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Juri Viktor Stork: Sternenkinder
Piraten (14.04.04)
Müll (03.05.04)
Räder (02.06.04)
Hybris (03.08.04)
 
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Juri Viktor StorkJuri Viktor Stork

Juri Viktor Stork ist fester Mitarbeiter von Astrodienst, beratender Astrologe und Vater zweier Kinder. Hier berichtet er über Erd- und Sternenkinder und das alltägliche (?) Abenteuer, Vater zu sein.

Zu den "Sternenkindern"

 
nach obenPiraten (14.04.04)

Die Sternenkinder: Piraten

Astrologische Geschichten von Juri Viktor Stork

"Dreizehn Piraten auf dem grossen Boot..." Schauerlicher Gesang bricht sich im Hausgang, Türen knallen und gleich darauf tanzen im oberen Stockwerk mindestens drei Dinosaurier Rock'n Roll - die Kinder sind heimgekommen. Unser altes Haus mit seinen Holzböden hat schon vielem standgehalten. Doch nun schwingt bereits die Deckenlampe sanft hin und her - es ist an der Zeit, einen Stock höher zu gehen und ein väterliches "Machtwort" zu sprechen!

Vier Piraten...Meine Tochter Rafaela sitzt im Kinderzimmer der Nachbarskinder auf dem Bett, ein Schwert in der Hand, einen Helm auf dem Kopf und schreit mit ihrer wirklich beachtlichen Stimme "... Hohoho, und ein Fass voller Rum!" Drei Buben funkeln mich mit wilden Augen an und erklären mich kurzerhand zu ihrem Gefangenen. Ich versuche, einen Schritt ins Zimmer zu gehen, ohne auf etwas spitziges, klebriges oder zerbrechliches zu treten und lade die Bande zu einem Vesper ein. "Was gibts?" fragt meine etwas verschleckte Piratentochter. "Fasnachts-Küchlein", antworte ich ihr, und das Geschrei der vier verstummt augenblicklich, um ein vielstimmiges "Mmmmh, fein" ertönen zu lassen.

Zurück, in unserer Wohnung sitzen alle ordentlich am Tisch, lassen sich das süsse Gebäck schmecken, als es leise an die Türe klopft. Moses, der kleinste der "Crew", möchte auch mit den anderen Kindern spielen und bekommt auch sein Fasnachtsküchlein. Fünf Kinder im Puderzucker...

Meine Frau Annina und ich wohnen seit ein paar Jahren mit unserem Sohn Leo, 8 Jahre und unserer Tochter Rafaela, 7 Jahre in diesem mehr als 200-jährigen Haus. Im Erdgeschoss leben Rolf und Vivian mit ihrem 4-jährigen Moses, der zweite Stock gehört Barbara und ihren beiden Buben Wilhelm, 8, und Michael, 5 Jahre. Drei Familien: Fünf Erwachsene, fünf Kinder, drei Katzen - wahrlich dreizehn Piraten...! Das Haus verlangt seinen Bewohnern einiges ab an Offenheit und Abgrenzungsvermögen: Wir hören uns zu beim Zähneputzen, ertragen die ächzende Decke bei Dinosaurier-Tänzen und beglücken uns stockwerkübergreifend mit der neusten musikalischen Entdeckung. Zufrieden stellen wir Eltern fest, dass auch bei anderen Paaren mal die Fetzen fliegen, nicht nur die eigenen Kinder sich in emotionaler Erpressung üben und sogar unsere pädagogisch geschulte Mitbewohnerin zuweilen ganz unpädagogisch rumbrüllen kann.

Für die Kinder aber ist dieses Haus wirklich wie ein grosses Schiff, das sich mal in ruhigen Gewässern, mal auf hoher See befindet, manchmal stürmischen Winden ausgesetzt ist und ab und zu abhebt zu einem Flug in andere Dimensionen. Sie versuchen sich als Piraten, Hexen, Kanalreiniger und Zuckerbäcker. Nichts ist fest, alles ist im Fluss, auch ihre Beziehungen zueinander.

