Symbolkreis der Schöpfung

von Thomas Ring

Dieses bislang unveröffentlichte Buch, das Thomas Ring noch vor seiner vierbändigen „Astrologischen Menschenkunde“ geschrieben hat, ist ein wichtiger Baustein zum Verständnis seiner organischen Weltauffassung. Am Anfang steht die Frage nach der kosmischen Situation des Menschen und wie das Ich in die Naturkreisläufe eingeschaltet ist. Ring zeigt, dass die vier Elemente, wenn man diese auf ihre ursprüngliche Bedeutung zurückführt, eine lebensbegründende Vierheit darstellen. Diese spiegeln sich auch in den Temperamenten und den Quadranten wider. Eine andere wichtige Ordnungszahl ist die Drei und jeder Quadrant weist drei Grundeigenschaften auf. Aus der Kombination von drei und vier entsteht die Zwölf. Darauf aufbauend beschreibt Ring die Tiefenstruktur des Tierkreises in einer nie dagewesenen Vielschichtigkeit. Hier finden sie eine kurze Leseprobe aus dem umfangreichen Werk.

Mehr zur Entstehungsgeschichte dieses Werks, dessen Rohfassung aus dem Jahr 1943 datiert, erfahren Sie in einer weiteren Leseprobe aus dem Editorial: www.astronova.de

Die Entstehung der Zwölfheit aus Dreiheit und Vierheit

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Vor die Aufgabe versetzt, die Dreiheit der Lebens-Manifestation zu kombinieren mit den vier elementar-dynamischen Zuständen, die sich in den Temperamenten spiegeln, kommen wir unausweichlich auf die Maßstäbe der alten Tierkreisordnung. Wir erhalten zwölf Prinzipien, deren jedes sowohl an der Dreiheit als an der Vierheit teilhat. Ein solches Prinzip ist in seinen Eigenheiten z.B. "kardinal" und "feurig" oder "labil" und "erdhaft" usw., anders ausgedrückt: das "Feurige", das "Erdhafte" usw. gibt sich in dreierlei Weise kund, kardinal, fix und labil. Allerdings leiteten wir die damit umschriebenen Verhaltensweisen nicht vom Firmament ab. Diese Inhalte haben nichts mit Sternbildern zu tun und auch weiterhin gilt uns nur das dem Leben und seinen Äußerungen Grundlegende. Die zwölf Prinzipien betrachten wir somit als dem Leben innewohnende Äußerungen und Verhaltensweisen.

Gefordert ist ebenfalls, dass die Dreiheit der Lebens-Manifestation in jedem Quadranten auftrete, wodurch die Wertungssphäre in zwölf Abschnitte geteilt wird. Da jeder Quadrant drei Abschnitte erhält, muss wenn diese zwölf Abschnitte mit den aus der vorigen Kombination gewonnenen zwölf Prinzipien identisch sein sollen, in jedem Quadranten eine Temperamentsbezüglichkeit ausfallen. Es besteht auch gar kein zwingender Grund, dass ein Quadrant alle vier Elemente bzw. Temperamente in sich schließen müsse; im Gegenteil gibt die festgestellte Überschneidung der Erlebnistönungen inhaltliche Hinweise, was jeweils in einem Quadranten ausfallen kann. Überhaupt liegt der Schlüssel für die Anordnung der Temperamente und Grundeigenschaften in den Quadranten, die als Elemente des Kreises ja auch die kreisförmige Anordnung vorzeichnen. Halten wir uns indes zunächst an die formale Seite. Der Forderung, die Dreiheit gleichzeitig in beiden Formen der Vierheit auftreten zu lassen, kann in einem Schaubild nicht anders entsprochen werden als durch eine vollständig symmetrische Anordnung von zwölf gleich großen Kreisabschnitten.

Zwölferkreis

Abbildung 1: Symmetrische Konstruktion der Zwölfheit. Die drei Grundeigenschaften innerhalb jedes Quadranten sowie in den gleichschenkligen Dreiecken, welche die Temperamentsfärbungen angeben, kehren in derselben Reihenfolge kardinal, fix, labil wieder. Die Temperamente bzw. elementar-dynamischen Zustände sind durch verschiedene Strichelung unterschieden: ____ melancholisch (erdhaft), _ _ _ _ phlegmatisch (wässrig), ......... sanguinisch (luftig), ._._._. cholerisch (feurig).

