Orakel und Familienfluchvon Liz Greene |
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"Apollon", Dezember 1999Als Senator Edward Kennedy sich 1969 nach Chappaquiddick
mit dem Scheitern seiner Hoffnung auf das Präsidentenamt konfrontiert
sah, stellte er sich die Frage, ob ein Fluch auf seiner Familie
laste. Schon seit Jahrzehnten stellen sich sehr viele Menschen die
gleiche Frage, ob nun eher privat oder öffentlich. Die Geschichte
dieses außergewöhnlichen Clans läßt uns zu Recht fragen, ob irgend
ein Unglücksdämon hinter den Mitgliedern her ist. Der kürzliche
Tod von John F. Kennedy jr. hat solche Spekulationen und Fragen
wieder aufleben lassen, warum die männlichen Kennedys wie Holzenten
in einer Kirmesbude abgeknallt werden, ganz abgesehen von den drogenbedingten
Krankenhausaufenthalten, Das Wort "curse" (engl. Fluch) weckt Bilder von Hexen, schwarzer Magie, Geschichten von Dennis Wheatley und zweitrangigen Filmen über reanimierte ägyptische Mumien. Dieses Wort benutzen wir in der heutigen Zeit verständlicherweise nur ungern, und wenn man den Fluch der Kennedys erwähnt, provoziert man beklommenes Gelächter. Aber die Mythologie der Antike, die unsere westliche Kultur untermauert und die westliche Psychologie durchdringt, nahm das Konzept vom Familienfluch sehr ernst und assoziierte es nicht mit Hexen oder bösartigen okkulten Ritualen. Die Herkunft des englischen Wortes "curse" ist unklar. Mein etymologisches Wörterbuch legt nahe, daß es von dem aus dem Anglo-Sächsischen stammenden Wort "wrath" (Zorn, Wut) abgeleitet ist. Dieses Wort tauchte erstmals im 11. Jahrhundert in der Öffentlichkeit auf: "Goddes curs", der Zorn Gottes. Ein Fluch kann in diesem Sinne als Antwort einer zornigen Gottheit auf eine menschliche Missetat angesehen werden. Ihre Wurzeln liegen zwar in der Vergangenheit, bestimmen aber die Zukunft. Egal, welche Schwierigkeiten wir mit unseren Familien erleben, wir denken selten daran "verflucht zu sein". Manche Familien zeigen ausgeprägt deutliche Wiederholungsmuster auf, die Glück und gute Gaben, aber auch Unglück und Krankhaftes beinhalten. Es gibt aber auch Familien, die offenbar mehr als ihren eigenen, gerechten Anteil an Tragischem erleben, wenn auch vielleicht nicht in so dramatischer Ausprägung wie die Kennedys. Viele Familien sind durch mehrere Generationen hindurch von gescheiterten Ehen, Alkoholismus und Drogenabhängigkeit, Selbstmord, finanziellem Ruin und körperlichen Erkrankungen betroffen. Manchmal sind diese Muster in ihrer Hartnäckigkeit und Präzision zutiefst beunruhigend. Lynn Bell zeigt in ihrem hervorragenden Buch Planetary Threads die Art und Weise, wie bestimmte Einstellungen und Erfahrungen, die in die Familienpsyche eingebettet sind, unbewußt das Verhalten über mehrere Generationen hinweg prägt und manchmal nur dann auftaucht, wenn das jeweilige Individuum genau das Alter erreicht, in dem auch seine oder ihre Vorgänger diese uralte Geschichte wiederholten. Familientherapeuten nennen dies das "Jahrestags-Syndrom". Astrologen, die mit der zyklischen Natur von Transiten und Progressionen vertraut sind, können dieses Syndrom genau aufzeigen, seine Bedeutung ist jedoch vermutlich schwerer zu definieren.
