Die Schweiz - eine falsche Geburtszeit?

Eine Recherche von Beatrice Ganz

Die Astrologin Beatrice Ganz hat das Staatshoroskop der Schweiz einer umfassenden Prüfung unterzogen. Sie ist zu einem erstaunlichen Resultat gekommen: Für die bisher üblicherweise verwendete Uhrzeit der Inkraftsetzung der Schweizer Bundesverfassung sind keine Belege zu finden, jedoch für einen anderen, späteren Zeitpunkt.

Die folgende Kurzfassung der Recherche basiert auf Texten und Dokumenten, die uns freundlicherweise von der Autorin zur Verfügung gestellt wurden.

Das Horoskop der Bundesverfassung der Schweiz

Horoskop Schweiz, 12. Sept. 1848, 11.12hFür das Geburtshoroskop eines Staates wird üblicherweise der Zeitpunkt der Annahme bzw. der Inkraftsetzung seiner Verfassung verwendet, so auch im Falle der Schweiz. Datum und Ort der Ratifizierung ist durch verschiedene Quellen gut belegt: Die Schweizer Bundesverfassung wurde am 12. September 1848 in Bern von den Abgesandten der Kantone der alten Eidgenossenschaft, der "Tagsatzung", angenommen. Die von vielen Astrologen üblicherweise verwendete Zeit von "11.12 Uhr" lässt sich jedoch nicht verifizieren. Woher stammt diese Zeitangabe, und was gilt (wahrscheinlich) stattdessen?

1984 publizierte die Zeitschrift "Astrolog" Nr. 21 als Zeitpunkt der Verabschiedung der Verfassung "11.12 Uhr (Ortszeit) in Bern", versehen mit dem Vermerk, dass diese Angabe "unwidersprechbar" sei aufgrund der "Tagsatzungs"-Dokumente. Iso Karrer in Sphinx 4/1986 und das Taeger-Archiv berufen sich in der Folge auf diese Angabe. Immerhin erwähnt das Taeger-Archiv auch die Angabe "zwischen 11 und 13 Uhr", die auf den Astrologen Michael Keller zurückgeht.

Die Verabschiedung der Schweizer Bundesverfassung am 12. September 1848

Das Protokoll der abschließenden 23. Sitzung der "Tagsatzung" vom 12. September 1848 macht jedoch nirgendwo eine Zeitangabe. Die "Tagsatzung" war das Gremium der Vertreter aus den insgesamt 22 Kantonen. Das Protokoll dokumentiert auf rund 40 handschriftlichen Seiten eine ausführliche Verhandlung, in der die Abstimmungsergebnisse der einzelnen Kantone festgehalten werden, aber auch Einzelerwägungen der jeweiligen Kantone bzw. Kantonsvertreter im Gremium der Tagsatzung. Am Ende dieser Verhandlungen steht die Feststellung, dass sechzehn Stände (Kantone), nämlich Bern, Zürich, Luzern, Glarus, Freiburg, Solothurn, Schaffhausen, St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Berner Zeitung 1848Neuenburg und Genf, sowie Basel-Stadt und Appenzell-Außerrhoden als Halbkantone abgestimmt haben (Bl. 68, Vorderseite). Eine Zustimmung kommt von 15 Kantonen und einem Halbkanton. Damit wird die vorgelegte Verfassung "auf feierliche Weise zum Grundgesetze gesammter Eidgenossenschaft erklärt" (Bl. 69, Vorderseite).

Der Tagespresse vom folgenden Tag kann man entnehmen, dass in Bern zur Annahme der Bundesverfassung "kurz vor 1 Uhr" Kanonen im Sinn eines Saluts abgefeuert wurden: "Noch ehe die Abstimmung über die feierliche Annahmeerklärung zu Ende kam, ertönte schon der erste Kanonenschuss" ("Berner Zeitung" vom 13. September 1848, S. 2). Ernst Ehrenzeller (in: Geschichte der Stadt St. Gallen) vermerkt den Kanonendonner in Bern ausdrücklich für "kurz vor ein Uhr mittags".

Horoskop Schweiz, 12. Sept. 1848, 12.55hDie Zeitangabe "11.12 Uhr" kann angesichts der Mitteilung, dass (erst) gegen 1 Uhr mittags Freudenschüsse abgefeuert wurden, als Zeit für die förmliche Annahme der Verfassung kaum zutreffen. Unwahrscheinlich scheint auch, dass mit "11.12 Uhr" der Beginn der entscheidenden Sitzung der Tagsatzung gemeint ist. Denn das ausführliche, vierzig Seiten umfassende Protokoll mit den detaillierten Verhandlungen lässt darauf schliessen, dass diese vermutlich mehr Zeit beansprucht haben und ein zeitlich früher liegender Sitzungsbeginn angenommen werden darf. Vorbehaltlich weiterer Untersuchungen ist deshalb die Zeitangabe "kurz vor 1 Uhr mittags" (Ortszeit Bern) derzeit die plausibelste Angabe.

