Liz Greene: Ansichten der Astrologen
So wie wir das Leben sehen, lesen wir das Horoskop
Astrological Association Conference, Sept. 2008

Dane RudhyarDer späte Alexander Ruperti, der für das "Astrologische Journal" im Jahr 1986 einen Artikel über Dane Rudhyar beisteuerte, schrieb:

"Es gibt keine Astrologie, die sich festlegen lässt. In jeder Epoche der Menschheit war die Astrologie eine Reflektion des Systems, das die Kultur der jeweiligen Zeit in dem Lauf der Sterne sah, oder die Art der Beziehung, die diese Kultur zwischen Himmel und Erde gestaltete." [1]

Es lohnt sich,sich diese Behauptung zu merken und jedes mal zu wiederholen, wenn wir versuchen, die Natur der Astrologie die wir praktizieren, aufgrund unseres individuellen Glaubenssystems oder Weltbildes zu definieren.Die Neigung des jeweiligen Astrologen formt die Definitionen und Ausdrücke der Astrologie stärker als der Kontext der Kultur (und Subkultur) in der wir leben, praktisch und philosophisch. Astrologie kann nicht durch ein theoretisches System erklärt werden. Sie muss muss im Verhältnis eines bestimmten religiösen, philosophischen, sozialen und politischen Hintergrunds betrachtet werden. Genauso wichtig ist es, dass man sie im Spiegel der Sichtweise eines bestimmten Praktizierenden betrachtet, der in einem bestimmten Milieu an einem bestimmten Ort , in einer bestimmten Dekade eines bestimmten Jahrhunderts arbeitet. Heute, im Gegensatz zu unseren mittelalterlichen Kollegen, haben wir die Wahl zwischen zahlreichen religiösen, sozialen und politischen Ansichten, unter denen wir wählen können, ohne gleich die Angst haben zu müssen, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Es wird für jeden von uns zunehmend fragwürdiger, die "einzig wahre Astrologie" zu finden, die uns eine absolute spirituelle und ideologische Sicherheit bietet , während sie andersgläubige Astrologen als „inkorrekt“, „schlecht“ oder „falsch“ entlarvt.

Jetzt möchte ich Ihnen die Resultate von zwei Befragungen zeigen, die von Astrologen für Astrologen gemacht wurden. Diese Befragung hebt sowohl das wichtige Thema des Individuums hervor als auch dass der kulturellen Unterschiede.

Wie Astrologen die Astrologie sehen
Shoshanah Fehers Studie, wie Astrologen die Astrologie sehen
  • Als eine Form der Heilkunst 92%
  • Als ein psychologisches Werkzeug 99%
  • Als Teil einer "metaphysischen Religion" 61%
  • Als Verbindung mit "anderen esoterischen Lehren" 25%

In einer Abhandlung unter dem Titel „Wer hat die Karten in der Hand? Frauen und New Age - Astrologie“, veröffentlicht in einer Sammlung von Essays unter dem Namen „Betrachtungen des New Age“, hat Shoshanah Feher eine Gruppe von Astrologen an einer amerikanischen Astrologie - Konferenz befragt. Sie befragte sie dazu, wie sie die Astrologie sehen, und wir können vermuten dass sie - oder wir - sie so betrachten, wie sie - oder wir - sie praktizieren.
Die Geisteshaltungen, Einstellungen und Motivationen deuten an, wie die unterschiedlichen Aspekte des Horoskops von einzelnen Astrologen gedeutet werden. 92% der Befragten verstanden die Astrologie als eine Art Heilkunst, 99% sahen sie als ein Werkzeug der Psychologie. 61% verbanden sie mit einer „metaphysischen Religion“ welche eine bestimmte Glaubensrichtung, z.B. die Theosophie, den Neoplatonismus, den Buddhismus oder den modernen Paganismus suggeriert, während 25% angaben, dass sie ihre Astrologie mit verschiedenen spirituellen Richtungen kombinierten, z.B mit Yoga, Meditation oder rituellen Praktiken.[2]

Auch ist die Befragung durch das kulturelle Milieu begrenzt, weil sie an einer amerikanischen, anstatt an einer britischen, deutschen, französischen, schweizerischen, slowenischen, russischen, italienischen oder dänischen Konferenz gemacht wurde. Die Prozentzahlen würden in verschiedenen Ländern verschieden ausfallen, sogar in verschiedenen Regionen eines einzelnen Landes, weil keine Nation eine homogene Kultur hat.
Darüber hinaus sind Feher`s Kategorien sehr einfach und begrenzt, und jeder von uns könnte ganz einfach und kunstvoll nuanciertere, differenziertere und anspruchsvollere Definitionen vorschlagen. Seit 1992, als die Befragung gemacht wurde, haben sich die Definitionen der Astrologie unvermeidbar verändert. So wie die äußeren Planeten die Tierkreiszeichen verändert haben, hat sich die Welt um uns herum geändert, neue Paradigmen, die die Astrologie beeinflussten, haben sich herausgebildet, nicht weniger als in der Mode, der Musik, der Literatur und der Kunst. Neue Definitionen und neue Terminologien- oder die viel älteren, die sich als erste in vielen Dekaden oder sogar Jahrhunderten herausbildeten - sind den astrologischen Diskurs eingegangen, um bereits bestehende Definitionen zu ergänzen, während manche Definitionen, die in der Zeit in Mode waren, von vielen Astrologen nicht mehr ernst genommen werden. In einem anderen Jahrzehnt wird unsere Wahrnehmung der Astrologie wieder anders sein. Dennoch, trotz der Eingrenzungen dieser Befragung, demonstriert Feher`s Arbeit in einer klaren, einfachen und unbestreitbaren Art die große Vielfalt, die in der astrologischen Gemeinschaft existiert.

