•    
    Aktuelle Planetenstände
    24-Nov-2014, 03:56 Weltzeit
    Sonne1Schütze46'54"20s31
    Mond22Schütze39'51"18s36
    Merkur23Skorpion46' 2"18s14
    Venus9Schütze15' 2"21s54
    Mars21Steinbock38'52"23s06
    Jupiter22Löwe16'45"14n45
    Saturn26Skorpion37' 6"17s32
    Uranus12Widder53'30"r4n28
    Neptun4Fische49' 0"10s26
    Pluto11Steinbock56'11"20s40
    Mondkn.w18Waage29'36"r7s15
    Chiron13Fische5'48"2s11
    Erklärungen der Symbole
    Horoskop des Moments
| Mein Astro | Forum | FAQ
Menü

Orakel und Familienfluch

von Liz Greene

"Apollon", Dezember 1999

Als Senator Edward Kennedy sich 1969 nach Chappaquiddick mit dem Scheitern seiner Hoffnung auf das Präsidentenamt konfrontiert sah, stellte er sich die Frage, ob ein Fluch auf seiner Familie laste. Schon seit Jahrzehnten stellen sich sehr viele Menschen die gleiche Frage, ob nun eher privat oder öffentlich. Die Geschichte dieses außergewöhnlichen Clans läßt uns zu Recht fragen, ob irgend ein Unglücksdämon hinter den Mitgliedern her ist. Der kürzliche Tod von John F. Kennedy jr. hat solche Spekulationen und Fragen wieder aufleben lassen, warum die männlichen Kennedys wie Holzenten in einer Kirmesbude abgeknallt werden, ganz abgesehen von den drogenbedingten Krankenhausaufenthalten, John F. Kennedy Jr.aufregenden Scheidungen und anderen menschlichen Tragödien, die, obwohl sie mehr privater Natur und weniger dramatisch scheinen, für die Beteiligten nicht minder tragisch sind. Nicht eine einzige Generation dieser mächtigen Familie ist unbeschadet davongekommen. Natürlich haben Astrologen die Horoskope der Kennedys aus jeder nur denkbaren Perspektive untersucht. Jeder, der sich damit befaßt, kann in den individuellen Geburtshoroskopen Faktoren erkennen, die - zumindest teilweise - auf die Tragödie in dem Leben desjenigen hinweisen. Und doch gibt es hier eine Folge von Tragödien, die auf eine merkwürdige Art in ihrer Kontinuität schlüssig erscheinen. Können wir diese astrologisch miteinander in Verbindung bringen? Machen sie psychologisch irgend einen Sinn? Erkennen wir das, was die Griechen als Familienfluch bezeichneten? Betrachten wir das Produkt einer tödlichen, wenn auch zutiefst menschlichen Mixtur von Zutaten - eine dysfunktionale Familie, besessen von Ehrgeiz, und ständig auf höchster Ebene in Macht und Korruption verwickelt, was sich früher oder später immer als gefährlich erweist und möglicherweise einen gewaltsamen Tod nach sich zieht? Handelt es sich hier um Zufälle? Oder, wie Ian Fleming vermutlich gesagt hätte, "Feindeinwirkungen"? Und wenn dem so wäre: Wer ist der Feind und wo ist er?

Das Wort "curse" (engl. Fluch) weckt Bilder von Hexen, schwarzer Magie, Geschichten von Dennis Wheatley und zweitrangigen Filmen über reanimierte ägyptische Mumien. Dieses Wort benutzen wir in der heutigen Zeit verständlicherweise nur ungern, und wenn man den Fluch der Kennedys erwähnt, provoziert man beklommenes Gelächter. Aber die Mythologie der Antike, die unsere westliche Kultur untermauert und die westliche Psychologie durchdringt, nahm das Konzept vom Familienfluch sehr ernst und assoziierte es nicht mit Hexen oder bösartigen okkulten Ritualen. Die Herkunft des englischen Wortes "curse" ist unklar. Mein etymologisches Wörterbuch legt nahe, daß es von dem aus dem Anglo-Sächsischen stammenden Wort "wrath" (Zorn, Wut) abgeleitet ist. Dieses Wort tauchte erstmals im 11. Jahrhundert in der Öffentlichkeit auf: "Goddes curs", der Zorn Gottes. Ein Fluch kann in diesem Sinne als Antwort einer zornigen Gottheit auf eine menschliche Missetat angesehen werden. Ihre Wurzeln liegen zwar in der Vergangenheit, bestimmen aber die Zukunft. Egal, welche Schwierigkeiten wir mit unseren Familien erleben, wir denken selten daran "verflucht zu sein". Manche Familien zeigen ausgeprägt deutliche Wiederholungsmuster auf, die Glück und gute Gaben, aber auch Unglück und Krankhaftes beinhalten. Es gibt aber auch Familien, die offenbar mehr als ihren eigenen, gerechten Anteil an Tragischem erleben, wenn auch vielleicht nicht in so dramatischer Ausprägung wie die Kennedys. Viele Familien sind durch mehrere Generationen hindurch von gescheiterten Ehen, Alkoholismus und Drogenabhängigkeit, Selbstmord, finanziellem Ruin und körperlichen Erkrankungen betroffen. Manchmal sind diese Muster in ihrer Hartnäckigkeit und Präzision zutiefst beunruhigend. Lynn Bell zeigt in ihrem hervorragenden Buch Planetary Threads die Art und Weise, wie bestimmte Einstellungen und Erfahrungen, die in die Familienpsyche eingebettet sind, unbewußt das Verhalten über mehrere Generationen hinweg prägt und manchmal nur dann auftaucht, wenn das jeweilige Individuum genau das Alter erreicht, in dem auch seine oder ihre Vorgänger diese uralte Geschichte wiederholten. Familientherapeuten nennen dies das "Jahrestags-Syndrom". Astrologen, die mit der zyklischen Natur von Transiten und Progressionen vertraut sind, können dieses Syndrom genau aufzeigen, seine Bedeutung ist jedoch vermutlich schwerer zu definieren.

