Multipersonale Komposithoroskope (Multikomposit)

Dieter Koch und Alois Treindl

Das gewöhnliche Zweipersonenkomposit wird aus den Geburtshoroskopen zweier Personen errechnet und soll Auskunft über die Natur der Beziehung zwischen den beiden Personen geben. Im Prinzip kann das Komposithoroskop für jede beliebige Art von Beziehung erstellt werden, also nicht nur für eine Liebesbeziehung, sondern z.B. auch für eine Freundschaft, eine Arbeitsbeziehung, eine Person, mit der man irgendwelche Probleme hat, oder gar für Feinde wie z.B. Sharon und Arafat usw.

Fürs Mehrpersonen- oder Multikomposit sind vergleichbare Anwendungen denkbar. Das Multikompositverfahren liefert Horoskope für Dreieckbeziehungen, Familienhoroskope oder Gruppenhoroskope von Arbeitskollegen oder Freunden. Besonders interessant: Man kann z.B. auch untersuchen, wie sich die Dynamik einer Gruppe verändert, wenn ein neues Mitglied hinzukommt oder eines ausscheidet.


Das Zweipersonenkomposit

Das gewöhnliche Zweipersonenkomposit ist wie folgt konstruiert: Die Sonne des Komposithoroskops befindet sich genau in der Mitte zwischen den Geburtssonnen der beiden Personen. Wir können diesen Punkt die Halbsumme, den Mittelwert oder den Balancepunkt nennen. Auf dieselbe Weise ergeben sich auch die anderen Planeten im Komposithoroskop, als Mittelwerte für die beiden Geburtspositionen des jeweiligen Planeten.

Einen Spezialfall stellen Venus und Merkur dar. Am realen Himmel können die beiden Planeten nie mehr als 45 Grad von der Sonne entfernt sein. Die Kompositposition kann jedoch gelegentlich mehr oder weniger in Opposition zur Sonne liegen. In solchen Fällen ziehen einige Astrologen es vor, den jeweiligen Planeten auf die gegenüberliegende Seite im Horoskop zu setzen (Verschiebung um 180 Grad).

Zur Berechnung von MC, Aszendent und Häusern im Komposithoroskop gibt es zwei Methoden. Bei der sogenannten "Bezugsortmethode" nimmt man den Mittelwert des MC und berechnet dazu Aszendent und Häuser für einen Bezugsort, wobei nur dessen geographische Breite in die Rechnung eingeht. Als Bezugsort eignet sich der Ort, an dem die Beziehung der beiden Partner sich "ereignet". Bei der anderen Methode, der sogenannten Schnittpunkt-Methode, werden für MC, Aszendent und jede Häuserspitze separat Mittelwerte gebildet. Diese Methode kommt ohne einen Bezugsort aus.

Astrodienst bietet beide Berechnungsmethoden an.


Das Mehrpersonenkomposit

Wie lässt sich die Technik des Komposithoroskops auf mehr als zwei Personen ausdehnen? Die Situation ist hier leider etwas komplizierter. Zwei Techniken kommen in Frage, die jeweils verschiedene Horoskope liefern. Bei nur zwei Personen liefern sie aber beide dasselbe Ergebnis - das herkömmliche Zweipersonenkomposit.


Die Mittelwert- oder Balancepunktmethode

Im Zweierkomposit ist also die Position der Sonne der Mittelwert der beiden Geburtssonnen, die Position des Merkurs der Mittelwert der beiden Geburtsmerkure, usw. Konkret wird man die Positionen der beiden Geburtsplaneten als eine Gradzahl zwischen 0 und 360 nehmen, sie zusammenzählen und die Summe durch zwei teilen. Der sich so ergebende Punkt ist jedoch nur eine von zwei möglichen Lösungen. Der andere in Frage kommende Punkt liegt genau in Opposition dazu. Fürs Komposit wird man denjenigen Punkt wählen, der zu den beiden Geburtsplaneten die geringeren Abstände aufweist.

Will man ein Komposit für drei oder mehr Personen erstellen, so ist man zunächst versucht, genau gleich vorzugehen. Man nimmt also die Gradzahlen der drei Sonnen, zählt sie zusammen und teilt die Summe durch drei. Doch das Resultat, das sich dabei ergibt ist nur manchmal sinnvoll, manchmal aber überhaupt nicht.

Ein Beispiel:
3 Personen mit Sonne auf
10° (10° Widder)
60° (0° Zwillinge)
350° (20° Fische)

420° : 3 = 140° (20° Löwe)

Diese Lösung ist offensichtlich sinnlos. Der korrekte Punkt müsste innerhalb des Bereichs liegen, in dem die Geburtssonnen sich häufen, also etwa bei 20° (20° Widder).