Woran Astrologen glauben
Studie von Nick Campion: Als was sehen Astrologen die Astrologie?
  • Glauben an die Reinkarnation: 78%
  • Glauben an das Karmagesetz: 63.5%
  • Glauben an ein Höheres Bewusstsein: 52.2%

In seiner Dissertation unter dem Titel „Weissagung, Kosmologie und die New Age Bewegung“ für die Bath Spa University, stellte Nick Campion eine Vielzahl an anspruchsvolleren Fragebögen vor, um das Wesen des Glaubens und die Ansichten der Astrologen über Ihre Forschungen zu ermitteln.[3] Die Teilnehmer wurden eingeladen, mehrere Antworten anzukreuzen; sie hatten die Möglichkeit, die Astrologie differenzierter zu definieren, als nur auf nur eine Antwort beschränkt zu sein. Die Fragebögen untersuchten die religiöse Zugehörigkeit der Astrologen, ihre religiöse Erziehung, Verhalten und Einstellungen.Er fand heraus, dass 78% der Astrologen, die seine Fragebögen beantwortet haben, an Reinkarnation glaubten; 64% glaubten an das Karmagesetz; und 52% glaubten an ein „höheres Bewusstsein“. Obwohl Statistiken für gewöhnlich von skeptischen Soziologen mit der Absicht genutzt werden, die Astrologie zu entlarven, und demzufolge viele Astrologen Statistiken richtigerweise misstrauen, wurden diese hier nicht eingesetzt , um die Gültigkeit der Astrologie zu beweisen oder zu widerlegen. Sie untersuchen die Mannigfaltigkeit der Ansichten und Verhaltensweisen innerhalb der astrologischen Gemeinschaft und dienen in hohem Masse unserem Verständnis der äußerst individuellen Natur von astrologischer Theorie und Praxis.

Wir alle haben eine bestimmte spirituelle oder religiöse Ansicht, sogar, wenn diese Ansicht Atheismus ist. Atheismus selbst ist eine Art der Religion, weil sie einen positiven Glauben der Nichtexistenz von irgendwelchen göttlichen oder heiligen Elementen einschließt. Ein sehr gutes Beispiel ist Richard Dawkins, der durch seine Bestrebungen, die Religion auszumerzen, alle Charakteristika eines fanatischen religiösen Reformers aufweist.Unsere religiösen Ansichten werden unvermeidlich die Art und Weise verfärben, wie wir den Zweck der Astrologie verstehen, und deswegen verfärben sie die Art, mit der wir dem Klienten unsere Interpretationen präsentieren - sogar wenn der Klient eine ganz andere religiöse Sichtweise hat als wir selbst. Religiöse oder spirituelle Ansichten sind eng mit unserer Moral verbunden, unserer Ethik, und der Art, wie wir unser Leben leben und sehen. Wenn wir unseren Klienten beraten, dann ist dieser Rat - sogar wenn wir einen Kraftakt aufbringen, ihm einen „nicht-Rat“ zu bieten – bedingt durch unsere eigenen moralischen und ethischen Prioritäten.

 

Wie Astrologen die Astrologie sehen
Studie von Nick Campion: Wie sehen Astrologen die Astrologie?
  England (AA Konferenz) USA (UAC Konferenz)
- Als eine Wissenschaft
- Als eine "göttliche Wissenschaft"
- Als ein psychologisches Werkzeug
- Als eine Form der Weissagung
- Als eine Religion
- Als ein Weg des spirituellen Wachstums
- Als eine Form der Beratung
- Als eine Form der Heilkunst
- Als ein Hilfsmittel zur Prophezeiung
24.5%
42%
64.8%
33.3%
6.9%
66%
57.8%
53.4%
42%
36.1%
52%
60.5%
40.1%
7.9%
55.9%
65.1%
57.9%
43.4%

Wie Shoshanah Feher, hat Nick auch einen Fragebogen herausgebracht, wie Astrologen ihre Astrologie verstehen. Sein Fragebogen ist detaillierter und offenbart mehr. Er führte seine Befragung mit zwei Gruppen von Astrologen durch– eine an der UAC Konferenz in Amerika, und eine an der AA Konferenz in England. Die Unterscheide zwischen amerikanischen und britischen Astrologen, die auf dieselben Fragen antworteten, obwohl sie untereinander niemals rigoros im Konflikt gewesen, sind faszinierend, genauso wie die verschiedenen Betrachtungsweisen, die individuelle Astrologen über ihre Kunst halten. Unter beiden, amerikanischen wie englischen Astrologen, sah der größte Prozentsatz die Astrologie als ein Werkzeug der Psychologie (65% der Engländer, 61% der Amerikaner), oder als einen Weg des spirituellen Wachstums (66% der Engländer, 56% der Amerikaner), oder als beides (die Leute konnten so viele Antworten ankreuzen, wie sie wollten). Eine ähnliche Anzahl (58% der Engländer, 65% der Amerikaner) verstanden die Astrologie als eine Art der Beratung. Mehr Amerikaner (40%) als Engländer (33%) definierten die Astrologie als eine Form der Wahrsagerei. Überraschende 36% der Amerikaner (aber nur 25% der Engländer) sehen die Astrologie als eine Wissenschaft, aber 52% der Amerikaner und 42% der Engländer verstehen sie als eine „himmlische Wissenschaft“. Seit der Antike bis zur modernen Welt gaben die meisten Astrologen diese Definition an; von Dorotheus von Sidon im 1. Jahrhundert über Ptolemäus im 2 Jahrhundert, und Paulus Alexandrinus und Hephaitos von Theben in der späten Antike, über den arabischen Astrologen Al Kindi im 9. Jahrhundert und den jüdischen Astrologen Avraham Ibn Ezra im 12. Jahrhundert, bis Bonatti im 16 Jahrhundert und Placidus und William Lilly im 17. Jahrhundert, bis zu Alan Leo im 20. Jahrhundert, von dem das meiste der Astrologie des 20. Jahrhunderts entsprang (wir werden uns später näher mit ihm beschäftigen). Eine kleine Anzahl der Astrologen, die Nick`s Befragung mitmachten, verstehen die Astrologie als eine Religion. 58% der Amerikaner und 53% der Engländer nehmen sie als eine Heilkunst wahr, während eine große Anzahl der Astrologen – 42% der Engländer und 43% der Amerikaner – sie auch als ein Mittel der Vorhersage sehen.

