Was ist eine Polarität auf der
Planetenebene?
Das Gesetz der Polarität findet nicht nur in der Physik und anderen
Naturwissenschaften Anwendung, sondern in allen Lebensbereichen, über
die sich der Mensch in seiner irdischen (dreidimensionalen) Welt wahrnimmt.
Auch die Planetenpaare Sonne/Mond, Mars/Venus, Jupiter/Saturn und Uranus/Neptun
unterstehen in ihrer astrologischen Symbolik der Polarität im Sinne
von männlich/weiblich. Genauer gesagt, sie stehen jeweils in polarer
Ergänzung zueinander, wie wir später noch sehen werden. Wenn sich
die Astrologen einer Terminologie bedienen, nach der alle im Geburtshoroskop
eingezeichneten Himmelskörper als «Planeten» bezeichnet
werden, heißt dies natürlich nicht, dass die Astrologen nicht
wüssten, dass die Sonne ein Fixstern ist und der Mond ein Trabant der
Erde. Im engeren Sinne wird ja in der Astrologie nicht zuletzt deshalb die
sehr zutreffende Bezeichnung «Himmelslichter» für Sonne
und Mond verwendet. Vor allem sie stehen auf klassische Weise in polarer
Ergänzung zueinander, was ihre Deutungssymbolik anbelangt.
Wenn wir von den drei Ebenen, die in der astrologischen Deutungstechnik
grundlegend voneinander unterschieden werden, sprechen – von der Planetenebene,
der Zeichenebene und der Häuserebene –, dann sind Sonne und Mond
der Planetenebene zugeordnet.
Auf dieser Planetenebene unterstehen sowohl die beiden Himmelslichter Sonne
und Mond als auch drei Planetenpaare unseres Sonnensystems dem männlich/weiblichen
Polaritäts-Prinzip und bilden Gegensatzpaare. Diese astrologische Einteilung
leitet sich nicht von der physikalischen Beschaffenheit der Gestirne ab,
sondern ist durch ihre Verbindung zur Planeten-Mythologie der Hochkulturen
vom Altertum bis zur Gegenwart entstanden. So spielten die griechischen Götter
Uranos (als Vater des Zeus) und Poseidon (der Meeresgott Neptun bei den Römern,
der heute noch Fluten und Meeresbeben anzeigt) schon Jahrtausende vor der
astronomischen Entdeckung von Uranus und Neptun im Bewusstsein der Menschen
eine Rolle.
1. Sonne (männlich) und Mond
(weiblich) entsprechen sich polar auf der wesenhaften Ich-Ebene.
Über Sonne und Mond und über die von ihnen beherrschten Zeichen
Löwe und Krebs drückt sich das Wesen unserer Seele ganz persönlich
und unmittelbar aus. Über das Häusersystem unseres Geburtshoroskops
zeigt sich, wie wir sie im 4. (Mond-)Haus und im 5. (Sonne-)Haus konditionieren.
Diese beiden Häuser, vor allem aber das 4. Haus, geben Hinweise darauf,
welchen prägenden Einfluss die Herkunftsfamilie – vor allem die
Eltern – auf unser Verhalten dem eigenen Geschlecht gegenüber
ausgeübt hat und noch ausüben.
Für die eigene Geschlechtszugehörigkeit bleibt das Verhältnis
eines Jungen zum Vater über das 5. Haus (Sonne) und das eines Mädchens
zur Mutter über das 4. Haus (Mond) später von Bedeutung.
Sonne und Mond sind ansonsten keine primär erotischen Prinzipien. Dagegen
kommt das Verhältnis zwischen dem Erwachsenen-Ich und dem Kind-Ich im
Menschen, das über die Geschlechtszugehörigkeit hinausführt,
zum Ausdruck.
2. Mars (männlich) und Venus (weiblich) entsprechen
sich polar auf der Begegnungsebene zwischen dem Ich und dem Du.