Eine wichtige Frage für den Astrologen ist, ob wiederkehrende Familientragödien
bereits im Geburtshoroskop erkennbar sind und ob man ihnen entgegenwirken
kann, bevor sie sich wiederholen. Wenn wir nämlich die Möglichkeit
eines destruktiven psychologischen Erbes wirklich ernst nehmen,
müssen wir auch dessen Bedeutung in einer astrologischen Voraussage
mit einbeziehen. In der Mythologie fordert ein Familienfluch irgendeine
Form von Sühne, ohne deren Erfüllung die folgenden Generationen
weiterhin den Zorn der Götter zu spüren bekommt. In diesem Zusammenhang
ist die Zukunft eines Menschen nicht abhängig von seinen bewußten
Entscheidungen, auch nicht von seinem Geburtshoroskop, sie ist vielmehr
abhängig von irgend etwas aus der
Der Familienfluch in der griechischen Mythologie
In der griechischen Mythologie wird der Familienfluch als Bestrafung
einer zornigen Gottheit angesehen, die auf die Nachkommen eines
Individuums verhängt wird, das diesen Gott beleidigt hat. Der Fluch
oder die Bestrafung steht in engem Zusammenhang mit dem Orakel des
Apollon, und in den meisten Familienflüchen in der Mythologie bittet
das eine oder andere Familienmitglied das Orakel um eine Enthüllung
der Zukunft. Obwohl der Fluch ein Vermächtnis aus der Vergangenheit
ist, ist er auch Schicksal und enthält Prophezeiungen über die Zukunft.
Er hat die Macht, jede potentielle individuelle Entwicklung aufzuheben,
so daß das Individuum lediglich ein reines Vehikel für die Entfaltung
des Fluchs ist. Der Fluch kann nur aufgehoben werden, wenn die Worte
des Orakels verstanden werden, das auferlegte Schicksal akzeptiert
und Sühne nach dem Willen des Gottes geleistet wird. Zwangsläufig
verstehen oder akzeptieren die Mitspieler der griechischen Tragödie
das Orakel nicht und nehmen auch die geforderte Sühne nicht auf
sich. Entweder ignorieren sie den Fluch oder sie glauben, daß sie
davon verschont bleiben. Daher erfahren sie ein Schicksal, das sowohl
gewählt als auch aufgezwungen ist - es beruht auf ererbten Konsequenzen,
die mit gegenwärtigen Entscheidungen vermischt sind, um eine vorherbestimmte
Zukunft zu schaffen.
Das Kind ist natürlich Ödipus, was "geschwollener Fuß" bedeutet,
weil se Es gibt bestimmte Merkmale, die in jedem Mythos über einen Familienfluch zu finden sind. In gewisser Weise bilden sie die Kriterien für die Definition eines Familienfluchs. Diese Merkmale können uns helfen zu verstehen, worum es hier, psychologisch betrachtet, geht.
Wenn ich hier psychologisch vererbte Muster aus einer mythologischen Perspektive heraus betrachte, will ich die sich ständig wiederholenden Sorgen, von denen Familien so oft geplagt werden, wirklich keiner übernatürlichen Instanz zuschreiben. Ich denke eher auf eine symbolische Art und Weise. Die obigen Themen legen nahe, daß der Familienfluch ein psychologisch vorbestimmtes Set von Verhaltensmustern ist, die Bewußtheit und innere Auseinandersetzung erfordern, wenn irgendeine Form von Transformation oder Sühne geschehen soll. Wir erben nicht nur die genetischen Muster unserer Vorfahren, sondern auch gewisse, tief verwurzelte emotionale und geistige Sichtweisen. Vielleicht erben wir auch bestimmte Komplexe - innere Bilder oder archetypische Muster, die, für sich genommen, nicht bösartig sind, sondern spezielle Gaben und Talente beinhalten. Es ist nicht schwierig, diese ererbten Familienperspektiven und archetypischen Muster im Horoskop aufzuspüren. Wir können ihre Grundzüge in den Eltern-Signifikatoren in einem Geburtshoroskop und auch in der Wiederholung von Zeichen, Planetenaspekten und Häuserstellungen erkennen, die in jeder Familie sehr häufig vorkommen. Diese Muster an sich weisen noch nicht auf einen "Fluch" hin, aber alles in einem Geburtshoroskop kann sich wie ein Fluch auswirken, wenn destruktiv mit bestimmten Anlagen umgegangen wurde oder sie viele Generationen lang unterdrückt wurden. Es ist nicht ganz klar, wie wir diese Anlagen erben. Überzeugte Genetiker sind der Auffassung, daß der menschliche Charakter, ebenso wie der menschliche Körper eine Sache der DNA ist. Wenn also in unserer Familie Alkoholismus oder Depression vorkommen, besteht die große Wahrscheinlichkeit, daß auch wir Alkoholiker werden oder an Depressionen leiden. Im anderen Extrem postuliert die archetypische Psychologie das Familien-Unterbewußtsein und die Einheit der kollektiven Psyche, von der jedes Individuum ein Teil ist. Vielleicht liegt die Wahrheit in einer Kombination aus beiden Sichtweisen. Aber wie immer auch Vererbung funktioniert, ob sie nun körperlich oder psychisch bedingt ist oder durch beide Faktoren, so scheint doch etwas an die folgenden Generationen weitergegeben zu werden, was als Reaktion auf den wiederholten Mißbrauch gewisser Naturgesetze zu Tage tritt. Dieses "etwas" hat offenbar eine ureigene Moral, ob wir diese Moral nun Gott, der Seele, dem Selbst, den Instinkten, der Natur oder dem Leben selbst zuordnen. Der Fluch der Kennedys
