Die Spirale der Mondknoten -
Sechs Wege zur Mitte

von Eva Stangenberg

 

Die Symbolik der Mondknoten als Schnittpunkte

In den Mondknoten schneiden sich die Sonnen- und die Mondumlaufbahn in zwei gegenüberliegenden Punkten.

Die Sonne im Horoskop symbolisiert unseren Wesenskern, unser schöpferisch gestalterisches Potenzial. Durch ihre Stellung definieren wir uns als Individuen: Ich bin. Darüber hinaus symbolisiert sie aber auch unser Selbst, eben diese SonneGanzheit oder Einheit, für die wir keine Vorstellung haben. Sie ist die Integrationskraft in uns, die uns zur Bewusstwerdung und zur Entwicklung vom Ich zum Selbst antreibt.
Ihr wird die männlich-aktive Tagkraft, die Yang-Energie zugeordnet, durch sie wird der Mensch aufgefordert, zum gestaltenden Künstler auf der Erde zu werden. Sie symbolisiert den realen wie auch den göttlichen Vater als lebensspendendes Prinzip, den zeugenden Geist.
Auch astronomisch ist sie in unserem Sonnensystem das zentrale, lebensspendende Gestirn. Ohne ihr Licht und ihre Wärme wären kein Leben und keine Entwicklung auf der Erde möglich.

Der Mond als Himmelskörper hingegen strahlt kein eigenes Licht ab. Er empfängt es von der Sonne, und seine sichtbare Form ergibt sich nur aus dem sich laufend verändernden Verhältnis zu dieser Lichtquelle. Er nimmt auf und spiegelt wider, kann nur das reflektieren, was er empfängt.
So symbolisiert er im Horoskop die Yin-Energie im Menschen, die weiblich-empfangende Nachtkraft, die aufnimmt und das in der Welt erscheinen lässt, sichtbar macht, was sie empfangen hat. Das Ganze, die Einheit, ist für uns nicht erkennbar, wir sehen hier auf Mutter Erde immer nur Teile davon.
Auch Mare, das Meer, aus dem alles Leben Mondentstanden ist, oder Mater, die Mutter, und Maria, die den Gottessohn empfangen und geboren hat, sind vom Wortstamm her erkennbare Mondentsprechungen. Diese Welt der Erscheinungen hier auf Mutter Erde ist ein nur Teil, ein Abbild dessen, was dahinter steht als Lichtquelle, die spirituelle Idee, das Göttlich-Geistige der Sonne. Deshalb nennen die Inder unsere konkret sichtbare Welt auch „Maja“, was soviel bedeutet wie „Die Welt der Erscheinungen“.
So symbolisiert der Mond den unbewusst-reaktiven Teil in uns, der empfängt und widerspiegelt, in die Welt der Erscheinungen gebiert, den Gegenpol zur Sonne.

In den Mondknoten schneiden sich nun beide archetypischen Energiebahnen in zwei Punkten. Sonne und Mond als die beiden Urpolaritäten verbinden sich dort zu einer Einheit, denn laut Definition hat ein Punkt keine Ausdehnung und damit keine Raum-Zeit-Bindung; die Polarität ist also aufgehoben.
Wenn Sonne und Mond in einem Punkt verschmelzen, ist die Welt der Erscheinungen mit dem göttlichen Geist verbunden – sie sind zu einer Einheit geworden und keine Gegensätze mehr.
Das, was empfangen und widergespiegelt wurde, verbindet sich mit der zeugenden Kraft, Körper und Geist oder Gott und Welt sind eins.
Vergangenheit und Zukunft schneiden sich im Heute, im Moment der Zeitlosigkeit – in der christlichen Terminologie die Ewigkeit.
Diese Einheit, das Verschmelzen, haben wir oben als einen Aspekt mit Mondcharakter beschrieben und die zwei Schnittpunkte der Opposition als Sonnenentsprechung. Beide Symbole sind also auch über die Schnittpunkte ihrer Umlaufbahnen hinaus in dieser Achse enthalten.

