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Hans Hinrich Taeger: Astro-Energetik

JUNGFRAU

©Astrodienst AG 2018

Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare?
Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.
J. W. v. Goethe, Sonne, MC und Venus in Jungfrau

Die Jungfrau gehört zusammen mit den Fischen zu den subtilsten und am schwierigsten zu erfassenden Energien des Tierkreises. In der astrologischen Literatur, aber auch in der allgemeinen Werteinschätzung durch die astro-energetische bzw. astrologische Anhängerschaft wird die Jungfrau-Energie häufig genug bespöttelt. Man macht Witze über die Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit jungfraubetonter Menschen, ihre Tugend, Verantwortlichkeit und Achtsamkeit werden als Pedanterie und Nörgelei karikiert, ihre ethischen oder religiösen Wertmaßstäbe als altmodisch oder puritanisch, ihr moralisches Pflichtbewußtsein und ihre Gewissenhaftigkeit als kleingeistig und haarspalterisch. Sie wird als störrisch oder unnachgiebig beschrieben, und ihr hinterfragendes »Warum« wird ungern gehört. Ihr zeitbedingt schlechtes Image leitet sich aus ihrem sich verändernden Stellenwert in der Übergangsphase von der Fische- zur Wassermann-Ära ab. Im vergangenen Zeitalter hatte sie als oppositioneller Mitregent die alten religiös und philosophisch gefärbten Tugenden und Moralvorstellungen mitgeprägt und das Prinzip der Jungfräulichkeit, Keuschheit und Reinheit versinnbildlicht. In ihrer vorsichtig interpretierenden und auf läuternder Klärung bedachten subtilen, verstandesmäßigen Reaktion auf den geheimnisvollen, mystischen Wirkbereich von Neptun und Fische, dem sie kritisch erkennend gegenübersteht und den sie ordnen und verstehen möchte, hat sie ihre eigentliche und höchste Aufgabe. Sie ist die Beschützerin und Bewahrerin des esoterischen Wissens, der zeitlosen metaphysischen Gesetzmäßigkeiten.

Solange nun die mystische Wirklichkeit gesellschafts- und zeitbezogen höchste Anerkennung findet, wie es im Fische-Zeitalter idealisiert und angestrebt wurde, genauso lange wird auch die oppositionell mit angesprochene Jungfrau-Energie als tugendhafte Hüterin esoterischen, tantrischen und philosophischen Wissens agieren. Im beginnenden Wassermann-Zeitalter lösen wir uns aus der Fische-Jungfrau-Achse und damit auch aus der primären Verehrung von Mystik und der ihr zugrundeliegenden Ethik. Unsere neuen Ziele, die Evolution von Freiheit und Wissen, verlangen nach anderen, sozial orientierten Beurteilungsgrundlagen, die eher menschlicher als »übernatürlicher« Art sind. Der heutige Mensch möchte sich nicht mehr ohnmächtig von numinosen Mächten fremdgesteuert und an fatalistische Weltbilder gefesselt wissen, sondern strebt danach, sich unter Einbeziehung eines expandierenden Erkenntnisstandes harmonisch dem Ganzen zu fügen, wobei er die Steuerung auf dem Weg dorthin zumindest für einen großen Streckenabschnitt selbst in die Hand nehmen will.

In der ersten Euphorie gegenüber den neuen Zielvorstellungen individueller und kollektiver menschlicher Freiheit entwickeln wir im jetzigen Übergangsstadium von Fische zu Wassermann eine emotional negativ aufgeladene Allergie gegen alles scheinbar Beengende, Moralisierende, gegen die bürgerlichen und religiösen Manifeste der Vergangenheit. Das Korsett der alten Werte scheint nicht mehr zum momentanen Zeitaugenblick zu passen. Dies empfindet besonders stark die jüngere Generation, in deren Karmagramm Pluto oder Uranus in der Jungfrau steht. Die alten, meist religiös motivierten Normen müssen aber nicht falsch oder unsinnig sein. Sie können jedoch erst dann einen sinnvollen Zusammenhang ergeben, wenn sie in Korrespondenz zu esoterischen oder religiösen Grundgefühlen und Erfahrungen stehen, ebenjenen Basiserfahrungen, denen sie ihr Entstehen verdanken. Aus diesem Kontext herausgenommen, verlieren die Tugenden und Moralvorstellungen der Jungfrau-Energie ihre Gültigkeit und müssen sich auf der Grundlage anderer basishafter Voraussetzungen differenzierend herauskristallisieren.

