Astrologie der zweiten Lebenshälfte

von Erin Sullivan


Die Bedeutung von Saturn und Uranus beim Übergang in die zweite Lebenshälfte

Die Übergänge in die zweite Lebenshälfte bieten eine besondere Gelegenheit, um mit der sozialen Konditionierung zu brechen, die uns erfolgreich so weit (und weiter) gebracht hat, und um etwas ganz Neues und anderes zu tun.
William Bridges, Transitions [1]

Die beiden Planeten, die während des Übergangs in die zweite Lebenshälfte in einer psychoaktiven Art und Weise durchweg auf uns einwirken, sind Saturn und Uranus. Vor der Entdeckung des Planeten Uranus im Jahre 1781 war Saturn der Herrscher über das Zeichen Wassermann, und – wie bei allen Zeichen mit modernen Herrschern – der alte Herrscher ist nicht nur immer noch wirksam, sondern zeigt sich auch als höchst bedeutende Kraft bezüglich der Eigenschaften oder des Ausdrucks des Zeichens.

Saturn und Uranus verkörpern gegensätzliche Eigenschaften und haben extrem entgegengesetzte Merkmale:

  1. Saturn verkörpert die positive Kraft der Homöostase und drängt uns dazu, der- oder dieselbe zu bleiben und automatisch jeden Einfluss in Richtung Veränderung, Transformation oder Aufruhr zu korrigieren. Saturn wirkt daher also dahingehend auf uns ein, dass wir – auch auf die Gefahr der Verkalkung und Depression hin – erdige, praktische Bedürfnisse aufrechterhalten. Wenn Saturn im Leben nicht respektiert wird, dann kann er uns ein Gefühl von seelenloser Konventionalität und psychischem und physischem Steckenbleiben vermitteln, was sich auf die Seele auswirkt.
  2. Uranus ist das planetare Medium, das uns zur Veränderung drängt und als innere Kraft zu Experimenten, zu Wachstum, Entwicklung und Individuation drängt. Außerdem ist Uranus unser innerer Beobachter, der nach Gelegenheiten Ausschau hält, gewohnte Verhaltensweisen zu verändern, den Status quo zu zerschlagen und jedes stehende Gewässer aufzurühren. Wird Uranus nicht respektiert, dann können Angstzustände und krankhafte Verhaltensweisen ausbrechen, die einen dazu zwingen, das, was erforderlich ist, zu erkennen.

Wie Sie sich vielleicht vorstellen können, würden wir - wären Saturn und Uranus unsere einzigen planetaren Vertreter der Lebenskräfte - den Stress des Konfliktes nicht überleben! In der Tat besteht der Konflikt zwischen Saturn und Uranus seit Ewigkeiten und kündet vom archetypischen Kampf zwischen Himmel und Erde, der in allen Formen des kreativen Kampfes vorhanden ist - ganz gleich ob dieser nun auf gesellschaftspolitischer Ebene, auf zwischenmenschlicher Ebene oder in einem selbst stattfindet.

Am Anfang ...

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Mythologisch ist Uranus der namensgebende Planet des alten griechischen Gottes, der den Himmel tatsächlich als einen Ort verkörperte. Ouranos wurde nie als Gott verehrt, und es gibt auch keine Schreine, Symbole, Belege von Tempeln oder andere übliche Anzeichen einer individuellen Existenz. Dadurch, dass Ouranos der Himmel war und nicht ein Himmelsgott, nimmt er im Mythos einen ganz speziellen Platz ein, und zwar nicht als ein einzelnes Wesen, sondern als ein Erfahrungsbereich. Das ist sehr bedeutsam für die astrologische Betrachtung von Uranus und bei der Interpretation seiner Qualitäten sowohl als Geburtsplanet als auch im Transit sehr wichtig.

Ouranos entstand, weil Gaia – Mutter Erde – ihn zu ihrer Gesellschaft und als ihren Gefährten schuf. Nachdem sie allein (oder gemäß dem ältesten Mythos mithilfe von Eros) viele andere Erd- und Naturgottheiten geschaffen hatte, fühlte sie sich einsam und wünschte sich einen Gefährten. So schuf sie Ouranos, den Himmel, um sie zu umgeben und ihr ständig Gesellschaft zu leisten, und er hüllte die Erde in seine ganze ätherische Kraft ein. Ihrer Verbindung entsprangen viele Nachkommen, wie die Zyklopen und Titanen.