Was ist da los, warum klappt es nicht? Das Problem ist, dass das Ergebnis vom Bezugspunkt abhängt, von dem aus man rechnet. Im vorliegenden Fall ist dies der Frühlingspunkt. Rechnet man statt dessen von 20° Fische (= 350°) aus, so erhält man das richtige Ergebnis:

10° - 350° = 20°
60° - 350° = 70°
350° - 350° = 0°

  90° / 3 = 30°
  30° + 350° = 20° Widder - korrekt!

Es erweist sich, dass in unserem Beispiel je nach Wahl des Bezugspunktes drei mögliche Lösungen auftreten:

Bezugspunkt Lösung
60° < b <= 350° 20° Widder
350° < b <= 10° (370°) 140° (20° Löwe)
10° < b <= 60° 260° (20° Schütze)

Egal also, wie man rechnet, man kommt immer auf einen von drei Punkten, und zwar stehen diese im Abstand von 120° zueinander.

Nun erinnern wir uns, dass es auch im Zweierkomposit jeweils zwei Symmetriepunkte gibt, die als Lösung in Frage kommen und von denen man den besseren auswählen muss. Der bessere ist derjenige, der zu den beteiligten Planeten die geringeren Abstände hat. Ganz ähnlich verhält es sich auch beim Multikomposit. Bei drei Personen kommen aber drei Symmetriepunkte in Frage, die jeweils 120° voneinander entfernt sind. Jeder von diesen Punkten balanciert die drei Kompositsonnen in gewisser Weise. Der Punkt bei 140° z.B. ist von der Sonne bei 350° um 210° entfernt. Summiert man die beiden Distanzen, die er von den beiden anderen Sonnen entfernt ist, so erhält man ebenfalls 210 (80 + 130). Vergleichbare Rechnungen sind für jeden der drei Symmetriepunkte möglich. Es ist daher wohl zu vermuten, dass alle drei Symmetriepunkte astrologisch irgendwie relevant sind, und dennoch ist offensichtlich, dass derjenige bei 20° der wichtigste ist.

Dasselbe Phänomen ergibt sich auch bei einer größeren Anzahl von Personen. Stets gibt es genauso viele Symmetriepunkte, wie Personen am Komposithoroskop teilnehmen. Also bei n Personen sind es n Symmetriepunkte, die zueinander im Abstand von 360°/n stehen.

Wie bestimmt man nun den richtigen Symmetriepunkt, so dass man ihn als Kompositsonne ins Horoskop einzeichnen kann? Hierzu kann man für jeden Symmetriepunkt folgendes tun: Man berechnet, wie weit er von jeder beteiligten Geburtssonne entfernt ist, bildet für all diese Distanzen das Quadrat und zählt sie zusammen. Man tut dies für alle n Symmetriepunkte. Der gesuchte Kompositpunkt (also der "Sonnenmittelwert") ist derjenige Symmetriepunkt, bei dem die Summe aller quadrierten Distanzen am kleinsten ist.

Dies ist unser konkretes Vorgehen, wenn wir ein Multikomposit-Horoskop berechnen. Man kann die Methode aber auch einfacher wie folgt definieren:

Der Kompositpunkt ist derjenige Punkt im Tierkreis, für den die Summe
der quadrierten Differenzen zu den beteiligten Geburtsplaneten minimal ist.

Oder noch technischer:

Der Kompositpunkt ist derjenige Punkt im Tierkreis, für den die
Standardabweichung der beteiligten Geburtsplaneten minimal ist.

Wendet man diese Technik für zwei Personen an, erhält man gerade das herkömmliche Zweier-Komposithoroskop.

Zur Veranschaulichung dieser Methode ein Gedankenexperiment:

Wir besitzen einen Stab von 360cm Länge, wobei diese 360cm den 360 Graden des Tierkreises entsprechen. Diese Stange besteht aus ultraleichtem Metall und hat praktisch überhaupt kein Gewicht, ist aber gleichwohl sehr stark und unbiegsam. (Vergleichbar dem Material aus dem Ufos gemacht sind.) Wir kleben nun auf diesen Stab an den passenden Tierkreispositionen drei gleich schwere Gewichte, die unseren Geburtssonnen entsprechen. Nun versuchen wir diesen Stab auf unserem Finger zu balancieren. Die Frage ist: An welcher Tierkreisposition müssen wir den Stab auf den Finger legen, damit er balanciert. Dies ist der gesuchte Balancepunkt. Ein Beispiel: Drei Personen haben ihre Geburtssonnen auf 0° Widder, 0° Zwillinge (60°) und 0° Waage (180°). Der Balancepunkt findet sich auf 20° Zwillinge (80°).