Als Astrologe und "wunderfitziger" Mensch blicke ich gerne hinter den Schleier der Erscheinungen - mit dem nötigen Respekt. Ein Horoskop für einen erwachsenen Menschen richtet sich direkt an eine selbstbewusste Persönlichkeit, die etwas über sich selbst erfahren möchte. Ich habe deshalb keine Scheu, meine Klienten auch mit schwierigen Aspekten ihrer Persönlichkeit zu konfrontieren - nur so ist Wachstum möglich. Ein Kinderhoroskop jedoch spricht ÜBER das Kind, zu den Eltern oder Erziehern. Hier ist Fingerspitzengefühl angesagt, und nicht nur bei den schwierigeren Persönlichkeitsanteilen. "Ihr Kind wird einmal etwas ganz besonderes...“. Was würden Sie mit einem solchen Satz machen, wie bekommen Sie ihn wieder aus ihrem Kopf?

Seien wir ehrlich - wir Eltern haben sowohl Erwartungen wie Befürchtungen unseren Kindern gegenüber, und meistens haben diese mehr mit unseren eigenen Erfahrungen zu tun als mit dem Kind und seiner Welt... Ein gutes Kinderhoroskop richtet sich an Sie als Mutter oder Vater in der Absicht, das ganze Potential der kindlichen Persönlichkeit aufzuzeigen. So können die eigenen Projektionen zurückgenommen werden. Ein Kind ist kein unfertiger Erwachsener, es ist immer vollständig, es ist alles schon da. Erinnern Sie sich?

Was erzähle ich also über meine Tochter Rafaela, sieben Jahre alt, mit der Sonne im Zeichen der Fische? Die Fische sind still und sanft, meinen sie? Ja, und Piraten stricken Socken...! Rafaela, mit einem Skorpion-Aszendenten, ist Fisch mit Leidenschaft. Sie isst gerne Fisch, sie liebt die Fische, vor allem Delphine, sie schwimmt wie ein Fisch, und ihr Lieblingsspiel ist es, als Piratin über die Wellen zu gleiten, ab und zu von der Reling ins tiefe Wasser zu tauchen, eine wertvolle Perle, ein grausiges Tiefseemonster oder einen verwunschenen Goldschatz zu bergen, es mit ihren Kumpanen zu teilen, um wieder von neuem Kurs zu einem neuen Meer zu nehmen. Das neue Meer tut sich auf im Wasserglas beim Abendessen, und der Käse geht baden... Leidenschaftlich wird nach dem Abendessen mit dem älteren Bruder um den besten Platz auf Mutter’s Schoss gestritten, leidenschaftlich geht’s nachher auch ins Bett und ins tiefe Meer des Schlafes.

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© Juri Viktor Stork / Astrodienst AG 2004
* Die Namen aller Beteiligten sind aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
 
nach obenMüll (03.05.04)

Die Sternenkinder: Müll

Astrologische Geschichten von Juri Viktor Stork

Zu unserem alten Haus gehört ein grosser Garten. Ein Gemüsebeet in den Ausmassen eines Tennisplatzes, eine Spielwiese, eine grosse Feuerstelle, ein Nebengebäude für Holz, Werkzeug, Velos und Kinderspielzeug. Umgeben von Bäumen, Hecken und einer alten Mauer ist unser Garten ein halbes Biotop mit Salamandern, Igeln, Vögeln und anderem Kleingetier. Es wäre idyllisch.

MüLL!Ich bin ein Schütze (Feuer) mit einem Zwillings-Aszendenten (Luft), und habe einzig noch Uranus und Pluto im Erdzeichen Jungfrau. Einen Garten finde ich was wunderbares, diese schönen Blumen, das frische Gemüse, die saftigen Früchte. Und alles wächst ganz von alleine, einfach so. Die Natur hat das wirklich wunderbar eingerichtet. Sie gibt uns Platz um zu meditieren, in der Sonne zu liegen und bringt uns auf wundervolle Gedanken. Vielleicht verspüre ich sogar Lust, den Rasen zu mähen. Wenn ich so auf der Gartenbank sitze, erlebe ich unseren Garten manchmal wie verzaubert.

