•    
    Aktuelle Planetenstände
    18-Jun-2018, 06:42 Weltzeit
    Sonne270' 1"23n24
    Mond2849'29"13n44
    Merkur113' 1"24n55
    Venus55' 7"20n56
    Mars845'58"21s59
    Jupiter145'36"r14s58
    Saturn632' 2"r22s25
    Uranus133'45"11n31
    Neptun1629'33"6s13
    Pluto2035'29"r21s39
    Mondkn.w630'23"18n39
    Chiron217'52"4n08
    Erklärungen der Symbole
    Horoskop des Moments
| Mein Astro | Forum | FAQ
Menü

Hans Hinrich Taeger: Astro-Energetik

Rudolf Steiner - Kurzbiographie und Karmagramm

©Astrodienst AG 2018

Unsterblichkeit, Ungeborenheit - erst wer beides versteht, versteht die Ewigkeit.
Rudolf  Steiner

Rudolf Steiner wurde als Sohn eines kleinen österreichischen Bahnbeamten am 27. Februar 1861 um 23.15 Uhr in Kraljevica (damals Ungarn, heute Jugoslawien) geboren. Er wuchs in der harmonischen und kleinbürgerlichen Atmosphäre einer niederösterreichischen Dorfidylle auf. Bereits als kleines Kind entwickelte er eine ausgeprägte Imaginationskraft und sah sich von Elementarwesen umgeben, mit denen er sich in einem natürlichen Wechselspiel erlebte. Neben seiner visionären und hellseherischen Veranlagung (Fische-, Neptun- und Uranusbetonung) zeigte sich schon frühzeitig sein anderes bzw. ergänzendes Naturell: seine Fähigkeit zu logisch abstraktem, kritischem und realitätsbezogenem naturwissenschaftlichem Denken, vor allem der Mathematik und Physik (Jungfrau-, Stier- und Saturnbetonung). Er selbst empfand diese beiden Welten nicht als widersprüchlich, sondern bemühte sich - und dies ist vielleicht das Interessanteste an Steiners Lebenswerk - um eine Synthese, eine gegenseitige Durchdringung von metaphysischer und physischer Wirklichkeit, einer kreativen und den Anforderungen der Neuzeit nachkommenden Aktivierung der Jungfrau-Fische-Achse.

In seiner Schulzeit faszinierten Steiner vor allen Dingen die darstellende Geometrie in der Mathematik und die strenge Logik von Kants »Kritik der reinen Vernunft«. Nach dem Abitur (1879) immatrikulierte er sich an der Technischen Hochschule in Wien und strebte formal ein Ingenieurstudium an, beschäftigte sich jedoch in erster Linie mit deutscher Philosophie und Literatur, mit Fichte, Hegel und Schelling, und gehörte verschiedenen literarischen En-vogue-Zirkeln an. Angeregt durch seinen Lehrer Schröer entdeckte er seine Liebe zu dem ebenfalls stark jungfrau-, fische- und skorpionbetonten Dichter, Philosophen und Naturwissenschaftler J. W. v. Goethe und seine geistige Verwandtschaft mit ihm. Goethe wurde für ihn so etwas wie ein Wurzelguru.

Nach kurzer Tätigkeit als Hauslehrer und Erzieher wurde Steiner 1889 an das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar berufen, um dort im Rahmen der Goethe-Forschung dessen naturwissenschaftliche Schriften neu herauszugeben. Parallel hierzu verfaßte er eine Dissertation über Fichtes Wissenschaftslehre. Einer kurzen Begeisterung für Nietzsche und Haeckel folgte 1894 Steiners erstes bedeutendes Buch »Die Philosophie der Freiheit«. In diesem fordert er ein »sinnlichkeitsfreies Denken«, in dem sich seelisches und denkerisch-objektives Erfassen, getragen von einer sogenannten »moralischen Phantasie« in der Erkenntnis vereinen sollen. Mit anderen Worten: Er denkt laut über die Problematik seines inneren Jungfrau-Fische-Wesens nach. Schlug er sich in seinen frühen Werken insgeheim noch etwas mehr auf die Seite des strengen analytischen Denkens (Jungfrau), dann wieder mehr auf die Seite visionärer Offenbarung (Fische), fand er in seinen reiferen Schriften den Stein der Weisen eher im lebendigen Prozeß des Erkennens: »Nicht in dem lebt das Seelische, was der Mensch an der Natur erkennt, sondern in dem Vorgang des Erkennens.« (Die Geheimwissenschaft im Umriß)