Ich möchte noch einmal kurz auf die Finsternisse zurückkommen. Die Konjunktion von Sonne und Mond auf einem der beiden Schnittpunkte verdunkelt die Sonne, sie zeugt sich ganz in den empfangenden Mond, sie verschmilzt und verbindet sich mit ihm. Die Einheit der beiden Gegensätze ist also doppelt verdeutlicht, einmal durch den Schnittpunkt der Bahnen und zum anderen durch die Verbindung miteinander. In der Konjunktion, dem Mondaspekt, wird die Sonne verdunkelt. Eine Sonnenfinsternis ist dagegen interessanter Weise nur bei Tag sichtbar.

Wenn beide Lichter sich auf der Mondknotenachse in Opposition gegenüber stehen, wird der Mond verdunkelt. Die Opposition ist ein Sonnenaspekt und fordert zur Bewusstwerdung über die Einheit Mondfinsternisder Gegensätze auf. Aber wieder „verschwindet“ einer von beiden. Es ist ebenso eine doppelte Symbolik, denn auf den beiden Oppositions-Knoten, die ja beide zusammen und jeder für sich die Verbindung symbolisieren, steht jeweils ein Licht dem anderen genau gegenüber. Und dieses Schauspiel mit sonnenhaftem Charakter ist nur bei Nacht sichtbar.

Die Motivation zur Inkarnation

In jedem der beiden Schnittpunkte ist die Vereinigung der Gegensätze zwischen den beiden Urpolaritäten Sonne und Mond symbolisiert. Sonne und Mond verbinden sich zu einer Einheit, und in der Einheit gibt es keine Unterscheidung mehr, beide Knoten sind also gleich.
Da es jedoch zwei Knoten in Opposition sind, enthalten sie, wie oben beim Sonnenaspekt durch die Zahl zwei symbolisiert, die Aufforderung zur Bewusstwerdung, zur Integration zweier scheinbarer Gegensätze. Bei dieser Achse geht es also um die Aufhebung der Polarität von Sonne und Mond, von Geist und Materie, von Geben und Empfangen, von Gott und Welt mittels Erkenntnis.

Wie auch bei den beiden anderen Achsen [AC/DC- und MC/IC-Achse, Anm. d. Red.] geht es hier nicht um eine lineare Richtung von/zu, sondern um die Integration in der Mitte, dem Punkt der Zeit- und Raumlosigkeit.
Hier steht im Horoskop symbolisch der geborene Mensch in der Welt der Gegensätze, gebunden an das Kreuz der Realität von Raum und Zeit (die beiden Achsen AC/DC und IC/MC). Aber nun wird er durch die PolaritätSymbolik der beiden Schnittpunkte der Mondknotensymbolik aufgefordert, diese scheinbaren Polaritäten zu überwinden. So verstanden ist in der Mondknotenachse als Bewusstwerdungsaspekt das Streben nach Überwindung der Gegensätze hier in der Welt symbolisiert, nach der Vereinigung von Körper und Geist, von Gott und Welt. Ich nenne dies die „Motivation zur Inkarnation“ oder das „spirituelle Ziel der Existenz in der Form“.

Nun kann ich die Mondknotenachse sehr wohl als Symbol für das Karma des Menschen übersetzen, jedoch nicht als reale Beschreibung von vergangenen Inkarnationen durch den absteigenden Mondknoten, sondern als den Weg des Menschen durch die möglicherweise verschiedenen Existenzen hin zur Einheit. Es ist sein Karma, sich zu inkarnieren, sich in der Welt der Polaritäten an die Raum-Zeit-Achse zu binden, um durch Bewusstwerdung und Integration der Gegensätze in die Mitte zur Ganzheit zu gelangen.
Dieser Gedanke, diese Motivation, sich zu inkarnieren, lässt sich nun auch problemlos mit Menschen besprechen, die nicht von mehreren Wiedergeburten ausgehen, sondern von einer einmaligen Existenz.
Die Stellung der Mondknotenachse im Radix beschreibt demnach den Weg eines Menschen, den er in diesem Leben gewählt hat, um die Polarität zu überwinden. Dabei steht der absteigende Mondknoten nicht für den Beginn dieses Weges und der aufsteigende nicht für das Ziel, sondern die Achse der beiden Zeichen symbolisiert das gewählte Thema, über das die Ganzheit erreicht werden will.