Eine kurze Zusammenfassung der Kennedy-Tragödien hilft uns zu erkennen,
wie Bedeutet das nun wirklich, daß seine "Sünde" in den folgenden Generationen "bestraft" werden würde? Das will ich weder unterstellen noch glaube ich, daß das Leben so simpel ist. Die Welt ist voll von scheußlichen Leuten, die ein langes und destruktives Leben führen und selbstzufrieden in ihren Betten sterben, während viele gute, anständige Menschen schreckliche Erfahrungen machen müssen, die weder sie selbst noch ihre Vorfahren verdienen. Überdies sind nicht alle Tragödien Teil eines sich wiederholenden Musters unserer Ahnen. Wenn sie es allerdings sind, sollten wir das auch zur Kenntnis nehmen. Lassen Sie mich Kriterium Nr. 4 ins Bewußtsein rufen und kurz die Entfaltung der Kette von Tragödien darlegen, von der die Kennedy-Familie heimgesucht wurde. Diese kurze Liste läßt Themen wie Scheidung, Ehebruch, Alkoholismus und andere Familienprobleme außer acht, die so alltäglich sind, daß sie den Begriff "Tragödie" nicht verdienen, außer vielleicht für die Beteiligten selbst.
Die HoroskopeWenn ich ein Horoskop auf Spuren nach dem zu untersuchen hätte, was ich unter einem Familienfluch verstehe, würde ich zunächst die Anwesenheit von Planeten in den Häusern in Erwägung ziehen, die mit dem Erbe aus der Vergangenheit zu tun haben. Solange wir keine Einsicht in die Komplexe bekommen, die zu der größeren Matrix gehören, aus der wir hervorgegangen sind, unterliegen wir der Gefahr, unter unbewußten Zwängen und Verhaltensmustern zu leiden, die unser eigenes Wesen nur teilweise widerspiegeln. Familienkomplexe unterstreichen all die Gefühle, die die seelische Atmosphäre unserer Kindheit gefärbt haben. Sie bilden auch als Muster einen entscheidenden Teil unseres Ahnenerbes. Meine analytische Arbeit hat mich gelehrt, daß nichts so mächtig ist wie ein Familiengeheimnis, das viele Generationen lang als Geheimnis gehütet wurde. Es bindet Energie und "Wut" genau in dem Maße, in dem es bewußter Wahrnehmung und offenem Ausdruck entzogen wird. Familiengeister müssen nicht die Form eines verstorbenen Onkels annehmen, der durch ein Medium spricht. Aber sie sind sehr real und äußerst mächtig, und sie können uns erbarmungslos verfolgen, so wie die Furien Orest quälten. Astrologisch betrachtet können Planeten im vierten, achten und zwölften Haus für ererbte Energien, Muster und Qualitäten stehen, die jedoch individuelles Bewußtsein erfordern, damit sie sich auf die beste Weise entfalten können. Bleiben sie unbewußt, können sie eher destruktive Dimensionen entfalten, und das Individuum zu zwanghaftem Verhalten nötigen. Das kann zu Erfahrungen führen, die man als "schicksalsbedingt" erlebt. Die Elternsignifikatoren - Planeten im zehnten oder vierten Haus oder Planeten im dritten oder neunten Haus in Konjunktion zu MC oder IC - können auch für das Verständnis des Familienerbes wichtig sein. Beträchtliche Bedeutung hat die Stellung von Pluto im Horoskop, wobei besonders darauf zu achten ist, ob er an einer Achse oder im vierten, achten oder zwölften Haus oder in einem Spannungsaspekt zu Sonne und Mond steht. Dieser Planet scheint nämlich das "Naturgesetz" zu reflektieren, vor dem die Griechen soviel Respekt und ehrfürchtige Scheu hatten - eine Art instinktiver natürlicher Gerechtigkeit, die dem Überleben und der Evolution der Spezies, der Gemeinschaft, dient und der kreative daimon der Familie ist. Wenn ein Familienfluch eine Verletzung des Naturgesetzes durch frühere Generationen umfaßt, können wir einen stark gestellten Pluto im Horoskop erwarten, der das Individuum auffordert, sich mit einem Vergangenheitserbe, das Wiedergutmachung fordert, zu konfrontieren und auszusöhnen. Bis diese Herausforderung bewältigt wird, kann das eigene Potential des Individuums teils oder sogar vollständig von Problemen unterdrückt werden, die lange vor seiner Geburt begannen. Joseph P.