Die Diskussion über die Definition der „wahren“ oder „echten“ Astrologie in der astrologischen Gemeinschaft ist traurigerweise zerfallen. Von einer aufrichtigen Debatte wandelte sie sich zu einer bösartigen Attacke gegen jeden Astrologen, dessen Ansichten mit den spirituell oder historisch erleuchteten Individuen, denen der Kosmos die „Einzig Wahre Offenbarung“ beschert hat, nicht übereinstimmten.
Obwohl diese Art der übertriebenen Feindseligkeit mehr über die persönlichen Angelegenheiten deren aussagt, die an dieser Polemik beteiligt sind, als über die Natur der Astrologie, so sind diese Debatten an sich nichts Neues.

Verschiedene astrologische Schulen und philosophische Überlegungen lagen in offener Streitigkeit, seit die hellenistische Astrologie sich in den letzten Jahrhunderten vor Christus entwickelte. Die Astrologie stand niemals still, sondern torkelte von einem Paradigma zum anderen. Sowohl von den Praktizierenden als auch von den Kritikern wurde sie wechselnd als Wissenschaft, Kunst, Wahrsagerei, Schamanismus, Handwerk, astrale Magie, Philosophie, Religion, Psychologie und poetische Metapher betrachtet.Ob der Himmel mechanisch oder von Gottheiten bewohnt und geschaffen ist, und ob die Zukunft komplett oder nur geringfügig vorhersagbar ist, diese Ansichten lassen Raum für Interpretationen, welche auf religiösen Ansichten, kulturellen Ausrichtungen und individuellem Temperament des Astrologen bezogen sind. Historisch gesehen demonstriert die Astrologie die enorme Fähigkeit, eine stabile Tradition der Symbolik zu bewahren, während sie sich an eine enorme Vielfalt von kulturellen Umfeldern und sogar an eine noch größere Vielfalt der individuellen Anschauungen und Praktiken anpasst.

Als Beispiel werden wir eine bestimmte astrologische Konstellation aus der Sicht verschiedener Astrologen zu verschiedenen Epochen betrachten. Je weiter wir in der Geschichte zurückgehen, umso weniger scheint die Interpretation individuell zu sein. Der ausgedehnte kulturelle Kontext scheint in den Milieus, wo Theokratie oder ein universelles religiöses System wie die mittelalterliche Kirche besonders machtvoll ist, zu dominieren. Die Konstellation die ich untersuchen möchte, ist Mars im achten Haus, welche über die Jahrhunderte eine eher einen schlechten Ruf genoss.

Prinzessin Diana
Geburtsdatum: 1 Juli 1961, 19:45 Uhr, Sandringham
Geburtshoroskop: innen. Transite zum Zeitpunkt des Todes: außen

Das ist das Horoskop von Prinzessin Diana, die mit Mars in Jungfrau im achten Haus geboren wurde. Das Geburtshoroskop, nach Placidus erstellt - eines der vielen gültigen, aber unterschiedlichen Häuser - Systemen, die derzeit in Gebrauch sind - ist im Inneren, während die Transite zum Zeitpunkt von Dianas Tod außen gezeigt werden.

Diana of Wales

Der erste Astrologe, den ich zitieren werde ist Vettius Valens, der im 2. Jahrhundert nach Christus arbeitete. Er hätte keine Placidus Häuser verwendet, sie waren zu dieser Zeit noch nicht erschlossen.
Er hätte wahrscheinlich die Ganzzeichenhäuser verwendet, und Mars wäre dann im zehnten Haus. Dennoch, das Ziel dieser Aufgabe besteht nicht darin, einen Beweis für die Überlegenheit eines bestimmten Häusersystems zu finden, sondern darin, die verschiedenen Interpretationen einer astrologischen Konstellation zu untersuchen. Jeder, der mit diesem Beispiel unzufrieden ist, kann gleichermaßen das Horoskop von John F. Kennedy in Betracht ziehen, der Mars in Stier im achten Haus hatte, sowohl mit Placidus - als auch mit dem Ganzzeichenhäuser – System. Vettius Valens sagt uns in seiner Anthologie, IV.12:

„ Das achte Haus: Tod, Gewinn durch Todesfälle, Gerichtsverfahren , Schwächen....Wenn der Übeltäter alleine steht [und Mars wäre dann alleine im achten Haus mit dem nördlichen Mondknoten, da Uranus und Pluto zu Valens` Zeiten unbekannt waren], nimmt der Native Beschuldigungen des Mordes auf sich, oder bringt sich unbewusst in Situationen, die für ihn selbst gefährlich sind.“

Julius Firmicus Maternus war ein Christlicher Astrologe, der im vierten Jahrhundert nach Christus zur Zeit der Herrschaft der Christlichen Kaisers Constantin lebte. In seiner Mathesis, geschrieben im vierten Jahrhundert, ist er weit mehr fatalistisch als Valens:

„Alleine in diesem [achten Haus],prophezeit er [Mars] Armut, Schwierigkeiten, Fieber, Aufstände,Revolutionen, Gefahren. Wenn aber der Mond sich im zweiten Haus vom Aszendenten befindet, wird das einen gewaltsamen Tod verursachen.“

Der Mond in Diana`s Horoskop, ist, wie wir sehen können, in der Tat im zweiten Haus, wenn man das Placidus System verwendet, obwohl Firmicus entweder die Ganzzeichenhäuser benutzt hätte oder ein Acht-Häuser-System, das in der Antike bekannt war. Seine tief deterministische Herangehensweise dauert an durch das Mittelalter - im zwölften Jahrhundert gibt Avraham ibn Ezra zum Beispiel an, dass Mars im achten Haus anzeigt; „getötet oder von Tieren verschlungen zu werden“.