1897 zog Steiner nach Berlin, gab eine literarische Zeitschrift heraus, heiratete dort (1899) und engagierte sich als Lehrer in einer Arbeiterschule. In Berlin knüpfte er auch seine ersten Kontakte zu der damals sehr populären theosophischen Bewegung und begann eine anhaltende Vortragstätigkeit über Themen einer stark christlich gefärbten Esoterik. 1902 wurde Steiner zum Generalsekretär der Deutschen Theosophischen Gesellschaft ernannt und war 12 Jahre lang in Verbands- und Vortragstätigkeit eingespannt.

Als Anni Besant, Mitbegründerin der Theosophie, jedoch den indischen Knaben Krishnamurti als Reinkarnation Christi ausgab, führte dies 1913 zum Bruch mit der offiziellen theosophischen Bewegung, denn als engagierter Christ glaubte er an die Einmaligkeit der Jesus-Figur. Ohne die östlichen Religionen zu verdammen, lehnte Steiner eine Mischung westlicher und östlicher Werte als verfrüht ab, deklarierte aber die Inkarnations- und Karmalehre - etwas unklar konstruiert - als ureigene Erfindung des Christentums. In seinen Schriften »Theosophie«, »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten« und »Die Geheimwissenschaft« vermischen sich christlich-schwärmerische, tugendhaft-lehrmeisterliche, okkulte und naturwissenschaftliche Theorien und werden zu Bibeln seiner wachsenden Anhängerschaft. Für eine derart eigenständige, schillernde und starke Persönlichkeit war in der bereits in sich gespaltenen theosophischen Bewegung kein Platz, und so gründete Steiner die sogenannte Christologie oder auch Anthroposophie. Mit ihr bemühte er sich um eine zeitadäquate Renaissance christlicher Geistigkeit und Mysterienschulung. Um diesen Intentionen eine künstlerische oder weihevolle Umrahmung zu geben, schrieb und inszenierte Steiner verschiedene Mysterien-Dramen. 1913 entstand durch Schenkungen seiner Freunde für 7 Millionen Franken das erste sogenannte »Goetheanum«, ein großzügig geplanter Theaterbau für über 1000 Personen, der nach Steiners architektonischen Entwürfen und Wünschen in Dörnach in der Schweiz errichtet wurde. Steiner war bemüht, sein geistiges Weltbild auf vielerlei Art und Weise gestalterisch umzusetzen. Neben Architektur, Plastik und Malerei kreierte er auch eine neue Heilgymnastik oder »Bewegungskunst« (Eurythmie) und eine neue Art dramatischer Sprachgestaltung. Hervorzuheben sind auch seine sich ab 1918 realisierenden Bestrebungen, die anthroposophische Bewegung in die sozialpolitische Wirklichkeit zu integrieren. »Wenn auch Anthroposophie zunächst ihre Wurzeln in den schon gewonnenen Einsichten in die geistige Welt hat, so sind das doch nur ihre Wurzeln. Ihre Zweige, ihre Blätter, Blüten und Früchte wachsen hinein in alle Felder des menschlichen Lebens und Tuns.« Gestützt auf Sympathien der Arbeiterschaft, initiierte er gegen Ende des ersten Weltkrieges den »Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus«. Es ging ihm hierbei um eine Entflechtung von Geistesleben, Wirtschaft und Staat: »Freiheit im Geiste, Gleichheit vor dem Recht, Brüderlichkeit in der Wirtschaft.«

Unterstützt durch den Zigarettenfabrikanten Waldorf entstand auf Steiners Anregungen hin ein neues Erziehungsmodell, das ursprünglich für die Arbeiterkinder der Waldorf-Fabrik konzipiert war. Das heute noch beliebte Schulmodell beruht auf den Prinzipien der Koedukation, sozialen Kooperation, der Betonung musischer, handwerklicher und sprachlicher Fächer. Er schaffte das gefürchtete »Sitzenbleiben« ab; die Kinder haben vom ersten bis zum achten Schuljahr den gleichen Klassenlehrer und »Epochen-Unterricht«.

