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"Letztlich ist es wesentlich, den Inhalt ernst zu nehmen, nicht die Hülle"

Ein Interview mit Johannes Schneider über Farben, Astrologie und die Analyse der Persönlichkeit. Von Claude Weiss

Johannes Schneider, 1934 in Basel geboren, hat in jahrzehntelanger Arbeit über die psychologische Bedeutung der Farben geforscht und einen eigenen Farbtest entwickelt. Später kam er darauf, sein System mit den astrologischen Grundprinzipien zu verknüpfen, was ein überzeugendes Werkzeug ergab, das einerseits zum spielerischen Ausloten der momentanen Befindlichkeit, andererseits - in Verbindung mit dem Radixhoroskop - für die prägnante Analyse der Persönlichkeit eingesetzt werden kann. "Astrologie Heute"[1] hat mit Johannes Schneider über seinen Weg von der Farbe zu den geistigen Einsichten gesprochen.

Johannes Schneider PortraitClaude Weiss: Johannes, du hast eine Methode zur Deutung des individuellen Verhaltens und Rollenspiels entwickelt, die erstaunlich zutreffend ist. Sie basiert auf den astrologischen Konstellationen der Geburt und existiert auch als Farbtest, mit dem die gegenwärtige Situation eines Fragenden gekennzeichnet werden kann.[2] Wie bist du darauf gekommen?

Johannes Schneider: Das ist eine lange Geschichte. Schon zu meiner Schulzeit am Humanistischen Gymnasium in Basel hatte ich zum Maturitätsabschluss eine Arbeit über die Farbwahl mit dem Lüscher-Test geschrieben, und es faszinierte mich schon zu dieser Zeit, herauszufinden, was die Farben bedeuten. Ich habe damit auch intensiv Tests gemacht und gesehen, dass daran etwas zu ändern und weiterzuentwickeln ist. 1975 habe ich dann begonnen, einen eigenen Test aufzubauen, mit anderen Farben. Als Grundlage nahm ich die vier Farben Rot, Gelb, Blau und Grün, denn es schien mir einleuchtend, dass psychologische Situationen nicht mit den von der Physik her bekannten drei Grundfarben, sondern am besten mit vier Farben beschrieben werden. Diese vier habe ich zuerst auf zwölf Farben erweitert und mit diesen operiert, dann mit 16. Etwas später habe ich zu den bunten noch vier unbunte Farben, nämlich Weiss, Schwarz, Grau und Braun, hinzugenommen.

Weiss: Das war aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss?

Schneider: Nein, denn nachdem ich dieses Farbenset längere Zeit an vielen Menschen getestet hatte, merkte ich, dass ich das Ganze neu gestalten musste. Ich nahm noch Pastelltöne hinzu, da hatte ich 20 Farben. Der grosse Durchbruch kam dann aber erst 1989, als ich noch vier Brauntöne einfügte und den Zusammenhang zwischen Farbe und Astrologie entdeckte.

Weiss: Wie kam es dazu?

Schneider: Entscheidend dafür war, dass ich plötzlich die Intuition hatte, dass die zwölf Regenbogenfarben den zwölf Tierkreiszeichen entsprechen könnten. Das war der Schlüssel. Zu den Feuerzeichen passten die Rottöne, und es gab in meinem Test drei Rottöne! Ich hatte auch drei Grüntöne und realisierte, dass diese zur Erde passen, meine drei Blautöne dem Wasserzeichen entsprechen und die Gelbtöne eine Korrespondenz zu den Luftzeichen aufweisen.

Weiss: Hast du diesen Test zunächst ganz unabhängig von der Astrologie entwickelt?

Schneider:Farbenpalette Völlig unabhängig! Die Grundlage war der Farbkreis, denn ich arbeitete schon in meiner Ausbildung zum Zeichenlehrer immer mit dem ostwaldschen Farbkreis; das ist die Grundlage für Künstler und für jede Farbausbildung. Der Kreis ist für mich etwas sehr Überzeugendes, er ist ein geschlossenes System, und er zeigt Polaritäten auf, denn jede Farbe im Kreis hat ein Gegenüber, welches sich komplementär verhält. Ich wollte ein Farbsystem, das in sich geschlossen und polar ist, im Gegensatz zu anderen Tests, wo die Farben etwas willkürlich ausgewählt sind. Die Persönlichkeit des Menschen ist ja polar angelegt, mit Gegensätzen wie gut und böse, hell und dunkel, Liebe und Angst. Diese Gegensätze spielen auch in der Psyche, und es war eigentlich ein Glücksfall, dass ich auf dem Kreis aufgebaut und mit diesen zwölf Regenbogenfarben angefangen habe. Langsam habe ich dann die schwerer zu bestimmenden Farben dazugenommen, wie Braun- oder Pastelltöne.

Weiss: Kann man also sagen, du hast dich zuerst mit dem Lüscher-Test beschäftigt, dann deinen eigenen Test entwickelt und erst später die Verbindung mit der Astrologie hergestellt?

Schneider: Ja. Die Verbindung zur Astrologie kam recht viel später: Ich habe 1975 begonnen und erst 1989 mein Astro-Color-System® entwickelt.

Weiss: Wie bist du auf die Astrologie gestossen?