Diese Herangehensweise an Mars im achten Haus dauert bis in das 15. Jahrhundert an, wie wir im Opulscum Astrologicum von Johannes Schöner sehen können :

„ Wenn der Übeltäter sich im achten Haus befindet, wird die Art des Todes durch seinen Signifikator angezeigt... Wenn Mars sich in einem Erdzeichen befindet,[wird er sterben] durch einen Unfall oder Absturz.“


Wir finden keine große Veränderung im 20. Jahrhundert, sogar durch den steten Einfluss der Theosophie, von der aus sich die „moderne“ spirituelle Astrologie herausbildete.

Überraschenderweise zeigt Alan Leo, der sich für gewöhnlich mit Methoden befasste, die „nicht voraussagend“ waren, sondern eher mit Methoden, die persönlichen Eigenschaften und spirituelle Entwicklungsmöglichkeiten hervorhebten, und dessen Horoskop wir uns später anschauen werden, einen ähnlichen, auch wenn etwas milderen Determinismus an, als er uns in How to judge a Nativity in Kenntnis setzt:

„ Mars im achten Haus zeigt den Hang eines gewaltsamen oder plötzlichen Todes an.“


Das Wort „Hang“ ist hier signifikant, da es einen Umstand impliziert, der eher potenziell anstatt vorherbestimmt ist. Sepharial, der gleichermaßen mit der theosophischen Tradition arbeitete, gibt an:

„ Mars im achten Haus: Der Ehepartner verausgabt den Nativen, geht an dessen Substanz; Kampf um den Besitz der verstorbenen Personen, Gefahr eines gewaltsamen Todes.“

Noch einmal, das Wort „Gefahr“ weist auf die Möglichkeit - ganz egal wie gering - mehr als nur einer Option.

Andererseits geschieht in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine sehr bedeutsame Veränderung, eventuell reflektiert diese die gesteigerte Säkularisation sowie die wachsende Betonung der Individualität, eher als die starr festgesetzten sozialen Rollen. Der Schwerpunkt, der eher auf dem Potenzial als auf vorhersagbaren Ereignissen liegt, ist offensichtlich bei Margaret Hone, die im „Modern Textbook of Astrology“ in Bezug auf Mars im achten Haus folgendes aussagt:

„Die Sexualität hat hier große Bedeutung. Interesse an Übersinnlichem, Chirurgie und Psychologie fesseln den Geist“.

Hier wird er Tod nicht erwähnt. Das ist teilweise wegen einer betretenen Besorgnis unter den Astrologen, den Determinismus früherer Paradigmen auszudrücken - und, nach den Verwüstungen der beiden Weltkriege, ein wachsender Widerwille gegen die Akzeptanz der Tatsache, dass eines Tages jeder von uns sterben muss. Aber es könnte auch auf die Veränderung unserer Sichtweise der Natur des Menschen, des Lebens und die Macht der Wahl zurückzuführen sein. Je stärker die religiöse Neigung des Astrologen ist, so scheint es, umso größer ist die Tendenz, sich auf den Determinismus zu konzentrieren. Es spielt keine Rolle ob er durch einen gigantischen patriarchalischen Gott auferlegt wurde, oder durch den Einfluss der Planeten, oder, als ein Fundament der Seelenreise zur Entwicklung, die Unvermeidbarkeit der karmischen Belohnungen und Strafen reflektiert.

Wenn wir nun bei Dane Rudhyar ankommen, dessen Horoskop wir uns später anschauen werden, kriegen wir eine Sichtweise geboten, deren Schwerpunkt sich auf das menschliche Potenzial zur Transformation konzentriert. Sie reflektiert nicht nur den Zeitgeist des so genannten „New Age“, sondern auch das Horoskop des jeweiligen Astrologen.
In Rudhyar`s „Die Astrologischen Häuser“ deutet Mars im achten Haus an,

„.. wie eine Person am besten und realistischsten an die Beschränkungen und Chancen herangehen kann, die daran beteiligt sind, seine Beziehungen erfolgreich zu gestalten. Durch die Beziehung wird das Individuum eine wertvolle Transformation des Selbst erleben und wird imstande sein, Erkenntnisse von solcher Tiefe zu erreichen, die es alleine niemals hätte erreichen können.“

Und schließlich können wir Howard Sasportas das letzte Wort überlassen, der in „Die zwölf Astrologischen Häuser“ seine übliche subtile Ironie zeigt:

„Der skorpiongeborene Dylan Thomas schrieb: {Geh nicht sanft in diese Nacht hinüber} Im Tod und in Verwandlungen auf physischer oder seelischer Ebene wird Mars im achten Haus meist diesem Rat folgen.“[4]

In diesen Beschreibungen sehen wir eine Reflektion der Veränderung von kulturellen Paradigmen. In historischen Epochen und Kulturen, in denen das Universum von himmlischen Wesenheiten bevölkert wurde, die mächtig und rätselhaft waren, war das Schicksal eine unentwirrbare Dimension der Astrologie, obgleich durch magische Rituale und Besänftigung verhandelbar. Valens, einer der ersten Astrologen die ich zitiert habe, zeigt einen ungewöhnlichen Hang zur Psychologie, als er meint, das Individuum selbst „bringt sich unbewusst in Situationen, die für ihn selbst gefährlich sind.“
Sowie wir die Ära der christlichen Theokratie betreten, wird das unstete Schicksal durch ein göttliches Uhrwerk, den Kosmos, zu Gottes Instrument, und Mars im achten Haus kann nur eine mögliche Folge haben. Je mehr wir uns auf die Moderne hinbewegen, umso weniger werden die astrologischen Texte von bestimmten religiösen Ansichten bestimmt, und umso klarer kommt die Persönlichkeit des jeweiligen Astrologen zum Vorschein. In unserer post-modernen Ära haben wir die Möglichkeit zwischen einer Vielzahl an Betrachtungsweisen, welche die wachsende Erkenntnis reflektieren, dass, wie Jung es ausdrückt: „man das erkennt, was man selbst am Besten erkennen kann“

Alan Leo (William Frederick Allan)
Geburtsdatum: 7 August 1860, 05:49 Uhr, London

Jetzt möchte ich näher auf die Wege eingehen, in denen jeder von uns erkennt, „was man am besten selbst erkennen kann“, und zwar mit einer kurzen Erkundung der Horoskope von den drei kreativsten Begründern der modernen Astrologie.