Über Mars und Venus und über die von ihnen beherrschten Zeichen
(Widder und Waage) drücken sich unsere Durchsetzungskraft, unser Harmoniebedürfnis
und unsere Kontaktbereitschaft aus. In diesen Bereichen spielen Sexualität
und Erotik eine direkte und aus dem unmittelbaren Bedürfnis heraus empfundene
Rolle. In dem von Venus außerdem beherrschten Zeichen Stier und dem
von Mars mitbeherrschten Zeichen Skorpion drückt sich das Wechselspiel
zwischen Geben und Nehmen über den eigenen Besitz (2. Haus) und den
gemeinsamen Besitz (8. Haus) aus.
Über das Häusersystem unseres Geburtshoroskops zeigt sich, wie
wir unsere Mars- und Venus-Anlagen einerseits im 1. und im 2. Haus, andererseits
im
7. und im 8. Haus konditionieren. Die Achse Aszendent-Deszendent, an der
das 12. mit dem 1. und das 6. mit dem 7. Haus zusammentrifft, spielt dabei
die Hauptrolle zwischen dem Ich und dem Du.
Auf der Häuserebene haben Mars und Venus ebenfalls eine wichtige polare
Funktion. Das am Aszendenten beginnende 1. Haus hat Widder-Qualität
und das am Deszendenten beginnende 7. Haus hat Waage-Qualität. Auf der
Achse zwischen dem Aszendenten und dem Deszendenten liegen unsere Kontaktmöglichkeiten.
Planeten im 1. Haus, insbesondere jene in Konjunktion mit dem Aszendenten,
lassen sich marshaft als «gesunder Egoismus» konditionieren und
zeigen an, wie wir uns im Leben einbringen. Planeten im 7. Haus, insbesondere
jene in Konjunktion mit dem Deszendenten, zeigen an, welcher Art unsere Kontakte
sind und wie unsere Begegnungen, vor allem die mit dem anderen Geschlecht,
ausfallen. Hat zum Beispiel der eine Partner Uranus im 1. Haus, der andere
Partner Uranus im 7. Haus, so ist das eine indirekte Planeten-Entsprechung
zwischen Mars und Venus. Dieses Beispiel ist so ähnlich zu werten, wie
wenn ein Partner Uranus in Konjunktion mit seinem Mars hat und der andere
Uranus in Konjunktion mit seiner Venus, mit dem Unterschied, dass die Polarität
auf der Planetenebene – für sich betrachtet – nicht die
einzelnen Betätigungsfelder (Häuser) berücksichtigt. Für
eine bessere Übersichtlichkeit richten wir unsere Aufmerksamkeit in
erster Linie auf die Planetenebene.
3. Jupiter (männlich) und Saturn (weiblich)
entsprechen sich polar auf der Gesellschaftsebene, auf der es um Lebenseinstellungen
und Normen
geht.
Über Jupiter und Saturn und die von ihnen beherrschten Zeichen Schütze
und Steinbock drücken sich unsere philosophischen
Qualitäten und unsere Position, die wir in der bestehenden Gesellschaftsordnung
als angemessen empfinden, aus.
In unserem Geburtshoroskop zeigt sich vor allem im 9. und im 10. Haus,
wie wir unsere Jupiter/Saturn-Anlage konditionieren. Die Hauptrolle spielt
dabei die Himmelsmitte (MC), an der das 9. und das
10. Haus zusammentreffen. Dort ist das Lebensziel und alles, wohin wir
im begrenzten Rahmen unserer raum-zeitlichen Welt streben, angezeigt.
Sexualität und Erotik dienen innerhalb dieses Rahmens dazu, einer bestimmten
Weltanschauung Ausdruck zu verleihen, oder dazu, die gesellschaftliche Position
in der Öffentlichkeit zu demonstrieren.
4. Uranus (männlich) und Neptun (weiblich) entsprechen sich polar
auf der höheren Bewusstseinsebene von Intuition und Allverbundenheit
(«Alles ist eins»).
Über Uranus und Neptun und die von ihnen beherrschten Zeichen Wassermann
und Fische drücken sich unsere ideellen (Uranus) und freiheitlichen
(Uranus) Motive einerseits und unsere transzendentalen (Neptun) Fähigkeiten
sowie unsere Neigungen, Hintergründiges (Neptun) zu durchschauen, andererseits
aus.
