Thomas Ring: Seminar 1974 in Kopenhagen
Grundkursus - Jupiter und Merkur

Nun die dritte Opposition. Das wäre jetzt Jupiter und Merkur, und hier geht es um etwas anderes, um die Regulation. Wobei wir hier den Begriff "Optimum" bringen können - und hier: "Ökonomie".

Also Ökonomie, nicht? das ist die Sparsamkeit, mit geringen Mitteln ein Maximum zu erreichen etwa. - In Deutschland, "Ökonom" sagt man dann auch für Bauern. - Z.B. ein Sprichwort: "Die dümmsten Bauern haben die größten Kartoffeln." - Ich weiß nicht, ob es das hier auch gibt? - Wenn man sich da fein ausdrücken will, dann sagt man: "Die Intelligenz des Ökonomen wird an der Größe der Frucht konstatiert." ...

Ja, also Ökonomie heißt hier: das Auskommen mit einem Minimum an Aufwand, an Mitteln, um ein Maximum zu erreichen.

Und was ist das Optimum? - Das Optimum ist also das Bestmögliche. Das ist nicht das Maximum. - Es wird ja aber häufig verwechselt. Auch bei sogenannten schlechten Jupiterstellungen oft. Es ist nämlich das expansive Element. Also etwas was den Machtbereich ausdehnt, oder das Einkommen, oder sonstwie, nicht? und .. also häufig mit der Tendenz zum Maximum. Das ist aber eigentlich das Merkuriale, diese Art Erfolgsstreben.

Ja nun, wenn Sie also die vulgäre Astrologie nehmen, dann haben Sie hier .. da gibt's so Übeltäter und Wohltäter. Da haben Sie ja die Wohltäter Jupiter und Venus - das große Glück und das kleine Glück! - Und die Übeltäter, das sind Saturn und Mars. - Saturn kommt am schlechtesten weg, nicht? Alles Üble wird von Saturn hergeleitet. Warum? - Nun, weil es das grenzsetzende Element ist. - Also genau das Einschränkende kann der nicht vertragen, der Freiheit und Persönlichkeit usw. mißversteht und denkt, er kann tun, was er will, und sich ausbreiten usw.- Ja, also wie ist hier Optimum zu verstehen, als großes Glück? Ich will Sie fragen. Was betrachten Sie als großes Glück? Ah! Sie werden es nicht öffentlich sagen - leise würden Sie es villeicht sagen ja? Dann werden Sie sehr verschiedene Dinge nennen, was Sie anstreben. Aber das sind dann Gegenstände, verstehen Sie?, das sind Zielrichtungen, die Sie einschlagen. Es kommt ja auf etwas an. Auf die Glücksfähigkeit, zu seinem Optimum, also zu dem Bestmöglichen hinzufinden - und das kann sehr wenig sein, ja? Also, zum Beispiel, ja! - viele werden also das große Glück natürlich in einem Riesenvermögen betrachten. "Ja, wenn ich genug Geld habe, dann kann ich mir alles leisten!" Und Sie wissen, das ist das Streben ja vieler Menschen, die damit natürlich auf dem Holzbock sind. Die werden schließlich gefangen vom Geldstreben .. und da .. so für Eichhörnschen, so ein Ding, so eine Trommel, wo sie immer laufen und laufen, und es dreht sich immer weiter ja? So ist es dann mit dem Geld. - Aber es kann eine kleine Zuwendung eines anderen Menschen .. 5 ore könnte es unter Umständen sein, die können etwas bedeuten im richtigen Augenblick. - Es liegt also nicht an dem - was wir hier ausschalten müssen bei Jupiter - nicht am Quantitativen. Es läßt sich gar nicht auf ein Quantum bringen. Das sind alles merkurische Begriffe. Sondern auf einem .. nun, auf einem Wertgefühl. Also das Wertgefühl gehört hierher.- Und nun, Sie kennen den Ausdruck vielleicht: "Die Umwertung der Werte" von Nietzsche - was ist das? Nun, das was wir in einer gewissen Entwicklungsphase vielleicht durchmachen, das was uns vorher gegolten hat, was uns vorher wert war - das verliert auf einmal an Wert, und andere Dinge werden uns wert. - Also das ist etwas, was hier hingehört.

Oder - ja Religion. Nun, das ist nicht .. also wie man in der mittelalterlichen Astrologie dann da .. so die Kirchenfürsten hingesetzt hat - ja, die Prälaten, mit dem würdevollen Auftreten, mit dicken Bäuchen usw. - also das .. nun, das ist die Veräußerlichung dessen. Aber das was wir eigentlich Religio nennen - die Rückverbindung - das ist etwas, was hier sehr hergehört.