Schneider: Das ist eine noch viel ältere Geschichte, die auf meine Jugend zurückgeht, als meine Mutter nach Feierabend Horoskope erstellte, die sie in einer grossen Schachtel aufbewahrte, sich darin vertiefte - und ich schaute ihr dabei neugierig zu.

Weiss: War sie als Astrologin tätig?

Schneider: Als Hobbyastrologin. Mich interessierten diese Zeichnungen mit ihren geheimen Zeichen, wobei sie auf meine Fragen jeweils sagte: "Das wirst du später einmal verstehen." Und ich habe mir später sehr viel Mühe gegeben, diese geheimen Zeichen im Alleingang zu entschlüsseln, ohne Kurse, nur mit Hilfe von astrologischer Literatur.

Weiss: Du hast nie einen Astrologiekurs besucht?

Schneider: Nein. Es gab zu dieser Zeit noch kaum Kurse.

Weiss: Wann war das, als du mit der Astrologie angefangen hast?

Schneider: Als junger Erwachsener, ich war etwa 20 und hatte schon damals das Ziel, herauszukristallisieren, was eigentlich bei jedem Planeten und seiner Deutung das Wesentliche ist, denn ich hatte es satt, Hunderte von Büchern zu studieren, um dann, wenn ich das Buch gelesen hatte, nicht mehr zu wissen, was drinstand. Darum habe ich dann ein Konzentrat aus vielen Büchern zusammengestellt: Ich sammelte die verschiedenen Meinungen in einer grossen Kartothek, in der ich Zettel anlegte, etwa für Mars im ersten Haus, Mars im zweiten Haus usw. Später habe ich sogar eine Art Lochkartensystem entwickelt, denn es gab damals noch keine Computer; damit konnte ich die gewünschten Deutungen mittels Lochkarten schnell heraussuchen.

Weiss: Du scheinst also schon früh von einem Bedürfnis nach Systematik angetrieben worden zu sein, nach Vereinfachung, und ich glaube, dies ist auch das, was am Resultat deiner Forschungen so beeindruckt. Laien kritisieren an der Astrologie ja häufig, dass eine Stellung etwas Bestimmtes, teilweise aber auch das Gegenteil bedeuten kann. Dies hat mit der Verbreitung der psychologischen Astrologie eher noch zugenommen, während die Astrologen früher viel stärker den Hang zu klaren Aussagen hatten.

Schneider: Genau dies ist mein Anliegen. Früher war es natürlich einfacher, da hiess es: Das ist gut, jenes ist schlecht. Das entsprach natürlich einem Schwarz-Weiss-Denken. Ich war jedoch der Meinung, es müsste noch etwas dazwischen geben: weder Gummi noch Schwarz-Weiss.

Weiss: Also eine psychologische Deutung, aber dennoch mit entsprechender Klarheit?

RegenbogenSchneider: Klarheit und Kürze. Ich dachte damals: Wenn ich Deutungsbausteine mache, kann ich nachher einen Text daraus zusammensetzen, und vielleicht wird dies später mit dem Computer nutzbar. Und dies war meine Grundidee: Elemente zu schaffen, die sich vielfältig kombinieren lassen. Ein kurzer Satz muss zusammen mit anderen Kurzaussagen einen Sinn ergeben. - Eine anspruchsvolle Aufgabe, aber ich dachte, dass dies zu machen ist.

Weiss: Und das finde ich auch so interessant an deinem System. Es ist ja in der Astrologie so, dass man eher zu viele Informationen hat. Das Wesentliche aber ist, Prioritäten setzen zu können.

Schneider: Genau. Ich hatte immer den Eindruck, man sieht in der Astrologie vor lauter Bäumen den Wald nicht. Und so habe ich einen Kahlschlag gemacht, etwa bei den Orbis: Ich fand diese viel zu gross und habe sie verringert, womit das Bild gewissermassen einfacher, klarer und übersichtlicher wird.

Weiss: Du verwendest für die Konjunktion je nach Planetenkombination einen Orbis von etwa drei bis fünfeinhalb Grad, für Quadrate und Trigone noch kleinere Orbis. Wie bist du zu diesen relativ engen Orbis gekommen? Wie hast du sie bestimmt?

Schneider: Meine Idee war, dass jeder Planet einen bestimmten Umkreis, also Orbis hat und bei einem Aspekt die beiden Umkreise zusammenzuzählen sind. Dies ergab die relativ tiefen Gradzahlen, die du erwähnt hast. Ich habe dann ausprobiert, wie sich die Resultate verändern, wenn ich den Orbis erweitere oder verenge. Die Anwendung enger Orbis ermöglicht es, zu prägnanten und schlüssigen Aussagen zu kommen.

Weiss: Du arbeitest mit der siderischen Reihe der Planeten und gibst den schnelleren Gestirnen einen grösseren Orbis als den langsamen.

Schneider: In den meisten astrologischen Systemen kommt immer die Sonne zuerst, sodass man gerne der Sonne den grössten Orbis gibt. Mir hat das nicht eingeleuchtet, denn die kosmische Ordnung scheint mir durch die relative Geschwindigkeit gegeben. Von der Erde aus gesehen hat jeder Planet eine bestimmte Geschwindigkeit, wobei der Mond am schnellsten ist, und dies ergibt eine sinnvolle Ordnung. So habe ich die Planeten nach der Reihenfolge ihrer Geschwindigkeit geordnet. Ich habe den Eindruck, dass die Prominenz der Sonne mit dem patriarchalen System zu tun hat und der Mond dabei verdrängt wurde. In meinem System ist der Mond an der Spitze.