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So beschreiben diese beiden sensiblen Punkte in ihrer scheinbaren Gegensätzlichkeit die Motivation, das, was mich antreibt, was ich als Polarität erlebe, was mich sensibel reagieren und nach Überwindung streben lässt.
Ich möchte dies an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn der absteigende Mondknoten in der Waage und der aufsteigende Mondknoten im Widder steht, geht es also nicht darum, Eigenständigkeit im Gegensatz zu Gemeinsinn zu entwickeln, von einem Pol zum anderen zu gelangen. Bei der herkömmlichen Art der Interpretation blieb die Achse auch hauptsächlich auf zwischenmenschliche Kontakte bezogen und beschränkt. Als Motivation zur Inkarnation gedeutet, bedeutet diese Achse hingegen, dass sich der Mensch mit den Mondknoten in Widder und Waage angesprochen, motiviert fühlt, sich mit der Polarität von Getrenntheit und Verbundenheit auseinander zu setzen, um im Laufe des Lebens zu erkennen: Es gibt kein Entweder/Oder, sondern immer ein Sowohl/Als auch. Und so verstanden lässt sich die Achse auf alle Lebensbereiche anwenden.

Bei meiner neuen Art der Deutung ist es jetzt auch nicht mehr relevant, ob nun der absteigende oder der aufsteigende Mondknoten im Widder bzw. in der Waage steht, das Thema bleibt gleich. Wie der Einzelne jedoch mit diesem Thema umgeht, ist individuell und hängt von seinen Planetenstellungen im Radix ab. Ich werde im Hauptteil über die „sechs Themen als Motivation zur Inkarnation“ hierauf noch genauer eingehen.

Die sechs Themen als Motivationen zur Inkarnation

Die Schnittpunkte von Sonnen- und Mondbahn werden auf den Tierkreis projiziert. Die Zeichen, in denen sie stehen, sind die kosmische Prägung, sie beschreiben das "Wie" der Motivation. Deshalb ist für mich die Zeichenachse bei der Beschreibung des Themas ausschlaggebend. Die Häuserachse bezieht sich auf das Umfeld hier auf der Erde und ist somit der Lebensbereich, das "Wo", das von diesem "Wie" am meisten berührt ist.

Ich nenne das Thema der Mondknotenachse auch gerne den Titel des jeweiligen Lebensbuches, und die einzelnen Kapitel werden von den verschiedenen Planeten geschrieben, aber immer mit Bezug auf den Titel.
Das Thema der Mondknotenachse ist damit gleichsam die Zusammenfassung des Radix bzw. des Lebens dieses betreffenden Menschen auf spiritueller Ebene. Es ist wie ein roter Faden, um den sich die verschiedenen Ereignisse ranken und die nun mit der Überschrift, dem Titel oder der Leitlinie eine Verbindung untereinander bekommen und auf diesem Hintergrund in ihrem Sinn verstanden werden können. [...]

Mondknotenachse in ... Titel des Lebensbuches
Widder / Waage Beziehungen
Stier / Skorpion Bindungen
Zwillinge / Schütze Ent-Decken
Krebs / Steinbock Für-Sorge
Löwe / Wassermann Selbst-Verwirklichung
Jungfrau / Fische Einer Aufgabe dienen

[...]

[Beispielhaft soll hier nur die sechste Achse besprochen werden.]