Schließlich wurde Gaia wieder schwanger mit neuen Nachkommen, den Hekatoncheiren oder den «Hunderthändigen». Sie hatten 100 Arme und 50 Köpfe und waren wahre Monster, aber da sie eine Mutter war, liebte Gaia sie trotzdem. Ouranos hingegen nicht. Er war entsetzt über ihre Missbildung, ihre unvollkommenen und grauenhaften Eigenschaften und wollte Gaia daran hindern, sie zu gebären. Selbstverständlich wurde Gaia ungemütlich: Sie gab dem Jüngsten der Titanen, ihrem Sohn Kronos, einen Auftrag, der den Lauf der mythischen Geschichte verändern sollte.

Sie stattete Kronos – Saturn – mit einer Sense aus Obsidian, einer klaren, harten und kristallenen Sichel, aus, trug ihm auf, zu erscheinen, «Jetzt herführend die Nacht kam Uranos, und um die Gäa breitet’ er liebend sich aus, voll Lüsternheit übergedehnet», und ihn zu kastrieren. [2] Was er dann auch tat – er trennte die archetypischen Eltern für immer, genauso wie er eine neue Mythologie entstehen ließ.

Wir können diesen Mythos auf unterschiedliche Art und Weise sehen, aber es ist klar, dass mit dem darauf folgenden Kampf der Titanen, dem Zusammenbruch der Einheit von männlich und weiblich und mit der neuen Polarität von «oben und unten» ein neuer Archetyp ins Leben gerufen wurde. Die Trennung von Himmel und Erde, des Männlichen und des Weiblichen, die Spaltung der archetypischen Eltern bleibt in unserer kollektiven und individuellen Psyche eine starke und einflussreiche Komponente.

Wir können die Polarität von «oben und unten» ganz verschieden sehen. Sie symbolisiert nicht nur die Manifestation des bewussten und unbewussten Verhaltens, sondern repräsentiert auch die ersten Ahnungen einer dualen Wahrnehmung – dass es etwas «außerhalb von einem selbst» gibt oder auch tief in uns selbst, das sich in Opposition oder im Konflikt befindet.

Jung dachte, dass die Vermittlung des Konfliktes der Stoff des Lebens und die Lösung dieses inneren Konfliktes die Antwort auf die universelle Herausforderung hin zur Ganzheitlichkeit wäre. Dies ist eine beeindruckende Idee, und meistens resultiert die Lösung des inneren Konfliktes tatsächlich in einem bewussten geistigen Frieden bei einem Menschen.

Die Funktion von Saturn und Uranus, dem mythischen Vater-Sohn-Konflikt, wie wir ihn im mittleren Alter erleben, besteht in der Lösung des Konfliktes und dem Bedürfnis nach Veränderung, auch wenn diese einen gewaltsamen oder zerstörerischen Akt mit sich bringt. Als psychischer Komplex oder Dichotomie kann Saturn die abtrennende und schluckende Funktion unserer kreativen Ideen darstellen. Wir können uns um unsere eigene Kreativität so viele Sorgen machen, dass sie eigentlich niemals richtig zum Leben erwacht, sondern «kastriert» wird, bevor irgendeine Idee, Vorstellung, Handlung oder irgendein Experiment umgesetzt werden kann.

Hat jedoch im Gegensatz dazu Uranus die Oberhand, dann können wir zu maßlos, zu exzentrisch und einfach unfähig sein, unseren Mittelpunkt zu vermitteln oder ein akzeptables Mittel für unser Verhalten oder unsere Kommunikation zu finden.

Der Drang nach kreativem Experimentieren und Individuation im mittleren Alter kann zurück in die psychische Gebärmutter gestopft werden, so wie Ouranos die Hekatoncheiren zurück in die Gebärmutter Gaias gestopft hat. Es würde dann einer «hartnäckigen» persönlichen Haltung gegenüber dem eigenen Selbst bedürfen, um den inneren Drang nach kreativer Veränderung zur Welt zu bringen.