Wenn nicht - Sie wissen schon: Wenn nicht das abgefressene Apfelgehäuse in der Hängematte liegen würde, nicht alle Wäscheklammern im Garten verstreut, der Wäscheklammersack nicht unerklärlicherweise mit Asche aus der Feuerstelle gefüllt, nicht die Rollschuhe so liegen würden, dass sich morgen jemand ein Bein bricht. Auch die Grabung im Gemüsegarten ("... wir haben nur einen Schatz gesucht...") hat uns nicht wirklich gefreut, und wieso ist eigentlich das ganze Haus ringsum mit farbiger Kreide angemalt? Wer hat das alte Brot in der Werkstatt ausgeleert? Wer hat den Sand aus dem Sandkasten auf den Weg gebuddelt? Wer hat den Zaun des Komposthaufens durchgesägt? Wer hat mit der Gartenschere den Drahtzaun der Himbeeren zerschnitten?

Wieso kann denn eigentlich unser Garten nicht einfach idyllisch sein? Wir Eltern müssen mal zusammensitzen und schauen, ob wir unseren Kindern nicht etwas mehr Respekt vor der Natur vermitteln können. Natur ist doch wirklich aufregend. apfelMeine Frau jätet, pflanzt an, erzählt mir über Fruchtfolge, biologische Dünger und andere esoterischen Techniken des Gartenbaus. Als Widder mit einem Jungfrau-Aszendenten hat sie die Gabe, mit Pioniergeist ein verwildertes Beet zu pflegen, regelmässig zu jäten, gezielt anzupflanzen und wirklich auch etwas zu ernten. Faszinierend! Auch Vivian und Rolf sind oft im Garten anzutreffen. Dort machen sie interessante Versuche mit natürlichen Ausleseprozessen: Kann sich Blumenkohl durchsetzen, auch wenn ein halbes Jahr lang kein Unkraut gezupft wird? Selbst Hannes vom Hausteil nebenan hat sich als Gärtner versucht. Er hat Mais, Lauch, Salat und Kresse angepflanzt und ist dann für drei Monate in den Urlaub gefahren. Annina hat dadurch die Chance, ihren Pioniergeist jeden Frühling wieder zu reaktivieren und ihr überwuchertes Beet vom Unkraut zu befreien. So kann sich bei uns jede und jeder selbst verwirklichen.

Auch die Kinder. Unser Sohn Leo zum Beispiel ist im Zeichen der Jungfrau geboren, ein Erdzeichen mit einem natürlichen Zugang zu allem was wächst und Früchte trägt. Die Jungfrau wählt aus: Dieses ist brauchbar, dieses nicht. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. So sorgen sich Jungfraugeborene wirklich um ihre Umwelt. Leo, mit einem Skorpion-Aszendenten, ist dazu der geborene Existenzialist: Alles oder nichts! Er nimmt alles in die Hände und schaut, ob er es gebrauchen kann. Wenn ja, nimmt er’s mit und deponiert es unterwegs irgendwo, falls nicht, schmeisst er’s weg. Er kann nie verloren gehen, wir müssen nur der Müll-Spur folgen.

Piraten!Wilhelm, der 9-jährige Sohn unserer Nachbarin Barbara ist unter einer Stiersonne geboren und ein wirklich praktisch denkendes Kind. Nur, mit Neptun am Deszendenten kann die Welt manchmal ganz schön unheimlich sein. Als Stier hat er eine äusserst irdische Gegenstrategie gefunden: Wenn man ganz laut schreit und lärmt und überall Sachen rumschmeisst, beeindruckt das vielleicht die Wesen der unsichtbaren Welt. So geht er heldenhaft in seiner Ritterrüstung in den Garten, ergattert sich einen langen Stock, mit dem schlägt er unreife Äpfel vom Baum und wettet mit Leo, dass er diese Früchte mindestens bis an die Hausmauer werfen kann.... Dieser nimmt auch ein paar, den Schönsten isst er, die anderen schmeisst er. Erdkinder!

