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Hans Hinrich Taeger: Astro-Energetik

NEPTUN

©Astrodienst AG 2018

Objekt und Subjekt sind wie Sandelholz und sein Duft. Die Welt der Erscheinungen (Samsara) und Nirvana (energetischer Zustand des Nichtgewordenen) sind wie Eis und Wasser. Erscheinung und Leerheit sind wie Wolken und Himmel. Leerheit und Gewohnheitsgedanken sind wie das Meer und seine Wellen. Geshe Cha-Yul-Pa

Von den beiden transsaturnalen, d.h. sich jenseits von unseren Zeit- und Raumvorstellungen befindenden Planeten Uranus und Neptun (Pluto nimmt hierbei eine Sonderstellung ein; er hat nicht den hohen Verfeinerungsgrad von Uranus und Neptun) ist letzterer, auch Okeanos oder Poseidon genannt, der weitaus schwieriger zu erfassende; da er sich seinem Wesen nach kaum in Worte und Begriffe pressen läßt. Er stellt die noch nicht verbegrifflichte, rein tantrisch erfahrbare und aus der Leere schöpfende Urenergie dar. Seine Erleuchtungspotenz ist durchaus mit dem hinduistischen Gott Vishnu oder dem sogenannten Urbuddha im tantrischen Buddhismus vergleichbar. Er kann als höchste im Verborgenen wirkende Schöpfungsenergie angesehen werden, die sich in einem Zustand der Ambivalenz an der Nahtstelle zwischen dem noch nicht gewordenen, aber alles beinhaltenden »leeren« Urstoff und der erleuchteten, bildnerisch gestaltenden, magisch projizierenden und zeugenden Illusionskraft befindet. Durch ihn verschmelzen Urstoff und Äther in das mystisch gestaltende Wasser-Element. Er trägt aber gleichzeitig auch das Bewußtsein in sich, daß dasjenige, was wir als vermeintliche Wirklichkeit erleben, eine seinem Wesen nach leere und insofern relative Natur hat. Indem er die erleuchteten Urimpulse zum Werden des Seins imaginativ gestaltet, ist über ihn - andersherum gesehen - gleichermaßen die Auflösung und die Rückführung in den ungewordenen Urzustand möglich.

Wer nun von seinen geistigen Konzepten und Zielvorstellungen her diesen vollkommenen Urzustand anstrebt, für den ist ein weises und geschicktes Arbeiten mit den neptunischen Energien unerläßlich, er muß sich den Neptunstab, den Dreizack, durch die tantrische Praxis erarbeiten. Das Ringen um die Identifikation mit der inneren Neptun-Energie ist nicht nur deswegen so mühsam, weil der oppositionell mitgestaltende Jungfrau- und Vesta-Archetyp ein strenger Wächter über die reine, bedingende und selbstkritische Motivationsklärung ist, sondern weil sie auch unser sogenanntes Vorstellungsvermögen bei weitem überschreitet. Schon allein von daher ist eine langsame Herangehensweise an die Dreizackwelt erforderlich. Wir haben es bei Neptun mit einem uranfänglichen und energetisch gewaltigen Bewußtseinszustand zu tun, welcher, da er jenseits von Gut-und-Böse-Kriterien angesiedelt ist, nur erlebt, aber kaum von außen her beschrieben werden kann. Jede Beschreibung ist letztendlich Abstraktion, Aufsplitterung (Prinzip der Jungfrau) und somit Verfremdung und Zerstreuung. Obwohl Neptun von außen her vielfältig betrachtet werden kann, beruht sein inneres, bedingendes Wesen eher auf der Einfalt (Einfalt und Einsicht als höchster Weisheitszustand).

Alle planetaren und zodiakalen Energien bis hin zu Wassermann und Uranus denken, fühlen, analysieren, idealisieren und reflektieren über den neptunischen Bereich, dem sie insgeheim entspringen, durch den sie wurzelhaft getragen werden, und streben eine Wiederannäherung und Rückverschmelzung mit ihm an. Wir stehen vor dem Paradoxon, daß durch Neptun-Energie etwas wird (einschließlich unserer individuellen Existenz), das sich selbsterkennend in seinem ungewordenen Urschoß wieder auflösen möchte, um möglicherweise periodisch neu zu entstehen und sich wieder aufzulösen. Es stellt sich uns die nicht zu beantwortende Frage, warum etwas wird, wenn es doch im Anfang seines Werdens die Bestimmung nach Auflösung und Rückführung bereits in sich trägt.

