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Die weihnachtliche Reise der Mondin durch den Tierkreis

Von Juri Viktor Stork

Die Mondin schaute auf die Erde und sah die Sorgen und Nöte der Menschen. Sie sah, wie die Unordnung noch immer wuchs und die Hoffnungen dahinschmolzen. Sie sah die Gewalt und die Angst. Die ratlosen Fragen der Menschen nach dem "Warum" schmerzten sie, schon lange. Schon sehr lange begleitet die Mondin das Menschengeschlecht auf seinen Wegen, unter vielen Namen, als Isis, Thot, Selene oder Mani. Doch noch selten hatte sie Zeiten wie diese gesehen. War es die schiere Anzahl Menschen auf dem Planeten, die ihr manchmal das Gefühl gab, als hätten alle vergessen, woher ihr Leben und ihr Licht stammte?

Nicht, dass es der Mondin etwas ausgemacht hätte, dass die Menschen sie nicht mehr als Göttin würdigten. Sie würde das überleben. Doch die Schmerzen der Menschen fühlte sie, als wären es ihre eigenen. Und da die Menschheit wuchs und wuchs, wurden es auch immer mehr Schmerzen, die sie fühlen konnte. Sie entschloss sich, wieder einmal auf die Reise zu gehen. Sie wollte diejenigen besuchen, die mit ihr zusammen seit Urzeiten die Melodie des Sonnensystems sangen im grenzenlosen Raum. Sie wollte die anderen Himmelskörper fragen, ob vielleicht einer von ihnen etwas wusste, das helfen konnte, dem Menschengeschlecht sein Licht in Erinnerung zu rufen und seine Schmerzen zu lindern. So machte sie sich auf den Weg, den vorgegebenen Pfaden folgend.

1. Dezember: Saturn

Ihr erster Besuch galt Saturn. Sie hätte diese Begegnung gerne hinausgezögert, denn sie mochte ihn nicht besonders. Seine Kälte und Härte machte sie frösteln, und jedes mal, wenn sie ihm so nahe kam wie heute, hatte sie das Gefühl, dass sie keine Farben mehr sehen konnte. Sehr merkwürdig!

Mittlerweile hatte sie aber gelernt, seinen Rat sehr ernst zu nehmen, auch wenn er manchmal schwer zu ertragen war. "Saturn, Herr der Zeit, Hüter der Schwelle", grüsste sie ihn, "Die Menschen sind unglücklich und wissen nicht, wohin. Was können sie tun?"

"Mondin, grosse Göttin, sei gegrüsst", erwiderte Saturn. "Es ist die Angst vor dem Tod, welche die Menschen unglücklich macht. Das war schon immer so!".

"Was könnte diese Angst lindern, grosser Kronos?", fragte Luna.
Saturn schwieg lange, sehr lange. "Ohne Tod kein Leben", meinte er nachdenklich. "Selbst Sterne und Götter wurden irgendwann geboren und werden einst sterben. Weshalb soll des Menschen Schicksal anders sein? Der Mensch lebt heutzutage als würde er nie sterben, und er stirbt als hätte er nie wirklich gelebt. Wenn der Mensch nur endlich erkennen würde, dass die Zeit in seinem Bewusstsein erschaffen wird. Zwischen Gestern und Morgen liegt das Jetzt. Er hatte schon immer die Freiheit, sich zu entscheiden, ob er wirklich da sein will und Anteil hat an der Natur, oder ob er doch lieber in einer seiner Vorstellungswelten leben möchte wo er ständig nur dem begegnet, was er schon kennt. Wohl dem Menschen, der den Mut hat, sich der Zeitlichkeit hinzugeben!"

Er wendete sich ab, seine Miene verdüsterte sich, und er starrte in das Dunkel. "Geh und frag Venus, diese wird dir mehr sagen können".

"Das werde ich tun", sagte die Mondin und verabschiedete sich beim Meister der Zeit.

(Mond Konjunktion Saturn)

2. Dezember: Merkur

Kaum hatte sie sich umgedreht, stand Merkur vor ihr. Sie kannte seine vielen Gesichter gut, und wie immer war sie auf der Hut vor seiner scharfen Zunge. Mal kichernd, mal gestikulierend, meist mit einem Witz auf der Zunge, den sie immer erst später verstand, war er immer in Bewegung und manchmal so kindisch, wie nur ein Gott sein konnte. Heute aber war er bleich, seine Augen blitzten dunkel, und seinen Wanderstab hatte er mit einem Degen eingetauscht. Still stand er in einer Felsenecke. "Willkommen, Mondin. Hast du schon bemerkt", fragte er kühl, "dass die Menschen vergesslich geworden sind? Sie erinnern sich einfach nicht mehr." Er grinste lausbübisch. "Eigentlich bin ich ja selbst daran schuld", meinte er dann.

"Du sollst Schuld sein, dass sich die Menschen nicht mehr erinnern, verehrter Hermes? Das musst du mir aber erklären", erwiderte die Mondin.

Es schien ihm wohl Vergnügen zu bereiten, die Menschen in Schwierigkeiten gebracht zu haben, den sein spöttisches Lachen wurde noch ein wenig breiter: "Einst zeigte ich ihnen Möglichkeiten auf, um aus dem Sumpf des Glaubens und des Fürwahrhaltens herauszufinden. Ich lehrte sie, Wissen und Erinnerungen aufzubewahren, so dass nicht jede Generation immer die gleichen Fehler machen musste. Leider haben die Dummköpfe vor kurzer Zeit begonnen, nicht nur Wissen, sondern jegliche Information zu sammeln, der sie habhaft werden konnten, auch den letzten Furz! Irgend jemand hat ihnen dann eine Magie gebracht (sie nennen das Computer), mit der nun jeder alles sofort wissen kann. Nun sammeln sie wie die Verrückten alles, was sich denken lässt. Nur weiss anscheinend niemand mehr, was wichtig ist und was nicht!" Er hüstelte, und seine geflügelten Füsse flatterten ein wenig.

"Sie wussten schon früher meist auch nicht so genau, was wichtig ist, doch damals wussten sie wenigstens, dass sie es nicht wussten. Heute meint jeder ein Wissender zu sein dank dieser "Wissensmagie", und diejenigen, die wirklich wissen, werden weder gefragt noch gehört. Nun stecken sie in ernsten Schwierigkeiten. Ich würde schon gerne wissen, wer ihnen diese Magie gebracht hat." Aufgebracht schaute er die Mondin an.

"Das ist schlimm", meinte die Mondin. Sie wusste um das Mysterium der Fülle und der Leere aus eigener Erfahrung. "Die Köpfe der Menschen sind also voll und leer gleichzeitig", sagte sie zu Merkur. "Kein Wunder, geht es ihnen schlecht. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob du Schuld an ihrem Elend hast." Im Stillen fragte sie sich, ob sie selbst versäumt hatte, den Menschen das Geheimnis von Fülle und Leere besser zu vermitteln. Sie fühlte sich plötzlich selbst sehr dünn und leer, und müde machte sie sich auf den weiteren Weg.

(Mond Konjunktion Merkur)

3. Dezember: Sonne

Sie selbst war nun ganz und gar in Dunkelheit gehüllt, und sie freute sich auf die innige Umarmung mit dem grossen Licht. Sie liebte das strahlende Licht, welches die Menschen "Sonne" nannten. Diese unbändige Kraft, die alles speiste, ohne Rücksicht auf sich selbst, sich selbst verbrannte, ohne nach dem "Warum" zu fragen.

"Sonne", fragte sie "Wieso sind die Menschen zur Zeit so unglücklich?".