Allerdings veranschaulicht dieses Gedankenexperiment das Multikomposit-Horoskop nicht perfekt. In der Praxis würde der Stab nur in einem Drittel der Fälle den richtigen Symmetriepunkt liefern, in allen anderen Fällen aber einen der beiden falschen. Nehmen wir etwa das Beispiel von weiter oben, also drei Sonnen auf 10°, 60° und 350°, so erhalten wir genau wie dort den Symmetriepunkt bei 140°, der gerade nicht dem gesuchten Resultat entspricht. Um die anderen Symmetriepunkte zu erhalten, müssen wir den Stab bei einer anderen Tierkreisposition beginnen lassen. Wählen wir die Skala auf dem Stab so, dass sie z.B. von 350° bis 350° geht, so erhalten wir die richtige Lösung, also die Kompositsonne auf 20°.

Selbstverständlich lässt sich eine vergleichbare Kompositmaschine nicht nur mit extraterrestrischen Materialien bauen, sondern auch mit irdischen. Die Vorrichtung wird aber komplizierter, weil wir vermeiden müssen, dass das Eigengewicht des Stabes ins Gewicht fällt.

Die Schwerpunktmethode (Vektorenaddition)

Beim anderen möglichen Verfahren versetzen wir uns in den Mittelpunkt des Tierkreises, setzen die drei Geburtssonnen an ihre jeweiligen Positionen und stellen fest, in welche Richtung sie uns ziehen. Man kann auf sehr einfache Art und Weise auch einen mechanischen Multikompositrechner bauen. Man nehme eine kreisförmige Scheibe aus Metall und bohre ein Loch genau in ihrer Mitte. Am äußeren Rand zeichne man den Tierkreis ein. Dann hänge man die Scheibe an einen in die Wand eingeschlagenen Nagel. Drei (oder n) Magnete von gleichem Gewicht sollen die Sonnen der beteiligten Personen repräsentieren. Diese setzt man nun auf der Scheibe an ihre jeweilige Position im Tierkreis. Die Scheibe beginnt sich zu drehen und pendelt sich in einer bestimmten Position ein, wobei ihr Schwerpunkt die tiefstmögliche Lage sucht. Der Punkt auf dem Tierkreis, der zuunterst zu liegen kommt, ist die gesuchte Position der Kompositsonne. Genau gleich verfährt man mit allen anderen Planeten.

Um die sich so ergebenden Kompositplaneten zu berechnen, rechnet man die Tierkreispositionen der beteiligten Geburtsplaneten in Vektoren (Pfeile vom Kreismittelpunkt zur jeweiligen Planetenposition) um und addiert sie vektoriell zusammen. Die Richtung des Summenvektors weist zum Kompositplaneten.

Wendet man dieses Verfahren für zwei Personen an, so erhält man wiederum das herkömmliche Zweierkomposit. Diese Methode liefert also für zwei Personen dasselbe Komposit wie das zuvor beschriebene Mittelwert- oder Balancepunktverfahren. Bei drei oder mehr Personen hingegen erhält man für die beiden Techniken verschiedene Horoskope!

Dies lässt sich an einem Beispiel veranschaulichen. Nehmen wir an, wir hätten zwei Geburtssonnen auf 0° und 180°. Nach der Schwerkraftmethode (Vektorenaddition) heben sich die in Opposition befindlichen Sonnen auf. Wären nur sie auf dem Kreis, so könnte man ihn in jeder beliebigen Richtung zum Stehen bringen, weil der Schwerpunkt der Scheibe genau in ihrem Mittelpunkt läge. Fügen wir nun noch eine dritte Sonne hinzu, die sich auf 60° befindet, so wird sich unsere Scheibe so drehen, dass die dritte Sonne auf den untersten Punkt zu liegen kommt. Mit anderen Worten: die Kompositsonne hat in diesem Fall dieselbe Position wie die Sonne des dritten Horoskoppartners, nämlich 60°.

Wie sieht das Ergebnis bei der Mittelwertmethode aus? Wir addieren
0° + 60° + 180° = 240° und teilen durch drei: 240° / 3 = 80°.
Dies ist zufällig auch gerade der günstigste der drei Symmetriepunkte. (Die beiden anderen befinden sich auf 200° (= 80° + 120°) und auf
320° (= 80° + 120° + 120°).)
Also die Kompositsonne befindet sich hier auf 80°, während sie bei der Schwerpunktmethode auf 60° liegt.