Diese Problematik führt tief in den Brennpunkt des mythologischen, religionsphilosophischen und sicher auch einmal des modernen naturwissenschaftlichen Denkens hinein: die berühmte Frage nach dem letzten Sinn. Dieser ist jedoch denkerisch, d.h. polarisierend und abseitsstehend nicht erfaßbar - und wenn, dann nur in unendlichen Reihen von Annäherungen. Man muß an seine Wirkung entweder glauben oder seine Initiationen in Hingabe erfahren. Die Neptun-Energie läßt sich ungern festnageln oder in eine Form prägen und entzieht sich immer wieder den Zugriffen unseres unterscheidenden Verstandes. Obwohl sie in sich harmonischen Gesetzmäßigkeiten folgt, setzt die neptunische Wirkung oft überraschend und logisch nur schwer nachvollziehbar, willentlich nicht reproduzierbar in Form von spontanen mystischen Flashs, Visionen, bewußtseinsmäßigen Grenzzuständen, Inspirationen oder telepathischen Instinkten ein. Um ihrem scheinbar irrationalen Wesen auf die Schliche zu kommen, müssen wir schon die sogenannten Grenzwissenschaften, die esoterischen und religiösen Disziplinen, vor allem auch die Astro-Energetik in ihrem tantrischen Verständnis, heranziehen. Diese Wissenschaften bemühen sich darum, uns dasjenige auf tiefen metaphysischen Erfahrungen basierende Wissen zu liefern, mit dem wir uns vorsichtig und angstüberwindend neptunischem Sein annähern können. Diese Versuche sind jedoch nur ein oberflächlicher Flirt mit der unermeßlichen Tiefendimension dieser Energie. Der angstfreie, konzeptlose, vertrauensvolle, selbstlose und liebevoll aufgeschlossene Sprung in den Okeanos des erleuchteten und relativen Seins verlangt ein immenses Vortraining: die Transzendierung unseres persönlichen Egos durch Einsicht, Konsequenz und magische Transformation. Ängste, Indizien für die Reste eines persönlichen Egos, müssen vollständig überwunden und durch hingebende Ergriffenheit in ein alles beinhaltendes Nichts, d.h. durch tiefstes Vertrauen in die eigene irrationalenergetische Natur, ersetzt werden. Je tiefer wir uns selbst hinterfragen, um so stärker relativieren sich unsere Vorstellungen von einem eigenständigen, identifizierbaren Selbst. Dies darf jedoch nicht in einem blinden oder masochistisch gefärbten Fatalismus enden, sondern sollte durch klare Erkenntnis das Urvertrauen wiederherstellen. Wir erleben uns dann eher als ein von unendlich feinen, numinosen Energien getragenes oder zusammengesetztes geheimnisvolles Wesen, das durch ein Gespinst von Illusionen und Unwissenheit eine individualisierte, d.h. vom Urgrund scheinbar getrennte Form gefunden hat. Doch wir sind in Wirklichkeit zu keinem Zeitpunkt tatsächlich von der neptunischen Wurzelenergie entfernt. Auf dem Wege zur Erleuchtung sind wir nur noch nicht weit genug fortgeschritten, haben noch nicht den geeigneten Lotus für die Bilde- und Imaginationskräfte des Neptun entwickeln können. Erst dieser Lotus würde es ihnen ermöglichen, sich in ihrer vollendeten und klaren magischen Gestalt zu manifestieren.

Tantrische Vereinigung des Hindu-Gotts Vishnu mit seiner Gefährtin Mahalakshmi (»Die große Glücksbringerin«), aus der sich die rote Dakini Chinnamasta mystisch manifestiert. Als Symbol magischer Selbsttransformierung hält sie ihren eigenen abgeschlagenen Schädel in den Händen.

Neptuns Energie läßt sich mit dem Sanskritwort »Siddhi« (übernatürliche Kraft, Zauber, mystische Potenz, Illusions- oder Vorstellungskraft) umschreiben. In beinahe allen Weltreligionen wird den auf verschiedenen Erleuchtungsstufen stehenden Lehrern ein derart wundertätiges, d.h. grenzüberschreitendes magisches Potential nachgesagt. Die Wunder, die diesem Potential entspringen, stehen jedoch nicht, wie es der heilige Augustin schon richtig bemerkte, im Widerspruch zur Natur, sondern zu dem, was wir von der Natur wissen. Astroenergetisch gesehen heißt dies nichts anderes, als daß diese Menschen bereits mehr oder weniger geeignete Kanäle und Lotosse für die neptunische Schwingung gefunden haben. Da sich Neptun außerhalb nachvollziehbarer Raum- und Zeitbegrenzungen befindet, wirkt durch Menschen, die sich an sein Wesen anschließen konnten, eine Imaginationskraft, die das an der Materie orientierte Denken und Handeln ad absurdum führt.

