Der cineastische Tierkreis -
Neue Bilder für alte Archetypen

Die Bildermaschine Kino bietet eine ungeheure Fülle an vielfältigen Erscheinungsformen für archetypische Gestalten, Motive, Qualitäten, die in der Astrologie von Planeten, Konstellationen und dem Tierkreis repräsentiert werden.

An dieser Stelle bietet Vesna Ivkovic Einblick in die cineastischen Ausdrucksformen und Entsprechungen der Tierkreiszeichen.

Löwe im Kino: Verbrennungsprozesse
und Kreativität

Wenn die Sonne uns so großzügig mit ihrem Strahlen und ihrer Wärme verwöhnt wie in den vergangenen Wochen, können wir Lebenskraft und Daseinsfreude deutlicher als sonst spüren und daran erkennen, wie viel kraftvolle Lebendigkeit ein Verbrennungsprozess hervorbringen kann. Ohne das gerade richtige Maß an Wärme, das uns der sich selbst verbrennende Mittelpunkt unseres Sonnensystems schenkt, gäbe es kein Leben auf der Erde – jedes Zuviel oder Zuwenig davon ließe unseren Planeten verkümmern statt ihn zu beleben.

In diesem Bild finden sich die zentralen Eigenschaften und Funktionen des Zeichens Löwe, als dessen Herrscher-Planet die Sonne gilt: Selbstbezogenheit und Selbstausdruck, die Fähigkeit Vitalität und Lebensfreude auszustrahlen und mit der eigenen Lebendigkeit das Umfeld zu beleben und zu begeistern. Denn gerade so wie die Sonne die Erde belebt, kann uns der Glanz eines im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehenden, mit ansteckender Begeisterung agierenden und dafür vielleicht sogar gefeierten Menschen inspirieren und ermutigen. Das gleiche gilt auch für unsere ganz persönliche Schöpferkraft, wenn wir ihr mit Enthusiasmus nachgehen und sie ins Zentrum unseres Lebens stellen.

Rhythmus im BlutLöwe steht für die Gewissheit der eigenen Großartigkeit und Göttlichkeit, für die Freude über und den Stolz auf die eigene Einzigartigkeit und Kreativität und auch für das Bedürfnis nach Bewunderung und Anerkennung des eigenen, höchst subjektiven Ausdrucks unseres Seins. Daher gehört die dem Löwe-Zeichen zugeschriebene Egozentrik ebenfalls zur Löwe-Qualität und auch Hochmut, Egomanie und Selbstüberschätzung sind ihr nicht fremd, positiv zeigt sich Löwe jedoch vor allem in mitreißender Begeisterung und gerne auch in warmherziger Großzügigkeit.

Showtime!

Löwe im Kino feiert somit die Lebendigkeit und Kreativität des Individuums, inspiriert und begeistert uns mit Geschichten von Menschen, die voller Vitalität und Kraft ihre Talente und damit sich selbst auch gegen allerlei Widerstände verwirklichen und dafür letztendlich auch Anerkennung und Bewunderung erfahren – wenigstens von uns als ihrem Publikum.

Nicht selten findet sich ein Löwe-Motiv bereits im Titel, so z.B. in Marilyn Monroes Film „Rhythmus im Blut“ (W. Lang, 1954), dessen Originaltitel lautet: „There’s No Business Like Show Business“ und der die wechselvolle Geschichte einer Bühnenfamilie und ihrer Leidenschaft fürs Showbusiness erzählt. Auch Judy Garlands Comeback-Film „A Star is Born“ (G. Cukor, 1954), von dem es noch zwei weitere Verfilmungen (1937 und 1976) gibt, macht bereits im Titel seine Löwe-Betonung deutlich. Die berühmte Filmdiva A Star is Bornspielt darin eine junge Frau, die mithilfe ihres Talents und der Unterstützung eines Mannes, der dieses erkennt, zum großen Star auf Bühne und Leinwand aufsteigt – während gleichzeitig dessen eigene Karriere zu Ende geht. Die Geschichte illustriert an beiden Hauptfiguren die Bedeutung von Großzügigkeit und Anerkennung und auch die Abhängigkeit des Stars von seinem Publikum.

Das Musical-Genre weist eine große Fülle Löwe-typischer Merkmale auf, doch auch Filme anderer Genres erzählen von den Stars verschiedenster Bühnen, von den Königen und Königinnen gleich welcher Lebensbereiche, die alle ihr Publikum oder ihren Hofstaat zu begeistern und zu beeindrucken wissen. So findet sich eine deutliche Löwe-Betonung auch in „Ali“ (M. Mann, 2001), einem Film über den Boxkampf-Weltmeister Cassius Clay alias Muhammad Ali, der in den 60er und 70er Jahren mit außergewöhnlicher Bühnenpräsenz, selbstbewussten Sprüchen und dem Spitznamen „Der Größte“ von sich reden machte. Und natürlich sorgt eine so charakteristische historische Löwe-Gestalt wie der Sonnenkönig Ludwig XIV auch im Film „Der König tanzt“ (G. Corbiau, 2000) mit dem Hofstaat und der Welt von Versailles für eine glanzvolle Löwe-Färbung.