Steiner begründete auch eine spezielle anthroposophische Medizin, eine »Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen«, die sehr stark von den Einsichten und Konsequenzen der psychosomatischen Wechselwirkungen getragen ist. Weiterhin entstanden eine biologisch-dynamische Landwirtschaft und eine heilpädagogische Bewegung, die sich der intensiven Betreuung von »seelenpflegebedürftigen« Kindern annimmt. Auf Anregung verschiedener protestantischer Theologen gründete sich 1922 eine »Urgemeinde der Christengemeinschaft«, in der auch Frauen als Priesterinnen auftreten konnten. Als in der Silvesternacht 1922 das Goetheanum einer Brandstiftung zum Opfer fiel, begann Steiner sogleich mit neuen Plänen und gab dem zukünftigen Goetheanum, das am gleichen Ort wieder aufgebaut werden sollte, den Status einer »Hochschule für Geisteswissenschaft«.

Steiners letzte Lebensjahre waren von einer starken Vortrags- und Organisationstätigkeit eingenommen. Arbeitsstreß und leidenschaftliches Engagement (Skorpion-Aszendent; Pluto-Mars-Konjunktion) haben sicherlich dazu beigetragen, daß er sich relativ früh, am 30. März 1925, in ein neues geistiges Abenteuer, das der Wiederverkörperung, eingelassen hat.

(Merkur-Transit Konjunktion Neptun und Merkur-Radix; Mars-Transit Konjunktion Uranus-Radix; Jupiter-Transit Konjunktion Mondknoten-Radix; Saturn-Transit Konjunktion Aszendent-Radix; Neptun-Transit Konjunktion Jupiter-Radix)

Der Fische-Einfluß in Steiners Karmagramm

Da ist die Welt voller Rätsel. Erkenntnis möchte an sie herankommen. Aber sie will zumeist einen Gedankeninhalt als Lösung eines Rätsels aufweisen. Doch die Rätsel ... lösen sich nicht durch Gedanken. Diese bringen die Seele auf den Weg der Lösungen; aber sie enthalten die Lösungen nicht. ... So sagte ich mir auch: die ganze Welt, außer dem Menschen, ist ein Rätsel, das eigentliche Welträtsel; und der Mensch ist selbst die Lösung.
Rudolf Steiner

So verschieden Tolstoj und Steiner ihrem Wesen nach auch erscheinen mögen, in beiden ruht gleichermaßen ein leidenschaftliches Engagement für eine zeitgemäße Erneuerung christlichen Glaubens unter der Perspektive des aufkeimenden sozialen und wissenschaftlichen Weltbildes der Jahrhundertwende. Liegt Tolstojs mehr Jungfrau-orientierte Antwort hierzu im Befolgen puritanischer und asketischer Tugenden, so schwingt in Steiner stärker die Fische-Komponente sozialen Mitempfindens (Heilpädagogik, schulische und religiöse Arbeit, Medizin) und mystisch-esoterischer Ergriffenheit (Mysterienspiele, Kunst, Leiden als christlicher Initiationsweg). Die beiden gemeinsame Tendenz, ihr Wissen und ihre Erkenntnisse zu institutionalisieren und engagiert zu verbreiten, entspricht deren Eingebundenheit in die soziale bzw. reagible Achse, speziell in deren Jungfrau-Fische-Färbung. Da in beiden Bildern eine leichte Betonung der Wassermann-Energie vorhanden ist (MC, IC und Venus), fühlen sie sich herausgefordert, alte und neue Wissens- bzw. Glaubensinhalte miteinander in Verbindung zu bringen und durch Umformulierungen und gedankliche Brücken zeitadäquate Synthesen herbeizuführen.