Schon bei Uranus als erstem transsaturnalen, d.h. wirklichkeitsrelativierenden Planeten haben sich Zeit und Raum durch Eigenschaften wie Spontaneität, Intuition sowie durch grenzüberschreitendes Assoziations- und Abstraktionsvermögen stark erweitert und unser Denken in irdischen Maßstäben relativiert (Saturn, Ziegenfisch). Seinem bereits hell strahlenden Bewußtsein fehlt aber noch das letzte I-Tüpfelchen des Neptun: das Ablassen von der Evolutionsideologie, die devotionale Hingabe, die mystische Fruchtbarkeits- und Gestaltungskraft, die Loslösung von diskursiver gedanklicher Aktivität, die auf Reste eines persönlichen Egos und seine Ängste hinweisen (Uranus gehört noch zu den fixierenden Energieformen). Die weite Auffassungsgabe der uranischen Energie und ihre direkte Nachbarschaft zum Neptun- und Fische-Archetypen im Tierkreissystem ermöglicht es ihr, für die neptunische Wirklichkeit am ehesten eine adäquate Umschreibung zu finden, da sie sich paradoxer und intuitiver Methoden bedienen kann, die das zwingende Ursache-Wirkung-Denken des Saturn überhöhen.

Uranus ist also von der Ursprunghaftigkeit Neptuns aus gesehen die erste und dichteste Umschreibung der neptunischen Schöpfungstransformation. Ein mystisch entwickelter Mensch verfügt immer auch über ausgeprägte uranische Qualitäten: paradoxe Logik, Geistesgegenwart und Menschlichkeit. In ihm arbeitet die Logik der japanischen Koan-Inspiriertheit. Einem rein okkulten oder uranisch gefärbten Menschen hingegen sind mystische Qualitäten wie Selbstlosigkeit, Initiationskraft (Siddhi) oder stille Ergriffenheit von der mystischen Schau noch längst nicht zu eigen. Er gleitet jedoch in freiem Höhenflug über das unendliche Meer neptunischer Gestaltungskraft und sucht durch relativierendes Erkennen nach einer sicheren, d.h. schizophreniefreien Landebahn im energetischen Zustand zeit- und selbstlosen Seins. Der Uranier gleicht dem modernen Atomphysiker, der sich in seinen Experimenten und Erklärungsversuchen tief an die Kapazität des nicht mehr sichtbaren Bereichs heranwagt, ohne den direkten Schritt zu wagen, durch tantrische Praxis oder psychedelische Erfahrung diesen Zustand initiationshaftig zu erleben. Hier müßte ein Anschluß an die Einsteinsche Feststellung, daß die Imaginationskraft höher einzuschätzen sei als das Wissen, eine zukünftige Umsetzung finden.

Der archetypische Bereich des Poseidon kennt weder Vergangenheit noch Zukunft. In ihm ist alles zeitlose Gegenwart, modifizierter Ausdruck einer erotisch oder sexuell zu umschreibenden, besser: zu erfühlenden Urspannung (Kundalini), die dem anfangs- und endlosen Seinszustand als atmosphärische Initiationsschwingung zugrunde liegt. So erfährt denn auch der Lingam oder Penis, Ausdruck der schöpferischen Kapazität des Dreizackträgers Shiva, eine hohe rituelle Verehrung. In den Schöpfungsmythologien des Hinduismus offenbart sich Shiva, der Weltenschöpfer und Weltenzerstörer, als ein dem dunklen Nichts entspringender überdimensionaler Phallus. Auch in den westlichen Neptun-Mythologien lassen sich immer wieder Hinweise auf dessen enorme erotische Potenz finden (Neptun in Form eines weißen Hengstes). Ebenso beruht die »materialistische Mythologie«, die biologische Entwicklungsgeschichte des Menschen, auf dem vitalen Prinzip ewiger Fortpflanzung, deren historischer Ursprung in den Urozeanen, die einst unsere Erde umtobten, liegt. Irgendwann war in diesen Urmeeren unserer Vergangenheit einmal »Nichts«, bzw. »Alles«, denn alles, was jetzt ist, war irgendwann einmal - scheinbar - nicht. Selbst unsere Mutter, die erste Uralge, der erste chemische Mini-Organismus, d.h. das erste energetisch komplexe und autonom reagierende Wechselspiel, verdankt ihr Entstehen, materialistisch gesehen, einem chemischen »Zufall« oder Versehen, also der Gesetzmäßigkeit Neptuns.