Kennedy Sr. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren würde ich das volle zwölfte Haus und auch die Stellung von Chiron im Krebs am MC als signifikant ansehen. Dieses Geburtshoroskop kann natürlich aus vielen unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Ich befasse mich hier nicht so sehr mit einer Charakteranalyse, sondern mehr mit den Hinweisen darauf, daß Joe Kennedy selbst Träger von ungelösten vererbten psychologischen Problemen war. Die folgenden Interpretationen sind daher sehr kurz und auf diesen einen Punkt ausgerichtet. Für mich beschreibt jeder Planet im 12. Haus einen Impuls, einen Antrieb oder daimon in der Psyche der Vorfahren, der nicht ganz gelebt wurde, wodurch dieser Planet eine Art Medium für das wird, was aus der Vergangenheit unvollendet geblieben ist. Wie ein Mensch diesen Planeten zum Ausdruck bringt, ist daher abhängig davon, wie frühere Generationen mit ihm umgegangen sind oder auch nicht. "Unvollendet geblieben" heißt nicht unbedingt destruktiv; ein Gemälde könnte von dem, der es gemalt hat, auch als unvollendet angesehen werden, selbst wenn es in den Augen eines Betrachters vollendet ist. Außerdem kann man natürlich auch argumentieren, daß kein kreatives Unterfangen wirklich jemals Vollendung im Sinne der Ausschöpfung seines ultimativen Potentials erfährt. Die Muster des Familien-daimons entfalten sich viel langsamer als ein individuelles Leben. Alles hängt davon ab, wie das Individuum mit dieser unvollendeten Sache umgeht. Joe's Neumond im zwölften Haus und der Sonne im Quadrat zu Pluto im neunten Haus legt ein Erbe nahe, das komplexe religiöse Themen beinhaltet und auch einen überwältigenden Trieb nach individuellem Ausdruck und hoher Leistung, was aufgrund seines Familienhintergrundes irgendwie nicht ausreichend gelebt werden konnte. Wir müssen wahrscheinlich bis zu Joe's irisch-katholischen Vorfahren zurückgehen und zu den Jahren der Großen Hungersnot, um etwas von dem zu begreifen, was er zu tragen hatte. Obwohl es einfach wäre, Joe Kennedy als den Initiator der Familienschwierigkeiten zu betrachten, scheint es doch so zu sein, daß er selbst der Erbe von Familienkomplexen war, die ihn zwanghaft nach persönlicher Macht und Leistungsfähigkeit streben ließen. Es ist, als wenn die Stimmen schon lange verstorbener Vorfahren, hungernd und verfolgt, ihn vorwärts trieben und forderten, daß er und nur er alleine der Retter der Familienvergangenheit zu sein habe. Chiron in Krebs am MC läßt eine Wunde vermuten, die mit seiner gesellschaftlichen Stellung zu tun hat, eine Wunde die er von der mütterlichen Linie erbte und die mit dem sozialen Status seiner Familie zu tun hat. Chiron in dieser Position legt nahe, daß er unter dem starken Gefühl litt, daß er und seine Familie in der Welt, in der er sich bewegte, als inakzeptabel und minderwertig angesehen wurde. Die Kompensation für diese Art von Wunde ist oft zwanghafter Ehrgeiz - obwohl