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Saturns Wiederkehr
Wenn Saturn über den Radix-Saturn transitiert

"Das Schicksal mischt die Karten, wir sind die Spieler."

Dieses Zitat des Philosophen Schopenhauer zeigt, wie wichtig es ist, die Herausforderungen zu meistern, vor die wir vom Schicksal, vom Leben und auch von unserem eigenen Karma gestellt werden.

Der Satz „Wie das Leben eben so spielt!“ zeigt uns die Wechselfälle des Lebens und des Schicksals. Der Ausdruck „Dem hat aber das Leben übel mitgespielt!“ will sagen, dass es mitunter harte Schicksalsschläge oder auch ganz schwierige Schicksale gibt. Nun, wie spielerisch wir mit diesen Herausforderungen umgehen können, sei dahingestellt. Auf jeden Fall benötigen wir dazu das nötige Know-how.

Die astrologischen Konstellationen vermitteln uns, in welchen Zeiträumen und zu welchen Zeitpunkten uns schicksalsmäßige Herausforderungen begegnen, da sie uns die Zeitqualität anzeigen. Astrologische Zeitqualitäten (Frage: „Wofür ist es jetzt – die richtige – Zeit?“) lassen sich ablesen, wenn man Transite, Progressionen, Direktionen oder z. B. auch den Alterspunkt untersucht.

Saturns Wiederkehr

Zwei- bis maximal dreimal im Leben erreicht der Planet Saturn seine Ausgangsposition im Geburtshoroskop eines Menschen. Im Folgenden sollen die Theorie und die Praxis dieser Wiederkehr Saturns beschrieben werden. Ich möchte also Saturns Transite über sich selbst beleuchten. Ein einleitendes Fallbeispiel über die Wirkung des Saturns in Steinbock und ein aktuelles Beispielhoroskop mit Saturns Wiederkehr in Skorpion sollen zeigen, dass es sich nicht unbedingt immer um grandiose Lebenserfahrungen handeln muss; es sind die scheinbar unscheinbaren, eben saturnischen kleinen und doch ungeheuer wichtigen Reifungsprozesse, die den Menschen in einer Erdeninkarnation durch die Auseinandersetzung mit Saturn und ihre angemessene Verarbeitung weiterbringen können. Jeder Sachkundige weiß, dass große Ereignisse und Lebensveränderungen nur dann geschehen können, wenn auch Direktionen oder Progressionen im Spiel sind, wobei dann die Transite das Ereignis auslösen. Zu beachten ist, dass Rückläufigkeiten besonders tief gehende Lern- und Prüfungserfahrungen ermöglichen bzw. fordern.

Reifezyklen

Saturn benötigt für einen Umlauf zirka 29 Jahre. Auf den Menschen bezogen wirken sich diese Umläufe als Reifezyklen aus. Wer 90 Jahre alt wird, hat somit drei vollständige saturnale Reifezyklen durchlebt. Wir werden diese nun im Folgenden genauer anschauen.

Reifezyklus (0 bis 29 Jahre)

Im ersten Reifezyklus geht es um Lern- und Reifungsprozesse in Kindheit, Jugend und im jungen Erwachsenenleben. Thema: Ich wachse ins volle Erdenleben hinein. Man experimentiert und man sollte Fehler machen dürfen, aus dem man dann lernt. Wie wir aus der Entwicklungspsychologie wissen, lernen wir durch Nachahmung und durch Trial and Error (Versuch und Irrtum).