Superstars gesucht?

FlashdanceLöwe-Filme sind sehr häufig erfüllt von Musik, Gesang und Tanz da diese Ausdrucksformen individueller Einzigartigkeit und Lebensfreude auf der Leinwand besonders effektvoll das schöpferische Feuer darzustellen und insbesondere ein junges Publikum mitzureißen vermögen. Tanzfilme wie „Flashdance“ (A. Lyne, 1983), „Footloose” (H. Ross, 1984) und „Dirty Dancing” (E. Ardolino, 1987) oder auch die aktuelle Reihe der „Step Up” Filme (A. Fletcher, 2006; außerdem „Step Up 2: The Streets“, 2008; „Step Up 3D“, 2010 und „Step Up Revolution“, 2012) erzählen alle von jungen Menschen, für die Tanzen als Synonym für ihre Einzigartigkeit das Wichtigste in ihrem Leben ist (oder zumindest in einer bestimmten Phase davon). Diese Filme und ihre Protagonisten wurden zu Publikumslieblingen und haben nicht zuletzt Generationen von Teenagern beim Erträumen und Entwickeln eigenen besonderen Talents inspiriert und manche auf dem Weg zu Selbstausdruck und -verwirklichung begleitet. Auch „Fame“ (A. Parker, 1980), ein Film, in dem gleich mehrere Schüler und Schülerinnen einer New Yorker Schule für darstellende Künste von der Aufnahmeprüfung bis zu ihrem Abschluss begleitet werden, gehört hierher und ebenso „A Chorus Line“ (R. Attenborough, 1985), der auf unterhaltsame und doch auch dramatische Weise den schwierigen Weg all jener zeigt, die ihre Einzigartigkeit unter Beweis zu stellen suchen, um vielleicht eine Chance zu bekommen, ihren Traum von einem Leben auf der Bühne zu erfüllen.

Kraftvolle Farben spielen meist eine wichtige Rolle in der visuellen Gestaltung Löwe-betonter Filme, insbesondere in Szenen, die der Hauptfigur eine Bühne für ihren expressiven Auftritt bieten. Zu den wichtigen Merkmalen manches typischen Löwe-Films gehört auch, dass nur eine Figur im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht: um ihre Entwicklung dreht sich alles, ihre Gefühle, ihre Talente, ihr Selbstausdruck sind das Herzstück des Geschehens und alles andere gruppiert sich um dieses Zentrum herum und bezieht sich darauf.

A Chorus Line

Gelingt es einem Löwe-Film, seine volle Wirkung bei uns zu entfalten, verlassen wir das Kino mit einem Gefühl von Lebenslust und kreativer Freude. Manchmal würden wir am liebsten gleich selbst singen und tanzen, um unserem eigenen Ego auf unsere ganz persönliche Weise Ausdruck zu verleihen… Auf jeden Fall fühlen wir uns inspiriert und lebendig und wollen diese Lebendigkeit feiern, indem wir „aus uns herausgehen“ – ein Ausdruck, der deutlich macht, worum es beim Löwe-Zeichen geht: das, was im Inneren an emotionaler Bewegung geschieht [1.], nach außen zu tragen.

I’m the Greatest Star!

Das Showbusiness erweist sich im Lauf der Filmgeschichte als das beliebteste Setting für Selbstverwirklichungsgeschichten wie wir sie auch in einem weiteren Musical-Klassiker finden: „Funny Girl“ (W. Wyler, 1968) erzählt Teile der Biografie von New Yorks singender und tanzender Komödiantin Fanny Brice als Geschichte vom hässlichen Entlein, das nach allerlei Widrigkeiten endlich als schöner, bewundernswerter Schwan erkannt wird. Im Unterschied zum Märchen-Schwan ist die von Barbra Streisand gespielte Fanny Brice allerdings von Anfang an überzeugt von ihren Starqualitäten, was sie im Song „I’m the Greatest Star“ deutlich zum Ausdruck bringt, obwohl sie währenddessen von einer Casting-Bühne geschoben und abgelehnt wird. Es ist ein essentielles Löwe-Gefühl, ein Bewusstsein der eigenen Größe und Bedeutung zu King of comedyhaben, auch wenn noch niemand sonst diese (an-)erkannt hat. Auch das selbstverständliche Einfordern von Applaus fällt einer Löwe-betonten Figur wie Fanny nicht schwer: Im Folgefilm „Funny Lady“ (H. Ross, 1975) schmettert sie “Let’s Hear It For Me” [2.] mit größter Selbstgewissheit. Gleichzeitig klingt immer wieder auch die enorme Bedeutung durch, die äußere Bestätigung für den Löwe-Charakter hat.

