Leinwandsternstunden des Monats

Mai 2009

Cinemaskop, von Vesna Ivkovic

Das Cinemaskop ist ein Überblick über aktuelle Kinofilme und deren zentrale Thematik aus astrosemiotischer Sicht, (d.h. den Film als Zeichensystem betrachtend und ins astrologische Zeichensystem übersetzend).
Ein gelungener Film hat nicht nur eine Story, ein bestimmtes Thema, er hat auch eine spezielle Atmosphäre, vermittelt ein bestimmtes Gefühl und zieht uns in seine ganz eigene Welt – dieses Grundthema, das sich aus Figuren, Story, Setting und allerlei anderen Komponenten speist, findet seine Entsprechung in einem oder mehreren astrologischen Zeichenprinzipien. Sehr vereinfacht heißt das: ein rasanter Actionkracher konfrontiert uns mit Widder-Energie, ein Horrorfilm dagegen mit skorpionischen Abgründen und Ängsten, etc. Wir kommen aus dem Kino und finden uns – wenn es dem Film gelungen ist, uns zu erreichen – beschäftigt mit und erfüllt von eben diesen Energiequalitäten.

Widder
12 RundenDer für schlichte und gradlinige Action (Die Hard 2, Cliffhanger) bekannte Regisseur Renny Harlin liefert mit „Zwölf Runden“ abermals genau das ab. Ein junger Polizist muss sich einem Wettkampf auf Leben und Tod stellen, als ein von ihm einst gestellter Verbrecher, dessen Geliebte auf der Flucht zu Tode kam, aus Rache das Leben der Freundin des Polizisten bedroht und daraus mit perverser Lust ein gefährliches Spiel mit zwölf herausfordernden Aufgaben für den Polizisten und höchstmöglichem Einsatz für alle Beteiligten macht – „if you’re still standing after 12 rounds you’ve won her back“ („wenn du nach 12 Runden noch stehst, bekommst du sie zurück“).

Stier
In einer idyllischen Kleinstadt, die vor zehn Jahren ein kannibalisches Massaker unter eingeschlossenen Bergleuten und weitere brutale Morde erlebte, hält der Horror erneut Einzug als ein junger Mann, der als Teenager die Ereignisse überlebte, zum Valentinstag in seine Heimat zurückkehrt. Zwar scheint „My Bloody Valentine 3D“ eher Gefühle skorpionischen Horrors zu vermitteln, doch für Fans des Slasher-Genres, dessen Klassiker von 1981 hier eine Neuauflage erfährt, ist es vor allem ein wohliges Gruseln, das die sinnenfroh und genießerisch ausgespielten Metzeleien begleitet und so ist doch sehr die Stier-Seite der Achse betont.

Zwillinge
Illuminati„One fabulous game of Trivial Pursuit“ (“Ein großartiges Trivial-Pursuit-Spiel”) nannte Hauptdarsteller Tom Hanks die zweite Verfilmung eines Dan Brown-Bestsellers, “Illuminati” (“Angels & Demons”). Das trifft den Ton der holzschnittartigen Geschichte um Kardinalsmorde und eine alte, mysteriöse Organisation aufklärerischer Künstler und Gelehrter, um Physik, eine gefährliche neue Technologie und den alten Streit zwischen Wissenschaft und Kirche recht gut und verweist auf die Zwillinge-Schütze-Achse mit ihrem Konflikt zwischen der Sammlung und der Sinnhaftigkeit von Wissen. Das hektische Sammeln und Entschlüsseln von Zeichen und Symbolen, das die Hauptbeschäftigung der Protagonisten ausmacht und schnell den Charakter einer Schnitzeljagd annimmt, betont dabei die Zwillinge-Qualität.