Hierbei kann man getrost davon ausgehen, daß ihre Motive, die in der Ergriffenheit von christlichen Glaubensvorstellungen wurzeln, ehrlich, verantwortungsbewußt und von den Wünschen nach echter Bewußtseinserweiterung und Vervollkommnung getragen sind. Was geistige Anforderung und Risikobereitschaft betrifft, waren sie in ihrer Epoche und aus christlicher Sicht heraus in gleichem Maße Pioniere und Reformatoren. Ob man ihnen jedoch mit dem veränderten Bewußtsein der heutigen Zeit zu folgen vermag, steht hierbei auf einem ganz anderen Blatt und ist in erster Linie auch von der Intensität christlich-freidenkerischer Verwurzeltheit abhängig.

Uns können Ideale wie Christus, Goethe oder Nietzsche längst nicht mehr so stark entflammen wie die Menschen in den literarischen und esoterischen Zirkeln des ausklingenden 19. Jahrhunderts. Über alle Glaubenssympathien und -antipathien hinweg lohnt es sich jedoch, einen in formativen Einblick in das Wesen der Jahrhundertwende-Problematik zu gewinnen: einer sich aus sich selbst heraus regenerierenden christlichen Kultur.

Erst durch das Nachempfinden des geistigen Zündstoffs der nahen Vergangenheit läßt sich ermessen, inwieweit sich unser Bewußtseinslevel in der Zwischenzeit (vor allem auch durch die Integration östlicher Philosophie) verändert und erweitert hat, wie schnell die Evolution der Wassermann-Schwingung vorangeschritten ist. Menschen wie Tolstoj, Steiner, Krishnamurti, Henry Miller, Tim Leary oder Freud sind hierbei Symbole einer sich ständig wandelnden Zeitqualität im Spiegel der geistigen Expansion. Man sollte weniger Unfehlbarkeit oder Endgültigkeit in ihnen suchen, als sich vielmehr durch ihr menschliches Vorbild zu geistiger Arbeit, Urteilsfähigkeit und Ausschöpfung der eigenen intuitiven und wissensmäßigen Kapazitäten angeregt fühlen. Sie sind eher Freunde oder Partner, die, ebenso wie wir selbst, daran gearbeitet haben, an das überpersönliche Potential ihrer individuell verschieden nuancierten Geburtskonstellationen mit eigenen Methoden heranzukommen.

Steiners verborgene Beweggründe für sein religiös-engagiertes Auftreten sind dessen geistige und seelische Ergriffenheit vom »Golgatha-Archetypen«: Hingabe und Erleuchtung bzw. Tod und Auferstehung - Geheimcodes zum Verständnis der Fische- und Skorpion-Energien. Im pathetisch-heroischen Stil, Merkmal christlicher Rhetorik, verabsolutiert, verherrlicht und extrovertiert Steiner seine inneren Wünsche nach Ego-Transzendierung, mystischer Transformation und Hingabe - Forderungen sowohl seiner inneren Fische- als vor allem auch seiner Skorpion-Thematik. »Es ist ein gewaltiger, großer Unterschied zwischen allen Erdenvorgängen, die vor diesem Ereignisse auf Golgatha liegen, und denen, die nachher kommen. Wäre das Ereignis von Golgatha nicht vor sich gegangen, so würde niemals eintreten können, daß Erde und Sonne sich vereinigen (...) Die Kraft, die von der Sonne auf die Erde niederstrahlt. Was lebt seither in der Erde? Der Logos selber, der durch Golgatha der Geist der Erde wurde.«

Von einem schwärmerisch-kämpferischen Sendungsbewußtsein getragen (Konjunktion Pluto-Mars in Opposition zum Skorpion-Aszendenten; Betonung des fixierenden Kreuzes), fühlte sich Steiner im Rang eines Sehers und Apostels, indem er seinen Anhängern, den Anthroposophen, ankündigte, sie könnten als erste den zukünftigen ätherischen und übersinnlichen Christus erleben. Durch diese Behauptungen konnte er wohl einerseits seinen subtilen Ego-Stolz vergrößern und andererseits sein ureigenes inneres Ringen zwischen Gefühl, Leidenschaft, Vernunft und Geist - in letzter Konsequenz seine eigenen Glaubenskämpfe - veräußerlichen.