Alan Leo

Das ist das Horoskop von Alan Leo, aka William Frederick Allan. Leo wird generell als der Gründervater der modernen Astrologie gesehen, und der größte Teil der heute praktizierten Astrologie entstand aus seinen Bestrebungen, das zu verbreiten, was Charles Harvey „eine philosophisch intakte und spirituell orientierte Astrologie, die eher zur psychologischen Analyse verwendet werden könnte als zur Prognose“ nannte.[5]

Obwohl Leo unverhohlen ptolomäisch ist, wenn er von Einflüssen spricht, als ob die Planeten kausale Faktoren wären, ist seine Art der Astrologie nichtsdestotrotz evolutionär und spirituell wenn er sagt:

Alan Leo„Ich glaube, dass die Seele der Menschheit unsterblich oder immer fortwährend ist... Ich glaube, jeder Mensch gehört einem „Stern“ im Himmel an... und ich bin davon überzeugt, dass jeder seine Willenskraft durch den Einfluss der Planeten erlangt, die er nutzt oder benutzt, durch die er seine Schattenseiten bewältigen und seine animalische Natur kontrollieren kann. Demzufolge lehrt die Astrologie, dass der Charakter das Schicksal ist.“

Leo`s Astrologie, wie auch andere Arten der Astrologie, reflektiert ihr kulturelles Milieu: In diesem Fall ist es die Suche des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts nach verborgenen Realitäten, die von der Theosophischen Gemeinschaft verbreitet wurde und das „magische Wiedererwachen“ um die Jahrhundertwende, genauso wie die Veröffentlichung von Freud`s „Interpretation der Träume“ im frühen 20. Jahrhundert, Jung`s "Symbole der Transformation“ und William James` „Die Vielfalt religiöser Erfahrung“. Astrologen könnten auch die Konjunktion von Neptun und Pluto in Zwillinge von 1891-92 als ein Zeichen dieser gewaltigen kulturellen Veränderung interpretieren. Aber Leo`s Astrologie ist auch ein Ausdruck einer unverwechselbaren Persönlichkeit. Leo`s Horoskop, mit seiner machtvollen Betonung auf dem Feuerelement, seine Gewichtungen des neunten und zwölften Hauses, seine Sonne - Jupiter Konjunktion und das Mond - Jupiter Trigon, und sein exaktes Sonne - Neptun Halbquadrat, suggerieren einen Mann mit einer spirituellen Mission. Leo war dazu bestimmt, die Massen von der Astrologie zu unterrichten: er war ein Prediger und Bekehrer von Natur aus, der in Wirklichkeit als ein Geschäftsreisender arbeitete, bevor er selbst in seine esoterische und spirituelle Arbeit eintauchte. Es steht außer Frage, dass er voll und ganz und intensiv an die evolutionäre Spiritualität glaubte, die er verkündete. Im 21. Jahrhundert gibt es Astrologen, die mehr oder weniger in ähnlicher Weise für dieses Glaubenssystem eintreten, und viele von ihnen leisten exzellente Arbeit mit einer totalen Hingabe und Integrität.
Diese Art der Astrologie ist nicht mehr oder weniger „richtig“ oder „falsch“ als andere Methoden der Astrologie. Vielleicht ist das Wichtigste an Alan Leo, dass seine Astrologie, obwohl in der Sprache der Theosophie gegliedert und durch seine eigene Vision des spirituellen Fortschritts an größere kulturellen Strömungen verbunden, wahrhaftig und zutiefst auch seine eigene ist.

Dane Rudhyar
Geburtsdatum: 23 März 1895, 00:42 Uhr, Paris

Als nächstes möchte ich kurz auf die Astrologie und das Horoskop von Dane Rudhyar eingehen.

Alan Leo

So definiert er „seine“ Astrologie:

Dane Rudhyar"Ich glaube an die Astrologie der Transformation... Meine Sicht orientiert sich an der Möglichkeit, in jeder Person das Streben nach Selbsttransformation zu entwickeln, die Befreiung aus soziologisch-kulturellen Mustern zu erlangen und aus Strukturen der Vergangenheit auszubrechen
Der Glaube daran, dass in jedem Mann und in jeder Frau die Kraft schlummert, größer sein zu können als sie es sind, kreativer und freier zu sein, und sich zutiefst für die Transformation der Welt einzusetzen, daran glaube ich. Ich hoffe das Göttliche, dass in jedem schlummert, zu erwecken. Jede Person ist ein himmlisches Wesen, wenn sie nur die Kraft und den Mut erlangt, die Wahrheit des eigenen Selbst zu erkennen und zur ihrer Bestimmung und ihrem Platz auf dieser Erde steht, indem sie die himmlische Anleitung befolgt, die die Sterne ihr anzeigen."
[6]

Rudhyar ist in seiner Betonung auf dem menschlichen Potenzial und dem Verständnis des Menschenlos eng mit Leo verwandt. Sein religiöses Engagement liegt in der bestimmten Form der Theosophie, und er sah sich selbst als ein Verkünder oder Avatar des aufkommenden „New Age“. Aber Rudhyar hat einen ganz anderen kulturellen Hintergrund. Er war Franzose, kein Brite; in seinen Jugendjahren tauchte er knapp vor dem Ersten Weltkrieg in die selbstdarstellende künstlerische und musische Subkultur von Paris ein, und er verbrachte die meiste Zeit, in der er mit der Astrologie arbeitete, in Kalifornien. Dies umfasste die Uranus-Pluto Konjunktion der 60-er Jahre und das Auftauchen des “New Age“-Denkens. Rudhyar prägte den Ausdruck „Transpersonale Astrologie“, koppelte verständig ausgewählte Elemente der Jung`schen Psychologie in das, was ursprünglich Alice Bailey`s theosophisches Bezugssystem der Seelenentwicklung war. Er betonte die Möglichkeit der spirituellen Freiheit von den, wie er es nannte; „sozio - kulturellen Muster der Vergangenheit“. Das ist quasi - psychologische, quasi - spirituelle Astrologie, die sich in der Sprache der New Age-Kultur im 20 Jahrhundert ausdrückte, welche sich immer noch als Inspiration für sehr viele Astrologen erweist, speziell in den Vereinigten Staaten.