Eine wichtige Frage für den Astrologen ist, ob wiederkehrende Familientragödien bereits im Geburtshoroskop erkennbar sind und ob man ihnen entgegenwirken kann, bevor sie sich wiederholen. Wenn wir nämlich die Möglichkeit eines destruktiven psychologischen Erbes wirklich ernst nehmen, müssen wir auch dessen Bedeutung in einer astrologischen Voraussage mit einbeziehen. In der Mythologie fordert ein Familienfluch irgendeine Form von Sühne, ohne deren Erfüllung die folgenden Generationen weiterhin den Zorn der Götter zu spüren bekommt. In diesem Zusammenhang ist die Zukunft eines Menschen nicht abhängig von seinen bewußten Entscheidungen, auch nicht von seinem Geburtshoroskop, sie ist vielmehr abhängig von irgend etwas aus der John F. KennedyVergangenheit, das sich unter der Oberfläche des Lebens verbirgt und zukünftige Entscheidungen und deren Folgen bestimmt. Mit anderen Worten, ein Familienfluch zwingt uns dazu, die Planetenplazierungen in unserem Geburtshoroskop auf eine bestimmte Art und Weise zu leben, die nicht ganz unserer eigenen entspricht. Unser spezielles Muster von Planeten, Zeichen und Aspekten, so einzigartig und reich an individuellem Potential es auch sein mag, wird zum unbewußten Gefäß für einen größeren, älteren und oftmals feindseligen kollektiven daimon. Man sagt, daß John F. Kennedy ausgiebig vorgewarnt war, bevor er 1963 nach Dallas fuhr, unter anderem auch durch verschiedene Astrologen, denen die damaligen Transite der Konfigurationen in seinem Geburtshoroskop ausgesprochen problematisch erschienen. Er entschied sich allerdings, diese Warnungen zu ignorieren. Auch John F. Kennedy Jr. wurde vor seinem fatalen Flug im Juli 1999 gewarnt. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen, seiner Unerfahrenheit und wegen seines verletzten Beins wurde ihm nahegelegt, nicht zu fliegen. Auch er entschied sich, die Warnung zu ignorieren. Ist "entscheiden" vielleicht das falsche Wort in diesem Zusammenhang? Ich werde an späterer Stelle kurz auf die Horoskope von John F. Kennedy, Joseph P. Kennedy Sr., Robert Kennedy und John F. Kennedy jr. eingehen. Zunächst möchte ich jedoch genauer beschreiben, was die alten Griechen mit Familienfluch gemeint haben, und welche Relevanz das psychologisch für uns hat und welche Bedeutung der Familienfluch als Muster von Schicksalhaftigkeit innerhalb einer Familie hat.

Der Familienfluch in der griechischen Mythologie

In der griechischen Mythologie wird der Familienfluch als Bestrafung einer zornigen Gottheit angesehen, die auf die Nachkommen eines Individuums verhängt wird, das diesen Gott beleidigt hat. Der Fluch oder die Bestrafung steht in engem Zusammenhang mit dem Orakel des Apollon, und in den meisten Familienflüchen in der Mythologie bittet das eine oder andere Familienmitglied das Orakel um eine Enthüllung der Zukunft. Obwohl der Fluch ein Vermächtnis aus der Vergangenheit ist, ist er auch Schicksal und enthält Prophezeiungen über die Zukunft. Er hat die Macht, jede potentielle individuelle Entwicklung aufzuheben, so daß das Individuum lediglich ein reines Vehikel für die Entfaltung des Fluchs ist. Der Fluch kann nur aufgehoben werden, wenn die Worte des Orakels verstanden werden, das auferlegte Schicksal akzeptiert und Sühne nach dem Willen des Gottes geleistet wird. Zwangsläufig verstehen oder akzeptieren die Mitspieler der griechischen Tragödie das Orakel nicht und nehmen auch die geforderte Sühne nicht auf sich. Entweder ignorieren sie den Fluch oder sie glauben, daß sie davon verschont bleiben. Daher erfahren sie ein Schicksal, das sowohl gewählt als auch aufgezwungen ist - es beruht auf ererbten Konsequenzen, die mit gegenwärtigen Entscheidungen vermischt sind, um eine vorherbestimmte Zukunft zu schaffen.

Beispielsweise beginnt der in der Mythologie über das Haus von Theben verhängte Fluch damit, daß König Laois Apollon und Artemis, die göttlichen Beschützer der Kinder, verärgert, indem er einen edlen jungen Mann, den Sohn seines Freundes, entführt und vergewaltigt. Das Orakel des verärgerten Gottes warnt Laios davor, daß er, wenn er selbst einen Sohn haben würde, von diesem getötet werde. Die zornige Gottheit verhängt einerseits eine Strafe, bietet aber gleichzeitig durch die Bestrafung eine Möglichkeit zur Sühne an. Da jeder Mensch auf die eine oder andere Art dem Tod begegnen muß und unter Berücksichtigung von Laios Tat, könnte man diese Sühne als gerecht ansehen. Laois akzeptiert dies jedoch nicht. Er interpretiert das Orakel eher als Warnung denn als eine Möglichkeit zur Sühne und versucht, der Strafe zu entgehen, indem er keinen Geschlechtsverkehr mit seiner Frau hat. Aber seine Scham macht ihn verschlossen, und er weigert sich, ihr den Grund für seine plötzliche Aversion gegen das eheliche Bett preiszugeben. Weil Jokaste den wahren Grund für die Verweigerung nicht kennt, ist ihr weiblicher Stolz verletzt und sie verführt ihn, als er betrunken ist. Sie wird schwanger und als das Kind geboren wird, versucht Laios erneut, das Orakel zu täuschen, indem er das Neugeborene an einem Berghang aussetzt, damit es stirbt. Dadurch wird der Zorn der Götter noch mehr angestachelt und die ganze Stadt Theben gerät nun in Form der monströsen Sphinx unter ihren Fluch.

Oedipus und die SphinxDas Kind ist natürlich Ödipus, was "geschwollener Fuß" bedeutet, weil sein Vater, ausgehend davon, daß Ödipus durch das Ausgesetztwerden stirbt, seinen Fuß am Boden festgenagelt hat. Aber Ödipus wird von einem freundlichen Schäfer befreit und überlebt. Er verbringt seine Jugend in dem Glauben, daß er der Sohn des Königs und der Königin von Korinth sei. Dann sucht er, ebenso wie sein Vater, das Orakel des Apollo auf, das ihm mitteilt, daß er der Mörder seines Vaters und der Ehemann seiner Mutter werden wird. Die Möglichkeit zur Sühne wird nicht länger angeboten. Weil Laois den Zorn der Götter vergrößerte, indem er seine Missetaten vermehrt hat, verwandelte sich der Fluch in eine unwiderrufliche Zukunft. Ödipus versucht, ebenso wie sein Vater, sich über das Orakel hinwegzusetzen, er flüchtet aus Korinth und läuft seinem Schicksal geradewegs in die Arme - einem Schicksal, das sowohl unwiderruflich wie auch selbst inszeniert ist. Hier zeigt sich eine merkwürdige Mischung von Hybris (dem überhebliches Bemühen, die Götter zu täuschen), angeborenen Charakterzügen (er tötet Laois in einen unkontrollierten Wutausbruch mitten auf der Straße, weil der ihm unbekannte ältere Mann ihm den Weg versperrte und ihn auf beleidigende Weise ansprach), Heldentum (er stellt sich mutig der Sphinx und bricht den über Theben verhängten Fluch, wodurch der zum König wird und unwissentlich seine Mutter als Belohnung erhält) und dem natürlichen Wunsch, ein normales menschliches Wesen zu bleiben. Und doch lindert Ödipus' furchtbare Strafe den Fluch keineswegs, denn letztlich, nachdem er durch eigenes Zutun erblindet und als Ausgestoßener stirbt, geht der Fluch auf seine Kinder über. Erst als alle Mitglieder des Hauses Theben tot sind, hört der Fluch auf. Dieses mythologische Familienerbe ist in seiner gnadenlosen Brutalität erschütternd. Und doch können wir sehen, daß individuelle Entscheidungen und individuelles Bewußtsein genauso sehr zum Ergebnis beitragen wie die Wege der Götter und die Prädeterminanten der Vergangenheit.