Im 11. und 12. Haus unseres Geburtshoroskops zeigt sich, wie wir Uranus-
und Neptun-Qualitäten konditionieren.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Aszendent als Berührungspunkt
zwischen dem 12. (neptunischen) und dem 1. Haus, da vorgeburtliche Ereignisse
und
unsichtbar Vorausgehendes die Persönlichkeit mitprägen.
In Bezug auf Sexualität und Erotik haben wir hier einen polaren Gegensatz
einerseits dadurch, dass Uranus die Neigung zu Wechselspielen zwischen Nähe
und Distanz ausdrückt, und andererseits dadurch, dass Neptun die Neigung
zu gelegentlicher Zurückgezogenheit bei zugleich sehnsüchtiger
Allverbundenheit mit dem Partner zeigt. Das Wechselspiel zwischen Nähe
und Distanz ist Neptun aber wesensfremd. In beiden Fällen vertragen
die Partner kein ständiges Zusammensein, das sich aus einer pragmatischen
Zweckgebundenheit heraus ergeben würde. Diese Abneigung gegen zu viel
Routine und zu viel Gewohntes geschieht aber aus jeweils verschieden gelagerten
Motiven heraus. Bei Neptun ist es die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren.
Ist Neptun am Ziel seiner Wünsche angekommen, ist er so ernüchtert,
dass er fluchtartig den Ort des Geschehens verlässt.
Uranus und Neptun wirken nicht direkt als komplementäre Ergänzung
in der persönlichen Liebe, sondern bewirken einen indirekten oder gar
ungewollten Zusammenhalt, der teils als geistige Anregung, teils als Störung
der alltäglichen Ordnung empfunden wird. Auf einer höheren geistigen
Ebene ergänzt man sich aber über sie. Deshalb kann diese geistige
Polarität für künstlerische und erfinderische Menschen sehr
fruchtbar sein.
Merkur und Pluto finden sich in keinem Gegensatzpaar mit einem anderen Planeten.
Merkur ist ein geschlechtsneutraler Planet und wirkt in erotisch-sexueller
Weise nur im Zusammenspiel mit anderen Planeten, die eine erotische Eigenwirkung
haben. Er hat als sonnennaher Planet auf der Ich-Ebene von Sonne und Mond
eine ausgleichende und vermittelnde Funktion. Eher geschlechtsneutral wirken
auch die von ihm beherrschten Zeichen Zwillinge (schwach männlich) und
Jungfrau (schwach weiblich). Über das 3. und 6. Haus konditionieren
wir unsere Merkur-Eigenschaften ebenfalls auf eine eher geschlechtsneutrale
Art der Anschaffung von Schulwissen und Werkzeugen und der Alltagsbewältigung.
Hier kann die Sexualität eine verbalerotische und zweckorientierte Rolle
spielen. Man weiß über verschiedene Sexualpraktiken Bescheid,
kennt aber nicht das dazu passende Gefühl. So kann Merkur als der alte «Gott
der Händler und der Diebe» sexuelle Botschaften für die Konsumwerbung
oder solche mit pornografischem Inhalt transportieren, ohne wirklich berührt
zu sein. Er bleibt gern an der Oberfläche der Verbalerotik und des Voyeurismus.
Merkur hilft uns auch dabei, dass wir nicht alle sexuellen Wünsche in
die Tat umsetzen müssen. Es reicht uns manchmal, einen Roman mit erotischem
Inhalt als Ersatz für eigene sexuelle Wünsche zu lesen. Ein großer
Teil unseres Kulturbetriebes profitiert von den verbalerotischen Botschaften,
die unseren Merkur ansprechen.