Krebs
Ein „Familienfilm“ der besonderen, der skorpionischen Art ist „Der Fluch der zwei Schwestern“ („The Uninvited“), eine Art modernes Märchen von der bösen Stiefmutter – und so doch vor allem Krebs-betont. Die Mutter zweier junger Mädchen stirbt und als die Jüngere, die über den Verlust ihrer Mutter seelisch erkrankte, mit der Hoffnung auf ein Geborgenheit bietendes Familienleben aus der Psychiatrie zurückkehrt, sieht sie sich nicht nur mit geisterhaften Erscheinungen, sondern auch mit der früheren Pflegerin der Mutter, die inzwischen den Vater geheiratet hat, konfrontiert. Was folgt, ist ein brutaler Kampf zwischen den Mädchen und ihrer harten und ehrgeizigen, Steinbock-betonten Antagonistin....

Löwe
Der letzte ApplausEin Film über Musik oder über Menschen, deren Leben die Musik ist, hat fast immer eine starke Löwe-Betonung, schließlich sind Musik und Tanz seit jeher zentrales Mittel menschlichen Selbstausdrucks und der Gefühle von überschäumender Freude bis zu tiefer Trauer. „Der letzte Applaus“ ist kein glamouröser Film, doch fängt er genau diese Funktion von Musik ein und lässt den Zuschauer teilhaben an der Bedeutung, die dieses Ausdrucksmittel für eine Gruppe von Tangosängern und -sängerinnen in Buenos Aires hat, die noch einmal vor dem Publikum ihres früheren Arbeitsplatzes, der berühmtesten Tango-Bar Argentiniens, „Bar El Chino“ auftreten und den Glanz vergangener Tage in Erinnerung rufen.

Jungfrau
Die wunderbare Welt der WaschkraftMit “Die wundersame Welt der Waschkraft” widmet sich erneut ein Film dem Jungfrau-Thema Wäsche, wobei sich hier der dokumentarische Blick neben den individuellen Geschichten der polnischen Wäscherinnen auch auf die Verflechtung ökonomischer Beziehungen zwischen deutschen Nobelhotels und polnischen Wäschereien richtet.
Auch der Spielfilm „Sunshine Cleaning“ hat mit dem Motiv der Reinigung zu tun – hier gründet eine in finanzielle Nöte geratene, alleinerziehende Putzfrau ein Unternehmen zur Reinigung von Tatorten, an denen es zu Todesfällen kam. Darin findet sich natürlich auch eine skorpionische Komponente (Jungfrau-Pluto wäre eine passende Entsprechung). Doch auch das Jungfrau-Gegenüber Fische spielt eine wichtige Rolle, soll doch das Projekt auch der chaotischen, durchs Leben treibenden Schwester zu einem Arbeitsplatz und geregeltem Leben verhelfen. Und so nimmt die Tragikomödie des – vergeblichen? – Bemühens um einen ordentlichen und „perfekten“ (Arbeits-)Alltag ihren Lauf.

Waage
Wieder einmal gibt es zum Thema Waage eine jener typischen leichtfüßigen und hübsch gestylten Beziehungskomödien zu sehen. In „The Womanizer – Die Nacht der Ex-Freundinnen“ („Ghosts of Girlfriends Past“) schleichen sich allerdings auch verdrängte Gefühle und Krebs-typische Märchenmotive wie wohlmeinende Geister ein, sowie eine offenbar unvermeidliche saturnisch-geprägte Moral zur originären Waage-Kunst: sich wirklich auf ein „Du“ einzulassen, dessen eigenständige Perspektive wahrnehmen zu lernen, statt das – in der Vergangenheit von der Titelfigur rasant gewechselte – Gegenüber ausschließlich als Erfüllungsgehilfe des eigenen Egos zu benutzen. Das ganze kardinale Kreuz also (in doppeltem Sinne) und Waage-Erfüllung statt Widder-Egoismus unter Einbeziehung von Krebs und Steinbock...