Auch in diesen Punkten gleichen sich Steiner und Tolstoj. Das Erkennen und gleichzeitige Verdammen ihrer eigenen Ego-Spiele treibt sie in immer größere innere Angespanntheit. Gleichzeitig können sie sich von den Institutionen und Bewegungen, die sie gegründet haben, nicht so ohne weiteres distanzieren, und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Rolle des allwissenden Gurus bis zum dramatischen Ende weiterzuspielen und sich über die Mißverständnisse von seiten der Anhängerschaft aufzuregen. Aus Tolstojs selbstkritischem autobiographischen Werk können wir entnehmen, daß ihn vor allem der Umgang mit der Sexualität und triebhaften Leidenschaft in der Konfrontation mit Moral und Tugenden der christlichen Tradition in eine tiefe Glaubenskrise gestürzt hat. Beim stark fischebetonten Rudolf Steiner finden wir diesbezüglich wenig autobiographische Offenheit, seine sexuelle Triebspannung läßt sich nur vermuten. Der energetischen Brisanz seines Karmagramms zufolge muß er unter einer ähnlich starken Problematik wie Tolstoj gestanden haben (Konjunktion Mars-Pluto; Skorpion-Aszendent; Venus-Opposition-Jupiter; Mond-Quadrat-Vesta; Fischebesetzung).

Einen großen Teil seiner geburtsthematisch leicht ablesbaren Sinnlichkeit und erotischen Fantasie hat er sicherlich durch seine geistige, literarische und rhetorische Tätigkeit und die energetische Aufladung des inneren Golgatha-Bildes sublimieren und kanalisieren können. Je stärker er sich jedoch mit den überpersönlichen Vorstellungen identifizierte, um so größer konnte die Kluft gegenüber den Belangen des persönlichen Ego werden. Eine allzu rasche und unausgewogene Eskalation des überpersönlichen Ego kann zu leiderzeugender Unterdrückung des sich noch in einfacheren Wirklichkeitssphären zu bewährenden persönlichen Bereichs führen. Dies innere Ungleichgewicht mündet häufig in so verschiedenartige Extreme wie Größenwahn, Fanatismus, Schizophrenie, verbunden mit selbstzerstörerischen Intentionen, Haß oder Dogmatismus auf der einen Seite oder, wie im Fall von Tolstoj und Steiner, in eine ungeheuerliche Aktivierung der geistigen Kapazitäten, ein plutonisches »Über- sich-selbst-hinaus-wachsen«. Beide entwickelten hierbei ein hohes Maß an Selbstkritik und Verantwortungsbewußtsein und stellten sowohl an sich selbst als auch an ihre Anhängerschaft große Anforderungen. Auf der Gratwanderung zwischen Schizophrenie und Genialität kleiden sich beide Persönlichkeiten gerne in das schützende Korsett christlicher Tugend und Ethik.