So lassen sich auch über ein rein rationales Verständnis der »materialistischen Mythologie« die Wirkweise und der Nachweis von Neptun herausfinden. Unser gesamtes menschliches und organisches Sein hat seine Wurzeln in den unendlichen Tiefen eines ungestalteten, aber gestaltenden Wasserelements. Unser jahrmillionenaltes Erbgut ist eine komplizierte chemische DNS- Formel für die Evolution des Seins, die analytisch gesehen im Nichts wurzelt bzw. eine endlos expandierende Beschreibung des Leerezustandes darstellt. Diese scheinbare Absurdität ist vom neptunischen Bewußtsein her widerspruchsfrei vorstellbar. Die sich über den relativen Faktor Zeit differenzierende Ausformung dieses Nichts über Alge, Tier und Mensch ist von der Zeugungs- und Intentionskraft getragen, eine möglichst komplexe und vollendete Form für ein allumfassendes Bewußtsein zu schaffen, das das Nichts, d.h. sein eigenes Wesen, voll erkennen und integrieren kann. In unserem momentanen menschlichen Seinszustand befinden wir uns auf irgendeiner noch unvollendeten Stufe zu einer form- und inhaltsvollendeten, also ganzheitlichen Umschreibung eines sich in der Gestaltwerdung reflektierenden und selbsterkennenden Leerezustandes, über den wir uns langsam und von Inkarnation zu Inkarnation ein Bewußtsein schaffen. Ist diese ideale Form einmal gefunden, besteht zwischen dem archaischen und schöpferischen Nichts und dem hellen und bewußten Sein relativer Existenz kein wesenhafter Unterschied mehr. Man befindet sich lediglich auf der anderen Seite der gleichen Medaille, hat von Yin zu Yang gewechselt, aus dem schwarzen Urmeer (symbolisiert durch das Yin oder das hinduistische Yoni- oder Vulvasymbol) den Lingam der Erkenntnis wachsen lassen.

Dieses potente, aber noch nicht gestaltete Urmeer, das dem Nichts- oder Leerezustand des buddhistischen Weltbildes gleichkommt (Shunyata, Nirvana oder Urbuddhazustand) und mit dem durch tantrisch meditative Praxis eine Rückverschmelzung angestrebt wird, diesen Nichtszustand soll man sich ja nicht als eine lasche, labberige, graue, fern entrückte und transzendente »Alles ist egal«-Schwingung vorstellen. Er umschreibt vielmehr die enorme, noch undifferenzierte, stark atmosphärisch aufgeladene Basisspannung, die das Entstehen der fünf Elemente: Wasser, Feuer, Erde, Luft und Äther sowohl bewirkt als auch beinhaltet. Ein in diesen Urzustand mit einem geläuterten Ich Eintauchender, auch Buddha, Erleuchteter, Erwachter oder mystisch Realisierter genannt, ist also jemand, der, ohne sich daran zu fixieren, an ein ungeheuerliches Kräftereservoir angeschlossen ist, ein Wesen, das sich widerspruchslos sowohl als existent wie auch als nichtexistent begreift und durch das außergewöhnlich starke mystisch-magische Gestaltungskräfte fließen. Sein Wirken in Zeit und Raum, d.h. in der saturnal begrenzten Existenz, basiert immer auf den verborgenen und zeitlosen Grundlagen neptunischen Initiationspotentials.