Eine neue, weltweit anerkannte Ethik, etwa die der Wissensverantwortung oder die einer allgemeinen humanen und sozialen Wertskala, hat sich in der Kürze der Zeit (das Wassermann-Zeitalter hat ja erst begonnen) noch nicht generell befriedigend herausfiltern können. Die Jungfrau hat ihren veränderten Aufgabenbereich noch nicht vollständig im Griff. In Ermangelung zeitadäquater Kriterien greifen wir noch auf Beurteilungsstrukturen des vergangenen religiösen Zeitalters zurück. Irgendwie gibt uns das aber ein ungutes Gefühl, und dies wiederum kann zu einer Ablehnung der inneren Jungfrau-Energie und deren Außenspiegelungen führen. Wir haben dann ein schlechtes Gewissen oder flüchten uns in Krankheit: beides Reaktionen auf unverarbeitete Jungfrau-Thematik. Besonders betroffen hiervon sind spirituell oder religiös orientierte Menschen, die, zusammen mit den alten geistigen Vorstellungen, auch deren Moralkodex stillschweigend übernehmen, hierbei aber nicht den Anschluß an die Jetztzeit mit seinen sich ständig synchron zum Wissensstand verändernden Werten verlieren wollen. Viele von ihnen schaffen noch nicht den fließenden Übergang und fallen in eine vorübergehende Persönlichkeitsspaltung: den sogenannten religiösen und den sogenannten aufgeklärten und modernen Menschen, die in ihnen ein voneinander getrenntes Leben führen. Dies kann in zwanghaften Verlogenheiten, neurotischen Gewissenskonflikten oder aber in einer radikalen Ablehnung gegenüber dem Zeitgeist enden.

Die Jungfrau, Symbol reifender Verarbeitung, bemüht sich um eine bewußte und kritische Synthese des yanghaften Weltbildes, das sich aus den ersten fünf Tierkreisenergien (Widder bis Löwe) zusammensetzt. Erst wenn diese verantwortungsbewußte Arbeit geleistet ist, kann die yin- oder mondhafte Entwicklung der nachfolgenden fünf Energien (Waage bis Wassermann) eingeleitet werden, die im Fische-Archetyp ihre mystische Synthese findet.

Der spirituell Suchende muß sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß er sich in der veränderten Zeitqualität der Wassermann-Ära befindet, in der sich die Bewertungsskala von Gut und Böse fortwährend erweitert und verändert. Er sollte es irgendwie selbstkritisch wagen, Inhalte und Werte vergangener Weisheitseinsichten in neuen, weiteren Maßstäben und offeneren Formen zu verstehen und zu zeitgerechten Interpretationen umzuformulieren. Hiervon ist natürlich auch die alte Astrologie nicht ausgenommen, deren mittelalterliche Beurteilungskriterien, Moral und Ethik einer gründlichen Korrektur bedürfen. Ihre Lehre von Übeltätern, Planeten im Exil und Fall, dunklen Schicksalsmächten, Verletzungen, usw. spiegelt ihre christlich-kabbalistische Tradition und deren Gesinnung und Gerechtigkeitsvorstellungen wider.

In der astro-energetischen Interpretation gehen wir davon aus, daß alle kosmischen Energien einen ausschließlich positiven und erleuchteten Sinn haben und jeder einzelne durch Geschick und Intelligenz dazu in der Lage ist, mittels seines individuellen Energiegemischs (sprich: Karmagramm) zu höchster Einsicht und Vervollkommnung zu gelangen. Hierbei entwickeln sich die neuen Kriterien des Jungfrau-Archetyps nicht auf der Basis des Glaubens, sondern der Gewißheit wissensmäßiger und enttabuisierender Evolution. Parallel zur schrittweisen Entpolarisierung der astro-energetischen Deutungsregeln verändern sich weitere Komponenten, die zur Jungfrau-Thematik gehören: der Verantwortungsbereich und der Unfehlbarkeitsanspruch. Der psychologisch aufgeklärte Astro-Energetiker ist darum bemüht, seine Mitmenschen zu Eigenverantwortlichkeit zu führen und hat lediglich bei der Erschließung des individuellen Energiereservoirs beratend und von Mensch zu Mensch zur Verfügung zu stehen. Es werden in ihm die höheren Jungfrau-Qualitäten eines wertneutralen, aber menschlich engagierten Beurteilers, der nach bestem Wissen und Gewissen differenziert, gefordert.