Rudhyars Horoskop reflektiert die Astrologie, die er praktizierte und verkündete, weil seine Astrologie (wie auch die unsere), das reflektiert „was wir am besten erkennen.“ Die Sonne im dritten Haus in Widder suggeriert einen wegweisenden Pädagogen, der Aszendent in Schütze, mit seinem Herrscher Jupiter in dem Haus der Anderen (die Öffentlichkeit), betont seine Selbstwahrnehmung als Avatar und Lehrer des spirituellen Wissens, und sein Chiron, nahe am MC und in Opposition zur Sonne, spiegelt seine Belange an der Heilung verletzter Seelen und die Befreiung von alten soziologischen und familiären Mustern, daran hat ihm viel gelegen. Wie auch Alan Leo, ist er ein feuriges Individuum mit Sonne - Jupiter und Mond - Jupiter Verbindungen, und diese bestimmte Betonung könnte die Konzentration auf die spirituelle Entwicklung reflektieren, welche beide gemeinsam haben. Rudhyar hat eine größere Betonung des Luftelements, die den Bedarf andeutet, eine individuelle Philosophie zu entwickeln, ein System von Ideen, die mit den Theosophischen Quellen verbunden, aber nicht komplett von ihnen abgeleitet waren. Die Astrologie wurde von diesen beiden Astrologen als ein spiritueller Weg und eine Quelle des Wissens betrachtet, dass für alle zugänglich sein sollte, und nicht als ein elitäres, überliefertes spirituelles Wissen gesehen werden sollte.

John Addey
Geburtsdatum: 15 Juni 1920, 08:15 Uhr, Barnsley

Alan Leo

Schließlich möchte ich das Horoskop von John Addey betrachten, der uns mitteilt:
John Addey„Die Astrologie besitzt ..... Aspekte, die über ihre Funktion der Prognose hinausgehen. Um nur eine Sache zu benennen ; sie ist ein symbolisches System einer höheren Ordnung. Zur Kontemplation über die Wahrheiten der mystischen Philosophie kann dies eine sehr wertvolle Hilfe sein....
Wenn wir den Bereich der Symbolik betreten, öffnen wir das Feld eines höheren menschlichen Bereiches von Gesetz und Intuition, und zur Wissenschaft und Philosophie in ihrem wahren und wesentlichem Sinn. Die wahre Praxis der Astrologie beruht darauf, die Symbolik des Nativen zu lesen; eine gute Synthese beruht auf einer guten Analyse, und eine gute Analyse beruht auf dem Wissen um die Gesetze und Prinzipien der astrologischen Symbolik. „

Addey hatte eine Abneigung gegen den Gebrauch der Astrologie als Wahrsagerei, und fand jede Art der Astrologie, die irgendwie die Führung einer angeblichen größeren Macht anstrebte oder beschwörte, geschmacklos. Eher betonte er eine besinnliche, philosophische Dimension der Astrologie, als eine Theosophische Vision der nahenden New Age Offenbarung zu verfolgen. Er fand seine Inspiration in der Harmonie, der Ordnung, der Schönheit und der Intelligenz des Kosmos, die so eloquent in der platonischen Philosophie beschrieben wurde. Addey`s Horoskop, im Gegensatz zu dem von Leo und Rudhyar, ist überwiegend durch das Element Luft geprägt. Die Sonne, welche auch der Herrscher seines Horoskops ist, wie auch der Mond, sind in Zwillinge in einem Lufthaus (das 11. Haus), mit dem intellektuellen Ästhetizismus einer Sonne - Venus Konjunktion und dem innovativem Denken eines Mars - Sonne Trigons im Luftelement. John Addey hat niemals so viele Anhänger wie Rudhyar gewinnen können, er bemühte sich auch nicht um die „Anpreisung“ der Astrologie in der Öffentlichkeit, so wie Leo es tat. Seine Astrologie reflektiert wie er sein Leben gelebt hat: Ein tiefer, selbst beobachtender, rücksichtsvoller und ungemein nachdenklicher Mann, dessen Wahrheiten nicht in der begeisterten Tradition von Rudhyar liegen, oder im religiösen System von Leo, aber in der Perfektion der geometrischen Muster der kosmischen Einheit, wie wir sie vom klassischen Griechenland kennen.

"Unterschiede der astrologischen Erfahrung"#
Patrick Curry und Roy Willis
(Astrology, Science and Culture: Pulling Down the Moon)#

Eine interessante Diskussion über die „Unterschiede der Astrologischen Erfahrung“- eine Anspielung bezogen auf William James` bekanntes Werk des frühen 20. Jahrhunderts. „Die Unterschiede der religiösen Erfahrungen“- finden wir im Buch „Astrology, Science and Culture“ von Patrick Curry und Roy Willis.[7]

Die Autoren haben unvermeidlich ihre eigene individuelle Voreingenommenheit über die Astrologie, welche sie natürlich in ihrem Buch klarmachen. Wie auch immer, jeder von uns hat eine individuelle Tendenz, und die Kategorien, die von Patrick und Roy gezeigt werden, können hilfreich sein, uns auf die lange Geschichte der sich unterscheidenden Religionen und philosophischen Traditionen, von denen wir unser modernes astrologisches Wissen abzapfen, zu fokussieren. Dies sind fünf vereinfachte Kategorien - es gibt nur fünf - und ich denke da an welche, die nicht in ihrer Liste berücksichtigt wurden. Es gibt keine gemischten Kategorien, und ohne Zweifel könnte jeder von uns mit absoluter Rechtfertigung argumentieren, dass „unsere“ individuelle Astrologie nicht mal ansatzweise in eine der Kategorien von Patrick und Roy hineinpasst. Es wäre etwas grundlegend Falsches daran, wenn jede individuelle Betrachtungsweise zu ordentlich hineinpassen würde. Wie auch bei astrologischen Typologien, sind diese Klassifikationen dazu da, uns zum Nachdenken zu bewegen, zu diskutieren, und zu untersuchen, viel mehr als uns ein heiliges Regelwerk zu geben, um danach persönliche Wahrheiten zu definieren.