So sind denn auch die tantrischen Initiationen im Hinduismus und Buddhismus im eigentlichen Sinne Kraftübertragungen, die dem Bereich neptunischer Dimension entstammen. Hierbei wirken durch den Lehrer - vom normalen Auge nicht wahrnehmbare - Feinstenergien auf den Schüler ein, die die in ihm keimhaft angelegte, aber verschüttete analoge Energie zur Mitschwingung und langsamen mystischen Entfaltung erwecken. Initiation ist also eine Form von Kommunikation zwischen gleichen, aber verschieden weit entwickelten Energieformen höchster Wirklichkeit. Letztendlich kann Energie nicht übertragen werden, sondern nur wechselwirkendes Mitschwingen initiieren. Durch die Initiation entsteht ein erster Windhauch, der den von Wolken bedeckten, strahlenden Hintergrund der Unendlichkeit freizulegen beginnt. Der Mystagoge ist hierbei Geburtshelfer, aber nicht Erzeuger. Er ruft Zeitloses wach und enthüllt dadurch die eigene innere Natur, mit der wir mehr oder weniger bewußt in Verbindung stehen. Um eine wirkliche Initiation zu ermöglichen, müssen sich sowohl Mystagoge als auch Initiand (der Mystagoge muß nicht eine menschliche Gestalt haben, es kann ein Augenblick sein, ein Traum oder der Energieaustausch transitierender Planeten) in einer devotionalen und offenen Grundstimmung befinden. Neptunischen Welten kann man sich nur durch Verehrung und in angstfreier, d.h. vertrauender Vereinigungssehnsucht nähern. Alles diskursive Denken wirkt als Störfaktor. Dies ist auch der Grund, warum im Vorfeld der tantrischen Meditation besondere Atem-, Konzentrations- und Übungen der Geistesruhe stehen, die die Vorbedingungen für die mystisch-magische Arbeit an der inneren Vervollkommnung (Tantra = Arbeit im Verborgenen oder Arbeit an den Wurzeln) schaffen.

Um ein Beispiel für Annäherungsmöglichkeiten an die neptunische Wirksphäre zu geben, soll uns der grobe schematische Ablauf einer tantrisch-buddhistischen Meditationspraxis einen Eindruck vermitteln. Jede Meditation beginnt hier mit der Motivationsklärung und den sie begleitenden erkenntnisrelevanten Vorsätzen und ethischen Einstellungen, dem bedingenden Sinngerüst der höheren Jungfrau-Thematik. Im sogenannten »Zufluchtsgebet« stellt sich der Meditierende vertrauensvoll unter den Schutz der erleuchtenden Energien des Urbuddhas bzw. der Energie des ursprünglichen Leerezustandes. Weiterhin faßt er den Vorsatz, durch die tantrische Praxis auf schnellstmögliche Art mit diesem erleuchteten Urzustand zu verschmelzen, d.h. Buddhaschaft zu erlangen, um, von diesem magischen Potential ausgehend, in der Lage zu sein, durch geheimes, selbstloses und magisches Wirken alle Wesenheiten des Universums an die Energie der Erleuchtung rückanzuschließen (Kontaktaufnahme mit dem Bodhisattvagedanken bzw. -empfinden). Durch dieses Statement und die mit ihm verbundene Ethik der Ego-Transzendierung und Hilfsbereitschaft sind, wenigstens vorsatzhaftig, die Grundlagen, das Lotusfundament für die eigentliche Eigeninitiation und die tantrische Arbeit gelegt. Im nächsten Schritt ist der Meditierende aufgefordert, sich in den energetisch ambivalenten Zustand der Leere zu versetzen.

Aus dieser vollständig ego- und angstbefreiten Beschaffenheit heraus identifiziert sich der Meditierende als Folge von spontan entstehenden Keimsilben oder Schwingungen, die sich zunächst im Licht einer bestimmten Elementendifferenzierung (Wasser: schwarzblau/HUNG; Erde: gelb/SVA oder TRAM; Feuer: rot/AH oder HRIH; Luft: grün/HA; Äther: weiß/OM oder HUNG; Urstoff: schwarz/HUNG) darstellen, mit der in Lichtkörper, Geist und Wissen identischen Form eines speziellen Erleuchtungsaspektes. Er visualisiert sich in einer lichttransparenten göttlichen Gestalt (z.B. Tara, Manjushri, Vajrapani etc.), beginnt - auf einer Lotusblüte thronend - mantrische Schwingungen und Farben zu erzeugen und arbeitet in der Vorstellungswelt neptunischer Wirklichkeit, die wir in Ermangelung eines tieferen Verstehens mit Worten wie »Weiße Magie« oder »Zauberei« umschrieben. In der höchsten neptunischen Klarheit gibt es keine Schwarze Magie, sondern nur Einklang oder Disharmonie mit dem aus sich selbst heraus leuchtenden mystischen Fluß. Sogenannte Schwarze Magie beruht auf mangelndem Verständnis, auf Unwissenheit bzw. auf dem Wahn der Verabsolutierung noch nicht relativierter und gereinigter Persönlichkeitsreste.