Ich sitze auf der Gartenbank und die Äpfel fliegen mir um die Ohren. Ich sehne mich nach meiner Idylle. Ich bin doch ein Feuer-Lufttyp, wieso muss ich mich eigentlich mit diesen erdigen Geschichten auseinandersetzen? Lasst uns ein Feuer machen, dann können wir Würste braten, sage ich zu den Kids. Und die sind zufrieden. Vereint sitzen wir ums Feuer und sehen den Flammen zu. Ich glaube, ich kann sie einen Moment alleine lassen und ins Haus gehen, die Würste holen. Und noch schnell meine Email im Computer abrufen, und schnell ins Gästebuch schauen.

Unterdessen schaufeln die Kinder die Glut in ihre Plastik-Kessel und.... das darf doch nicht wahr sein, ihr könnt doch nicht....!!!

Das Kinderhoroskop von Liz Greene.


© Juri Viktor Stork / Astrodienst AG 2004
* Die Namen aller Beteiligten sind aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
 
nach obenRäder (02.06.04)

Die Sternenkinder: Räder

Astrologische Geschichten von Juri Viktor Stork

AutoManchmal sitze ich vor unserem alten Haus und stelle mir vor, wie die Menschen damals hier gelebt haben. Wie sie ihr Gemüse anpflanzten, im Wald Holz geschlagen oder ihr Handwerk gepflegt haben. Kein Lichtschalter, kein Staubsauger, keine Dusche, keinen Fluglärm, keine Telefonanrufe einer Marketingfirma während dem Abendessen. Und keine Autos. Kein Motorengeräusch, kein Gehupe, kein Schleichverkehr, kein Wahnsinniger, der unsere kleine Quartierstrasse nachts um elf mit 120 Sachen hinaufrast, keine Damen in Geländewagen mit Kuhgrill auf Kopfhöhe, keine selbstmörderischen Aktionen unter der sich senkenden Bahnschranke. Keine Gefahren für spielende Kinder. Autofahrer verhalten sich autistisch (ja, ich fahre auch Auto).

Moses, der Sohn unserer Nachbarn Vivian und Rolf, ist ein grosser Auto-Fan. Kaum vierjährig, hat er bereits die beeindruckende Sammlung von 76 Spielzeug-Autos, drei Buicks, 16 Lastwagen, einer Matchbox-Rennbahn mit Looping, einer achtförmigen Rennbahn mit zwei ferngesteuerten Formel-1-Boliden sowie einem VW Käfer mit Funksteuerung, eingebautem Motorengeräusch und Hupe. Sein erstes Wort war, wie Viviane mir versicherte, nicht "Mama", sondern "Auto". Wenn ich an Reinkarnation glauben würde, so wäre ich sicher, dass Moses in seinem letzten Leben Autohändler oder Rennfahrer war. Als Astrologe vermute ich jedoch den seltenen Fall des Aszendenten "Mercedes".

kinderautoGanz anders unser Sohn Leo. Auch er hat zwar ein paar Spielzeug-Autos, aber die fristen ein klägliches Dasein in irgend einer Schublade in seinem Zimmer. Fahren ist langweilig. Sein Spielzeug-Traktor wurde von ihm vorwiegend als stationärer Bagger im Sandkasten eingesetzt. Fahrrad fahren war für ihn kein lange kein Thema, zu unstabil erschienen ihm zwei Räder. Ihn störte es nicht, dass gleichaltrige und jüngere Freunde schon seit längerer Zeit damit unterwegs waren. Er liess jeden diesbezüglichen Ehrgeiz vermissen. Mit seiner Sonne-Saturn-Opposition erweitert er seinen Radius vorsichtig.

Rafaela, eineinhalb Jahre jünger als Leo und wann immer möglich schneller als ihr Bruder, traute den zwei Rädern ebenfalls nicht so recht. Dreirad, Tretroller, Inlines, Ski – alles kein Problem. Aber das mit dem Fahrrad wollte auch bei ihr einfach nicht klappen. Obwohl wir im Herbst des letzten Jahres intensiv übten, verstauten die beiden ihre Räder wieder in der Garage. Ich gebe zu, ich hätte beide gerne erfolgreich gesehen. Ihre Misserfolge sind auch meine, und obwohl ich weiss, dass Entwicklung nicht erzwungen werden kann, ist es mir schwer gefallen, es so zu lassen, wie es war.