Weiss: Du hast, wie du sagst, 1989 eine Übereinstimmung gefunden zwischen deinem Farbtest und den astrologischen Konstellationen. Hat sich damals schon die Möglichkeit einer Deutung des Horoskops abgezeichnet?

Schneider: Zunächst diente mir die Astrologie nur als Grundlage für meine Deutungen, und sie vermittelte mir dabei Sicherheit. Danach übertrug ich meine Farben auf die astrologischen Stellungen und stellte fest, dass es funktioniert. Erst relativ spät merkte ich dann, dass es eine Möglichkeit gibt, das Horoskop in Farbe umzusetzen. Ich habe dann ein System entwickelt, in dem ich gewichte, in welchem Haus und in welchem Zeichen ein Planet steht und welche Aspekte er bildet.

Weiss: Und diese Verknüpfung deines Farbsystems mit der Astrologie ging auf?

Schneider: Es gab da schon noch eine Differenz zur herkömmlichen Astrologie. Als ich das Astro-Color-System® aufbaute, leuchtete es mir einfach nicht ein, dass die Herrscher der Zeichen so seltsam verteilt sind. Es gibt ja offiziell zehn Planeten, aber zwölf Häuser und zwölf Zeichen. Dabei werden Zwillinge und Jungfrau dem Merkur, Stier und Waage der Venus zugeordnet. Alle anderen Planeten herrschen nur über ein Zeichen, und es schien mir nicht konsequent, Venus und Merkur zwei Zeichen zuzuordnen. Ich habe dann gesehen, dass man dem Jungfrau-Zeichen den Chiron zuordnen kann.

Weiss: In welchem Jahr war das?

Schneider: Ich glaube, das war so um 1990 herum. Ich brauchte in meinem System zwölf Planeten und wollte eine klare, einfache Zuordnung. Die Hinzunahme von Chiron ergab gute Resultate. Er gilt ja als Heiler, Weiser und Lehrer, was zum Jungfrau-Zeichen passt. Es war mir als Lehrer bereits aufgefallen, dass viele meiner Kollegen die Sonne im Jungfrau-Zeichen hatten. Dieses Aufnehmen von Wissen, welches dann in verdaulichen Portionen weitergegeben wird, schien mir typisch für Chiron, der in einer Höhle seine Schüler unterrichtete und ein Meister war. Nachdem ich Chiron zugeordnet hatte, war noch ein Feld zu besetzen: das Stier-Zeichen.

Weiss: Welche Lösung hast du dafür gefunden?

Schneider: Es blieb noch ein Kleinplanet, der deshalb so auffällig ist, weil man ihn mit blossem Auge sehen kann, nämlich die Vesta. Ich dachte, dass ihr dadurch eine besondere Rolle zukommt, denn andere Kleinplaneten sind nur mit starken Teleskopen zu sehen. So ordnete ich die Vesta dem Stier zu. Zwar ist bei den Vestalinnen die Rede davon, dass sie Jungfrauen waren, womit sie scheinbar zum Jungfrau-Zeichen gehören, ihre Funktion war jedoch eine andere: Sie hüteten im Tempel das heilige Feuer. Diese Aufgabe der Sicherung der Energie schien mir dem Stier-Zeichen zu entsprechen, welches bekanntlich auf Sicherheit, Häuslichkeit und persönliche Absicherung der Existenz aus ist. In Geschichtsbüchern kann man zum Beispiel auch lesen, dass die Existenz des römischen Staates von diesem Feuer abhing, welches ständig unterhalten wurde.

Weiss: Und hat sich deine Zuordnung bewährt?

Schneider: Da ich mit der Theorie nicht mehr weiterkam, probierte ich einfach aus, ob die Zuordnung sinnvolle Resultat lieferte. Tatsächlich ergaben sich keine unstimmigen Aussagen, wenn ich der Vesta Stier-Themen wie Sicherheit, Selbsterhaltung usw. zuordnete. Erst in letzter Zeit habe ich dann die Urgeschichte der Vestalinnen genauer nachgelesen, wobei klar wurde, dass sie mythologisch nicht von Anfang an Jungfrauen waren, sondern zu matriarchalen Zeiten als Priesterinnen auch ganz andere Funktionen hatten, was dazu führte, dass sie später als "Tempelprostituierte" bezeichnet wurden.

Weiss: Eine Entsprechung also, über die das sinnliche Element des Stier-Zeichens sehr stark zum Ausdruck kommt.

Schneider: Ja, und sie gehörten auch zu den Frauen, die den Königssohn erzeugten. Zum Beispiel heisst es, dass Romulus als Gründer von Rom der Sohn einer Vestalin war, was gewiss nicht zur Jungfrau-Entsprechung passt. Erst als sich das Patriarchat durchzusetzen begann, wurde alles anders, denn man domestizierte alles Weibliche, sodass den Vestalinnen nur noch die Funktion blieb, das Feuer zu hüten, und das hatte nun nichts mehr mit Sexualität und Sinnlichkeit zu tun.

Weiss: Die Vestalinnen wurden später ja sogar hingerichtet, wenn sie nicht jungfräulich blieben. Das ist ein interessanter Wandel, der mir im "Buch der Asteroiden"[3] von Demetra George aufgefallen ist, welches die unterschiedlichen Funktionen beschreibt, die Vesta in verschiedenen Zeitaltern verkörperte.

