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Star Trek (J.J. Abrams, 2009)


Star Trek (J.J. Abrams, 2009)

Zunächst eines vorneweg: ich war nie ein Trekkie. Lang laufende Serien wie Star Trek haben mich ihres schieren Umfangs wegen immer abgeschreckt, ich bin zu unbeständig um da dran zu bleiben. Wäre dem nicht so, hätte die Enterprise mit ihren diversen Star Trek-Nachfolgern vielleicht meine geistige Fernsehheimat werden können. Einige der Star Trek-Kinofilme und ungezählte Serienfolgen aus den verschiedensten Generationen habe ich im Lauf von bestimmt dreißig Jahren gesehen. Mir haben die Schütze-typisch wissensdurstigen und forschenden, oft um Verständnis und Toleranz ringenden Abenteurer der unendlichen Weiten immer gut gefallen. Ich mochte den trockenen Humor der verbalen Duelle ebenso wie die wissenschaftlichen oder gar philosophischen und politischen Diskurse, in denen sich Kirk, McCoy, Spock und alle ihre Mitstreiter und -streiterinnen in den haarsträubendsten Situationen so unterhaltsam verfingen. Vor allem aber mochte ich den Grundtenor – oder wenn man so will: die „message“ – der Folge: die Lust an der Erforschung fremder Welten (Schütze), die Fähigkeit, die eigenen Vorstellungen und Werte nicht für allgemeingültig zu halten (Schütze) und den – auch geistig – unendlich weiten Raum der immer wieder überraschende Wesen und Welten bereithielt.

J.J. Abrams’, der nach eigener Aussage vorher nicht sehr vertraut war mit dem bisherigen Material, baut seinen „Star Trek” eher nach dem Muster konventionellen Spannungs-Kinos auf: eine rasante Geschichte, in der böse Mächte – hier verkörpert von einem Romulaner auf persönlichem Rachefeldzug –, das Überleben der Erde gefährden. Nicht Schütze, sondern Widder und Skorpion sind betont, natürlich nicht ohne die in einem Science-Fiction unvermeidliche Wassermann-Qualität, die sich hier vor allem in der Coolness der Figuren und ihrer Sprüche, ein bisschen technischem Geplauder und selbstverständlich spektakulären computergenerierten Spezialeffekten manifestiert.

Wirklich interessant wird die Story jedoch ausschließlich dadurch, dass sie uns einige Einblicke in die Jugend der beiden wichtigsten Helden der Enterprise bietet und uns zeigt wie diese so unterschiedlichen Hauptfiguren zueinander gefunden haben könnten. Da diese ersten Begegnungen mit jugendlichen Ausgaben von Kirk und Spock die Existenzberechtigung von Abrams’ „Star Trek“ darstellen, seien hier im Folgenden die archetypischen Profile der beiden skizziert.

James Tiberius Kirk – Ein Cowboy im Weltall

Kirk wird während eines Kampfes geboren, in dessen Verlauf sein Vater das eigene Leben opfert um die Besatzung seines Schiffs – darunter seine in den Wehen liegende Frau – zu retten. Das Heldentum des Vaters ist keine leichte Hypothek für den Jungen, der uns in kurzen Szenen als irgendwo in den amerikanischen Weiten auf einer Farm aufwachsender, geradezu selbstmörderisch risikofreudiger Rabauke vorgestellt wird. Wie schließlich aus diesem Raufbold der mutige und doch verantwortungsvolle Kapitän eines Raumschiffs wird, ist Teil der Story, die „Star Trek“ erzählt.

Natürlich zeigt sich in James T. Kirk der Widder-Archetyp in einer seltenen Reinheit: im Kampf geboren, diesen stets suchend und immer darauf aus, der Beste und Erste zu sein. Zudem mutig und risikofreudig bis über die Grenze des Leichtsinns hinweg, ständig auf der Suche nach neuen Abenteuern und jederzeit bereit, eine Herausforderung, welcher Art sie auch sei, anzunehmen – im unerschütterlichen Glauben an die eigene Kraft.