Es gibt bestimmte Merkmale, die in jedem Mythos über einen Familienfluch zu finden sind. In gewisser Weise bilden sie die Kriterien für die Definition eines Familienfluchs. Diese Merkmale können uns helfen zu verstehen, worum es hier, psychologisch betrachtet, geht.

  1. Das Individuum, das den Fluch zum ersten Mal aktiviert, ist unweigerlich königlich, stammt von einem Gott ab und ist von einem Gott gesegnet oder begnadet. Er oder sie ist niemals ein gewöhnlicher Sterblicher, sondern er oder sie hat immer eine besondere Gunst von der Gottheit empfangen. Der Zorn der Gottheit richtet sich daher nicht nur gegen normale menschliche Regelverstöße, sondern gegen den Mißbrauch eines von den Göttern verliehenen Talents oder Vorteils. Mit anderen Worten, ein Fluch ist nicht von Anfang an ein Fluch, sondern er beginnt als etwas Positives und Kreatives, das durch Arroganz, Habgier oder Grausamkeit mißbraucht wird. Weil das Geschenk eines Gottes ein Symbol der göttlichen Natur eines jeden Menschen ist, ist der Fluch eigentlich eine Umkehrung dieses göttlichen Potentials und ein Mißbrauch dessen, was Eigentum der menschlichen Seele ist.
  2. Das Individuum leidet an Hybris - dem fehlenden Respekt für die sterblichen Grenzen und die Bedingungen und Erfordernisse eines von den Göttern auferlegten Lebens. Hybris ist in Wirklichkeit eine besondere und tödliche Form von Arroganz. Obwohl sie auch Anteile von Mut und Heldentum enthält, so ist sie doch ein Verstoß gegen jenes tiefere religiöse Gefühl, das bescheiden die Geschenke und Wohltaten des Lebens anerkennt.
  3. Der Fluch steht gewöhnlich in Zusammenhang mit dem Mißbrauch von Kindern. Wir müssen dies symbolisch als einen Mißbrauch von kreativen Potentialen betrachten, selbst wenn ein Mißbrauch vielleicht auch im wörtlichen Sinne zutrifft. Jeder Soziologe und Sozialarbeiter weiß, daß Kindesmißbrauch in Familien langfristige Auswirkungen über viele Generationen hat. In der Mythologie vergewaltigt Laios einen Jugendlichen und verschlimmert den Fluch noch, indem er seinen eigenen Sohn dem Tod überantwortet. Im Mythos über den Fluch des Hauses von Atreus zerstückelt Tantalus den Körper seines Sohnes und serviert ihn den Göttern als Mahlzeit, um sie auf die Probe zu stellen. Seine Söhne Atreus und Thyestes wiederum zerstören ihre eigenen Kinder aufgrund eines gegenseitigen Racheaktes; und Agamemnon, der Sohn von Atreus, tötet seine Tochter, um den Sieg im Trojanischen Krieg zu erringen. Jede Generation dieser gepeinigten Familie ist in irgendeine Form von herzloser Verletzung oder Zerstörung eines Kindes oder eines jungen Menschen verwickelt.
  4. Die Familienmitglieder, die mit dem Fluch belegt sind, verschlimmern ihn durch ihre eigene Hybris. Jede Generation hat die Möglichkeit, die Strafe zu akzeptieren und damit den Fluch zu sühnen. Aber jede Generation scheitert, weil das Individuum seinen Neid, Zorn oder den Wunsch nach persönlicher Vergeltung nicht aufgeben kann. Aus diesem Grund wird der Fluch immer mächtiger. Was wirklich vererbt wird, sind ganz bestimmte Einstellungsmuster, die das Individuum nicht transformieren oder aufgeben will, was zu einem blinden Suhlen in instinktbedingten Reaktionen mündet und mit der Weigerung einhergeht, notwendige Opfer zu bringen oder innere Begrenzungen zu errichten - selbst wenn die Götter gewarnt haben. Es ist eigentlich nichts anderes als das Ego vor das Selbst zu stellen, wenn es wirklich darauf ankommt.
  5. Immer warnt das Orakel den Täter oder den Erben des Fluchs vor den Folgen, aber die Bedingungen des Orakels werden bewußt mißverstanden, oder münden in dem entschlossenen Versuch, die Prophezeiung zu umgehen. Paradoxerweise führt der Versuch, das Orakel zu täuschen, dazu, daß sich das Orakel erfüllt.

Wenn ich hier psychologisch vererbte Muster aus einer mythologischen Perspektive heraus betrachte, will ich die sich ständig wiederholenden Sorgen, von denen Familien so oft geplagt werden, wirklich keiner übernatürlichen Instanz zuschreiben. Ich denke eher auf eine symbolische Art und Weise. Die obigen Themen legen nahe, daß der Familienfluch ein psychologisch vorbestimmtes Set von Verhaltensmustern ist, die Bewußtheit und innere Auseinandersetzung erfordern, wenn irgendeine Form von Transformation oder Sühne geschehen soll. Wir erben nicht nur die genetischen Muster unserer Vorfahren, sondern auch gewisse, tief verwurzelte emotionale und geistige Sichtweisen. Vielleicht erben wir auch bestimmte Komplexe - innere Bilder oder archetypische Muster, die, für sich genommen, nicht bösartig sind, sondern spezielle Gaben und Talente beinhalten. Es ist nicht schwierig, diese ererbten Familienperspektiven und archetypischen Muster im Horoskop aufzuspüren. Wir können ihre Grundzüge in den Eltern-Signifikatoren in einem Geburtshoroskop und auch in der Wiederholung von Zeichen, Planetenaspekten und Häuserstellungen erkennen, die in jeder Familie sehr häufig vorkommen. Diese Muster an sich weisen noch nicht auf einen "Fluch" hin, aber alles in einem Geburtshoroskop kann sich wie ein Fluch auswirken, wenn destruktiv mit bestimmten Anlagen umgegangen wurde oder sie viele Generationen lang unterdrückt wurden. Es ist nicht ganz klar, wie wir diese Anlagen erben. Überzeugte Genetiker sind der Auffassung, daß der menschliche Charakter, ebenso wie der menschliche Körper eine Sache der DNA ist. Wenn also in unserer Familie Alkoholismus oder Depression vorkommen, besteht die große Wahrscheinlichkeit, daß auch wir Alkoholiker werden oder an Depressionen leiden. Im anderen Extrem postuliert die archetypische Psychologie das Familien-Unterbewußtsein und die Einheit der kollektiven Psyche, von der jedes Individuum ein Teil ist. Vielleicht liegt die Wahrheit in einer Kombination aus beiden Sichtweisen. Aber wie immer auch Vererbung funktioniert, ob sie nun körperlich oder psychisch bedingt ist oder durch beide Faktoren, so scheint doch etwas an die folgenden Generationen weitergegeben zu werden, was als Reaktion auf den wiederholten Mißbrauch gewisser Naturgesetze zu Tage tritt. Dieses "etwas" hat offenbar eine ureigene Moral, ob wir diese Moral nun Gott, der Seele, dem Selbst, den Instinkten, der Natur oder dem Leben selbst zuordnen.