Seine reine Motivation, die die alten religiösen Vorstellungsbilder ablöst, kann einzig und allein nur darin liegen, einen kleinen Beitrag auf dem Weg zur Selbstverwirklichung und Erleuchtung zu leisten, Entwicklungshelfer auf dem Entwicklungsplaneten Erde zu sein. Seine Arbeit sollte von der Bemühung getragen sein, sein astro-energetisches Wissen durch Erfahrung ständig zu überprüfen und zu erweitern. Seine rollenbezogene Ethik motiviert ihn dazu, möglichst intensiv an der Überwindung seines persönlichen Egos zu arbeiten, um frei von täuschenden Wünschen und Absichten in der Lage zu sein, andere Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit zu erkennen und dadurch effektivere Ratschläge und Hilfen geben zu können. Da die Astro-Energetik bzw. Astrologie in ihrem Wissensaspekt zu den sogenannten esoterischen Disziplinen zählt und damit traditionell sehr stark der Obhut der Jungfrau-Energie (in ihrem mystischen Initiationscharakter der der Fische) anvertraut ist, sollten reine Beweggründe unbedingte Voraussetzung für die Anwendung höchsten kosmischen Wissens sein. Mehr noch: die Klärung der selbstlosen Motivation ist eigentlich vordringlicher und wichtiger als das astro-energetische Wissen selbst. Sowohl Motivationsklärung als auch Überprüfung des Wissensschatzes brauchen Zeit. Deswegen benötigen wir weitere Jungfrau-Kriterien: Ausdauer und Geduld. Auch der Zweifel, eine Entwicklungsmotorik, die dem Jungfrau-Archetypen entstammt und ein Signal für »Möchte ich gerne verstehen, muß ich aber erst noch überprüfen« ist, sollte als belebendes und positives Element einen ernsthaften und ausschließlich aufbauenden Sinn erhalten. Ein Weg ohne Zweifel und dessen erkennende Überwindung, ohne Selbstkritik, ohne die Erarbeitung von Klarheit und Reinheit, ohne das ernsthafte Bemühen um Ego-Transformation und Selbstlosigkeit, versucht die höchsten Prüfsteine der Jungfrau zu umschiffen und kann niemals ein Weg astro-energetischer Profession sein. So viel zu einigen wichtigen Zusammenhängen zwischen der Jungfrau-Thematik und Astro- Energetik.

Um nun zu einem vertieften Verständnis der Jungfrau zu gelangen, müssen wir uns über ihre Arbeitsweise Klarheit verschaffen. Als soziale oder besser überpersönliche Energieform stellt sie sich selbstlos in den Dienst prüfenden Erkennens und polarisierender Wertung. Hierbei trifft sie eine Auswahl, ob dieses oder jenes Kriterium zur Erleuchtung und Vervollkommnung förderlich und sinnvoll oder aber hinderlich ist. Da sie für diese Aufgabe eine hohe Verantwortung empfindet, leitet sie die Dinge aus deren tiefsten und verborgensten Ursachen und Inhalten ab, denn aus dem Kleinsten formt sich das Große, bzw. das Große ist im Kleinen enthalten. Sie geht allem auf den Grund, um über die Ursprungserkenntnis die innere Reinheit und Klarheit anzustreben, die karmische Unbeflecktheit, Neutralität und Verläßlichkeit. Ihr hinterfragendes und erleuchtungsorientiertes Bewerten erhellt gleichzeitig die verborgenen Motivationen, die Basis unseres allgemeinen essentiellen Seins und liefert uns dadurch die Reibungskriterien, die sich aus der Diskrepanz zwischen dem reinen Ursprung und der Verblendung durch das persönliche Ego ergeben. In selbstübersteigender Fürsorge ist die Jungfrau-Energie darauf bedacht, uns aus dem Bereich karmischer Verstrickungen herauszuführen, um uns in den reinen Zustand zurückzubringen, dessen unversehrten Kern wir alle in uns tragen. Da Karma immer dann entsteht, wenn sich das persönliche Ego mit seinen subjektiven und unklaren Wertmaßstäben in den Fluß des Geschehens einmischt, achtet die Jungfrau streng und unnachgiebig darauf, daß sich das Ich an den überpersönlichen Kriterien des erleuchteten Wissens korrigiert (vgl. hierzu auch Artikel über Löwe und Sonne). Ihre Ziele sind karmabefreiendes und karmabefreites Tun. Hierdurch schafft sie die bewußtseinsmäßige Vorbedingung, den Sockel, die Plattform oder den Lotussitz bzw. das Lotuskissen, auf dem mystische Vollendung gefahrlos erlangt werden kann.

