Nichts muss bleiben wie es ist
Baz Luhrmanns "Australia"

Baz Luhrmann`s Australia

Wenn Saturn und Uranus aneinandergeraten bleibt kaum etwas wie es war - seit die Opposition der beiden Planeten aktuell ist (November 2008), haben wir die Gelegenheit zu erleben, wie Beschränkung und Freiheit, Verantwortlichkeit und Unverbundenheit, gewohnte Norm und Erneuerung im Bemühen um eine Balance in den Fokus treten. Passend dazu kam Ende letzten Jahres ein Film in die Kinos, der den Eindruck erweckt, in der Art des klassischen Epos eine in den frühen vierziger Jahren angesiedelte grosse Geschichte um Liebe, Kampf und Selbstbestimmung zu erzählen und dabei das Genre - respektvoll, soviel Saturn muss sein - einer subtilen Erneuerung unterzieht.

Wie seine "Red Curtain" - Trilogie - Strictly Ballroom (1992), Romeo + Juliet (1996), Moulin Rouge (2001) - lässt Baz Luhrmanns Australia zu Anfang seine von postmodernen Referenzen und ironsicher Stilisierung geprägte Handschrift deutlich erkennen: Close-ups expressiver Gesichter, die ans Karikaturistische grenzen, eine Vorstellung der Protagonisten in einem ausdrücklich artifiziellen Rahmen und die damit erklärte Distanzierung von erzählerischem Realismus etc..

Klarer noch als in der Inszenierung selbst, findet sich eine Bebilderung der Saturn - Uranus - Opposition in der Liebesgeschichte zwischen einer englischen Lady und einem australischen Viehtreiber, die uns hier in romantischer und manchmal magischer Weise erzählt wird von einem kleinem Jungen, der als "half-caste" ("Halbblut") ein von "Umerziehung" bedrohter Ausgestoßener ist und die beiden als eine Art Eltern wählt. Auch er hat mit den beiden Polen von restriktiver Normierung (Saturn) einerseits und mangelnder Zugehörigkeit (Uranus) anderseits zu kämpfen - und der Weg zum Happy End mit Wahlfamilie ist lang und dramatisch.

Saturn und Uranus als Liebespaar?

Die vielfältigen Facetten einer herausfordernden Wechselwirkung (das beschreibt den Oppositionsaspekt) zwischen Jungfrau - Saturn und Fische - Uranus sind besonders eindrucksvoll bebildert in den Figuren der viktorianisch - strengen englischen Dame, die geschäftig, stets auf Sauberkeit, Korrektheit, Anstand bedacht auch Jungfrau - Qualität einbringt und des freiheitsliebenden, bindungslosen gesellschaftlichen Außenseiters, der in seiner Art sich durch passiven Widerstand sozialen Konventionen, aber auch grösserer Verantwortung zu entziehen, den Fische - Uranus erkennen lässt. Da sich zwischen diesen beiden eine Liebesgeschichte entwickelt sind sie im Sinne astrologischer Archetypen und einer astrosemiotischen Deutung natürlich auch als Venus und Mars zu lesen:

In Lady Ashley (Nicole Kidman, der die Verwandlung von blass und vornehm zu sinnlich und zupackend gut gelingt) finden wie eine Jungfrau - Venus - verbunden mit Saturn - , die zwar zugeknöpft und reserviert ist, aber auch hilfsbereit, pragmatisch und mitunter sehr zupackend. Mitten im australischem Outback versteht sie es ein Umfeld voller Schönheit und Geschmack zu schaffen. Sie verliert nicht gern die Beherrschung und zeigt sich in emotionalen Situationen häufig unsicher, doch kann sie durchaus auch verführerisch und hingebungsvoll sein.

Drover, der - wie es zur Fische Qualität des Über - Individuellen passt - nur nach seiner Berufsbezeichnung benannte Mann (ein absichtsvoll und mit Augenzwinkern als "eye candy" für die Kinogängerinnen in Szene gesetzter Hugh Jackmann) ist unter seiner scheinbar rauen Schale ein einfühlsamer und letztlich nachgiebiger, sanfter Fische - Mars, der seine Kampfkraft nur zum Wohle Schwächerer, bzw. - seiner engen Verbindung zu Uranus wegen - für Freiheit und Selbstbestimmung einsetzt. Drover war mit einer Aborigine verheiratet, was ihn zu einem von der weissen Gesellschaft Ausgestoßenem machte und so zog er sich von der Gesellschaft in die Einsamkeit - bzw. zu den Ausgestoßenen - zurück.

Frei gewählte und erneuerte Strukturen

Die Wirkung dieser beiden sich zunächst abstoßenden, dann jedoch anziehenden Gestalten aufeinander wird von dem von beiden verwendeten Satz "Just because it is, doesn`t mean it should be" ( "Nur weil es so ist, heisst das nicht, dass es so sein muss" ) begleitet. Sie beeinflussen und verändern einander, indem sie auf der Oppositionsache zwischendurch die Rollen tauschen und dabei im Anderen die positiven und fruchtbaren Seiten der eigenen Position gespiegelt sehen. So verlangt die strenge Lady plötzlich mutig nach Veränderung und sprengt Konventionen, sie wird freier, lebendiger, spontaner und fordert den passiven Aussenseiter dazu heraus, soziale Konventionen aktiv zu durchbrechen. Der bindungsscheue Rebell verringert seine Distanz, nimmt Anteil und schliesslich doch (s)einen Platz in einer Gemeinschaft an, er mischt sich ein, wird ein bisschen sesshaft und übernimmt sogar so etwas wie väterliche Verantwortung.

Die Wechselwirkung zwischen Saturn und Uranus sorgt dafür, dass ein Status Quo auf seine Ausgewogenheit von fester Struktur und freier Wahl beurteilt, überprüft und an den "richtigen" - also im Sinne der Individualität stimmigen - Stellen erneuert wird. In Luhrmanns Australia wird dieser Prozess innerhalb der erzählten Story durch die Liebesgeschichte unterstützt und deutlich bebildert, während die Inszenierung eines konventionellen Genres in postmoderner Weise das Spiel von Saturn und Uranus sehr subtil wiederspiegelt.

Bilder: Offizielle Film-Website australiamovie.net


Die Autorin

Vesna IvkovicVesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie, Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen. Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst. 1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte 2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de

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