Reifezyklus (30 bis 58 Jahre)

Den zweiten Reifezyklus könnte man überschreiben mit „Trau keinem über Dreißig!“ Ab dreißig Jahren gehört man für die Jugend bereits zu den Alten; es handelt sich deutlich um eine völlig andere Lebensphase, was die jungen Leute völlig korrekt empfinden. Während des zweiten Reifezyklus steht man als Erwachsener voll im Leben, alle Saturnaspekte werden wieder neu durchlaufen; man begegnet – auf der Entwicklungsspirale eine Etage höher – denselben Herausforderungen, denselben Mustern in neuem Gewand wieder und hat eine neue Chance, zu lernen und zu wachsen. Vielleicht hat der Mensch im Sinne Schopenhauers schon besser „spielen“ gelernt? Es ist die Phase der Meisterung des Lebens, der Bewährung, der Partnerfähigkeit, des Erfolgs, der Karriere. Fehlen bestimmte Erfahrungen in Kindheit und Jugend, kommt nun die zweite Jugend. Manche Ehen werden nun geschieden, weil Nachholbedarf an sexuellen Erfahrungen besteht. Manch einer hat sich zu früh gebunden.

Reifezyklus (59 bis 88 Jahre)

Die dritte Reifungsspirale beginnt zwischen 58 und 59 Jahren. Man kann sie als die Phase der Altersreife und der Altersweisheit bezeichnen. Für die Jüngeren gehören wir nun definitiv zum alten Eisen. Der Mensch lernt durch Rückblick auf sein Leben. Es ist die Zeit für einen langsamen Rückzug aus dem Tagesgeschäft, aus dem äußerlichen Leben, ein Schwinden der Körperkräfte, dafür ein Wachsen der inneren Kräfte und der Weisheit. Je älter wir werden, umso stärker lässt das Kurzzeitgedächtnis nach, dafür überschwemmen Erinnerungen an früher (aus dem Langzeitgedächtnis) den Geist. Nach Abschluss der Berufstätigkeit schreibt so mancher an seinen Memoiren und bereitet sich auf seinen Tod und vielleicht sogar – soweit als möglich – auf das Leben danach vor. Wunsch und Wichtigkeit, von der Außenwelt bestätigt zu werden, verlieren rapide an Bedeutung.

Im dritten saturnischen Reifezyklus entsteht das natürliche Bedürfnis des alternden Menschen, äußerlich und innerlich sein Leben zu ordnen, er übergibt peu à peu sein physisches und geistiges Erbe, er erledigt seine „Geschäfte“, wie es eine meiner wichtigen Lehrerinnen, die große Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross ausgedrückt hat. Erst dann kann er ruhig sterben und loslassen. Wer die Ziele des dritten Saturnzyklus nicht erkennt und sein Leben nicht mit ihnen in Einklang bringt, kann schnell krank werden: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Krebs, Alzheimer und andere Leiden wollen den Menschen auf die fehlende Verarbeitungen von Erlebnissen hinweisen, die dringend notwendig wären. Eine medizinische Behandlung allein ist dann – wenn überhaupt – nur selten erfolgreich. Aus meiner Erfahrung lohnt es sich aber in jedem Fall, unerledigte lebensgeschichtliche und manchmal auch karmische Ursachen zu erkennen und zu verarbeiten.

Reifezyklus (ab 89 Jahre)

Wer mit etwa 87 Jahren die vierte Runde der Reifungsspirale erreicht, gehört bereits zu den Greisinnen und den Greisen. Ein dreimal durch Saturns Schule gegangener Mensch könnte nun einige Lebensreife und Weisheit erlangt haben. Ein im Jahre 1955 geborener Nativer wird seine letzte Saturn-Runde im Jahr 2043 beginnen. Ziel ist es, das Ende des Lebens noch einmal zu genießen, sich von allen übernommenen Verantwortungen und Lebenslasten zu befreien. Ein Paradebeispiel ist der holländischen Schauspieler Johannes Heesters. Manche Greise, die den Tod vor Augen haben, werden dann wieder wie Kinder: Werden sie verwöhnt, gehätschelt und gepflegt, sind sie glücklich. Ironisch gesagt: Endlich bekommt man, was man ein Leben lang vermisst und ersehnt hat. Man darf es auch verlangen, Körper und Seele benötigen diese Pflege. Man hat sie verdient. Ein körperlich gesunder lebensreif gewordener Greis macht sich keine Sorgen mehr; er redet und erzählt viel von längst vergangenen Zeiten. Er hat alle Verantwortung an andere abgegeben und hat nur seine „Zipperlein“, sofern er nicht krank ist. Ist er auch geistig noch gesund, isst und schläft er gern und erfreut sich an sozialen Kontakten mit Jungen und Gleichaltrigen und an geistiger Anregung. Ist er spirituell eingestellt, hält er Zwiesprache mit seinem Gott und bereitet sich gefasst auf seinen Tod vor. Bald wird er, voll von vielen verarbeiteten und integrierten Lebenserfahrungen und daraus gewachsener Weisheit, in die andere Welt überwechseln, wenn sein Leben erfüllt ist.