Der Fluch der Kennedys

Joseph P. KennedyEine kurze Zusammenfassung der Kennedy-Tragödien hilft uns zu erkennen, wie die Kriterien des griechischen Familienfluchs auf das Leiden dieser Familie zutreffen. Der Patriarch dieser Familie, Joseph P. Kennedy, erlangte zwischen den zwanziger und dreißiger Jahren enorme Macht und großen Reichtum, der größtenteils durch Schwarzhandel und andere fragwürdige Methoden erzielt wurde. Glenn Richter bezeichnet in einem Artikel, den er nach dem Tod von John F. Kennedy Jr. schrieb, den "Fluch" der Kennedys einfach als die Arroganz, die jede Kennedy-Generation gleichermaßen an den Tag legte. Seine Einschätzung von Joe Kennedy ist vernichtend: "Alles was er brauchte, war ein wenig Hilfe von seinem guten Freund FDR (A.d.Ü: gemeint ist der damalige amerikanische Präsident F.D. Roosevelt) und starke Nerven - und die hatte Papa Joe im Überfluß. Wie sonst hätte er mit Gaunern und gleichzeitig erhobenen Hauptes in der High Society verkehren können? Wie sonst hätte er anders so herzlos mit Filmsternchen herumturteln können, während seine Frau Zuhause blieb und noch mehr Kennedys austrug? Joseph Kennedy war wirklich nicht das, was man einen sympathischen Mann nennen würde." Hier sehen wir das begnadete Individuum der griechischen Mythologie, das von den Göttern mit einer berauschenden Mixtur von Unverfrorenheit, Entschlossenheit, Charme und politischer Brillanz begünstigt war. "Papa" Joe war jedoch im besten griechischen Sinne von Hybris heimgesucht. Seine älteste Tochter Rosemary, geboren 1918, war ein fröhliches und liebes Kind. Aber sie war leicht retardiert und daher eine Quelle großen sozialen Mißbehagens für ihren Vater. Er schien unfähig gewesen zu sein, sie so zu akzeptieren, wie sie war und dankbar für seine vielen Glücksgaben zu sein. Als Folge davon ordnete er 1941 bei seiner Tochter eine Lobotomie an; sie war damals 23 Jahre alt. Die Operation ging völlig schief. Das vorher zufriedene und freundliche Mädchen war nun ernstlich retardiert, und wurde von seinem beschämten Vater für den Rest seines Lebens in einem Heim untergebracht. Die Götter der griechischen Mythologie scheinen sich nicht mit Verstößen wie Schwarzhandel und Ehebruch zu beschäftigen; schließlich frönten sie selbst solchem Zeitvertreib. Wenn es sich hier aber um die Personen in einer griechischen Tragödie handelte, dann würden wir mit aller Deutlichkeit zu hören bekommen, daß Joe Kennedy, indem er seine Tochter zerstörte, etwas in Bewegung gesetzt hätte, was für die folgenden Generationen furchtbare Folgen haben würde. Ähnlich destruktiv war sein zwanghafter Ehrgeiz, mit dem er einen seiner Söhne zum Präsidenten machen wollte. Dies ist auf einer subtileren Ebene auch eine Form von Kindesmißbrauch, denn seine Kinder hatten keinerlei Möglichkeit, sie selbst zu werden. Zwanghafter Ehrgeiz, der bereits ins Maßlose ausgeufert war, bevor Joe Kennedy geboren wurde, sorgte dafür, daß die einzigartigen und individuellen Talente vom Familien-daimon verschlungen wurden. Ich behaupte nicht, zu wissen ob der Kosmos wirklich eine so strenge Moral vertritt wie diejenige, an die die Griechen glaubten. Im Zusammenhang mit unserer etwas einfacheren und personalisierten jüdisch-christlichen Moral mag die griechische Konzeption des Universums erschreckend unpersönlich wirken. Wenn wir allerdings die Liste der Themen anschauen, die ich oben beschrieben habe, zeigt sich ganz deutlich, daß Joe Kennedy die Kriterien Nr. 1, 2 und 3 erfüllt.

Bedeutet das nun wirklich, daß seine "Sünde" in den folgenden Generationen "bestraft" werden würde? Das will ich weder unterstellen noch glaube ich, daß das Leben so simpel ist. Die Welt ist voll von scheußlichen Leuten, die ein langes und destruktives Leben führen und selbstzufrieden in ihren Betten sterben, während viele gute, anständige Menschen schreckliche Erfahrungen machen müssen, die weder sie selbst noch ihre Vorfahren verdienen. Überdies sind nicht alle Tragödien Teil eines sich wiederholenden Musters unserer Ahnen. Wenn sie es allerdings sind, sollten wir das auch zur Kenntnis nehmen. Lassen Sie mich Kriterium Nr. 4 ins Bewußtsein rufen und kurz die Entfaltung der Kette von Tragödien darlegen, von der die Kennedy-Familie heimgesucht wurde. Diese kurze Liste läßt Themen wie Scheidung, Ehebruch, Alkoholismus und andere Familienprobleme außer acht, die so alltäglich sind, daß sie den Begriff "Tragödie" nicht verdienen, außer vielleicht für die Beteiligten selbst.

  • Joseph P. Kennedy Jr., Joe's ältester Sohn, die große Hoffnung seines Vaters für die amerikanische Präsidentschaft, wird 1944 durch einen Flugzeugabsturz mit 29 Jahren getötet.
  • Kathleen Kennedy, Joe's zweite Tochter, stirbt 1948 durch ein Flugzeugunglück mit 28 Jahren.
  • John F. Kennedy, 35. Präsident der USA wird im November 1963 in Dallas mit 46 Jahren erschossen.
  • John F.Kennedy's Sohn, Patrick Bouvier Kennedy, der 1963 als Frühgeburt zur Welt kam, stirbt drei Monate vor der Ermordung seines Vaters.
  • Robert F. (Bobby) Kennedy, Joe's dritter Sohn, wird im Juni 1968 mit 42 Jahren ermordet.
  • Edward M. (Ted) Kennedy, Joes' jüngster Sohn, raste im Juli 1969 nach einer Party mit einem Auto über ein Brückengeländer in Chappaquiddick Island. Seine Begleiterin, Mary Jo Kopechne, wird tot aus dem versunkenen Fahrzeug geborgen. Seine politische Kariere hat die Spekulationen über dieses Geschehen nicht überlebt.
  • Bobby Kennedy's Sohn Joseph ist 1973 in einen Autounfall verwickelt, wodurch seine Beifahrerin so schwer verletzt wird, daß sie lebenslänglich gelähmt bleibt.
  • Ted Kennedy's Sohn Edward Jr. wird 1973 das rechte Bein wegen Krebs amputiert.
  • Bobby Kennedys Sohn David stirbt 1984 an einer Überdosis Drogen.
  • Ted Kennedy's Sohn Patrick wird 1986 wegen Kokainabhängigkeit behandelt.
  • Ted Kennedy's Neffe, William Kennedy Smith, wird 1991 wegen Vergewaltigung angeklagt und freigesprochen.
  • Bobby Kennedy's Sohn Michael kommt im Dezember 1997, im Alter von 39 Jahren bei einem Skiunfall ums Leben.
  • John F. Kennedy's einziger überlebender Sohn, JFK Jr. stirbt mit 38 Jahren bei einem Flugzeugunglück im Juli 1999 (genau 30 Jahre nach Chappaquiddick).

