erfahren und zu genießen.

Chocolat MovieIm Film wird diese Reihenfolge aus dramaturgischen Gründen häufig zunächst mal umgekehrt: die Sicherheit einer (manchmal nur vermeintlich) heilen Welt wird durch ein plötzliches Ereignis erschüttert, der Held oder die Heldin wird aus ihr herausgerissen und bricht auf, um diese eigene Welt wieder heil zu machen… So ist die Stier-Qualität häufig zwar Ausgangspunkt oder auch Ziel, erheblich seltener jedoch handlungsbestimmendes Element der Geschichte (besonders häufig und genretypisch ist beispielsweise die Kombination von Stier- und Skorpion-Merkmalen im Horrorfilm, wenn sich ein idyllisch scheinendes Setting allmählich in eine Hölle verwandelt).

Ein typisches Motiv des Stier-betonten Films ist allerdings eben jene „heile Welt“, in der die Sicherheit des Vertrauten und Gewohnten genossen wird, in der die Protagonisten oft ein zufriedenes, auch an materiellen Gütern reiches und sinnenfrohes Leben genießen.

Das Tierkreiszeichen Stier liebt das Gewohnte und die Natur, mit der es vertrauten Umgang pflegt. Traditionen, Gemütlichkeit und das Anhäufen und sinnenfrohe Genießen materieller und anderer Güter sind wichtige Werte für den Stier, der Neuerungen und Veränderungen mit Schwerfälligkeit begegnet. Viel lieber verharrt er im Bewährten, und zwar so lange, bis die Veränderungsimpulse ausgesessen und die potentiellen Störenfriede zur genussvollen Muße verführt sind.

Die dem Stier eigene Liebe zum Gewohnten und Gemächlichen spiegelt sich filmisch in traditionellen und vertrauten Erzählstrukturen sowie im schwelgerischen Kamerablick über liebliche Landschaften – Soundtracks sind getragen und gewichtig oder folkloristisch und fröhlich, Kameraeinstellungen lang und ruhig, Farben kräftig, aber nie schrill und die Sinne werden auf ruhige Art angesprochen.

Vom Heimatfilm…

Ein Filmgenre, das die Stier-Thematik besonders gut bedient, ist der Heimatfilm. 1954 erschien eine der bis heute erfolgreichsten deutschsprachigen Filmproduktionen überhaupt: „Der Förster vom Silberwald“ erzählt von zweifelhaften Kommerzinteressen, die besagten Silberwald bedrohen, von naturverbundenen alten Jägertraditionen, von ländlicher Idylle und von einer jungen Frau, die sich vom Förster zum Genuss der Natur und schließlich zur Rückkehr aufs Land verführen lässt. Ausführliche, sehr beschauliche Naturaufnahmen fallen hier besonders auf.

Weites LandDer Heimatfilm des amerikanischen Kinos ist natürlich vor allem der Western. Zu den in diesem Genre wichtigen Widder-Merkmalen wie Kampf und Pioniergeist gesellt sich häufig das Stier-Thema der Bindung an Land und Boden. Auch das Motiv des Widerstands gegen Neues und Unbekanntes, die Bedrohung des beschaulichen ländlichen Lebens ist nicht selten Teil der im Western erzählten Geschichten. So wird im Klassiker „Weites Land“ (W. Wyler, 1958) ein von der ländlichen Gemeinde misstrauisch beäugter wohlhabender Neuankömmling, der sich ein ruhiges und genussvolles Leben aufbauen will, widerwillig in die Landfehde zweier Rancher hineingezogen – und bringt natürlich alles zu einem zukünftige Sicherheit versprechenden Ende.

Vier Jahrzehnte später werden einer Städterin in „Der Pferdeflüsterer“ (R. Redford, 1998) von Robert Redford die heilsame Kraft, die sinnlichen Reize und einfachen Freuden des Landlebens nahe gebracht, als sie ihre Tochter und deren traumatisiertes Pferd nach einem Unfall von ihm behandeln lässt . Der Film spielt in Montana und zeichnet eine heitere Idylle, wie sie kitschiger kaum beschrieben werden kann – hier spielt neben der Naturverbundenheit und allerlei folkloristischen Elementen im Leben einer dörflichen Gemeinschaft auch das Stier-Thema der Verführung eine wichtige Rolle.

Alexis SorbasGeradezu emblematisch für sinnenfrohen Lebensgenuss ist der berühmte und kinohistorisch einflussreiche „Alexis Sorbas“ (M. Cacoyannis, 1964) geworden, ebenfalls eine Art Heimatfilm, diesmal mit Griechenland als Schauplatz. Hier trifft ein zugereister Brite griechischer Abstammung auf einen älteren Lebenskünstler, der ihn lehrt die sinnlichen Freuden des Lebens zu genießen und in ihnen Beständigkeit zu finden.