Pluto hingegen ist grundsätzlich eine unterschwellig sexuell wirkende
Komponente im Horoskop. Das von ihm beherrschte Zeichen Skorpion (teilweise
auch das Mars-Zeichen Widder, in dem Pluto Nebenherrscher ist) und alle darin
stehenden Planeten sind erotisch eingefärbt und dies meist auf eine
subtile und zugleich massive Weise, die uns nur wenig bewusst ist. Auf dem
Betätigungsfeld des 8. Hauses – weniger auf dem des 1. Hauses – können
wir uns als erotisch-sexuelle Wesen über unsere Erbmasse, die Gene,
nach unserer jeweiligen Erbgesundheit entfalten und unser Überleben
als Sippe sichern. Die am stärksten sexuell wirksame Planetenkombination
von Pluto ist die mit Venus. Das gilt sowohl für einen Aspekt im Geburtshoroskop
als auch bei der Synastrie von zwei Horoskopen. Zumindest auf der Häuserachse
vom 2. Haus (das dem Zeichen Stier entspricht) zum 8. Haus (das dem Zeichen
Skorpion entspricht) gibt es eine indirekte Polarität zwischen den beiden
Planeten. Vom System der Gegensatzpaare her gesehen ist Pluto aber ein Einzelgänger.
Pluto passt sich im Gegensatz zum neutralen Merkur nicht an, sondern ist
in jeder Hinsicht bestimmend und durchschlagend. Pluto ist auch aus astronomischer
Sicht ein Außenseiter im Sonnensystem und kaum größer als
Merkur. Da seine Laufbahn elliptisch ist, befindet er sich manchmal innerhalb
der Neptun-Laufbahn. Es gibt eine astronomische Theorie, die besagt, dass
er ein ausgebrochener Neptun-Mond sei, der in eine eigene Sonnen-Laufbahn
geraten ist. Pluto «eiert» mit seinem Nachbarplaneten Charon
um einen gemeinsamen Drehpunkt. Damit können wir uns eine Eselsbrücke
bauen: Er bringt uns durch sein Eiern aus der Fassung, er wirft uns aus der
Bahn, wenn er zum Beispiel im Transit über einen unserer persönlichen
Planeten geht.
Die vier Ebenen der Gegensatzpaare
Männlich |
Weiblich |
Ebene |
| Sonne |
Mond |
Ich-Ebene |
| Mars |
Venus |
Kontakt-Ebene |
| Jupiter |
Saturn |
Gesellschaftsebene |
| Uranus |
Neptun |
Bewusstseinsebene |
Wie funktioniert die Polarität
zwischen zwei Planeten im Partnervergleich?
Sonne-Mond Polarität über Venus
Nehmen wir ein Beispiel mit Sonne und Mond als Polarität zwischen zwei
Horoskopen an: Als gemeinsamen Planeten, mit dem Sonne und Mond jeweils aspektiert
sind, nehmen wir die Venus. Im Horoskop des Mannes steht zum Beispiel der
Mond im Trigon zur Venus, im Horoskop der Frau die Sonne in Opposition zur
Venus. Das Verbindende oder der gemeinsame Nenner ist die Venus. Die komplementäre
Ergänzung haben wir zwischen seinem Mond und ihrer Sonne. Sein Trigon
bedeutet für sich betrachtet, dass er Frauen anzieht, deren erotische
Weiblichkeit (Venus) mit der mütterlich-fürsorglichen Weiblichkeit
(Mond) übereinstimmt. Ihre Sonne/Venus-Opposition bedeutet für
sich betrachtet, dass sie Männer anzieht, deren aktive Lebensgestaltung
(Sonne) über Harmonie, Schönheitssinn und materielle Werte (Venus)
zum Ausdruck kommt. Beiden ist das Streben nach Harmonie und teuren Werten
gemeinsam.
Diese Sonne/Mond-Polarität über die Venus ist nicht bewusstseinsbildend,
wie das mit Uranus der Fall wäre, sondern schlägt sich auf der
praktischen materiellen Ebene und in der Freude an schönen Dingen nieder.
