Der Sonnengott und die astrologische Sonne

von Liz Greene

  "Apollon", Oktober 1998

Die Mythologie und Psychologie von Apollo

"Was ist ein Poet? Ein Mensch mit religiöser Erfahrung, dessen kreative Gabe es ihm ermöglicht, der Menschheit spirituelle Wahrheiten zu vermitteln. Seine Dichtung kann die Menschen vom spirituellen Tod befreien und bringt seinen Lesern ein neues Wissen um ihren göttlichen Schöpfer, der ihm diese besondere Macht gab. Kranke Seelen können geheilt und ihre Beziehung zu Gott kann erneuert werden, wenn sie gestört war... Das ist der Lohn und der eigentliche Zweck von Musik und Dichtung; der Menschheit göttliche Gaben zu überbringen."
Elizabeth Henry, Orpheus and his lute

Mythologie und Astrologie waren schon immer Dienerinnen, denn beide sind ein symbolischer Ausdruck dafür, wie die Menschheit den Kosmos wahrnimmt. Seit babylonischen Zeiten haben die Planeten, Himmelslichter und Fixsterne nicht nur die Kräfte symbolisiert, die mit menschlichen Angelegenheiten korrespondieren oder die sie beeinflussen, sondern sie repräsentieren auch bestimmte Charaktere in Geschichten, die in metaphorischer Form die archetypischen Muster des Lebens und der menschlichen Seele darstellen. Der Astrologe, der den mythologischen Hintergrund der Planeten erkundet, erschließt sich einen reichhaltigen Schatz an Einsichten, der unser Verständnis der astrologischen Symbolik ergänzen und erweitern kann. Dies wiederum macht uns zu besseren Astrologen, weil wir in die innere Welt unserer Klienten eintreten können und es uns gelingt, unsere Deutungen in einer Sprache zu formulieren, die das Herz genauso anspricht wie den Intellekt. Die Bedeutung der Mythologie wird nirgends so sehr betont wie bei unseren Deutungen der astrologischen Sonne, die mit den Mythologien aus vielen Jahrhunderten und Kulturen durchtränkt ist. Schlüsselworte wie "Selbstausdruck" helfen uns eigentlich nicht wirklich weiter; mythologische Bilder vermitteln uns viel mehr von der Energie und den Absichten der Sonne. Und keines dieser mythologischen Bilder ist bedeutsamer für den Ausdruck der Sonne im individuellen Horoskop als die Natur und die Rolle des griechischen Sonnengotts Apollo (wir haben das letzte ,n' des Namens in der Umgangssprache weggelassen, sein korrekter griechischer Name ist allerdings Apollon). Diese Gottheit steht nicht nur hinter den Grundlagen der westlichen Kultur, sondern auch hinter vielen Attributen, die das Christentum später mit Christus verband.

Apollo wurde "Herr des Olymps" genannt, der fundamental griechische der griechischen Götter. Skulpturen und Fresken porträtieren ihn als schön und jugendlich; sein kaum bekleideter Körper ist athletisch und hat jene perfekten Proportionen, die von den Griechen idealisiert wurden. Die Ursprünge von Apollo sind allerdings wesentlich älter als das klassische Griechenland; archäologische Funde weisen darauf hin, daß der Beginn seines Kults noch vor der Bronzezeit begründet liegt. Das Auftauchen dieses Gottes ist geheimnisumwoben. Auch über seinen Namen gibt es immer noch wissenschaftliche Auseinandersetzungen. Schon im achten Jahrhundert v.Chr. war er in seiner griechischen Ausprägung bekannt und wurde bereits im fünften Jahrhundert v.Chr. mit Prophezeiungen, Heilung, dem Auflösen des Familienfluchs, und mit der Gabe künstlerischer Inspiration (besonders Musik und Dichtung) in Zusammenhang gebracht. Diese vielseitigen Eigenschaften tragen dazu bei, daß er ein schwer zu begreifender Gott ist, weil wir das Wechselspiel zwischen seinen vielen Gesichtern zunächst nicht erfassen können. Je mehr wir uns aber mit den vielfältigen Aufgaben Apollos beschäftigen, desto besser verstehen wir, was die Sonne im Horoskop wirklich bedeutet.

