Cinemaskop
Leinwandsternstunden des Monats
März 2009

Cinemaskop, von Vesna Ivkovic

Das Cinemaskop ist ein Überblick über aktuelle Kinofilme und deren zentrale Thematik aus astrosemiotischer Sicht, (d.h. den Film als Zeichensystem betrachtend und ins astrologische Zeichensystem übersetzend).
Ein gelungener Film hat nicht nur eine Story, ein bestimmtes Thema, er hat auch eine spezielle Atmosphäre, vermittelt ein bestimmtes Gefühl und zieht uns in seine ganz eigene Welt – dieses Grundthema, das sich aus Figuren, Story, Setting und allerlei anderen Komponenten speist, findet seine Entsprechung in einem oder mehreren astrologischen Zeichenprinzipien. Sehr vereinfacht heißt das: ein rasanter Actionkracher konfrontiert uns mit Widder-Energie, ein Horrorfilm dagegen mit skorpionischen Abgründen und Ängsten, etc. Wir kommen aus dem Kino und finden uns – wenn es dem Film gelungen ist, uns zu erreichen – beschäftigt mit und erfüllt von eben diesen Energiequalitäten.


The WrestlerMärz, der Monat des Fische- und des Widder-Zeichens, startete mit einem bemerkenswerten Film, der die Qualitäten eben dieser Zeichen in seinem Setting wie auch in der Story spiegelt. Hauptdarsteller Mickey Rourke spielt in Aronofskys "The Wrestler" die Rolle seines Lebens: den alternden Wrestling-Star Randy „The Ram“, eine Löwe-Figur, die – hungrig nach Anerkennung und Liebe – nur auf der Bühne, unter dem Jubel der anfeuernden Massen lebendig wird. Bereits der Wrestling-Sport als vorgetäuschter Kampf vereint in sich die Qualitäten von Fische und Widder, darüber hinaus finden sich diese im verzweifelten Kampf des Löwen um ein ihm gemäßes Leben und gegen die Auflösung seiner Kraft, gegen Krankheit, Einsamkeit und den sozialen Abstieg zum Nobody.

96 hoursMehr – und ungeschwächte – Widder-Energie findet sich diesen Monat allerdings noch in zwei sehr unterschiedlichen natürlich Action-betonten Filmen.
In" 96 Hours" (im Original "Taken" – wieso der „deutsche“ Titel ein anderer englischer ist, mag die PR-Abteilung des Verleihs erklären können), einem Genre-Stück aus der französischen Action-Schmiede um Luc Besson (Transporter, Banlieue 13), muss Liam Neeson als ehemaliger CIA-Agent seine bei einer Paris-Reise entführte siebzehnjährige Tochter aus den Fängen eines albanischen Mädchenhändlerrings befreien. Solide Action und gut gemachte Kampfszenen sind da selbstverständlich.

Weniger auf Kampfchoreografien als auf die Bedeutung des Überlebenskampfs in tödlichen Zeiten konzentriert sich Edward Zwick, der Regisseur epischer Werke wie Blood Diamond und Last Samurai, in "Defiance". Der Film (mit Daniel Craig in der Hauptrolle) erzählt die wahre Geschichte jüdischer Partisanen, die 1941 in Weißrussland gegen die Nazis um ihr Überleben kämpfen. Die Bedeutung von Widder-Qualitäten wie Mut, Durchsetzungskraft, Kampfwille und auch Rücksichtslosigkeit wird hier in den Fokus gerückt

ShopaholicDas Stier-Zeichen zeigt sich diesen Monat in "Shopaholic" von seiner materialistisch-gierigen Seite. Die als leichte Komödie inszenierte Story einer kaufsüchtigen, hübschen jungen Frau, die einen Job im Finanzjournalismus (hier spielt dann auch schon Zwillinge mit hinein) annimmt als sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, und mit ihrem schlichten Gemüt prompt ihren Chef becirct, dreht sich um Genuss und Konsumgier und glänzt mit intellektueller Schlichtheit.