Schneider: Genau. Dazu passt auch, dass in meinem System nicht die Sonne, sondern der Mond an der Spitze steht und im ursprünglichen, matriarchalen Kult der Mond die Funktion der Hauptgöttin hatte. Der Vesta-Kult hing zusammen mit dem Mondkult, und es ist wohl kein Zufall, dass die Vesta mit meinem System wieder zu Ehren kommt.

Weiss: Vielleicht passt es zu einer Wiederentdeckung des ursprünglich Weiblichen, dass man das übliche Zuordnungssystem etwas verändert.

Schneider: Im Zusammenhang damit hat sich mir im Laufe der Zeit noch eine andere Modifizierung aufgedrängt: 20 Jahre lang, von 1975 bis 1995, bildete die Zahl Vier die Grundlage meines Systems. 1995 geschah dann etwas Seltsames: Ich verwende ja in meinem Farbtest unter anderem auch die Farbe Gold, und in dieser Zeit kam bei Leuten, mit denen ich den Test machte, plötzlich die Frage auf: Sag mal, dein Farbtest enthält Gold, wieso fehlt Silber? Dieser Einwand kam immer wieder, bis mir klar wurde, dass Silber als Pendant zu Gold einen Platz haben muss. Und dies führte zu einem entscheidenden Umdenken. Bis anhin hatte mein Kreis die unbunten Farben als äussere Pole - gewissermassen geistige Pole: das Weiss als die Losgelöstheit, das Schwarz als die Unbeirrbarkeit, das Gold als Überlegenheit und das Grau als Gegenpol zum Gold. Ich fand das plötzlich nicht mehr sehr überzeugend.

Weiss: Weil das Silber fehlte?

FarbenorakelSchneider: Ja, aber als ich das Silber dazunahm, hatte ich 25 Farben, und das änderte schlagartig das ganze System! Nun war nicht mehr die Zahl Vier, sondern die Fünf die Basis: 5 x 5 = 25. Die Fünf ist insofern irrational, als sie sich durch nichts teilen lässt als durch sich selber. Vier hingegen entspricht mehr dem rationalen Denken. Es brauchte etwas Mut, diesen Schritt von der Vier zur Fünf zu vollziehen, doch er führte auch in meinem eigenen Denken zu einem Umschalten vom vorwiegend Rationalen, Intellektuellen zu einer stärkeren Gewichtung des Irrationalen. Jetzt musste ich überlegen: Wo kommt nun das Grau hin? ... Natürlich in die Mitte, ins Zentrum! Und plötzlich stimmte das ganze System. Aussen waren die beiden Polaritäten Weiss und Schwarz sowie Gold und Silber, und in der Mitte war das Grau als neutrales Zentrum.

Weiss: Bei der Fünf bestehen ja Verbindungen zu anderen Kulturen. So finden wir auch im chinesischen System fünf Elemente.

Schneider: Dies hat natürlich ebenfalls dazu beigetragen, auf die Fünf zu kommen, denn ich habe mich schon als Kind mit der chinesischen Kultur befasst. Ich sammelte bereits als Bub chinesische und japanische Gegenstände und wünschte mir für meine Geburtstage immer wieder mal etwas aus diesem Kulturbereich, sei es eine chinesische Vase, ein chinesisches Bild oder Ähnliches. Bereits zur Zeit der Primarschule verfügte ich über eine schöne Sammlung. Wie in einem kleinen Privatmuseum führte ich einen Katalog, in dem ich die Gegenstände beschrieb und nummerierte. Ich nahm dann einen Anlauf, Chinesisch zu lernen, was jedoch daran scheiterte, dass diese Sprache unmöglich nur über das Buch zu erlernen ist.

Weiss: Von daher war dir auch die Zahl Fünf als Grundlage nicht fremd?

Schneider: Die Zahl Fünf ist bei den Chinesen tatsächlich seit Jahrtausenden die Basis des kosmischen Systems. Leider ist die ursprüngliche Anlage seit langem verloren gegangen. Wie mir mein japanischer spiritueller Lehrer erläuterte, hatten die alten Chinesen ein System von fünf Elementen mit der Erde im Mittelpunkt, also vier Elemente aussen und eines in der Mitte. Später, als das System intellektueller wurde und seine Ursprünglichkeit verlor, wurde auch die Erde nach aussen versetzt, sodass die Mitte verloren ging.

Weiss: Das Farbtest-Verfahren war lange Zeit Schwerpunkt deines Systems. In der Zwischenzeit hast du die Deutungen so verfeinert, um ein Horoskop prägnant interpretieren zu können, und es kommen dabei sehr interessante, knappe und präzise Deutungen heraus, wobei diese häufig auch recht unverblümt sind.[4] Man hat manchmal den Eindruck, dass du recht "austeilst". Was meinst du dazu? Ist das nötig, muss man denn die Menschen so aufrütteln?

Schneider: Für die Antwort gehe ich vielleicht am besten auf mein Horoskop ein.

Weiss: Gerne.

