Der cineastische Tierkreis -
Neue Bilder für alte Archetypen

Die Bildermaschine Kino bietet eine ungeheure Fülle an vielfältigen Erscheinungsformen für archetypische Gestalten, Motive, Qualitäten, die in der Astrologie von Planeten, Konstellationen und dem Tierkreis repräsentiert werden.

An dieser Stelle bietet Vesna Ivkovic Einblick in die cineastischen Ausdrucksformen und Entsprechungen der Tierkreiszeichen.

Krebs im Kino: Mehr als Kitsch
und Kindchenschema?

Die fabelhafte Welt der AmélieHaben Sie auch schon mal im Kino ein paar Tränen der Rührung weggeblinzelt – oder gar Taschentücher gleich im Plural verbraucht? Dann haben Sie einen Krebs-typischen Moment erlebt, denn Krebs im Kino hat es hemmungslos auf unsere Gefühle abgesehen – ob mit „Bambi“ (D. Hand u.a., 1942), der „Mutter“ aller rührseligen Disney-Filme, mit „Amélie“ und ihrer „fabelhaften (Märchen-)Welt“ (J.-P. Jeunet, 2001) oder „E.T.“, dem „Außerirdischen“ (S. Spielberg, 1982), der unbedingt „nachhause telefonieren“ will. Natürlich auch mit zutiefst emotionalen Melodramen um schmerzhafte familiäre und soziale Beziehungen wie „Jenseits von Eden“ (E. Kazan, 1955) und „Die Farbe Lila“ (S. Spielberg, 1985)…

Das Wasserzeichen Krebs steht für Gefühl und Seele, für sensible Empfänglichkeit, innige Verbundenheit und gefühlsmäßige Berührbarkeit, sowie für die – daraus resultierende – Sehnsucht nach emotionaler Geborgenheit. Die Fähigkeit, sich angstfrei und hemmungslos tiefen Gefühlen zu öffnen und sie bis zur Neige zu durchfühlen ist eine Krebs-Eigenschaft, ebenso wie das Bedürfnis nach Schutz und Fürsorge, und zwar auf einer emotionalen Ebene und durch andere, uns nahe stehende Menschen [1]. Emotionale Nähe, Vertrautheit und Geborgenheit wie auch die Sehnsucht danach sind damit die zentralen Krebs-Themen, die sich im Kino in verschiedenen Genres und Motiven wiederfinden: Ob Fantasy- und Märchenfilm, Familiendrama, Coming-of-Age-Geschichte oder Tierfilm, typisch für Krebs-betonte Filme sind neben einem sehr breiten Gefühlsspektrum vor allem einfache, archetypische Bilder, die uralte Gefühls- und Seeleninhalte spiegeln, ganz ohne Ironie und Relativierung. Oft sind diese in naive oder zumindest zutiefst romantische Geschichten eingebettet, die bestimmt sind von einer Art kindlichen Empfindens und einem Weltbild von emotionaler Unschuld (im ursprünglichen Sinne von Unbewusstheit und Unwissen). Emotionale Vereinfachungen werden sachlicher Komplexität vorgezogen, und die Identifikation des Publikums mit dem Geschehen auf der Leinwand wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln befördert, um direkt die Gefühle anzusprechen und möglichst jeden Ansatz zu irgendeiner Erkenntnis- oder Meta-Ebene durch mitfühlende Anteilnahme sofort zu verflüssigen.

Musik als emotionaler Katalysator spielt eine wichtige Rolle im Krebs-Kino, in der bildlichen Darstellung der Protagonisten findet sich fast immer das Kindchenschema (großer, runder Kopf und Kulleraugen) in mehr oder weniger ausgeprägter Form, die Hauptfiguren sind oft Kinder oder Tiere, gern auch Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen und Behinderungen. Die Plots drehen sich um Schicksalsschläge, Verlust und Sehnsucht, um Familienkonflikte und die damit verbundenen seelischen Verletzungen, um leidende Waisenkinder, verlorene (seelische) Heimat und darum, wie manche der Protagonisten durch all die Gefühlsstürme hindurch ihren Weg zurück finden…

„Ach, ist das süß!“ – Niedlichkeit und Rührung

Ein gerührtes „Oh, wie süß!“ als Publikumsreaktion auf eine Figur, eine Szene oder eine Geschichte ist ein sehr sicherer Indikator für deren Krebs-Qualität – und sehr häufig auch für Kitsch. Was aber ist Kitsch eigentlich genau? Wo verläuft jene feine Grenze zwischen als peinliche Gefühlsduselei empfundener Darstellung und tatsächlich zu Herzen gehenden Emotionen?