Ganz und gar nicht von intellektueller Schlichtheit geprägt ist das Rededuell des Zwillinge-betonten Interview-Films "Frost/Nixon", der neben der Medienthematik, Fragen der Kommunikation und Wahrnehmung und der rein informativen Seite des Journalismus auch die Mission der Wahrheitssuche – die Schütze-Seite – und das Problem Verantwortung (Steinbock) beleuchtet...

Slumdog MillionaireDie Domäne des Krebs-Zeichens sind Familiengeschichten und Märchen – von beidem etwas bietet" Slumdog Millionaire", der diesjährige Oscar-Abräumer und eine Art sozialkritisches Märchen mit Bollywood-Anklängen. Die Story um einen jugendlichen Slumbewohner, der in einer Quizshow reich werden könnte, ist aber auch eine Lebens- und eine Liebesgeschichte, die zu Herzen geht, das bringt deutliche Löwe-Aspekte mit sich. Zumal gegen alle Widrigkeiten das Leben an sich gefeiert wird und man – sofern man sich auf die Emotionen einlässt – das Kino mit einem Glücksgefühl verlassen kann.
Die weniger glückliche Geschichte einer scheiternden Löwe-Figur findet sich im oben bereits erwähnten The Wrestler.

Gran TorinoEine ganz andere Art Kino als der bunte Slumdog Millionaire bietet Clint Eastwoods Abgesang auf Dirty Harry – "Gran Torino". Hier sehen wir in der vergnatzten Figur des Walt Kowalski einen Jungfrau- und Steinbock-betonten scheinbaren Menschenfeind, der in seiner in Gewalt und Armut versinkenden Nachbarschaft wie auch in seinen von Wohlleben und Wohlstand verwöhnten und verfetteten, materialistischen Söhnen und deren ebenso egoistischen und achtlosen Familien seine Werte, seine altmodische Form von Anstand verloren sieht. Er selbst stellt sich einer jungen Frau mit den Worten vor „I fix things“ („Ich bringe Dinge in Ordnung“) – nur wenn er Dinge reparieren, also in Ordnung bringen kann, lebt Walt auf. Darin liesse sich auch der Versuch einer Wiedergutmachung für im Korea-Krieg als Soldat begangene Taten sehen. Nach dem Tod seiner Frau entwickelt Walt plötzlich und widerwillig eine schicksalhafte Verbindung zu seinen neu zugezogenen asiatischen Nachbarn – und kann sich nützlich machen und Verantwortung übernehmen. Wenn auch letztlich ganz anders als Dirty Harry...

Die Waage-Filme des Monats sind "Er steht einfach nicht auf dich" – ein leichtgewichtiger klischeestrotzender Beziehungsreigen, der sich vorwiegend an die Fans von "Sex and the City" (mit seinen Fashion- und Beziehungsthemen natürlich ebenfalls ein Waage-Film) zu richten scheint – und "Die Herzogin", ein opulenter Kostümfilm mit Keira Knightley um das Liebesleben einer adeligen jungen Frau, die im England des 18. Jahrhunderts als Mode-Ikone öffentliche Bewunderung erfährt.

Das Liebesleben der jeweiligen Protagonistin bestimmt auch die beiden folgenden Skorpion-betonten Filme, wenn auch in sehr unterschiedlicher Weise. Vampire und Werwölfe bevölkern den sehr typischen Skorpion-Film "Underworld – Aufstand der Lykaner", die grausame Versklavung der einen durch die anderen und brutale Machtkämpfe bestimmen den Plot dieser actionreichen, düsteren Unterwelt, in der gefährliche Vampire – Pluto – die Herrschaft über wilde Werwölfe – Mars – aufrechtzuerhalten suchen und eine Vampirin sich in einen Werwolf verliebt...

Der VorleserEine komplexere Behandlung von Skorpion-Themen erfährt die um erotische Obsession und tiefe emotionale Verstrickung kreisende Beziehung eines jungen Mannes zu einer deutlich älteren Frau im von Schuld und Verdrängung geprägten Nachkriegsdeutschland in "Der Vorleser". Dass hier auch Steinbock-Themen wie Schuld und Strafe berührt werden wird deutlich, wenn die von Kate Winslet oscarreif gespielte Figur als ehemalige KZ-Aufseherin vor Gericht steht und sich neben den seelischen auch moralische Abgründe öffnen.

