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Der symbolische Garten
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eine Möglichkeit der Selbstspiegelung
Im Gegensatz zu unseren westlichen Gärten haben
die Zen-Gärten in Japan einen hohen Symbolgehalt. In ihnen werden
bestimmte Symbole mit Pflanzen, Wasser, Felsen und Steinen, Sand
und Kies, architektonischen sowie dekorativen Elementen dargestellt.
Die Pflanzen stehen für Harmonie und Fülle, die Felsen
und Steine für Raum und Energie, Sand und Kies bringen Schlichtheit
und Gelassenheit. Das Wasser sorgt für Ausgewogenheit und Stille,
mit den architektonischen Elementen schafft man Ausblicke und Blickpunkte
und die dekorativen Elemente bieten Anregung und Schönheit.
Und diese Form der Gartenkunst geht noch weiter. Sie integriert Symbole,
die Bestandteil uralter, überlieferter Mythen sind. Die Schöpfer
dieser Gärten verstanden es als ihre Aufgabe, an die Mythen
und damit an den uralten Lebenskreis der Welt zu erinnern. Die Menschen
sollen bei der Betrachtung der Gärten ihrer Ahnen gedenken und
die Ordnung des Kosmos sowie die Einordnung des Menschen in den Kosmos
spüren können.
Diese Symbolik füllt die Gartenkunst mit geistigem
Gehalt, einem Inhalt also, der in unserer heutigen westlichen Gartengestaltung
weitgehend fehlt. Bei uns geht es fast ausschließlich um
Funktionalität
(die Terrasse muss groß genug sein für einen Tisch,
sechs Stühle und den Grill) und um Ästhetik. Und bei
der fortdauernden Suche nach allgemein verbindlichen Regeln für
Schönheit
wird immer wieder vergessen, dass das Schönheitsempfinden
der Menschen wie alle anderen Empfindungen auch subjektiv ist.
Ich bin durchaus dafür, dass ein Garten funktioniert (wenn der
Tisch mit einem Bein in der Staudenrabatte steht, weil die Terrasse
zu klein ist, ist das nicht der Fall), und natürlich sollte
er auch schön sein – in den Augen seiner Bewohnerinnen
und Bewohner. Beides lässt sich miteinander und außerdem
mit einem symbolischen Inhalt vereinbaren! Hier beginnt die Möglichkeit
der Selbstspiegelung.
Nun bietet es sich meiner Ansicht nach nur bedingt
an, einen Garten bei uns mit Bildern aus japanischen Mythen zu füllen, denn wir
entstammen einem gänzlich verschiedenen Kulturkreis, der mit
anderen Mythen und archetypischen Bildern arbeitet als denen der
fernöstlichen Kulturen. Die Astrologie ist dagegen seit langem
in der abendländischen Kultur verwurzelt und arbeitet mit Bildern,
die sich auch in unseren Märchen und Mythen wiederfinden. Das
in unserer "aufgeklärten" Welt immer noch gültige "senkrechte" Denken
findet man auch in Sprichwörtern. Wenn wir z.B. sagen: "Da
hast du aber Schwein gehabt", setzen wir das Schwein mit Glück
gleich. Beides untersteht dem Jupiterprinzip. Jupiter steht im Horoskop
für das "große Glück". Genauso gehört
Holz zu diesem Prinzip, und so klopft man dreimal auf Holz, um weiterhin
Glück zu haben. Denn auch die Zahl Drei ist die Zahl des Jupiters,
worauf das Sprichwort "aller guten Dinge sind drei" hinweist.
All diese Überlegungen führten zu dem Konzept der astrologischen
Gartengestaltung. Der Garten soll die Möglichkeit bieten, die
der Natur innewohnenden Urprinzipien oder Archetypen abzubilden.
Beim Bewohnen des Gartens wird man dann immer wieder mit diesen Prinzipien
konfrontiert. Es bedeutet eine weiter gehende weil sichtbare Auseinandersetzung
mit dem eigenen Horoskop und mit der Astrologie. Man könnte
es auch als einen kreativen Umgang mit Astrologie bezeichnen.
Alles in einem astrologischen Garten ist Symbol für einen Archetypen.
Nichts wird bei einer solchen Gartenanlage dem Zufall oder der herrschenden
Mode überlassen. Die Auswahl der Pflanzen und der verwendeten
Materialien sowie die Formgebung im Garten sind symbolisch zu verstehen.
Hierfür muss man wie in der Astrologie in Analogien, also "senkrecht",
denken.
Um herauszufinden, welchen Archetypen bzw. Planeten man nun
darstellen möchte, gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Sie sind Inhalt
des Kapitels "Ein Planetengarten als Spiegel der Seele".