Daraus folgt, dass es für zwei Personen nur einen Komposittyp gibt, für mehrere Personen aber zwei verschiedene Komposittypen.


Präferenz von Astrodienst

Die Frage ist natürlich, welches Verfahren sich in der Praxis bewährt, und es ist durchaus denkbar, dass, wie so oft in der Astrologie, beide Varianten ihre Anhänger finden. Astrodienst zieht die Mittelwert- oder Balancemethode vor, gibt seinen Website-Besuchern aber auch die Möglichkeit, mit der Schwerpunktmethode zu experimentieren.
(Erweiterte Grafikauswahl -> Horoskopart: Multikomposit)

Es gibt auch ein theoretisches Kriterium, das wohl eher für die Mittelwert- oder Balancepunktmethode spricht. Ein Beispiel: Wir wollen ein Komposithoroskop für drei Freunde berechnen, wobei zwei von ihnen ihre Sonne recht genau in Opposition zueinander haben, z.B. im Widder und in der Waage. Der dritte Freund hat seine Sonne in den Zwillingen. Nach der Schwerpunktmethode würden sich Widder und Waage gegenseitig auslöschen, und die Kompositsonne wäre folglich in den Zwillingen. Mit anderen Worten, die Kompositsonne wird praktisch ausschließlich durch die dritte Person, den Zwilling, festgelegt. Aber wäre es in der Realität tatsächlich so, dass Widder und die Waage sich in der Dreierverbindung gegenseitig auslöschten und nur der Zwilling zum Zuge käme?


Eine Variation der Schwerpunktmethode

Man könnte die Berechnung auch noch mehr an die "physikalischen" Tatsachen anpassen, indem man auch die ekliptikale Breite der Planeten und die realen, distanzabhängigen Gravitationskräfte berücksichtigt, die von den Himmelskörpern ausgehen. Hier erhält man wiederum andere Komposithoroskope, übrigens auch fürs Zweierkomposit! Wir halten diese Methode jedoch für eher unastrologisch, weil Distanzen und Schwerkräfte in der Astrologie ja auch sonst keinerlei Bedeutung haben. Der schwere Jupiter, der leichte Mars und der ultraleichte Pluto haben in der Astrologie gleiches Gewicht. Die jeweiligen Abstände der Planeten von der Erde berücksichtigen wir in der Astrologie ebenfalls nicht.


Möglichkeiten zum Studium von Gruppendynamiken

Die Positionen von Kompositplaneten können auch "stabil" oder "instabil" in dem Sinne sein, dass sie auf das Hinzufügen oder Wegnehmen einer beteiligten Person stark oder nur schwach reagieren. Ein Beispiel: Wenn wir ein Komposit von vier Personen haben, deren Sonnen miteinander annähernd ein großes Quadrat bilden, so resultiert aus dieser Verteilung keine starke Tendenz in eine bestimmte Richtung. Die Position der Kompositsonne ist dann "wackelig": Fügt man nun eine Person hinzu oder nimmt eine weg, so kann sich die neue Kompositsonne massiv verschieben. Gegenbeispiel: Haben wir vier Personen mit der Sonne in den Zwillingen, so gibt es eine eindeutige gemeinsame Tendenz in Richtung Zwillinge. Das Hinzufügen oder Wegnehmen einer Person wird nur einen geringen Effekt auf die Kompositsonne haben, d.h. sie wird sich nicht massiv verschieben.

Entsprechend können Gruppenhoroskope auch insgesamt sehr stabil oder instabil sein. Wenn alle Planeten eine stabile Position haben, so werden Hinzufügung oder Wegnahme einer Person das Komposit nur wenig verändern. Sind dagegen mehrere Planeten instabil, wird sich das Horoskop massiv verändern.

Das Komposithoroskop gibt also ein interessantes Werkzeug in die Hand, mit dem die Dynamik von Gruppen und die Veränderung dieser Dynamik durch Hinzunahme oder Entfernung von Personen untersucht werden kann.

© Astrodienst 2007, Dieter Koch, Alois Treindl
Astro-Databank
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Aktuelle Planetenstände
20-Aug-2014, 06:36 Weltzeit
Sonne27Löwe11' 1"
Mond28Zwillinge54'48"
Merkur8Jungfrau30'36"
Venus9Löwe45'12"
Mars14Skorpion16'25"
Jupiter7Löwe40'48"
Saturn17Skorpion23'14"
Uranus16Widder10'27"r
Neptun6Fische26'23"r
Pluto11Steinbock16' 7"r
Mondkn.(w)20Waage54'22"r
Chiron16Fische15'22"r
Erklärungen der Symbole
Horoskop des Moments
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