Dem mystischen Praktiker ist das sinnvolle Umgehen mit Schwingungsenergien und supranormalen Kräften oder Siddhis eine realistische und effektive Arbeit mit dem Neptunstab, die im Vorfeld höchster Wirklichkeit geradezu eine Zwangsläufigkeit erreicht. In der tibetischen Vorstellung ist letzte Vervollkommnung nur noch auf rein mystische Art und Weise zu erlangen. Diskursives Denken, ängstlicher Schutz gegenüber der Neptun-Realität, wird in den Vervollkommnungsstadien nicht mehr benötigt, da volles Vertrauen in die Klarheit des Zustandes entwickelt ist. Das Wirken aus einem subtil verfeinerten Illusionskörper heraus ist sich des Täuschungscharakters des eigenen energetischen Zustandes voll bewußt, ohne hierbei den Begriff Illusion positiv oder negativ zu bewerten. Der meditierende Tantriker, ein sozial engagierter Arbeiter oder Bodhisattva der metaphysischen Welt, weiß um die Relativität der Dinge, ist aber durch seine Verbundenheit mit der Fische- oder Mitleidsenergieschwingung geneigt, auf allen Ebenen der unerleuchteten Erscheinungswelt hilfreich zu wirken.

Im tantrischen Buddhismus erhalten die unterschiedlichen Stufen und Aspekte der Erleuchtung eine jeweils adäquate, vollendete, mystisch personifizierbare Form oder Lichtschwingung (Manjushri = erleuchtendes Wissen; Tara = erleuchtendes Mitempfinden; Vajrapani = erleuchtende magische Aktivität etc.). In ihrer Gesamtheit umschreiben die unzähligen Buddhas und Bodhisattvas, die in der tibetischen Ikonographie in Praxis und Kunst eine Darstellung finden, den komplexen Zustand urbuddhahaften Seins. Damit trotz der Differenziertheit der Bezug zur Ganzheit nicht verloren wird, visualisiert der Übende, daß er vom Urbuddha, der Essenz aller fünf Elemente oder aber von den gleichzeitig auftauchenden fünf Elementenbuddhas oder Lichtqualitäten (schwarz, gelb, rot, grün und weiß) eine Initiation oder Energieübertragung erhält, die ihn zu seiner speziellen tantrischen Gestalt ermächtigt. In diesem Stadium der Meditation beginnt die eigentliche neptunische Arbeit. Durch das mantrische Wachrufen von bestimmten Lichtenergien in den Chakren des mystischen Feinkörpers und unterstützt durch die vom Herzen ausstrahlende ethische Kraft der Selbstlosigkeit und erleuchtungsorientierten Hilfsbereitschaft, multipliziert sich der Meditierende in seiner mystisch vollendeten Gestalt millionenfach, um in grenzüberschreitender Vorstellungskraft gleichzeitig und an allen Orten des Universums sein Licht zu verbreiten, Unwissenheit in Klarschau zu transformieren und um durch Initiationen den Keim zur Erleuchtung zu übermitteln. Am Ende der tantrisch-meditativen Arbeit, die nicht Weltflucht, sondern neptunische Wirklichkeitsbewältigung darstellt, verschmelzen alle Vorstellungskörper wieder in den anfänglichen und ungestalteten Urzustand der Leere. Somit sind alle möglichen Fehlfixierungen - selbst an einen mystischen Feinkörper - wieder aufgehoben bzw. dem buddhistischen Seinsverständnis entsprechend relativiert.

Zum Abschluß jeder tantrischen Übung werden die eingangs bereits formulierten Vorsätze und ethischen Grundlagenklärungen wiederholt. Die sogenannten karmischen Verdienste, die aus dieser Übung resultieren können, werden allen fühlenden Wesen im Universum übertragen. Hiermit sind auch die letzten Möglichkeiten subtilen Egostolzes aufgelöst. Dieses traditionell überlieferte didaktische Konzept für Begegnungen mit der erleuchtenden Neptun-Dimension ist natürlich - so vollkommen es auch noch in unserer heutigen Zeit funktioniert - nur ein Vorschlag unter vielen anderen. Jede Form religiösen oder schamanistischen Rituals ist im Grunde genommen daraufhin angelegt, einen mehr oder weniger tiefen Zugang in die verborgene Wirklichkeit und atmosphärische Grundschwingung Neptun-Poseidons zu finden. Der energetische Zustand der speziellen atmosphärischen Spannung, die durch Zeremonie oder Ritual entsteht, unterscheidet sich durch den Grad der ihr zugrunde liegenden Egolosigkeit, Erkenntnisweite, freundlichen Zugewandtheit, Motivationsethik und durch die entsprechenden Imaginationsbilder, die durch den Strukturablauf oder das Drehbuch des Zeremoniells hervorgerufen werden. Je höher diese Qualitäten entwickelt sind, um so ganzheitlicher, angstbefreiter und klarer wird die mystische Schau. Der Verfeinerungsgrad dieser wurzelhaften Voraussetzungen unterscheidet die verschiedenen mystischen Traditionen und Religionen.