Das Verfassungshoroskop der Schweiz hat demnach mit dieser Zeitangabe einen Aszendenten in Schütze und ein Medium Coeli in Waage, sowie ein stark besetztes 9. Haus, was der internationalen Bedeutung der Schweiz (Genf als zweiter Hauptsitz der Vereinten Nationen) entsprechen würde.

Der historische Zusammenhang

Der "Sonderbundskrieg" im November 1847 der konservativ-katholischen Kantone gegen den liberalen Rest der Eidgenossenschaft war der unmittelbare Anlass, dass sich die bis dahin in einem lockeren Staatenbund organisierten eidgenössischen Kantone mehrheitlich in einem Bundesstaat zusammenfinden wollten. Im "Sonderbundskrieg" blieben die liberalen Kräfte siegreich, und die "Tagsatzung" drängte nun auf die Erarbeitung und Verabschiedung einer schweizerischen Bundesverfassung. Völkerrechtlich, wenn man so will, war die Schweiz nach dem Bundesvertrag mit den europäischen Mächten 1815 auf die Form des lockeren Staatenbundes verpflichtet und durfte sich gar nicht als Bundesstaat konstituieren. Allerdings banden die revolutionären Zustände in ganz Europa ab Februar 1848 die Kräfte der Großmächte in anderer Weise, so dass die Schweiz nun gleichsam im Windschatten der europäischen Unruhen unbehelligt ihre Umwandlung in einen Bundesstaat betreiben konnte.

TagsatzungEine Kommission zur Ausarbeitung der Bundesverfassung tagte ab 17. Februar 1848 und präsentierte im April 1848 eine Verfassung, die insgesamt auf Konsens und Kompromiss beruhte. Die "Tagsatzung" nahm letzte Änderungen an dem Entwurf vor und beschloss die Verfassung am 27. Juni 1848 mit 13 von 22 Stimmen der Stände. Sodann wurde die Verfassung zur Ratifikation an die einzelnen Kantone gegeben. Bis zum Ende des Sommers 1848 hatte die wahlberechtigte Bevölkerung von 15 Kantonen und einem Halbkanton (von insgesamt 22 Kantonen) mehrheitlich zugestimmt. Am 12. September 1848 setzte die Tagsatzung die neue Verfassung in Kraft und löste sich anschließend auf.

Quellen

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Sonderbundskrieg – Zugriff am 3. März 2013.
  • http://lisa.mmz.uni-duesseldorf.de/~histsem/revolution/s/Verfassungsgeschichte%2038.htm – Zugriff am 3. März 2013.
  • Schweizerisches Bundesarchiv Bern – Protokolle der Tagsatzung, 23. Sitzung der eidgenössischen Tagsatzung, Dienstag, den 12. September 1848.
  • Berner Zeitung vom 13.9.1848, Seite 2.
  • Ernst Ehrenzeller: "Geschichte der Stadt St. Gallen". St. Gallen 1988.
  • Astrolog 1984, S. 12 und 13.
  • Iso Karrer: Auch Zwerge haben klein angefangen oder Geschichte eines Zwerg-Staates", "Das Horoskop der Schweiz", in: SPHINX, Magazin für Sucher, Nr. 4 / 1986, S. 56-59).
  • "Taeger-Archiv": Hans-Hinrich Taeger (Hrsg.): Internationales Horoskope-Lexikon. 6000 Horoskope des Taeger-Archivs. Band 3. Freiburg im Breisgau 1992, S. 1367 (Horoskopdaten "Schweiz/Bundesverfassung 1848").

Beatrice Ganz

Beatrice GanzBeatrice Ganz ist geprüfte Astrologin und Supervisorin des DAV (Deutscher Astrologen-Verband) sowie Fachmitglied SAB (Schweizer Astrologen-Bund). Sie ist Initiatorin und Leiterin der Astrologischen Gesellschaft Zürich und veranstaltete von 1997 bis 2010 das Internationale Zürcher Symposium für Astrologie. Gegenwärtig führt Beatrice Ganz einen astrologischen Salon in Zürich, mit Vorträgen und Seminaren von renommierten Referenten aus dem In- und Ausland.

 

 

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