Schneider: Ich habe Sonne, Mond und Venus in Waage, auch der Jupiter steht dort, an der Grenze zum Skorpion-Zeichen. Meine Mutter charakterisierte mich jeweils so: "Du bist ein lieber, netter und freundlicher Mensch." So war es auch. Ich war ein netter Junge, blieb auch ein netter Junge, und später machte ich mit den Leuten meine Tests, und die sagten am Schluss jeweils: "Schön, und wann kommt jetzt das Negative über mich?" Ich antwortete: "Die Deutungen sind vorbei, das ist alles." Das begriffen die Leute nicht: "Aber das kann doch nicht sein! Ich habe doch auch negative Seiten, wo sind denn die?" Und so begann ich also auf vielseitigen Wunsch hin zu erforschen, wo sich die negativen Faktoren befinden, die die Probleme schaffen.

Weiss: Du musstest also auch weniger nette Seiten deines Horoskops, also deiner Persönlichkeit einbringen.

Schneider: Jetzt kam mein Aszendent zum Zuge: Skorpion. Mein giftiger Skorpion bohrte also in die Tiefe und schaute, wo sich die schwachen Punkte verstecken. Dabei hat mir auch Merkur in Skorpion im ersten Haus geholfen: Mein Verstand war immer schon so geartet, dass er herausfinden wollte, was das Wesentliche hinter der Erscheinung ist. Wie ich heute weiss, spielte dabei auch die Vesta eine Rolle - sie steht in der Nähe des Merkur im ersten Haus, und das gab mir die nötige Ausdauer, all die Jahre zu suchen und die Formulierungen zu verbessern, bis ich wirklich zufrieden war.

Weiss: Das zeugt von einer enormen Beständigkeit, man könnte fast Besessenheit sagen...

Schneider: Oder Fanatismus... Ich hatte deswegen sogar Probleme in der Ehe. Meine Frau warf mir vor, dass ich immer an meinem Farbtest hocken und nichts mit der Familie unternehmen würde, was wohl etwas übertrieben war. Es war für mich nie Arbeit, sondern immer eine Beschäftigung, die mich glücklich machte.

Weiss: Wenn ich dein Horoskop anschaue, so fällt mir nicht nur dein Skorpion-Aszendent und Merkur in Skorpion auf, sondern auch, dass der Herrscher von Skorpion, Pluto, weit oben am Himmel steht. Damit ist er zusammen mit dem Mars und der Lilith einer der höchst gestellten Planeten. Pluto und die beiden anderen Planeten als Leitsterne entsprechen natürlich einer ganz anderen Komponente, als es die "liebe Waage" darstellt.

Schneider: Pluto in neun erklärt auch meine lebenslange Suche nach dem Göttlichen - ich kam mir häufig vor wie ein verlorenes Kind, das den Vater sucht, der nicht zu Hause ist. Mein physischer Vater war übrigens auch nicht sehr viel für mich da - er war entweder abwesend oder schrieb an seinen Berichten und Büchern.

Weiss: Welchen Beruf hatte er?

Schneider: Er war Theaterkritiker, wurde dann Verleger und hatte einen eigenen Verlag. So wuchs ich mit vielen Büchern auf, und ich habe im Laufe meines Lebens viele Bücher gelesen, bis ich an den Punkt kam, wo ich erkannte: Ich finde die Weisheit, das Göttliche nicht in Büchern... in keinem Buch. Ich schreibe meine Suche nach dem Göttlichen dem Pluto im neunten Haus zu.

Weiss: Da könnte aber auch Chiron in Zwillinge im achten Haus eine Rolle gespielt haben, bei dieser Suche nach der Formel, nach dem Schlüssel...

Schneider: Ganz sicher! Der Schlüssel ist ja im achten Haus, welches wiederum dem Pluto entspricht.

Weiss: Was auch eine Ähnlichkeit hat mit Merkur in Skorpion...

Schneider: Und Chiron ist nicht nur im Merkur-Zeichen Zwillinge, er macht auch einen Quincunx-Aspekt zum Merkur. In diesen Stellungen erkenne ich meine Beschäftigung mit Leben und Tod, dieser Grundpolarität, in der wir alle stehen. Aber zwischen dem "Stirb und werde!" muss irgendwo auch der ruhende Pol zu finden sein, wo einfach Friede ist und keine Spannung. Ich glaube, ich habe das mit meinem Intellekt, dem Merkur, lange gesucht. Inzwischen komme ich darauf, dass diese Suche mit dem Intellekt auch nicht das Gelbe vom Ei ist, dass es mit dem Verstand nicht zu finden ist.

Weiss: Was ist es denn, das es braucht?

Schneider: Es braucht das Loslassen. Wir setzen diesen denkenden Verstand ein, um die Probleme zu lösen. Mir wird jedoch zunehmend klar, dass der denkende Verstand das ist, was die Probleme erst schafft, die er dann versucht, zu lösen. Der Verstand versucht etwas, das gar nicht möglich ist. Er will Probleme lösen und schafft sich dabei unendlich viele neue. Ich glaube, wir müssen anders vorgehen - in unser Inneres blicken und diesen denkenden Verstand einfach einmal loslassen.

Weiss: Und was ist das für eine Dimension? Wie würdest du sie beschreiben?

Schneider: Es wäre das Nichtduale oder das Eindimensionale. Wir glauben lediglich, wir befänden uns in der Dualität zwischen Leben und Sterben, Geburt und Tod, Gut und Böse, wünschen und fürchten, wobei die Wirklichkeit - diese Überzeugung gewinne ich immer mehr - weder im Guten noch im Bösen, sondern im Weder-noch liegt.

