Thomas Ring: Seminar 1974 in Kopenhagen
Grundkursus - Einleitung

... was ich zu sagen habe, in einer Sprache sprechen, die nämlich gar nicht geläufig ist. Aber ich kann leider nicht Dänisch, und Englisch kann ich mich nicht differenziert genug ausdrücken. Auch ist es so, die englische Sprache ist sehr gut - also so: "take it easy", und für .. ja Sie wissen, bei Shakespeare, nicht? - also etwas plastisch darzustellen oder in der Lyrik - aber die philosophischen exakten Begriffe gibt die Sprache oft nicht ganz her. Außerdem ist es ja eigentlich, das was wir zu sagen haben, etwas was wir denken und in eine Denksprache übersetzen, wobei die Sprache eigentlich nur eine andere Ausdrucksform ist .. Also wir wollen uns bemühen. - Wenn Sie Fragen stellen, also stellen Sie ruhig Englisch ja? .. antworten kann ich dann Deutsch.

Dann - wovon wollen wir überhaupt sprechen? Also ich habe es nun unternommen, in einigen Tagen Ihnen einen Begriff von der revidierten Astrologie zu bringen. Nun, bei Astrologie denkt man ja gewöhnlich an Sterne und Wirkungen auf Menschen .. Ja, das ist etwas Unausrottbares. - Trotzdem hier, wie ich höre, die meisten ja meine Bücher kennen, müssen wir doch bei diesen alten Denkgewohnheiten wieder anfangen. - Wir sprechen hier eigentlich nicht von Sternen, sondern von Menschen. Und zwar .. wenn wir gleich die Elemente nehmen (das was in der Musik die Noten sind ja?) - dann haben wir Kräfte in uns, also Wesenskräfte - und zwar Kräfte, die jeder hat. Jeder hat eine Selbstwertüberzeugung - hoffentlich ja? - und vielmehr: etwas worum er da ist, was ihm wert und würdig da zu sein ist. Er hat eine Grenze, einen Schutz seines Allerheiligsten usw. Er hat eine Aktivität. Er hat ein passives Aufnehmen, um zur Harmonie, zum Ausgleich .. bringen, usw. Also es sind alles Kräfte, die jeder von uns hat. Nur - das was die Konstellation anzeigt - die Art und Weise, wie sich das ausdrückt, und wie es eingebaut ist - das was eine Individualität ausmacht - das ist verschieden an uns. Es ist nähmlich sehr wichtig, um überhaupt das zu begreifen, worum es hier geht. Es ist ein neues Bild des Menschen, das wir hier bilden. Die Individualität fassen wir auf als sozusagen einen Ausschnitt aus dem, was alle Menschen haben. Eine ungleiche Lagerung.

Also etwa, jeder Mensch hat Aktivität - jeder von uns ja? Aber bei jedem ist es anders gelagert. Der eine hat es ganz im Verborgenen, im Wurzelhaften .. (also .. daß Sie die Elemente etwas kennen schon - das wäre etwa bei einer Stellung am unteren Meridian.) - Oder der andere hat es nach außen hin. Da ist es die kämpferische Note, usw. - Das ist zum Beispiel bei mir der Fall. - Daran können Sie gleich sehen, daß wir eigentlich nicht von Gestirnwirkungen sprechen. Dieser Mars dadraußen, der Planet, hat natürlich nicht meine Nase gemacht, und meine Ohren und meine Gestalt, usw. - oder mein Schicksal gar ja? - dies etwas turbulente, mit Verletzungen usw. - sondern das ist etwas in mir. Und Sie können gleich eine .. zur Grundeinstellung haben, daß es etwas ist, wovon wir reden, was das Leben aus sich formt. - Das Leben begibt sich in der Hervorbringung der Individuen in die umgebende Ordnung hinein.