Saturnische Neubewertung

Saturn gilt seit alters her als der Planet des Alters. Meist kommt mit dem Alter die Reife und die Weisheit, Saturn schenkt Erfahrung, Lebenserfahrung. Die meisten Menschen lernen durch ihre Erfahrungen, auch wenn es manche nicht so leicht haben. Hängt man zu sehr am Alten, am Althergebrachten, an der Tradition oder an der Herkunft, aber auch an seinen alten Ideen, Wünschen oder nicht erfüllten Sehnsüchten, werden alle Erfahrungen umsonst gemacht: Man macht zwar Erfahrungen, aber man lernt nicht daraus!

Nur wenn man aus seinen Erfahrungen lernt, d. h. seine Erfahrungen auswertet, vor allem bittere und schwere Erlebnisse aufarbeitet, durchdenkt und durchspürt, wird man seinem Saturn gerecht. Wer dies nicht tut, hat die Herausforderung und die Chance noch nicht verstanden, die Saturn schenkt. Da Saturn dem Steinbock als einem Erdzeichen zugeordnet wird, beziehen sich saturnische Erfahrungen immer auf den Umgang mit der materiellen Realität. Eine nüchterne realistische Bewertung einer konkreten Erfahrung ist gefragt! Man benötigt Zeit für eine gründliche, rationale und empirische Analyse der Tatsachen, der Entscheidungen, der Ideale, der Wünsche und der erlebten Emotionen. Die von Saturn geforderte Neubewertung erfordert die Entscheidung für einen neuen, anderen, besseren und angemesseneren Weg – und ihre Umsetzung in veränderte Realität. Sonst hat man eben nichts dazugelernt. Bewusster lebende Menschen mit Saturn in Steinbock haben daher auch einen (eben auch saturnischen) Ehrgeiz, eine Strebsamkeit, alle ihre Erfahrungen aufzuarbeiten, um aus ihnen zu lernen. Diese Tatsache will ich mit folgendem Beispiel illustrieren.

Fallbeispiel

Eine Frau mit Sonne und Mond in Wassermann und Saturn in Steinbock, die sich intensiv von mir astrologisch und transpersonal-psychologisch beraten lässt, nutzt jede Gelegenheit, um sich weiterzuentwickeln. (Das Wassermannzeitalter wird diese Einstellung einmal generell verlangen!) Manche Prozesse dauern saturnisch lange, aber diese Frau hat auch die nötige Ausdauer. Auch am chronischen (Mutter-)Problem werden immer wieder neue Gesichtspunkte bearbeitet. Da ihre Mutter unter den Folgen der Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten leidet, an ihre Probleme aber nicht herankommt, muss die Tochter mit kranken Verhaltensweisen fertig werden, die sich daraus für die Mutterbeziehung ergeben. Es handelt sich um zunächst unbewusste Themen, die von der Mutter auf die Tochter übertragen wurden: angstbesetzte Fluchttendenzen bei gleichzeitigem Wunsch nach Geborgenheit, sich im Stich gelassen fühlen, sich vernachlässigt fühlen, die Herkunftsfamilie ist wichtiger als die eigene Familie, u. a. Ihre Sonne und ihr Mond im Wassermann schenken ihr dabei das Bewusstsein, dass unser Evolutionsziel seelisch-geistige Weiterentwicklung ist. Der Steinbock-Saturn gibt ihr als Ressource den notwendigen Ehrgeiz, die Probleme zu bewältigen, und die Ausdauer, sie auch vollständig und tiefgründig zu verarbeiten. Dabei arbeitet sie häufig auch mit dem von mir entwickelten transpersonalen Analyse- und Lösungssystem Exploration of Occult Factors. (1)

