Das Rätsel der Rauhnächte

von Reinhardt Stiehle

Die Zeit zwischen den Jahren

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Für die Zeit der Zwölften, die in manchen Regionen auch "krumme Tage" genannt werden, haben sich vielfältige Vorstellungen und Bräuche entwickelt. In ganz Europa gelten sie als Spukzeit. Die Tore zu anderen Dimensionen stehen offen und es erscheinen Geister. Hausgeister machen sich besonders bemerkbar, deshalb legte man ihnen Dankesgaben in den Garten oder auf den Dachboden. Aus demselben Grund war Aufräumen in diesem Zeitraum besonders angesagt, denn Unordnung zieht schlechte Energien an und verursacht Krankheit.

Eine andere Form findet dies zum Beispiel in dem volkstümlichen Brauch von Maskenumzügen wie etwa den in Bayern aufgeführten Perchtläufen oder dem Berchtelistag in der Schweiz. Die Maskentänze, Vermummungen, Räucherungen und Lärmumzüge mit angedeuteten Austreibungen von Winterunholden und Wintergeistern, bedeuteten ursprünglich nichts anderes, als den Sieg der Lichtkräfte zu feiern.

Deshalb war man in dieser Zeit der Zwölften aufgefordert, sich still und unauffällig zu verhalten und keine wesentliche Arbeit zu verrichten, um sich gegen die Gefahren zu sichern. Es waren Schweigenächte, und es war mancherorts sogar verboten, zu husten. Im antiken Rom verehrte man am 21. Dezember die noch aus etruskischer Zeit stammende Angerona, die Göttin des geheimnisvollen Stillschweigens, die als Zeichen dafür einen Finger vor ihren geschlossenen Mund hält.

Da den Kräften des Zwischenreiches in dieser Zeit besonders starke Wirkungen zugeschrieben werden, erlauben Orakel den Blick in die Zukunft. Spielerisch findet dies heute noch seinen Ausdruck im Bleigießen oder in dem Zwiebelorakel, bei dem zwölf Zwiebelscheiben mit Salz bestreut werden.

Weit verbreitet waren bestimmte Wetterwahrsagungsbräuche, indem man sich an den Lostagen "einen Kalender machte". Das Wetter jener Zeit ist für das kommende Jahr maßgeblich, denn jeder der zwölf Tage steht für einen Monat des Folgejahres. So wie die Witterung an diesem Lostag zwischen 8 Uhr und 16 Uhr ist, so wird es auch in dem entsprechenden Monat sein. Das Wetter des ersten Tages entspricht also dem Monat Januar, das Wetter des zweiten Tages dem Februar usw. Niederschlag an einem der Lostage bedeutet, dass der analog zugeordnete Monat ebenfalls feucht werden wird. Sonnenschein am Nachmittag eines Lostages verweist auf Trockenheit in der zweiten Hälfte des Monats.

Interessant ist die Variante, dass der 6. Januar darüber entscheidet, ob die Wettervorhersage der zwölf Lostage überhaupt zutreffend ist. Ist das Wetter an diesem Tag trocken, dann ist das Orakel gültig, gibt es Schnee oder Regen, so wird die Wetteranzeige verworfen. Dies scheint auch die These des vorherigen Kapitels zu bestätigen, dass man die Begriffe "Tage" und "Nächte" in Zusammenhang mit unserem Thema überdenken muss. Der vorchristliche Brauch des Wetterorakels geht eindeutig von zwölf Lostagen und deren Qualität aus. Dem 13. Tag fällt nach diesem Brauch eine besondere Rolle zu. Die Deutung der Zahl Dreizehn ist in den verschiedenen Kulturkreisen nicht einheitlich, und keineswegs wird in ihr immer nur eine Unglückszahl gesehen. Als Beginn einer neuen Periode nach der Zwölf kann sie auch eine günstige Zahl darstellen.

Da wir uns in der Zeit zwischen der Zeit mit den höheren Welten verbunden wissen dürfen, gehen unsere Träume in Erfüllung. Die Träume in den zwölf Nächten verwirklichen sich in den jeweils entsprechenden Monaten des zukünftigen Jahres. Träumt man vor Mitternacht, dann geht der Traum in der ersten Hälfte des Monats in Erfüllung, Träume nach Mitternacht bewahrheiten sich am Ende des Monats. Manche sagen, die Träume der ersten sechs Nächte beziehen sich auf Vergangenes, die Träume in den sechs Nächten der zweiten Hälfte beziehen sich auf Zukünftiges.

Einstimmung

Die Zeit zwischen den Jahren ist geprägt von einer besonderen Zeitqualität. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, diese Tage in einer erhöhten Bewusstheit zu verbringen. Alles, was in diesen zwölf Tagen geschieht, legt die Samen für das kommende Jahr.