Howard Sasportas meint in Astrologische Häuser und Aszendenten:
«Das Haus von Uranus wird uns zeigen, wo wir übereilt die Grenzen unserer Menschlichkeit missachten. Wenn wir meinen, die Einschränkungen durch den physischen Körper ohne weiteres überwinden oder uns einfach über die instinkthaften Teile unserer Natur hinwegsetzen zu können, begehen wir die Sünde der hubris und ziehen uns den Zorn der Götter zu.» [3]

Saturn ist der Planet, der bis 1781 die Herrschaft über das gesamte Sonnensystem innehatte – also ungefähr zur Zeit der Französischen Revolution, der Amerikanischen Revolution, bis zum Beginn der industriellen Revolution. Vor dieser Ära existierte das gesellschaftliche Leben innerhalb der familiären und kulturellen Grenzen. In Übereinstimmung mit der Ankunft des «neuen Planeten», der von dem Astronom William Herschel gesichtet wurde, folgten Jahrzehnte phänomenaler Erneuerungen und Entdeckungen. Die Blütezeit von Wissenschaft, Technologie, Philosophie, Literatur, Musik, gesellschaftlichen Chancen und Veränderungen in beinahe jedem Aspekt des menschlichen Lebens trieb die westliche Zivilisation explosionsartig nach vorn hin zu Befreiung, Freiheit und Wahl.

Uranus ist in der modernen Astrologie der Stellvertreter schlechthin für Begriffe wie Befreiung, Freiheit, Wahl, Individualität, Einzigartigkeit, Innovation, Herausforderung und Ausbrechen aus alten Lebensweisen sowie Herausfordern des Status quo. Saturn war und ist in der Astrologie das Kriterium für das Gegenteil all dieser Werte – er wurde sogar oft als eine Art «Gefängniswärter» diskreditiert. Daher kann es seltsam erscheinen, dass ich den Sturz von Ouranos/Uranus durch Kronos/Saturn entgegen der gewohnten astrologischen Definition der beiden Planeten mit Befreiung und Freiheit gleichsetze – und diesen Akt als den Beginn einer neuen Seinsweise bezeichne.

Als «himmlische heilige» Symbole haben die Planeten Saturn und Uranus zwar beide ihren Platz im Himmel, sind aber ziemlich unterschiedlich in ihrer Bedeutung. Wie ich bereits erwähnt habe, hat Saturn etwas mit dem Reich der Welt und ihren Formen zu tun, während Uranus mit der Idealvorstellung von der Welt und ihren Formen zu tun hat. Der Trick ist es, beide günstig zu stimmen. Doch wie kann man die Vollkommenheit der Idealvorstellung zugeben, während man menschlich im Reich des Realen existiert?[4] Im Grunde genommen müssen wir uns regelmäßig neu gebären, als ob wir eine neue Idee, eine neue Kultur, eine neue Mythologie wären, genauso wie mythische Götter den alten Wächter stürzten, um ein neues Regime zu beginnen.

Natürlich gibt es eine verwundbare Stelle, einen Schatten der uranischen Eigenschaft, die ebenfalls auf den ursprünglichen Mythos zurückverweist: Wenn wir unseren Fähigkeiten, eine Schöpfung oder Idee in Form zu bringen (Saturn), nicht vertrauen, dann geben wir sie auf, dann wird sie zur Fehlgeburt, bevor sie das Licht der Welt erblicken kann. Oder wir «verweigern» ihre Geburt, indem wir unsere kreativen Themen verschlingen, wie Kronos/Saturn dies mit seinen eigenen Nachkommen tat. In anderen Worten: Wir verweigern die Geburt der Schöpfung wegen ihrer Unvollkommenheit – genauso wie Ouranos bei den Hekatoncheiren.

In ihrem Buch Schöpfungsmythen meint die Jung-Expertin Marie-Louise Von Franz über den Übergang vom möglichen Ideal zur realen Sache:

«Menschen wehren sich manchmal dagegen, schöpferisch zu werden, weil das 'Möchtegern-Schöpferischsein’ immer so viel beeindruckender und wichtiger ist als das kleine Ei, das man schließlich legt, wenn die Geburt stattfindet!» [5]

Während unsere kreativen und innovativen Zeiten in der Pubertät, dem mittleren Alter und an der Schwelle zum hohen Alter haben wir oft Schwierigkeiten, unseren eigenen kreativen Kräften Vertrauen zu schenken.