Weiss: Du sprichst damit taoistische Gedanken an. Mir kommt es vor, du seist auf der Suche nach dem Ungeteilten, nach dem Sinn, welcher das Ganze erst hervorbringt. Und wenn ich dein Horoskop anschaue, dann sticht mir wieder dieser Pluto in neun ins Auge, der zum Jupiter ein Quadrat macht. So gesehen wäre Jupiter das Prinzip des Herzens, des Impulses, des Ungeteilten, welches im Vergleich zum teilenden Merkur-Prinzip mehr zum Zuge kommen sollte.

Schneider: Genau.

Weiss: In diesem Zusammenhang finde ich interessant, dass du mit Uranus ebenfalls in dieser Figur ein System entwickelt hast, welches die Persönlichkeit charakterisieren soll. Uranus ist ja der Planet, der die Vereinfachung, die Formel sucht, aus der das Ganze hervorgeht. Dein Uranus steht in der Nähe des Deszendenten, und hier liegt vielleicht auch der Wunsch, der Antrieb, dieses System anderen mitzuteilen und vertraut zu machen.

Schneider: Diese Spannung zwischen Jupiter am Aszendenten und Uranus am Deszendenten, also auf der Beziehungsachse, spüre ich sehr stark. Als kleiner Junge setzte ich mich auf Familienausflügen gern als "Indianer" in mein selbst gebasteltes Zelt und fühlte mich wohl, aber auch einsam. Und ich suchte immer wieder den Zugang zur Gemeinschaft, pendelte aber hin und her zwischen Öffnung und Rückzug. Im Laufe der Zeit habe ich dann immer mehr diese Öffnung gesucht, das Verbindende im Gegensatz zum Trennenden. Trennung ist Schmerz, und das habe ich als Kind sehr stark erlebt. Meine Eltern trennten sich, und ich war allein. Mein Bruder war älter, und ich fühlte mich auch von ihm getrennt.

Weiss: Was ebenfalls zum Jupiter-Prinzip und zu dieser Suche passt, ist dein offensichtliches Interesse für das ferne Ausland. Du hast gesagt, du hättest dich als Kind wie ein Indianer gefühlt, und jetzt lebst du in Chile und hast eine chilenische Frau.

Schneider: So ist es.

Weiss: Da muss das Ausland offenbar einen starken Sog auf dich ausüben. Wie siehst du das?

Schneider: Ja. Den ersten Sog übten China und Japan auf mich aus. Das muss etwas Karmisches gewesen sein. Ich dachte immer, dass ich später einmal nach China gehen würde. Ich bin aber nie in China gewesen, und es zieht mich heute auch nicht mehr dorthin. Es zog mich aber nach Südamerika - weit weg von dieser westlichen Welt, vom Schweizer Perfektionismus, wo alles so sehr geregelt ist, so fix und fertig. Ich wollte etwas Neues und fand eine Stelle in Südamerika - in Chile. Ich kam in dieses Land, aber erst viel später lernte ich meine zweite Frau kennen, eine Chilenin, die etwas Indianisches an sich hat. Du hast mir gerade jetzt bewusst gemacht, dass dieses "Indianerkind", das im selbst gebastelten Zelt sass, eigentlich schon der Anfang war in der Beziehung zu den Indianern Südamerikas.

Weiss: Für mich lassen sich aus deiner Mondknotenachse weitere interessante Informationen lesen. - In unserer Astrologie-Schule steht der absteigende Mondknoten symbolisch für die Situation, aus der wir kommen: sowohl karmisch als auch bezogen auf frühe Erfahrungen in diesem Leben. Bei dir nun steht die Lilith am absteigenden Mondknoten im Löwe-Zeichen und sowohl im genauen Quadrat zum Merkur wie im genauen Sextil zum Chiron. Das heisst also, dass Lilith, Merkur und Chiron deine Mondknotenachse bestimmen. Lilith am absteigenden Mondknoten bedeutet, dass man Zugang hat zu matriarchalem Wissen, überhaupt zu matriarchalen Erfahrungen, was sich dahin gehend zeigen kann, dass das Weibliche im eigenen Leben eine grosse Rolle spielt und man als Mann vielleicht auch gegen die Macht des Weiblichen kämpft, sich in der Auseinandersetzung mit dem Weiblichen bewähren muss, andererseits der Wunsch besteht, sich mit Erkenntnissen zu beschäftigen, die aus anderen Zeiten stammen. Mit Lilith im zehnten Haus im Quadrat zu Merkur kann ein Bedürfnis vorhanden sein, Prominenz zu erlangen, indem man unbequeme Wahrheiten vertritt und rüberbringt.

Schneider: Ja, das liegt mir sehr.

Weiss: Und darum könnten fremde Kulturen eine Rolle spielen. Das Interesse für das Andersartige, für Minoritäten, ist das ein Thema bei dir?

