Der
späte Alexander Ruperti, der für das "Astrologische Journal"
im Jahr 1986 einen Artikel über Dane Rudhyar beisteuerte, schrieb:
"Es gibt keine Astrologie, die sich festlegen lässt. In jeder Epoche der Menschheit war die Astrologie eine Reflektion des Systems, das die Kultur der jeweiligen Zeit in dem Lauf der Sterne sah, oder die Art der Beziehung, die diese Kultur zwischen Himmel und Erde gestaltete." [1]
Es lohnt sich,sich diese Behauptung zu merken und jedes mal zu
wiederholen, wenn wir versuchen, die Natur der Astrologie die wir
praktizieren, aufgrund unseres individuellen Glaubenssystems oder Weltbildes
zu definieren.Die Neigung des jeweiligen Astrologen formt die Definitionen
und Ausdrücke der Astrologie stärker
als der Kontext der Kultur (und Subkultur) in der wir leben, praktisch
und philosophisch. Astrologie kann nicht durch ein theoretisches System
erklärt
werden. Sie muss muss im Verhältnis eines bestimmten religiösen,
philosophischen, sozialen und politischen Hintergrunds betrachtet werden.
Genauso wichtig ist es, dass man sie im Spiegel der Sichtweise eines
bestimmten Praktizierenden betrachtet, der in einem bestimmten Milieu
an einem bestimmten Ort , in einer bestimmten Dekade eines bestimmten
Jahrhunderts arbeitet. Heute, im Gegensatz zu unseren mittelalterlichen
Kollegen, haben wir die Wahl zwischen zahlreichen religiösen,
sozialen und politischen Ansichten, unter denen wir wählen können,
ohne gleich die Angst haben zu müssen, auf dem Scheiterhaufen
verbrannt zu werden. Es wird für jeden von uns zunehmend fragwürdiger,
die "einzig wahre Astrologie" zu finden, die uns eine absolute spirituelle
und ideologische Sicherheit bietet , während sie andersgläubige
Astrologen als „inkorrekt“, „schlecht“ oder „falsch“ entlarvt.
Jetzt möchte ich Ihnen die Resultate von zwei Befragungen zeigen,
die von Astrologen für Astrologen gemacht wurden. Diese Befragung
hebt sowohl das wichtige Thema des Individuums hervor als auch dass
der kulturellen Unterschiede.
- Als eine Form der Heilkunst 92%
- Als ein psychologisches Werkzeug 99%
- Als Teil einer "metaphysischen Religion" 61%
- Als Verbindung mit "anderen esoterischen Lehren" 25%
In einer Abhandlung unter dem Titel „Wer hat die Karten in der
Hand? Frauen und New Age - Astrologie“, veröffentlicht in
einer Sammlung von Essays unter dem Namen „Betrachtungen des
New Age“, hat Shoshanah Feher eine Gruppe von Astrologen an einer
amerikanischen Astrologie - Konferenz befragt. Sie befragte sie dazu,
wie sie die Astrologie sehen, und wir können
vermuten dass sie - oder wir - sie so betrachten, wie sie - oder wir
- sie praktizieren.
Die Geisteshaltungen, Einstellungen und Motivationen deuten an, wie
die unterschiedlichen Aspekte des Horoskops von einzelnen Astrologen
gedeutet werden. 92% der Befragten verstanden die Astrologie als eine
Art Heilkunst, 99% sahen sie als ein Werkzeug der Psychologie. 61% verbanden sie mit
einer „metaphysischen Religion“ welche
eine bestimmte Glaubensrichtung, z.B. die Theosophie, den Neoplatonismus,
den Buddhismus oder den modernen Paganismus suggeriert, während
25% angaben, dass sie ihre Astrologie mit verschiedenen spirituellen
Richtungen kombinierten, z.B mit Yoga, Meditation oder rituellen Praktiken.[2]
Auch ist die Befragung durch das kulturelle Milieu begrenzt, weil
sie an einer amerikanischen, anstatt an einer britischen, deutschen,
französischen, schweizerischen, slowenischen, russischen, italienischen
oder dänischen Konferenz gemacht wurde. Die Prozentzahlen würden
in verschiedenen Ländern verschieden ausfallen, sogar in verschiedenen
Regionen eines einzelnen Landes, weil keine Nation eine homogene Kultur
hat.
Darüber hinaus sind Feher`s Kategorien sehr einfach und begrenzt,
und jeder von uns könnte ganz einfach und kunstvoll nuanciertere,
differenziertere und anspruchsvollere Definitionen vorschlagen. Seit
1992, als die Befragung gemacht wurde, haben sich die Definitionen
der Astrologie
unvermeidbar verändert. So wie die äußeren
Planeten die Tierkreiszeichen verändert haben,
hat sich die Welt um uns herum geändert, neue Paradigmen, die
die Astrologie beeinflussten, haben sich herausgebildet, nicht weniger
als in der Mode, der Musik, der Literatur und der Kunst. Neue Definitionen
und neue Terminologien- oder die viel älteren, die sich als erste
in vielen Dekaden oder sogar Jahrhunderten herausbildeten - sind den
astrologischen Diskurs eingegangen, um bereits bestehende Definitionen
zu ergänzen, während
manche Definitionen, die in der Zeit in Mode waren, von vielen Astrologen
nicht mehr ernst genommen werden. In einem anderen Jahrzehnt wird unsere
Wahrnehmung der Astrologie wieder anders sein. Dennoch, trotz der Eingrenzungen
dieser Befragung, demonstriert Feher`s Arbeit in einer klaren, einfachen
und unbestreitbaren Art die große
Vielfalt, die in der astrologischen Gemeinschaft existiert.