In seinem Buch »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten« häufen sich gutgemeinte Ratschläge, aus denen der erhobene Zeigefinger des Jungfrau-Archetyps (Saturn in der Jungfrau) herauszulesen ist. Hier scheint die Aussage mir durch die altväterliche Darstellungsweise etwas getrübt (Jupiter am Löwe-MC). Ein Beispiel: »Begegne ich einem Menschen und tadle ich seine Schwächen, so raube ich mir höhere Erkenntniskraft; suche ich liebevoll mich in seine Vorzüge zu vertiefen, so sammle ich solche Kraft. Ohne gesunden Menschenverstand sind alle deine Schritte vergebens. Goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten«. Am sozialreformerischen, pädagogischen, politischen, medizinischen und religiösen Engagement Steiners ist im Rahmen seiner Glaubensprämissen sicherlich nichts auszusetzen. Vor allem Medizin, Pädagogik und Landwirtschaft haben durch seine denkerischen Impulse manche Neubelebung erfahren. Die Kritik setzt eher da ein, wo er sich im esoterischen Gebiet als berufener Experte und begnadeter Mystiker fühlt und sich in einem Wirrwarr von metaphysischen Spekulationen und höchst sonderbaren okkulten Theorien verliert. Da weiß er z. B. zu berichten, daß sich die Seele innerhalb von 2100 Jahren einmal als Mann und einmal als Frau verkörpert, beschreibt genaue Entwicklungsabläufe im Nachtodverbleib, entwirft eine eigene jesusbezogene Zeitrechnung, ersinnt neue astrale Schöpfungsmythologien und bringt astrologische Interpretationen, die man nur noch glaubensmäßig nachvollziehen kann.

Den westlichen und goetheanischen Idealen der Allwissenheit folgend, hat sich Steiner zu endgültigen Statements auf Gebieten berufen gefühlt, die auf reinen Vermutungen theosophischen Glaubens beruhen. Hätte er stärker auf den Möglichkeitscharakter seiner esoterischen Spekulationen hingewiesen, gäbe es auch weniger zu kritisieren. Er schreibt jedoch im Stile bibelhafter Überzeugung (Stier-Skorpion-Besetzung) und seriöser Wissenschaftlichkeit und läßt keinen Zweifel an der Richtigkeit seiner Behauptungen zu. Trotz Luftzeichenbetonung durch Waage, Wassermann und Zwillinge fehlt Steiners okkulten Schriften das sich selbst relativierende und entspannende Moment denkerischer Offenheit. Man wird beim Lesen das Gefühl nicht los, daß sich hinter seinen entschieden vorgebrachten Gedanken seine eigene Unsicherheit verbirgt. Auch die von ihm häufig betonte Toleranz gegenüber anderen Religionen, Weltbildern und Sichtweisen hat mehr formalen Bekenntnischarakter und beruht weniger auf dem Wunsch nach einem ganzheitlichen Verständnis. Als Sektenbegründer sind seine Tendenzen eher die Abgrenzung als die Ausweitung (Saturn-Jungfrau, 10. Feld). Er wollte wohl mit der Anthroposophie so etwas wie ein neues christlich-spirituelles Markenzeichen gründen, eine institutionalisierte Spiegelung der Persönlichkeit Rudolf Steiner und ihrer geistigen Wertbilder, aber auch ihrer in einer schwärmerisch-mystischen Fantasie wurzelnden Problematik (Merkur-Neptun-Konjunktion in den Fischen) obwohl er ausdrücklich sagt, es gehe ihm nicht um Institutionalisierung. Gerade letztere Schwäche ist es, über die er sich öffentlich am meisten aufregt: »Aber der wahre Geist schwärmt nicht, er spricht eine deutliche, inhaltsvolle Sprache.«

Die konjunktionelle Mischung von ausgeprägter Imaginationskraft (Neptun) und neutralem, nach Objektivität strebendem Wissen (Merkur in den Fischen) machte Steiner zu einem fantasievollen und originellen Denkträumer oder Glaubensdenker, dem seine inneren Bilder und Gefühle automatisch auch immer denkerische Gewißheit waren. In erster Linie stützte sich diese Gewißheit jedoch auf seine lapidare Behauptung von göttlicher Begnadung. »Die Gnade hat mir eine gewisse Anzahl von Wahrheiten gebracht. Und ich werde geduldig warten, bis weitere Wahrheiten mir Zuströmen.« Steiner betrachtet sich also als ein inspiriertes und von der Wahrheit seiner Eingebungen zutiefst überzeugtes Medium letzter metaphysischer Wirklichkeit. Die an und für sich interessante und kreative Merkur-Neptun-Konstellation konnte Steiner in seinem künstlerischen und dramaturgischen Schaffen sicherlich auf eine tief beeindruckende Weise umsetzen. Im esoterischen Bereich jedoch ist seine Fantasie mit ihm durchgegangen. Sein Jungfrau-Planet Saturn ist der Übermacht dreier lebhaft fantasierender und »begnadeter« Fische-Planeten unterlegen. Andererseits gibt ihm dies jedoch auch sein geheimnisumwittertes Fluidum, seine schillernde Faszination, die bis zum heutigen Tage Tausende von Anhängern in Bann hält (Auswirkung der Pluto-, Mars- und Skorpionbetonung).