Wir denken vielleicht, dass die Prinzipen von Uranus, der Saturn überwältigt, der «neue Weg» sind, aber in unserem inneren Leben passiert eher das Gegenteil. In diesem Paradoxon liegen der astrologische und daher auch der psychologische Kampf um die Identität.

Als psychische Komponenten werden sowohl Saturn als auch Uranus zur Ganzheitlichkeit benötigt. Damit die Erneuerung sichtbar wird, ist die unerbittliche Sichel des alten Kronos – die Kontrolle der Materie über den Geist – notwendig. Das eidolon selbst, die imaginierte Sache, ist ganz einfach der Archetyp Uranus, während die Idealvorstellung ihre tatsächliche Form nur durch die Anstrengung und die Hartnäckigkeit Saturns erhält. Ein harmonisches Gleichgewicht zwischen beiden ist die Substanz des Fortschritts und der Evolution und diese wiederum die Entwicklung des Bewusstseins.

An der Schwelle zum mittleren Alter gelangen wir an einen Scheideweg, an dem sowohl der Gott der Veränderung als auch der Gott des Stillstandes stehen. Diese Götter, die durch Uranus (Veränderung) und Saturn (Stillstand) dargestellt werden, beginnen einen gemeinsamen Tanz in die Zukunft.

Es ist genau diese Schwelle – die Tür zwischen Jugend und Alter –, an der wir auf viele Facetten unserer selbst treffen, auf Facetten, die nur leicht geschlummert oder tief geschlafen haben und auf den richtigen Zeitpunkt für die Entwicklung gewartet haben. An dieser Schwelle – diesem liminalen Ort – sind wir nicht mehr, wer wir waren, aber auch noch nicht, wer wir sein sollen. Für die meisten extrovertierten Menschen unserer Zeit ist dieses Erlebnis von Liminalität eine höchst unbequeme und manchmal auch zutiefst bedrückende Erfahrung.

Uranus im Zeichen als Indikator für das Ziel der zweiten Lebenshälfte


Traum oder Fantasie?

Da wir den halben Uranus-Zyklus als das Tor in die zweite Lebenshälfte erfahren, enthält das Zeichen, in dem Uranus bei der Geburt steht, Merkmale des gegenüberliegenden Zeichens als sein «ungelebtes Leben». Wenn ein Planet im Transit in Opposition zu seiner Stellung im Geburtshoroskop kommt, dann wird ein Halbzyklus beobachtet. Wie bei allen Halbzyklen entspricht dies der «Vollmondphase» im Mondzyklus, was es diesem Planeten erlaubt, in seiner ganzen Fülle zu erscheinen und die gelernten Botschaften und Lektionen zurückzureflektieren. Das heißt, dass die Opposition oder der «Halbzyklus» eine Erhellung vonseiten des Transitplaneten und seines beabsichtigten Ausdrucks darstellt, da er seine «geheime Absicht» an den Geburtsplaneten zurückspiegelt.

Die Fülle jeglicher Erfahrung steht immer im Zusammenhang mit der Betrachtung dessen, was man nicht hatte. Wenn wir uns nach Schokoladenkuchen sehnen, dann geschieht das, weil wir schon länger keinen mehr gegessen haben. Ähnlich sehnen wir uns nach etwas, was wir schon länger nicht hatten oder vielleicht auch nie hatten. Oft ist es etwas, was eigentlich im Bereich des Möglichen und wichtiger noch im eigenen Selbst liegt.

Diese potenzielle «Sache», die passieren könnte, muss im Kern des Selbst liegen, oder sie wäre nicht möglich. Hier ist es wichtig, der Realität und damit den unzähligen Zusammenhängen ins Auge zu sehen, in denen wir unsere Träume ausleben. Wenn Sie nie Klavier spielen gelernt haben, dann ist es unwahrscheinlich, dass Sie in der Lebensmitte noch Konzertpianist werden. Wenn Sie sich jedoch immer danach gesehnt haben, Klavier zu spielen und etwas über Musik zu lernen, dann ist das sicherlich etwas, was im mittleren Alter gelernt und genossen werden kann.