Schneider: Mehr im geistigen Sinn. Ich war nie der Meinung, dass die Mehrheit die Wahrheit gepachtet hätte. Ich glaube eher, es sind Einzelne, die näher bei der Wahrheit sind. Die Wahrheit wird einzeln erfahren, nicht durch Abstimmung. Und du hast recht, das weibliche Element spielt eine enorm grosse Rolle in meinem Leben. Frauen haben mich immer sehr angezogen. Jetzt glaube ich, ist es nicht mehr so sehr das Physische, es ist mehr dieses innere Weibliche, das Empfangenkönnen, das Offensein, dieses Liebevolle, die liebevolle Beziehung, die die Einheit bringt. Also das Einssein mit andern, nicht das intellektuelle Streiten mit andern, nicht das Recht-haben-Wollen des Merkur, das bei mir, mit Merkur in Skorpion, früher noch sehr ausgeprägt war.

Weiss: Wie äusserte sich das?

Schneider: Ich war oft sehr ironisch - wie die echten Basler eben, die ja eine gewisse spöttische Ironie kultiviert haben. Häufig sagte ich auch das Gegenteil von dem, was ich eigentlich dachte, bis ich merkte, wie sehr mich das von anderen trennte. Es schuf eine Art Mauer, weil die anderen nie recht wussten, was ich jeweils meinte. Das habe ich dann aufgegeben, weil ich merkte, dass mich diese Unklarheit selber verunsicherte.

Weiss: Ich habe gelesen, dass du in der Schweiz Zeichenlehrer warst und mit etwa 50 Jahren den Schuldienst quittiert hast. Stimmt das?

Schneider: Ja, ich habe mich gewissermassen selbst pensioniert.

Weiss: Warum hast du das gemacht?

Schneider: Als ich an der Schweizer Schule in Chile lehrte, kam ich in Kontakt mit einer spirituellen Gruppe. Daraufhin lernte ich meinen japanischen Lehrer kennen, der mich in Massagen, Akupunktur, Ernährung und spiritueller Meditation anleitete. Er lehrte mich auch, aus dem schmerzhaften Polaritätszustand herauszukommen, sei es mittels Meditation, gesunder Ernährung oder Massagen - von der physischen bis zur spirituellen, also subtilen Massage ohne Berührung.

Weiss: Du warst damals aber noch mit der Schweiz verbunden?

Schneider: Ja, ich arbeitete wieder in Basel, aber nicht mehr als Lehrer, sondern als Massagetherapeut. Ich erteilte auch Kurse in einer selbst entwickelten Massagetechnik.

Weiss: Das muss wohl in den 80er-Jahren gewesen sein?

Schneider: Ja. 1985 habe ich aufgehört, Schule zu geben, und einen Schnitt gemacht. Ich habe damals viel gemalt - Bilder mit archaischen Zeichen. Auch dies vielleicht durch den Einfluss der Lilith, denn das Archaische faszinierte mich sehr. Ich fand Zeichen für den Menschen, auch Zeichen für Tiere und gestaltete symbolische Bilder des Kosmos, auf denen innere Wirklichkeiten dargestellt waren: innere Landschaften, innere Erlebnisse.

Weiss: Wann gingst du definitiv nach Chile?

Schneider: Ende 1999.

Weiss: Und jetzt, was machst du dort? Gehst du einer Tätigkeit nach?

Schneider: Von der Massage bin ich langsam zu subtileren Formen der Behandlung übergegangen, das heisst zum eigentlichen Heilen, indem ich immer mehr mit reiner Energie arbeitete, dem so genannten Handauflegen. Heilende Fähigkeiten standen mir allerdings nicht von Anfang an zur Verfügung, ich musste sie erst entwickeln. Ich übte lange, um die Energie vom Herzen in die Hand zu leiten. Schliesslich habe ich dann beim Schweizer Verband für Natürliches Heilen eine Prüfung als Heiler abgelegt. Längere Zeit habe ich in der Elisabethenkirche in Basel öffentlich geheilt, immer am Donnerstagnachmittag. Die Leute konnten kommen und unentgeltlich Heilung empfangen. Das war für mich eine schöne Erfahrung ... Es war überhaupt das Schönste, was ich je gemacht habe.

Weiss: Zu heilen?

Schneider: Ja. Also mit einem Menschen zu dritt zusammen zu sein, das heisst: der Mensch, der Probleme oder Schmerzen hat, ich als Kanal und der Heilige Geist als derjenige, der die Energie gibt. Es ist ja nicht so, dass ich selbst heile, sondern ich bin in der glücklichen Lage, dass ich diese Energie empfangen und weitergeben darf. Das ist ein wunderbares Gefühl! Wenn ich diese Energie weiterleite, fühle ich, wie ich gleichzeitig selbst geheilt werde.

Weiss: Wie du es beschreibst, hat dieses Heilen wohl viel mit Chiron, aber noch mehr mit Neptun und mit deiner Konstellation im zwölften Haus zu tun.

Schneider: Mein zwölftes Haus ist tatsächlich stark besetzt, wobei mir interessant scheint, dass die Venus, die an der Spitze des zwölften Hauses steht, nach meinem System - leider - keine Aspekte hat. Darin zeigt sich diese Einsamkeit, das Nicht-verbunden-Sein, unter dem ich gelitten habe und das wohl den starken Wunsch nach Verbindung mit anderen, nach diesem Einssein mit Menschen hervorrief.

Weiss: Die Venus ist aber gleichzeitig stark, weil sie in dem Zeichen steht, in welchem sie Herrscherin ist.

Schneider: Stark ... und zugleich schmerzhaft.

Weiss: Und wie erfüllst du diesen Wunsch nach Einssein?