"Sind sie das?", fragte die Sonne. "Das habe ich gar nicht bemerkt. Du bist doch die Spezialistin in Empathie, liebe Luna." Eine kleine Eruption intensivierte für einen Moment ihr Strahlen. "Aber vielleicht erklärt das, weshalb ich mich in letzter Zeit selbst etwas unruhig gefühlt habe. Denn die Menschen - und das wissen die wenigsten von ihnen - könnten in sich selbst eine Sonne entfachen. Je mehr solche Menschensonnen auf der Erde weilen, um so schöner ist es für mich zu scheinen. Mein "Ja" und des Menschen "Ja" sind das selbe. Es gab Zeiten, da jubelte die Menschenwelt vor lauter "Ja". Wir jubelten zusammen, und je mehr wir sangen, um so mehr Freude hatten wir. Heute ist es in dieser Hinsicht recht langweilig geworden. Aber weshalb dies so ist, geliebte Mondin, kann ich dir nicht sagen. Ich singe mein Lied und erfreue mich daran."

"So wie ich mich auch an dir erfreue", erwiderte die Mondin. Sie lagen sich noch lange Zeit in den Armen, schweigend und singend, bevor sich die Göttin wieder auf den Weg machte, um die weiteren Himmelsgötter und -Göttinnen aufzusuchen.

(Mond Konjunktion Sonne, Neumond)

4. Dezember: Mars

Von weit her hörte die Mondin das Schnauben von Pferden. Sie sah Mars auf seinem Kriegswagen vorbeiziehen. Die beiden schwarzen, furchterregenden Pferde Phobos und Daimos schäumten, ihre Hufe hämmerten den Nachthimmel. Wo wollte er hin, Ares, der Kriegsgott? Was führte er im Schild? Auf welches Schlachtfeld zog es ihn heute? Oder in welches Schlafzimmer? Er sah nicht unglücklich aus, und zu ihrem grossen Erstaunen hörte sie, dass er ein Lied sang. Und dies nicht einmal schlecht.

Die Mondin misstraute Mars. Schon mehr als einmal hatte er sie verletzt, als er in seinem Ungestüm in ihre Gemächer rannte, herumfuchtelte und von ihr irgendwelche Erklärungen über die Frauen forderte. Manchmal war er auch süss und unschuldig, doch sehr schnell redete er sich in den Zorn. Dann liess er sich nicht mehr halten, und ein Streit mit Mars liess sich nicht so leicht beenden.

"Er ist etwas einfältig", dachte sie bei sich und seufzte. Die Menschenfrauen liessen sich gerne beeindrucken von seiner Kraft und seinem wilden Glitzern, und die Menschenmänner versuchten ihn oft so gut als möglich nachzuäffen. "Ich löse das Problem", das hörte man von Mars immer wieder, und er glaubte fest daran, und leider auch nicht wenige der Menschen. Schnelle Lösungen ohne vorheriges Nachdenken war sicher einer der Gründe für ihr regelmässiges Unglück. Eigenartigerweise liebten sie den Krieg, obwohl er nur Tod und Verderbnis brachte. "Wie gelangweilt sie sein müssen, wenn sie sogar den Krieg begrüssen!" Ratlosigkeit machte sich in ihrem Herzen breit. Sie erkannte, wohin ihr Weg sie als nächstes führen würde. Was würde ihr der Herr der Unterwelt wohl über die Menschen erzählen?

(Mond Quadrat Mars)

5. Dezember: Pluto

Sie hatte keine grundsätzliche Abneigung gegenüber Pluto, dem Herrscher der Unterwelt. Sie wusste, dass er oft unverstanden war. Seine schwer zu ertragende Ausstrahlung und sein Geruch von nassem Stein und Stahl war für die meisten Grund genug, schnellstmöglich das Weite zu suchen. Doch dieses Mal fiel es auch ihr schwer, sein Reich zu betreten. Selten hatte sie sich dunkler gefühlt als heute. Unbeweglich sass Hades auf seinem Thron im Dunkeln. "Was willst du?" herrschte er sie an. "Siehst du nicht, dass ich arbeite?" Düster schaute er die Mondin an. Seinem prüfenden Blick entging kein Detail. An ihrem silbernen Haar blieb sein Blick hängen. "Du wirst alt", sagte er mit einer Stimme, die sie frösteln liess.

"Ich bin alt", erwiderte sie. "Und ich bin es schon lange. Ich schaue der Welt zu, seit es Leben auf ihr gibt. Und trotzdem verstehe ich nicht, weshalb die Menschen zurzeit so unglücklich sind. Noch nie ging es ihnen besser, noch nie hatten sie so viel zu Essen und noch nie wurden sie älter."

Pluto's Augen funkelten zornig. "Die Menschen! ", zischte er. "Noch nie wurde die Erde so entheiligt wie heute. Sie plündern die Schätze der Erde, für nichts und wieder nichts! Hast du nicht gesehen, wie sie alle Schatzkammern aufreissen und alles mitnehmen, was wertvoll ist? Und was machen sie damit? Sie bauen Maschinen, die ihnen diese Arbeit abnehmen. Damit reissen sie noch tiefere Löcher in die Haut der Erde und vergiften dabei den Boden, das Wasser und die Luft. Und wozu das Ganze? Die Menschen sind wahnsinnig geworden! Sie haben gut gelernt, die Materie in ihre Dienste zu zwingen. Sie hätten es auch ohne Zwang haben können, aber es ist, wie es ist. Sie haben es so gewollt, und nun zwinge ich sie, sich mit den Folgen zu beschäftigen ".

Schroff drehte er sich um. "Verlass mich jetzt, ich muss arbeiten", sagte er zur Mondin. Scheu fragte sie ihn, was er denn tun müsse. Der Herrscher der Unterwelt drehte sich langsam um. Schweigend schaute er sie an, für eine lange Zeit. Leise sagte er: "Ich mache das, was ich schon immer gemacht habe, wenn die Menschen vergessen haben, dass sie nur Gäste sind auf diesem Planeten: Ich mache ihnen Schwierigkeiten! Ich gebe ihnen all das zurück, was sie nicht haben wollten."

Er setzte sich wieder auf seinen Thron und erstarrte in schwarzem Schweigen. Nun hörte man deutlich die Toten ächzen und wehklagen. Leise zog sich die Mondin zurück, und das Tappen ihrer blossen Füssen was bald nicht mehr zu hören.

(Mond Konjunktion Pluto)

6. Dezember: Venus

Die Mondin erinnerte sich an die Bemerkung Saturns. Was wusste die Göttin der Liebe, das der Herrscher der Zeit nicht wusste? In makelloser Schönheit sass die immer junge Venus auf einem Felsen am Rande eines tiefblauen Sees. Hinter ihr erhob sich schroff das ewige Gebirge, alle Farben waren etwas intensiver als sonst, und auch die Gerüche, wie die Mondin entzückt feststellte. Sie war immer wieder aufs Neue überrascht, wie sich die Welt um Aphrodite stets von ihrer schönsten und intensivsten Seite zeigen wollte.

"Liebste Mondin, welche Freude!", wurde sie von Venus begrüsst. "Komm, setz dich neben mich und leiste mir Gesellschaft."

Die Mondin setzte sich neben sie und schaute sie lange an. "Du bist heute schöner denn je. Ich fühl mich selbst gerade wieder jung!" Beinahe vergass sie ihre Frage, doch da merkte sie, dass Venus sie schon die ganze Zeit musterte. "Dein Haar ist in der letzten Zeit noch weisser geworden, Mondin. Hast du Sorgen?"

"Die Menschen", erwiderte die Mondin. "Sie machen sich Sorgen, und ich mir auch. Ich habe bereits Saturn, Merkur, Pluto und die Sonne besucht und sie gefragt, ob sie wissen, was die Menschen so bedrückt. Saturn meinte, ich solle dich fragen, du wissest vielleicht etwas, das den Menschen weiterhelfen kann."