Der halbe Uranus-Zyklus stellt also den Beginn einer Zeit hohen Potenzials dar, um einen Lebenstraum, den wir immer mit uns herumgetragen haben, wahr werden zu lassen, da nun sowohl der Zeitpunkt als auch die Umstände gegeben sind, um dies auszuleben. Wenn Sie also schon immer davon geträumt haben, einen Abschluss zu machen, ein neues Geschäft in Angriff zu nehmen oder in fremde Länder zu reisen, Sie aber aufgrund äußerer Umstände bisher im Leben nicht die Möglichkeit hatten, sich diese Träume zu erfüllen, und Sie sich in der Lebensmitte in einer neuen Lebenssituation befinden (weil die Kinder ausgezogen sind, Sie von Ihrem Partner unterstützt werden oder Sie allein leben), dann ist das jetzt voll und ganz möglich.

Zwischen Fantasie und Traum zu unterscheiden, ist in der mittleren Lebensphase von enormer Bedeutung. Die Fantasie hat eine sinnvolle Funktion – die Psyche benötigt eine Auszeit, Zeit zum Spielen, und Fantasien sind sehr gut dafür. Jedoch werden sie oft nicht realisiert. Klavierspielen wollen zum Beispiel und nicht wissen wie, hindert die Psyche nicht daran, zu erforschen, wie es wäre, wenn wir es täten. So eine bis in jedes Detail ausgefeilte Fantasie könnte beispielsweise davon handeln, wie man ein komplexes, beliebtes Klavierstück an der New Yorker Metroplitan oder der Royal Albert Hall in London spielt und sich im Applaus für die eigene Virtuosität sonnen darf. Daran ist nichts Schlechtes.

Aber ein Traum ist etwas ganz anderes. Träume sind oft mit einem realen Potenzial verknüpft. Es ist immer gut, Träume zu nähren, während man in Fantasien nur schwelgen sollte. Ein Traum wird wahr, wenn sowohl Saturn als auch Uranus optimal arbeiten. Saturn wird Sie daran erinnern, was Sie nicht tun können, und Uranus wird Sie anstupsen, zu erforschen, zu erfahren und zu definieren, wozu Ihr Genie oder Ihr Dämon Sie drängt. Zwischen den beiden Kräften können Sie Ihr kreatives Potenzial nutzen und es realistisch ausleben.

Die Uranus/Uranus-Opposition ist eine Zeit, in der das ungelebte Leben erweckt werden sollte, und die Zeit, um Ihren Besitz und Ihre Verbindlichkeiten objektiv einzuschätzen. Die Aufgabe, die uns am Scheideweg gestellt wird, ist es, die Fähigkeit zu entwickeln, uns selbst und unsere wahren Grenzen anzusehen, während wir gleichzeitig das einschätzen, was wirklich möglich ist und erfüllt werden kann. Den Vermittler zwischen den Göttern des «Stop and Go» zu spielen, kann sehr fruchtbar sein.

Saturns Aufgabe ist es, Ihnen Ihre Grenzen aufzuzeigen, und an diesem sicheren Ort können Sie erfolgreich werden. Sie können sich vielleicht sagen: «Ich kann alles tun, was ich will, innerhalb meiner Grenzen.»

Wenn Ihr Geburtsuranus in Opposition zum laufenden Uranus steht, dann ist das eine Botschaft für Sie, dass all die einzigartigen Eigenschaften und Merkmale, die Sie zwar besitzen, aber noch nicht zum Leben erweckt haben, nach Realisierung rufen.

Es liegt auf der Hand, dass das mittlere Alter viel zu viele «ungelebte» Aspekte unseres Lebens in den Vordergrund rücken kann – daher auch die Panik und Ängste, die häufig mit der Midlife-Crisis verbunden sind. Der kreative Aspekt der göttlichen Unzufriedenheit ist an der Schwelle zur zweiten Lebenshälfte und von da an in Perioden während des gesamten Übergangs am lebendigsten.

Ich habe Saturn mit der göttlichen Unzufriedenheit assoziiert, aber sie ist ebenso eine Qualität von Uranus.[6] Die beiden Planeten gehen auf dieser Reise Hand in Hand, und – wie bereits erwähnt – Saturn ist der Planet, der uns Grenzen setzt, während Uranus alle Möglichkeiten bietet. Unleidlich und unglücklich zu sein, ist nicht unbedingt ein Zeichen göttlicher Unzufriedenheit, es könnte auch einfach ein Zeichen dafür sein, dass wir unleidlich und unglücklich sind. Die mit der göttlichen Unzufriedenheit verbundene Stimmung, die Grundhaltung und die Numinosität sind jedoch ein Anstoß vonseiten des Unterbewusstseins in Richtung größerer Kreativität, um die Mittel zu finden, unser Talent zu nutzen. In Kapitel 5 finden Sie für die Uranus-Opposition die Interpretation für jedes Haus.