Apollo, der Spender des Lichts

Ebenso wie im Altertum die Sonne selbst als Spenderin des Lichts angesehen wurde, war auch Apollo als Repräsentant der Sonne Spender des inneres Lichts. "Erkenne Dich selbst" war das Diktum, das an seinem Schrein in Delphi in Stein gemeißelt war. Dies bekräftigt die Bedeutung von Apollo als Symbol von Bewußtsein. Der Gott wurde nicht mit der Sonne am Himmel gleichgesetzt, sondern als Träger der Sonne verstanden, der sie täglich in seinem goldenen Wagen von Osten nach Westen zog. Die wahre Sonne war weit entfernt und unberührbar, sie war "die Eine", die Essenz des Lebens selbst, niemals wirklich erreichbar oder völlig zu verstehen. Apollo vermittelt uns in seiner menschlichen Gestalt, daß er eine Reflexion von einem Teil der menschlichen Seele ist - ein Gefäß oder Träger für das Unaussprechliche. Es überrascht nicht, daß selbst Pythagoras und auch Platon Apollo schätzten, denn Philosophie ist in ihrer tiefsten Bedeutung - der Liebe zur Weisheit - dem Prozeß verwandt, Bewußtheit zu erlangen, um sich wieder mit dem, was Plato die "ewigen Wahrheiten" nannte, verbinden zu können. Apollos Rolle als Brecher des Familienfluchs und Zerstörer der Dunkelheit war überwältigend und es wandten sich diejenigen an ihn, die von einer Schuld aus der Vergangenheit gequält wurden. In der Mythologie zeigen seine Konflikte mit den weiblichen chtonischen Gottheiten der Unterwelt, wie der Riesenschlange Python und den schrecklichen Eryinen oder den Furien, ihn als Sieger über das, was frei ist, und über das, was von den Mächten des Schicksals gefangen und den Zwängen der Vorfahren ausgeliefert ist. Doch obwohl er der Sieger über diese Mächte ist, sind sie Teil seiner Verehrung; die Python ist eines der wichtigsten Symbole der griechisch-römischen Ikonen, sie wird aber nicht nur in Schlangenform dargestellt, sondern auch als Priesterin, die das Orakel des Gottes weitergibt und den Namen Pythia trägt. Diese chtonischen Mutter-Gottheiten wurden in Delphi durch die Anwesenheit des Omphalos oder Nabel-Steins verehrt, dem Zentrum der Erde, in dem sich das Licht der Sonne auf der Erde inkarniert. Auf Münzen, die in Delphi hergestellt wurden, finden wir das Bild des Omphalos oder Nabel-Steins als Punkt in der Mitte eines Kreises; dieser Kreis wurde mit Apollo assoziiert, wegen der großen Runde der Sonne über den Himmel, und weil dieser Kreis weder Anfang noch Ende aufzeigt, was Göttlichkeit und Ewigkeit symbolisiert. Wenn es auch keinen direkt dokumentierten Beweis dafür gibt, daß dieses Bild - der Punkt in einem Kreis - später zu unserem astrologischen Symbol für die Sonne wurde, ist diese Verknüpfung auf keinen Fall zu ignorieren. Dieses Symbol für die Sonne wurde erstmalig in der Renaissance benutzt.

Was bedeutet nun die Rolle des Lichtspenders für unsere Interpretation der Sonne im Horoskop? Zunächst legt sie nahe, daß das Symbol des Apollo ein fundamentales Zentrum in uns selbst beschreibt - eine Kernidentität oder ein Gefühl von persönlichem Schicksal, das aus dem Bewußtsein unserer selbst als Individuen entsteht und das die Macht hat, die Zwänge unserer Kindheit und unseres Familienhintergrunds aufzulösen. Der griechische "Familienfluch" ist eine lebendige Umschreibung ungelöster und unbewußter Konflikte, die sich durch die Generationen ziehen und irgendwann an der seelischen Eingangspforte des "identifizierten Patienten" (wie er oder sie in der Familientherapie genannt wird) auftauchen, der die Last dieses unbewußten Erbes durch körperliche und seelische Erkrankung ausagiert. Jeder Mensch, der die Macht von zwanghaftem Verhalten kennengelernt hat - ob nun in bezug auf Drogen, Alkohol, Nahrung oder durch destruktives oder selbstzerstörerisches Verhalten, weiß, daß es unmöglich ist, solche Zwänge mit dem Verstand zu bewältigen. Eine Befreiung ist oft nur durch eine langwierige und ehrliche Erforschung der verdrängten Gefühle, die aus der Vergangenheit stammen, möglich. Der therapeutische Prozeß ist daher ein apollonischer Prozeß, nicht weil er intellektuell ist, sondern weil er darauf hin zielt, das Bewußtsein zu erweitern und Licht ins Dunkel zu bringen. Was in der Dunkelheit gefangen bleibt, kann sich nicht verändern. Auch nonverbale Therapien können ihr Ziel erreichen; Apollo ist nicht auf eine bestimmte psychologische Schule fixiert, solange der Prozeß nur dem Wachstum des inneren Selbst dient. Die Sonne im Horoskop ist daher ein Bild von etwas in uns, das in der Lage ist, eine zentrale und unzerstörbare Identität hervorzubringen, um die sich das gesamte Horoskop dreht - ein Ego, das die verschiedenen Konflikte und Disharmonien, die jedes Horoskop aufweist, beherrschen und vielleicht sogar transformieren kann. Solche Konflikte können, wenn sie durch frühe Störungen verschärft werden, zu großen Leiderfahrungen führen, wenn es kein bewußtes Licht gibt, um deren Ursprung und Eigenart zu beleuchten.