das wirkliche Motiv nicht materieller Wohlstand ist, sondern ein Versuch, ein viel tieferes emotionales Leiden zu lindern. Wir können auch seinen Umgang mit seiner Tochter im Licht dieser Chiron-Stellung betrachten, weil sie für ihn der lebendige Beweis für die Minderwertigkeit seiner Familie gewesen sein muß. Daß Joe Kennedy dazu bestimmt war, Vater des ersten irisch-katholischen Präsidenten einer Nation zu sein, die ihre Präsidenten zweifellos lieber anglo-sächsischer und protestantischer Abstammung sieht, wirft Licht darauf, wie verzweifelt wichtig das Thema Religion gewesen sein muß. Was sein Geburtshoroskop jedoch nicht zeigt, ist, wie Joe Kennedy die Talente und Kräfte, die er zur Verfügung hatte, auswählte und sie zeigt auch nicht, mit welchen Moralvorstellungen er versuchte, die Ambitionen zu erfüllen, die von etwas viel Älterem und Größerem als seinen eigenen persönlichen Jungfrau-Träumen gespeist wurden. Hier stehen eher Bestimmtheit als Schicksal, und eher Arroganz als Wertschätzung der enormen Talente und Lebenskraft zu seiner Verfügung. Angesichts dieses Geburtshoroskops scheint der Familienfluch der Kennedys nicht erst mit "Papa" Joe begonnen zu haben, sondern mit dem kollektiven Kampf der Iren gegen die Engländer, der Katholiken gegen die Protestanten und der Tragödie der Großen Hungersnot anderthalb Jahrhunderte bevor dieser Mann überhaupt geboren war. John F.
Kennedy In John F. Kennedys Geburtshoroskop liegt die
Betonung eher auf dem achten als auf dem zwölften Haus. Hier handelt
es sich für mich ebenso um ein Haus der "Familiengeister". Aber
die Geister besetzen nicht heimlich und leise die Planeten im achten
Haus, ihr Spuk passiert oft überstürzt und drückt sich durch heftige
Zwänge und dramatische Ereignisse aus. Auch hier zeigt sich das
unglückliche Familienerbe der mütterlichen Linie mit Saturn in Krebs
am MC in Konjunktion zu Neptun in Löwe. Das spiegelt Joe's Chiron
in Krebs im 10. Haus wieder und zeigt ein enormes Unbehagen in Bezug
auf die gesellschaftliche Position und die soziale Akzeptanz, wie
auch ein mächtiges messianisches Bedürfnis, der Erlöser der Familie
und des Landes zu sein. Wir wundern uns vielleicht darüber, wie
ein offenbar so zuversichtlicher und beliebter Mann sich jemals
als minderwertig und als von minderwertiger Abstammung empfinden
konnte. Aber was wissen wir wirklich über ihn? Und was wußte er
wirklich über sich selbst? Man sagt, daß er sexuell getrieben gewesen
sei, daß er nicht der Versuchung widerstehen konnte, mit einigen
der dunkelsten kriminellen Elemente der amerikanischen Gesellschaft
zu flirten, daß er skrupellos und manipulativ wie sein Vater sein
konnte und daß er, ob er wollte oder nicht, vom Augenblick des Todes
seines Bruder an getrieben war, die Präsidentschaft und damit die
Erfüllung des Familientraumes anzustreben. Ich interpretiere Planeten
im achten Haus nicht als Indikatoren für einen "gewaltsamen Tod".