Durch die buddhistische Vereinigungsgottheit GUHYASAMAJA verwandeln sich die Qualitäten des Wasser-Elements in sexual-ekstatische Erleuchtung. Als Symbole der Verbundenheit mit den anderen Elementen hält Guhyasamaja in seinen Händen ein weißes Rad (Äther-Element), eine Lotosblüte (Feuer-Element), ein Schwert (Luft-Element) sowie ein Bündel flammender Edelsteine (Erdelement).

Ähnlich wie Jungfrau oder Vesta lediglich die einem reinen Denken entspringenden strukturierenden Vorbedingungen schaffen, damit sich die Imaginationskräfte leuchtend entfalten können, ist der äußere Ablauf eines Rituals »nur« Mittel zum Zweck, wobei der Zweck Neptun ist, Rituale ohne durch sie entstehende Imaginationskräfte sind wertlose Formalismen, Studienobjekte für Religionswissenschaftler und Völkerkundler. Sie haben ihren Lebenssinn verloren. Das Wunder der Verwandlung wird zur stumpfsinnigen Gewohnheit oder zu Aberglauben. Je weiter wir dem polaren Gut-Böse-Denken im Prozeß der philosophischen Vorklärung enthoben sind, d.h. je androgyner und ganzheitlicher unser Wesen oder wenigstens unsere Leitmotive und Vorsätze werden, desto essentieller und ungetrübter verläuft unser neptunischer Vervollkommnungsprozeß.

Auch die eher zeitgemäße Arbeit mit psychedelischen Hilfsmitteln hat nur dann irgendeine Aussicht auf Erfolg, auf Transformations-Enlightenment, wenn »Set« und »Setting«, d.h. die harmonische innere und äußere Einschwingung (das Ritual), die selbstlose und erleuchtungsorientierte Motivation, die Bodhisattva-Energie und das philosophische und wissensmäßige Vor- und Paralleltraining der Bewußtseinserweiterung mit einem großen Maß an Ernsthaftigkeit, Disziplin und Ausdauer kontinuierlich und engagiert umgesetzt werden.

Weil die Basis von Neptun das geläuterte und transzendierte Ego ist, bietet es sich ganz von selbst an, daß man sich mit diesen Energien nicht in Pose setzt. Neptunaktivierte Menschen wirken selten vordergründig. Ihr Wesen ist eher bescheiden und still, und sie wählen gern den Weg des Retreats und phasenhaften Rückzugs aus der wirklichkeitsverhafteten Ebene einer lauten, undifferenzierten und veräußerlichten Welt, die einen ungünstigen Nährboden für eine Arbeit mit Feinstschwingungen darstellt. Besondere Entwicklungen bedürfen einfach sonderlicher Umstände. Hiermit ist jedoch nicht ein exklusiver, sondern eher ein bescheidener, schwingungskohärenter Rahmen gemeint. In ihrem Zustand der Zurückgezogenheit sind neptunisch Entwickelte nicht isoliert. Sie sind im Gegenteil mehr als je zuvor mit Allem auf geheimnisvolle Art und Weise verbunden. Da sie in harmonischer Korrespondenz mit der oppositionellen Jungfrau- und Vesta-Energie stehen, besitzen sie eine Erdung, die es ihnen ermöglicht, gefahrlos und ohne wahnhafte Ängste in das unermeßliche und klarstrahlende Meer metaphysischer Ewigkeit einzutauchen, ohne hierbei an der sogenannten äußeren Wirklichkeit zu scheitern. Fehlt aber die Vorklärung, d.h. die jungfräuliche Motiviertheit und selbstkritische Erdung, schützt sich die neptunische Dimension durch ein wahres Gaukelspiel magischen Blendwerks. Sie mündet dann in den - langfristig positiv zu sehenden - Lern- und Entwicklungsprozeß von Täuschung zu Enttäuschung (Transformation neptunischer in saturnale Energie und umgekehrt), der durch subtile Fehlprojektionen und Fehlidentifikationen auf schmerzvolle Art und Weise darauf aufmerksam macht, daß dem persönlichen Ego der Zutritt zur klaren Neptun-Dimension verschlossen bleiben soll. Das unvorbereitete Ego würde sich hier wie ein Elefant im Porzellanladen bewegen und im Sinn nur Wahn und Furcht erleben.