TigerveloAstrologisch gesehen gehören sowohl die persönlichen Entwicklungsschritte wie auch die technologischen Errungenschaften unserer Kultur zum Einflussbereich des Planeten Uranus, zum Tierkreiszeichen Wassermann und zum elften Haus. In meinem eigenen Horoskop steht im uranischen Wassermann der Planet Saturn am MC. Saturn ist die Bremse, die strukturierende Kraft, die "harte Wirklichkeit". Ich habe also Angst, dass sich die Sache nicht so entwickelt, wie sie sollte, ich versuche, Entwicklungen zu kontrollieren. Ein richtiger Astrologe...

Ach, sie meinen, dass meine Kinder und ich vielleicht thematisch verstrickt sind? Wollen wir doch mal sehen: Leo hat die Sonne im elften Haus ("Es auf die eigene Weise tun", "Den eigenen Weg gehen")... Rafaelas Mars steht im elften Haus ("Die eigene Kraft leben") und Jupiter mit Uranus in Wassermann ("Sprunghafte Entwicklungen")... Ja, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Ich erinnere mich an meinen roten Tretroller, und an den schlimmen Sturz auf der Schotterstrasse, als der Rahmen durch das Gewicht eines 10-jährigen Knaben in voller Fahrt gebrochen ist... Wann habe ich eigentlich gelernt Fahrrad zu fahren?

AutoAm Ostermontag erzählte Rafaela am Frühstückstisch aus einem Traum dieser Nacht: "Ich bin auf mein Fahrrad gesessen und losgefahren, und denk dir, es ging einfach!". "Probier's doch mal aus", ermunterte ich sie. So holte sie ihr knallgelbes Fahrrad, setzte sich drauf - und fuhr davon. Einfach so. Nun kam Leo natürlich gewaltig unter Druck, holte ebenfalls sein Fahrrad - und es fuhr, zu seinem grossen Erstaunen und Entzücken. Anfangs noch unbeholfen und wacklig, fahren nun beide Kinder bereits so, als wären sie mit Rädern geboren.

Die astrologische Deutung des Automobiles übrigens ist eine Sache für sich: Der Motor mit seiner gebändigten Kraft des Feuers ist eindeutig uranisch. Die Bewegung von Hier nach Dort entspricht dem merkurischen Prinzip, die zwingende Kontrolle beim Fahren dem saturnischen. Der Druck aufs Gaspedal beim Überholen oder das Weghupen eines nervenden Velofahrers wird wohl dem Mars zugeordnet sein, Design und Automarke der Venus. Den Benzinverbrauch würde ich der masslosen Seite Jupiters zuordnen, den regelmässigen Verkehrskollaps Neptun. Und die zerstörerischen Auswirkungen des Verkehrs auf unseren Planeten sind äusserst plutonisch.

SchwangerWenn ich aber selber unterwegs bin, die Landschaft geniesse und tolle Musik höre, scheint mir das Auto der Mond-Energie zu entsprechen: Wie in einer Gebärmutter bin ich unterwegs, kraftvoll und geborgen. Vielleicht ist das ein Schlüssel für die Faszination Auto und diese eindeutig autistische Grundhaltung, die alle Autofahrer überkommt; "Mama" ist gar nicht so weit entfernt. Nicht wahr, Moses.

Das Kinderhoroskop von Liz Greene


© Juri Viktor Stork / Astrodienst AG 2004
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Die Sternenkinder: Hybris

Astrologische Geschichten von Juri Viktor Stork

Meine 7-jährige Tochter Rafaela fragte letzthin während des Nachtessens: "Wo ist man eigentlich, wenn man nicht Ist?"Lotos Ich kaute angestrengt auf einem Stück Salami rum und suchte nach einer verständlichen Antwort. Meine Frau Annina, die mir vor kurzem vorgeworfen hatte, ich wüsste immer auf alles eine Antwort, schaute mich mit strengem Blick an und sagte: "Das ist eine der ganz grossen Fragen, die sich viele Menschen stellen." Und ich brummelte hinterher: "Und wer die Antwort gefunden hat, wird es dir nicht sagen können." Meine Frau hat ja recht. "Kinder brauchen die Frage, und nicht die Antwort", sagt sie mit Nachdruck, "die Frage führt sie selber zur Antwort." Ja, das weiss ich ja eigentlich aus eigenem Erleben. Ich liebe Fragen, sie führen mich direkt zu den Antworten, und manchmal bin ich wirklich selber überrascht, was für Antworten ich da finde. Möchten Sie mich nicht was fragen?