Die Sechste Achse - Jungfrau / Fische

Auch bei dieser Achse beginnen wir damit, die Polarität zu entwickeln, um dann die Gemeinsamkeit zu erkennen. Das Zeichen Jungfrau kommt im Vergleich mit anderen Zeichen des Tierkreises oft nicht gut weg. Es wird als pedantisch, kleinkariert und ordentlich beschrieben. Ich denke, dass das der Jungfrau nicht gerecht wird. Auch glaube ich, dass nicht Merkur der Herrscher dieses Zeichens ist, zumindest nicht allein, sondern zusätzlich der Kleinplanet Chiron. Ihn in die Übersetzung mit einzubeziehen, ermöglicht eine weitaus differenziertere Deutung des Zeichens Jungfrau, sodass es in seiner Qualität anders und wesentlich tiefer verstanden werden kann.

Bis zum fünften Zeichen, dem Löwen, hat der Mensch sich in seiner Persönlichkeit entwickelt. Nun, im 6. Zeichen Jungfrau, steht er an der Schwelle zur Gesellschaft, zum 7. Zeichen Waage. Damit hat dieses Zeichen die Funktion der Vermittlung zwischen Ich und Gesellschaft, und es stellt sich die Frage: “Wer bin ich und womit kann ich den anderen nützlich sein“. Jungfrau als bewegliche Erde ist für mich ein Zeichen des Übergangs, auf beide Seiten hin orientiert und damit häufig schwankend und unsicher. Um sich auf dieser labilen Erde sicher zu fühlen, wird oft der Bezug nach außen gesucht: Das eigene Handeln richtet sich maßgeblich nach den Kriterien anderer, z. B. gesellschaftlichen Werten. Erfüllt man diese Kriterien, dann fühlt man sich in Ordnung und hat sich das Existenzrecht verdient.

Mit dem Mondknoten in diesem Zeichen hat man deshalb häufig das Gefühl, sich seine Daseinsberechtigung verdienen zu müssen, so zu funktionieren, dass die eigene Existenz gerechtfertigt ist, indem man nützlich ist für die anderen. Die Gefahr besteht allerdings darin, dass man sich aus diesem Grund einem Wertesystem beugt – ob geistiger oder materieller Art – das von Vorbildern übernommen wurde oder aus den Idealen anderer abgeleitet ist. Diesen Kriterien will man nun gerecht werden. Dabei wird der Anspruch an sich selbst oft sehr hoch gesteckt und bei Versagen setzt heftige Selbstkritik ein. Natürlich ist man dann besonders empfänglich für jede Art der Kritik von außen, bezieht man diese doch nicht nur auf das jeweilige Thema, sondern grundsätzlich auf die eigene Existenzberechtigung.

Hinter der pingeligen „Erbsenzählerei“ steckt also häufig eine große Unsicherheit in Bezug auf den eigenen Wert, eine Angst, nicht in Ordnung zu sein, ein Mangel an Vertrauen in die eigene Existenz. Und wenn dieser innere Bezug zur eigenen Persönlichkeit fehlt, braucht man eben ein äußeres Wertesystem, das klar definiert, was richtig und was falsch ist, eben Pepita, kleinkariert schwarz oder weiß. Alle Zwischenstufen verunsichern, ist doch dann nicht klar, wie man sich verhalten soll. Also muss sortiert und eingeordnet werden, das gibt Sicherheit und einen Standpunkt. So unterwerfen sich Menschen mit einem Mondknoten in diesem Zeichen oft realen Kriterien (das ist gut, jenes schlecht), denen sie dienen, um sich in Ordnung zu fühlen. Dabei übernehmen sie sich oft kräftemäßig, helfen hier, setzen sich da ein, machen auch die Kleinarbeit, die anderen zu gering ist, um vor sich selbst bestehen zu können. Sie sind sehr hilfsbereit, setzen sich ein für Schwächere oder Kranke, haben viel Mitgefühl und sind da, wenn Not am Mann ist, um praktisch zu helfen.