Eine etwas einfachere Art der astrologischen Gartengestaltung
ist die Anlage eines Elementegartens. Die vier Elemente Feuer,
Erde,
Luft und Wasser sind wie die Planeten wichtige Symbole in der
Astrologie, die bei der Deutung eines Horoskops herangezogen
werden können.
Die Planung zum Beispiel eines Feuergartens ist deswegen einfacher
als etwa die eines Jupitergartens, weil weniger differenziert werden
muss und somit mehr Pflanzensorten und Baumaterialien bei der Umsetzung
zur Verfügung stehen.
Wie ein Elementegarten aussieht und wie man sich für ein Element
entscheidet, wird im Kapitel "Wenn die Wasserzeichen betont
sind" erläutert. Zunächst sollen aber die Elemente
und ihr Symbolgehalt in ein Gartenbild übersetzt werden.
Ein Feuergarten
Der Feuergarten ist nach Süden ausgerichtet in die Himmelsrichtung,
aus der die warmen Winde kommen. Eine Strauchpflanzung im Norden
dient als Sonnenfalle, sodass der Garten – warm und windgeschützt – auch
Lebensraum für exotische Pflanzen bietet. Es gibt einen zentralen
Platz, der entweder von einem mächtigen
Baum beherrscht wird oder auf dem es eine Feuerstelle gibt. Bei
ausreichender Größe des Grundstückes gibt es sowohl
den beherrschenden Baum als auch die Feuerstelle. Als Baum würde
sich zum Beispiel ein Rot-Ahorn (Acer rubrum) anbieten. Die
Sträucher in einem Feuergarten haben rote oder orangefarbene
Blüten oder Früchte. Viele sind bedornt und im Herbst leuchten
ihre Blätter in kräftigen goldenen und orangeroten Farbtönen.
Die Wege sind großzügig angelegt und die Wegführung
ist direkt. Der Belag besteht aus grobem Schotter oder roter
Schlacke. Für stark frequentierte Plätze und Wege kann
auch hellroter Pflasterklinker oder gelber Granit verwendet werden. Üppig wachsende Kletterpflanzen mit großen roten, orangefarbenen
oder gelben Blüten, wie zum Beispiel die Trompetenblume
(Campsis radicans), stehen an rot gestrichenen Pergolen aus
Rundholz. In großzügig angelegten Staudenrabatten blühen unterschiedliche
Prachtstauden in überwiegend roten und gelben Farbtönen.
Ist der Garten ausreichend groß, gibt es weite Rasenflächen,
auf denen man mit dem Ball spielen, Wettlaufen veranstalten
oder einfach nur faul auf dem Rücken liegen und in den Himmel
schauen kann. Auf der Terrasse mit sonnengelben Holzmöbeln
gibt es einen Gartenkamin oder einen gusseisernen Grill. Die Terrasse
ist sehr weitläufig,
sodass Platz für große Gesellschaften vorhanden
ist. Natürlich gibt es auch einen Platz zum Sonnenbaden!
Ein Erdengarten
Der Erdengarten kann einfach ein Gemüse- und Obstgarten sein.
Damit wäre das Prinzip am "einfachsten" umgesetzt.
Möchte man aber lieber einen Wohn- und Ziergarten haben, dann
richte man ihn wenn möglich nach Norden aus. Bei einer Größe,
die es erlaubt, einen Großbaum zu pflanzen, gibt es eine Linde
(Tilia platyphyllus) in diesem Garten. Im Frühsommer, wenn sie
blüht, erfüllt dann das Gesumm von Tausenden Nektar sammelnden
Bienen und Hummeln die Luft. Für etwas kleinere Gartenräume
wählt man besser schwachwüchsige Apfelsorten oder andere
Nutzbäume.
Für einen Erdengarten bietet sich die Anlage eines Senkgartens
an. Ein Teil des Gartens liegt somit tiefer und an mehreren Stellen
führen Stufen in diesen unteren Bereich. Es ist, als begäbe
man sich ein Stück in die Erde hinein; hier ist es still und
kühl. Der große Baum spendet Schatten. Eine braune Bank
lädt zum Verweilen ein. Hier hat man einen schönen Blick
auf die formal gestalteten Staudenrabatten, die mit akkurat geschnittenen
Buchsbaumhecken eingefasst sind. Die kleinen Wege, die die Beete
umrahmen und unterteilen, sind zum Teil aus dunkelrotem Klinker
und zum Teil aus Lehmsand gebaut.
In einem sonnigerem Teil des Gartens wachsen Rosen und andere duftende
Stauden und Kräuter. Auch wenn es kein ausgesprochener Nutzgarten
ist, sind hier und da in die Pflanzungen Küchen- und Heilkräuter,
Gemüse und Beerenobst integriert. Auch dieser Teil ist formal
angelegt. Die Terrasse am Haus ist mit einer schwedenrot gestrichenen
Pergola eingefasst, an der Kletterrosen wachsen und die eine
gemütliche
Nische schaffen. Überall im Garten gibt es kleine Ecken,
wo man von Blicken abgeschirmt sitzen, lesen oder sich einfach ausruhen
kann.
