Ophiuchus – ein 13. Tierkreiszeichen?

von Dieter Koch

Man darf niemals Tierkreiszeichen mit Sternbildern gleichsetzen

Alle Jahre wieder melden sich Feinde der Astrologie zu Wort – vorwiegend Astronomen und Physiker, die von Astrologie nicht die geringste Ahnung haben.

OphiuchusEines ihrer Argumente lautet, daß die Tierkreiszeichen, mit denen die Astrologen arbeiten, nicht den tatsächlichen Sternbildern am Himmel entsprechen, daß die tatsächlichen Sternbilder sich gegenüber den astrologischen Tierkreiszeichen in den letzten 2000 Jahren um fast einen Monat verschoben haben. Sie erklären dies mit der sogenannten Präzession des Frühlingspunktes. Weiter wird den Astrologen vorgeworfen, daß sie ein 13. Sternbild, den Schlangenträger (Ophiuchus), unterschlagen, obwohl die Sonne jedes Jahr auch diesen durchquert.

Diese Feststellungen sind in gewisser Weise zutreffend, Sie beruhen jedoch auf naiven und inkorrekten Vorstellungen vom Wesen und der Geschichte der Astrologie und gehen daher an der Sache vorbei. Alle, die mit den obigen Argumenten gegen die Astrologie argumentieren, mögen zwar von Astronomie etwas verstehen. Aber was die Astrologie angeht, sind sie inkompetent und haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sie äußern sich medienwirksam über etwas, wovon sie nichts verstehen.

Ptolemäus war sich der Präzession bewusst

Claudius PtolemySchon der antike Astrologe und Astronom Ptolemäus war sich der Präzession und der oben genannten Problematik voll bewußt. Er wußte, daß der Frühlingspunkt sich gegenüber den Sternbildern langsam verschob – um 1° in einem Menschenleben. (Ptolemäus, Almagest VII.2f.) Dennoch entschied er sich, die Sternbilder aufzugeben und den Tierkreis mit dem Widder beim Frühlingspunkt anzufangen. (Ptolemäus, Tetrabiblos 1.10f.) Warum? Weil er der Meinung war, daß die Sternbilder astrologisch irrelevant seien und daß die Tierkreiszeichen an den Jahreshauptpunkten festgemacht sein sollen. Der Widder beginnt mit der Frühlingstagundnachtgleiche, der Krebs beim Sommersolstiz, die Waage bei der Herbsttagundnachtgleiche und der Steinbock beim Wintersolstiz.

Ptolemäus' Entscheidung war nur konsequent, denn seit jeher waren die Astrologen der Meinung gewesen, daß die Sternzeichen etwas mit den Jahreszeiten zu tun hätten. Dies war schon im alten Mesopotamien um 2000 v. Chr. der Fall. Z.B. zeigte ursprünglich das Erscheinen der Waagesterne unmittelbar vor Sonnenaufgang – symbolisch passend – die Herbsttagundnachtgleiche an (wie der Keilschrifttext Mul.apin I iii 1-2 beweist). Als dies über 1000 Jahre später infolge der Präzession nicht mehr funktionierte, definierte man den Eintritt der Sonne in die Waage als Beginn des Herbstes.

Tierkreiszeichen vers. Sternbilder

Die heutige Astrologie ist dieser alten Tradition treu geblieben. Sie interessiert sich nicht für die Sternbilder, sondern fixiert die Tierkreiszeichen an den Hauptpunkten der Jahreszeiten. Die real sichtbaren Sternbilder sind astrologisch irrelevant. Man darf niemals Tierkreiszeichen mit Sternbildern gleichsetzen. Sternbilder sind am Himmel sichtbare Konfigurationen von Sternen, astrologische Tierkreiszeichen dagegen kann man nicht am Himmel sehen. Sie sind vorgestellte, gleichgroße Abschnitte der auf der Bahn der Sonne am Himmel.

ZodiacWenn Astronomen behaupten, die Astrologie könne schon deswegen nicht stimmen, weil sie nicht mit den real sichtbaren Sternbildern arbeiten, so tun sie dies aufgrund der historisch falschen Vorstellung, daß die Astrologie vergessen habe, wo die Sternbilder sich tatsächlich befinden. Dies ist unzutreffend: Nachdem Astrologiefeinde dieses Argument seit Jahrzehnten stereotyp immer von neuem aufwärmen, weiß heute sogar der allerletzte Astrologe davon. Doch die historische Wahrheit, um die sich nur wenige bemüht haben, ist die: Die real sichtbaren Sternbilder haben ihre Namen von den Jahreszeiten erhalten, nicht umgekehrt. Wo die Sternbilder heute stehen, ist irrelevant. Den Astrologen interessieren die an den Jahreszeiten festgemachten Tierkreiszeichen.

Und was ist mit Ophiuchus? Da auch er ein Sternbild ist, ist er astrologisch nicht wirklich relevant. Die Sonne durchquert ihn gegenwärtig ungefähr zwischen dem 29. November und dem 17. Dezember. Daher fällt er in den astrologischen Schützen.


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Dieter Koch

Astrodienst Software Entwickler, Astrologe

Dieter Koch

Dieter Koch, lic.phil., hat an der Uni Zürich Philosophie, Sanskrit und Altgriechisch studiert (1978-84). Später beschäftigte er sich mit Astronomie, Astrologie, Geschichte der antiken Himmelskunde und Assyriologie. Seit 1995 arbeitet er als Programmierer bei Astrodienst. Zusammen mit Alois Treindl er die Swiss Ephemeris geschaffen, eine Programmbibliothek für astronomische Berechnungen, die heute wegen ihrer hohen Präzision Bestandteil praktisch aller gängigen Astrologieprogramme ist.
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