LassieAls Kind konnte ich den Tierfilm-Klassiker „Heimweh – Lassie Come Home“ (F.M. Wilcox, 1943) kaum ertragen, weil mich die tiefe Verbundenheit des berühmten Filmhundes mit seinem menschlichen Freund so sehr bewegte. Auch heute noch kann ich mich schon beim Trailer eines Films wie „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ (L. Hallström, 2009), der von der über den Tod hinausreichenden Treue eines Hundes zu seinem verstorbenen Herrchen erzählt, der Gerührtheit kaum entziehen, obwohl ich gleichzeitig die Mechanismen der emotionalen Manipulation dahinter erkenne. Deutlich besser gelingt mir das, wenn es um Menschen statt um Tiere geht: Die konventionelle, sich massiv der Wirkung von Kindchenschema-Effekten bedienende Darstellung von Verlassenheit, bedürftiger Kindlichkeit und familiären Beziehungen, wie sie von Steven Spielberg zum Beispiel in „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) und „A.I. Künstliche Intelligenz“ (2001) eingesetzt wird, trifft bei meinem Wassermann-IC auf spöttischen Widerwillen – und auf den Kitsch-Vorwurf.

Der Begriff „Kitsch“ beschreibt vorrangig die Erzählweise, die Art des Ausdrucks bei der Behandlung eines Themas oder einer Geschichte: Werden uns Gefühlszustände phrasenartig, mittels abgenutzter Bilder (und Worte) präsentiert, oder bestimmen sie in Form von Stereotypen das Geschehen, wirkt die Darstellung meist nicht überzeugend, berührt uns nicht und wird als kitschig abgetan. Dabei hängt es jedoch ebenso von der Beschaffenheit und den Verknüpfungen unserer eigenen Krebs-Energie ab, was uns bewegen und zu Tränen rühren kann. Oft bedeutet der Kitsch-Vorwurf auch, dass eine Gefühlsdarstellung überzogen bei uns ankommt – oder aber, dass wir uns fester in den rationalen und intellektuellen Mantel hüllen, der unsere Empfindsamkeit und unsere Gefühle schützt.

Von Schwäche, die zu Stärke wird…

Mein linker FussEinen großen und gewichtigen Anteil an Krebs-betonten Filmen haben sentimentale Geschichten über Menschen mit stark eingeschränkten körperlichen oder geistigen Fähigkeiten, die deren seelische Größe in den Vordergrund rücken. Die Krebs-Eigenschaft „Schwäche“ (aufgrund von Bedürftigkeit und/oder Abhängigkeit) erfährt hier eine ebenfalls Krebs-typische Wandlung durch emotionalen Ausdruck zur Stärke. Der berühmte Schauspieler Daniel Day Lewis erhielt seinen ersten Oscar für die Rolle als spastisch gelähmter, mit seinem linken Fuß arbeitender Schriftsteller und Maler Christy Brown in „Mein linker Fuß“ (J. Sheridan, 1989). Auch Tom Hanks wurde für seine Darstellung des „Forrest Gump“ (R. Zemeckis, 1994) mit einem Oscar ausgezeichnet. Dieser Film erzählt die alte Mär vom „tumben Tor“, der trotz und wegen seiner geistigen Schlichtheit und seiner einfachen Herzensgüte gegen alle Hindernisse sein Glück macht – und war damit überaus erfolgreich. Weniger bekannt wurde „Ich bin Sam“ (J. Nelson, 2001) mit Sean Penn in der Rolle eines geistig auf dem Niveau eines Siebenjährigen stehenden Vaters, der um das Sorgerecht für seine kleine Tochter kämpft, doch auch dieser Film unterstreicht die Bedeutung von Herz und Gefühl gegenüber Verstand und Intellekt. Man kann das naiv finden, sich aber dennoch nur schwer der Berührtheit entziehen…