Apollo, der Schöpfer des KosmosMosaic from the 3rd century CE

Apollo ist auch der Schöpfer des Kosmos, das Zentrum, um das sich das gesamte Sonnensystem dreht. In der Kunst des Altertums erscheint er oft in dieser Rolle als Träger des Tierkreises, da der Tierkreis eine Darstellung des ekliptischen, sichtbaren Weges der Sonne um die Erde darstellt. Diese Darstellungsform reflektiert einen Entwicklungszyklus, der durch die Jahreszeiten verkörpert wird und der sich auch in den vielschichtigen Zyklen eines individuellen Lebens ausdrückt. Es ist erwähnenswert, daß der Tierkreis eine griechische Erfindung ist, die zeitlich mit der wachsenden Bedeutung des Apollo-Kults im 5. Jahrhundert vor Christus zusammenfällt. Apollo und die Astrologie, die wir von den Griechen übernommen haben, sind zutiefst miteinander verbunden und beide reflektieren die gleiche bedeutsame Wahrnehmung einer kosmischen Ordnung. Die methodische Bewegung des Kosmos ist abhängig von Apollo als dem Vermittler der Intelligenz des göttlichen Lichts der Sonne. Sein logisches Denkprinzip sorgt dafür, daß die Planeten ihren Kurs beibehalten. Hier können wir wieder enorme Einsichten in die Funktion der Sonne im Horoskop gewinnen, denn diese zentrale Kraft stellt das Individuum in das Zentrum seines Lebens und sorgt dafür, daß sich die anderen Faktoren im Geburtshoroskop harmonisch aufeinander einstimmen können. Die fließende Ordnung des Kosmos wurde als Musik der Sphären beschrieben. Hier verschmelzen der Gott der Musik und der Gott als Schöpfer des Kosmos miteinander und zeichnen ein fundamentales Muster des Lebens, das nicht nur geordnet, sondern auch schön ist. Man könnte jedes Geburtshoroskop auf diese Art und Weise betrachten, unabhängig davon, wie viele Spannungsaspekte es aufweist oder wie viele Planeten man auch als nachteilig beurteilt. Wir könnten vielleicht betonen, daß es eher um die Fähigkeit geht, die Sonne zum Ausdruck zu bringen, die es ermöglicht, harmonische Möglichkeiten zu schaffen, als die Qualität der Planetenaspekte in den Vordergrund zu rücken. Mit anderen Worten, ein Mars-Saturn-Quadrat oder eine Mond-Pluto-Opposition kann Konflikte erzeugen, aber sie wirken nur dann wirklich destruktiv, wenn es keinen zentralen Kern gibt, von dem aus das Individuum sich auf diese Planeten beziehen und deren Bedürfnisse ausgleichen kann. Die Sonne ist die große Schlichterin bei inneren Planetenkonflikten, da sie es ermöglicht, eher für das Leben zu arbeiten als dagegen. Noch einmal: das Gefühl eines Selbst ist der Klebstoff, der das Geburtshoroskop zusammenhält und uns eher ermöglicht, es zum Ausdruck zu bringen, als von ihm beherrscht zu werden.

Apollo, der Künstler

Apollo bringt den Menschen Kultur und inspiriert sie, vermittelt durch die Musen, zu kreativem Ausdruck. Jede dieser weiblichen Figuren repräsentiert eine der Künste. Es ist interessant zu sehen, was die Griechen unter Kunst verstanden. Oberhaupt der Musen war Kalliope, die Muse der Musik, die auch eine Gabe von Apollo selbst ist; daher wird er in alten Skulpturen und Fresken oft mit einer Lyra dargestellt. Urania ist die Muse der Astrologie, oder, um es genauer zu sagen, die Muse der astrologia. Sie stellt eine Kombination von Astrologie und dem, was wir Astronomie nennen dar. Aus der Perspektive dieses mythologischen Hintergrunds betrachtet, wurde Astrologie nicht als eine Wissenschaft nach heutigen Maßstäben angesehen, sondern eher als eine Kunst; und die Inspiration durch die Muse wurde als notwendig erachtet, um ihre Weisheit nutzen zu können. Die Musen wurden verschiedentlich als Apollos Gefährtinnen, Geliebte oder Töchter bezeichnet; in der Mythologie existieren alle drei Versionen. In welcher Beziehung sie auch zu ihm standen, es ist klar, daß sie Ausdruck seiner Kraft sind, die die Menschen zu ihrer kreativen Vorstellungskraft inspiriert.