"Mich?", lachte die schöne Göttin mit einem silberhellen Lachen, "Der alte Saturn hat wohl noch immer Schuldgefühle, weil er Uranos mit der Silbersichel entmannt hat. Meinen Rat habe ich schon oft gegeben, und er hat sich nicht verändert während der tausenden von Jahren, die ich die Menschen schon begleite. Ich sage es jedem, ungeachtet seinem Stand, seinem Geschlecht oder seinem Geld: Mach - es - schön!" Venus leuchtete in der untergehenden Sonne, während sie mit geschlossenen Augen nach Innen horchte. Ihr offenes Haar wehte im Wind. Dann öffnete sie ihre Augen, sah die Mondin an und ergänzte: "Dann lohnt sich das Leben, und der Tod verliert seinen Schrecken. Vielleicht war es das, was Saturn sich fürchtete, dir selbst zu sagen."

(Mond Konjunktion Venus)

7. Dezember: Mond

Die Mondin war heute leichtfüssig unterwegs, sie flog beinahe. Tief in Gedanken versunken, versuchte sie das bisher Vernommene zusammenzufassen. Uranus ging ihr nicht aus dem Kopf. Die Silbersichel! Das war doch eigentlich ihr eigenes Symbol. Hatte sie selbst damit etwas zu tun? Und war da nicht noch was gewesen, als Saturn auf Gaia's Geheiss den Göttervater Uranos kastrierte? Aphrodite wurde durch diese Tat gezeugt, ja, aber nebst der schaumgeborenen Venus wurden doch auch noch die Furien erschaffen, durch das Blut, welches auf die Erde tropfte. Die Furien, welche immer dann auftauchten, wenn ein Mensch die heiligen Bräuche verletzt hatte. Sie nahmen göttliche Rache an den Übeltätern und liessen auch im Tod nicht von ihnen ab, bis sie echte Reue zeigten. Grund genug zur Rache hätten sie heute durchaus…

Doch konnte sie Uranus kaum verantwortlich machen für die Existenz der Furien, er war es ja schliesslich, der kastriert wurde. Dann schon eher Saturn, der die Tat ausgeführt hatte, allerdings auf Geheiss von Gaia. Doch auch Gaia hatte einen guten Grund zu ihrem Befehl, denn Uranos hatte in seinem Wahn jedes Kind, das sie ihm geschenkt hatte, vernichtet. Wer hatte nun die Schuld an den Furien? Letztendlich war es ja auch an den Menschen, die heiligen Gesetze zu respektieren. Sie schienen ein eigenartiges Verständnis von Freiheit zu haben. Woher hatten sie nur die fatale Idee, dass ihnen keine Grenzen gesetzt wären? Selbst die Götter mussten sich dem Prinzip Ananke, der Notwendigkeit, unterordnen.

(Mond in Wassermann, Sextil Uranus)

8. Dezember: Neptun

Da war es wieder, dieses Rumpeln in der Tiefe. Die Welt erbebte in ihren Grundfesten. "Notwendigkeit", hörte die Mondin Pluto in der Tiefe murmeln, "Die Not wenden."

Wasser spielte um die nackten Füsse der Mondin. Das Licht brach sich in Nebelschwaden und erstrahlte in zarten Regenbogen. Sie stand am Rande eines spiegelglatten und tiefblau glänzenden Wassers. Ein alter, weisshaariger Mann im Lotossitz schwebte dicht über ihm, als sässe er direkt auf der Wasseroberfläche.

„Luna, schöne Mondin, sei gegrüsst“, sagte Neptun. „Ich habe dich erwartet. Du wunderst dich sicher“, fuhr er fort, „mich an diesem Platz anzutreffen. Doch Wasser ist Wasser, an der Quelle wie in den Tiefen des Ozeans“.

„Das weiss ich, verehrter Neptun, alles kommt und geht, im ewigen Kreislauf“, erwiderte Luna leise. „Doch die Menschen scheinen es vergessen zu haben. Sie träumen von ewigem Wachstum.“

„Das gibt es, wie du weisst, nicht in der Welt des Diesseits, liebste Luna. Auf der Erde ist es endlich, und jeder, der weit genug geht, trifft wieder auf seinen Ausgangspunkt. Auch in der Welt der Menschen - sie treffen irgendwann wieder auf sich selbst. Sie verwechseln „un-end-lich“ mit „ewig“. Ewig ist nur die göttliche Welt“. Er stand auf und lief über das Wasser zur Mondin. Wie klein er war, dachte diese bei sich.

„Du musst wissen, Luna, ich bin hier nur für einige Zeit“, er lächelte etwas verlegen, „quasi zur Kur. Wir haben es ein wenig übertrieben, Uranus und ich. Wir fanden einfach kein Ende in unserem Traum, als er in meinem und ich in seinem Reich weilten. Es war ein grosser und wilder Traum voller Hoffnung. Doch als ich erwachte, fand ich mich selbst als eine riesige Welle und raste direkt auf eine Küste zu. Ich versuchte mit allen Kräften zu verhindern, dass meine Pferde bis aufs Festland vorpreschten, aber ich hatte die Kraft nicht mehr, um sie zu halten. Etwas knirschte entsetzlich zwischen meinen Zähnen, Menschen schrieen, und schauten besorgt zu einem ihrer seltsamen Bauwerke, in welchem sie mit Plutos Feuer spielten. Seit dem fühle ich mich nicht besonders gut. Chiron, der grosse Heiler, Gott sei mit ihm, meinte, ich solle mich hier für einige Zeit regenerieren, in dem ich meditiere und mich erinnere. Ich fühle mich schon viel besser, und bald werde ich in den Ozean zurückkehren.“

„Chiron ist hier?“ fragte die Mondin. „Kann ich ihn sehen? Vielleicht weiss er, was die Menschen brauchen.“

„Die Menschen!“ Neptun flossen ein paar Tränen über die Wangen, in seinen weissen Bart. „Wenn sie nur nicht so dumm wären! Viele Bewohner des Meerers haben sich bei mit bitter beklagt über das, was ihnen und dem Wasser angetan wird. Die Menschen müssen endlich wieder lernen zu fühlen. Im Kopf wissen sie so vieles, aber es scheint, als hätten sie jegliche Fähigkeit verloren, gemäss ihrem Wissen zu handeln. Was sie dem Wasser antun, tun sie doch auch sich selbst an!“

„Was würdest du denn den Menschen raten, Wassergott?“, fragte Luna.

„Wenn ich ein Mensch wäre, so würde ich beten.“ Neptun verneigte sich vor Luna und bewegte sich Richtung des dichten Nebels, der über die Wasserfläche waberte. „Grüsse Chiron von mir, er ist ganz in der Nähe“, hörte sie ihn noch rufen, ehe der Nebel ihn verschluckte.

(Mond Konjunktion Neptun)

9. Dezember: Chiron

Neptun hatte recht behalten. Kaum war er im Nebel verschwunden, hörte sie das klappernde Geräusch von Hufen, begleitet von einem seltsamen, kehligen Gesang. Aus dem Nebel trat Chiron, in seiner mythischen Gestalt, halb Pferd, halb Mensch. Heute hatte er einen mit Federn geschmückten Schlapphut auf, in der einen Hand trug er eine Schamanentrommel. Die andere legte er sich auf sein Herz und rief: „Sei gegrüsst, Mondin, Urmutter der Zeitlichkeit, Begleiterin der Erde!“.