- Glauben an die Reinkarnation: 78%
- Glauben an das Karmagesetz: 63.5%
- Glauben an ein Höheres Bewusstsein: 52.2%
In seiner Dissertation unter dem Titel „Weissagung, Kosmologie und die New Age Bewegung“ für die Bath Spa University, stellte Nick Campion eine Vielzahl an anspruchsvolleren Fragebögen vor, um das Wesen des Glaubens und die Ansichten der Astrologen über Ihre Forschungen zu ermitteln.[3] Die Teilnehmer wurden eingeladen, mehrere Antworten anzukreuzen; sie hatten die Möglichkeit, die Astrologie differenzierter zu definieren, als nur auf nur eine Antwort beschränkt zu sein. Die Fragebögen untersuchten die religiöse Zugehörigkeit der Astrologen, ihre religiöse Erziehung, Verhalten und Einstellungen.Er fand heraus, dass 78% der Astrologen, die seine Fragebögen beantwortet haben, an Reinkarnation glaubten; 64% glaubten an das Karmagesetz; und 52% glaubten an ein „höheres Bewusstsein“. Obwohl Statistiken für gewöhnlich von skeptischen Soziologen mit der Absicht genutzt werden, die Astrologie zu entlarven, und demzufolge viele Astrologen Statistiken richtigerweise misstrauen, wurden diese hier nicht eingesetzt , um die Gültigkeit der Astrologie zu beweisen oder zu widerlegen. Sie untersuchen die Mannigfaltigkeit der Ansichten und Verhaltensweisen innerhalb der astrologischen Gemeinschaft und dienen in hohem Masse unserem Verständnis der äußerst individuellen Natur von astrologischer Theorie und Praxis.
Wir alle haben eine bestimmte
spirituelle oder religiöse Ansicht,
sogar, wenn diese Ansicht Atheismus ist. Atheismus selbst ist eine
Art der Religion, weil sie einen positiven Glauben der Nichtexistenz
von irgendwelchen göttlichen oder heiligen Elementen einschließt.
Ein sehr gutes Beispiel ist Richard Dawkins, der durch seine Bestrebungen,
die Religion auszumerzen, alle Charakteristika eines fanatischen religiösen
Reformers aufweist.Unsere religiösen Ansichten werden unvermeidlich
die Art und Weise verfärben, wie wir den Zweck der Astrologie verstehen,
und deswegen verfärben sie die Art, mit der wir dem Klienten unsere
Interpretationen präsentieren - sogar wenn der Klient eine ganz
andere religiöse Sichtweise hat als wir selbst. Religiöse oder
spirituelle Ansichten sind eng mit unserer Moral verbunden, unserer Ethik,
und der Art, wie wir unser Leben leben und sehen. Wenn wir unseren Klienten
beraten, dann ist dieser Rat - sogar wenn wir einen Kraftakt aufbringen,
ihm einen „nicht-Rat“ zu
bieten – bedingt durch unsere eigenen moralischen und ethischen
Prioritäten.
| England (AA Konferenz) | USA (UAC Konferenz) | |
| - Als eine Wissenschaft - Als eine "göttliche Wissenschaft" - Als ein psychologisches Werkzeug - Als eine Form der Weissagung - Als eine Religion - Als ein Weg des spirituellen Wachstums - Als eine Form der Beratung - Als eine Form der Heilkunst - Als ein Hilfsmittel zur Prophezeiung |
24.5% 42% 64.8% 33.3% 6.9% 66% 57.8% 53.4% 42% |
36.1% 52% 60.5% 40.1% 7.9% 55.9% 65.1% 57.9% 43.4% |
Wie Shoshanah Feher, hat Nick auch einen Fragebogen herausgebracht,
wie Astrologen ihre Astrologie verstehen. Sein Fragebogen ist detaillierter
und offenbart mehr. Er führte seine Befragung mit zwei Gruppen
von Astrologen durch– eine
an der UAC Konferenz in Amerika, und eine an der AA Konferenz in England.
Die Unterscheide zwischen amerikanischen und britischen Astrologen,
die auf dieselben Fragen antworteten, obwohl sie untereinander niemals
rigoros im Konflikt gewesen, sind faszinierend, genauso wie die verschiedenen
Betrachtungsweisen, die individuelle Astrologen über ihre Kunst
halten. Unter beiden, amerikanischen wie englischen Astrologen, sah der
größte
Prozentsatz die Astrologie als ein Werkzeug der Psychologie (65% der
Engländer, 61% der Amerikaner), oder als einen Weg des spirituellen
Wachstums (66% der Engländer, 56% der Amerikaner), oder als
beides (die Leute konnten so viele Antworten ankreuzen, wie sie wollten).
Eine ähnliche Anzahl (58% der Engländer, 65% der Amerikaner)
verstanden die Astrologie als eine Art der Beratung. Mehr Amerikaner
(40%) als Engländer (33%) definierten die Astrologie
als eine Form der Wahrsagerei. Überraschende 36% der Amerikaner
(aber nur 25% der Engländer) sehen die Astrologie als eine Wissenschaft,
aber 52% der Amerikaner und 42% der Engländer verstehen sie als
eine „himmlische Wissenschaft“. Seit der Antike bis zur
modernen Welt gaben die meisten Astrologen diese Definition an; von
Dorotheus von Sidon im
1. Jahrhundert über Ptolemäus im 2
Jahrhundert, und Paulus Alexandrinus und Hephaitos von Theben in der
späten Antike, über den arabischen Astrologen Al Kindi im
9. Jahrhundert und den jüdischen Astrologen Avraham Ibn Ezra im
12. Jahrhundert, bis Bonatti im 16 Jahrhundert und Placidus und William
Lilly im 17. Jahrhundert, bis zu Alan Leo im 20. Jahrhundert, von
dem das meiste der Astrologie des 20. Jahrhunderts entsprang (wir werden
uns später näher mit ihm beschäftigen). Eine kleine Anzahl
der Astrologen, die Nick`s Befragung mitmachten, verstehen die Astrologie
als eine Religion. 58% der Amerikaner
und
53% der Engländer nehmen sie als eine Heilkunst wahr, während
eine große Anzahl der Astrologen – 42% der Engländer
und 43% der Amerikaner – sie auch als ein Mittel der Vorhersage
sehen.