Es ist dieses unangenehme „Chiron-Gefühl“, das sich als Antreiber dahinter verbirgt: „Irgend etwas an mir ist nicht in Ordnung, ich muss es kontrollieren oder verdrängen, damit es aufhört. Ich möchte dazugehören, so sein wie die anderen, den Erwartungen und Anforderungen entsprechen“. Und so wird der Teil, der dem verinnerlichten Wertekatalog entspricht, oft übersteigert und der scheinbar negative Teil abgespalten. Da die Jungfrau ein Erdzeichen ist, wird diese Ordnung häufig auf die konkreten Entsprechungen bezogen, auf das Verkörperte, und das Chaos des Ungreifbaren wird abgelehnt. Wir wissen aber aus der Mythologie über Chiron, dass es ihm auf diese Art und Weise nicht gelungen ist, heil zu werden. Dazu brauchte es gerade das Gegenzeichen, die Fische, das Loslassen der eigenen Kontrolle, das Vertrauen in den Fluss des Ungreifbaren. So leiden Menschen mit dieser Achse, wenn sie aufgrund ihrer Planetenkonstellationen im Radix eher auf der Jungfrau-Seite stehen, häufig an einem Mangel an Vertrauen zu sich selbst und dienen damit äußeren, realen Kriterien, um sich ihre Daseinsberechtigung zu verdienen und sich nicht schuldig fühlen zu müssen.
Rein und sauber sein, sich die Hände in Unschuld zu waschen, meint hier eben, sich an den selbst gesetzten Kriterien von Richtig oder Falsch zu orientieren. Für dieses Zeichen ist es sehr wichtig, sich zu fragen, welchem „Herrn“, welchen Wertekriterien es dient.

Auch das Zeichen Fische steht an einem Übergang, nämlich zwischen der luftigen, überpersönlichen Höhe des Wassermanns und dem ganz persönlichen, egozentrierten Widder, dem Übergang zwischen Gesellschaft und Ego. Mit dem Zeichen Fische endet auch der Tierkreis und gleichzeitig beginnt im Widder ein neuer Zyklus. Hier wird das Schwanken erlebt zwischen den geistigen, körperlosen Welten und der realen Inkarnation, aber auch, wie in der Jungfrau, zwischen Gesellschaft und Eigenperson. So empfindet es der Mensch mit dieser Achse, falls die Planetenkonstellationen des Radix eher die Fische-Richtung der Mondknotenachse betonen, oft als Belastung, überhaupt in einem Körper zu sein. Manchmal fehlt der Bezug zur Realität, die Sehnsucht nach der idealen Transzendenz ist stark und man flieht vor der Welt. In Träumen und Fantasien zu leben ist viel schöner, als sich den Anforderungen der schnöden Welt zu stellen, und verwirklichen lassen sie sich sowieso nicht, wie sich schon oft gezeigt hat.

Dieser Weltflucht, diesem Abtauchen geht häufig ein tiefes Versagensgefühl voraus. Denn ähnlich wie im Zeichen Jungfrau bestimmen auch hier hohe Ideale und Ansprüche das eigene Verhalten. Nur sind die Kriterien hier eher Visionen, wie es sein könnte, es sind die Ahnungen von einer besseren Welt in Frieden und Verbundenheit, denen man sich unterwirft und denen man dienen möchte. Die Gefahr ist hier, dass die Träume und Visionen so hoch über der Realität schweben, dass sie nicht zu verwirklichen sind, sodass vielleicht das Gefühl aufkommt: “Da kann ich besser gleich aufgeben!“. Die Welt kann als so hart und schwer erlebt werden, dass man sich ihr nicht gewachsen fühlt, sich eine Scheinwelt baut und sich darin zurückzieht.
Es geht nicht mehr um den Wert des eigenen Ichs, sondern um dessen Auflösung für etwas Größeres. Auch hier besteht die Gefahr, dass der Bezug fehlt zum eigenen Ich mit seinen individuellen Möglichkeiten, einer Idee, einem Ideal zu dienen. Hilfs- und Opferbereitschaft haben in diesem Zeichen den Zweck, das eigene Ego aufzulösen, und Schuldgefühle setzen ein, wenn man diesem hohen Anspruch nicht gerecht wird oder gar einmal etwas für sich selbst will. Die eigene Existenz wird möglicherweise für wertlos gehalten, es sei denn, man dient den anderen und unterwirft sich gesellschaftlichen Anforderungen oder höheren Mächten, opfert sein Ich.
Überspitzt formuliert könnte man sagen, hier möchte man sich einen Platz im Himmel verdienen, rein werden von Ego-Wünschen, um die lästige Inkarnation hinter sich zu bringen.