Das treffendste Symbol für die Jungfrau-Energie ist der Lotus, Ausdruck von Ethik, Reinheit und Tugend, als erkenntnisrelevante Reaktion auf die dunklen und archaischen Ursprünge, die im Schlamm verborgenen Wurzeln des Fische-Archetyps. Die energetischen Manifestationen des hinduistischen und buddhistischen Götterpantheons werden sehr häufig auf einem Lotus thronend dargestellt, d.h., sie sind bewußtseinsmäßig erfaßte und ethisch bewertete Filterungen des Fische-Archetyps. Durch die Jungfrau-Energie wird eine Strukturierung der mystischen Ursprünge sichtbar, die ihre Basis im oppositionellen Fische-Archetyp haben. In die Fische-Energie zurückgespiegelt, werden die Gesetzmäßigkeiten der Jungfrau-Prinzipien wohl offenbar, relativieren sich aber in der metaphysischen Unendlichkeit des Wasser-Elements.

Der Lotus mit seinen Wurzeln in Dunkelheit und Schlamm erblüht über der Wasseroberfläche dem Licht der Erkenntnis entgegen, wobei er ständig dem Fische- und Neptunbereich verbunden bleibt. Er ist ein Resultat der Läuterung und Reinigung von karmisch bedingter Unwissenheit. Im buddhistischen Kulturraum werden erleuchtete Energien, künstlerisch visualisiert, immer auf einem Lotus thronend dargestellt, auf dem sich wiederum eine Sonnen- oder Mondscheibe befindet (Symbole männlicher oder weiblicher Weisheitsenergie). Die Bedeutung des Lotus ist vollkommen identisch mit der höheren Jungfrau-Qualität. Er weist abstrakt auf die Voraussetzungen, die zu leisten sind, und auf feine Art didaktisch auf die Vorbedingtheit der Erleuchtung hin: karmische Unbeflecktheit, reine und selbstlose Motivation, Blumigkeit, Befreitheit von Täuschungen (dem Dunkel des Wassers enthoben), Bodhisattvadenken (Lotus als Symbol des selbstlosen Seins) und höchste Gewißheit (der Lotus als Träger von Licht- bzw. Erleuchtungsenergie). Was sich dann auf diesem vor-bedingten Lotus befindet, ist der Ausdruck visuell dargestellter neptun- und fischehaltiger Energiemanifestationen. Es sind die tragenden und egobefreiten mystischen Bildkräfte in Form verschiedenartiger Gottheiten und Dämonen, die alle Ausdruck ein und derselben Urenergie bzw. des sogenannten Leerezustandes sind.

Im Trainingsprogramm der Jungfrau entwickeln wir Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gegenüber den Auswüchsen unseres persönlichen Egos auf der einen Seite (Selbstüberprüfung) und eine selbstkritische Verantwortung für unseren Körper, unsere Gefühle, unser Denken und unsere geistigen Werte auf der anderen Seite. Indem wir uns von uns selbst distanzieren, gewinnen wir eine höhere Art von Selbst-Bewußtsein (vergl. auch Saturn und Ziegenfisch) und sind in der Lage, uns entgegen unseren persönlichen Zielen und Wünschen wie ein abseitsstehender Beobachter zu korrigieren und unser Denken und Tun an ethischen oder sozialen Maßstäben zu beurteilen. Wir werden aufgefordert, innezuhalten und die Motivationen unseres Agierens zu hinterfragen. Die Jungfrau-Energie stellt uns selbst und unseren Standort im sozialen Gefüge dadurch in Frage, daß sie uns immer wieder auf die dringende Notwendigkeit der Ego-transzendierenden Motivationsklärungen aufmerksam macht: Habe ich dies oder jenes gemacht, um mein persönliches Ego zu erweitern, oder tat ich es aus klar erkennenden Beweggründen? Je ungeheuchelt reiner und von den Intentionen des Egos befreiter unsere durch Achtsamkeit entstandene innere Einsicht und Klarschau entwickelt ist, desto basishafter haben wir die Vorbedingungen, d.h. die Tugenden der Selbstlosigkeit, die dem Erleuchtungsweg zugrunde liegen, verwirklicht.