Wäre nun der Mann der Sonne-Partner und die Frau der Mond-Partner, hätten
wir ebenfalls eine Ergänzung über die Venus, aber die Frau wäre
mit ihrer eigenen Weiblichkeit (Mond) und der Mann mit seiner eigenen Männlichkeit
(Sonne) konfrontiert. Die Grundlage der Beziehung wäre dann nicht die
Anziehung über seine Anima und ihren Animus (das sind die im Verborgenen
liegenden gegengeschlechtlichen Komponenten in der Seele, durch die man sich
im anderen widerspiegeln kann), sondern sie läge in der Ergänzung
zwischen zwei Menschen, die zwar ihrer äußeren Geschlechtszugehörigkeit
gemäß aufeinander eingestimmt sind, aber nur im Sinne einer Verstärkung
der eigenen Vorzüge. Von daher gesehen müssten sie nicht einmal
Mann und Frau sein, um gut miteinander zu harmonieren.
Sonne-Mond Polarität über Uranus
Nehmen wir außerdem ein Beispiel mit einem Mond/Uranus-Aspekt im Horoskop
des Mannes und einem Sonne/Uranus-Aspekt im Horoskop der Frau. Hierzu haben
wir auch ein Fallbeispiel (siehe Herbert und Angelika, Seite xxx). Die Aspekte
zu Uranus bedeuten, dass jemand eine Anlage zur Experimentierfreudigkeit
und zu plötzlichen Entschlüssen hat, die er am liebsten sofort
in die Tat umsetzen möchte. Zwei Menschen mit dieser Aspektierung in
ihren Horoskopen passen in ihrem Wesen wunderbar zusammen, weil zwischen
ihnen ständig der Reiz des Gegensätzlichen von männlich/weiblich
(Sonne/Mond), bei allem, was sie miteinander unternehmen, auf uranische,
das heißt auf unberechenbare und spontane Art, zur Wirkung kommt. Auch
hier läuft die komplementäre Ergänzung über Anima und
Animus in Form einer gegenseitigen Spiegelung zwischen dem Innen und dem
Außen ab. Anders verhielte es sich, wenn der Mann der Sonne-Partner
und die Frau der Mond-Partner wäre. Dann wäre der Mann mit seiner
Männlichkeit und die Frau mit ihrer Weiblichkeit konfrontiert, was dazu
führt, dass jeder seine ihm von der Erziehung her zugeteilte geschlechtskonforme
Rolle spielt, ohne auf den anderen eingehen zu müssen.
Wechselspiel zwischen Planeten und Zeichen
Eine weitere Möglichkeit einer Ergänzung durch Polarität im
Horoskopvergleich liegt im Wechselspiel zwischen Planeten und Zeichen. Die
Anwendung dieser Möglichkeit ist in der Partnerschaftsastrologie altbekannt
und hat sich gut bewährt. Daher sollte diese Möglichkeit für
eine Verfeinerung oder Ergänzung unserer Methode nicht vergessen werden.
Ein Beispiel hierfür: Der eine Partner hat die Sonne in einem Feuerzeichen,
der andere Partner den Mond. Die wohltuendste Entsprechung ist nicht etwa
die von Sonne und Mond im selben Zeichen oder gar eine Konjunktion in der
Synastrie, weil dadurch die Spannung manchmal zu groß ist. Am wohltuendsten
wirken Sonne und Mond in verschiedenen Zeichen desselben Elements. Zum Beispiel:
Er hat seine Sonne im Widder, sie hat ihren Mond im Schützen oder im
Löwen. Es muss kein Trigon zwischen seiner Sonne und ihrem Mond zustande
kommen, obwohl dies die Sache noch perfekter machen würde. Es reicht,
wenn Sonne und Mond der Partner in einem anderen Zeichen desselben Elements
stehen. Ein anderes Beispiel: Sein Mond steht im Steinbock, ihre Sonne im
Stier. Die Partner haben durch dasselbe Element trotz der Polarität
auf der wesenhaften Ich-Ebene eine Gemeinsamkeit und werden daher nicht allzu
stark miteinander konfrontiert. Wenn die polar entgegengesetzten Himmelslichter
Sonne und Mond zum Beispiel beide in der Jungfrau oder beide im Steinbock
stehen, ist das im Partnervergleich zwar eine Verstärkung von Gleichem
mit Gleichem. Der Nachteil ist aber, dass dadurch eine Konkurrenzsituation
entstehen kann.