Die Diskussion über die Definition der „wahren“ oder „echten“ Astrologie
in der astrologischen Gemeinschaft ist traurigerweise zerfallen. Von
einer aufrichtigen Debatte wandelte sie sich zu einer bösartigen
Attacke gegen jeden Astrologen, dessen Ansichten mit den spirituell
oder historisch erleuchteten Individuen, denen der Kosmos die „Einzig
Wahre Offenbarung“ beschert hat, nicht übereinstimmten.
Obwohl diese Art der übertriebenen Feindseligkeit mehr über
die persönlichen Angelegenheiten deren aussagt, die an dieser
Polemik beteiligt sind, als über die Natur der Astrologie, so
sind diese Debatten an sich nichts Neues.
Verschiedene astrologische Schulen und philosophische Überlegungen lagen in offener Streitigkeit, seit die hellenistische Astrologie sich in den letzten Jahrhunderten vor Christus entwickelte. Die Astrologie stand niemals still, sondern torkelte von einem Paradigma zum anderen. Sowohl von den Praktizierenden als auch von den Kritikern wurde sie wechselnd als Wissenschaft, Kunst, Wahrsagerei, Schamanismus, Handwerk, astrale Magie, Philosophie, Religion, Psychologie und poetische Metapher betrachtet.Ob der Himmel mechanisch oder von Gottheiten bewohnt und geschaffen ist, und ob die Zukunft komplett oder nur geringfügig vorhersagbar ist, diese Ansichten lassen Raum für Interpretationen, welche auf religiösen Ansichten, kulturellen Ausrichtungen und individuellem Temperament des Astrologen bezogen sind. Historisch gesehen demonstriert die Astrologie die enorme Fähigkeit, eine stabile Tradition der Symbolik zu bewahren, während sie sich an eine enorme Vielfalt von kulturellen Umfeldern und sogar an eine noch größere Vielfalt der individuellen Anschauungen und Praktiken anpasst.
Als Beispiel werden wir eine bestimmte astrologische Konstellation
aus der Sicht verschiedener Astrologen zu verschiedenen Epochen betrachten.
Je weiter wir in der Geschichte zurückgehen, umso weniger scheint
die Interpretation individuell zu sein. Der ausgedehnte kulturelle
Kontext scheint in den Milieus, wo Theokratie oder ein universelles
religiöses System wie die mittelalterliche Kirche besonders machtvoll
ist, zu dominieren. Die Konstellation die ich untersuchen möchte,
ist Mars im achten Haus, welche über die Jahrhunderte eine eher
einen schlechten Ruf genoss.
Geburtshoroskop: innen. Transite zum Zeitpunkt des Todes: außen
Das ist das Horoskop von Prinzessin Diana, die mit Mars in Jungfrau im achten Haus geboren wurde. Das Geburtshoroskop, nach Placidus erstellt - eines der vielen gültigen, aber unterschiedlichen Häuser - Systemen, die derzeit in Gebrauch sind - ist im Inneren, während die Transite zum Zeitpunkt von Dianas Tod außen gezeigt werden.

Der erste Astrologe, den ich zitieren werde ist Vettius Valens, der
im 2. Jahrhundert nach Christus arbeitete. Er hätte keine Placidus
Häuser verwendet, sie waren zu dieser Zeit noch nicht erschlossen.
Er hätte wahrscheinlich die Ganzzeichenhäuser verwendet,
und Mars wäre dann im zehnten Haus. Dennoch, das Ziel dieser
Aufgabe besteht nicht darin, einen Beweis für die Überlegenheit
eines bestimmten Häusersystems
zu finden, sondern darin, die verschiedenen Interpretationen einer
astrologischen Konstellation zu untersuchen. Jeder, der mit diesem
Beispiel unzufrieden ist, kann gleichermaßen das Horoskop von
John F. Kennedy in Betracht ziehen, der Mars in Stier im achten Haus
hatte, sowohl mit Placidus - als auch mit dem Ganzzeichenhäuser – System. Vettius
Valens sagt uns in seiner Anthologie, IV.12:
„ Das achte Haus: Tod, Gewinn durch Todesfälle, Gerichtsverfahren , Schwächen....Wenn der Übeltäter alleine steht [und Mars wäre dann alleine im achten Haus mit dem nördlichen Mondknoten, da Uranus und Pluto zu Valens` Zeiten unbekannt waren], nimmt der Native Beschuldigungen des Mordes auf sich, oder bringt sich unbewusst in Situationen, die für ihn selbst gefährlich sind.“
Julius Firmicus Maternus war ein Christlicher Astrologe, der im vierten Jahrhundert nach Christus zur Zeit der Herrschaft der Christlichen Kaisers Constantin lebte. In seiner Mathesis, geschrieben im vierten Jahrhundert, ist er weit mehr fatalistisch als Valens:
„Alleine in diesem [achten Haus],prophezeit er [Mars] Armut,
Schwierigkeiten, Fieber, Aufstände,Revolutionen, Gefahren. Wenn
aber der Mond sich im zweiten Haus vom Aszendenten befindet, wird
das einen gewaltsamen Tod verursachen.“
Der Mond in Diana`s Horoskop, ist, wie wir sehen können, in
der Tat im zweiten Haus, wenn man das Placidus System verwendet, obwohl
Firmicus entweder die Ganzzeichenhäuser benutzt hätte oder
ein Acht-Häuser-System, das in der Antike bekannt war. Seine
tief deterministische Herangehensweise dauert an durch das Mittelalter
- im zwölften Jahrhundert gibt Avraham ibn Ezra zum Beispiel
an, dass Mars im achten Haus anzeigt; „getötet oder von
Tieren verschlungen zu werden“.
Diese Herangehensweise an Mars im achten Haus dauert bis in das
15.