In der asiatischen Psychologie entsprechen diese jungfrauadäquaten Übungen z.B. der Klarblicks- oder Vipassana-Meditation, dem Kriya-Tantra der Reinwerdung, der kritischen Motivationsüberprüfung des Erleuchtungsgedankens, den Enthaltsamkeits- und Keuschheitsgelübden in den verschiedenen religiösen Systemen, asketischen Übungen und dem Befolgen bestimmter Ernährungsregeln (z.B. Vegetarismus), die dazu verhelfen sollen, unser Wesen von egohaften Verunreinigungen zu läutern, um bestmögliche Vorbedingungen für die Neptun- und Fischeebene der magischen und mystischen Initiation, Verwandlung und Einswerdung zu schaffen. Wenn der vorbedingte Charakter der Jungfrau jedoch zum Endziel stilisiert wird, kann dies nur in leeres Puritanertum, in die Erstarrung esoterischer oder religiöser Formalismen oder in eine märtyrerhafte Form von moralisierender Heiligtuerei münden. Ihres tieferen Sinnes beraubt, erhält die Jungfrau-Energie dann jenen negativen Beigeschmack, den sie durch den jahrtausendelangen Prozeß der Erstarrung und Veräußerlichung mystischer Einsicht durch Bürokratisierung und Entfremdung der esoterischen und religiösen Systeme bekommen hat. Sie wirkt dann altjüngferlich, piedstisch und sektiererhaft, wie ein künstlich aufrechterhaltenes Gefängnis von Geboten und Gesetzen. Sie gleicht einer unbefruchteten, verwelkenden Lotusblüte, die Motivation und Ursprung und damit den Sinn ihres reinen Erblühens vergessen hat. Der Kontakt zu ihren Wurzeln ist unterbrochen. Schwieriger wird die Situation, wenn sich die Jungfrau-Energie von ihrer metaphysischen Basis noch weiter entfernt, in bürgerlichen Normen, Bürokratien und Moralvorstellungen verliert. Gesetze und Vorschriften, die vielleicht einmal einen tieferen Sinn gehabt haben, werden durch die Tradition unreflektiert und unkritisch übernommen, als Basiswerte akzeptiert, ohne dabei die Grundlagen in Frage zu stellen oder wenigstens zu kennen. Die gründlich analysierende und zur Überprüfung auffordernde Jungfrau verliert ihren Einfluß, weil es leichter ist, die Dinge unkritisch zu übernehmen und auf ein Nichts hin zu glauben, als ihnen auf den Grund zu gehen und sich seine Kriterien mit höchster Sorgfalt, Verantwortung und unter Zuhilfenahme bestehender denkerischer Angebote selbst zu erarbeiten.

Besonders problematisch wird das laxe Umgehen mit der Jungfrau, wenn wir die allgemeine Gesetzgebung betrachten. Ihre stillschweigend vorausgesetzten ethischen Normen vermischen sich nämlich auf undurchsichtige Art und in nichts als einem vagen Glauben wurzelnd in ihren Ursprüngen mit christlich-religiösen Werten. Hierbei verbirgt sich die Gesetzmäßigkeit hinter einer scheinbaren Objektivität und prägt dadurch ein soziales Gerechtigkeitsempfinden, das einem über zweitausend Jahre lang tabuisierten Gut-Böse-Glauben entspringt. Wie es in der Mythologie der Vesta aufs eindringlichste zum Tragen kommt, bewirkt das umsorgende Bemühen der Jungfrau die Voraussetzungen und die Erhaltung des geistigen Feuers der Erkenntnis. Wird sie aus dieser Funktion herausgerissen, d.h., fehlt ihr die geistige Komponente, erstarrt sie in leerem Bürokratismus, Prinzipienreiterei und moralischer Fassade. Es passiert das Schlimmste, was ihr passieren kann: sie wird unglaubwürdig und führt zu Stumpfsinn. ...