Saturns Wiederkehr im Radixhoroskop

Bei Saturns Wiederkehr handelt es sich um einen Transit des laufenden Saturns über den Saturn im Geburtshoroskop. Schauen wir mal, was mehrere Altmeister der Astrologie dazu sagen. Die zitierten Passagen sind dabei auch Fundgruben erfahrenen Wissens aus der jüngeren deutschen Geschichte der Astrologie.

Alexander von Prónay, als Pädagoge in der Partnerschafts-, Ehe-, Erziehungs- und Personalberatung tätig und ab 1968 Herausgeber des astrologischen Jahrbuchs Prónay-Lorcher, schildert seine Erfahrung mit Saturn so:

Als Transitor verkörpert Saturn das Prinzip der Konzentration und der langsamen Entwicklung. Ziel des Transits ist häufig die Umwandlung der Persönlichkeitsstruktur. (2)

Saturn im Trigon, im Sextil und in der Konjunktion, „Saturn im harmonischen Aspekt zum Radixort spiegelt selten ein direktes Ereignis, hat aber Einfluss auf die Gestaltung längerer Zeiträume.

Charakter und Gesundheit: Besonnenheit, Ernst und Geduld werden gefördert, damit auch jene Verhaltensweisen, die auf Dauer Erfolg versprechen. Mit Geduld sind Hindernisse zu überwinden, unter einem günstigen Saturnaspekt beginnt man Unternehmungen von Dauer ...

Materielles: Günstige Saturnaspekte fördern alle materiellen Unternehmungen, lassen zu Geld und Gut kommen ... Gefördert wird alles, was ein Ziel hat, konzentriert, methodisch, mit Ordnung angegangen wird und der Sicherung, besonders im Alter, dient. Begünstigt sind ferner materiell fundierte Beziehungen zu anderen Menschen ...

Beruf: Eine sehr gute Zeit für ernste Studien, für größere Geschäfte oder für schwere Arbeiten. Man muss sich anstrengen, und das Ergebnis entspricht nicht immer dem Aufwand, wird aber durch eine gewisse innere Befriedigung wettgemacht. Günstig für Tätigkeiten, die Grund und Boden betreffen, rein praktischer Art sind oder auch richtungsweisend für die Zukunft. (3)

Herbert Löhlein nahm als Astrologe und Psychologe bereits 1952 an einem groß angelegten astrologischen Untersuchungstest mit dem Freiburger Parapsychologen Professor Bender teil. Löhlein liefert eine sehr lebendige Schilderung der Schicksalhaftigkeit des Saturns, wenn er „über seinen eigenen Platz im Horoskop“ wandert:

Diese Saturntransite sind in der Tat schicksalhaft, denn sie bezeichnen in allen Fällen Belastungsproben auf vielerlei Lebensgebieten ... Saturn wird nicht abrupt, plötzlich, auffällig in Erscheinung treten, seine spezifische Wirkung ist vielmehr schleichend, unterminierend, langsam vorbereitend. Man kann annehmen, dass Saturn bei diesen Transiten über seinen eigenen Platz im Horoskop eine Prüfungsperiode einleitet...