Skorpion
last house on the leftNoch einen skorpionischen „Familienfilm“ bietet „Last House on the Left“. Hier ist die Skorpion-Qualität deutlich betont, geht es doch vornehmlich um die Fähigkeit zu grausamer und brutaler Rache: Nachdem sie zwei junge Mädchen gequält und beinahe beide getötet haben, quartieren sich drei Gewaltverbrecher und der jugendliche Sohn des einen ausgerechnet in einem abgelegenen Ferienhaus bei den Eltern eines der Mädchen ein. Als die Schwerverletzte von ihren Eltern gefunden wird und ihnen klar wird, dass die Täter in ihrem Haus sind, setzen die beiden vormals harmlosen Urlauber alles daran, die Täter für ihre Tat bluten zu lassen.

Schütze
Wie aus einem Raufbold der mutige Kapitän eines unendliche Weiten erforschenden Raumschiffs wird, wie die Reisen der Enterprise begonnen haben könnten, die durch alle Generationen hindurch vor allem Horizonte erweiterte und mit Wissensdurst und Toleranz in fremde Welten vordrang, das erzählt uns “Star Trek”, das Prequel zu allen Star Trek-Filmen und -Serien, in dem sich der streitlustige Kirk und der kühle Vulkanier Mr. Spock erstmals begegnen. Spocks Worte, die viele Folgen einleiteten verweisen deutlich auf die Schütze-Mission der Enterprise: “These are the voyages of the starship Enterprise. Her ongoing mission: to explore strange new worlds, to seek out new life-forms and new civilizations; to boldly go where no one has gone before.” (“Dies sind die Reisen des Raumschiffs Enterprise. Seine Mission: fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen zu entdecken; dorthin vorzudringen, wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist“).

Steinbock
Boy AIn naturalistischer, schmuckloser Bebilderung erzählt “Boy A” die Geschichte eines jungen Mannes, der sich nach 14jähriger Haftstrafe wegen Mordes an einem kleinen Mädchen darum bemüht ein neues Leben anzufangen. Die Strafe ist verbüßt, die Verantwortung übernommen, sogar eine Art Wiedergutmachung scheint ihm zu gelingen, als er einem kleinen Mädchen das Leben rettet. Doch gerade das bringt die Medien auf die Spur seiner Vergangenheit und gefährdet die neugewonnene Lebensordnung. Resozialisierung und Verantwortung, Schuld und Sühne sind die gewichtigen Steinbock-Themen dieses kleinen Films.

Wassermann
Scheinbar die Geschichte einer Patchworkfamilie im französischen Arbeitermilieu ist „Ricky“ letztlich ein skurriler Superhelden-Film über das Anderssein, der diverse Genres vermischt. Eine alleinerziehende Mutter und Fabrikarbeiterin verliebt sich in einen Kollegen und bekommt ein Kind mit ihm. Als das Baby seltsame Blutergüsse aufweist, kommt es zu Konflikten und das Paar trennt sich. Bald stellt sich jedoch heraus, dass Ricky keineswegs vom Vater misshandelt worden war, sondern ihm einfach Flügel wachsen... Ein fliegendes Baby in einer zeitgenössischen Trabantenstadt? Wie das aussehen könnte, zeigt dieser kuriose Film von Francois Ozon.

Fische
Limits of ControlWenn der Titel eines Films „The Limits of Control“ ist, dann liegt es nahe, Fische-Qualitäten zu vermuten. Wenn sich kaum eine Story erzählen lässt, die Bilder immer wieder leicht surreal und träumerisch erscheinen und man sich während des Films fragt, ob man nun gerade eine gebrochene Realität, einen Traum oder eine Reise durchs kollektive Unbewusste gezeigt bekommt, und wenn dann noch Sätze fallen wie „Everything is imagined“, dann bestätigt sich diese Vermutung. Jim Jarmusch, der Wassermann, hat mal wieder experimentiert und mit einem bemerkenswerten Ensemble (Tilda Swinton allein ist sehenswert!) ist daraus ein Mysterienspiel der Filmgeschichte voller spiritueller Binsenweisheiten geworden, das zu einer Revolution der Wahrnehmung auffordert (Uranus in Fische!).


Vesna Ivkovic

Vesna IvkovicVesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie, Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen. Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst. 1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte 2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de

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