... Sinngebung besteht nicht in einer leichtfertigen Rechtfertigung alles Bestehenden, sondern weist stets über das sinnfällig Gegebene und die Beschränktheit des Individuums hinaus und schafft das allem Lebendigen notwendige dynamische Element, den Ansporn zum eigenen Bemühen. Die Sittlichkeit aber, die aus solcher Sinngebung erwächst, unterscheidet sich von jener aus Vemunftsätzen oder Dogmen abgeleiteten Muß- und Soll-Moral durch ihre innere Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit. Sie ist nicht etwas Gefordertes, sondern Erwünschtes, etwas zur eigenen inneren und äußeren Harmonie Unentbehrliches. Und je höher die Religion, d.h. je reiner die Hingabe ist, desto höher die Sittlichkeit.
Govinda: Schöpferische Meditation

Die verschiedenen sozialen, politischen und nationalen Systeme entwickeln aus sich selbst heraus Normen und moralische Wertmaßstäbe, die einer von der breiten Masse anerkannten ethischen und reinen Grundeinstellung entsprechen sollen. Da sich die Menschheit aber weniger an der Erleuchtung als an materialistischen Zielvorstellungen orientiert, können ihre Gesetze und Vorschriften keine wirkliche Verwandlung, kein geistiges Erblühen, keine spirituelle Transformation bewirken. Ihre Gesetze schaffen ebenso wie die Vorschriften dekadenter Religionen Lotusknospen, die nie erblühen werden, deren Wurzelessenz sich nicht zeigen kann. Erst wenn die Menschheit als Ganzes das individuelle Sein in weitreichenderen und höheren Dimensionen und Zusammenhängen erkannt und dadurch neue Zielvorstellungen und geistige Konzepte entwickelt hat, wenn Exoterik und Esoterik sich gegenseitig durchdrungen haben, wird die Entwicklung der individuellen und kollektiven Lotusblüten wieder einen Sinn haben. Die neptunischen Bildekräfte werden in uranisch-energetischer Abstrahierung durch die neuen Tugenden eines kosmisch und spirituell ausgerichteten Menschen aus dem Dunkel in das Licht der Gewißheit und Vervollkommnung überführt werden. Die Lotusblüten der Jungfrau werden in der Wassermann-Ära nicht auf Glauben und Vertrauen, d.h. auf den Erfahrungen von Mystikern und Philosophen aufbauen, sondern auf dem vom Einzelnen nachprüfbaren kollektiven Wissen über die verborgenen Hintergründe unseres Seins. Es ist z.B. etwas anderes, ob wir an die Wiedergeburt glauben oder um die Wiedergeburt wissen. Trotzdem kann sich als Folge von beidem die Ethik unserer Grundeinstellung und unseres Tuns gleichermaßen und grundsätzlich verändern.

Weiterhin wird uns die Jungfrau ein hohes soziales Verantwortungsbewußtsein vermitteln können, das den kollektiv orientierten Vorstellungen des Wassermanns eine gewisse Ernsthaftigkeit und Wirklichkeitsnähe verleiht. Auch in der Transformierung persönlicher Triebe und Leidenschaften zugunsten der höheren Erkenntnisfindung haben Jungfrau- und Wassermann-Energie starke Affinitäten. Sie bemühen sich gleichermaßen, jedoch mit einem verschiedenen Elementencharakter (Luft und Erde) um einen androgynen Urzustand, Ausgangsbasis von Objektivität, Neutralität und harmonischer Vervollkommnung.

Am Ende stellt sich doch heraus, daß sich Chaos und Ordnung, Freiheit und Tugend, Wissen und Ethik, schöpferische Intelligenz und reine Motivation, kurzum Jungfrau und Wassermann nicht widersprechen, sondern wechselseitig bedingen. Mag die Jungfrau das Neue Zeitalter gründlich in Bewegung halten!

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Hans Hinrich Taeger:
Astro-Energetik

Hans Hinrich Taegers Buch "Astro-Energetik", erstmals erschienen im Jahr 1982, unternimmt den Versuch, die Bereiche altehrwürdiger Astrologie und des traditionellen buddhistischen Weltbildes unter der neuen Bezeichnung »spirituelle Astro-Energetik« zusammenzuführen.

Hans Hinrich Taeger starb im Jahr 2013, und seine Werke drohten in Vergessenheit zu verschwinden. Thomas Siegfried, sein langjähriger Lebensgefährte und Erbe, hat Astrodienst im Jahr 2017 die Rechte zur Online-Publikation von Taegers Bücher erteilt. Wir haben den Inhalt der zweiten Ausgabe nun für diese Online-Ausgabe aufbereitet und freuen uns, dieses aussergewöhnliche Buch hier der astrologischen Community zur Verfügung stellen zu können.

Wir veröffentlichen es kapitelweise und werden nach vollständiger Veröffentlichung auch noch ein druckbares PDF anbieten. Im Inhaltsverzeichnis finden Sie die Release-Daten der einzelnen Kapitel.

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