Selbst wenn man berücksichtigt, daß die Kennedys eine sehr große Familie sind und darum die statistische Wahrscheinlichkeit für eine so lange Liste von Tragödien größer ist, scheint doch bei den Männern in dieser Familie eine unverhältnismäßig hohe Quote an Katastrophen und frühzeitigen Toden vorzuliegen. Könnten alle diese Menschen mit Kriterium Nr. 4 - mit Hybris gestraft sein, einer Weigerung die angeborenen destruktiven oder arroganten Einstellungen zu ändern, die Teil ihres psychologischen Erbes sind? Auf einige, wenn nicht sogar alle Betroffenen, trifft dies sicher zu. Sogar JFK Jr., der das politische Rampenlicht scheute und ein beliebter, relativ harmloser Mensch gewesen zu sein scheint, bestand darauf, mit einem gebrochenen Fuß und unter Wetterbedingungen zu fliegen, die selbst einen erfahrenen Piloten entmutigt hätten. Es ist nicht notwendig, sich ausführlicher mit der Welt zu beschäftigen, in der sich John F. Kennedy und Bobby Kennedy bewegten; man muß keinen Familienfluch postulieren, um zu erkennen, daß Mitglieder der Mafia dazu neigen, Menschen zu erschießen, wenn man sie verärgert. Und genauso gut ist es möglich, daß Mitglieder der Amerikanischen Armee, des FBI und des CIA genau das tun. Ehrgeiz, Macht und großer Reichtum können ihren eigenen Fluch erschaffen. Wir müssen uns nicht irgendeinen dunklen daimon der Ahnen vorstellen, um begreifen zu können, warum ein Mitglied dieser Familie von Kokain- oder Alkoholabhängigkeit geplagt wird. Für sich betrachtet, ist jede dieser Tragödien auf ihre ganz eigene Weise menschlich erklärbar. Zusammengenommen zeigen sie allerdings ein viel beunruhigenderes Bild.

Die Horoskope

John F. KennedyWenn ich ein Horoskop auf Spuren nach dem zu untersuchen hätte, was ich unter einem Familienfluch verstehe, würde ich zunächst die Anwesenheit von Planeten in den Häusern in Erwägung ziehen, die mit dem Erbe aus der Vergangenheit zu tun haben. Solange wir keine Einsicht in die Komplexe bekommen, die zu der größeren Matrix gehören, aus der wir hervorgegangen sind, unterliegen wir der Gefahr, unter unbewußten Zwängen und Verhaltensmustern zu leiden, die unser eigenes Wesen nur teilweise widerspiegeln. Familienkomplexe unterstreichen all die Gefühle, die die seelische Atmosphäre unserer Kindheit gefärbt haben. Sie bilden auch als Muster einen entscheidenden Teil unseres Ahnenerbes. Meine analytische Arbeit hat mich gelehrt, daß nichts so mächtig ist wie ein Familiengeheimnis, das viele Generationen lang als Geheimnis gehütet wurde. Es bindet Energie und "Wut" genau in dem Maße, in dem es bewußter Wahrnehmung und offenem Ausdruck entzogen wird. Familiengeister müssen nicht die Form eines verstorbenen Onkels annehmen, der durch ein Medium spricht. Aber sie sind sehr real und äußerst mächtig, und sie können uns erbarmungslos verfolgen, so wie die Furien Orest quälten. Astrologisch betrachtet können Planeten im vierten, achten und zwölften Haus für ererbte Energien, Muster und Qualitäten stehen, die jedoch individuelles Bewußtsein erfordern, damit sie sich auf die beste Weise entfalten können. Bleiben sie unbewußt, können sie eher destruktive Dimensionen entfalten, und das Individuum zu zwanghaftem Verhalten nötigen. Das kann zu Erfahrungen führen, die man als "schicksalsbedingt" erlebt. Die Elternsignifikatoren - Planeten im zehnten oder vierten Haus oder Planeten im dritten oder neunten Haus in Konjunktion zu MC oder IC - können auch für das Verständnis des Familienerbes wichtig sein. Beträchtliche Bedeutung hat die Stellung von Pluto im Horoskop, wobei besonders darauf zu achten ist, ob er an einer Achse oder im vierten, achten oder zwölften Haus oder in einem Spannungsaspekt zu Sonne und Mond steht. Dieser Planet scheint nämlich das "Naturgesetz" zu reflektieren, vor dem die Griechen soviel Respekt und ehrfürchtige Scheu hatten - eine Art instinktiver natürlicher Gerechtigkeit, die dem Überleben und der Evolution der Spezies, der Gemeinschaft, dient und der kreative daimon der Familie ist. Wenn ein Familienfluch eine Verletzung des Naturgesetzes durch frühere Generationen umfaßt, können wir einen stark gestellten Pluto im Horoskop erwarten, der das Individuum auffordert, sich mit einem Vergangenheitserbe, das Wiedergutmachung fordert, zu konfrontieren und auszusöhnen. Bis diese Herausforderung bewältigt wird, kann das eigene Potential des Individuums teils oder sogar vollständig von Problemen unterdrückt werden, die lange vor seiner Geburt begannen.

Joseph P. Kennedy Sr.
6 September 1888, 7.06 am EST
Boston, Massachusetts
Joseph P. Kennedy
Klicken Sie ins Bild für das grosse Horoskop...

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren würde ich das volle zwölfte Haus und auch die Stellung von Chiron im Krebs am MC als signifikant ansehen. Dieses Geburtshoroskop kann natürlich aus vielen unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Ich befasse mich hier nicht so sehr mit einer Charakteranalyse, sondern mehr mit den Hinweisen darauf, daß Joe Kennedy selbst Träger von ungelösten vererbten psychologischen Problemen war. Die folgenden Interpretationen sind daher sehr kurz und auf diesen einen Punkt ausgerichtet. Für mich beschreibt jeder Planet im 12. Haus einen Impuls, einen Antrieb oder daimon in der Psyche der Vorfahren, der nicht ganz gelebt wurde, wodurch dieser Planet eine Art Medium für das wird, was aus der Vergangenheit unvollendet geblieben ist. Wie ein Mensch diesen Planeten zum Ausdruck bringt, ist daher abhängig davon, wie frühere Generationen mit ihm umgegangen sind oder auch nicht. "Unvollendet geblieben" heißt nicht unbedingt destruktiv; ein Gemälde könnte von dem, der es gemalt hat, auch als unvollendet angesehen werden, selbst wenn es in den Augen eines Betrachters vollendet ist. Außerdem kann man natürlich auch argumentieren, daß kein kreatives Unterfangen wirklich jemals Vollendung im Sinne der Ausschöpfung seines ultimativen Potentials erfährt. Die Muster des Familien-daimons entfalten sich viel langsamer als ein individuelles Leben. Alles hängt davon ab, wie das Individuum mit dieser unvollendeten Sache umgeht.