Auf dem Berg der Erkenntnis sehen wir den Jungfrau-Engel-Archetyp in seiner schützenden Burg. Die Burg symbolisiert den konstruktiven, auf Sicherheit bedachten methodischen und planenden Intellekt, den Schutz vor der inneren und äußeren Natur, der geometrisierenden Klarheit gegenüber dem vegetativen Chaos. Der Berg symbolisiert den stufenweisen Erkenntnisweg. Der Eremit in seiner Höhle stellt eher das Wesen des Fischearchetyps dar, den Naturmystiker, der sich von innen her mit dem Sein vereint, während die Jungfrau von außen her das Sein betrachtet und analysiert.

Karmagramm Rudolf Steiner

Horoskop Rudolf Steiner

Karmagramm Taeger

Horoskop Rudolf Steiner

Horoskop Astro-Databank (Geburtsdatum in Diskussion)

Zeichenerklärung zum Horoskop

Widder Waage Sonne Saturn
Stier Skorpion Merkur Chiron
Zwillinge Schütze Venus Uranus
Krebs Ziegenfisch Erde Neptun
Löwe Wassermann Mond Pluto
Jungfrau Fische Mars Erde-Mond (EMH)
Vesta Mondknoten
Jupiter Aszendent

Stichworte zu Steiners Karmagramm

Versuch einer Synthese von Esoterik und Naturwissenschaft: Merkur-Konjunktion-Neptun (Fische) »kontra« Saturn in der Jungfrau / Saturn-Quadrat-Uranus; Venus im Wassermann / Vesta (9. Feld)-Quadrat-Mond (12. Feld)

Religiöse Hingabe und Ergriffenheit: Sonne in Fische (4. Feld) / Fische-Jungfrau-Besetzung / Mond in der Waage (12. Feld) / Konjunktion Merkur-Neptun

Sozialpolitisches Engagement: Fische-Jungfrau-Achse / Uranus (Zwillinge) auf Quadratspitze / Wassermann-Venus / Konjunktion Mars-Pluto im Stier (in Opposition zum Aszendent) / MC, Saturn, Erde im 10. Feld / EMH im 11. Feld

Esoterische Schwärmerei: Konjunktion Merkur-Neptun (Fische) / Mond in der Waage (12. Feld) / Jupiter am MC (Opposition-Venus)

Faszination an der Thematik von Tod und Wiedergeburt: Skorpion-Aszendent / Pluto-Mars-Konjunktion (Stier) / Opposition Sonne-Saturn / Mond im 12. Feld / Opposition Chiron-Saturn

Tendenz zu religiösem Fanatismus und Sektierertum: Skorpion-Aszendent / Saturn in der Jungfrau (10. Feld) / Konjunktion Pluto-Mars (Stier) / Opposition Venus-Jupiter / Chiron-Opposition-MC

Visionäre und hellseherische Veranlagungen: Fische-Besetzung / Uranus auf Quadratspitze (Zwillinge) / Merkur-Neptun-Konjunktion / Trigon Mond-Venus / Skorpion-Aszendent

Sexuelle und gefühlsmäßige Spannungspotenz*: Konjunktion Mars-Pluto (Stier) / Skorpion-Aszendent / Venus-Opposition-Jupiter / Saturn-Opposition-Sonne / hohe Wasserelementbesetzung / Fische- und Neptunbetonung / Vesta-Quadrat-Mond

Rhetorische und schriftstellerische Begabungen: Merkur-Konjunktion-Neptun; Saturn in der Jungfrau / Jupiter am MC