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Auch darin findet sich eine zentrale Botschaft der Stier-Energie: Selbst wenn es Probleme und Konflikte auszusitzen gibt, das Leben geht weiter und es gibt immer eine blühende Wiese, ein schmackhaftes Essen, einen fröhlichen Tanz oder einen sich gut anfühlenden Körper zu genießen. Die Verführung zum Genuss spielt eine wichtige Rolle und dabei wird im Stier-Film neben den Protagonisten stets auch das Publikum zum Wohlfühlen verführt…

Chocolat MovieDer süßen, sinnlichen Freuden gewidmete Film „Chocolat“ (L. Hallström 2000) handelt von eben dieser Verführung zum Genuss: Ein Städtchen im ländlichen Frankreich des Jahres 1959 wird zur neuen Heimat für die von Juliette Binoche gespielte Vianne und ihre kleine Tochter. Vianne ist eine Meisterin der Schokoladenkunst und zaubert die verführerischsten Pralinen und Sinne betörende Schokoladenleckereien, denen nach und nach auch die genussfeindlichsten und verhärmtesten Bürger nicht widerstehen können – obwohl gerade Fastenzeit ist. Und so halten allmählich wieder Lebensfreude und Sinnenlust Einzug im Städtchen… Von Regisseur Lasse Hallström ist auch die aktuelle Romanze „Safe Haven“, in der eine junge Frau den titelgebenden „sicheren Hafen“ sucht – das andere Stier-Thema.

Die BienenhüterinEine Verbindung zwischen süßen Köstlichkeiten und einem sicheren Hafen schafft „Die Bienenhüterin“ (Gina Prince-Bythewood, 2008): Trotz tragischer Ereignisse im Leben der 14jährigen Lily und der Boatwright-Schwestern, bei denen sie Zuflucht findet, transportiert dieser Film eine dem schlichten Lebensgenuss zugewandte Atmosphäre und das Publikum kommt bewegt aus dem Kino, mit dem Wohlgefühl die Fülle des Lebens und dessen stierhaft beharrliche Unverwüstlichkeit erfahren zu haben. Der Honig, dessen Produktion den Boatwright-Schwestern ein beschauliches und wohlhabendes Leben ermöglicht, gehört zu den ältesten und wertvollsten Genussmitteln. Kulturhistorisch und symbolisch steht er für den Reichtum und Überfluss der Natur sowie für die Süße des Lebens und ist damit eine starke Entsprechung für das Stier-Zeichen.

In der matrilinearen Familiensaga „Antonias Welt“ (Marleen Gorris, 1995) wird die Geschichte der beharrlichen und sinnenfrohen Antonia erzählt, die als junges Mädchen ihr Dorf verließ und als reife Frau mit ihrer inzwischen erwachsenen Tochter zurückkehrt, um dort entgegen aller Widerstände ein ruhiges Leben zu führen. Sie baut einen Hof auf, der vielen Zuflucht und einen sicheren Hafen bietet und ein Ort der Lebensfreude für mehrere Generationen wird. Die Szenen von fröhlicher Landarbeit, genussvollen Festen und nahezu stoischem Umgang mit großem wie kleinem Unglück vermitteln vor allem Bodenständigkeit und eine tiefe Hingabe an die Gegebenheiten des Lebens, die vom Zeichen Stier in keiner Weise je in Frage gestellt werden.

Materialistisch-sinnliche Venus-Gestalten

Die kraftvollen und genussfreudigen Frauen im Mittelpunkt vieler Stier-betonter Filme erinnern an die archetypischen, liebenden Fruchtbarkeitsgöttinnen von Demeter bis Ishtar, von Isis bis Lakshmi und nicht zuletzt Venus, die Herrscherin des Stier-Zeichens.

Moulin Rouge MovieDas gilt auch für manche historischen Filme, die sich in üppiger Ausstattung mit der Welt der Kurtisanen, Hetären und Geishas befassen – die materialistische Seite des Stier-Zeichens verbindet sich hier mit der sinnlich-verführerischen. Eine Szene wie Marilyn Monroes Auftritt in „Blondinen bevorzugt“ (H. Hawks, 1953), als sie ihre Kurven in pinkfarbenen Satin gewandet und umgeben von geradezu hypnotisierten Männern „Diamonds are a girls best friend“ singt, zeigt Venus in Aktion. In „Moulin Rouge!“ (B. Luhrmann, 2001) griff Baz Luhrmann dieses Thema (auch musikalisch) auf und produzierte eine überbordend sinnliche Variation der romantischen Geschichte von der Kurtisane, die sich in einen armen Poeten verliebt (wobei die romantische und emotionale Komponente zusätzlich noch auf Krebs-Merkmale verweist).

Die romantische Liebe kommt auch in „Chéri“ (S. Frears, 2009) der Stier-Betonung der Protagonistin in die Quere, dennoch ist die sehr sinnlich dargestellte Beziehung zwischen einer sehr attraktiv alternden Kurtisane und dem erheblich jüngeren Sohn ihrer Kollegin von Stier-typischer Körperlichkeit und trotz eines tragischen Endes auch von viel Humor geprägt.

In vielen weiteren Filmen wird das Kurtisanen-Motiv auf vergleichbare Weise aufgefächert und es ist oft auch die sehr genießerische und üppige Ausstattung dieser Filme, die den Stier-Charakter bildhaft hervorhebt und uns so eine Fülle von verführerischen und genussvollen Venus-Gestalten anbietet.


Vesna Ivkovic

Vesna IvkovicVesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie, Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen. Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst. 1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte 2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de

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