Joe's Neumond im zwölften Haus und der Sonne im Quadrat zu Pluto im neunten Haus legt ein Erbe nahe, das komplexe religiöse Themen beinhaltet und auch einen überwältigenden Trieb nach individuellem Ausdruck und hoher Leistung, was aufgrund seines Familienhintergrundes irgendwie nicht ausreichend gelebt werden konnte. Wir müssen wahrscheinlich bis zu Joe's irisch-katholischen Vorfahren zurückgehen und zu den Jahren der Großen Hungersnot, um etwas von dem zu begreifen, was er zu tragen hatte. Obwohl es einfach wäre, Joe Kennedy als den Initiator der Familienschwierigkeiten zu betrachten, scheint es doch so zu sein, daß er selbst der Erbe von Familienkomplexen war, die ihn zwanghaft nach persönlicher Macht und Leistungsfähigkeit streben ließen. Es ist, als wenn die Stimmen schon lange verstorbener Vorfahren, hungernd und verfolgt, ihn vorwärts trieben und forderten, daß er und nur er alleine der Retter der Familienvergangenheit zu sein habe. Chiron in Krebs am MC läßt eine Wunde vermuten, die mit seiner gesellschaftlichen Stellung zu tun hat, eine Wunde die er von der mütterlichen Linie erbte und die mit dem sozialen Status seiner Familie zu tun hat. Chiron in dieser Position legt nahe, daß er unter dem starken Gefühl litt, daß er und seine Familie in der Welt, in der er sich bewegte, als inakzeptabel und minderwertig angesehen wurde. Die Kompensation für diese Art von Wunde ist oft zwanghafter Ehrgeiz - obwohl das wirkliche Motiv nicht materieller Wohlstand ist, sondern ein Versuch, ein viel tieferes emotionales Leiden zu lindern. Wir können auch seinen Umgang mit seiner Tochter im Licht dieser Chiron-Stellung betrachten, weil sie für ihn der lebendige Beweis für die Minderwertigkeit seiner Familie gewesen sein muß. Daß Joe Kennedy dazu bestimmt war, Vater des ersten irisch-katholischen Präsidenten einer Nation zu sein, die ihre Präsidenten zweifellos lieber anglo-sächsischer und protestantischer Abstammung sieht, wirft Licht darauf, wie verzweifelt wichtig das Thema Religion gewesen sein muß. Was sein Geburtshoroskop jedoch nicht zeigt, ist, wie Joe Kennedy die Talente und Kräfte, die er zur Verfügung hatte, auswählte und sie zeigt auch nicht, mit welchen Moralvorstellungen er versuchte, die Ambitionen zu erfüllen, die von etwas viel Älterem und Größerem als seinen eigenen persönlichen Jungfrau-Träumen gespeist wurden. Hier stehen eher Bestimmtheit als Schicksal, und eher Arroganz als Wertschätzung der enormen Talente und Lebenskraft zu seiner Verfügung. Angesichts dieses Geburtshoroskops scheint der Familienfluch der Kennedys nicht erst mit "Papa" Joe begonnen zu haben, sondern mit dem kollektiven Kampf der Iren gegen die Engländer, der Katholiken gegen die Protestanten und der Tragödie der Großen Hungersnot anderthalb Jahrhunderte bevor dieser Mann überhaupt geboren war.

John F. Kennedy
29. May 1917, 03.00 pm EST
Boston, Massachusetts
John F. Kennedy

Klicken Sie ins Bild für das grosse Horoskop...

In John F. Kennedys Geburtshoroskop liegt die Betonung eher auf dem achten als auf dem zwölften Haus. Hier handelt es sich für mich ebenso um ein Haus der "Familiengeister". Aber die Geister besetzen nicht heimlich und leise die Planeten im achten Haus, ihr Spuk passiert oft überstürzt und drückt sich durch heftige Zwänge und dramatische Ereignisse aus. Auch hier zeigt sich das unglückliche Familienerbe der mütterlichen Linie mit Saturn in Krebs am MC in Konjunktion zu Neptun in Löwe. Das spiegelt Joe's Chiron in Krebs im 10. Haus wieder und zeigt ein enormes Unbehagen in Bezug auf die gesellschaftliche Position und die soziale Akzeptanz, wie auch ein mächtiges messianisches Bedürfnis, der Erlöser der Familie und des Landes zu sein. Wir wundern uns vielleicht darüber, wie ein offenbar so zuversichtlicher und beliebter Mann sich jemals als minderwertig und als von minderwertiger Abstammung empfinden konnte. Aber was wissen wir wirklich über ihn? Und was wußte er wirklich über sich selbst? Man sagt, daß er sexuell getrieben gewesen sei, daß er nicht der Versuchung widerstehen konnte, mit einigen der dunkelsten kriminellen Elemente der amerikanischen Gesellschaft zu flirten, daß er skrupellos und manipulativ wie sein Vater sein konnte und daß er, ob er wollte oder nicht, vom Augenblick des Todes seines Bruder an getrieben war, die Präsidentschaft und damit die Erfüllung des Familientraumes anzustreben. Ich interpretiere Planeten im achten Haus nicht als Indikatoren für einen "gewaltsamen Tod". Ich habe einfach zu viele Klienten gehabt, die mit einem vollen achten Haus ein hohes Alter erreicht haben, um die Subtilität von Pluto's Welt auf einer so wörtlichen Eben zu interpretieren. Aber Planeten im achten Haus zeigen mächtige unbewußte Kräfte persönlicher oder unpersönlicher Art, die gewöhnlich mit Familiengeheimnissen aus der Vergangenheit zu tun haben, die in Form von Zwang und Krisen ans Tageslicht kommen und den Verzicht auf Kontrolle und die Akzeptanz der unsichtbaren Dimensionen des Lebens erforderlich machen. Das achte Haus kann große Macht, Stärke und Einsicht vermitteln, wenn die bewußte Einstellung eine bescheidene ist. Aber wenn es zuviel Arroganz gibt und eine Weigerung, nach innen zu schauen, können sich die Planeten im achten Haus manchmal wie rächende Furien aufführen - oder sie wirken wie "unsichtbare Feinde". Ebensowenig wie sein Vater war John Kennedy bereit, irgendeinen Verzicht zu leisten oder sich gar mit der Art von Introspektion zu beschäftigen, die das achte Haus erfordert. Wie Atreus und Thyestes blieb er treu in den Fußstapfen seiner Familie. Wir müssen gar nicht unbedingt im Sinn eines Familienfluchs denken, um zu sehen, daß JFK's politische Aktivitäten ihm mächtige und starke Freunde bescheren würden. Wenn wir allerdings verstehen wollen, warum er zu solchen Aktivitäten getrieben wurde, müssen wir vielleicht doch in diesem Sinn denken. Die Sonne in Konjuktion mit Venus in Zwillinge, Aszendent in Waage und Mond in Jungfrau deuten eine flexible, kultivierte und unkomplizierte Natur an. Dieses Geburtshoroskop läßt mich an einen Wolf im Schafspelz denken; allerdings ist der Wolf nicht der Mann selbst. Viel eher ist der Wolf das Familienerbe.