Anschließend betont Löhlein die Befreiung aus erdenhaft-materieller Gebundenheit durch Saturntransite, wenn er seine Erfahrungen wie folgt preisgibt: "Stets ist also Saturn am Werk, wenn eines Menschen Stunde schlägt, wenn er aus dem Trott seines Versponnenseins in die Dinge der Materie nicht mehr herausfindet. Saturn löst und bindet, gibt im Geistigen und nimmt im Materiellen. Wenn er auf materiellem Plan gibt – und dies kann bis zu außergewöhnlichem Grad geschehen –, so ist das ein ‚Danaergeschenk‘: Früher oder später fordert Saturn Rechenschaft über das verwaltete Gut. Das populäre Sprichwort: ‚Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher‘ trifft in vollem Ausmaß auf Saturn zu." Löhlein fügt eine Warnung für folgende kritische Saturnposition hinzu: "Wer einen verletzten Saturn in Feld X oder nahe dem Meridian hat, für den gilt dies ganz besonders! Seinem Aufstieg kann der Sturz auf dem Fuße folgen". (4)

Ein weiterer Altmeister der Astrologie, Ernst Günter Paris, wurde im Jahre 1950 von Hans Joachim Schoeps (Professor für Religions- und Geistesgeschichte in Erlangen) beauftragt, unter Mitarbeit maßgebender Astrologen das Heft ASTROLOGIE, Wissenschaft oder Trugschluss zusammenzustellen. Paris wurde dann selbst Professor in den USA. Paris beschreibt kurz und bündig von „Saturn T über Saturn R“: „Harmonisch: Kraft und Geduld, um eine Sache durchzuführen oder ein kompliziertes Unternehmen zu einem Ende zu bringen. Besonnenheit. Ausgewogenheit. Einsichtsvolles Vorgehen. Ordnung und Methode bei der Arbeit. Disharmonisch: Unlust. Es fehlt an Schwung, um etwas durchzuführen. Egoismus macht sich störend bemerkbar. Mangel an Einsicht. Schlechte Gesundheit. Stoffwechselstörungen. Erschwerungen bei der beruflichen Arbeit.“ (5)

Aus Sicht seiner „wesenhaften Astrologie“ beschreibt Ludwig Laveuve Saturn als den Hüter der Schwelle zum Transpersonalen: „Eine der Hauptaufgaben im Leben eines Menschen ist das Erkennen und Auflösen seines Saturns ... Saturn ist nicht Teil der Wesensstruktur des individuellen Selbst, sondern Faktor im Wirkungsbereich der irdisch-stoffgebundenen Wegstrecke. So ist der saturnische Einfluss in erster Linie festigend und zugleich festhaltend begrenzend, weil er an die Materie fesselt, wodurch diese zu ernst und wichtig genommen wird. Dadurch wird das Höhere, das Über-Materielle nicht empfunden, gefühlt und erlebt. Deshalb ist Saturn der große Prüfer, der erkannt und aufgelöst werden muss, bevor höheres und tiefergehendes Erleben möglich ist.“ (6)

In der Sprache der modernen Astrologie sprechen wir nicht mehr von Auflösung des Saturns. Saturn kann ja nicht aufgelöst werden. Wir verwenden das Wort „Saturn erlöst“, wenn wir sagen wollen, dass der Native gelernt hat, mit dieser Konstellation souverän umzugehen.

Als Nächster sei Professor Ude zitiert, der uns Saturn kurz und bündig und im schonungslosen Klartext nahebringt: „Saturn über den Saturn und a) die unglücklichen Saturn-Aspekte: Bringen Todesfälle in der Familie, Geldverluste, Ehrverluste, Kränkungen, Gefangenschaft, Enttäuschungen, Schwierigkeiten mit älteren Personen, Erkältung, Neigung zu Trübsinn, Schwerfälligkeit, Egoismus, Geiz, Heuchelei, Melancholie, Hang zur Einsamkeit; b) über die harmonischen Saturn-Aspekte: Machen zäh, ausdauernd, standhaft, fleißig, wahrheitsliebend, bedingen Erfolg in allen Angelegenheiten mit älteren Leuten, Glück in der Landwirtschaft (und Gartenbau – Ergänzung. d. Verf.), Bautätigkeit, im Bergbau, oft auch eine Erbschaft. (7)