Das Christentum mit seiner Symbolik enthält viel von diesen Fische-Qualitäten. „Liebe deinen Nächsten (und opfere dich für Höheres)“, dies sind Kriterien, auf die Menschen mit dieser Seite der Mondknotenachse leicht ansprechen. Dabei wurde der zweite Teil des Satzes, nämlich “... wie dich selbst“, häufig vergessen. Auch das in der kirchlichen Lehre oft erwähnte Opfer wurde meiner Meinung nach falsch interpretiert.
„Dein Wille geschehe“, dieser Satz bewegt Menschen mit der Betonung der Fische-Seite häufig dazu, ihren eigenen Willen zu ignorieren und sich „frei-willig“ Gesetzen und Geboten von Mächten zu unterwerfen, die scheinbar über ihnen stehen. Die Gefahr ist hier, dass sie sich aufgeben und jenen dienen, die ihren Idealismus ausnutzen.
Auch hier geht es also um eine Bewertung von Gut und Schlecht, um hohe Ansprüche an sich selbst und den Wunsch, sich durch Dienst und Unterwerfung unter bestimmte Kriterien etwas zu erdienen.

Und so heißt das Thema der sechsten Achse, auf das diese Menschen sensibel reagieren, durch das sie sich motiviert fühlen:

„Einer Aufgabe dienen“

Dieser Titel ruft bei meinen StudentInnen regelmäßig Unwillen hervor, besonders wenn sie die Achse in ihrem Horoskop haben. Sie sind betroffen davon und wollen eben gerade nicht mehr dienen und Aufgaben erfüllen. Damit drücken sie aber schon genau das aus, worauf sie so sensibel reagieren. Und ich habe des öfteren beobachtet, dass ihre Abwehr umso intensiver ist, je stärker sie vordem bereit waren, sich den scheinbar eindeutigen Forderungen dieses Themas zu beugen.

Der Titel dieser Mondknotenachse beschreibt in der oberflächlichen Betrachtung die Unterwerfung unter bestimmte Wertvorstellungen. Demnach werden wir in den Horoskopen der Betroffenen durch die Verteilung der Planeten auch Anpassungsbereitschaft, möglicherweise eine Selbstwertproblematik oder Identitätsschwäche angezeigt finden. Das Wort Aufgabe assoziiert bei dieser Art der Betrachtung die Selbst-Aufgabe, die Hingabe an etwas Höheres ohne Rücksicht darauf, was man selber will. Auch mit dem Wort „dienen“ verbinden wir die Vorstellung von der Unterwerfung unter einen „Herrn“, der bestimmt, was wir zu tun haben. Und auf beides reagieren Menschen mit dieser Achse sehr sensibel und folgen möglicherweise auch lange diesem Weg.