 

Jeder Quadrant enthält dabei eine Unterteilung durch drei Abschnitte von kardinaler, fixer und labiler Bedeutung, während eine über die Quadrantengrenzen hinweggreifende Aufteilung in vier gleichschenklige Dreiecke, deren jedem die Bedeutung eines Elements bzw. Temperaments zugeschrieben wird, die drei Grundeigenschaften ebenfalls viermal zur Geltung bringt.

Bei der Einordnung der Temperamente wird die natürliche Stufenfolge der Schichten des Seins, auf die sie bezogen sind – materiell, organisch, seelisch, geistig – zum Vorschein kommen müssen als Folge erdhafter, feuriger, wässriger, luftiger Prinzipien. Diese Stufenfolge dürfen wir aber nicht beim Hintereinander der Zählung von 1 bis 12, in der sich ja die Abfolge der Dreiheit viermal durchsetzt, erwarten. Sie kann nur da ablaufen, wo die gleiche Ordnungszahl herrscht, also in der Aufeinanderfolge der Quadranten, und zwar, die Quadrantenordnung damit dreimal abwandelnd, in der Verknüpfung jeweils der vier kardinalen, der vier fixen, der vier labilen Prinzipien. Durch diese Quadrantensprünge in der gleichen Richtung, der die Bezifferung der Quadranten folgt, kombinieren sich die beiden Vierheiten miteinander.

Liegt nun, die kardinalen Prinzipien herausgegriffen, bezüglich ihrer Temperamentsfärbung die Aufeinanderfolge von erdhaft, feurig, wässrig und luftig fest, so fragt sich weiterhin, wo sie beginnt. Wir haben es mit dem Kreislauf organischer Selbsttätigkeit zu tun, einem Bezugssystem also, worin das lebende Wesen selbst den Anstoß und Auslöser bildet von Vorgängen, die wieder in es einmünden. Sinngemäß kann darum nur das feurige Kardinalprinzip, das auf die organische Schicht bezogene, am Anfang stehen, und innerhalb der vier Wertbereiche ist dieser Anfang in der Einzelperson zu suchen. Das feurige Kardinalprinzip eröffnet den I. Quadranten und leitet damit den ganzen Kreis ein, es folgt das wässrige Kardinalprinzip am Beginn des II., das luftige am Beginn des III., das erdhafte am Beginn des IV. Quadranten. Inhaltlich bedeutet dies (vgl. "Wendepunkte"), dass im Bereich der personalen Vereinzelung der organische Impuls die Veränderungen auslöst, im Bereich verwandtschaftlicher Bindungen der seelische Impuls, im Bereich gemeinschaftlicher Beziehungen der geistige Impuls und im Bereich gesellschaftlicher Wirklichkeit der materielle Impuls. Anders ausgedrückt – den Horizontaldurchmesser des Schaubildes als Scheidelinie zwischen Eigenwelt und Fremdwelt verstanden –: Die Veränderungen werden innerhalb der Eigenwelt durch die Kardinalität des Organischen und Seelischen bestimmt, hingegen in Bezug auf die Fremdwelt durch diejenige des Geistigen und Materiellen.
Indem die kardinalen Prinzipien gleichzeitig die Ansatzpunkte der Quadranten wie der Trigone bilden, bestimmt sich aus der Lage der Letzteren auch die Temperamentsfärbung der fixen und labilen Prinzipien.

Bei den fixen Prinzipien sehen wir die natürliche Stufenfolge materiell, organisch, seelisch, geistig übereinstimmen mit der Bezifferung der Quadranten. Diese Prinzipien drücken sinngemäß die Bezugnahme von Regulationsvorgängen auf die Grundlage des jeweiligen Quadranten aus: die stoffliche der Einzelperson, die organische der Blutverwandtschaft, die seelische der Wahlverwandtschaft oder Gegnerschaft innerhalb der Formen menschlicher Gemeinsamkeit, die geistige der Menschheit. Entsprechend ihrem festhaftenden, an eingelaufene Bahnen und Organisationszustände fixierten Charakter kommen gerade in diesen Prinzipien die Rückverbindungen zum unteren Naturreich zur Geltung.