Die Verbindung zwischen der astrologischen Sonne und dem Bereich der kreativen menschlichen Ausdruckskraft, repräsentiert durch das fünfte Haus im Horoskop, sollte uns daher nicht überraschen. Der Gott stellt die Inspiration bereit, aber seine Musen verkörpern ihn in zugänglicher Form und dienen als Brücke zwischen dem Gott und der menschlichen Vorstellungskraft. Gustave Moreaus großartiges Bild von Apollo und den Musen zeigt den Gott, der die Musen aussendet, um die Menschheit zu bilden und zu inspirieren. Apollos Rolle ist daher die eines "Erziehers", ein Begriff, der seine Wurzeln im Griechischen hat und etwa "voran bringen" bedeutet. Dies ist Platos Vorstellung von Erziehung - der Seele eine Anwort zu entlocken, die uns an die höheren Sphären erinnert, aus denen wir kamen. Kunst als Mittel zur Erziehung unterscheidet sich gravierend von Kunst, die der Unterhaltung dient oder Kunst als politischer Botschaft. Die solare Dimension künstlerischen Ausdrucks ist eine ausgesprochen individuelle Angelegenheit, die tief aus unserem Inneren kommt und unsere ganz besondere Verbindung mit dem Ursprung des Lebens reflektiert. Das ist keine kollektive Angelegenheit, obwohl inspirative kreative Arbeit auch die Gefühle des Kollektivs anrühren kann, wenn jemand offen genug ist für die kollektive Psyche. Ihr Ursprung liegt aber nicht im Kollektiv selbst- ihr Ursprung ist die individuelle Sonne, die ganz eigene Substanz. Die Kunst der astrologischen Sonne mag sich vielleicht nicht in erkennbarer Form zeigen; vielleicht aber auf die Art und Weise, wie jemand sein Leben lebt. Als eine Reflexion der Rolle des Bewußtseins im Leben eines Menschen legt diese solare Verbindung mit der Inspiration nahe, daß, wo immer auch die Sonne im Geburtshoroskop steht, genau dies der Ort ist, wo wir eine Art Verbindung mit dem Göttlichen finden können, indem wir ein Vehikel oder Medium finden, wodurch wir das zum Ausdruck bringen können, was unsere Seele am meisten inspiriert. Hier können wir die Verbindung zwischen der Sonne und unserer Berufung erkennen, ob das nun finanzielle Vorteile bringt oder ob wir uns in unserer Freizeit damit beschäftigen. Das legt auch nahe, daß jeder im tiefsten Sinne eine "Berufung" hat - selbst wenn sie nicht als einkommensträchtiger Beruf realisierbar ist. Aber ein Gespür für diese Berufung kann erst aufkeimen, wenn das Individuum für jene innere Inspiration offen und bereit ist, seinen individuellen Werten und Visionen treu zu sein.

Apollo der Prophet

Gewöhnlich bringen wir Prophezeiungen nicht in Zusammenhang mit der Sonne. Wir neigen dazu, Prophezeiung mit Hellsichtigkeit zu verknüpfen, obwohl Hellsichtigkeit mit dem Auflösen persönlicher Grenzen zu tun hat und die Fähigkeit beinhaltet, in das übergeordnete Leben des Kosmos (oder das Leben eines anderen Menschen) einzutauchen und zu spüren, was dort geschieht. Laut dem Orakel Apollos ist Prophezeiung aber etwas ganz anderes. Apollos Prophezeiungen wurden als doppelzüngig bezeichnet, weil seine Orakel so verblüffend waren. Was sie allerdings zum Ausdruck brachten, war ein prinzipielles Schema oder Muster, das nur von einem rein persönlichen Standpunkt aus interpretiert werden konnte (was auch meistens getan wurde). Oft ging das Orakel schief; und es gibt viele Mythen, die Situationen beschreiben, in denen der Held oder die Heldin versucht, das Orakel zu täuschen oder es falsch interpretiert, was katastrophale Folgen haben kann.

Mit anderen Worten, die Botschaft des Orakels war keine hellsichtige, sondern brachte das dem Leben des Individuums zugrunde liegende Muster zum Ausdruck oder warf Licht auf ein bestimmtes Kapitel seines Lebens. Wir sehen hier wirklich das, was wir unter Schicksal verstehen, nicht Schicksal im Sinn von Zwang, und in diesem Sinne haben die Prophezeiungen Apollos tatsächlich einen Bezug zur astrologischen Sonne. Wenn wir einen Blick auf ein inneres Muster oder Schicksal werfen, dann gibt das unserem Leben Bedeutung und etwas, wofür wir leben können. Hier bekommen wir mehr Einsicht, wenn wir uns die Plazierung der Sonne im Geburtshoroskop ansehen; einschließlich Zeichen, Haus und Aspekten. Hier liegt unsere Zukunft, der Mensch, der wir potentiell werden können und auch werden müssen, wenn wir spüren wollen, daß unser Leben mehr bedeutet als Essen, Fortpflanzung und Sterben. Das Aufblitzen einer Erkenntnis, das uns die Sonne schenkt, können wir aber auch fehlinterpretieren, abhängig von unserem Alter, den Lebensumständen, Konflikten und unseren emotionalen Bedürfnissen. Tief innen wissen wir aber bereits um den Kern unserer Lebensgeschichte; vielleicht ist die Sonne deshalb so eng mit unserer Berufung verbunden, der "individuellen Berufung", oder wie Howard Sasportas es ausdrückte, "dem Ruf des inneres Selbst". Prophezeiung als ein Aufzeigen des Schicksals, verkörpert als Berufung, zeigt eine der tiefsten Verbindungen zwischen Apollo und der astrologischen Sonne. Es ist wichtig, daß das Orakel von Pythia ausgesprochen wurde; das legt nahe, daß wir die Weisheit der Sonne nicht direkt, sondern nur durch unsere Gefühle, unseren Körper und unsere Vorstellungskraft wahrnehmen können. Ohne dieses Sprachrohr bleibt das Wissen von Apollo unzugänglich. Wenn wir es aber unterlassen, aktiv nach der Weisheit Apollos zu suchen, hat uns Pythia nichts zu sagen.