Verstärkungen durch Gleiches oder
Anziehung durch Polarität – was
wiegt mehr?
Was ist, wenn beide Partner denselben Aspekt haben? Was ist, wenn beide
ein Venus/Uranus-Quadrat haben oder wenn der eine Partner eine Venus/Uranus-Konjunktion
hat? Hier taucht die Frage auf, ob sich dies ungünstiger auf die Partnerschaft
auswirkt als eine Entsprechung durch polaren Kräfteausgleich. Die Antwort
darauf kann nicht immer eindeutig mit Ja oder Nein beantwortet werden. Unzählige
Horoskopvergleiche bestätigen aber, dass alle wichtigen Partnerschaften
zwischen Mann und Frau beides aufzuweisen haben, damit eine solche überhaupt
erst zustande kommen kann. Dabei fällt auf, dass es bei den überwiegend
auf sexueller Anziehung und Abwechslung beruhenden Beziehungen mehr Entsprechungen
durch polare Gegensätze gibt. Wenn bei einem Paar überwiegend gleiche
Aspektierungen in den Horoskopen vorhanden sind, dann können sie trotzdem
eine praktisch funktionierende Partnerschaft haben. Der Reiz des Neuen dürfte
allerdings gering sein. Es besteht die Gefahr, dass die Beziehung einschläft.
Indirekte Polarität durch Häuserbesetzung
Wenn ein Paar keine Polarität auf der Planetenebene hat, besteht die
Möglichkeit, dass es eine indirekte Polarität in Form einer Häuserbesetzung
durch Planeten hat. Diese Polarität kann nicht so stark gewertet werden
wie die Polarität auf Planetenebene, weil sie in die Bereiche der Verwirklichung
von Anlagen auf bestimmten Betätigungsfeldern geht.
Über eine Venus/Pluto-Verbindung (Venus und Pluto sind kein Gegensatzpaar)
oder eine indirekte Venus/Mars-Kombination (zum Beispiel Venus im 1. Haus
des einen mit Mars im 7. Haus des anderen Partners) kann sich eine die
Erotik fördernde indirekte Polarität zeigen. Mit anderen Worten:
Wenn zum Beispiel der eine Venus im 1. Haus und der andere Venus im 7. Haus
hat,
ist das eine wechselwirksame Verbindung. In der psychologischen Astrologie
sagt man auch: Das 7. Haus ist das 1. des anderen und umgekehrt: Das 1.
ist das 7. Haus des anderen usw.
Wir halten fest: Über diese Methode erhalten wir eine Polarität
zwischen den Partnern. Sie äußert sich aber nicht direkt über
die Planeten und zielt nicht so primär auf Polarität zwischen den
Partnern ab wie der direkte Vergleich auf der Planetenebene. Wenn wir uns
also eine indirekte Polarität über die Häuserbesetzung durch
Planeten anschauen, dann wissen wir, dass zum Beispiel das 1. Haus mit Mars
gleichgesetzt wird, das 2. mit Venus usw.. Venus im 1. Haus wirkt wie eine
abgeschwächte Mars/Venus-Konjunktion und Mars im 2. Haus ebenfalls.
Welche Paare haben die besten Chancen?