[Wie wirkt sich nun die Uranus-Opposition bei den verschiedenen Generationen aus? Wir haben hier einige Zeichenstellungen von Uranus ausgewählt, die für unsere Leserinnen und Leser eine gewisse Aktualität haben.]

Löwe

Uranus im Löwen macht seine Übergangserfahrung, wenn Uranus das Zeichen Wassermann transitiert. Da der Löwe das archetypische Zeichen des Herzens und des Kindes ist, gibt es viele Anzeichen dafür, dass die erste «Hälfte» des Lebens spielerisch und ohne Sorge um das Kollektiv verbracht wird, aber plötzlich erfolgt im mittleren Alter der Ruf, die Weltseele zu nähren. Die Polarität von Löwe und Wassermann verkörpert die Syzygie von Individualismus und Kollektivität, das heißt: Sie und die Gruppe. Innerhalb des Gesellschafts- und Gruppenkollektivs existieren wir als Individuum, aber nur im Zusammenhang mit den anderen können wir unsere Individualität definieren. Der Konflikt von Uranus im Löwen in der Lebensmitte besteht in erster Linie darin, das eigene Selbst innerhalb einer hilfreichen Gruppe zu finden und einen Prozess der humanitären Individuation einzuläuten.

Jungfrau

Der Übergang dieser Uranus-Stellung in die zweite Lebenshälfte erfolgt, wenn Uranus in das Zeichen Fische eintritt und die Polarität zwischen Dienen oder Leiden im Namen der Welt ein kritisches Maß erreicht. Da die jüngste Gruppe mit Uranus in der Jungfrau eine Uranus/Pluto-Konjunktion hat (1966–1967), wird die Qualität der mittleren Jahre dieser Generation durch diesen wichtigen Aspekt vertieft. Thema von Uranus in der Jungfrau ist die Individuation durch den Prozess, nützlich, hilfsbereit und für die Leidenden einsatzbereit zu sein. Beim Beginn des halben Uranus-Zyklus muss ein Opfer gebracht werden, das jeder individuellen Psyche helfen wird, ihr letztes Ziel zu erreichen – ein tief persönliches Opfer nach dem Bedarf des globalen Ethos. Durch Erfindungsreichtum und «Fortschritt» gelangt die Kultur in eine Zeit des größten Opfers, und in diesem Umfeld wird die Generation mit Uranus in der Jungfrau älter. Durch Organisation und Rekulturalisierung das Lebensziel zu finden, wird das Wesentliche der letzten Lebensabsicht der Generation mit Uranus in der Jungfrau zutage bringen.

Waage

Uranus im Widder stellt den Beginn der zweiten Lebenshälfte für diejenigen dar, die ihn bei der Geburt im Zeichen Waage haben. Da jedes Zeichen eine Entwicklung vom vorhergehenden und eine Vorbereitung auf das nächste Zeichen darstellt, folgt daraus, dass die Absicht von Uranus in der Waage darin liegt, eine Balance zwischen Individuum und Kollektiv zu finden. Nun wurde dies auch schon vorher bei den anderen Zeichen gesagt, weil Uranus selbst eben einfach das Konzept des «Einer unter vielen» verkörpert. Dieser Punkt ist jedoch für Waage/Widder ganz besonders bedeutsam. Die Wiederherstellung der individuellen Rechte und Privilegien jeder Person im Gleichgewicht mit einer neuen Gesellschaftsordnung ist der Schlüssel für diesen Individuationsprozess. Die erste Lebenshälfte wird damit verbracht, auf eine äußerst persönliche Art und Weise mit Beziehungen klarzukommen, während die Erfahrung beim Übergang in die zweite Lebenshälfte den psychischen Bedarf herbeiführt, für alle Individuen Wege zu finden, damit sie ein Gefühl von Gleichheit, Zugehörigkeit und Einfluss auf die Welt haben.