Wir können die Bedeutung von Apollo für die Astrologie auch daran erkennen, daß wir als Astrologen versuchen, das innere Muster, die Kerngeschichte im Leben eines Menschen zu interpretieren. Das Geburtshoroskop ist eine Art Orakel, nicht im Sinne von Wahrsagerei - obwohl auch diese Dimension der Astrologie immer schon da war, sondern es ist eine Möglichkeit, das grundsätzliche Thema, das unser Schicksal ist, aufzuspüren. Die psychologische Astrologie betont, daß es sich hier eher um ein inneres als ein äußeres Muster handelt, obwohl die Lebensumstände die innere Geschichte reflektieren und verkörpern. Aber wie das Orakel des Apollo, können auch die Konfigurationen eines Geburtshoroskops fehlinterpretiert werden, sowohl vom Astrologen wie auch vom Klienten selbst. Es fehlt einfach der Weitblick, um das Gesamtbild erfassen zu können. Daher beschränkt man sich darauf, ein spezielles oder aktuelles Thema in den Mittelpunkt zu stellen.

Apollo der Heiler

Apollos Rolle als ärztlicher Heiler führte in der gesamten Welt des Altertums zu einem enormen Zuwachs an Heilzentren. Äskulap war der Sohn Apollos, eine Facette des Gottes als Mensch inkarniert; und alle diese Heilzentren deuten als Monument auf die Verbindung von Askuläp mit seinem göttlichen Vater hin. Obwohl es viele Geheimnisse um die Art der Heilkunst gibt, die an speziellen Orten praktiziert wurde, so wissen wir doch, daß Musik eine wichtige Rolle spielte, ebenso wie Inspiration und Traumdeutung. Die astrologische Sonne ist daher ein innerer Heiler und für uns Astrologen ist es sehr wichtig zu begreifen, was dies auf psychologischer Ebene bedeutet.

Im Sinne von Apollo bedeutet Krankheit, vom Licht der Sonne abgeschnitten zu sein. Die Griechen verstanden Krankheit sowohl als einen seelischen wie auch körperlichen Zustand. Um das Gleichgewicht der Seele wieder herzustellen, wurden Musik und Traumarbeit eingesetzt - mit anderen Worten, es wurde eine Verbindung zu dem hergestellt, was wir das Unbewußte nennen. Heutzutage tendieren viele von uns dazu, zu vergessen, wie tief Musik uns berühren kann und wie sie nicht nur Harmonie, sondern auch Disharmonie erzeugen kann. Musik ist heutzutage ebenso ein politisches wie kulturelles Thema geworden und wir sind in Gefahr, ihre bildende und inspirierende Funktion zu verleugnen. Musik ist aber das wichtigste Instrument von Apollo, dem Heiler. Sie wurde als Spiegelung der Klänge der Sphären betrachtet - der kosmischen Harmonie. Krankheit ist also eine Disharmonie der Seele, ein Bruch in der menschlichen Verbindung zur höheren Ordnung des Kosmos. Heilung ist eine Wiederherstellung der inneren Harmonie und eine Rückverbindung mit der Quelle. Der Lebenswille ist tief mit der Sonne im Horoskop verbunden. Dieser Lebenswille entsteht aus dem Gefühl, mit etwas Größerem verbunden zu sein als man selbst als Individuum sein könnte. Die Sonne gibt uns das Gefühl, ein Gefäß für etwas Größeres, etwas Höheres zu sein; und wenn wir uns damit im Einklang befinden, können wir einen Sinn im Leben finden, selbst wenn wir Unglück und Verlusten ausgesetzt sind. Jeder Arzt weiß, daß ein Patient ohne Lebenswillen sterben wird, unabhängig von der Wirksamkeit einer physischen Behandlung. In der Welt des Altertums war die Sonne hyleg, die Lebensspenderin. Der Verlust der Verbindung zur Sonne bedeutete einen Verlust des Lebenswillens.

Die Harmonie, die diese Metaphern des Altertums beschreiben, bedeutet nicht ein harmonisches Leben im üblichen Sinn; kein Geburtshoroskop ist frei von Konflikten, wie es auch kein menschliches Leben ohne Konflikte gibt. Aber eine der Gaben, die die Sonne im Horoskop ausdrückt, ist ein Gefühl von Orientierung, eine Ausrichtung auf einen größeren Zusammenhang hin. Dieses Gefühl für ein individuelles Schicksal und einen bestimmten Lebenssinn, kommt dem, was man unter der Heilkraft des Apollo verstand, vermutlich am nächsten. Der Prozeß der Psychotherapie ist heutzutage ein deutlicher Schauplatz dafür, wie sich das Individuum dem Gefühl nähern kann, wie er oder sie wirklich gemeint ist, ohne dem Druck und den Erwartungen des Familienhintergrunds und des kollektiven Unbewußten nachgeben zu müssen. In der Kunst finden wir vielleicht einen weiteren Schauplatz, wo sich dieses Gefühl des Sich-wieder-verbindens äußern kann, vorausgesetzt, sie ist frei von Politisierung und wird nicht nur als Zeitvertreib konsumiert. Eine solche Sichtweise ist aber vielleicht in heutiger Zeit politisch nicht opportun, denn diejenigen, die sich nicht der Mühe unterziehen wollen, die innere Verbindung wieder herzustellen, die die Sonne von uns fordert, haben ständig das Wort "elitär" auf den Lippen. Ein Individuum zu sein, heißt, allein und elitär zu sein, so wie der Sonnengott selbst.