Jupiter kann man nur verstehen aus dem - aus Sonne. Das was mir wert und würdig ist zu tun und zu sein, das wird hier zu meinem Optimum, wenn ich es auswirke. - Und jetzt können wir verstehen, daß Expansion - also das expansive Streben eines Menschen - sehr vershieden sein kann. Etwas sehr verschiedenes können wir damit benennen. Und wenn wir "Religio" im eigentlichen Wortsinne auffassen, dann ist es wieder die Rückverbindung aller Erscheinungen, aller Eindrücke zu dem Einen, zu dem schöpferischen Kern. - Wir können die Natur so erleben, daß wir .. ja - nun, Sie wissen, die griechische Ausgangssituation in der Philosophie ist das "thaumazo" - Staunen!, ja? - das Erstaunen vor jeder Blume, vor jedem Blatt. - Da haben wir auch etwas anderes: das Sinnvolle - daß wir den Sinn empfinden .. das Schöpferische das darin ist. - Und die Rückverbindung jetzt von allem - nun, das ist die eigentliche Religio. Nicht? - das hat mit Kirche usw. nichts zu tun.

Ja, das Wort "Sinn" ist nun auch gefallen. Was ist Sinn? Wie ist das im Dänischen?

NN: Dybere mening.

TR: Aha! ja. Also im Althochdeutschen und alten Nordischen ist das - das "Sinn" - zugleich .. also es heißt also "Sinnan". Sinnan ist: gehen auf etwas hin. - Es ist der Weg. - Es ist eigentlich derselbe Begriff wie das chinesische "Tao". Das ist auch "Sinn" und "Weg" .. und man hat keine Übersetzung dafür. - Es ist also eine .. die Bewegung, die sinnvoll ist. Also ein Ziel, das zugleich ein Optimum ist eben. Nicht?, das wäre der eigentliche Sinn. Das können wir in manchen Sprachen schwer übersetzen. Im Französischen können wir es z.B. gar nicht ausdrücken. Es ist eine sehr logische Sprache und das ganze, aber sie haben keinen Begriff dafür. - Auch im Englischen ist es schwer, ja?

PN: Sinnan, das ist auch "nachdenken", nicht wahr?

TR: ... ja, ja ja, nicht?, wenn Sie "reason" sagen, oder .. usw. - Nein, Sie können es nicht im Englischen richtig übersetzen, also in dem Sinne!, wie wir das meinen. - Also Sinn heißt wieder: das was .. nun, das Optimale - das was einen Wert hat ja?, und das was zugleich erfüllend ist. Die schöpferische Erfüllung - Das, warum ich etwas tue. - Ich hoffe, Sie komponieren nicht, weil Sie so die und die Einnahme haben, sondern weil es Ihnen einen Sinn bedeutet. Also es kann in jeder Tätigkeit sein, das, warum ich es tue. - Nicht ein Job. Ein Job kann natürlich keine jupiterhafte Entsprechung sein. - Ja, das gehört hierhin, und zugleich ... Aber jetzt das Merkuriale! (Ah! da habe ich einen Strich vergessen ...)

Das ist z.B. auch .. also diese Ökonomie .. nicht? - Sie kennen das Merkuriale vom Verstand, von der Verstandestätigkeit her. Es ist die Begriffsbildung. Vielleicht kennen Sie von Kant .. in der "Kritik der reinen Vernunft" .. da gibt's den schönen Satz - der eben klassisch ist: "Die Erkenntnis hebt bei den Sinnen an, geht von da zum Verstande und endet bei der Vernunft." Das heißt, der Verstand bildet Begriffe aus Sinnesempfindungen. - Also "weiß" ist Ihnen ohne weiteres ein Begriff. Aber das ist eine Abstraktion aus sehr vielem. Papier, Schnee, Bettuch - vieles ist weiß. Und aus all dem abstrahieren wir dieses weiß. - Oder "flach", nicht? - Also das was Ihnen ohne weiteres einleuchtet. - Dies Stück Papier, die eben ein ganz konkreter Begriff ist, ist eine Zusammensetzung aus sehr vielen Abstraktionen. Das ist der feste Begriff.

Ja also die Verstandestätigkeit abstrahiert aus solchen Sinnesempfindungen, bringt sie auf bestimmte Begriffe und verbindet die Begriffe auf logische Weise, nach logischen Regeln - die im Grunde genommen auch wieder ökonomische Behelfe sind. Nicht? Sie kennen vielleicht den Satz von der Identität?, den Satz vom Wiederspruch und vom ausgeschlossenen Dritten. - Das sind eigentlich ökonomische Regeln. In einem Zusammenhang, in einem Wortgebrauch benutze ich einen Begriff nur zur Bezeichnung desselben. - Wenn ich "Papier" sage, meine ich nicht "Stiefelsohle". Und wenn ich "Stiefelsohle" sage, meine ich nicht "Papier". - Also das ist die Identität. Und wenn ich jetzt das hier nehme .. - also "a" kann nicht "non-a" sein, heißt der Satz - das heißt, dies Papier kann nicht der Aschenbächer sein. Nicht? - Und der Satz vom ausgeschlossenen Dritten, die gehört natürlich auch dazu - ein Drittes ist ausgeschlossen. - Aber bitte, das sind nur ökonomische Regeln. Damit verständigen wir uns.