Robert Kennedy
20. November 1925, 02.48 pm EST
Brookline, Massachusetts
Robert Kennedy

Klicken Sie ins Bild für das grosse Horoskop...

Bobby Kennedy's Horoskop präsentiert uns Pluto in einer Machtposition, nämlich genau am IC in Krebs. Hier sind es nicht so sehr die Geister der Vorfahren sondern eher eine große, archetypische väterliche Verfügung - ein dunkles plutonisches Erbe der väterlichen Linie. Das zehnte Haus ist stark besetzt, allerdings mit einem günstigen Stellium von Mond-Venus-Jupiter. Bobby konnte vermutlich viel mehr als sein Vater und sein Bruder Geld, Macht und Status genießen. Aber Jupiter und Venus stehen in Opposition zu Pluto, und zeigen damit einen heftigen inneren Kampf zwischen seiner persönlichen Natur und seinem Erbe an, wodurch er sich zu einem fanatischen Apostel gegen das Böse in der Welt entwickelte. Man fragt sich, ob die dunklen Mächte, die er in der Gesellschaft bekämpfte, und die ihn letztlich zerstörten, nicht eigentlich die dunklen Kräfte in ihm selbst waren. In gewisser Weise glaube ich, daß Boby Kennedy seinen Vater zutiefst haßte und fürchtete, aber er projizierte diese plutonische Gestalt auf die kriminellen Elemente, die seiner Meinung nach an den Wurzeln der amerikanischen Gesellschaft nagten. Uranus und Chiron stehen im zwölften Haus, obwohl Chiron nahe am Aszendenten steht; tiefe Familienwunden und messianische Familienideale trieben ihn von innen her an. Wichtiger ist noch, daß die Sonne sich in der Nähe der Spitze des achten Hauses befindet und damit eine Geschichte erzählt, die der seines Bruders sehr ähnelt. Seine Individualität und seine eigenen Ziele wurden ständig durch unbewußte Zwänge der Vergangenheit behindert. Einsicht und Bescheidenheit sind erforderlich, wenn die Sonne im 8. Haus wirklich ihr Licht entfalten soll. Aber eine Kennedy-Erziehung unterstützt in der Regel Mut und Bescheidenheit nicht. Als Skorpion könnte Bobby auch von einem persönlichen Vergeltungsdrang getrieben gewesen sein, und diese Sehnsucht nach Vergeltung, das auch vielen Figuren in der griechischen Mythologie eigen ist, eignet sich nicht dazu, Frieden mit einer zornigen Gottheit zu schließen oder die Härte eines Familienfluchs zu lindern. Aber hauptsächlich ist es Pluto, der das Eindringen der Familienvergangenheit in die Gegenwart andeutet. Wenn der Vater in diesem Horoskop nicht als eine Figur von so großer zwanghafter Macht erschiene, hätte vieles ganz anders aussehen können. Vielleicht hätte sich Bobby und auch seine Familie immer noch für die Politik entschieden. Er hätte aber vielleicht den äußeren Feind nicht so sehr bekämpfen müssen, wenn er die Natur seines inneren Feindes besser hätte verstehen können.

John F. Kennedy Jr.
25. November 1960, 12.22 EST, Washington, D.C.
John F. Kennedy Jr.

Klicken Sie ins Bild für das grosse Horoskop...

Zum Schluß werden wir kurz das Geburtshoroskop von John F. Kennedy Jr. betrachten. Er war nicht von den Spielen um die dunkleren Sphären der Macht heimgesucht; es scheint, daß er wirklich nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte, sondern damit zufrieden war, das angenehme Jupiter-Leben eines Playboys und Dilettanten zu leben. Das 10. Haus ist unbesetzt; offenbar fühlte er sich nicht dazu berufen, die Welt zu verändern oder seine Spuren in ihr zu hinterlassen. Wir könnten daher durchaus erwarten, daß er ein so tragisches Ende wie das seines Vaters und Onkels hätte vermeiden können, weil er die gierigen Forderungen des Familien-daimons aufgegeben hatte. Und doch hatte er einen tragischen Tod. Was in aller Welt brachte diesen Mann dazu, sein Leben und das drei anderer Menschen auf so blinde und dumme Art und Weise aufs Spiel zu setzen? Wir werden niemals wissen, was in seinem Kopf vor sich ging oder, genauer ausgedrückt, was sich auf der unbewußten Ebene abspielte, als er diese Entscheidung traf. Uranus und Pluto stehen im 12. Haus, Pluto in der Nähe des Aszendenten und in Konjunktion zum nördlichen Mondknoten. Auch hier erscheinen wieder die Familiengeister und färben seine Wahrnehmung der äußeren Welt mit den Zwängen der Vergangenheit. Pluto steht auch im Quadrat zur Sonne im dritten Haus, aber in Konjunktion zur Spitze des vierten Hauses. Es scheint, als wenn selbst dieser liebenswerte und vitale puer aeternus aufgefordert war, sich mit seinem plutonischen Erbe herumzuschlagen, wenn er sein individuelles Potential leben wollte. Glenn Richter stellt in seinem Artikel fest, daß JFK's fataler Fehler seine Arroganz war. Das ist sicher zweifellos teilweise richtig; auch zu ihm paßt Kriterium Nr. 4. Aber es gibt noch weitere Faktoren in diesem Geburtshoroskop (besonders Venus in Konjunktion mit Saturn, Mars in Opposition zu Saturn und eine exakte Konjunktion von Mond und Chiron), die großen inneren Schmerz, Einsamkeit und Kampf beschreiben - was ihm wahrscheinlich nicht bewußt war, aber um so destruktiver wirkte, weil dies so gründlich verleugnet wurde.