Wenn die Sonne nicht scheintThe Muses Leaving Their Father Apollo to Go and Enlighten the World,by  Gustave Moreau.

Depression, der Verlust des Lebenswillens, inneren Zwängen ausgeliefert sein, übermäßige Abhängigkeit von anderen, Identifikation mit dem Kollektiv - mit dem Ergebnis, daß man sich nicht wirklich als echt empfindet, wenn niemand da ist, der als Spiegel dient - all das kann auftreten, wenn wir die Sonne im Horoskop nicht zum Ausdruck bringen. Die Sonne zu leben bedeutet, sich für die Werte und Bedürfnisse des Sonnenzeichens einen eigenen Raum zu schaffen, d.h., sich selbst aktiv in dem Lebensbereich einzubringen, der durch das Haus im Geburtshoroskop angezeigt wird und die Bedürfnisse der Planeten zu respektieren, die im Aspekt zur Sonne stehen. Wenn wir von den Funktionen, die durch den mythologischen Apollo symbolisiert werden, abgeschnitten sind, erleben wir Passivität, Mutlosigkeit, Bedeutungslosigkeit und Vertrauensverlust. Dann brauchen wir andere, die uns ständig sagen, wer wir sind und wir scheuen uns, irgendein individuelles Gefühl oder eine eigene Meinung zu haben, die uns von der Gemeinschaft ausschließen könnte. Kein einzelner Planet im Geburtshoroskop ist für sich betrachtet vollständig, und auch die Sonne kann zu Lasten instinktbedingter Bedürfnisse oder auf Kosten anderer überbetont werden; Apollo ist nicht der einzige Gott. Oft ist es aber so, daß wir Menschen begegnen, die ihre Sonne eher zu wenig als zu viel ausleben. Als Astrologen müssen wir uns fragen, warum ein Mensch nicht in der Lage ist, sich mit der Sonne in seinem Horoskop zu verbinden. Alle beratenden Astrologen kennen den Klienten, der nichts von seiner Sonne zeigt, und keinerlei Eigenschaften der Sonne in seinem oder ihrem Temperament erkennen läßt. Warum ist das so ?

Eine Reihe von Faktoren kann zu der Unfähigkeit oder dem Widerwillen beitragen, ein Ego zu entwickeln, das stark genug ist. Der erste Faktor ist die Beeinflussung durch die frühe Umgebung, die, wenn sie zerstörerisch genug war - unabhängig von den inneren Stärken im Geburtshoroskop - die Sonne mit einer erstickenden Wolkendecke umhüllen kann, so daß ihre Strahlen nicht durchdringen können. Die systematische Erschütterung des Selbstwertgefühls des Kindes kann ein Teil davon sein; Eltern, die selbst nicht in der Lage sind, sich mit dem Licht Apollos zu verbinden, ärgern sich vielleicht, es in ihren Kindern leuchten zu sehen und tun ihr Bestes, dem Kind beizubringen, daß nur die Familie wirklich zählt, und nicht das Individuum als solches. Auch kollektiver Druck kann eine Rolle spielen, besonders in Gesellschaften, in denen Individualität auf einen kriminellen Akt hinausläuft, wie es z.B. im altem Regime der Sowjetunion war. Es ist allerdings fraglich, ob eine destruktive Umgebung das Licht der Sonne vollständig unterdrücken kann, wenn das Individuum selbst nicht auch an einen inneren Konflikt gefesselt ist. Um das zu verstehen, müssen wir die Aspekte der Sonne im Geburtshoroskop untersuchen und wie die Sonne, bezüglich der Balance der Elemente, im Horoskop steht.