Ziemlich beste FreundeEine ganze Welle von Filmen um körperlich schwer eingeschränkte Menschen gab es in den letzten zehn Jahren, darunter Amenábars „Das Meer in mir“ (A. Amenábar, 2004), in dem der großartige Javier Bardem als nach einem Unfall seit Jahrzehnten vom Hals abwärts gelähmter Mann darum kämpft, seinem Leben legal ein Ende setzen zu dürfen und dabei immer wichtiger wird für das positive Lebensgefühl einiger ihn umgebender Menschen. Einer der beliebtesten Filme des letzten Jahres war „Ziemlich beste Freunde“ (Nakache/Toledano, 2011), nach der ebenfalls wahren Geschichte eines Tetraplegikers, der durch die sich allmählich entwickelnde Freundschaft mit seinem vormals kriminellen Pflegehelfer neuen Lebensmut schöpft.

Zwischen Seifenoper und kunstvollem Melodram

Die Farbe LilaAuch seichte Seifenopern verwenden solche Geschichten, so wie sie auch vom Stoff bewegender Melodramen leben, die vor allem in den 50er Jahren beliebt waren. Die erzählten Plots unterscheiden sich nur wenig von späteren TV-Soaps und Telenovelas, und doch wurden beispielsweise Douglas Sirks höchst emotionale Filme um familiäre Dramen zu Klassikern der Filmgeschichte. Spielbergs „Die Farbe Lila“ (1985), der die Leidens- und Emanzipationsgeschichte einer missbrauchten und von ihren Kindern getrennten farbigen Frau und ihrer Familie in den Südstaaten der 10er bis 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts erzählt, wurde für etliche Oscars nominiert und Fellinis „Die Nächte der Cabiria“ (1957), um eine naive Prostituierte auf der Suche nach Glück und Liebe gilt als hohe Filmkunst. Sirks „Solange es Menschen gibt” (1959) ist vor allem wegen der Mutter-Tochter-Thematik und der sehr emotionsgeladenen Dramaturgie ein ausgezeichnetes Beispiel für Krebs im Kino: Als eine alleinerziehende Schauspielerin mit kleiner Tochter mit ihrer schwarzen Haushälterin und deren Tochter zusammenzieht, entwickelt sich ein schwieriges Verhältnis in der Gemeinschaft als deutlich wird, dass die hellhäutige Tochter der Haushälterin ihre Mutter verleugnet, um als weiß gelten zu können. Tief verletzte Gefühle, emotionale Abhängigkeiten, kindliche Bedürfnisse, mütterliche Opferbereitschaft, viel Tränen und Schmerz – ein ganzes Arsenal an Krebs-Motiven wird hier aufgefahren und wer die Taschentücher vergaß, hatte am Ende durchnässte Ärmel… Mütterliche Opferbereitschaft spielt auch in der tragischen Romanze “Was der Himmel erlaubt” (D. Sirk, 1955) eine wichtige Rolle, als eine wohlhabende Witwe sich in einen nicht standesgemäßen und jüngeren Mann verliebt, den ihre fast er wachsenen Kinder nicht zu akzeptieren bereit sind [2].

Solche Geschichten finden heute nur noch selten den Weg ins Kino, werden sie doch alltäglich in Pilcher-Verfilmungen und anderen seichten Fernsehsendungen erzählt.

The Broken CircleGelegentlich gibt es allerdings großes Gefühlskino in kleinen Filmen, denen es gelingt, „harten Stoff“, im Krebs-Sinne also seelisch erschütternde Schicksale in einer Weise auf die Leinwand zu bringen, die uns ganz ohne Kitsch und Stereotype einlädt Anteil zu nehmen an den emotionalen Hochs und Tiefs außergewöhnlicher und sympathischer Charaktere, die ganz Krebs-gemäß hemmungslos ihr persönliches Gefühlsspektrum ausleben. Das jüngste Beispiel dafür ist der vor kurzem angelaufene belgische Film „The Broken Circle“ (F.V. Groeningen, 2012), der von der Liebe und den Träumen eines unkonventionell lebenden Paares erzählt. Beide haben schon allerlei erlebt, sich durch manche Krise gekämpft und längst ihre „Unschuld“ verloren, doch gerade deshalb genießen sie ihr neues Glück miteinander umso inniger als sie zu dessen Krönung auch noch eine Tochter bekommen. Was mit ihnen geschieht, als das Mädchen an Krebs erkrankt und stirbt, ist emotional überzeugend ohne Scheu vor den unterschiedlichsten Ausdrucksformen tiefsten Schmerzes dargestellt und wirkt dabei niemals kitschig, sondern berührt zutiefst. Auch hier spielt die Musik eine wichtige Rolle und entspricht in ihrer Art – es ist sehr lebens- und gefühlsbejahende Bluegrass-Musik – der Krebs-Qualität des Films.