Vor einiger Zeit fragte mich eine Klientin, ob ich ihr einen guten Geburtstermin nennen könne, sie müsse per Kaiserschnitt gebären, und wenn schon das, dann doch bitte zu einem Zeitpunkt, der gut mit den andern Familienmitgliedern harmoniere. So was hatte ich noch nie gemacht und war entsprechend gespannt, was dabei herauskommen würde. Ich erstellte also die Horoskope dieser Familie und schaute die Zeitqualität der Tage um den errechneten Geburtstermin an, um ein wirklich tolles Horoskop zu finden. Kopf Und siehe da, die für die Familienstruktur beste Zeitqualität war - exakt am errechneten Geburtstermin. Mir blieb die Aufgabe, ihr die Harmonie der Natur mitzuteilen. Ich ärgerte mich ziemlich über mich selbst und meine Gedankenlosigkeit, denn eigentlich weiss ich ja, dass Kinder nicht einfach so entstehen, sondern gezeugt werden, etwa 40 Wochen im Bauch der Mutter wachsen, dann auf die Welt kommen und wir Menschen so gut wie keinen Einfluss darauf haben, welches Horoskop ein Kind sich wählt. Aber ich hatte die fixe Idee, einen super Geburtstermin zu liefern! Hybris nennt man das doch, auf gut Deutsch "Anmassung" oder "Überheblichkeit". Das Leben organisiert sich anscheinend auch ohne mein Zutun, vermutlich sogar wesentlich besser.

Gestern suchte ich in der Astrodienst-Bibliothek nach einem bestimmten Text, und beim Stöbern bin ich auf eines der vielen astrologischen "Kochbücher" gestossen. Der Zufall wollte es, dass es sich grade auf der Seite "Planeten im Schützen" aufgeschlagen hatte. In meinem eigenen Geburtshoroskop stehen Sonne, Mond und Merkur in diesem Zeichen, und ich möchte Ihnen nicht verheimlichen, was der Autor da (über mich?) schreibt:

Merkur in Schütze
Telefoniert täglich mit Gott. Empfängt auch anderweitig ständig Botschaften. Redet nicht, sondern predigt. Sagt immer ein Wort zuviel. Ist nie um eine schlaue Frage verlegen und immer von seiner Meinung überzeugt. Denkt nur mitreissende Gedanken und solche, die er für seine eigenen hält...
(Markus Jehle, "Wenn der Mond im siebten Hause steht...")

Aua. Voll getroffen. Ich hoffe nur, meine Frau Annina liest diese Geschichte nicht. Den Text zu Sonne und Mond in Schütze erspare ich Ihnen bezw. mir. Was soll ich nun, schweigen oder antworten? Und wie geht es dann weiter mit den Sternenkinder-Geschichten?

So eben ist mir noch was eingefallen. Ich möchte doch gerne noch wissen, was dieser Markus Jehle über Anninas Merkur-Stellung schreibt:

Merkur in Fische
Kommuniziert vorwiegend telepatisch. Verliert sich in seiner grenzenlosen Phantasie und findet anschliessend nicht mehr zurück. Kann seine eigenen Gedanken nicht von denen anderer unterscheiden und nennt dies Intuition... Nimmt bevorzugt Träume und innere Bilder wahr. Redet, um Verwirrung zu stiften.

Danke, Markus Jehle. Nun habe ich mich wieder gefunden. Wo ist man eigentlich, wenn man nicht Ist? Falls Sie es wissen wollen, so fragen Sie mich ungeniert. Bitte.

Erkenne dich selbst

Das Kinderhoroskop von Liz Greene


© Juri Viktor Stork / Astrodienst AG 2004
* Die Namen aller Beteiligten sind aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
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