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Harmonische Horoskope kann man sich als
Schwingungszyklen oder Obertöne vorstellen, die in jedem Horoskop
enthalten sind. Dabei wird der Tierkreis als Grundschwingung mit der
Zahl 1 aufgefaßt, der ganze Kreis von 360 Grad entspricht
somit einer einzigen Schwingung. Schickt man nun, bildlich gesprochen,
schnellere Schwingungen (mit höheren Frequenzen als 1) durch
den Kreis, so kann man untersuchen, welche Planeten eines Horoskops
"auf" diesen Schwingungen zu liegen kommen. So wären
z.B. bei der Schwingungszahl 4 alle jene Planeten "betroffen",
die im Radixhoroskop ein Quadrat zueinander bilden - diese Planeten
stehen im 4. Harmonischen Horoskop in Konjunktion.
Etwas vereinfacht kann man sagen, daß
die Harmonics eine wesentlich erweiterte und verfeinerte Aspektlehre
darstellen, wobei die verwendeten "Schwingungszahlen"
eine wesentliche Rolle spielen.
Zahlensymbolik der Aspekte
Die Aspekte werden als mehr oder weniger
günstige, ungünstige oder ambivalente Beziehungen der
Planeten untereinander gedeutet. Zwar hängt die Deutung auch
von der Natur der beteiligten Planeten ab, doch stützt sie
sich - bewußt oder unbewußt - in großem Maß
auf die traditionelle Symbolik der Zahlen 1, 2, 3 und 4: Teilt man
den ganzen Kreis, also 360°, durch 1, so erhält man wieder
360° bzw. 0° - den vorgeschriebenen Abstand einer Konjunktion;
bei der Teilung durch 2 ergibt sich 180°, der Abstand einer
Opposition; teilt man durch 3, so erhält man 120°, den
Abstand eines Trigons, und teilt man durch 4, so ergibt sich der
Abstand eines Quadrats, nämlich 90°.
Die 1 symbolisiert die Ureinheit alles
Bestehenden, und so erwartet man, daß zwei Planeten in Konjunktion
eine Einheit miteinander
bilden. Die 2 symbolisiert die Aufspaltung dieser Ureinheit z.B.
in männlich und weiblich, oben und unten, yin und yang usw.,
so daß zwischen zwei Planeten in Opposition sozusagen eine
Gegensatzspannung besteht (bis hierher liegt die Deutung dieser
Abstände auch ohne jede Zahlensymbolik
klar auf der Hand). Die 3 symbolisiert die kreative, auf eine Lösung
hin drängende Bewegung, die aus allen Gegensätzen entstehen
kann - These und Antithese führen schließlich zur Synthese;
dem entsprechend geht man davon aus, daß zwei Planeten in
einem Abstand von 120° zueinander sich gegenseitig fördern
und ergänzen, zumal dieser Abstand es fast immer mit sich bringt,
daß die betreffenden Planeten in Zeichen des gleichen Elementes
stehen (z.B. Mars in 10° Widder bildet ein Trigon mit Jupiter
in 11° Löwe, wobei sich beide Planeten in einem feurigen
Zeichen befinden). Die
4 schließlich symbolisiert die manifeste Materie, das ausgereifte
Gesetz, die gewordene Einheit, die sich nicht mehr bewegt; der entsprechende
Aspekt, das Quadrat, gilt dem entsprechend generell als problematisch,
als gegenseitige Sperrung der beteiligten Planetenkräfte.
Feinaspekte und Harmonics
Nach dem bisher Gesagten ist es naheliegend,
auch nach Kreisteilungen durch andere Zahlen zu fragen, z.B. durch
5, 6, 7, 8, 9 und 10. Bis hierher reichen auch die sogenannten Feinaspekte,
die von vielen Astrologen und Astrologinnen zur Deutung eines Horoskops
herangezogen werden - Quintil, Sextil (wird meist als Hauptaspekt
verstanden), Septil, Oktil, Nonil und Dezil. Allerdings können
diese Aspekte (und ihre Vielfachen) nur noch rechnerisch ermittelt
werden, und auch ihre Deutung ist bei weitem nicht so klar definiert
wie die der Hauptaspekte.