Schneider: Ich bin gerade aus einem Retreat zurückgekommen, einem spirituellen Retreat, wo es darum ging, die Einheit, das Einssein in sich zu entdecken. Natürlich habe ich auch meinen Farbtest mitgenommen, und viele der dortigen Teilnehmer haben den Test gemacht. Er zeigt ja die Persönlichkeit - so, wie wir sind und uns verhalten, und in diesem Sinne habe ich den Test mit den Teilnehmern besprochen. Der Leiter der Gruppe war damit einverstanden, und ganz am Schluss sagte er: "Dieser Test ist sehr hilfreich, denn er zeigt jedem genau das, was er nicht ist." Zunächst dachte ich: "Wie ist nun das zu verstehen?" Plötzlich machte es dann Klick in mir, und ich fand das eine prima Definition.

Weiss: Inwiefern?

Schneider: Der Farbtest beschreibt unsere Persönlichkeit, aber dies ist gleichzeitig das, was uns im Wege steht, um zu unserer Essenz zu gelangen. Aber natürlich müssen wir zuerst einmal unsere Persönlichkeit anschauen und genauestens kennen, bevor wir sie überhaupt loslassen oder als Illusion erkennen können.

Weiss: Könnte man sagen, dass dein System, welches die menschlichen "Spiele" und Tricks beschreibt, vor allem das Ego charakterisiert?

Schneider: Absolut.

Weiss: Und dass es zwar noch eine andere Dimension gibt, es aber wichtig ist, dieses Ego zur Kenntnis zu nehmen, sich dazu auch bekennen zu können. - Es ist mir nämlich etwas Interessantes aufgefallen bei diesen Deutungen: Es war regelmässig so, dass andere sie sehr treffend für die Person gefunden haben, der oder die Beteiligte geschmunzelt hat, manchmal etwas verlegen war oder auch ablehnend reagierte. Das heisst, dieser Test bringt verschiedene Komponenten zum Ausdruck, die wir zwar zeigen, zu denen wir selber aber nicht immer stehen.

Schneider: Um das geht es ja genau! Es ist für das Ego einfach schmerzlich und höchst gefährlich, zu sehen, wie es funktioniert. Wenn wir erkennen, wie alle diese Rollen in uns zusammenspielen, können wir sie durchschauen und sehen, was eigentlich dahinter steckt. Und das ist ja letztlich das Wesentliche: nicht die Hülle ernst zu nehmen, sondern den Inhalt. Die Packung mag beeindruckend sein, aber die Pralinen im Innern sind ja das Süsse.

Weiss: Könnte man also sagen, das Ganze ist auch ein Egotest?

Schneider: Absolut. Mein Test zeigt das Ego, und es ist manchmal schmerzhaft und unangenehm, das zu sehen. Ich glaube, dass insbesondere jemand, der sehr stark im Äusseren lebt, diesen Test sehr gut gebrauchen kann. Er kann damit sehen: So bin ich. Aber selbst wenn er sich nicht sicher ist, ob er wirklich so ist, bekommt er auf jeden Fall einen Spiegel vorgesetzt mit einer neuen Sichtweise, und das kann ihn weiterbringen ... Er kann sich selber langsam auf die Spur kommen.

Weiss: Ist der Test also nur für egobetonte Menschen zu gebrauchen?

Schneider: Nein, auch jemand, der stark nach innen lebt und versucht, das Göttliche in sich zu finden, der viel meditiert und Übungen macht, um das Selbst zu entdecken, kann den Test gut gebrauchen. Er weiss zwar, dass das, was charakterisiert wird, letztlich eine Illusion ist, aber er glaubt noch an die Illusion, denn sonst wäre er ja erleuchtet. Erst wenn er hinter dieser Illusion angekommen ist, braucht er das alles nicht mehr. Dann braucht er kein Horoskop, keinen Farbtest, kein System - rein gar nichts mehr. Für uns aber, die wir diese Einheit noch nicht gefunden haben, ist dieser Farbtest eine hilfreiche Orientierung.

Weiss: Johannes, herzlichen Dank für dieses Gespräch.


  1. Das Interview mit Johannes Schneider ist in Astrologie Heute Nr. 105 (Oktober/November 2003) erschienen. Der Wiederabdruck auf www.astro.com erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.
  2. Der psychologische Farbtest von Johannes Schneider (Color-O-Scope®) zeigt anhand der Farbenwahl die momentanen Verhaltensweisen und Probleme einer Person. Er ist bei www.astro.com unter dem Namen "Farbenorakel" in der Rubrik "Gratis-Horoskope" zu finden.
  3. Demetra George: Das Buch der Asteroiden. Mythologie, Psychologie, Astrologie und neue Weiblichkeit, Chiron Verlag, Mössingen 1991.
  4. Die Deutung des Geburtshoroskops nach dem Astro-Color-System® von Johannes Schneider ist bei www.astro.com unter dem Namen "Farbenhoroskop" erhältlich. Es gibt einen Einblick in die Charakter-Strukturen, benennt Qualitäten, Bedürfnisse und die verschiedenen Rollenspiele. Auch die innerpsychischen Abwehrmechanismen werden beschrieben und Möglichkeiten aufgezeigt, um diese Konflikte zu entschärfen. Der Text ist zuweilen etwas konfrontativ und erwartet eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Die vollständige Deutung im Umfang von 10 bis 12 Seiten können Sie als E-Horoskop im Astroshop bestellen.

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