Welche Bedeutung Elsbeth Ebertin für die Kosmobiologie gehabt hat, lässt sich kaum ermessen. Posthum wurde im Ebertin Kalender 1951 ein Auszug aus ihrem Buch Was bringt mir Glück? über die Überwindung des Saturns veröffentlicht. In klarer und deutlicher Sprache betont sie Saturns Schicksalhaftigkeit, seine Prüfungsaufgabe und seinen Impuls zu mehr Transpersonalität (zu den Dingen „jenseits der Schwelle“). Gleichwohl erklärt sie auch die angemessene Art und Weise, wie man sich auf seine Transite praktisch einstellen kann:

„Saturn fragt nicht danach, ob ein Mensch reich oder arm, in hohem Amt und Würden steht, geehrt oder unbekannt ist; er kann Kaiser und Könige von ihrem Throne stürzen, Reiche bettelarm machen, er verlangt aber vom Menschen, gleich welchen Standes, seelische Vertiefung, geistige Konzentration und Verantwortungsgefühl ... Wer sich unter Saturn-Aspekten freiwillig einschränkt, in allen beruflichen und geschäftlichen Unternehmungen vorsichtig disponiert, sich nicht viel mehr anschafft, als er wirklich bezahlen kann, der wird auch, wenn ihn unverhoffte Schicksalsschläge treffen, wie Krankheit oder Trauer in der Familie, nicht in zu große Schulden hineingeraten ... Wer statt nach äußeren Dingen, mehr nach Vergeistigung und innigster Gottverbundenheit strebt, der wird ebenfalls weniger die Härte des Saturns verspüren, weil er sich schon im Einklang und in Harmonie mit dem Unendlichen fühlt.“ (8)

Diesen Zitaten der Meister möchte ich nichts weiter zufügen. Das folgende Beispiel wird die oben gemachten Aussagen veranschaulichen:

Fallbeispiel Felix

Felix hat eine Zwillingssonne und den Aszendenten in Steinbock: Der Geburtsherrscher Saturn steht in Skorpion kurz vor dem Medium coeli (Abb. 1). Ich beginne mit der aktuellen zweiten Wiederkehr des Transit-Saturns über seinen Radix-Saturn und beleuchte anschließend im Rückblick die früheren Übergänge und Oppositionen.

Saturns zweite Wiederkehr

Radix Felix
Abb.1: Fallbeispiel Felix, 13.6.1955, 22:25 MEZ, Heidelberg/D, 08E41, 49N24
„Du wirst alt!“, sagte seine Frau eines schönen Tages zu Felix. Und er schaute in den Spiegel und sah es mit Schrecken: Noch nie hatte er die Falten in seinem Gesicht so deutlich wahrgenommen. In den Falten graben sich die Lebenserfahrungen ein, sagt doch der Volksmund: Jede Falte ist eine Spur gelebten Lebens. Er war 58 Jahre.

Es ist die zweite Wiederkehr des Saturns auf Felix‘ Saturn: Die Beschreibungen vorgenannter Autoren lesen sich nun wie in einem Bilderbuch: Felix schloss eine neue Rentenversicherung ab, legte Kapital (zum Teil in Immobilien) an, um sein Alter noch besser abzusichern. Ebenso regelte er die materielle Seite seiner seit 22 Jahren freien (uranischen) Partnerbeziehung, (9) indem er seine Partnerin heiratete, um Steuern zu sparen und das Erbe steuerfrei zu sichern. Er stellte sie in seiner Firma an, um sie fest im sozialen Sicherungssystem zu verankern. (Zuvor hatten die beiden solche Maßnahmen weit von sich gewiesen.) Er förderte ihre Einbürgerung in den deutschen Staat, um ein dauerhaftes Bleiberecht zu erwirken. Alle diese Prozesse dauerten viel länger als geplant, konnten aber dadurch bestens bedacht und organisiert werden. Auch ein passendes Heiratsdatum ließ sich dadurch elegieren, da die Beschaffung diverser Unterlagen mehr Zeit kostete.