In dem Jahr vor seinem Tod transistierte Pluto über die Geburtssonne von JKF Jr. vor und zurück und zum Zeitpunkt seines Todes stand er im Quadrat zum Geburts-Pluto und sehr nahe am IC. Irgend etwas Unumgängliches trieb ihn von innen heraus an. Auch das progressive Horoskop ist aussagekräftig; der progressive IC stand in exakter Konjunktion zum progressiven Jupiter und legt nahe, daß der Geist des puer sich nach einem Ausweg aus dem Konflikt zwischen seiner eigenen Persönlichkeit und den unerbittlichen Forderungen seines Erbes sehnte. Noch eigenartiger ist, daß diese progessive MC-IC-Achse auf 14o 28' in Krebs-Steinbock stand - exakt auf dem Geburts-Pluto seines Onkels Robert am IC - so, als ob es eine merkwürdige Identifikation zwischen dem lebenden Neffen und seinem toten Onkel gäbe. Diejenigen, die an simple tragische Unfälle glauben, werden zweifellos Ärger bei der Vermutung empfinden, daß es im Zusammenhang mit diesem traurigen Tod etwas Freiwilliges, etwas "Gewähltes" gab. Ich behaupte nicht, wenn es tatsächlich eine Wahl war, daß es sich dabei um eine bewußte Wahl gehandelt hat. Aber die Genauigkeit solcher astrologischer Beziehungen lassen mich doch fragen, ob hier der Familien-daimon - von dem eine Dimension in den Familienhoroskopen durch die Krebs-Steinbock-Achse zum Ausdruck gebracht wird - wieder am Werk war. Diese Wiederholung von Planeten, die bei so vielen Horoskopen der Familie innerhalb von wenigen Graden in die gleichen Zeichen fallen, legen keinen Familienfluch nahe. Sie stehen eher für ein Familienerbe, das potentiell kreativ ist und das nicht nur politische Klugheit, Hartnäckigkeit und Führungsqualitäten umfaßt, sondern auch das tiefe emotionale Genährtsein, das enge Familienbande gewährleisten. Es sollte allerdings auch gesagt werden, daß die Gaben der Krebs-Steinbock-Achse in allen Generationen der Kennedy-Famile zutiefst mißbraucht wurden. Globaler Ehrgeiz, der das persönliche Glück einzelner Familienmitglieder als untergeordnet betrachtete, und eine tyrannische Cliquenwirtschaft, die es nicht erlaubt, sich emotional, intellektuell, beruflich oder spirituell über den Familienkreis hinaus zu bewegen, kann man als Mißbrauch von gottgegebenen Talenten interpretieren. Die Krebs-Steinbock-Achse verkörpert in ihrer besten Ausprägung jene Werte, die den liebenden Schutz der Familie als Grundlage für die Strukturen einer rechtmäßigen und stabilen Gesellschaft bewahren. Wenn ich mir vorstelle, eine Griechin der Antike zu sein, dächte ich vermutlich an die Göttin Hera, die Beschützerin der Familie und sozialer Bindungen, die unvorstellbar wütend war, weil ihre Geschenke so großzügig gewährt und so unverantwortlich genutzt wurden.

Schlußfolgerungen

Der Familienfluch ist letztlich eine Umkehrung eines Familiensegens. Das ist das Ergebnis sehr gründlichen Nachdenkens darüber, wie die alten Griechen ihn dargestellt haben. Ich bin davon überzeugt, daß sie viel mehr über diese Entfaltung von Mustern über viele Generationen hinweg wußten als viele orthodoxe Schulen der Psychologie heute. Die Psychoanalyse und die analytische Psychologie haben natürlich schon immer die Realität des Unbewußten und die fortwährende Macht von Familiengeheimnissen anerkannt. Die Familientherapie bestätigt die generationsbedingte Wiederholung von kritischen Lebensereignissen zu bestimmten Zeiten und in einem bestimmten Alter. Der analytische Familientherapeut weiß auch, daß der "identifizierte Patient", wie Orestes, eher der Empfänger und das Sprachrohr als der Täter in einem Konflikt ist, der viel älter ist als das betroffene Individuum selbst. Von einer verkürzten Perspektive aus betrachtet, mag der Familienfluch als Verhängnis erscheinen, das dem Einzelnen auferlegt wurde. Und doch können wir unseren eigenen kleinen Familienfluch, welche subtile oder starke Form er auch annehmen mag, auf eine andere Weise betrachten: nicht als eine Zukunft, in der wir dazu verurteilt sind, die Tragödien der Vergangenheit wieder zu erleben, sondern als eine Möglichkeit, etwas einzulösen, was einmal das Geschenk der Götter war, und das im Verlauf der Zeit durch Arroganz, Dummheit, Bosheit oder starke Verdrängung deformiert wurde. Wenn Vergangenheitsmuster uns dazu bringen, unsere Zukunft zwanghaft zu gestalten, werden wir nichts dadurch auflösen, daß wir entweder passiv die Katastrophe erwarten oder hoffen, davon ausgenommen zu werden. Jedes Individuum mit einem starken Pluto oder einer Betonung der Wasserhäuser ist ein potentieller Träger enormer Macht und Einsicht, die auf einem tiefen Verständnis der Vergangenheit und der inneren Welt basiert. Aber das gibt es keineswegs umsonst, und man muß den Mut finden, die herzzerreißende Trennung von der Matrix der Familienpsyche in voller Bewußtheit durchzuführen, um ein Individuum werden zu können - einsam, einzigartig und eingestimmt auf die Bedürfnisse der eigenen Seele. Der Luxus der blinden Identifikation mit der Familie oder irgendeinem anderen Kollektiv ist keine kluge Option für jemanden mit solchen Plazierungen in einem Geburtshoroskop. Wenn das Geburtshoroskop die Beteiligung von Familiengeistern zum Vorschein bringt, gibt es weder Platz für Naivität noch für Arroganz. Man muß dann so genau und so tief wie möglich die Vergangenheit reflektieren, denn man ist, im allertiefsten Sinne, ein Medium für die ungelebten Geschenke der Familienpsyche und ein Gefäß für all die Energien, die verleugnet oder mißbraucht wurden und sich nun danach sehnen, in neuer kreativer Weise zum Ausdruck gebracht zu werden.


© Liz Greene, Apollon / Astrodienst
Astro Wiki
AstroWiki
Aktuelle Planetenstände
24-Nov-2014, 03:56 Weltzeit
Sonne1Schütze46'54"20s31
Mond22Schütze39'51"18s36
Merkur23Skorpion46' 2"18s14
Venus9Schütze15' 2"21s54
Mars21Steinbock38'52"23s06
Jupiter22Löwe16'45"14n45
Saturn26Skorpion37' 6"17s32
Uranus12Widder53'30"r4n28
Neptun4Fische49' 0"10s26
Pluto11Steinbock56'11"20s40
Mondkn.w18Waage29'36"r7s15
Chiron13Fische5'48"2s11
Erklärungen der Symbole
Horoskop des Moments
Astrologer watching the sky through a telescope, by Eugene Ivanov
Werbung
WWW.ASTRO.COM ist das grosse Astrologie-Portal mit den vielen kostenlosen Angeboten. Hochwertige Horoskopdeutungen von den weltweit führenden Astrologen Liz Greene, Robert Hand und anderen Autoren und Autorinnen, viele gratis Horoskope und qualitativ hochwertige Information über Astrologie für Anfänger und Profis machen www.astro.com zur ersten Adresse für alle Astrologie-Interessierten.
Homepage - Gratis Horoskope - Astrodienst Onlineshop - Astrologie Wissen - Ephemeriden - Autorinnen und Mitarbeiter - Mein Astro - Direkte Atlas-Abfrage - Sitemap -FAQ - Forum - Kontakt mit Astrodienst