Cinemaskop
Cinemaskop – Leinwandsternstunden

Highlights des Kino-Jahres 2009


mehr lesen Cinemaskop, von Vesna Ivkovic

Das Cinemaskop ist ein Überblick über aktuelle Kinofilme und deren zentrale Thematik aus astrosemiotischer Sicht, (d.h. den Film als Zeichensystem betrachtend und ins astrologische Zeichensystem übersetzend).
Ein gelungener Film hat nicht nur eine Story, ein bestimmtes Thema, er hat auch eine spezielle Atmosphäre, vermittelt ein bestimmtes Gefühl und zieht uns in seine ganz eigene Welt – dieses Grundthema, das sich aus Figuren, Story, Setting und allerlei anderen Komponenten speist, findet seine Entsprechung in einem oder mehreren astrologischen Zeichenprinzipien. Sehr vereinfacht heißt das: ein rasanter Actionkracher konfrontiert uns mit Widder-Energie, ein Horrorfilm dagegen mit skorpionischen Abgründen und Ängsten, etc. Wir kommen aus dem Kino und finden uns – wenn es dem Film gelungen ist, uns zu erreichen – beschäftigt mit und erfüllt von eben diesen Energiequalitäten.

Widder
Viel Action-Kino gab es auch 2009 wieder – beispielsweise die 4. Auflage von „Fast & Furious“, den zweiten Teil von „Transformers“, Emmerichs Blockbuster „2012“,aber auch eine so schlichte wie gradlinige Kämpfer-Story, wie sie der Film „Fighting“ erzählte. Unterhaltsam war manches, besonders herausragend nur weniges. Tiefgründiger und somit weit interessanter gekämpft wurde in „The Wrestler“, einem bemerkenswerten Film, der die Widder-Qualität des Kampfes in Verbindung mit den Fische-Motiven von Schwäche, Versagen und (Ent-)Täuschung auf die Leinwand brachte und Mickey Rourke als alterndem Wrestling-Star Randy „The Ram“ die Rolle seines Lebens bescherte.

Stier
Der schönste Stier-Film des Jahres war für mich mit Abstand Almodovars „Zerrissene Umarmungen“ („Los abrazos rotos“). Ein Film der Fülle und ein sinnlicher Genuss, bei dem es dem Regisseur wieder einmal perfekt gelang Farben und Formen des ganz gewöhnlichen Lebens sehr lustvoll genießerisch in Szene zu setzen. Auch inhaltlich geht es um Stier-Themen: Liebe und (Un-)Sicherheit, Eros und Schönheit, die Angst vor drastischen Veränderungen und der folgenreiche Umgang mit deren langfristigen Nachwirkungen... Andere interessante und/oder typische Stier-Filme waren „Die Bienenhüterin“, „Home“ oder auch „Shopaholic“.

Zwillinge
Einer der interessantesten Filme mit Zwillinge-Energie war sicherlich Quentin Tarantinos „Inglorious Basterds“, ein zwar auch Widder-betonter Kriegsfilm, in dem jedoch neben den intelligent inszenierten (Widder-)Schauwerten Dialoge, Referenzen und Zitate im Mittelpunkt stehen und ein Feuerwerk interessanter Figuren, geschliffener Worte und schräger Einfälle gezündet wird. „State of Play”, ein spannender Zeitungs-Krimi, in dem ein Reporter bei seiner Suche nach Wahrheit ein kompliziertes Puzzle aus zweifelhaften Informationen zusammenzusetzen versucht, brachte ebenfalls deutliche Zwillinge-Motive auf die Leinwand. Ebenso „Brothers Bloom“, der eine clevere Geschichte ums Geschichten erzählen erzählte: zwei Brüder schlagen sich mit Lügen und trickreichen Täuschungen durchs Leben und neben allerlei Hobbies einer Millionenerbin geht es auch um ein wertvolles Buch...

Krebs
Einige Filme befassten sich mit Krebs-typischen Familienthemen – „Rachel’s Hochzeit“, „Away we go“ und der das vermutlich brisanteste Thema aufgreifende „Beim Leben meiner Schwester“ („My Sister’s Keeper“). Dieser wirft Fragen um Fürsorge und Verantwortung auf, als das Mädchen Anna, das geboren wurde, um die für ihre leukämiekranke Schwester nötigen Organspenden verfügbar zu machen, sich dagegen zu wehren beginnt, weiterhin als „Ersatzteillager“ benutzt zu werden.
Doch nicht nur Familienfilme entsprechen dem emotionalen Krebs-Zeichen. Auch der liebevolle Animationsfilm „Oben“ und die Geschichte einer zu Herzen gehenden Freundschaft zwischen Hund und Mensch, „Hachiko - Eine wundervolle Freundschaft“ transportieren mit Gefühl und Sentimentalität Krebs-Energie.