Jahrhundert an, wie wir im Opulscum Astrologicum von Johannes
Schöner
sehen können :
„
Wenn der Übeltäter sich im achten Haus befindet, wird die
Art des Todes durch seinen Signifikator angezeigt... Wenn Mars sich
in einem Erdzeichen befindet,[wird er sterben] durch einen Unfall oder
Absturz.“
Wir finden keine große Veränderung im 20. Jahrhundert, sogar
durch den steten Einfluss der Theosophie, von der aus sich die „moderne“ spirituelle
Astrologie herausbildete.
Überraschenderweise zeigt Alan Leo, der sich
für gewöhnlich
mit Methoden befasste, die „nicht voraussagend“ waren,
sondern eher mit Methoden, die persönlichen Eigenschaften und
spirituelle Entwicklungsmöglichkeiten hervorhebten, und dessen
Horoskop wir uns später anschauen werden, einen ähnlichen,
auch wenn etwas milderen Determinismus an, als er uns in How to
judge a Nativity in Kenntnis setzt:
„ Mars im achten Haus zeigt den
Hang eines gewaltsamen oder plötzlichen Todes an.“
Das Wort „Hang“ ist hier signifikant, da es einen Umstand
impliziert, der eher potenziell anstatt vorherbestimmt ist. Sepharial,
der gleichermaßen mit der theosophischen
Tradition arbeitete, gibt an:
„ Mars im achten Haus: Der Ehepartner verausgabt den Nativen,
geht an dessen Substanz; Kampf um den Besitz der verstorbenen Personen,
Gefahr eines gewaltsamen Todes.“
Noch einmal, das Wort „Gefahr“ weist auf die Möglichkeit - ganz egal wie gering - mehr als nur einer Option.
Andererseits geschieht in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine sehr
bedeutsame Veränderung, eventuell reflektiert diese die gesteigerte
Säkularisation sowie die wachsende Betonung der Individualität,
eher als die starr festgesetzten sozialen Rollen. Der Schwerpunkt, der
eher auf dem Potenzial als auf vorhersagbaren Ereignissen liegt, ist
offensichtlich bei Margaret Hone, die im „Modern
Textbook of Astrology“ in Bezug auf Mars im achten Haus
folgendes aussagt:
„Die Sexualität hat hier große
Bedeutung. Interesse an Übersinnlichem, Chirurgie und Psychologie
fesseln den Geist“.
Hier wird er Tod nicht erwähnt. Das ist teilweise wegen einer
betretenen Besorgnis unter den Astrologen, den Determinismus früherer
Paradigmen auszudrücken - und, nach den
Verwüstungen der beiden Weltkriege, ein wachsender Widerwille
gegen die Akzeptanz der Tatsache, dass eines Tages jeder von uns sterben
muss. Aber es könnte auch
auf die Veränderung unserer Sichtweise der Natur des Menschen,
des Lebens und die Macht der Wahl zurückzuführen sein. Je
stärker die religiöse Neigung des Astrologen ist, so
scheint es, umso größer ist die Tendenz, sich auf den Determinismus
zu konzentrieren. Es spielt keine Rolle ob er durch einen gigantischen
patriarchalischen Gott auferlegt wurde, oder durch den Einfluss der
Planeten, oder, als ein Fundament der Seelenreise zur Entwicklung,
die Unvermeidbarkeit der karmischen Belohnungen und Strafen reflektiert.
Wenn wir nun bei Dane Rudhyar ankommen, dessen Horoskop wir uns später
anschauen werden, kriegen wir eine Sichtweise geboten, deren Schwerpunkt
sich auf das menschliche Potenzial zur Transformation konzentriert.
Sie reflektiert nicht nur den Zeitgeist des so genannten „New
Age“, sondern auch das Horoskop des jeweiligen Astrologen.
In Rudhyar`s „Die Astrologischen Häuser“ deutet Mars
im achten Haus an,
„.. wie eine Person am besten und realistischsten
an die Beschränkungen und Chancen herangehen kann, die daran beteiligt
sind, seine Beziehungen erfolgreich zu gestalten. Durch die Beziehung
wird das Individuum eine wertvolle Transformation des Selbst erleben
und wird imstande sein, Erkenntnisse von solcher Tiefe zu erreichen,
die es alleine niemals hätte erreichen können.“
Und schließlich können wir Howard Sasportas das
letzte Wort überlassen,
der in „Die zwölf Astrologischen Häuser“ seine übliche
subtile Ironie zeigt:
„Der skorpiongeborene Dylan Thomas schrieb: {Geh nicht sanft in diese Nacht hinüber} Im Tod und in Verwandlungen auf physischer oder seelischer Ebene wird Mars im achten Haus meist diesem Rat folgen.“[4]
In diesen Beschreibungen sehen wir eine Reflektion der Veränderung
von kulturellen Paradigmen. In historischen Epochen und Kulturen, in
denen das Universum von himmlischen Wesenheiten bevölkert wurde,
die mächtig und rätselhaft waren, war das Schicksal eine
unentwirrbare Dimension der Astrologie, obgleich durch magische Rituale
und Besänftigung verhandelbar. Valens, einer der ersten Astrologen
die ich zitiert habe, zeigt einen ungewöhnlichen Hang zur Psychologie,
als er meint, das Individuum selbst „bringt sich unbewusst in Situationen,
die für ihn
selbst gefährlich sind.“
Sowie wir die Ära der christlichen Theokratie betreten, wird das
unstete Schicksal durch ein göttliches Uhrwerk, den Kosmos, zu
Gottes Instrument, und Mars im achten Haus kann nur eine mögliche
Folge haben. Je mehr wir uns auf die Moderne hinbewegen, umso weniger
werden die astrologischen Texte von bestimmten religiösen Ansichten
bestimmt, und umso klarer kommt die Persönlichkeit des jeweiligen
Astrologen zum Vorschein. In unserer post-modernen Ära haben wir
die Möglichkeit zwischen einer Vielzahl
an Betrachtungsweisen, welche die wachsende Erkenntnis reflektieren, dass,
wie Jung es ausdrückt: „man das erkennt, was man selbst am Besten
erkennen kann“
Jetzt möchte ich näher auf die Wege eingehen, in denen jeder von
uns erkennt, „was man am besten selbst erkennen kann“, und zwar
mit einer kurzen Erkundung der Horoskope von den drei kreativsten Begründern
der modernen Astrologie.