Erwachsen werden trotz oder mit Familie

Alle Gefühlshöhen und vor allem -tiefen, die das Leben so bringen kann, anzunehmen und zu bejahen ist nicht immer leicht, vor allem, wenn man jung und unerfahren ist. Das ist das Thema vieler sogenannter Coming-of-Age Filme, die von Kindern, Teenagern und jungen Menschen in emotional schwierigen Situationen erzählen. Ein Klassiker darunter ist Ingmar Bergmans „Fanny und Alexander“ (1982), der anhand einer weitschweifigen Familiensaga in fantasievoller Weise vom Glück wie von den Ängsten der Kindheit erzählt.

In „The Squid and the Whale“ (N. Baumbach, 2005) durchleben zwei Brüder die Scheidung ihrer Eltern, wünschen sich nichts sehnlicher, als dass die beiden wieder zueinander finden und müssen dabei auch noch mit ihren eigenen pubertären Gefühlswirren zurechtkommen. Mit solchen hat auch der Protagonist in der warmherzigen Komödie „Thumbsucker – Bleib wie du bist!“ (M. Mills, 2005) zu kämpfen, ist er doch zu allem Überfluss als Teenager noch dem Daumenlutschen verfallen – allein dieses Motiv ist schon Hinweis genug auf den Krebs-Charakter des Films. „Juno“ (J. Reitman, 2007) wiederum ist ein 16-jähriges Mädchen (gespielt von der wunderbaren Ellen Page), das mit ihrem besten Freund schläft und sofort schwanger wird. Ohne zu moralisieren und in erfrischender Weise zeigt der Film die emotionale Achterbahnfahrt der sympathisch schnoddrigen Protagonistin bei der Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung und der anschließenden fürsorglichen Suche nach Adoptiveltern für ihr Baby.

Little Miss SunshineDass dysfunktionale Familien, in denen pubertäre Misanthropie, suizidale Krisen und Drogensucht vorkommen nicht nur mit gefühliger Betroffenheit dargestellt werden können, zeigt ein ganz zauberhafter Film über die freudvollen wie auch die lästigen Seiten von Familie. „Little Miss Sunshine“ (Dayton/Faris, 2006) erzählt von der kleinen Olive, die zu einem Schönheitswettbewerb eingeladen ist, und davon, wie ihre von vielerlei persönlichen Enttäuschungen gebeutelte Familie sie dorthin begleitet und beim Versuch ihren Traum zu verwirklichen unterstützt. Und auch hier sind es wieder mal die menschlichen Schwächen und der Anteil nehmende Umgang mit diesen, die dem Film einen berührenden und doch kaum sentimentalen Krebs-Charakter verleihen…

1) Dies v.a. im Unterschied zu Stier, dem es um physische und materielle Sicherheit und Versorgtheit geht, die er sich auch selbst geben kann.

2) Übrigens ein häufiges Plotinstrument im Krebs-Kino: der Konflikt mit Steinbock-Energie, z.B. also den gesellschaftlichen Anforderungen, die dem Ausleben von Gefühlen im Weg stehen…


Vesna Ivkovic

Vesna IvkovicVesna Ivkovic studierte Literatur- und Sprachwissenschaften, Soziologie, Philosophie, Geschichte und beschäftigte sich intensiv mit Psychologie, Mythologie sowie verschiedenen Glaubens- und Weisheitssystemen. Parallel dazu erforschte sie die Erkenntniswege des Körpers mittels der Kampfkunst des Kung Fu, Tanz, Yoga, Qi Gong und verschiedenen anderen Methoden der Körperarbeit und Bewegungskunst. 1993 entdeckte sie die Astrologie als Erkenntnisinstrument und absolvierte 2004 am Astrologie-Zentrum Berlin bei Markus Jehle und Petra Niehaus die Meisterklasse.
Mehr über die Autorin des Cinemaskopes finden Sie auf ihrer eigenen Website www.astrosemiotics.de

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