Löwe
Löwe-typische Filme sind oft mit Geschichten aus dem Showbusiness befasst – und mit dem Motiv vom eigenen Weg, der gegen alle Widrigkeiten zu einzigartiger Selbstverwirklichung führt... Ein Beispiel dafür lieferte der Oscar-Abräumer „Slumdog Millionaire“, die mit Bollywood-Anklängen angereicherte Lebens- und Liebesgeschichte eines jugendlichen Slumbewohners, der in einer Quizshow reich werden könnte. Vor allem wird im typischen Löwe-Film oft auch gefeiert, und zwar das Leben und die Lust an diesem. Das zeigten auch Filme wie der in griechisches Sonnenlicht getauchte „Kleine Verbrechen“ oder Ang Lees „Taking Woodstock“. Gefeiert wird auch in „This Is It“, und zwar der „King of Pop“. Der Dokumentarfilm zeigt den im vergangenen Jahr verstorbenen Michael Jackson bei den Proben für seine geplanten Konzerte und feiert dabei nicht nur dessen Einzigartigkeit als Künstler, sondern auch den kreativen Prozess des ganzen Teams, das ein wenig dem Hofstaat eines Königs gleicht.

Jungfrau
Die Jungfrau-Thematik von Sauberkeit und Ordnung wurde in verblüffend vielen Filmen über Wäsche und Reinigung aufgegriffen, z.B. in den Dokumentationen „Wasser und Seife“ und “Die wundersame Welt der Waschkraft” oder auch dem Spielfilm „Sunshine Cleaning“. Eine starke Jungfrau-Figur aber bot Clint Eastwoods Abgesang auf Dirty Harry, der leise aber eindrückliche „Gran Torino“. Darin spielt Eastwood einen Jungfrau- und Steinbock-betonten, vergnatzten Menschenfeind, der nur auflebt, wenn er Dinge reparieren, also in Ordnung bringen kann, aber am grassierenden Verlust von Werten und Anstand in seiner Welt leidet. Als er widerwillig eine schicksalhafte Verbindung zu seinen neu zugezogenen asiatischen Nachbarn knüpft, bekommt er Gelegenheit, sich nützlich zu machen und wieder Verantwortung zu übernehmen.

Waage
Neben all den unvermeidlichen, mal mehr, mal weniger amüsanten Komödien – „Die nackte Wahrheit“ („The Ugly Truth“), „Selbst ist die Braut“ („The Proposal“), „The Womanizer“ etc. –, die in eleganter und leichter Waage-Manier Beziehungsfragen behandeln, vereint die Filmbiografie „Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“ („Coco avant Chanel“) verschiedene Waage-Motive:
Eleganz und Diplomatie als zentrale Waage-Eigenschaften setzt die Protagonistin hier im Privat- wie im Berufsleben ein. Mode und die kulturell wegweisende Umgestaltung weiblicher Kleidung und eine Neudefinition der Eleganz als Abwesenheit von Ornamentalem und Behinderndem werden in schöne Bilder gekleidet und in den Mittelpunkt gerückt .
Einen Beziehungsfilm der etwas anderen Art bot „Duplicity“, in dem ein kriminelles Pärchen seinen Machtkampf mit einem guten Schuss Skorpion-Energie ausficht.

Skorpion
Das Skorpionische ist in vielerlei Form eine beliebte Thematik fürs Kino. Lars von Triers neuer Film „Antichrist“ sorgte seiner extremen Radikalität wegen im September für hitzige Diskussionen. Präsentiert wird eine psychologische Tour de Force, in der ein Psychotherapeut nach dem Tod des gemeinsamen Sohnes die seelischen Abgründe seiner Frau seziert und eine Konfrontation mit ihren größten Ängsten erzwingt. Er löst damit einen wütenden, alle Grenzen übertretenden Kampf aus, der sehr blutig wird und an die (Knochen-) Substanz geht. An die Substanz geht es auch, in permanenter Lebensgefahr und Präsenz des Todes zu leben. Welche Konsequenzen derart gnadenloser Druck für die menschliche Psyche hat, untersuchte Hollywoods hervorragendste Action-Regisseurin, Kathryn Bigelow, in ihrer intensiven und adrenalingeschwängerten Charakterstudie „Tödliches Kommando“ („The Hurt Locker“), die den extremen Alltag eines Bombenentschärfungskommandos im Irak verfolgt. Andere bemerkenswerte Filme zu Skorpion-Motiven waren „Der Vorleser“, „Orphan“ und „Gesetz der Rache“ („Law Abiding Citizen“).