Der im Wortstamm "Rauhnacht" enthaltene Gedanke des Räucherns mag Sie dazu anregen, mit einem Räucherritual die Atmosphäre zu reinigen. Die Auswahl an möglichen Räucherstoffen ist vielfältig, traditionell wurde aber gerne Salbei, Wacholder oder Fichtenharz verwendet. Es geht jedoch nicht nur um spirituelle Reinigung, auch der Großputz zu Weihnachten hat seine Bedeutung.

Schenken Sie dem Licht besondere Aufmerksamkeit. Der Atem der Sonne mit seinem Wechselspiel der Auf- und Untergänge der Sonne offenbart eine besondere Lichtqualität. Beobachten Sie das Licht des Tages. Sie können in der Nacht eine Kerze anzünden, um symbolisch an die Wiedergeburt des Lichts zu erinnern.

Eine gängige Redensart sagt, man wolle oder solle "über etwas schlafen". Gerade diese Zeit der besonders kurzen Tage bietet sich an, die wichtigen Fragen mit in die Nacht zu nehmen, auf dass Ihnen der Morgen eine Antwort bringen möge.

Auf die Bedeutung der Träume in der ausgesparten Zeit wurde schon weiter oben hingewiesen. Beobachten Sie sich beim Einschlafen und Aufwachen sorgfältiger als sonst. Wenn Ihnen Träume begegnen, notieren Sie sich diese. Sie werden oft überrascht sein, dass Erlebnisse im kommenden Jahr mit den Träumen während der Zwölfnächte in Beziehung stehen.

Das Jahr nähert sich seinem Abschluss. Es ist die Zeit für eine Bilanz. Überlegen Sie, was Sie zurücklassen möchten. Auf geschäftlicher Ebene mag sich dies darin äußern, dass man alle noch offenen Rechnungen bezahlt oder Inventur durchführt. Auch im persönlichen Erleben ist es ratsam, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, indem man beispielsweise geliehene Dinge zurückgibt. Halten Sie Rückschau und überlegen Sie sich, wem Sie im vergangenen Jahr begegnet sind und wer sie besonders begleitet hat. Gab es einschneidende Ereignisse oder Wendepunkte in ihrem Leben während des abgelaufenen Jahres? Nicht zu vergessen die Neuorientierung! Lassen Sie in dieser Zeit außerhalb der Zeit die Alltagsroutine los und seien Sie offen für neue Visionen und kosmische Botschaften.

Wie steht es mit den inneren Prozessen? Die Betriebsamkeit der Welt kommt in diesem Zeitraum zu einem relativen Stillstand, es bleibt uns mehr Zeit zur Besinnung. Gibt es seelische Vorgänge, die Sie schon lange beschäftigen und die Sie klären sollten? Halten Sie an etwas fest, das Sie loslassen sollten? Konnten Sie im alten Jahr wichtige Dinge zum Abschluss bringen?

Als Leitfaden für die Selbsterforschung bieten sich zum Beispiel die Themen der astrologischen Häuser an:

1. Was ist typisch für mein Auftreten? Wie behaupte ich mich?

2. Was gibt mir Sicherheit? Was bedeutet Wohlstand für mich?

3. Was möchte ich mitteilen? Was möchte ich neues erforschen?

4. Wo bin ich verwurzelt? Wie erlebe ich meine Innenwelt?

5. Wie kann ich kreativ sein? Was bedeuten mir Spiel, Spaß und Erotik?

6. Was brauche ich für meine Gesundheit? Was bedeutet mir meine Arbeit?

7. Was wünsche ich mir von meinen Beziehungen? Was soll mir begegnen?

8. Welche Bereiche meines Lebens sind immer wieder Krisen ausgesetzt? Wo komme ich an meine Grenzen?

9. Wodurch erweitere ich meinen Horizont? Wo finde ich meinen Sinn des Lebens?

10. Welche Rolle möchte ich in der Gesellschaft spielen? Was ist mein Lebensziel?

11. Wo und wie arbeite ich mit anderen zusammen? Was macht mich unverwechselbar?

12. Wie steht es um meine Rückzugsmöglichkeiten und meinem Verhältnis dazu? Wie komme ich mit der transzendenten Welt in Kontakt?

Jeden dieser Lebensbereiche könnten Sie an einem anderen Tag erforschen. Den jeweiligen Fragen können Sie sich zum Beispiel auch anhand von Tarotkarten oder mit Hilfe des I Ging annähern. Möglicherweise gibt es am jeweiligen Tag bestimmte Zeichen, die Ihnen eine Botschaft zu den angesprochenen Lebensbereichen übermitteln möchten. Im folgenden Kapitel "Die zwölf heiligen Tage" erhalten Sie weitere astrologische Anregungen zu einer vertiefenden Selbsterforschung während der Zeit der Rauhnächte.