Weniger leicht ist die Zuordnung der labilen Prinzipien auf den ersten Blick einzusehen. Die Temperamentsfärbung kehrt sich hier, an den beiden Hauptachsen gespiegelt, gegenüber den kardinalen Prinzipien um. Was bei den kardinalen unterhalb des Horizontaldurchmessers liegt, feurig und wässrig, liegt bei den labilen oben, und umgekehrt, was bei den kardinalen oberhalb liegt, luftig und erdhaft, liegt bei den labilen unten. Ebenso steht es mit dem Austauschverhältnis rechts und links des Vertikaldurchmessers. Erinnern wir uns, dass sich an den beiden Hauptachsen einerseits Eigenwert und Fremdwert, anderseits das organisch Kontaktlose und das organisch Kontaktgebundene schieden. Es gibt aber in der Lebensganzheit niemals absolut geschiedene Bereiche, sondern relative Gegensätzlichkeiten, vereinbar unter einem höheren Gesichtspunkt; kennzeichnet es doch eine Grundeigenschaft des Lebewesens, Fremdwelt in sich hineinzunehmen und Eigenwelt aus sich herauszuprojizieren. Diese Grundeigenschaft verwirklicht sich durch die Fähigkeit der Reizantwort. Zum Wesen der labilen Prinzipien gehört also die dialektische Umkehr gegenüber dem, was einem Bereich "an sich" kardinal bestimmend ist; in dieser Hinsicht sind es die Prinzipien des Teilhabens, der Übergänge und Wechselbeziehungen und, zusammen mit ihrem Charakter als vollführende Tendenzen innerhalb des veränderlichen Geschehens, der Entwicklungsbewegungen. In den unteren beiden Quadranten, welche die Eigenwelt repräsentieren, bildet es die Voraussetzung zur Reizantwort, dass darin Wert und Bedeutung von Fremdem für den eigenen Haushalt verankert ist; die Entwicklungsbewegungen laufen zwar unter organischer und seelischer Dominanz, doch in geistigem und stofflichem Bezug. In den oberen beiden Quadranten, welche die Fremdwelt repräsentieren, geht es nicht um die im vorigen modifizierten "Reize", sondern um entwicklungsmäßige Modulation der "Antworten", de r Kundgebung von Eigenem im Fremden; unter geistiger und stofflicher Dominanz wirken sich hier organisch-willenshafte Intentionen und seelisches Teilhaben am Geschehenden aus.

Wenn in diesem Zusammenhang von Entwicklung die Rede ist, so sei unterschieden, dass die labilen Prinzipien die Durchführung von Entwicklungsbewegungen betreffen, dass hingegen die Auslösung entwickelnder Veränderungen bei den kardinalen Prinzipien liegt. Diese sind verändernd, jene veränderlich. Verschiedene Eignungen drücken sich darin aus: Anreger von Entwicklungen sein oder solche zu Ende bringen; bzw. als Schwächen einer Einseitigkeit: selbst nicht ausschöpfen können, was man anregt oder durchführen, ohne führende Impulse für grundlegende Veränderungen aufzubringen. Demgegenüber ist die Zuständlichkeit der fixen Prinzipien auf Erhaltung und Sicherung gestimmt, was Ausbau eines erreichten Entwicklungs-niveaus oder Schaffung von Ruhepunkten im Fortgang der Veränderungen sein kann, bei einseitiger Betonung: Verfestigen in bestimmten Bahnen, Unangepasstheit an darin nicht Vorgesehenes. Diese Tendenzen aus der Dreiheit wandeln sich gemäß der Temperamentsfärbung und Quadrantenlage ab.

Was in einem Quadranten temperamentsmäßig ausfällt, steht in Bezug zu seiner Erlebnistönung. Nach der nunmehr vollzogenen Zuordnung fällt in I das wässrige, in II das luftige, in III das erdhafte, in IV das feurige Element aus.

Eigenwert + organisch kontaktlos = Wegfall des Seelischen besagt: Bereich seelischer Isoliertheit der Person, das In-sich-Bleiben des Einzelnen.

Eigenwert + organisch kontaktgebunden = Wegfall des Geistigen besagt: Bereich, in dem das Leben seine artgemäße Zweckbeseelung und Reproduktion verwirklicht, ohne durch geistige Aspekte über die eingeborenen Grenzen hinwegzuweisen.

Fremdwert + organisch kontaktgebunden = Wegfall des Stofflichen besagt: Berührung und expansive Auseinandersetzung verschieden gearteter Lebenseinheiten, wobei Stoffliches nicht in deren Besitz beschränkt bleibt, sondern innerhalb der Symbiose vom Fremdwesen gewalttätig übernommen oder freiwillig zu dessen Gunsten eingesetzt wird.

Fremdwert + organisch kontaktlos = Wegfall des Organischen besagt: am wenigsten lebensunmittelbarer Bereich, der jedoch ebendarum die stofflich sachgerechteste Führung im Dasein sowie geistige und seelische Überbrückungen der artmäßigen Verschiedenheiten enthält.

Text entnommen aus:
Thomas Ring
Symbolkreis der Schöpfung
Chiron Verlag, Tübingen, 2010.
ISBN 978-3-89997-181-1

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