Die Vernunft, die also nicht auf der Sinnesempfindung aufbaut, kommt zu einer anderen Logik. Das ist die dialektische Logik - bei Hegel etwa - oder schon bei Nicolaus von Cuis, nicht? die "Coincidentia Oppositorum" - das Zusammenfallen der Gegensätze. Also z.B. wenn wir psychologisch die Frage stellen: sind wir Mann oder Frau? - Ja, anatomisch eindeutig ja? Aber psychisch sind wir beides. Das nennen wir ambivalent - also doppelwertig. Und so ist es mit allem. - Sie kennen das im chinesischen Yang und Yin, nicht? - So haben wir also eine Reihe von polaren Begriffen, die nur in ihrer Zusammengehörigkeit zu denken sind.Und das ergibt also hier die Vernunftslogik. Also nicht nur das eine oder das andere, sondern beides zusammen. Da haben wir These, Antithese und Synthese. Bitte das zu beachten bei Oppositionen. Also wenn Sie Oppositionen haben, dann sind die nie mit einem entweder/oder zu lösen. - Nicht? der Goethe mit seinen zwei Seelen ach, er hat drei Oppositionen gehabt - also sechs Seelen wenn man will, nicht? Das ist nicht mit einem entweder/oder zu lösen, sondern .. - er hat z.B. Sonne und Mond in Opposition gehabt - nicht Kern oder Peripherie, sondern beides zusammen. Also wir müssen .. - damit kommen wir nämlich zur Anwendung eigentlich - wenn wir eine solche Opposition haben, nicht uns auf These und Antithese versteifen - das tun wir gewöhnlich ja? - sondern zur Synthese hinfinden. Also aus beiden zusammen ein Gemeinsames nicht nur finden, sondern erzeugen.

Ja, also das wäre diese Vernunftslogik, die hier hingehört, und anders ist wieder Verstandeslogik.

Die Verstandeslogik - also das Merkuriale - differenziert. Die Tugend ist die Unterscheidung, die scharfe Unterscheidung. - Das ist das oder das! - schwarz oder blond! Da können wir uns einig werden. - Dann gibt es so Zwischenstufen, da kann man nicht mit entweder/oder operieren. - Ja! das haben wir also in der Psychologie etwa, bei der Aufstellung von Typen. Da kommen wir zu einem Unterschied hier gegenüber der Psychologie. Nicht? sie haben oft die Aufstellung von Typen, die im Grunde genommen auf einer Unterscheidung beruht. Extravertiert oder introvertiert usw. Also ich könnte Ihnen eine ganze Reihe nennen. Es sind im Grunde genommen immer .. es ist eine Unterscheidung. Und nun kommt man im Leben natürlich nicht damit aus. Jetzt bildet man Mischtypen. Also weder schwarz noch blond, sondern Gemisch aus beiden. - Diese sogenannten Mischtypen, die sind aber nie genau zu benennen. Das ist also etwas sehr Unexaktes, und das ist eben eine der Schwierigkeiten der Psychologie, wenn wir vor dem fertigen Menschen stehen und den beurteilen.

Das was wir hier machen, ist etwas ganz anderes. Es ist keine Typologie, sondern wir operieren mit Bausteinen. Also wir haben hier ganz bestimmte Bausteine, die wir hier also als Elemente zunächst verstehen, und die wir jetzt in einer ganz bestimmten Zusammensetzung erfahren und als solche auch bestimmen können. - Also was Sie treiben in der Anwendung dieser Elemente, das ist weiter nichts als die genaue Bestimmung der Elemente. Also dann sind wir über das Notenlernen hinaus, und wir komponieren, nicht? - Jeder Mensch ist eine andere Komposition.

Ja - das hier .. also diese Elemente, die ich Ihnen hier also erst skizzenhaft - nicht? Sie kennen ja die Bücher .. das ist ja nur eine Skizze nach der anderen - skizzenhaft sozusagen aufgefrischt habe, das umfaßt nun alles Elemente, die denknotwendig sind zum Zustandekommen eines lebenden Wesens. Also Sie können sich kein Wesen denken ohne diese Elemente hier.

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