Im unterschätzten Scorsese-Film „King of Comedy“ (M. Scorsese, 1982) hält sich die Hauptfigur, ein von Robert de Niro dargestellter erfolgloser Komiker, für nahezu den Größten, einzig einen erfolgreichen TV-Komödianten ausnehmend, den er als Vorbild und eine Art Seelenverwandten betrachtet. Weil jedoch auch dieser ihm die Chance verwehrt, durch einen Auftritt in seiner Show endlich zur vermeintlich verdienten Berühmtheit zu gelangen, entführt er ihn, und wird mit dem so erpressten TV-Auftritt zumindest „König für eine Nacht“. So gelangt er dann mit seiner auf Prozess und Gefängnisstrafe folgenden Autobiographie schließlich doch noch zu bleibender Berühmtheit…

Eigene Wege

Der Star des humorvollen und bewegenden britischen Films „Billy Elliot – I Will Dance“ (S. Daldry) ist ein 11-jähriger Junge, der sich Anerkennung und Bestätigung für seine tänzerische Begabung erst schwer erkämpfen muss. Die Kleinstadt, in der er aufwächst, ist eine Bergarbeitersiedlung, sein Vater und sein älterer Bruder sind Billy Elliot – I Will DanceMinenarbeiter ohne Sinn für Ballett und schon gar nicht wollen sie ihren Jungen als Ballerina sehen. Doch statt zum vom Vater verordneten Boxtraining geht Billy heimlich zur Ballettklasse, weil er es nun mal liebt zu tanzen und, wie er einmal erklärt, dabei ein Feuer in seinem Körper spürt. Die Ballettlehrerin erkennt bald sein Talent, unterstützt und ermutigt ihn, seinen eigenen Weg zu gehen, auch gegen alle Widerstände. Und zum positiven Ende erkennt auch seine Familie Billys Begabung an und beginnt ihn zu unterstützen. Da in „Billy Elliot“ auch das Motiv des Außenseiters und Rebellen aufscheint, wird hier eine Brücke geschlagen zum Löwe gegenüber liegenden Wassermann – keine Seltenheit im Löwe-Film, ist doch die Verfolgung des eigenen, höchst individuellen Weges häufig mit dem Bruch von Regeln und Konventionen verknüpft.

Es ist auch kein Zufall, dass nahezu alle der bisher genannten Filme vor und in den 80er Jahren oder nach der Jahrtausendwende entstanden sind. Die postmodernen 90er, in denen alles möglich schien, in denen die Dekonstruktion von Identität Einzug in die Popkultur hielt, nahmen Träume von eigener Größe und die Sehnsucht nach Einzigartigkeit und individuellem Ausdruck nicht mehr ernst genug und waren zu sehr der ironischen Brechung verpflichtet, um reine Löwe-Energie auf die Leinwand zu bringen (Löwe verträgt kaum die Ironisierung seines Gefühlsausdrucks und hat aus Mangel an Abstand zu seinen Empfindungen und wegen seines starken Identitätsgefühls keinen Sinn für Selbstironie).

Strictly BallroomSymptomatisch für das postmoderne Freiheitsgefühl und das damit verbundene Empfinden von Distanz und Dekonstruktion weist daher ein Tanzfilme jener Dekade wie zum Beispiel Baz Luhrmanns „Strictly Ballroom – Die gegen die Regeln tanzen“ (1992) neben der dramaturgisch zugespitzten Löwe-Thematik auch deutliche Wassermann-Züge auf. Die für das Löwe-Kino typischen kraftvollen Farben werden hier in überzeichnet grellen Tönen zur visuellen Verfremdung eingesetzt und es steht das Wassermann-Thema des Regelbruchs und der Rebellion im Vordergrund, umgesetzt in einer geradezu karikaturistischen Darstellung des Konformen. Erst diese diversen Stilmittel zur Verfremdung eröffnen dann einen neuen Blick auf eine der Dekonstruktion des Ego entronnene und umso furiosere Feier und glamouröse Verwirklichung höchst individuellen Selbstausdrucks...

1. Das erklärt auch die Nachfolge des Löwen auf den Krebs: im Krebs wird das Innere entdeckt und durchgefühlt, im Löwen findet das Innere dann äußeren Ausdruck.

2. Beide Songtexte sind herausragende Löwe-Hymnen mit Versen, die typische Löwe-Empfindungen verbalisieren, z.B. „For this overwhelming sensation I could stand a standing ovation […] And the critics and the public agree I'm the number one attraction to see. So applaud it and cheer it, Come on now let's hear it for me“


Vesna Ivkovic

Vesna IvkovicVesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie, Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen. Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst. 1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte 2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de

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30-Jul-2014, 09:07 Weltzeit
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