Schütze
In fremde Welten vorzudringen und Horizonte zu erweitern ist ein typisches Schütze-Thema. Und das letzte Jahr brachte den perfekten Film zu diesem Thema: “Star Trek”, das Prequel zu allen Star Trek-Filmen und -Serien, in dem sich der streitlustige Kirk und der kühle Vulkanier Mr. Spock erstmals begegnen, um fortan das Universum gemeinsam zu bereisen, „neues Leben und neue Zivilisationen zu entdecken; dorthin vorzudringen, wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist“. Von der Entdeckung einer fremden Welt und den damit verbundenem Erkenntnisgewinn erzählte auch James Camerons lange erwarteter neuer Film „Avatar“. Aber auch Filme wie „Milk“, der die Geschichte des wichtigen schwulen Bürgerrechtlers Harvey Milk erzählt, oder „The Informant“, der in seiner Hauptfigur das Motiv von Größenwahn und Manie bebildert, beschäftigten sich mit Schütze-Themen..

Steinbock
Der von Fans heiß ersehnte vierte Teil der John-Connor-Saga „Terminator – Die Erlösung“ („Terminator Salvation“) brachte mit viel düsterer Action um den mühsamen Kampf der letzten überlebenden Menschen gegen die Maschinen in verwüsteten, weitgehend bleiern gefärbten Welt, starke Steinbock-Bilder auf die Leinwand.
Andere Steinbock-Filme befassten sich vor allem mit den Themen Schuld, Verantwortung, Sühne, so beispielsweise der südafrikanische Film „Disgrace“ oder der britische „Boy A“. Ebenfalls um Steinbock-Themen, um Traditionen wie auch um die Auswirkungen repressiver Erziehung und missbrauchter väterlicher Autorität, geht es in Michael Hanekes neuem Werk „Das weiße Band“. In reduzierendem Schwarz-Weiß gefilmt, verweist sowohl die sparsame Erzählweise wie die Qualität unterschwelliger Bedrohung auf Steinbock mit starker Skorpion-Beimischung.

Wassermann
Die Gemeinschaft der etwas Andersartigen ist ein Wassermann-Motiv, das im vergangenen Jahr in so interessanten Filmen wie der Comic-Verfilmung „Watchmen“ oder „Public Enemies“, der Michael-Mann-Verfilmung zum letzten Lebensjahr des berüchtigten amerikanischen Gangsters John Dillinger aufschien. Ob es sich um Superhelden handelt oder um Gangster, die in den Ruf eines Robin Hood geraten – dies sind Figuren, die jenseits üblicher Moral und gesellschaftlicher Konvention stehen und damit Wassermann-Eigenschaften wie Distanziertheit, Freiheitsliebe oder Exzentrik verkörpern. Den unterhaltsamen wie provozierenden Revoluzzer gibt auch der Dokumentarfilmer Michael Moore immer wieder gerne. In seinem neuesten Film „Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte“ („Capitalism: A Love Story“) stellte er wieder unangenehme Fragen, diesmal an die Adresse der Finanzwelt. Dabei geht es ihm wie stets um idealistische Vorstellungen von einer besseren Welt, also um Wassermann-typische Ideale.
Mehr Wassermann-typisches fand sich in schrägen Filme wie „Brüno“, „Crank 2: High Voltage“ oder „Ricky“.

Fische
Jim Jarmusch lieferte 2009 mit „The Limits of Control“ einen surreal und träumerisch erscheinenden Film ab, dessen Story sich kaum erzählen lässt und der den Eindruck einer Reise durchs kollektive Unbewusste erweckte. Mit einem bemerkenswerten Ensemble ist daraus ein Mysterienspiel der Filmgeschichte voller spiritueller Binsenweisheiten geworden, das zu einer Revolution der Wahrnehmung auffordert (Uranus in Fische!). Andere bildmächtige Filme fanden sich vor allem im asiatischen Raum: „Kinowahnsinn“ ist ein Wort, das im Zusammenhang mit „Love Exposure“ („Ai no mukidashi“) häufig fiel, einem Film, der von Familiendrama bis Kampfkunst, von Romantik bis Splatter, von religiösem Fanatismus bis sexueller Obsession alles beinhaltet und nicht nur Genregrenzen auflöst, sondern gleich alle filmischen Konventionen und dabei vor allem eine absurde Meditation über das Wesen der Liebe anbietet. In Park Chan-Wooks Vampirfilm „Durst“ wird visuell eindrucksvoll von den inneren Konflikten eines aufopferungsvollen Priesters – einer perfekten Fische-Figur – erzählt, der durch eine infizierte Bluttransfusion zum Vampir – einer klassischen Skorpion-Gestalt – wird. Fische-Themen wie Vergebung, Auflösung und (verlorene) Träume spielten auch in den bemerkenswerten Filmen „Revanche“, „Die Tür“ und „The Fall“ eine Rolle.


Vesna Ivkovic

Vesna IvkovicVesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie, Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen. Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst. 1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte 2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de

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