Diese ungezähmte Energie braucht natürlich Richtung und Reife, um nutzbar und nützlich sein zu können, und so findet der junge Kirk einen väterlichen Freund und Unterstützer in einem alten Bekannten und Bewunderer seines Vaters, der ihm als Jupiter-Figur den Weg zur Sternenflotte weist und ebnet. In der geregelten Struktur dieser militärisch organisierten Gemeinschaft trifft sein jugendliches Ungestüm außerdem auch auf die für den Reifeprozess nötigen Saturn-Kräfte, die ihn maßregeln, bremsen und, nun ja, zumindest ansatzweise, disziplinieren.

Spock – Der kühle Beobachter zweier Welten

Der auf dem Planeten Vulkan aufwachsende Spock wird als ein Junge mit großen wissenschaftlichen und logischen Fähigkeiten eingeführt, der jedoch wegen seiner von der Erde stammenden Mutter von seinen Altersgenossen nicht akzeptiert wird. Sein menschliches Erbe, das ihm die Kontrolle von Emotionen schwerer macht als einem „reinen“ Vulkanier, verführt Schulkameraden zu Provokationen und Hänseleien, und so erlebt Spock von Kindheit an sich selbst als fremd und anders – und erweist sich so als typische Wassermann-Figur.

Spock lernt nur umso besser seine Emotionen zu kontrollieren, er brilliert als wissenschaftliches Talent und verlässt Vulkan schließlich, weil er sich fortgesetzt diskriminiert sieht. Seinem vulkanischen Erbe von Selbstbeherrschung und kühler Kalkulation verdankt er jedoch auch auf der Erde die Erfahrung, als unverständlich handelnder und empfindender Fremder gesehen zu werden. Schnell wird deutlich, dass Spock in keiner der beiden Welten eine wirkliche Heimat hat. Er bleibt ein Beobachter ohne Bindung, ohne Zugehörigkeit. Während er als Junge noch gegen diese Rolle aufbegehrte, lernt er mit der Zeit nicht nur sie anzunehmen, sondern auch die damit einhergehende Unabhängigkeit von Konventionen zu nutzen und wird so zu jenem unbestechlichen Logiker und Beobachter, den die Zuschauer seiner so originellen Perspektiven und mehr noch der trockenen Pointen wegen schon immer liebten.

Wassermann und Widder, der unabhängige Beobachter und der mutige Pionier beginnen in Abrams’ „Star Trek“ erst ihre Gemeinsamkeiten zu entdecken. Wir dagegen wissen schon, dass sie ein perfektes Team sind, um mit Selbstvertrauen und freiem Geist ihre (Schütze-)Mission zu erfüllen: in den unendlichen Weiten des Weltraums fremde Welten zu erforschen und neue Lebensformen zu entdecken – dort wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist.


Vesna Ivkovic

Vesna IvkovicVesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie, Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen. Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst. 1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte 2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de

Cinemaskop, von Vesna Ivkovic

Das Cinemaskop ist ein Überblick über aktuelle Kinofilme und deren zentrale Thematik aus astrosemiotischer Sicht, (d.h. den Film als Zeichensystem betrachtend und ins astrologische Zeichensystem übersetzend).

Ein gelungener Film hat nicht nur eine Story, ein bestimmtes Thema, er hat auch eine spezielle Atmosphäre, vermittelt ein bestimmtes Gefühl und zieht uns in seine ganz eigene Welt – dieses Grundthema, das sich aus Figuren, Story, Setting und allerlei anderen Komponenten speist, findet seine Entsprechung in einem oder mehreren astrologischen Zeichenprinzipien. Sehr vereinfacht heißt das: ein rasanter Actionkracher konfrontiert uns mit Widder-Energie, ein Horrorfilm dagegen mit skorpionischen Abgründen und Ängsten, etc. Wir kommen aus dem Kino und finden uns – wenn es dem Film gelungen ist, uns zu erreichen – beschäftigt mit und erfüllt von eben diesen Energiequalitäten.

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