Wo schlägt eignetlich sein Herz? Oder hat er vielleicht sogar zwei? fragte sich die Mondin, bevor sie die Welle des Schmerzes und der Trauer traf, die Chiron stets umgab. Sie keuchte ungewollt, und Chiron schaute sie sorgenvoll an. „Hast du Schmerzen, liebste Luna? Kann ich etwas für dich tun?“.

„Nein, Chiron, grosser Heiler, mir geht’s bestens.“ Sie bemühte sich, gelassen und aufgerichtet dazu stehen. „Aber die Menschen!“

„Oh, ja.“ Chiron seufzte. „Ich weiss. Sie machen es sich gerade sehr schwer.“ Ärgerlich stampfte er mit seinen Hufen. „Aber was soll ich tun? Sie hören ja nicht auf mich! Seit Jahr und Tag zeige ich Ihnen, wie sie mehr Harmonie schaffen könnten zwischen Kopf und Körper. Mensch ist Mensch, und Mensch ist Tier. Es wäre schon viel gewonnen, wenn Menschenmensch und Menschentier miteinander sprechen würden! Doch das ist den meisten zu peinlich: "Ich, ein Tier!", sagen sie und träumen lieber ihre dunklen Träume von Macht und Lust. Ich warte nun, bis sie des Leidens müde sind. Sie wissen ja, wo ich zu finden bin. Und falls sie’s vergessen sollten, liebe Luna, dann erzähl ihnen von mir.“ Er schlug ein paar Mal auf seine Trommel, antwortete dem dumpfen Klang der gespannten Tierhaut mit seinem kehligen Gesang und verschwand in der Dunkelheit.

(Mond Konjunktion Chiron)

10. Dezember: Mond

Luna fühlte sich heute gut. Die Gespräche mit Neptun und Chiron hatten ihr neue Hoffnung gegeben. Immerhin wusste sie nun, was sie den Menschen erzählen konnte, um ihr Unglück zu mindern. Zumindest denen, die bereit waren, zuzuhören. Sie war realistisch genug um zu wissen, dass dies nicht die Wende bringen würde, denn im Prinzip war es dasselbe, was die Götter seit Jahrtausenden den Menschen erzählten: Hab Mitleid mit dem Tier, verhärte dich nicht, ehre die Götter und die Ahnen, vergiss nicht, dass du nur Gast bist auf diesem Planeten. Einzig die Sache mit der Vergesslichkeit der Menschen, die verstand sie noch nicht. Wie kam es, dass die Menschheit sich nicht mehr an die alten Geschichten erinnerte? Bald würden sie wieder das grosse Fest zu Ehren eines der ihren feiern. Dieser hatte ihnen gangbare Wege aufgezeigt, und er war nicht der einzige. Doch es liess sich schnell erkennen, dass die Menschen die Worte ihrer alten, heiligen Bücher nicht mehr verstanden, was natürlich nicht weiter verwunderlich war, wenn man bedachte, dass sie schon damals als sie aufgeschrieben wurden, nur selten wirklich verstanden wurden. "Wenn ich ein Mensch wäre", so dachte die Mondin bei sich, "würde ich mich fragen, woher ich komme und wohin ich gehen werde." Sie freute sich nun auf die nahe Begegnung mit Uranus, dem Göttervater. Würde er ihr mehr erzählen können?

(Mond Trigon Jupiter/Saturn)

11. Dezember: Uranus

Sie hatte erwartet, einen uralten, missmutigen, entmannten Greis vorzufinden. Wie war sie überrascht, als sie ihn sah: Da tanzte ein wohlproportionierter, kräftiger Mann im besten Alter mitten in einem lodernden Feuer. Die Flammen schienen ihm nichts auszumachen, im Gegenteil. Er schien selbst beinahe zu glühen. Die Arme hoch zum Himmel gereckt, tanzte er mit blossen Füssen auf den glühenden Kohlen. Ohne seinen Tanz zu unterbrechen rief er Luna zu: "Du hast einen jammernden alten Mann erwartet, liebe Mondin? Dann lass dir folgendes sagen: Es gibt keine alten Geschichten! Alle Menschenmythen erzählen vom Menschengeist. Ich existiere nur im Geiste des Menschen und du ebenso. Solange die Menschen die Götter kennen, solange wird es uns geben. Vergessen sie uns, so wandern auch wir in den Hades, und mit uns der Menschengeist. Ich bin der grosse Traum der Menschen. Sie träumen mich, und ich träume sie. Zusammen erträumen wir alles was war, was ist und was sein wird. Der Unterschied zwischen den Menschen und mir ist: Sie sind viele, ich bin sie alle. " Er drehte sich nun immer schneller um seine eigene Achse, die Flammen wurden strahlend weiss, und blendende Blitze zuckten um seinen Kopf herum. Die Mondin sah nun, dass sein Gesicht uralt war, viel älter als das ihrige, und sie erzitterte vor Ehrfurcht.

"Solange die Menschen ihre Mythen und heiligen Schriften als Berichte aus längst verflossenen Zeiten verstehen, werden sie ohne echtes Wissen bleiben. Erst wenn sie verstehen können, dass all diese Geschichten das erzählen, was in ihnen selbst geschah, geschieht und geschehen kann, werden sich die Geschicke der Erde ändern. Ja, Saturn hat mich einst entmannt, und er tut es noch immer, zu jeder Zeit. Er zieht den Traum in die Erscheinung, und nur dann wird Aphrodite, die schöne Venus, geboren. So war es, und so wird es immer sein. Alle Welten sind ineinander verwoben, und die Menschen täten gut daran, sich an die weisen Worten eines ihrer grossen Lehrer zu erinnern, der ihnen sagte, dass das Reich der Himmel nahe sei! Er sagte "nahe" und er meinte es auch so."

Er sprang durch das Feuer, und ehe sie es sich versah, stand er bei ihr und hüllte sie mit seinen Flammen in einer feurigen Umarmung ein.

"Lass uns für einen Moment zusammen träumen, Göttin des Wandels, vielleicht finden wir zusammen ein paar Antworten auf nichtgestellte Fragen." Er umfasste Luna mit festem Griff, und sie sprang mit ihm in eine Welt, in der Traum und Form zu einer anderen Wirklichkeit zu verschmelzen schienen.

(Mond Konjunktion Uranus)

12. Dezember: Mond

Sie fühlte sich energiegeladen, aber auch ein wenig wund, als sie, Luna, ihren Weg wieder aufnahm. Sie wusste, dass sie nun einige Zeit alleine unterwegs sein würde, aber das war ihr gerade recht. So konnte sie sich etwas klarer werden, bevor sie dann in ein paar Tagen als leuchtende Mondin rund und voll den Menschen ihr Licht schenken würde. Sie war gespannt, ob die Menschen hören würden, was sie ihnen zu erzählen hatte. Uranus hatte sie in eine Welt entführt, die auch ihr fremd gewesen war. Sie hatte Welten hinter Welten gesehen, schöpferische Kraft ohne Ursprung, lebendige Ursache aller Form und Wirklichkeit, auch der ihren. "Nicht jeder Mondin ist es gegeben, der Ur-Sache der eigenen Existenz zu begegnen", dachte sie berührt und auch ein wenig stolz. Sie hatte ihre Kraft wieder gefunden, und würdevoll eilte sie auf ihrem Jahrtausende alten Pfad über die Himmel.

"Was ich bis jetzt weiss, ist, dass die Menschen genug wissen könnten, um ihr Unglück zumindest etwas zu lindern. Sie kennen sogar Saturns Geheimnis, dass Zeit etwas Relatives ist! Was zum Teufel hindert sie eigentlich daran, entsprechend zu handeln?", dachte die Mondin bei sich. Teufel? Sie verdrängte den Gedanken schnell wieder. Dem Teufel war sie in ihrem ganzen langen Leben noch nie begegnet. Sie schüttelte sich energisch. Sie war Luna, die Mondgöttin, und kein Mensch, der sich sogar vor seinen eigenen Vorstellungsbildern fürchtete!