Die gegenwärtigen Definitionen der Astrologie als Wahrsagerei - die Perspektive, die Patrick und Roy vorziehen - sind im antiken mesopotamischen Deutungen von Omina verwurzelt, und reflektieren eine bestimmte kosmologische Sichtweise, die die Akzeptanz der objektiven Realität und den „Willen der Götter“ zu verhandeln, beinhaltet. Das stellt den Fokus der astrologischen Arbeit auf das Voraussagen. In der heutigen Astrologie beinhaltet die Beschäftigung mit der Stundenastrologie viel mehr als die Bewegungen der Transite und Progressionen über die natalen Positionen. Die mehr zum Philosophischen tendierenden Ansichten der Astrologie - die neoplatonischen und hermetischen Gedanken - umfassen komplexe Bereiche wie die astrale und weiße Magie, in der kabbalistischen Astrologie im Mittelalter sogar mit noch grösserer Betonung. Diese Ansichten überschneiden sich zwar mit dem Gedanken der Astrologie als Wahrsagerei, unterscheiden sich aber von ihr grundlegend. Vor allen Dingen tendieren sie dazu, astrologische Konfigurationen als Symbole eines vereinigten Kosmos anzusehen, und nicht als mechanische Ursachen oder Repräsentanten einer Pluralität vom Himmlischen Kräften. Die Idee der Übereinstimmung oder „Sympathie“ findet sich in sowohl prophetischen als auch in Neoplatonischen / Hermetischen Denkansätzen, aber letztere tendiert mehr „nach innen“, was wir heute als im weitestem Sinne als psychologisch verstehen.

Das Bezugssystem, im 2, Jahrhundert CE durch Ptolemäus dargelegt, welches die Astrologie bis zur Renaissance dominierte und dann wieder bis zum 20. Jahrhundert, ist in der aristotelischen Vision des Kosmos als eine großartige Maschine verwurzelt, welche von einer Gottheit erschaffen wurde, die aber in einer systematischen, mechanischen Art und Weise durch Raum und Zeit funktioniert.

Das scheint eher eine kausale als eine synchrone Annäherung zu sein, näher verknüpft mit dem, was wir heute als Wissenschaft verstehen.

Aber das kann nicht so einfach sein, teilen uns Patrick und Roy mit. Es gibt eine komplexe gegenseitige Beziehung zwischen der Kausalität und der Synchronizität zwischen planetarischen Strukturen, menschlicher Persönlichkeit und äußeren Einflüssen. Alan Leo z. B. spricht davon als er meint, dass „Charakter das Schicksal ist“. Die so genannte wissenschaftliche Astrologie ist eher eine unzutreffende Bezeichnung, seit die Wissenschaft, wie sie von Astrologen vor der „Aufklärung“ verstanden wurde, vieles umschloss, was wir heute der Religion zuordnen. Daher bezeichneten so viele Astrologen ihre Arbeit als „himmlische Wissenschaft“; sie vertrauten auf der Berechenbarkeit der planetaren Bewegungen, und die Zuverlässigkeit der direkten Erfahrung. Beides Reflektionen dessen, was wir heute als die Methoden der Naturwissenschaften nennen könnten. Aber diese Astrologen erkennen die lebendige und miteinander verbundene Natur des Kosmos hinter diesem System , und die Verständigung des Menschen und allen Ebenen des Universums, materiell wie auch überirdisch. Lilly`s „Wissenschaft“, mit all ihren Regeln zur Berechnung der Stundenhoroskope, basiert immer noch auf einer Weltanschauung, die einen beseelten und einheitlichen Kosmos umschließt. Und fast jede statistische Untersuchung (ob sie nun dazu bestimmt ist, eine starrsinnige wissenschaftliche Gesellschaft zu überzeugen, oder ob sie „von Haus aus“ entwickelt wurde um unser eigenes Verstehen durch empirische Beweise zu erweitern) ist in diesem Sinne von einem beseelten Kosmos selten losgelöst, sogar wenn sie von einer offenkundigen religiösen oder spirituellen Terminologie frei ist. Psychologische Astrologie, zu der Patrick und Roy meinen, sie sei sonst mehr wissenschaftlich als wahrsagerisch, ist in Wirklichkeit keines davon. Sie hat eine nähere Beziehung zur neoplatonischen, hermetischen und kabbalistischen Astrologie, und beruht mehr auf der Idee der symbolischen Synchronizität als auf dem, was die Wissenschaft als wirkende Kausalität bezeichnet. Und welchen Denkansatz auch immer hier jeder von uns hier verfolgt und mit dem er sich am wohlsten fühlt, obwohl wir solche Aussagen wie „Dieser Saturn Transit mach mich wirklich müde und depressiv !“ machen, ist es unwahrscheinlich, dass auch nur einer von uns tatsächlich daran glaubt, dass ein riesiger Klumpen aus Stein und Gasen, der durch den Weltraum rast, uns wirklich dazu bringt, irgendetwas zu fühlen.