Doch nicht nur Rückzug ist ein Thema. Mit der Wintersonnenwende stehen wir am Beginn eines neuen Jahreszyklus. Dies bedeutet mehr als nur Offenheit für Stille und Einkehr. Wir sollen auch nach vorn blicken, Vorsätze für das kommende Jahr fassen und neue Pläne schmieden. Diese Zeit gewährt uns einen besonders schnellen Zugang zu höheren geistigen Ebenen, es fällt uns leichter denn je, uns für eine spirituelle Sichtweise der Dinge zu öffnen. Es ist eine gute Phase für kreative Vorstellungskraft und Visionen. Je offener Sie sich Ihren Fragen stellen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine kosmische Antwort erhalten werden.

Der Blick in die Zukunft

Der Volksbrauch kennt viele Orakeltechniken, die während der Zeit der Zwölften besonders aussagekräftig sein sollen, angefangen von der bereits erwähnten Vorausschau für die Jahreswitterung bis hin zu Tierorakeln oder dem Aufsuchen von Wegkreuzungen um Mitternacht. Astrologisch interessierte Leser dagegen werden mehr Gewinn aus einem Ingresshoroskop ziehen. Unter einem Ingress versteht man den Eintritt der Sonne in ein neues Zeichen. Ingresse finden vor allem in der Mundanastrologie zur Betrachtung von Kollektivthemen Berücksichtigung. Man kann Ingresse aber auch genauso auf einer persönlichen Ebene deuten.

Der genaue Zeitpunkt für den Wechsel der Sonne in das Zeichen Steinbock lässt sich jeder gebräuchlichen Ephemeride oder einem guten Astrokalender entnehmen. Man berechnet das Ingresshoroskop exakt auf diesen Augenblick und auf den Ort, an dem man sich befindet. Dieses Horoskop für den Zeitpunkt der Wintersonnenwende gibt einen Ausblick auf das kommende Jahr und beleuchtet die zu erwartende Entwicklung in der engeren Umgebung.

Man darf aber nicht vergessen, dass dieser Ingress zugleich auch als ein Transit zum eigenen Radixhoroskop zu verstehen ist. Die Winkelverbindungen des Ingresshoroskops mit dem Geburtshoroskop sind besonders wichtig, denn sie zeigen an, welche persönlichen Themen und Lebensbereiche durch das Ingresshoroskop angesprochen und im kommenden Jahr intensiver zur Kenntnis genommen werden müssen.

Seit alters her betrachtet man die Zeit zwischen den Jahren als Lostage, wobei man davon ausgeht, dass der Verlauf des jeweiligen Tages das Geschehen des ihm entsprechenden Monates im neuen Jahr vorwegnimmt. Dieser Parallelsetzung liegt der hermetische Grundsatz zugrunde: Was unten ist, gleicht demjenigen, was oben ist, und das, was oben ist, gleicht und entspricht demjenigen unten. Die Astrologie kennt ähnliche Verfahrensweisen. Bei den Sekundärprogressionen wird nach der Regel verfahren, dass jeder Tag nach der Geburt für ein Lebensjahr des Geborenen gilt. Die Konstellationen des ersten Tages nach der Geburt zeigen die Entwicklung im ersten Lebensjahr, die Konstellationen des zweiten Tages nach der Geburt zeigen die Entwicklung im zweiten Lebensjahr usw. Der jeweilige Tag wirkt also in der zeitlichen Vergrößerung. Auf ähnliche Weise lassen sich auch die zwölf ausgesparten Tage astrologisch verstehen. Unter Zugrundelegung der zyklischen Bedeutung der Wintersonnenwende entspricht der erste Tag der Zwölften dem ersten Monat des Jahres, also Januar. Der zweite Tag entspricht dem Februar, der dritte Tag dem März und so weiter.

Wie soeben beschrieben, werden die zwölf Tage ab dem 21. Dezember als eine Verkleinerung des kommenden Jahres betrachtet. Wir können andersherum aber auch vom Tag der Wintersonnenwende zwölf Tage zurückrechnen bis zum 10. Dezember und diese Zeitspanne für den Rückblick auf das auslaufende Jahr verwenden. So schwingen wir uns gewissermaßen in einer Pendelbewegung auf den Jahreswechsel ein. Der Abschluss des alten Jahres und die Vorbereitung auf die kommenden zwölf Monate werden dabei in den kosmischen Rhythmus der Deklinationen eingebettet.

Text entnommen aus:

Reinhardt Stiehle
Das Rätsel der Rauhnächte
Die kosmischen Geheimnisse der Zeit zwischen den Jahren.
Chiron Verlag, Tübingen, ISBN 978-3-89997-206-1

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