(Mond Trigon Jupiter/Lilith)

13. Dezember: Drachenschwanz

Die Wanderung durch den Tierkreis führte die Mondin an einen Ort, den sie gut kannte. Hier geschah es manchmal, dass sich das Licht veränderte und die Schatten wuchsen. Manchmal sogar hatte sie an diesem Ort das Gefühl, als höre sie ihn atmen, den Drachen der Urzeit. Selbst sie wusste nicht mehr, ob sie ihn je gesehen hatte. Wenn ja, dann musste das sehr lange her sein… Sie dachte an ihre Begegnung mit der Sonne, und die Erinnerung machte sie froh. Zum Glück strahlte der Sonnengott so hell, und zum Glück war er so beständig. Alles war abhängig von seinem Licht. „Und von mir auch“, dachte die Mondin, „ohne mein stetes Kommen und Gehen hätten die Menschen keine Ahnung von Zeit und Wandel.“ Sie nahm ihre Aufgabe sehr ernst. „Es ist meine Pflicht und meine Freude, den Menschen Nacht für Nacht die Tatsache der Wandlung aufzuzeigen“.

ΤΥΧΗ, das Zufällige
Die strenge Grenze doch umgeht gefällig
Ein Wandelndes, das mit und um uns wandelt;
Nicht einsam bleibst du, bildest dich gesellig,
Und handelst wohl so, wie ein andrer handelt:
Im Leben ists bald hin-, bald widerfällig,
Es ist ein Tand und wird so durchgetandelt.
Schon hat sich still der Jahre Kreis geründet,
Die Lampe harrt der Flamme, die entzündet.
Goethe, Urworte

(Mond Opposition Mondknoten)

14. Dezember: Saturn

Luna eilte durch den Tierkreis. Sie wusste, dass sie schon fast alle ihrer Gefährten und Gefährtinnen besucht hatte. Nur noch Mars, der Kriegsgott und Jupiter, der grosse Göttervater warteten auf sie. Sie war gespannt auf die Begegnung mit Jupiter, dem grossen Zeus, der sich vor ein paar Monaten in ihrem Palast eingefunden hatte mit der Bitte, für einige Zeit bei ihr wohnen zu dürfen. Sie hatte ihm das beste Zimmer gegeben und freute sich über lange Gespräche am Kaminfeuer. Doch bisher hatten sie noch wenig Gelegenheit gefunden für einen Austausch. Sie hatte ihn zum Abendessen eingeladen, doch Zeus hatte sich entschuldigt, er müsse sich zuerst um ein paar dringende Angelegenheiten kümmern. Und sie, die Mondin, war natürlich immer unterwegs. Aber sie war fest entschlossen, dass es das nächste Mal, wenn sie zuhause war, klappen würde. Sie musste mit ihm sprechen!

Sie fühlte sich einsam. "Ich trage zuviel Pflichten", dachte sie bei sich. Sie musste an den gestrengen Saturn denken, den sie ganz zu Beginn ihrer Reise besucht hatte. "Wohl dem Menschen, der den Mut hat, sich der Zeitlichkeit hinzugeben". Das waren seine Worte gewesen. Sein harter Blick aber hatte noch einen weiteren, unausgesprochenen Satz angedeutet: "Und wehe dem Menschen, der sich weigert!". Luna sah die Not der Menschen sehr wohl. Was konnten sie denn tun, um mehr Vertrauen zu finden in ihr eigenes Sein? Sie wurden nackt und bloss geboren, hilflos und schutzbedürftig in eine Welt geworfen, in der sie zuerst einmal vollständig abhängig waren von der Fürsorge der Mutter. Lunas Herz wurde weit vor Mitgefühl für die Frauen dieser Welt. "Welche Verantwortung sie tragen müssen! Sie sind es, die im Menschen die Grundlage für das Vertrauen schaffen. Und woher sollen sie es nehmen, das Vertrauen, wenn sie es selbst nicht gekannt haben?" Sie wusste, dass sie selbst bald den Menschen in voller Grösse am Himmel erscheinen würde, wie jeden Monat. Dieses Mal aber würde sie versuchen, den Menschen besonders hell und schön zu scheinen und ihnen als weibliches Vorbild zur Seite zu stehen: "Seht her, ich bin da, wie ich schon immer da war! Alles ist an seinem Platz, selbst in der dunklen Nacht. Seht selbst!"

Beflügelt von ihrem Vorsatz eilte sie weiter. Jupiter konnte warten. Zuerst war sie selbst an der Reihe, die Menschen an das Licht zu erinnern.

(Mond Opposition Saturn)

15. Dezember: Venus

Luna wurde bewusst, dass sie eine Mission hatte, wenn sie das nächste Mal in vollem Licht am Himmel stehen würde. Sie musste den Menschen ein Zeichen geben! Schlagartig wurde ihr bewusst, dass sie unruhig war. Sie hasste dieses Gefühl, es passte einfach nicht zur Rolle der würdigen und weisen Frau! Wie konnte sie es schaffen, dass mindestens ein paar Menschen an den Himmel schauten, und sich öffneten für ihr Licht? Es gab nur eine, die ihr einen guten Rat geben konnte, und diese hatte sie vor ein paar Tagen bereits getroffen: Was würde wohl Venus raten?

Sie hörte sie lachen, mit ihrer lieblichen, klaren und ungemein attraktiven Stimme: “Luna, ich soll dir raten? Ausgerechnet dir, die du doch die wahren Bedürfnisse der Menschen am besten kennst von allen Göttern? Die du sogar in die Träume der Menschen vordringen kannst? Erzähl ihnen doch eine Geschichte, das kannst du doch so gut. Lass dich nicht beirren von der Unruhe der Götter, sie müssen mal wieder ihre Egos polieren. Saturn nimmt das Leben grad sehr schwer, wieder einmal. Merkur übt sich im Glücksspiel, Sonnengott Apollon findet sich noch immer grossartig, und Pluto hat sich in der tiefsten Kammer der Unterwelt eingeschlossen und denkt sich neue Qualen für die Sünder der Welt aus. Seltsames Hobby! Neptun und Uranus habe ich schon lange nicht mehr angetroffen, doch was sollen die schon Anständiges zustande bringen, die beiden Träumer! Zeus sollte endlich wieder einmal alle in seinen Tempel einladen, beim Jupiter! Der grosse Zeus…“, Venus zögerte etwas, bevor Luna sie weitersprechen hörte, „Da ist mir Mars mit seiner direkten Art doch noch lieber. Zeus ist zur Zeit… , ach, du wirst es schon selbst sehen. Aber eines ist klar: Die Jungs sprechen nicht mehr miteinander! Wie soll es den Menschen gut gehen, wenn nicht einmal die Götter miteinander sprechen!

Sprich mit den Menschen, erzähl ihnen eine Geschichte über das Zuhören in unruhigen Zeiten. Und über das Geschenk des Sprache. Zeig ihnen die Schönheit des Wortes. Wie oft hast du mir schon erzählt, „Es war einmal….“.