Zum Beispiel, wenn wir jetzt beim Mars bleiben - bei meinem Vater: der Mars am Aszendenten, also beim Aufgang. - Bei mir: oben kulminierend in der Mittagslinie. - Bei einem Sohn: am Deszendenten. - Und bei einem Enkel: unten, am unteren Meridian. Also etwas - ich weiß .. ich glaube, Mathematiker sind hier - wenn Sie mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung herangehen - etwas sehr Unzufälliges. In vier Generationen hintereinander, diesen um einen Viertelskreis weitergelegt. - Das heißt also, daß hier eine Familie ist, sagen wir mal, die etwas marsisch gestimmt ist - auch der Herkunft nach .. im Mittelalter eine Schmiedekaste, die diese Kettenpanzer gemacht haben. - Und diese marsisch gestimmte Familie baut sich nun so ein. Verstehen Sie? - nicht? Es ist also etwas, was wir im Leben haben, in unserer Substanz - das ordnet sich dem ein. Und der Mars dadraußen, der Planet, er ist ja nur ein Symbol, ein Kennzeichen - und so setzen wir es ein.Verstehen Sie?, das ist grundwichtig, diese Unterscheidung, weil uns das nämlich - diese Denkart - vom Fatalismus abhängt. Wenn es sich um eine Gestirnwirkung handeln würde, dann müßte ich also besonders aggressiv usw. sein. Na ja! es hat natürlich eine Zeit gegeben, in der Jugend - also Jähzorn .. Da haben die Türen geknallt, oder ein Glas ist mal an die Wand geflogen usw. - Inzwischen hat man gelernt, daß es ja eigentlich nun Mars, also das kämpferische Motiv ist - daß man eine Sache braucht, für die man kämpft - sozusagen einen Weg, den noch keiner gegangen ist - nur das reizt einen natürlich ja? - Oder man .. na! - gibt es in sportlicher Weise aus - da waren es so Felsklettereien usw. Also man muß diese Kraft, mit der man geboren ist, die man irgendwie kulminierend hat oder sonstwie betont - diese Kraft muß man anwenden lernen. Und man kann .. das ist nämlich sehr wichtig - man kann es auf eine andere Ebene, eine andere Entwicklungshöhe bringen mit der Anwendung dieser Kraft. - Das ist mit jeder so.

Ja, wenn wir noch die Wahrscheinlichkeit weitertreiben wollen: Bei meinem Vater .. im Verhältnis von Mars zu Uranus - bei meinem Vater im Winkel von 120 Grad. - Bei mir auch. - Bei dem Sohn: beide in Konjunktion, Mars und Uranus. - Bei dem Enkel: in Opposition.

Nicht? der Vater .. auch entsprechend die Berufe - der Vater Ingenieur und Erfinder. - Na ja! also ich glaube auch etwas erfinderisch zu sein, nicht? - Der Sohn, der .. nun also vom Geburt dann auch so sehr aggressiv nach außen .. hier ist das Du, am Deszendenten. Der hat jetzt das .. ich weiß nicht, ob Ihnen das ein Begriff ist - einen Abenteuerspielplatz in Stuttgart - das heißt, aggressive Kinder - Kinder aus der untersten Schicht, die auf ihn losgehen - und er lernt jetzt in sich, nicht Schlag gegen Schlag zu geben, sondern still zu sein. Das Nichthandeln lernt er, ja? - Nicht?, das ist auch eine Form der Umsetzung dieser Mars-Energie.- Nun, und der Enkel, der ist Mediziner und begabt also vor allen Dingen für Chirurgie .. Verstehen Sie? - Es ist die marsische .. also alles sind marsische Entsprechungen. Aber die Entsprechungen sind sehr verschieden.

Und .. um gleich ein Hauptthema zu bringen: Freiheit und Zwangsläufigkeit. Das betrachten wir als Korrelatbegriffe - also Begriffe, von denen sich nicht einer ohne den anderen denken läßt. Die Freiheit besteht darin, daß ich nun zunächst mal mein Schicksal annehme, d.h. die Zwangsläufigkeit, in die ich hineingeboren bin. Und aus dem, aus dem Gerüst, aus dieser Struktur, in der ich bin - etwas das Niveau hebe, eine andere Entsprechung wähle. Ich glaube, es ist ein Unterschied, ob ich als jähzorniger Mensch sofort aufbrause bei allem ... (übrigens gut, wenn Sie solche Anlagen haben. Wenn man Ephemeriden sieht, und wenn man sieht: heute wäre eigentlich etwas los! Nicht?, man steigt schon geladen auf - und das andere kommt sicher von außen. Wenn Sie dann merken, aha!, das bist du ja selber!, und sich die Frage stellen: wer hat recht, ich oder ich? - Ich, der Eigentliche, der die Kräfte beherrscht, der sie im Zügel hat - oder der, der zwangsläufig, eben .. krieghaft so und so sich äußert.)

Ja, also das zur Einleitung. - Dann zur Art der Führung ... Also bitte .. nun, es ist so eine alte Gewohnheit. Hier steht einer - das bin ich da, der Leithammel - und Sie hören sich das an. - Das möchte ich eben nicht, sondern ein denkendes Kollektiv, verstehen Sie? Daß .. wenn Ihnen im Augenblick Fragen kommen - und die kommen sicher ja? - daß Sie sich sofort äußern, und zwar ohne Scheu - also ohne Scheu voreinander - ist Ihnen das klar, also was das ist? - also ohne Hemmung, nicht? Nämlich, ich kann ja nichts anderes als die Gedanken, die Sie selber haben, sozusagen entbinden. (Es ist so etwas wie der Sokrates, der sich als Hebamme sozusagen gefühlt hat.) - Also etwas, was Sie selber denken, entbinden und vielleicht kritisieren oder richtiger führen. So daß es also besser ist, Sie äußern sich, als Sie behalten etwas in sich, und es bleibt unverdaut und zücktet vielleicht Irrtümer.

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