Transite Felix
Abb. 2: Innenkreis: Felix Radix. Außenkreis: Felix, zweite Saturnwiederkehr, 16.11.2013, 19:55:34 MEZ, Tuttlingen/D, 08E49, 47N59
Auch in seinem handwerklichen Beruf konnte er sich in dieser Zeit steigern und sich aufgrund der guten Auftragslage und durch seinen vollen Einsatz ein höheres Einkommen sichern. Das verdiente Geld investierte er wohl überlegt und verteilt in relativ sichere zukunftssichere und nachhaltige ökologische Anlagen (Immobilien und Lebensversicherung). In dieser Zeit begann er auch ein weiteres nebenberufliches, langfristiges Forschungsprojekt zu realisieren, was ihn zurzeit viel Geduld und Anstrengung kostet. Seine Geduld wird noch geprüft, da die drei Verlage, die an seinem höchst aktuellen Manuskript interessiert sind, keine Zeit zum Lesen haben. Seine langfristigen Geschäftsziele werden geprüft: Er entscheidet, einem guten Kunden einen von diesem gewünschten Nachlass zu gewähren, um in Zukunft mit ihm dauerhaft Geschäfte machen zu können. Die Alternative wäre der Abbruch der Geschäftsbeziehung gewesen.

Die Transitsonne steht im Horoskop der zweiten Wiederkehr Saturns (Abb. 2) exakt an Felix MC, mit Trigonen zum Radix-Mond im zweiten Haus und der Jupiter-Uranus-Konjunktion in Sieben, mit einem Quinkunx zur Sonne-Merkur-Konjunktion. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er den lang ersehnten beruflichen Durchbruch in die Öffentlichkeit schafft. (In der Radix ist Pluto in Löwe MC-Herrscher, steht aber im Quadrat zum MC!)

Deutlicher kann Saturns zweite Wiederkehr nicht illustriert werden. Intensive Absicherungsmaßnahen bezüglich der materiellen Seite des heranrückenden Alters wurden getroffen. Nun schauen wir, was die früheren Saturntransite ausgelöst haben:

Die erste Saturn-Saturn-Opposition

Saturn T Opposition Saturn R im Jahre 1970: Der 15-jährige Gymnasiast bleibt sitzen. Saturn T steht in Konjunktion mit Merkur T. Dieses Wiederholungsjahr erweist sich für Felix als Segen: Mit Jupiter T in Trigon zu Sonne R wird er ein guter Schüler und bleibt es bis zum Abitur. Das war unerwartet für alle Lehrer. Sein guter Ruf in der ganzen Schule half ihm sogar noch in den Abiturprüfungen. Ein sonst als sehr streng geltender Lehrer, den Felix nie im Unterricht gehabt hatte, unterstützte ihn bei einer Fachprüfung. Er bekam eine Eins in Latein.

Die erste Saturnwiederkehr

Saturn Rückläufig

Abb. 3: Innenkreis: Radix Felix, Außenkreis: Felix, Erste Saturnwiederkehr rückläufig, 28.03.1984, 21:36:30 MEZ, Tuttlingen/D, 08E49, 47N59