(Mond Trigon Venus)

16. Dezember: Mars

Luna dachte über Venus Worte nach. „Es war einmal…“ Ja, es war einmal. Die Menschen liebten die Märchen. Sie liebten sie so, dass sie ununterbrochen neue Geschichten erfanden. Sie konnten sie kunstvoll erzählen, mit Blitz und Donner. Was konnte sie, eine einfache Mondin, da bieten? Sie, die ja immer die gleiche Geschichte erzählte. „Es war einmal, es ist, und es wird sein.“ Wird das genügen? Es ist so einfach, dachte die Mondin verzweifelt, zu einfach! „Lehre sie beten, die Menschen“, hörte sie eine Stimme, die von überall her zu kommen schien, „erzähle ihnen vom Licht des Jenseits!“. Die Mondin fühlte sich auf einmal sehr schwach. Sollte einzig noch die Welt der Träume einen Ausweg bieten? Sie erinnerte sich an ein früheres Göttertreffen. Neptun und Mars, beide hatten schon etwas zuviel getrunken, redeten sich so in Rage, dass die Fetzen flogen! Sie wusste nicht mehr genau, was Neptun gesagt hatte, doch Mars fegte im Aufstehen mit einer wütenden Bewegung die Gläser mit dem edlen Wein vom Tisch, während er Neptun anschrie: „ Und dann, du elender Verführer, was dann? Wenn es nichts mehr zu tun gäbe für die Menschen? Träume, Träume! Du weisst nicht, was du redest! Nimm den Menschen ihre Arbeit weg, und du wirst sehen, auf welch dumme Gedanken sie dann kommen. Da sind ja die Menschen noch gescheiter als du, du alter Säufer! Vor der Erleuchtung Holz hacken, nach der Erleuchtung Holz hacken! Das wissen sogar die Menschenlehrer. Aber du!“ Mit einem Ausdruck voller Verachtung stürmte er davon.

Mars, dachte die Mondin, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Auch ihn werde ich fragen müssen. Er weiss, wie man Nägel mit Köpfen macht. Wie man sich konzentriert. „Die Art und Weise, wie du den ersten Schritt tust, wird deinen ganzen Kampf bestimmen“, sagte er einst. Wie recht er hatte. Sie erkannte, wie sie ihn manchmal unterschätzte. Ohne Mars würden die anderen ja dauernd nur reden. Nichts würde je verwirklicht werden. „Mars“, dachte sie, „ich brauche dich. Die Menschen brauchen dich!“ „Mondin“, hörte sie ihn sagen, „ich werde da sein. Ich liebe das Leben!“.

(Quadrat Neptun und Chiron, Trigon Mars)

17. Dezember: Vollmond

Nun war sie ganz der Erde zugewandt. Sie genoss die Strahlen der Sonne und versuchte, so viel Licht wie nur möglich weiterzugeben. Heute wollte sie nichts für sich, sie wollte alles den Menschen und allen Lebewesen auf diesem wunderbaren, lebendigen Planeten schenken.

„Es war einmal“, sang sie, „es war einmal ein Meer von Feuer und Eis. Zwischen Licht und Dunkelheit wurden wir, die Körper des Himmels, geboren. Wir waren, und nichts anderes war da. Niemand hörte unseren Gesang. Ich, Luna, war die Begleiterin der Erde, seit Urzeiten. Ich sah Wasser, Wolken, Ödnis und wandernde Stürme. Doch dann, auf einmal, sah ich die Erde atmen, und ich konnte das Wunder des Lebens entstehen sehen. Der ganze Planet wurde lebendig. Ein Wunder war geschehen in der Kälte und Leere des Alls! Ich erzählte es meinen Begleitern, doch sie schliefen. Bis auf einmal eine Erschütterung durch das ganze Universum ging: Ich sah Augen, die mich anschauten und erkannten! Mich, Luna! Es wurden mehr und mehr Augen, und bald schien es, als wäre der ganze Planet ein einziges Auge, das in die Unendlichkeit blickte. Die Wesen, die von nun an die Erde bevölkerten, nannten sich Menschen, und es war sichtbar, dass sie das Licht der Erkenntnis in sich trugen. Das Erkennen kam auf die Erde. Und alle Götter wussten, was das bedeutete!

Seither ist das Licht nie mehr verschwunden. Ihr haltet das Licht, seit hunderttausenden von Jahren, und ich freue mich darüber! Ich freue mich, dass ihr mich seht, dass ihr die Tage zählt, bis ich voll und hell bin, und dass ihr mich vermisst, wenn ich nicht zu sehen bin. Ich freue mich, dass ihr schaut. Schaut und seht, hört und lauscht, ihr Menschen mit dem Licht, ohne euch wäre nichts. Ihr seid die Zeugen der Schöpfung! Ihr seid Zeugen des Lichts! Ihr seid das Bewusstsein der Erde.“

So sang die Mondin die ganze Nacht durch und erzählte den Menschen deren eigene Geschichte. Sie sah Augen, die sie anschauten und hörte das Gemurmel der Menschen. Da und dort erhaschte sie einige Wortfetzen, und zu ihrer grossen Erleichterung hörte sie auch den Widerhall ihrer eigenen Worte in den Gedanken und Träumen der Menschen.

(Mond Opposition Sonne, Vollmond in Zwillinge)

18. Dezember: Der Palast der Mondin

Es war, als wäre ein Damm gebrochen. Luna fühlte sich so gut wie schon lange nicht mehr. Sie hatte getan, was sie konnte und sie wusste, dass Menschen sie gehört hatten, zumindest einige. Solange es Menschen gab, die den Worten des Himmels zuhören konnten, war nichts verloren.

Vor sich sah sie die Umrisse ihres Palastes. Wie liebte sie das silberne Glänzen seiner Mauern, mit dem grossen, einladenden Torbogen und den elegant geschwungenen Fensteröffnungen in den kreisförmig angeordneten Bauten. Alles war geschmückt mit farbigen Fähnchen und kunstvoll angebrachten Spiegeln, die das Licht in allen Regenbogenfarben brachen. Sie beeilte sich, fast schon rannte sie. Ein heisses Bad, eine intensive Massage und eine grosse Kanne Tee, das war das, was sie sich jetzt wünschte. Und dann ein Gespräch mit Jupiter, dem grossen Zeus. Er hatte sicher auch schon bemerkt, dass die Dinge auf der Erde nicht so gut liefen, und das Nötige veranlasst. Eine Versammlung der Götter zum Beispiel.

Sie trat durch das Tor in den Vorhof ihres Palastes. Es roch nach Sandelholz, Kräutern und Rosenöl. Leise klangen die Windspiele, die in den Torgängen hingen, und an den Mauern und auf dem dunkel-silbernen Boden wanderten Lichtreflexe der Spiegelmobile und Traumfänger. Sie war zu Hause.

(Mond Quadrat Mars, Trigon Neptun, Trigon Mondknoten)

19. Dezember: Jupiter und Lilith

Es war dann doch nichts geworden mit dem heissen Bad. Schon von weit her hörte sie seltsame Geräusche aus ihrem Badepalast, das Gekicher einer Frau, das Klirren von Gläsern und ein eigenartiges Quietschen. Eine ihr gut bekannte sonore Stimme rief: "Schätzchen, komm doch wieder ins Bett!"

Zornesröte schoss Luna ins Gesicht. Beim Jupiter! Mit wem war Zeus in ihrem Badepalast? Selbst der grosse Jupiter durfte nicht einfach so in ihren heiligen Wassern baden! Sie schritt entschlossen durch das Tor und in das Innere ihres Heiligtums. Sprachlos sah sie den beinahe nackten Jupiter auf dem Diwan liegen, in der einen Hand ein Glas Rotwein. Die andere lag auf dem Bauch einer ebenso leicht bekleideten Schönheit, deren langes, gewundenes Haar wie ein Wasserfall über den Rand des Sofas fiel. Sie kannte diese Person! Wo sie auftauchte, wurden die Männer schwach und die Probleme wucherten. Lilith, die Verbannte, die Widerspenstige, die Mutter der Dämonen, in ihrem Palast, zusammen mit Zeus, der seine Hormone wieder einmal nicht unter Kontrolle hatte! Schweigend näherte sie sich den beiden. Als diese sie endlich sahen, erbleichte Zeus, und Lilith gab ein ordinäres Kichern von sich, welches sich in einen nervösen Hustenanfall verwandelte.