Wenn diese verkehrte Schau dann auch noch mit dem Elan eines Propheten zur höchsten Wahrheit proklamiert wird, wurzelt hierin bereits der unselige Beginn einer neuen, auf Furcht und Schrecken basierenden religiösen oder exoterischen Glaubenstradition. Alle bewußtseinsmäßig noch nicht verarbeiteten Bereiche erhalten dann die mystische und magische Fratze teuflischer Bedrohung. Böse und gute Energien stehen sich unversöhnlich gegenüber. Alles, was der begrenzten Erleuchtungskapazität zugänglich ist, wird vergöttlicht, und überall, wo sich die ungelösten Neurosen des persönlichen Egos verstecken, befinden sich irgendwelche Anti-Energien, die, emotional negativ aufgeladen und mit einem dunkelmagischen Gewand personifiziert, von der Ganzheit abgespalten werden. Mit anderen Worten: Solange Menschen von dunklen Kräften sprechen bzw. an dunkle Kräfte glauben, desto mehr spiegelt dies ihre eigenen dunklen, d.h. ungeklärten oder nicht komplex genug integrierten Neurosen oder Verdrängungsmechanismen wider. Aus den mehr oder weniger inspirierten Verhaltensweisen und -vorschriften, die auf den Visionen von sogenannten Sehern und Propheten beruhen, die häufig genug in Sekten, Religionen oder mystische Schulen übergehen und ungeprüft glaubensmäßig über nommen werden (Institutionalisierung durch den veräußerlichten Jungfrau-Archetyp), sind deren spezielle Psychosen, Neurosen und sonstigen persönlichen Konflikte (häufig erotischer bzw. sexueller Natur) in Form eines feinen Psychogramms ableitbar. Und dies immer genau an der Stelle, wo sich der Inhalt der Lehre zu besonders strengen Ge- oder Verboten verdichtet oder wo die eigene Unfehlbarkeit extrem stark in den Vordergrund tritt.

Neptuns wahres Gesicht des angstfreien Mitempfindens ist weder ästhetisch schön noch furchterregend - es ist beides, und dies auch nur als Ausdruck ungeheuchelter und spontaner Selbstlosigkeit. In Neptuns Gestaltungs- und Imaginationskraft pulsiert die unendliche Potenz des aus sich selbst heraus entstehenden Urnichts, das, da es weder raum- noch zeitgebunden ist, in seinem Verständnis von Wirklichkeit weder entsteht noch vergeht, denn es träumt den zeitlosen Traum der Erleuchtung, der energetischen Transformation einer vitalen Leere.

Übersteigt das deine Vorstellungskraft, oder gibt dies deiner Vorstellung Kraft?

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Hans Hinrich Taeger:
Astro-Energetik

Hans Hinrich Taegers Buch "Astro-Energetik", erstmals erschienen im Jahr 1982, unternimmt den Versuch, die Bereiche altehrwürdiger Astrologie und des traditionellen buddhistischen Weltbildes unter der neuen Bezeichnung »spirituelle Astro-Energetik« zusammenzuführen.

Hans Hinrich Taeger starb im Jahr 2013, und seine Werke drohten in Vergessenheit zu verschwinden. Thomas Siegfried, sein langjähriger Lebensgefährte und Erbe, hat Astrodienst im Jahr 2017 die Rechte zur Online-Publikation von Taegers Bücher erteilt. Wir haben den Inhalt der zweiten Ausgabe nun für diese Online-Ausgabe aufbereitet und freuen uns, dieses aussergewöhnliche Buch hier der astrologischen Community zur Verfügung stellen zu können.

Wir veröffentlichen es kapitelweise und werden nach vollständiger Veröffentlichung auch noch ein druckbares PDF anbieten. Im Inhaltsverzeichnis finden Sie die Release-Daten der einzelnen Kapitel.

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