Ich möchte die Idee des Dienens im Titel dieser Achse jetzt so übersetzen, wie sie eigentlich gemeint ist, denn gerade die Beschäftigung damit, die Umdeutung des Offensichtlichen, führt letztendlich zum Thema dieser Entwicklungsspirale. Mit dieser Achse sucht man seine Lebensaufgabe. Das tut mehr oder weniger jeder, könnte man einwenden. Mit der Mondknotenachse Jungfrau/Fische ist es jedoch so, dass man sich bei jeder Aufgabe, die von außen gestellt wird, sensibel angesprochen fühlt, die Aufgabe zu erfüllen, und dementsprechend reagiert.
Und es geht Menschen mit dieser Mondknotenachse gerade nicht um irgendeinen Job, eine Arbeit, die sie erledigen, sondern sie wünschen sich, mit ganzem Herzen und ganzer Seele dabei sein zu können. Deshalb ist ihnen auch so schnell nichts zu viel, denn sie geben sich ja ganz hinein. Wie sie das tun, hängt allerdings von den Planetenstellungen ab.

Das Wort „Aufgabe“ hängt mit dem Begriff „aufgeben“ zusammen. Es entspricht zum einen dem „Sich-Hingeben“, zum anderen der Resignation, wenn es wieder einmal nicht der richtige Platz war, auf dem sie gedient haben, wenn es wieder einmal nicht die Aufgabe war, an der Herz und Seele beteiligt sein können, oder wenn die Realisierung weit hinter den eigenen Idealvorstellungen zurück blieb.
Deshalb ist es bei dieser Achse sehr wichtig, das ganze Radix mit all seinen Fähigkeiten und Talenten zu deuten, damit diese Menschen ihre wirkliche Aufgabe, ihren Platz in der Welt finden und ihren eigenen Idealen folgen können. Das „Dienen“ bezieht sich nämlich auf ihre Anlagen. „Diene mit dem, was du bist“, das ist die eigentliche Bedeutung dieses Wortes. Also nicht etwa einem weltlichen Herrn, bestimmten Wertvorstellungen, den Erwartungen der Eltern, des Partners oder der Kinder zu dienen, sondern der eigenen Lebensaufgabe. Und das ist dann keinesfalls Unterwerfung oder Ego-Aufgabe, sondern die Verbindung der spirituellen Anlagen mit den realen Gegebenheiten. Im Wort „Aufgabe“ finden wir nämlich auch die “Gabe“ und in der Ableitung davon „geben“. „Geben ist seliger als nehmen“, ein moralisches Gebot unserer christlichen Lehre, meint im Fall der Achse Jungfrau/Fische, dass es am glücklichsten, am „seligsten“ macht, wenn man tatsächlich mit den eigenen Gaben dienen kann und so in seiner Mitte ist.

Die Jungfrau Maria aus unserer christlichen Lehre verkörpert diese Achse. Sie sagte: „Dein Wille geschehe“, unterwarf sich also nur dem göttlichen Willen, nicht etwa dem ihres Mannes. So konnte sie den göttlichen Geist, Christus, empfangen und gebären, in die Welt hinein bringen, ihre Gabe geben.
Ich möchte an dieser Stelle Meister Eckehard zitieren:

Der Vater spricht das Wort in die Seele, und wenn
der Sohn geboren wird, wird jede Seele Maria.
Maria ist nicht gesegnet, weil sie Christus leiblich trug,
sondern weil sie ihn geistig gebar.
Und darin vermag jeder ihr gleich zu werden.

Ich kann mir vorstellen, dass sich Menschen mit der Mondknotenachse Jungfrau/Fische sehr von diesen Worten angesprochen fühlen. Denn sie sehnen sich danach, den Platz in der Welt zu finden, an dem sie genau mit ihren ureigenen Anlagen, ihren Gaben, die im Horoskop beschrieben sind, dienen können. Und es geht bei ihnen darum, nur ihr Kreuz, das Achsenkreuz des eigenen Horoskopkreises, zu tragen und so ihre Daseinsaufgabe zu erfüllen, indem sie das real werden lassen, was als Idee in ihnen ist. Das entspräche dem Weg zur Mitte bei dieser Achse.