Es gibt auch einen Geräteschuppen mit einem Arbeitstisch, an
dem man Pflanzen um- und selbst gezogene Ableger eintopfen kann.
Vorräte an Dünger, ein durchdachtes Bewässerungssystem
und Kompostmieten sind selbstverständlich Bestandteil eines
Erdengartens.
Ein Luftgarten
Der Luftgarten ist nach Osten ausgerichtet und ist ein sehr offener,
wenig geschützter Garten. Es ist an diesem Ort wichtiger, in
Kontakt mit Licht und Luft zu kommen, als dass man einen Platz zum
Ausruhen oder Träumen findet.
Es ist genauso wichtig, hier andere Menschen zum geistigen Austausch
oder zu Spaß und Spiel zu treffen.
Der oder die Bäume in diesem Garten haben Blätter, die
bei dem leisesten Lufthauch zittern und rascheln. Die Sträucher
und Stauden locken mit ihren Blüten und ihrem Duft unzählige
Insekten, Bienen, Hummeln und Falter an. Im Frühling und im
Sommer ist die Luft erfüllt von ihrem Flattern und Summen.
Die Wege sind einfache Schotterwege oder aus hellgrauem Betonstein
gebaut. Sie nehmen oft plötzliche Richtungsänderungen vor.
Auf den Schotterwegen und in den Fugen der Pflasterwege wachsen spontane,
also sich selbst aussäende Kräuter.
Es gibt viel Kunstgegenstände in diesem Garten. Sie stehen
an überraschenden
Stellen und viele sind aus schimmernden Materialien gebaut. Natürlich
sind eine oder mehrere Schaukeln zu finden. Auf der Terrasse
steht eine bunte Hollywoodschaukel. Wenn der Garten für
einen Baum groß genug ist, dann steht hier eine Ulme (Ulmus
glabra) oder eine Birke (Betula pendula), in der sich ein Baumhaus
befindet. Von diesem luftigen Platz aus hat man einen Überblick über
den ganzen Garten. Und einen freien Raum muss es geben, auf dem musiziert und getanzt,
gespielt, jongliert und geschauspielert werden kann!
Ein Wassergarten
Die direkteste Methode, einen Wassergarten anzulegen, wäre
natürlich die Anlage eines großen Teiches mit Sumpf- und
Schilfzone. Möchte man aber nicht den Großteil des zur Verfügung
stehenden Grundstückes in eine Wasserfläche verwandeln,
gibt es folgende Möglichkeiten:
Der Wassergarten ist nach Westen ausgerichtet. Es ist ein verwunschener,
zugewucherter Garten. Verschlungene Wege führen durch ihn hindurch.
Diese Wege sind teilweise einfache Graswege, teilweise modrige, schlüpfrige
Pfade. Es gibt aber auch helle, wassergebundene Sandwege. Für häufig begangene Flächen
verwendet man zur Befestigung Flusskiesel oder Sandsteinplatten.
Es gibt keine Geraden in diesem Garten. Alles ist in organischen
Formen gestaltet. Auch die etwas zugewachsene Terrasse hat geschwungene
Kanten, die Übergänge sind grundsätzlich fließend.
Wenn möglich, gibt es einen Bachlauf oder einen Teich, vielleicht
sogar einen kleinen Wasserfall in diesem Garten. Eine in dichtem
Gebüsch versteckte Grotte wäre eine typische Entsprechung
für den dargestellten Archetyp. Es gibt viele Kletterpflanzen
mit langen, verschlungenen Ranken und lindgrünen, wässrigen
Blättern und es gibt viele weiß bzw.
hellblau blühende Stauden. Auch die Sträucher blühen überwiegend
weiß oder haben im Herbst weiße oder schwarze Früchte. In den schattigen Bereichen des Gartens wachsen Farne und Waldgräser,
in den sonnigeren Teilen findet man viel hohes Schilf.
Zu einem Wassergarten gehören auch kleine, abgeschirmte Bereiche,
z.B. von Schilf umstandene Plätze oder die oben erwähnten
Grotten, die dem Rückzug und der Kontemplation dienen. Ein Wassergarten
ist wie ein Erdengarten eher ein ruhiger Garten, während im
Luft- und im Feuergarten immer etwas los ist.
Entnommen
aus
Annette Fechner:
Der astrologische Garten - Ein kreativer Umgang mit dem Horoskop.
Chiron Verlag, Tübingen, 2004.
(leicht gekürzte Fassung)
Dieses Buch
können Sie bestellen unter
www.astronova.com
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