Guru-Trip: Jupiter am Löwe-MC / Sonne-Trigon-Aszendent / Pluto-Mars-Konjunktion in Opposition zum Aszendenten / Saturn im 10. Feld / Merkur-Konjunktion-Neptun / Jupiter-Quadrat-Aszendent

Geistesrevolutionärer Mut: Jupiter im 9. Feld in Opposition zur Wassermann-Venus / Sonne-Quadrat-Uranus / Mars-Konjunktion-Pluto / starke Uranus-Betonung / Sonne-Sextil-Pluto, Mars / Saturn-Opposition-Chiron

* Über diese individuelle Problematik ist in den offiziellen Steiner-Biographien leider nichts zu finden - aber astroenergetisch betrachtet viel zu vermuten.

Das Töten des Drachens, der dunklen und archaischen Seite des Menschen, durch einen Reinheit und Tugend symbolisierenden Engel oder Heiligen (in diesem Beispiel St. Michael) spiegelt sich in vielen Kulturräumen und deren Heldenmythen und Märchen wider. Es ist eine Analogie zum Jungfrau-Fische-Archetyp in einer dem christlichen Polaritätsdenken entsprechenden Interpretation: der Sieg des Guten über das Böse. Im modernen Wassermanndenken mit seinen Intentionen zur Entpolarisierung und ganzheitlichen Schau kann dieses einseitige Zerrbild nicht bestehen bleiben, denn Fische und Jungfrau bedingen einander und sind beide Ausdruck höchster kosmischer Weisheit.

Werbung
Astro Wiki
AstroWiki
Aktuelle Planetenstände
18-Jun-2018, 06:42 Weltzeit
Sonne270' 1"23n24
Mond2849'29"13n44
Merkur113' 1"24n55
Venus55' 7"20n56
Mars845'58"21s59
Jupiter145'36"r14s58
Saturn632' 2"r22s25
Uranus133'45"11n31
Neptun1629'33"6s13
Pluto2035'29"r21s39
Mondkn.w630'23"18n39
Chiron217'52"4n08
Erklärungen der Symbole
Horoskop des Moments
Hans Hinrich Taeger:
Astro-Energetik

Hans Hinrich Taegers Buch "Astro-Energetik", erstmals erschienen im Jahr 1982, unternimmt den Versuch, die Bereiche altehrwürdiger Astrologie und des traditionellen buddhistischen Weltbildes unter der neuen Bezeichnung »spirituelle Astro-Energetik« zusammenzuführen.

Hans Hinrich Taeger starb im Jahr 2013, und seine Werke drohten in Vergessenheit zu verschwinden. Thomas Siegfried, sein langjähriger Lebensgefährte und Erbe, hat Astrodienst im Jahr 2017 die Rechte zur Online-Publikation von Taegers Bücher erteilt. Wir haben den Inhalt der zweiten Ausgabe nun für diese Online-Ausgabe aufbereitet und freuen uns, dieses aussergewöhnliche Buch hier der astrologischen Community zur Verfügung stellen zu können.

Wir veröffentlichen es kapitelweise und werden nach vollständiger Veröffentlichung auch noch ein druckbares PDF anbieten. Im Inhaltsverzeichnis finden Sie die Release-Daten der einzelnen Kapitel.

Werbung
WWW.ASTRO.COM ist das grosse Astrologie-Portal mit den vielen kostenlosen Angeboten. Hochwertige Horoskopdeutungen von den weltweit führenden Astrologen Liz Greene, Robert Hand und anderen Autoren und Autorinnen, viele gratis Horoskope und qualitativ hochwertige Information über Astrologie für Anfänger und Profis machen www.astro.com zur ersten Adresse für alle Astrologie-Interessierten.
Homepage - Gratis Horoskope - Astro Shop - Astrologie Wissen - Ephemeriden - Autorinnen und Mitarbeiter - Mein Astro - Direkte Atlas-Abfrage - FAQ - Forum - Kontakt und Impressum - Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen - Sitemap