Was das Verhältnis zwischen dem sich polar Ergänzenden einer komplementären
Gegensätzlichkeit einerseits und dem verstärkenden Gleichen andererseits
anbelangt, so stehen jene Paare am besten da, bei denen beides in den Geburtshoroskopen
etwa zur Hälfte vorhanden ist. Sie haben damit zwar nicht die Gewähr,
dass ihre Beziehung langfristig gut geht, aber sie haben jedenfalls bessere
Karten als diejenigen, die fast nur Gleiches verbindet oder deren Anziehung
fast ausschließlich auf Polarität beruht. Nicht für alle
gilt aber genau das Gleiche. Wir können noch in zwei Hauptgruppen unterteilen:
Paare mit vielen gegenseitigen Verstärkungen fühlen sich mit ihrem
Partner deshalb besonders wohl, weil er mit ihnen viel gemeinsam hat. Bei
solchen Paaren kann man auch feststellen, dass sie nicht so sehr wegen der
Anziehung aufgrund von Gegensätzlichkeit zusammen sind, sondern mehr
aus dem Wunsch nach Gleichheit heraus. Zugleich ergibt es sich sehr oft,
dass nur einer von beiden die betreffende Anlage praktisch lebt. Er lebt
sie sozusagen für den anderen mit und wird für diesen damit zur
Projektionsfläche. Der Nachteil dessen kommt spätestens bei der
Trennung ans Licht, wenn der projizierende Partner die Projektion zurücknehmen
muss, weil sein Partner als Projektionsfläche wegfällt. Viele haben
schon nach kurzer Zeit wieder einen neuen Partner mit ähnlicher Planeten-Betonung,
weil sie es gar nicht schaffen, die Projektion zurückzunehmen. Auf diese
Weise bekommt der projizierende Partner kaum jemals die Möglichkeit,
seine Anlage selbst zu entwickeln. Lebt nur der eine der beiden Partner eine
Anlage wie beispielsweise Mond/Mars (Impulsivität, Handeln aus dem Instinkt),
begibt sich sein Partner in eine große Abhängigkeit von ihm. Der
eine übernimmt für den anderen das instinktive Handeln, die Impulsivität
und die Strategie des Angriffs als beste Verteidigung. Von einem Ruhepol
im Sinne der Ausgewogenheit der Kräfte kann dann nicht die Rede sein.
Man spürt zwar die Ähnlichkeit, ihr fehlt aber die Dynamik einer
auf komplementärer Gegensätzlichkeit beruhenden Planeten-Entsprechung
Eine überwiegend auf Ähnlichkeit beruhende Partnerschaft finden
wir bei älteren Jahrgängen häufiger als bei jüngeren.
Bei den älteren Jahrgängen hat die auf Gegensätzlichkeit beruhende
erotische Spannung in der Regel keine so große Bedeutung wie bei den
auf komplementärer Gegensätzlichkeit beruhenden leidenschaftlichen
Liebesbeziehungen frisch Verliebter.
Paare, deren Anziehung ausschließlich auf Gegensätzlichkeit beruht,
brauchen sich zwar nicht über Langeweile zu beklagen, sie kennen aber
nicht so viele gemeinsame Möglichkeiten wie jene, die sich durch viel Ähnlichkeit
miteinander verbunden fühlen. Die Anziehung über die persönlich
wirkenden Gegensatzpaare wie Sonne/Mond oder Mars/Venus ist grundsätzlich
nötig, damit Dynamik in die Partnerschaft kommt. Beispiel: Sie hat
Sonne/Uranus-Konjunktion, er Mond/Uranus-Konjunktion.
Die Verstärkung durch Gleiches ist aber ebenso nötig, damit die
Partnerschaft einen Ruhepol erhält. Fehlt zugleich Gegensätzliches,
bleibt die Beziehung statisch. Außenstehende empfinden eine solche
Partnerschaft häufig als tot. Anzeichen dafür ist das Fehlen von
neuen sexuellen Anreizen oder die mangelnde Bereitschaft, dem anderen überraschend
Geschenke zu machen. Fehlt hingegen Gleiches, können die Partner keinen
Ruhepol miteinander finden. Überwiegt die Anziehung durch komplementäre
Ergänzung, werden die Partner wie bei einer Zentrifuge aus der Beziehung
hinausgeschleudert. Die meisten Paare ohne gleiche Anlagen trennen sich nach
wenigen Jahren, obwohl ihre Beziehung sehr aufregend und abwechslungsreich
gewesen sein kann.
Entnommen und adaptiert
aus:
Arnfried Haupt:
Planetenpolarität im Partnervergleich -
Der Schwerpunkt der Beziehung im Horoskop.
Chiron Verlag, Tübingen, 2007.
Sie können dieses Buch bestellen
unter
www.astronova.com
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