Das Thema „einer Aufgabe dienen“ manifestiert sich auf den verschiedenen Häuserachsen auf unterschiedliche Art und Weise. Hier einige Möglichkeiten:

In den Häusern 1 und 7
Stehen die Jungfrau/Fische-Mondknoten in den Häusern 1 und 7, ist der Betreffende möglicherweise geneigt oder fühlt sich motiviert, in Begegnungen mit anderen zu dienen und hier anfangs Erwartungen zu erfüllen, um sich in Ordnung zu fühlen. Je nach Radixstellung der Planeten kann man aber auch in die Rolle des „Opfers“ geraten. Aufgrund überzogener Idealvorstellungen von sich oder dem Gegenüber wird der Mensch immer wieder enttäuscht werden, bis er Vertrauen in die eigene Persönlichkeit gewonnen hat und sich als solche in Begegnungen einbringt.

In den Häusern 2 und 8
Bei der Achse der Häuser 2 und 8 geht es darum, mit eigenen Werten zu dienen, seien es konkrete oder, als mögliche 8.-Haus-Entsprechung, emotionale Werte. Die Spirale verläuft eventuell über Fremdwertbestimmung und die Abhängigkeit davon oder das „Bedienen“ fremder Wertvorstellungen.

In den Häusern 3 und 9
In den Häusern 3 und 9 ist man motiviert, der Vermittlung von fremdem Wissen oder einer bestimmten Weltanschauung zu dienen, bis man Vertrauen in die eigenen Vorstellungen von der Welt gefasst hat. Je nach der übernommenen Wertvorstellungen kann man auch hier zum „Opfer“ werden, wenn man sich kritiklos vorgegeben Meinungen und Glaubensrichtungen anpasst, zu hohe Ansprüche an die eigene Weisheit stellt, oder sich in der Suche nach der Wahrheit verliert.

In den Häusern 4 und 10
Die Achse 4/10 macht den Betreffenden eventuell geneigt, familiären oder gesellschaftlichen Normen zu dienen, die er als Kriterien der „Ordnung“ verinnerlicht hat. Der Weg zur Mitte bestünde hier allerdings darin, gerade mit dem eigenen seelischen „So-Sein“ eine Aufgabe in der Gesellschaft oder im Beruf zu erfüllen.

In den Häusern 5 und 11
In den Häusern 5 und 11 kann sich die Dynamik dieser Achse in einer Rolle zeigen, die man übernommen hat und mit der man nun den Erwartungen dient. Wer oder was soll ich für euch sein? Als Gefahr kann sich diese übernommene Aufgabe oder Rolle, dieses Opfer dann als völlig Ego – Aufgabe zeigen. Da diese Häuserachse als Thema speziell die Individualität der Persönlichkeit hervorhebt, ist es hier besonders wichtig, die Vielfalt der eigenen Anlageidee in ihrer Unterschiedlichkeit zu anderen zu betonen, um mit der ganzen Fülle des eigenen Seins „dienen“ zu können.

In den Häusern 6 und 12
Je nach Planetenstellungen im Radix ist man in den Häusern 6 und 12 motiviert, entweder den konkreten, realen Anforderungen des Alltags oder aber einem idealistischen Glaubensprinzip zu dienen. Auch hier kann man sich zum „Opfer“ des jeweiligen Lebensgebietes machen, indem man sich entweder den Kriterien des Verkörperten oder aber denen des Geistigen völlig unterwirft. Hier ist es wichtig, Vertrauen in die eigene Daseinsberechtigung und in eine innere oder höhere Führung aufzubauen und sich auch mit seinen etwaigen „Mängeln“ und den eigenen Grenzen auszusöhnen.

 

Entnommen aus
Eva Stangenberg:
Die Spirale der Mondknoten - Sechs Wege zur Mitte.
Astronova Verlag, Tübingen, 2004.
(leicht gekürzte und angepasste Fassung)

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