Ich habe einfach zu viele Klienten gehabt, die mit einem vollen
achten Haus ein hohes Alter erreicht haben, um die Subtilität von
Pluto's Welt auf einer so wörtlichen Eben zu interpretieren. Aber
Planeten im achten Haus zeigen mächtige unbewußte Kräfte persönlicher
oder unpersönlicher Art, die gewöhnlich mit Familiengeheimnissen
aus der Vergangenheit zu tun haben, die in Form von Zwang und Krisen
ans Tageslicht kommen und den Verzicht auf Kontrolle und die Akzeptanz
der unsichtbaren Dimensionen des Lebens erforderlich machen. Das
achte Haus kann große Macht, Stärke und Einsicht vermitteln, wenn
die bewußte Einstellung eine bescheidene ist. Aber wenn es zuviel
Arroganz gibt und eine Weigerung, nach innen zu schauen, können
sich die Planeten im achten Haus manchmal wie rächende Furien aufführen
- oder sie wirken wie "unsichtbare Feinde". Ebensowenig wie sein
Vater war John Kennedy bereit, irgendeinen Verzicht zu leisten oder
sich gar mit der Art von Introspektion zu beschäftigen, die das
achte Haus erfordert. Wie Atreus und Thyestes blieb er treu in den
Fußstapfen seiner Familie. Wir müssen gar nicht unbedingt im Sinn
eines Familienfluchs denken, um zu sehen, daß JFK's politische Aktivitäten
ihm mächtige und starke Freunde bescheren würden. Wenn wir allerdings
verstehen wollen, warum er zu solchen Aktivitäten getrieben wurde,
müssen wir vielleicht doch in diesem Sinn denken. Die Sonne in Konjuktion
mit Venus in Zwillinge, Aszendent in Waage und Mond in Jungfrau
deuten eine flexible, kultivierte und unkomplizierte Natur an. Dieses
Geburtshoroskop läßt mich an einen Wolf im Schafspelz denken; allerdings
ist der Wolf nicht der Mann selbst. Viel eher ist der Wolf das Familienerbe. Robert
Kennedy John F.
Kennedy Jr.
In dem Jahr vor seinem Tod transistierte Pluto über die Geburtssonne von JKF Jr. vor und zurück und zum Zeitpunkt seines Todes stand er im Quadrat zum Geburts-Pluto und sehr nahe am IC. Irgend etwas Unumgängliches trieb ihn von innen heraus an. Auch das progressive Horoskop ist aussagekräftig; der progressive IC stand in exakter Konjunktion zum progressiven Jupiter und legt nahe, daß der Geist des puer sich nach einem Ausweg aus dem Konflikt zwischen seiner eigenen Persönlichkeit und den unerbittlichen Forderungen seines Erbes sehnte. Noch eigenartiger ist, daß diese progessive MC-IC-Achse auf 14o 28' in Krebs-Steinbock stand - exakt auf dem Geburts-Pluto seines Onkels Robert am IC - so, als ob es eine merkwürdige Identifikation zwischen dem lebenden Neffen und seinem toten Onkel gäbe. Diejenigen, die an simple tragische Unfälle glauben, werden zweifellos Ärger bei der Vermutung empfinden, daß es im Zusammenhang mit diesem traurigen Tod etwas Freiwilliges, etwas "Gewähltes" gab. Ich behaupte nicht, wenn es tatsächlich eine Wahl war, daß es sich dabei um eine bewußte Wahl gehandelt hat. Aber die Genauigkeit solcher astrologischer Beziehungen lassen mich doch fragen, ob hier der Familien-daimon - von dem eine Dimension in den Familienhoroskopen durch die Krebs-Steinbock-Achse zum Ausdruck gebracht wird - wieder am Werk war. Diese Wiederholung von Planeten, die bei so vielen Horoskopen der Familie innerhalb von wenigen Graden in die gleichen Zeichen fallen, legen keinen Familienfluch nahe. Sie stehen eher für ein Familienerbe, das potentiell kreativ ist und das nicht nur politische Klugheit, Hartnäckigkeit und Führungsqualitäten umfaßt, sondern auch das tiefe emotionale Genährtsein, das enge Familienbande gewährleisten. Es sollte allerdings auch gesagt werden, daß die Gaben der Krebs-Steinbock-Achse in allen Generationen der Kennedy-Famile zutiefst mißbraucht wurden. Globaler Ehrgeiz, der das persönliche Glück einzelner Familienmitglieder als untergeordnet betrachtete, und eine tyrannische Cliquenwirtschaft, die es nicht erlaubt, sich emotional, intellektuell, beruflich oder spirituell über den Familienkreis hinaus zu bewegen, kann man als Mißbrauch von gottgegebenen Talenten interpretieren. Die Krebs-Steinbock-Achse verkörpert in ihrer besten Ausprägung jene Werte, die den liebenden Schutz der Familie als Grundlage für die Strukturen einer rechtmäßigen und stabilen Gesellschaft bewahren. Wenn ich mir vorstelle, eine Griechin der Antike zu sein, dächte ich vermutlich an die Göttin Hera, die Beschützerin der Familie und sozialer Bindungen, die unvorstellbar wütend war, weil ihre Geschenke so großzügig gewährt und so unverantwortlich genutzt wurden. Schlußfolgerungen
Der Familienfluch ist letztlich eine Umkehrung eines Familiensegens.