Das ist das Horoskop von Alan Leo, aka William Frederick Allan. Leo wird generell als der Gründervater der modernen Astrologie gesehen, und der größte Teil der heute praktizierten Astrologie entstand aus seinen Bestrebungen, das zu verbreiten, was Charles Harvey „eine philosophisch intakte und spirituell orientierte Astrologie, die eher zur psychologischen Analyse verwendet werden könnte als zur Prognose“ nannte.[5]
Obwohl Leo unverhohlen ptolomäisch ist, wenn er von Einflüssen
spricht, als ob die Planeten kausale Faktoren wären, ist seine
Art der Astrologie nichtsdestotrotz evolutionär und spirituell
wenn er sagt:
„Ich
glaube, dass die Seele der Menschheit unsterblich oder immer fortwährend
ist... Ich glaube, jeder Mensch gehört einem „Stern“ im
Himmel an... und ich bin davon überzeugt, dass jeder seine Willenskraft
durch den Einfluss der Planeten erlangt, die er nutzt oder benutzt,
durch die er seine Schattenseiten bewältigen und seine animalische
Natur kontrollieren kann. Demzufolge lehrt die Astrologie, dass der
Charakter das Schicksal ist.“
Leo`s Astrologie, wie auch andere Arten der Astrologie, reflektiert
ihr kulturelles Milieu: In diesem Fall ist es die Suche des späten
19. und des frühen 20. Jahrhunderts nach verborgenen Realitäten,
die von der Theosophischen Gemeinschaft verbreitet wurde und das „magische
Wiedererwachen“ um die Jahrhundertwende, genauso wie die Veröffentlichung
von Freud`s „Interpretation der Träume“ im
frühen
20. Jahrhundert, Jung`s "Symbole der Transformation“ und
William James` „Die Vielfalt religiöser Erfahrung“.
Astrologen
könnten auch die Konjunktion von Neptun und Pluto
in Zwillinge von 1891-92 als ein Zeichen dieser gewaltigen kulturellen
Veränderung interpretieren. Aber Leo`s Astrologie ist auch ein
Ausdruck einer unverwechselbaren Persönlichkeit. Leo`s Horoskop,
mit seiner machtvollen Betonung auf dem Feuerelement, seine Gewichtungen
des neunten und zwölften Hauses, seine Sonne - Jupiter Konjunktion
und das Mond - Jupiter Trigon, und sein exaktes Sonne - Neptun Halbquadrat,
suggerieren einen Mann mit einer spirituellen Mission. Leo war dazu
bestimmt, die Massen von der Astrologie zu unterrichten: er war ein
Prediger und Bekehrer von Natur aus, der in Wirklichkeit als ein Geschäftsreisender
arbeitete, bevor er selbst in seine esoterische und spirituelle Arbeit
eintauchte. Es steht außer Frage, dass er voll und ganz und intensiv
an die evolutionäre Spiritualität glaubte, die er verkündete.
Im 21. Jahrhundert gibt es Astrologen, die mehr oder weniger in ähnlicher
Weise für dieses Glaubenssystem
eintreten, und viele von ihnen leisten exzellente Arbeit mit einer
totalen Hingabe und Integrität.
Diese Art der Astrologie ist nicht
mehr oder weniger „richtig“ oder „falsch“ als
andere Methoden der Astrologie. Vielleicht ist das Wichtigste an Alan
Leo, dass seine Astrologie, obwohl in der Sprache der Theosophie gegliedert
und durch seine eigene Vision
des spirituellen Fortschritts an größere kulturellen Strömungen
verbunden, wahrhaftig und zutiefst auch seine eigene ist.
Als nächstes möchte ich kurz auf die Astrologie und das Horoskop von Dane Rudhyar eingehen.

So definiert er „seine“ Astrologie:
"Ich
glaube an die Astrologie der Transformation... Meine Sicht orientiert
sich an der Möglichkeit, in jeder Person das Streben nach Selbsttransformation
zu entwickeln, die Befreiung aus soziologisch-kulturellen Mustern
zu erlangen und aus Strukturen der Vergangenheit auszubrechen
Der Glaube daran, dass in jedem Mann und in jeder Frau die Kraft schlummert,
größer sein zu können als sie es sind, kreativer und
freier zu sein, und sich zutiefst für die Transformation der Welt
einzusetzen, daran glaube ich. Ich hoffe das Göttliche, dass
in jedem schlummert, zu erwecken. Jede Person ist ein himmlisches
Wesen, wenn sie nur die Kraft und den Mut erlangt, die Wahrheit des
eigenen Selbst zu erkennen und zur ihrer Bestimmung und ihrem Platz
auf dieser Erde steht, indem sie die himmlische Anleitung befolgt,
die die Sterne ihr anzeigen." [6]
Rudhyar ist in seiner Betonung auf dem menschlichen Potenzial und
dem Verständnis des Menschenlos eng mit Leo verwandt. Sein religiöses
Engagement liegt in der bestimmten Form der Theosophie, und er sah
sich selbst als ein Verkünder oder Avatar des aufkommenden „New
Age“. Aber Rudhyar hat einen ganz anderen kulturellen Hintergrund.