Im Jahre 1984 fand dreimal eine Saturnwiederkehr statt: Im Januar direktläufig, im März rückläufig und im Oktober wieder direktläufig. 1984/1985 war für Felix eine absolutes Schicksalsjahr, da es über seine berufliche Zukunft entschied: Zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin baute Felix mit täglichem großen körperlichen Einsatz ein 100 Jahre altes Haus um, auf und aus, entschied sich, seine Diplomarbeit abzubrechen, um (statt arbeitsloser Akademiker zu sein) ein seit vielen Jahren gut eingeführtes Seminar- und Reiseunternehmen zu übernehmen. Das Unternehmen war führerlos geworden, da sein Chef plötzlich mit 45 Jahren an Herzinfarkt gestorben war. Felix konnte seine Studienerfahrungen voll in seine Firma einbringen. Er leitete das Unternehmen erfolgreich einen Jupiterumlauf lang (12 Jahre). Er beendete diese Tätigkeit noch rechtzeitig, nachdem auch er Herzprobleme bekam. Trotz Reduzierung der Arbeits- und Verantwortungsbelastung beendete er im Jahre 1998 seine Tätigkeit, genau zu der Zeit, als gerade auch die Reisebürokrise grassierte. (Abb. 3)

Fazit

Dass nicht alle Wirkungen des Saturns bei seiner Wiederkehr auftauchen können, dürfte klar sein, wenn man die übrigen Konstellationen mit ins Auge fasst, die die Gesamtaussage beeinflussen. Wie sich aber zeigt, spiegelt Saturns Wiederkehr in den verschiedenen Lebensphasen eines Menschen (als Jugendlicher, als junger Erwachsener, im Midlife, im Alter und als Greis) altersgemäße Themen und Reifungsprozesse. Werden die Reifungsprozesse in diesen Altersstufen geleistet, kann der Mensch in seiner Gesamtentwicklung weiterschreiten. Werden die Reifungschancen ausgesessen, vertagt oder übersprungen, ergeben sich mitunter auch groteske und dem Stand der Lebenserfahrung unangemessene Verhaltensweisen. Erfahrungen werden zwar gemacht, aber nicht ausgewertet und in Weisheit umgesetzt. Dann stimmt der Satz: „Alter schützt vor Torheit nicht!“ Auch Saturn zwingt eben nicht, er ermöglicht und coacht.

Ausklang

Mit folgendem Gedicht zum Abschluss kleidet Hans Christoph Ade viele saturnine Elemente in poetische Sprache. Wer ausdauernd und konsequent um den richtigen Weg ringt und bereit ist, alles zu geben, der erhält das das größte Geschenk Saturn, die Selbsterkenntnis:

Saturn

Euch übermauert dicht geschlossen
Die Höhle meines Einsamseins
Und Trauer, bleiern ausgegossen,
Dämpft euer Licht, als wär‘ es keins.

Ihr grollt dumpf murrend eurem Lose,
Seht ihr der anderen Glück und Macht,
Ihr flattert auf – ich aber stoße
Euch steinern wieder in die Nacht.

Doch, wer gelassen mir begegnet,
Entzwingt auch mir den ewigen Klang:
Einst hab ich einen groß gesegnet,
Der nächtens mit mir rang.

Da barst das Dunkel: Strahlenfülle
Glühte den Urweltmorgen hin.
ICH stand vor Jakob ohne Hülle
Und erkannte: wer ich bin!

(Hans Christoph Ade) (10)

Herbert Reichhelm beschäftigt sich mit Astrologie seit 35 Jahren und betreibt neben seinem Hauptberuf eine kleine Praxis für Transpersonale Psychologie. Er forscht im Bereich Astrologie, Psychologie und Spiritualität. Er bietet TransPersonal Coaching an und hat den EOF entwickelt, eine Methode zur Analyse und Auflösung von persönlichem Karma. Die Astrologie kann dabei sowohl als Einstiegshilfe (Astro-EOF) wie auch als Kontrollmöglichkeit für die Themenstellung fungieren (Verankerung im Radixhoroskop und Zeitqualität).

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Alle Artikel von Herbert Reichhelm im digitalen Meridian-Archiv finden Sie über diesen Link: shop.meridian-magazin.de/autoren/reichhelm

Titelseite Meridian MagazinDieser Artikel ist erschienen in der Meridian-Ausgabe 2014/2 mit dem Schwerpunktthema "Mythos Rückläufigkeit".

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