Steinbock-Motive wie Verantwortung, Verzicht und Beharrlichkeit finden sich meistens in Politiker-Karrieren und auch in Filmbiografien. Dennoch verweist die von Gus van Sant verfilmte Geschichte der Schwulenikone "Harvey Milk", der in den Siebzigern für Bürgerrechte kämpfte und als erster offen schwuler Politiker in den USA gewählt wurde, vor allem auf Schütze-Themen wie Erweiterung und Freiheit, Glauben und Mission – auf den Kampf und das Engagement für die eigene Vorstellung einer besseren Welt.

WatchmenDer Kampf um eine bessere Welt wird im Film oft von Superhelden geführt. Doch die lang erwartete Verfilmung von Alan Moores Kult-Comic "Watchmen" erzählt in düsteren wie grandiosen Bildern die Geschichte von Superhelden, deren altruistisches Engagement für menschliches Wohlergehen längst nicht mehr erwünscht ist. Neben den Schütze-Motiven des Superhelden und Übermenschen (im Sinne einer zeitgemäßen Interpretation Nietzsches) und der Suche nach Wahrheit, Moral und Glauben, stellt der Film Fragen nach Verantwortung, Verbundenheit und Gemeinschaft und bringt so auch Steinbock- und Wassermann-Themen ein – was sich im Übrigen auch in der visuellen Umsetzung erkennen lässt: düstere, an den Film Noir erinnernde Einstellungen werden verknüpft mit neuesten technischen Möglichkeiten und Spezialeffekten.

Eine andere Art Spezialeffekte und das hohe Abstraktionsvermögen des Wassermann-Zeichens machen "The Pervert’s Guide to Cinema" zu einer außergewöhnlich filmischen und filmtheoretischen „Vorlesung“ des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek, einem langjährigen „enfant terrible“ und „Popstar“ des Wissenschaftsbetriebs. Der bemerkenswerte wie vergnügliche Film lässt mit Žižeks provozierenden Thesen und seinem abstrahierenden Blick auf die Geschichte des Films eindeutig Wassermann-Qualitäten erkennen: er pustet das Gehirn kräftig durch und bringt neue Perspektiven zu altbekannten Ideen.

The FallMit neuen Bilder hingegen und einer surrealen Bildsprache fiel Tarsem Singh bereits in seinem ersten Film "The Cell" auf. Sein aktuelles Werk "The Fall" ist noch weit mehr ein visuelles Erlebnis. In einem Krankenhaus im Los Angeles des Jahres 1915 erzählt ein paralysierter Stuntman einem kleinen Mädchen eine fantastische Abenteuergeschichte, deren überwältigende, traumartige Bilder ein Kritiker eine „visuelle Orgie“ nannte. Die Thematik des Fische-Zeichens wird hier jedoch nicht nur in der außerordentlich starken Bildsprache und dem Motiv der Fantasie deutlich, sondern auch im Eskapismus, dem das Erzählen dient, wie auch darin, dass der lebensmüde Erzähler über das Mädchen an Morphium kommen will um sich zu töten.

Eine sehr unspektakuläre Seite des Fische-Zeichens wiederum bringt – neben Skorpion-Motiven wie einer Rache-Thematik und Protagonisten aus dem Rotlichtmilieu – das hervorragende österreichische Drama "Revanche" um emotionale Entwicklungen nach einem Bankraub mit Todesfolge auf die Leinwand. Der Film verlangt Geduld und Ruhe und bedankt sich dafür dann beim Zuschauer beim Verlassen des Kinos mit einem tiefen Gefühl von Frieden – dem wertvollsten Geschenk der Fische-Energie.

Vesna Ivkovic

Vesna IvkovicVesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie, Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen. Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst. 1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte 2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de

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