"Luna", stammelte der grosse Zeus, "du bist schon zurück? Ich, äh, hatte dich noch nicht erwartet. Welchen Tag haben wir denn heute?" Er versuchte sich aufzurichten und verschüttete dabei den ganzen Wein auf Lilith, die noch immer auf seinem Schosse lag. Ihr leichtes Kleid färbte sich blutrot. "Du Idiot", herrschte sie ihn an, "du hast mein bestes Seidenkleid versaut!"

"Luna, ich weiss nicht, was in mich gefahren ist!" stotterte der grosse Zeus, weiss wie Schnee. Er erhob sich ohne Rücksicht auf Lilith, die unsanft auf dem steinernen Boden landete. "Es tut mir so leid!", sagte er mit zitternder Stimme und eilte aus dem Badepalast, das leere Weinglas noch immer in den Händen.

Lilith stand der Mondin gegenüber und grinste. "Das hättest du nicht erwartet von Zeus." sagte sie, mit einer Stimme, die nichts mehr mit ihrem schönen Aussehen gemein hatte. "Wir hatten grossen Spass zusammen. Bis du aufgetaucht bist. Ich hoffe, du nimmst uns unser Schäferstündchen in deinem Palast nicht übel. Deine Putzfrauen werden das im Handumdrehen wieder in Ordnung gebracht haben." Sie kicherte erneut. Luna stand schweigend da und schaute diese seltsame Gestalt an. Lilith war ein Gespenst, das wusste sie genau, jedoch ein sehr reales. Lilith war dort zuhause, wo nichts war, und sie selbst war nichts. "Verlasse meinen Palast auf der Stelle!", herrschte sie die Schattengestalt an, von deren vorheriger Schönheit bereits nichts mehr zu ahnen war. Luna drehte sich um und ging davon, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen.

(Mond Konjunktion Jupiter/Lilith)

20. Dezember: Luna und Jupiter

Die Mondin fühlte sich müde. Es war eine lange Nacht gewesen. Nach dem Vorfall im Badetempel war sie in ihre privaten Gemächer geeilt. Anstelle eines Bades hatte sie eine Dusche genommen, sich umgekleidet und anschliessend in ihren roten Sessel am Fenster gesetzt. Sie kannte Lilith und wusste, dass es nutzlos war, mit ihr zu streiten. Dieses Weib war ganz und gar dem Nein verpflichtet, und selbst das verneinte sie. Nich einmal ein göttlicher Engel konnten da etwas ausrichten. Sie war das pure Gegenteil der lebendigen Erde, und wo sie sich aufhielt, wuchs selten etwas, im Gegenteil. Doch dass Jupiter sich mit ihr eingelassen hatte, erschütterte sie doch. Und dazu in ihrem Palast! Dabei hatte sie solche Hoffnungen auf den grossen Zeus gesetzt.

Dann hatte es an der Tür geklopft. Auf ihr müdes „Herein!“ kam er in ihr Zimmer, der grosse Zeus. Er sah mitgenommen aus und war noch immer bleich. Er hatte sich ihr gegenüber auf den Boden gesetzt, den Rücken an die Wand gelehnt. Lange schauten sie sich an.

„Luna, ich weiss, dass ich kaum wieder gut machen kann, was geschehen ist,“ hatte er kleinlaut gesagt, „und ich werde für eine lange Zeit in deiner Schuld stehen.“ „Nicht nur in meiner, grosser Zeus,“ hatte sie erwidert, „sondern auch in der deiner Mitgötter, und vielleicht sogar in der der Menschen.“

„Der Menschen? Was haben die denn damit zu tun?“, hatte er erstaunt gefragt.

Luna Stimme war streng: „Hast du vergessen, das Lilith erst durch den Menschen geworden ist, was sie ist? Sie ging lieber in die Wüste, anstatt sich dem Menschengeist zu unterwerfen. Seither streift sie durch die unendlichen Zeiten und sät Zweifel, wo sie kann. Und du? Anstatt den Menschen zu helfen, eine neue Vision zu finden, gehst du mit ihr ins Bett! Venus hat es übrigens bereits gewusst. Du bist bei ihr ganz schön unten durch!“

Jupiter errötete und schloss peinlich berührt seine Augen. Er schwieg lange, und Luna sah, dass er in Gedanken durch die Zeiten flog. Endlich öffnete er seine Augen und sagte: „Ich habe dich gehört, Mondin. Doch sag mir einen Grund, weshalb ich den Menschen helfen soll.“

„Weil, grosser Zeus, wenn die Menschen aufhören, sich an dich zu erinnern, so wirst du – werden wir, die ganze Götterfamilie – für immer in den Hades wandern. Ich weiss, das hörst du nicht gerne. Doch wer bist du, wenn dich niemand kennt? Also erhöre endlich das Flehen der wenigen, die sich noch an dich erinnern und antworte ihnen!“

(Mond in Krebs, Opposition Venus)

21. Dezember: Luna und Jupiter

Nun war sie also wieder unterwegs. Sie wollte noch Mars, den schönen Gott des Kampfes treffen. Konnte es sein, dass es den Menschen ganz einfach an Entschlossenheit fehlte? Sie hatte in der Nacht im Tempel noch lange mit Jupiter gesprochen. Dieser hatte sie müde und ratlos angeschaut, nachdem sie ihm die selbe Frage gestellt hatte, wie allen Planetengötter vorher auch: „Was können wir tun, damit die Menschen wieder glücklich werden?“

„Luna,“ erwiderte der grosse Zeus, „ich weiss es nicht. Die Menschen haben alles was sie brauchen, und noch viel mehr als das. Die Erde ist fruchtbar, und könnte es noch über für eine lange, lange Zeit bleiben. Es hätte genug zu essen für alle, es hätte genug zu trinken für alle, es hätte genug Geschichten für alle und es wäre auch genug Liebe da für alle. Doch aus irgendeinem Grund haben sie vergessen, dass sie zusammen gehören. Sie wollen es nicht. Die Reichen fürchten sich vor den Armen, die Weissen vor den Farbigen, die Gesunden vor den Kranken und die Alten vor den Jungen. Sie haben nicht verstanden, was ihnen damals ihr grosser Lehrer und Lichtbringer eröffnet hat: Dass sie alle Teil haben an einem Geiste.“ Jupiter sah die Mondin schweigend an und fuhr fort: „Ich habe ihnen in den letzten Jahrhunderten mehr gegeben, als sie sich je erträumen konnten. Unermesslicher Reichtum ist auf dieser Erde zu finden, und viel davon haben sie bereits gefunden.“

Er schwieg lange und sagte dann: „Die Menschen müssen wollen, nicht wir Götter! In der dunkelsten Stunde vor dem Sonnenaufgang ist das Verlangen nach Licht am grössten.“

(Mond in Löwe)

22. Dezember: Saturn

Der grosse Zeus hatte sein Knie gebeugt vor ihr, Luna! Sie schmunzelte bei der Erinnerung. Das war noch nie vorgekommen, und sie machte sich auch keine Illusionen, dass die Ehrerbietung lange anhalten würde. Sie kannte Zeus zu gut! Aber dennoch fühlte sie sich geehrt, und vergnügt und etwas ungeduldig eilte sie am Himmel weiter. Sollte es ihr gelingen, Mars einzuholen? Sie wollte von ihm mehr über Entschlossenheit erfahren. Denn es musste doch eine Möglichkeit geben, dass die Menschen wieder Mut fassen und ihr Schicksal selbst gestalten konnten. Entschlossenheit und Vertrauen, das war das, was die Menschen brauchten. Vertrauen, da kannte sie sich aus: Die Gewissheit, dass man nicht verloren geht.