Hier bietet nun die Technik der harmonischen
Horoskope eine Lösungsmöglichkeit: Anstatt ein Horoskop
nach immer kleiner werdenden Feinaspekten abzusuchen, konzentriert
man sich auf jeweils eine bestimmte Kreisteilung, die zwar frei
wählbar ist (z.B. Teilung durch 9, durch 57 oder durch 228),
über deren symbolische Bedeutung man sich jedoch im klaren
sein sollte. Multipliziert man die Planetenpositionen eines Horoskops
mit der gewählten Zahl, z.B. 36, und trägt die so errechneten
Planetenpositionen wieder im Tierkreis ein, so erhält man das
36. Harmonic, eine Art "Hilfshoroskop", das dann als Grundlage
verschiedener Betrachtungen dienen kann.
Anwendung der Harmonics
Zunächst erkennt man sofort, welche
Planeten im Radixhoroskop den entsprechenden Abstand zueinander
(für den Beispielfall des 36. Harmonic sind dies 360° : 36,
also 10°) einnehmen, da diese Planeten im 36. Harmonic eine
Konjunktion bilden. Ferner könnte man beispielsweise davon
ausgehen, daß die Zahl 36 symbolisch für die Fähigkeit
zu detaillierten Problemlösungen einsteht: 36 = (2 x 2) x (3 x 3),
sozusagen eine potenzierte Form eines Gegensatzes und dessen Auflösung.
Dann würde das 36. Harmonic Aufschluß darüber geben,
wie der betreffende Mensch sich mit entsprechenden Aufgaben auseinandersetzt
und welchen Schwierigkeiten er dabei begegnet. Innerhalb des 36.
Harmonic können wiederum Hauptaspekte eingetragen werden, man
kann die Beziehungen zum Radixhoroskop untersuchen und auch Betrachtungen
zu Transiten über die Harmonic-Positionen anstellen. Schließlich
können aus dem 36. Harmonic auch Aussagen über das 36.
Lebensjahr eines Menschen abgeleitet werden, da ein Mensch dieses
Alters die Sonne zum 36. Mal umrundet und deshalb besonders sensibel
für diese Schwingungszahl ist.
Eine wesentliche Schwierigkeit bei
der Arbeit mit harmonischen Horoskopen besteht darin, zu bestimmen,
welches Harmonic sich für welche Fragestellung eignet bzw.
welche Symbolik den verschiedenen Zahlen beizulegen ist. In der
Praxis behilft man sich gemeinhin damit, die Zahlen auf Vielfache
solcher Zahlen zu reduzieren, deren Symbolik bekannt ist und als
gesichert gelten darf - siehe obiges Beispiel; auch die Bildung
von Quersummen und andere mathematische und numerologische Operationen
werden gern benutzt, um zu Aussagen über die Qualitäten
höherer Zahlenwerte zu gelangen. Theoretisch lassen sich zu
jedem Radixhoroskop beliebig viele harmonische Horoskope berechnen,
doch gerade diese Beliebigkeit gilt es zu vermeiden. Damit steht
man aber am Scheideweg zwischen dem Rückgriff auf eine ungewisse
Zahlenmystik oder umfangreichen vergleichenden Untersuchungen, die
eine systematische Auswertung erfordern.
Literatur
John M. Addey, Harmonics in Astrology, Fowler & Co. Das
maßgebliche Werk zu diesem Thema, mit ausführlichen Hinweisen
zu Berechnung, Deutung und Anwendungsmöglichkeiten der Harmonics;
bis heute nur in Englisch erhältlich.
Michael Harding u. Charles Harvey, Die Feinanalyse des
Horoskops, Astrodata. Die Einführung in die Harmonics (Teil
2 des Buches) ist gut verständlich, mit vielen Beispielen und
Zeichnungen, und bietet alle zur praktischen Anwendung nötigen
Voraussetzungen.
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