Skorpion

Wenn Uranus in den Stier eintritt und eine Opposition zum Geburtsuranus im Skorpion bildet, erweckt der Schock über die praktische Veranlagung der «realen Welt» eine neue Kraft für persönliches Wachstum. Uranus im Skorpion hat bereits die Hälfte seines Lebens in einem Zustand mystischer und transformativer Erfahrung verbracht und muss im mittleren Alter die esoterischen, nicht greifbaren Formen in sichtbare Formen umwandeln. Uranus im Skorpion drängt das Individuum dazu, seine Einzigartigkeit und sein individuelles Selbst in einer Art zu erkunden, die oftmals dunkel und mysteriös ist. Der Pfad zum Selbst und zur Ganzheit involviert die Annahme des eigenen Schattens und, in den mittleren Jahren, die Anerkennung des Zieles des Schattens. Das wird sich so gestalten, dass wir mit den Themen des kollektiven Schattens zu tun haben und mit ihm arbeiten, um die dunkleren Aspekte von Gesellschaft und Welt zu integrieren – und letztendlich, um eine Art magische Transformation für die Zukunft durchzuführen. Die inneren Quellen von Uranus im Skorpion sind tief und zehren von Informationen, die von einer Ebene der Ahnen stammen. Der Impuls aber, der «Arbeit der Vorfahren» entweder durch gute Arbeit, Unterricht oder Handel Ausdruck zu verleihen, wird für das Gefühl des inneren Ziels eines Individuums wesentlich.

 


Transite in den mittleren Jahren: 37-60


Der halbe Uranus-Zyklus - Ankunft am Scheideweg
Die generischen Aspekte ab dem halben Uranus-Zyklus bis
zur zweiten Saturnrückkehr und ihre Bedeutung

Die Vorbereitungsphase vor dem halben Uranus-Zyklus

 
36:

Jupiter und Saturn - Die Vorbereitung des Weges ins mittlere Alter

Über die Schwelle - Uranus und Neptun (und Pluto)

 

38-44: Der große Sprung nach vorn
38: Zweite Rückkehr der Mondknoten
40: Saturn Trigon zu Saturn - Familiengrenzen
42: Neptun Quadrat zu Neptun - Schöner Träumer

Pluto - das Kerndilemma und seine existenzielle Erfahrung

 
  Das "Problem" mit Pluto
  Die Kraft Plutos - für einige von uns
  Und was bedeutet das?

Übergangsphase ins höhere Alter

 
44-46: Saturn und Uranus - Erfolg in der Beschränkung
 

Erkenne dich selbst und nichts im Übermaß

47-48: Umkehrung der Mondknoten und Jupiterrückkehr - Quo vadis?

50:

Der Wendepunkt

 
52: Saturn Quadrat zu Saturn - Rückkehr des Verdrängten und Liminalität

54-57: Integration

 
54: Die zweite Mondrückkehr,
Saturn Sextil zu Saturn
 
55-56: Uranus, Neptun und Pluto bilden ein Trigon zu sich sebst,
dritte Mondknotenrückkehr

 
59-60: Die Saturnwiederkehr

 

 

Ohne Zähne, ohne Augen, ohne alles?

 

 

Entnommen aus:
Erin Sullivan:
Astrologie der zweiten Lebenshälfte.
Die Chance bei sich selbst anzukommen.
Chiron Verlag, 2008.
[gekürzte und leicht adaptierte Ausschnitte]

Dieses Buch können Sie hier bestellen:
www.astronova.de

 


Fußnoten:
  1. Übersetzt aus: William Bridges, Transitions: Making Sense of Life’s Changes (Reading MA, 1980), S. 52.
  2. Hesiod, Theogonie, übersetzt von J. H. Voß, I, 176 (http:// gutenberg.spiegel.de).
  3. Howard Sasportas, Astrologische Häuser und Aszendenten (München, 1985), S. 391.
  4. Siehe Erin Sullivan, Jupiter – Die innere Freiheit im Horoskop finden, (Mössingen, 2000).
  5. Marie-Louise Von Franz, Schöpfungsmythen: Bilder der schöpferischen Kräfte im Menschen (München, 1990), S. 109.
  6. Erin Sullivan, Erin Sullivan, Saturn im Transit: Prüfung für Körper, Seele und Geist (München, 1992). (München, 1992).
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