Ein Horoskop, das einen Mangel an Feuer aufweist, legt nahe, daß es dem Individuum schwer fällt, der Inspiration der Sonne zu vertrauen, so daß es sich als "nicht kreativ" empfindet oder glaubt, dazu bestimmt zu sein, denen zu dienen, die kreativer sind als es selbst. Dies erzeugt einen inneren Konflikt, der sich durch einen ehrlichen Blick auf übermäßige Sicherheitsbedürfnisse oder eine zu große Abhängigkeit von dem, was andere denken, lösen kann. Ein Kind mit einer solchen Elementeverteilung im Horoskop, das in eine Familie hinein geboren wird, in der Verantwortung für andere sehr wichtig ist, mag dann bereitwillig die Rolle des Verantwortlichen übernehmen - und sich vor Selbstausdruck mit der Folge von Einsamkeit und Entfremdung von der Familie fürchten. Spannungsaspekte von Planeten wie Saturn oder Chiron zur Sonne können auch einen inneren Konflikt anzeigen, nämlich tiefe Zweifel über den eigenen Wert als Individuum, wodurch es sehr schwierig wird, dem Licht der Sonne zu vertrauen. Dann kann die Sonne blockiert sein, oder aber man strengt sich dermaßen an, daß es zu einer Überkompensation kommt, was keine wirkliche Entspannung bringt. Solche Aspekte können auch Themen aufzeigen, die den Vater betreffen, der vielleicht selbst verletzt war oder nicht in der Lage war, individuelle Vorstellungen zu entwickeln. Vielleicht war er auch zu kritisch, gleichgültig oder zu desinteressiert, um seinem Kind genügend Ermutigung für die Entwicklung seines Selbstwerts beizubringen. Die Sonne kann aber immer zum Ausdruck gebracht werden, egal, wie schwierig ihre Aspekte auch sind. Es kann allerdings notwendig sein, einen Kompromiß zu finden zwischen den Visionen und der Realität der persönlichen Grenzen des Einzelnen. Spannungsaspekte zwischen der Sonne und den äußeren Planeten können auch einen tiefen Konflikt zwischen der Offenheit für und der Treue zu einem Kollektiv anzeigen, und dem Bedürfnis, als Individuum zu gelten. Ein solcher Konflikt erfordert einen Kompromiß - ein Vehikel, durch das man seine eigenen Werte und seine Identität ausdrücken und auch dem Kollektiv dienen kann, für das man eine Art Sprachrohr ist. Alles hängt hier von einem Gleichgewicht ab; oder, wie uns die Inschrift in Delphi lehrte, vom "rechten Maß".

Die Häuserstellung der Sonne kann, ebenso wie die Sonne im Aspekt zu den äußeren Planeten, auch einen Konflikt zwischen innerem Selbstausdruck und kollektiven Faktoren anzeigen. Die Sonne im achten, elften oder zwölften Haus legt eine große Offenheit für die kollektive Psyche und die Notwendigkeit nahe, ein Medium zu finden, durch das die individuelle Vision als Beitrag zum Kollektiv Ausdruck finden kann. Die Sonne im vierten oder zehnten Haus kann eine mächtige Verbindung zu einem Elternteil anzeigen, wodurch es für die Sonne schwierig wird, das Licht des eigenen Selbst auszudrücken; sie ist dann eher ein Gefäß für das ungelebte Leben dieses Elternteils. Es gibt eine Reihe anderer Möglichkeiten, wie innere Konflikte im Horoskop zum Ausdruck kommen, die vielleicht durch die frühe Umgebung verstärkt wurden, was zu einem Verlust des Lichts der Sonne geführt hat. Hier müssen wir dann härter daran arbeiten, das Licht zu finden und zum Ausdruck zu bringen. Wir sollten nicht glauben, daß eine gut-aspektierte Sonne im eigenen oder einem erhöhten Zeichen bedeutet, daß jemand keine Schwierigkeiten im Leben haben wird. Zuviel Sonne kann auch ein zuviel des Guten bedeuten, und für diejenigen, bei denen Apollo gut gedeiht, kann vielleicht der Verlust des lunaren Kontakts eine andere, aber genauso schmerzhafte Art von Getrenntheit schaffen. Wenn wir uns aber an das Symbol des Sonnengottes als Schöpfer der Welt erinnern, läuft der Verlust des Lichts der Sonne auf den Verlust des Gefühls der Individualität hinaus - und keine noch so große lunare emotionale Erfüllung kann das ausgleichen. Wir können einen Grund finden, weiter zu leben, selbst wenn wir allein sind. Finden wir aber keinen Grund, versuchen wir möglicherweise durch andere zu leben; und wenn sie uns enttäuschen oder sich weigern, das zu akzeptieren, werden wir vielleicht mit dem Verlust unseres Lebenswillen konfrontiert werden, was im Altertum nur mit der Hilfe von Apollo geheilt werden konnte.

Der Preis, den wir zahlen müssen

Die Mythologie des Apollo nennt uns auch den Preis, den wir zahlen müssen, wenn wir die Sonne entwickeln und zum Individuum werden wollen. Apollo ist ein Gott, der alleine ist, unverheiratet und oft von Geliebten abgelehnt; und er hat Pech mit seinen Kindern, die alle früh und gewalttätig sterben; Orpheus wird von den Mänaden in Stück gerissen; Äskulap wird von Zeus' Blitzen getroffen; Phaeton hat einen Zusammenstoß mit dem Sonnenwagen und geht in Flammen auf. Obwohl von Göttern und Menschen gleichermaßen geliebt, hat Apollo keine Familie und erschafft keine Dynastie. Dieses Bild sollte nicht ganz wörtlich genommen werden, denn die Sonne auszudrücken, hindert uns nicht unbedingt daran, eine Familie zu gründen oder gute Beziehungen zu anderen Menschen zu haben. Aber wenn wir uns dafür entscheiden, ein Individuum zu sein, müssen wir den Luxus aufgeben, durch andere Menschen leben zu wollen, besonders durch unsere Partner und Kinder, die sich dem, was sie als dominierendes Verhalten empfinden, stark widersetzen könnten. Darum ist Apollo ein Bild von etwas in uns selbst, das allein und distanziert ist und das nur strahlen kann, wenn wir bereit sind, uns so weit von anderen abzugrenzen, daß wir unsere Individualität bewahren können. Der Preis dafür, das Licht der Sonne zu genießen, beinhaltet ein gewisses Maß an Einsamkeit, obwohl das nicht im wörtlichen Sinne bedeutet, ohne Gesellschaft zu sein. Aber innerlich gerät man dann niemals in jenen diffusen Zustand unbewußter Verschmelzung, der dann entsteht, wenn sich kein wirkliches Ego entwickelt hat. Gewisse Konflikte mit der Familie und der Gesellschaft sind dann vermutlich unvermeidlich. Die astrologische Verbindung der Sonne im Altertum mit dem Herzen und mit der Liebe legt nahe, daß wir oft das als Liebe bezeichnen, was eigentlich ein Zustand seelischer Verschmelzung und Abhängigkeit ist. Daher kann es sein, daß wir einen anderen Menschen nicht wirklich als von uns getrenntes Wesen, das Achtung verdient, lieben können, solange wir selbst kein getrenntes Individuum sind.