Er war Franzose, kein Brite; in seinen Jugendjahren tauchte er knapp
vor
dem Ersten Weltkrieg in die selbstdarstellende künstlerische
und musische Subkultur von Paris ein, und er verbrachte die meiste
Zeit, in der er mit der Astrologie arbeitete, in Kalifornien. Dies umfasste
die Uranus-Pluto Konjunktion der 60-er Jahre und das Auftauchen des “New
Age“-Denkens. Rudhyar prägte den
Ausdruck „Transpersonale Astrologie“, koppelte verständig
ausgewählte Elemente der Jung`schen Psychologie in das, was ursprünglich
Alice Bailey`s theosophisches Bezugssystem der Seelenentwicklung war.
Er betonte die Möglichkeit der spirituellen Freiheit von den,
wie er es nannte; „sozio - kulturellen Muster der Vergangenheit“.
Das ist quasi - psychologische, quasi - spirituelle Astrologie, die
sich in der Sprache der New Age-Kultur im 20 Jahrhundert ausdrückte,
welche sich immer
noch als Inspiration für sehr viele Astrologen erweist, speziell
in den Vereinigten Staaten.
Rudhyars Horoskop reflektiert die Astrologie, die er praktizierte
und verkündete, weil seine Astrologie (wie auch die unsere),
das reflektiert „was wir am besten erkennen.“ Die
Sonne im dritten Haus in Widder suggeriert einen wegweisenden Pädagogen,
der Aszendent in Schütze, mit seinem Herrscher Jupiter in dem
Haus der Anderen (die Öffentlichkeit), betont seine Selbstwahrnehmung
als Avatar und Lehrer des spirituellen Wissens, und sein Chiron, nahe
am MC und in Opposition zur Sonne, spiegelt seine Belange an der Heilung
verletzter Seelen und die Befreiung von alten soziologischen und familiären
Mustern, daran hat ihm viel gelegen. Wie auch Alan Leo, ist er ein feuriges
Individuum mit Sonne - Jupiter und Mond - Jupiter Verbindungen, und
diese bestimmte Betonung könnte
die Konzentration auf die spirituelle Entwicklung reflektieren, welche
beide gemeinsam haben. Rudhyar hat eine größere Betonung des
Luftelements, die den Bedarf andeutet, eine individuelle Philosophie
zu entwickeln, ein
System von Ideen, die mit den Theosophischen Quellen verbunden, aber
nicht komplett von ihnen abgeleitet waren. Die Astrologie wurde von diesen
beiden Astrologen als ein spiritueller Weg und eine Quelle des Wissens
betrachtet, dass für alle zugänglich
sein sollte, und nicht als ein elitäres, überliefertes spirituelles
Wissen gesehen werden sollte.

Schließlich möchte ich das Horoskop von John Addey betrachten,
der uns mitteilt:
„Die
Astrologie besitzt ..... Aspekte, die über ihre Funktion der Prognose
hinausgehen. Um nur eine Sache zu benennen ; sie ist ein symbolisches
System einer höheren Ordnung. Zur Kontemplation über die Wahrheiten
der mystischen Philosophie kann dies eine sehr wertvolle Hilfe sein....
Wenn wir den Bereich der Symbolik betreten, öffnen wir das Feld
eines höheren menschlichen Bereiches von Gesetz und Intuition, und
zur Wissenschaft und Philosophie in ihrem wahren und wesentlichem Sinn.
Die wahre Praxis der Astrologie beruht darauf, die Symbolik des Nativen
zu lesen; eine gute Synthese beruht auf einer guten Analyse, und eine
gute Analyse beruht auf dem Wissen um die Gesetze und Prinzipien der
astrologischen Symbolik. „
Addey hatte eine Abneigung gegen den Gebrauch der Astrologie als Wahrsagerei,
und fand jede Art der Astrologie, die irgendwie die Führung einer
angeblichen größeren Macht anstrebte oder beschwörte,
geschmacklos. Eher betonte er eine besinnliche, philosophische Dimension
der Astrologie, als eine Theosophische Vision der nahenden New Age
Offenbarung zu verfolgen. Er fand seine Inspiration in der Harmonie,
der Ordnung, der Schönheit
und der Intelligenz des Kosmos, die so eloquent in der platonischen
Philosophie beschrieben wurde. Addey`s Horoskop, im Gegensatz zu dem
von Leo und Rudhyar, ist überwiegend durch das Element Luft geprägt.
Die Sonne, welche auch der Herrscher seines Horoskops ist, wie auch der
Mond,
sind in Zwillinge in einem Lufthaus (das 11. Haus), mit dem
intellektuellen Ästhetizismus einer Sonne - Venus Konjunktion
und dem innovativem Denken eines Mars - Sonne Trigons im Luftelement.
John
Addey hat niemals so viele Anhänger wie Rudhyar gewinnen können,
er bemühte sich auch nicht um die „Anpreisung“ der
Astrologie in der Öffentlichkeit, so wie Leo es tat. Seine Astrologie
reflektiert wie er sein Leben gelebt hat: Ein tiefer, selbst beobachtender,
rücksichtsvoller und ungemein nachdenklicher Mann, dessen Wahrheiten
nicht in der begeisterten Tradition von Rudhyar liegen, oder im religiösen
System von Leo, aber in der Perfektion der geometrischen Muster der
kosmischen Einheit, wie wir sie vom klassischen Griechenland kennen.