Es scheint, dass je mehr wir uns weiterentwickeln, wir uns mit umso weniger Gewissheit auf das Studium und die Praxis der Astrologie verlassen können. Diskussionen über technische Belange wie Haus-Systeme, Erhöhungen der Planeten und ihre Fälle, Aspekte die „außerhalb der Zeichen“ sind , „alte“ gegen „neue“ Herrscher, Methoden der Voraussage, oder ob man den natalen oder den Relokationsaszendent bei Solaren verwenden sollte, können nur durch das Experimentieren gelöst werden und durch die Erkenntnis, das die Menschen viele verschiedene Ebenen durch viele verschiedene „Beleuchtungen“ des Himmels umfassen können. Sorgen über die jüngste starke Vermehrungen der Himmelskörper oder die astronomische Degradierung solcher Planeten wie Pluto zum Status eines „Zwergplaneten“, sind nur Sorgen, wenn wir auf eine absolute Doktrin hoffen, die uns ein für alle Mal sagt was wahr ist und was nicht. Solch eine Doktrin bleibt uns versagt, und wir haben nur die Erfahrung und das Experimentieren, um uns uns darauf zu verlassen, wie wir herausfinden, wo und wie jeder von uns in der Lage ist, am besten zu arbeiten. Die Bestrebungen, herauszufinden, welche Art der Astrologie „wahr“ oder „falsch“ ist, ist ein Unternehmen, dass nur Erfolg haben kann wenn wir glauben , „wahr“ und „falsch“ seien Absoluta die unsere eigenen einzigartigen persönlichen Überzeugungen reflektieren, und nicht die pluralistischen und mehrdimensionalen Visionen des Lebens, die die Menschen en masse untereinander teilen.
Obwohl unser System der Symbole seine Struktur für über 2 Jahrtausende bewahrt hat, liegt es in seiner Natur, nicht nur irgendeine mysteriöse und unaussprechliche Kraft zu reflektieren, sondern auch, um sich anderen, auch widersprechenden Interpretationen zu nähern, die von bestimmten Individuen und Kulturen in bestimmten Zeiten als „wahr“ erlebt werden.

Der Mangel an Gewissheit kann in Ängstlichkeit resultieren, und Ängstlichkeit resultiert in einer Suche nach einer einzigen Wahrheit, die es uns erlaubt , klare, sachliche schwarz - weiss Entscheidungen zu treffen. Obwohl uns das anscheinend Sicherheit gibt, ist das die Basis des Fundamentalismus, welcher schon immer eine charakteristische menschliche Antwort auf den Schrecken war, Gewissheit zu verlieren. Und Fundamentalismus, wie wir alle nur zu gut im Bereich der Religion sehen konnten, brütet Intoleranz und Hass aus. Wir können einen Wert in hellenistischen Techniken finden oder in neu gefundenen Himmelskörpern, oder uns für weissagerische psychologische Denkansätze einsetzen, oder für deterministische oder mechanische, oder poetische oder religiöse, oder einen Denkansatz, der aus einem komplexen Mix dieser Allen besteht, oder keinem davon. Am wichtigsten ist, dass wir in der Lage zu erkennen sind, dass Astrologie schon immer viele „Astrologien“ beinhaltete, und dass jeder von uns die Eine finden muss, die unsere tiefsten Sehnsüchte reflektiert und uns ein Vehikel für unsere eigenen speziellen Talente zeigt. Vielleicht das Kreativste überhaupt, was Astrologen tun können, ist die Astrologie und den Lebensstil zu finden, welcher am meisten das reflektiert, was wir als Individuen sind, und diesen mit soviel Intergrität und Können anzuwenden wie es nur möglich ist, mit dem Respekt vor den Sichtweisen derer, die, als verschiedene Individuen, unvermeidlich eine andere Astrologie sehen, die genau soviel Gültigkeit besitzt.

Zum Schluss kommend, möchte ich Rupertis Zitat formulieren: Er schrieb:

"Es gibt keine Astrologie, die sich festlegen lässt. In jeder Epoche der Menschheit war die Astrologie eine Reflektion des Systems, die die Kultur der jeweiligen Zeit in dem Lauf der Sterne sah, oder die Art der Beziehung, die diese Kultur zwischen Himmel und Erde gestaltete."

Ich würde es wie folgt umformulieren: 

"Es gibt keine Astrologie, die sich festlegen lässt. In jeder Epoche der Menschheit war die Astrologie eine Reflektion des Systems, die die Kultur der jeweiligen Zeit in dem Lauf der Sterne sah, oder die Art der Beziehung, die diese Kultur zwischen Himmel und Erde gestaltete. Sie ist auch eine Reflektion der angeborenen Temperamente des Individuums - unseren Hoffnungen, Sehnsüchte, persönlichen Geschichte, Konflikte, Ängste, Talente und Überzeugungen, bewusst wie unbewusst - und eine Reflektion der Einstellung und Wahrnehmung , die jeder von uns in die Geschichte unseres individuellen Leben mit einbringt."
 

Vortrag von Liz Greene an der Astrological Association Conference, Sept. 2008


1.) Ruperti Alexander, ‘Dane Rudhyar: Seed-Man for the New Era’ in The Astrological Journal, Vol. 32, No. 2 (Spring 1986), p. 57.

2.) Feher, Shoshanah, ‘Who Holds the Cards? Women and New Age Astrology’, in Lewis, James R. and Gordon Melton, Perspectives on the New Age (Albany: State University of New York, 1992), p. 188.

3.) Campion, Nicholas, ‘Prophecy, Cosmology and the New Age Movement: The Extent and Nature of Contemporary Belief in Astrology’ (PhD Thesis, Bath Spa University, 2003), pp. 241-243.

4.) Sasportas, Howard, The Twelve Houses

5.) Harvey, Charles, ‘Alan Leo’, in Brau, Jean-Louis, Helen Weaver, and Allan Edmunds, Larousse Encyclopaedia of Astrology (New York, NY: Plume Books, 1982), pp. 168-69.

6.) Rudhyar, Dane, My Stand on Astrology (Palo Alto, CA: The Seed Center, 1972), pp. 30-31.

7.) James, William, etc. Willis, Roy and Patrick Curry

 

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