Das ist das Ergebnis sehr gründlichen Nachdenkens darüber, wie die
alten Griechen ihn dargestellt haben. Ich bin davon überzeugt, daß
sie viel mehr über diese Entfaltung von Mustern über viele Generationen
hinweg wußten als viele orthodoxe Schulen der Psychologie heute.
Die Psychoanalyse und die analytische Psychologie haben natürlich
schon immer die Realität des Unbewußten und die fortwährende Macht
von Familiengeheimnissen anerkannt. Die Familientherapie bestätigt
die generationsbedingte Wiederholung von kritischen Lebensereignissen
zu bestimmten Zeiten und in einem bestimmten Alter. Der analytische
Familientherapeut weiß auch, daß der "identifizierte Patient", wie
Orestes, eher der Empfänger und das Sprachrohr als der Täter in
einem Konflikt ist, der viel älter ist als das betroffene Individuum
selbst. Von einer verkürzten Perspektive aus betrachtet, mag der
Familienfluch als Verhängnis erscheinen, das dem Einzelnen auferlegt
wurde. Und doch können wir unseren eigenen kleinen Familienfluch,
welche subtile oder starke Form er auch annehmen mag, auf eine andere
Weise betrachten: nicht als eine Zukunft, in der wir dazu verurteilt
sind, die Tragödien der Vergangenheit wieder zu erleben, sondern
als eine Möglichkeit, etwas einzulösen, was einmal das Geschenk
der Götter war, und das im Verlauf der Zeit durch Arroganz, Dummheit,
Bosheit oder starke Verdrängung deformiert wurde. Wenn Vergangenheitsmuster
uns dazu bringen, unsere Zukunft zwanghaft zu gestalten, werden
wir nichts dadurch auflösen, daß wir entweder passiv die Katastrophe
erwarten oder hoffen, davon ausgenommen zu werden. Jedes Individuum
mit einem starken Pluto oder einer Betonung der Wasserhäuser ist
ein potentieller Träger enormer Macht und Einsicht, die auf einem
tiefen Verständnis der Vergangenheit und der inneren Welt basiert.
Aber das gibt es keineswegs umsonst, und man muß den Mut finden,
die herzzerreißende Trennung von der Matrix der Familienpsyche in
voller Bewußtheit durchzuführen, um ein Individuum werden zu können
- einsam, einzigartig und eingestimmt auf die Bedürfnisse der eigenen
Seele. Der Luxus der blinden Identifikation mit der Familie oder
irgendeinem anderen Kollektiv ist keine kluge Option für jemanden
mit solchen Plazierungen in einem Geburtshoroskop. Wenn das Geburtshoroskop
die Beteiligung von Familiengeistern zum Vorschein bringt, gibt
es weder Platz für Naivität noch für Arroganz. Man muß dann so genau
und so tief wie möglich die Vergangenheit reflektieren, denn man
ist, im allertiefsten Sinne, ein Medium für die ungelebten Geschenke
der Familienpsyche und ein Gefäß für all die Energien, die verleugnet
oder mißbraucht wurden und sich nun danach sehnen, in neuer kreativer
Weise zum Ausdruck gebracht zu werden. |
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25-Mai-2013, 06:18 Weltzeit | ||||
![]() | Sonne | 4 | 12'37" | |
![]() | Mond | 5 | 19' 4" | |
![]() | Merkur | 19 | 22'32" | |
![]() | Venus | 19 | 11'40" | |
![]() | Mars | 25 | 33'59" | |
![]() | Jupiter | 22 | 44'32" | |
![]() | Saturn | 6 | 17'37"r | |
![]() | Uranus | 11 | 24'45" | |
![]() | Neptun | 5 | 19'39" | |
![]() | Pluto | 11 | 9'36"r | |
![]() | Mondkn.(w) | 16 | 50'46"r | |
![]() | Chiron | 13 | 36'21" | |