(Astrology, Science and Culture: Pulling Down the Moon)#
Eine interessante Diskussion über die „Unterschiede der Astrologischen Erfahrung“- eine Anspielung bezogen auf William James` bekanntes Werk des frühen 20. Jahrhunderts. „Die Unterschiede der religiösen Erfahrungen“- finden wir im Buch „Astrology, Science and Culture“ von Patrick Curry und Roy Willis.[7]
Die Autoren haben unvermeidlich ihre eigene individuelle Voreingenommenheit über die Astrologie, welche sie natürlich in ihrem Buch klarmachen. Wie auch immer, jeder von uns hat eine individuelle Tendenz, und die Kategorien, die von Patrick und Roy gezeigt werden, können hilfreich sein, uns auf die lange Geschichte der sich unterscheidenden Religionen und philosophischen Traditionen, von denen wir unser modernes astrologisches Wissen abzapfen, zu fokussieren. Dies sind fünf vereinfachte Kategorien - es gibt nur fünf - und ich denke da an welche, die nicht in ihrer Liste berücksichtigt wurden. Es gibt keine gemischten Kategorien, und ohne Zweifel könnte jeder von uns mit absoluter Rechtfertigung argumentieren, dass „unsere“ individuelle Astrologie nicht mal ansatzweise in eine der Kategorien von Patrick und Roy hineinpasst. Es wäre etwas grundlegend Falsches daran, wenn jede individuelle Betrachtungsweise zu ordentlich hineinpassen würde. Wie auch bei astrologischen Typologien, sind diese Klassifikationen dazu da, uns zum Nachdenken zu bewegen, zu diskutieren, und zu untersuchen, viel mehr als uns ein heiliges Regelwerk zu geben, um danach persönliche Wahrheiten zu definieren.
Die gegenwärtigen Definitionen der
Astrologie als Wahrsagerei - die Perspektive, die Patrick und Roy
vorziehen - sind im
antiken mesopotamischen Deutungen von Omina verwurzelt, und reflektieren
eine bestimmte kosmologische Sichtweise, die die Akzeptanz der
objektiven Realität und den „Willen der Götter“ zu
verhandeln, beinhaltet. Das stellt den Fokus der astrologischen Arbeit
auf das Voraussagen. In der heutigen Astrologie beinhaltet die
Beschäftigung mit
der Stundenastrologie viel mehr als die Bewegungen der Transite
und Progressionen über die natalen Positionen. Die mehr zum
Philosophischen tendierenden Ansichten der Astrologie - die neoplatonischen
und hermetischen Gedanken - umfassen komplexe
Bereiche wie die astrale und weiße Magie, in der kabbalistischen
Astrologie im Mittelalter sogar mit noch grösserer Betonung.
Diese Ansichten überschneiden sich zwar mit dem Gedanken der
Astrologie als Wahrsagerei, unterscheiden sich aber von ihr grundlegend.
Vor allen Dingen tendieren sie dazu, astrologische Konfigurationen
als Symbole eines vereinigten Kosmos anzusehen, und nicht als mechanische
Ursachen oder Repräsentanten einer Pluralität vom Himmlischen
Kräften. Die Idee der Übereinstimmung oder „Sympathie“ findet
sich in sowohl prophetischen als auch in Neoplatonischen / Hermetischen
Denkansätzen, aber letztere tendiert mehr „nach innen“,
was wir heute als im weitestem Sinne als psychologisch verstehen.
Das Bezugssystem, im 2, Jahrhundert CE durch Ptolemäus dargelegt, welches die Astrologie bis zur Renaissance dominierte und dann wieder bis zum 20. Jahrhundert, ist in der aristotelischen Vision des Kosmos als eine großartige Maschine verwurzelt, welche von einer Gottheit erschaffen wurde, die aber in einer systematischen, mechanischen Art und Weise durch Raum und Zeit funktioniert.
Das scheint eher eine kausale als eine synchrone Annäherung zu sein, näher verknüpft mit dem, was wir heute als Wissenschaft verstehen.
Aber das kann nicht so einfach sein, teilen uns Patrick und Roy mit. Es gibt eine komplexe gegenseitige Beziehung zwischen der Kausalität und der Synchronizität zwischen planetarischen Strukturen, menschlicher Persönlichkeit und äußeren Einflüssen. Alan Leo z. B. spricht davon als er meint, dass „Charakter das Schicksal ist“. Die so genannte wissenschaftliche Astrologie ist eher eine unzutreffende Bezeichnung, seit die Wissenschaft, wie sie von Astrologen vor der „Aufklärung“ verstanden wurde, vieles umschloss, was wir heute der Religion zuordnen. Daher bezeichneten so viele Astrologen ihre Arbeit als „himmlische Wissenschaft“; sie vertrauten auf der Berechenbarkeit der planetaren Bewegungen, und die Zuverlässigkeit der direkten Erfahrung. Beides Reflektionen dessen, was wir heute als die Methoden der Naturwissenschaften nennen könnten. Aber diese Astrologen erkennen die lebendige und miteinander verbundene Natur des Kosmos hinter diesem System , und die Verständigung des Menschen und allen Ebenen des Universums, materiell wie auch überirdisch. Lilly`s „Wissenschaft“, mit all ihren Regeln zur Berechnung der Stundenhoroskope, basiert immer noch auf einer Weltanschauung, die einen beseelten und einheitlichen Kosmos umschließt. Und fast jede statistische Untersuchung (ob sie nun dazu bestimmt ist, eine starrsinnige wissenschaftliche Gesellschaft zu überzeugen, oder ob sie „von Haus aus“ entwickelt wurde um unser eigenes Verstehen durch empirische Beweise zu erweitern) ist in diesem Sinne von einem beseelten Kosmos selten losgelöst, sogar wenn sie von einer offenkundigen religiösen oder spirituellen Terminologie frei ist. Psychologische Astrologie, zu der Patrick und Roy meinen, sie sei sonst mehr wissenschaftlich als wahrsagerisch, ist in Wirklichkeit keines davon. Sie hat eine nähere Beziehung zur neoplatonischen, hermetischen und kabbalistischen Astrologie, und beruht mehr auf der Idee der symbolischen Synchronizität als auf dem, was die Wissenschaft als wirkende Kausalität bezeichnet. Und welchen Denkansatz auch immer hier jeder von uns hier verfolgt und mit dem er sich am wohlsten fühlt, obwohl wir solche Aussagen wie „Dieser Saturn Transit mach mich wirklich müde und depressiv !“ machen, ist es unwahrscheinlich, dass auch nur einer von uns tatsächlich daran glaubt, dass ein riesiger Klumpen aus Stein und Gasen, der durch den Weltraum rast, uns wirklich dazu bringt, irgendetwas zu fühlen.