„Saturn“, sprach sie in Gedanken, „du bist derjenige, der die Grenzen hält. Hältst du?“

„Luna“, hörte sie ihn antworten, wie gewohnt mit einer Stimme, die sie frösteln liess, „ich bin die Grenze. Nichts wird, nichts kann verloren gehen. Ich bin die Grenze hier wie dort, und solange diese Schöpfung besteht, werde ich die Grenze sein, verbannt, gehasst und missverstanden von den einen, geliebt aber von denen, die verstehen. Ich bin das unvorstellbar Dichte, und selbst die Ränder des Universums werden von mir gehalten. Nichts entkommt der Zeit, solange es der Zeit entkommen will.“

„Dann können die Menschen in dich vertrauen“, antwortete die Mondin.

„So ist es. Nichts und Niemand wird verloren gehen, weder heute noch morgen. Ich bin das Gefäss der Schöpfung!“ Seine Stimme wurde für einen Moment zu einem Donnern, dessen Widerhall noch auf der Erde zu hören war.

„Und noch etwas, Mondin“, hörte sie die ferne, nun flüsternde Stimme Saturns sagen, „sei nicht ungeduldig. Du kannst nicht am Gras ziehen, damit es schneller wächst.“

(Mond Quadrat Saturn)

23. Dezember: Luna und Neptun

Sie sah auf die Erde nieder und sah die hell erleuchteten Städte. Die Mondin mochte dieses Licht nicht besonders. Noch vor nicht allzuferner Zeit war die Erde nachts dunkel, die Menschen schliefen, und sie konnte ihnen beim Träumen zuhören. Heute jedoch war beinahe der ganze Planet hell erleuchtet, und selbst mitten in der Nacht fühlte sie der Menschen hektisches Getriebe.

Morgen begann das Weihnachtsfest. Obwohl Luna seit Äonen den Menschen zuhörte, wusste sie noch immer nicht so genau, was oder wer hier eigentlich gefeiert wurde. Die Geburt eines grossen Lehrers und Lichtbringers, hörte sie oft, doch sie konnte sich nicht vorstellen, dass damit das Licht gemeint war, welches die Städte der Erde nachts erleuchtete.

Neptun schlich sich wie eine sanfte Welle in ihr Bewusstsein. "Es gab schon immer zweierlei Licht, das äussere und das innere. Was ist das Wesen der Sonne? Was ist dein Wesen, Luna? Bist du eine Ansammlung von Steinen im All oder bist du eine Göttin?"

"Ich bin wohl eine Göttin, wie du weisst", erwiderte Luna. "Doch was mein Wesen ist, kann ich nicht sagen. Ich bin, und ich kann mich nicht erinnern, je nicht gewesen zu sein."

"Die Menschen sind genau so. Sie können ihr Wesen nicht fassen, und auch sie sind - in ihrem Empfinden - schon immer da gewesen. Sie leben mit dem, was ist und gestalten ihre Welt entsprechend dem, was in ihnen in die Erscheinung treten will. Und zur Zeit will ALLES in Erscheinung treten, selbst das innere Licht. Kein Wunder, erleuchten sie ihren Planeten. Es ist ihre Art, das Innere zuerst im Äusseren zu gestalten. Nur so lernen sie zu verstehen."

"Und was geschieht, wenn alles Innere im Aussen ist?", fragte Luna.

"Zuerst werden sie sich leer fühlen, unglücklich und alleine. So wie jetzt. Diejenigen, die am meisten leiden, werden sich zuerst wieder nach innen wenden, auf der Suche nach dem, was ihnen fehlt. Und da sie nach ihm rufen, wird ein neues, inneres Licht zu ihnen kommen, und eine Zeit der Erneuerung wird beginnen. So war es schon immer bei den Menschen. Sie sind die Schöpfer ihrer Realität, und die Energie des Lebens folgt ihrer Aufmerksamkeit. Gerade jetzt beginnen sie ja auf der ganzen Erde die Feier zu Ehren eines ihren grossen Lichtbringers, der ihnen genau das zu lehren versuchte."

Luna schwieg lange. "Sind wir dann überhaupt noch wichtig? Wenn das wahre Licht der Menschen in ihrem Inneren entstammt, was sollen wir Planetengötter dann noch?"

"Sei, und du wirst geehrt werden. Je mehr sie dich ehren, um so mehr werden sie sich selbst ehren.", erwiderte Neptun.

(Mond Opposition Neptun)

24. Dezember: Luna, Chiron und die Menschen

Luna erkannte, dass sie Mars nicht mehr einholen konnte bis zum Weihnachtsabend. Sie hätte ihn gerne noch gefragt, ob er etwas dazu beitragen konnte, um den Menschen wieder zu mehr Entschlossenheit zu verhelfen. Doch nach dem gestrigen Gespräch mit Neptun war ihr die Machtlosigkeit der Götter und Göttinen klar geworden.

"Da ist man nun eine Göttin", dachte sie bei sich, "und ist den Menschen doch vollständig ausgeliefert. Wir ziehen unsere Bahnen an den Himmeln und geben Halt und Orientierung in der unendlichen Leere der Schöpfung. Doch die Geschichte des Lebens wird von den Menschen selbst geschrieben. Sie sind das Licht der Erde."

Von weit her hörte sie einen ihr wohlbekannten Gesang. Sie schloss die Augen und versuchte, die fernen Worte zu verstehen, die Chiron in die Weite des Alls schickte. Bilder fluteten vor ihrem inneren Auge, Bilder von Dunkelheit und All-Einsein, von Licht und von Leben, das undendlichfältig aus einer geheimnisvollen Quelle quoll, gespiesen von der innigen Begegnung zweier Liebenden. Sie sah, wie sich das Licht im Innern des Menschen gebar, wie eine zauberhafte Blume, die sich zu ersten Mal öffnete. Sie sah auch den wütenden Widerstand der Dunkelheit, und wieviel Schmerz diejenigen zu ertragen hatten, die das Licht in sich hielten. "Wehrlos wie Kinder sind die Lichtträger dieser Erde", dachte Luna, und ihr Herz quoll über vor Mitgefühl. Vergessen war ihr Streben nach Hilfe, denn sie sah, dass es nichts zu tun gab für sie und die ihresgleichen, ausser da zu sein.

Auf dem einzigen fruchtbaren Planeten in dieser Ecke des Weltenalls sassen in dieser Nacht die Menschen zusammen, assen, sangen und lachten. Manche beteten, und es war zu fühlen, dass die Himmel für einen Moment etwas näher waren als sonst. An manchen Orten sassen Menschen in der Stille, versunken in der Empfindung des inneren Lichtes.

In einem kleinen Dorf in den Alpen lief ein kleines Mädchen an der Hand ihres Vaters durch die Nacht, zur Mitternachtsmesse in der kleinen Kirche. "Papa", sagte es, "schau mal, wie ist der Mond heute schön!"

(Mond Opposition Chiron)

 

 

 

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Aktuelle Planetenstände
26-Dez-2014, 17:21 Weltzeit
Sonne4Steinbock51'11"23s21
Mond7Fische57'50"5s43
Merkur15Steinbock13'45"24s43
Venus20Steinbock6'27"23s09
Mars16Wassermann55'15"16s53
Jupiter22Löwe6'20"r14n56
Saturn0Schütze19'20"18s20
Uranus12Widder34'46"4n21
Neptun5Fische15'39"10s16
Pluto12Steinbock58'53"20s38
Mondkn.w15Waage34'16"r6s08
Chiron13Fische36' 9"2s09
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