Apollo ist natürlich nur ein einzelner Gott aus der Familie der Götter, und die Sonne im Geburtshoroskop ist nur eine Kraft aus der Familie der Planeten. Wir können nicht völlig allein leben, denn wir sind Teil eines größeren Systems und täten gut daran, unsere Vorfahren und unsere Teilhabe am Kollektiv, in dem wir leben, uns bewegen und unsere Existenz haben, nicht zu vergessen. Es ist jedoch nicht überraschend, daß wir uns selbst dann noch weigern, den Preis für das Strahlen unserer Sonne zu zahlen, wenn das Unglück bereits greifbar nah ist. Die Angst vor Einsamkeit ist der große Feind des Lichts der Sonne, ebenso wie die Angst vor Neid, denn der Neid der anderen verletzt uns tief, weil wir deren Liebe und Anerkennung so sehr brauchen. Wenn wir uns unserer selbst zu unsicher sind, um die Mißbilligung anderer zu riskieren, können wir die Sonne nicht genügend zum Ausdruck bringen. Sollten wir uns Sorgen darüber machen, daß andere es uns übelnehmen, wenn wir etwas Außergewöhnliches schaffen oder etwas Besonderes sind, müssen wir immer wieder betonen, daß wir doch gar nichts Besonderes sind. Vielleicht legen wir es dann aber darauf an, andere, die sich trauen, das Licht der Sonne auszudrücken, zu zerstören, weil wir selbst vom Neid zerfressen werden. Dieses archetypische Dilemma läßt sich nicht nur in der Mythologie, sondern auch in der Geschichte und der fragwürdigen Rolle des Künstlers in der Gesellschaft beobachten. Der Künstler wird als etwas Besonderes angesehen und für gewöhnlich idealisiert, aber genauso oft von denselben Menschen, für die er als Sprachrohr dient, angegriffen oder sogar zerstört. Das ist kein politisches Thema, auch wenn es im Lauf der Jahrhunderte eine politische Tönung angenommen hat. Ein passendes Beispiel ist Plato, dieser große Bewunderer des apollinischen Lichts, der aus Syrakus vertrieben und fast umgebracht wurde, weil er den Versuch unternahm, Theateraufführungen auf solche zu beschränken, die eher der Bildung als dem Vergnügen dienten. Die Geschichte und die Mythologie erzählen davon, wie beängstigend das Licht der Sonne wirken kann, und zwar nicht nur, wenn es sich übertrieben dominant und in tyrannischer Weise ausdrückt. Dieser archetypische Konflikt ist für jeden Menschen von Bedeutung. Wenn wir nämlich über individuelle Kreativität sprechen, reden wir eigentlich über die Definition eines individuellen Wesens, das sich von dem jedes anderen unterscheidet, das sein eigenes Schicksal hat und seinen eigenen Beitrag zum Leben leistet. Und weil die Astrologie selbst aufgrund Appollo's Rolle als Schöpfer des Kosmos und auch durch seine Muse Urania unter seiner Herrschaft steht, sind wir als Astrologen aufgerufen, die Rolle der Sonne zu übernehmen, wenn wir dem Klienten das Horoskop deuten. Wir beleben das Horoskop und spiegeln, wie das innere Licht des Klienten befreit werden kann, um zu strahlen und wir decken auch die Gründe dafür auf, warum es bis jetzt noch nicht leuchten konnte und wir machen ihm klar, was es kostet, wenn es leuchten soll.

Übersetzung: Christine Ruf / Brigitte Talke

 

Astro-Databank
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Astro Wiki
AstroWiki
Aktuelle Planetenstände
18-Sep-2014, 09:44 Weltzeit
Sonne25Jungfrau24'28"
Mond21Krebs20'31"
Merkur21Waage27'39"
Venus15Jungfrau43'46"
Mars3Schütze0'53"
Jupiter13Löwe37'58"
Saturn19Skorpion21'28"
Uranus15Widder16'53"r
Neptun5Fische39'18"r
Pluto11Steinbock0' 5"r
Mondkn.(w)19Waage31'53"r
Chiron14Fische54'47"r
Erklärungen der Symbole
Horoskop des Moments
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