Es scheint, dass je mehr wir uns weiterentwickeln,
wir uns mit umso weniger Gewissheit auf das Studium und die
Praxis der Astrologie
verlassen können. Diskussionen über technische Belange wie
Haus-Systeme, Erhöhungen
der Planeten und ihre Fälle, Aspekte die „außerhalb
der Zeichen“ sind , „alte“ gegen „neue“ Herrscher,
Methoden der Voraussage, oder ob man den natalen oder den Relokationsaszendent
bei Solaren verwenden sollte, können nur durch das Experimentieren
gelöst werden und durch die Erkenntnis, das die Menschen viele
verschiedene Ebenen durch viele verschiedene „Beleuchtungen“ des
Himmels umfassen können. Sorgen über die jüngste starke
Vermehrungen der Himmelskörper
oder die astronomische Degradierung solcher Planeten wie Pluto
zum Status eines „Zwergplaneten“, sind nur Sorgen,
wenn wir auf eine absolute Doktrin hoffen, die uns ein für
alle Mal sagt was wahr ist und was nicht. Solch eine Doktrin bleibt
uns versagt, und wir haben nur die Erfahrung und das Experimentieren,
um uns uns darauf zu verlassen, wie wir
herausfinden, wo und wie jeder von uns in der Lage ist, am besten
zu arbeiten. Die Bestrebungen, herauszufinden, welche Art der Astrologie „wahr“ oder „falsch“ ist,
ist ein Unternehmen, dass nur Erfolg haben kann wenn wir glauben
, „wahr“ und „falsch“ seien Absoluta die
unsere eigenen einzigartigen persönlichen Überzeugungen
reflektieren, und nicht die pluralistischen und mehrdimensionalen
Visionen des Lebens, die die Menschen en masse untereinander teilen.
Obwohl
unser System der Symbole seine Struktur für über
2 Jahrtausende bewahrt hat, liegt es in seiner Natur, nicht nur
irgendeine mysteriöse und unaussprechliche Kraft zu reflektieren,
sondern auch, um sich anderen, auch widersprechenden Interpretationen
zu nähern, die von bestimmten Individuen und Kulturen in bestimmten
Zeiten als „wahr“ erlebt werden.
Der Mangel an Gewissheit kann in Ängstlichkeit resultieren,
und Ängstlichkeit resultiert in einer Suche nach einer einzigen
Wahrheit, die es uns erlaubt , klare, sachliche schwarz - weiss
Entscheidungen zu treffen. Obwohl uns das anscheinend Sicherheit
gibt, ist das die
Basis des Fundamentalismus, welcher schon immer eine charakteristische
menschliche Antwort auf den Schrecken war, Gewissheit zu verlieren.
Und Fundamentalismus, wie wir alle nur zu gut im Bereich der Religion
sehen konnten, brütet Intoleranz und Hass aus. Wir können
einen Wert in hellenistischen Techniken finden oder in neu gefundenen
Himmelskörpern, oder uns für weissagerische
psychologische Denkansätze einsetzen, oder für deterministische
oder mechanische, oder poetische oder religiöse, oder einen
Denkansatz, der aus einem komplexen Mix dieser Allen besteht, oder
keinem davon. Am wichtigsten ist, dass wir in der Lage zu erkennen
sind, dass Astrologie schon immer viele „Astrologien“ beinhaltete,
und dass jeder von uns die Eine finden muss, die unsere tiefsten
Sehnsüchte reflektiert und uns ein Vehikel für unsere
eigenen speziellen Talente zeigt. Vielleicht das Kreativste überhaupt,
was Astrologen tun können,
ist die Astrologie und den Lebensstil zu finden, welcher am meisten
das reflektiert, was wir als Individuen sind, und diesen mit soviel
Intergrität und Können anzuwenden wie es nur möglich
ist, mit dem Respekt vor den Sichtweisen derer, die, als verschiedene
Individuen, unvermeidlich eine andere Astrologie sehen, die genau
soviel Gültigkeit besitzt.
Zum Schluss kommend, möchte ich Rupertis Zitat formulieren:
Er schrieb:
"Es gibt keine Astrologie, die sich festlegen lässt. In jeder Epoche der Menschheit war die Astrologie eine Reflektion des Systems, die die Kultur der jeweiligen Zeit in dem Lauf der Sterne sah, oder die Art der Beziehung, die diese Kultur zwischen Himmel und Erde gestaltete."
Ich würde es wie folgt umformulieren:"Es
gibt keine Astrologie, die sich festlegen lässt. In jeder Epoche
der Menschheit war die Astrologie eine Reflektion des Systems, die
die Kultur der jeweiligen Zeit in dem Lauf der Sterne sah, oder die
Art der Beziehung, die diese Kultur zwischen Himmel und Erde gestaltete.
Sie ist auch eine Reflektion der angeborenen Temperamente des Individuums
- unseren Hoffnungen, Sehnsüchte, persönlichen Geschichte,
Konflikte, Ängste, Talente und Überzeugungen, bewusst wie
unbewusst - und eine Reflektion der Einstellung und Wahrnehmung , die
jeder von uns in die Geschichte unseres individuellen Leben mit einbringt."
Vortrag von Liz Greene an der Astrological Association Conference, Sept. 2008
1.) Ruperti Alexander, ‘Dane Rudhyar: Seed-Man for the New Era’ in The Astrological Journal, Vol. 32, No. 2 (Spring 1986), p. 57.
2.) Feher, Shoshanah, ‘Who Holds the Cards? Women and New Age Astrology’, in Lewis, James R. and Gordon Melton, Perspectives on the New Age (Albany: State University of New York, 1992), p. 188.
3.) Campion, Nicholas, ‘Prophecy, Cosmology and the New Age Movement: The Extent and Nature of Contemporary Belief in Astrology’ (PhD Thesis, Bath Spa University, 2003), pp. 241-243.















