Astrologie der Entwicklung

Die Geburtssonne in den Quadranten des Horoskops

Raymond A. Merriman

Die Sonne ist der Mittelpunkt des Sonnensystems. Sie ist die Quelle der Energie, die alle Lebensformen auf der Erde erschafft und nährt, das Reich unserer physischen Existenz. Ohne die Sonne gäbe es kein physisches Leben in dem Sinne, wie wir es kennen. Die Zeit, wie wir sie einerseits mit der Drehung der Erde um ihre eigene Achse messen (Stunden, Minuten oder Sekunden), oder andererseits über die Bahn der Erde am Himmel (Tage, Monate, Jahreszeiten), ist das Ergebnis der Beziehung unserer Erde zur Sonne. Alle wichtigen Tätigkeiten des Lebens hängen von der Sonne ab. In unserem Universum ist sie der wichtigste Himmelskörper.

Astrologie der Entwicklung

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In der Astrologie steht die Sonne für Energie, für Lebenskraft, für schöpferischen Ausdruck. In der Astrologie der Entwicklung steht die Sonne für den natürlichen Weg der Seele hin zur Ganzheit und zur Erfüllung ihrer Aufgaben, sie steht also symbolisch für die Bestimmung, für das Schicksal der Seele. Die Stellung der Sonne im Geburtshoroskop verweist auf den natürlichen Weg der Entwicklung, auf die persönliche Entfaltung eines jeden Individuums. Wird dieser Weg bewusst gegangen, dann wird die Seele strahlender, dann ist sie stärker von Energie durchdrungen, ähnlich wie es einer Pflanze geschieht, wenn die Erde sich von der Dunkelheit zum Tageslicht dreht. Wenn die Sonne aufgeht, dann sehen wir, wie auch die Pflanze zum Leben kommt: Sie wird stark und kräftig während des Tages (sowie im Frühling und im Sommer), während sie sich nach Eintreten der Dunkelheit (und jahreszeitlich nach dem Sommer) zurückzieht und sich gleichsam nach innen wendet.

Die Grundidee des Horoskops als eines Archetyps für den natürlichen Tageslauf, wie im letzten Kapitel vorgestellt, können wir nun auf die vier Quadranten des Horoskops anwenden. So finden wir zu einem tieferen Verständnis des individuellen Weges, der die Seele mit Energie und Erleuchtung erfüllt. Es handelt sich um einen Weg, auf dem das Individuum der Bedürfnisse seiner Seele gewahr wird. Es ist ein Weg, auf dem die Seele mit ihrem Geist in Verbindung tritt, nämlich mit ihrer ureigenen schöpferischen Lebenskraft.

In der Astrologie der Entwicklung ist, wie auch in der traditionellen Astrologie, der erste Quadrant des Horoskops jener Abschnitt, in den die Häuser 3, 2 und 1 fallen. In der natürlichen Ordnung des Tages ist das die Zeit zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang – natürlich in Ortszeit gedacht. Die Sonne steht unter dem Horizont (Yin) und östlich des Meridians (Yang). Sie regiert also die „innere Welt“ und steht für diejenige Realität, in der das Individuum „Dinge ins Geschehen“ zu bringen vermag. In diesem Abschnitt des Tages nimmt die Dunkelheit ab. Im Fernen Osten bedeutet übrigens das Wort Guru: „derjenige, der die Dunkelheit vertreibt“.

Während sich die Erde von größerer Dunkelheit zu geringerer Dunkelheit bewegt, beendet der größte Teil der lebenden Organismen seinen Ruhezustand. Während dieser noch verbleibenden Ruhezeit bereitet sich das Leben auf die Aktivitäten vor, die bald in der Außenwelt anheben werden. Im vorigen Kapitel haben wir diesen Abschnitt des Lebenszyklus als Phase der „Schwangerschaft“ bezeichnet, wobei Schwangerschaft ein anderes Wort für Vorbereitung ist. Indem die Dunkelheit abnimmt, beginnt auch Wahrnehmung. In der natürlichen Ordnung des Tages wird man jetzt der Welt der Formen gewahr, die vor einem liegt. Man nimmt wahr, welche Rolle man in dieser Welt spielen wird, welche Interaktion in Kürze mit anderen beginnen wird.

Das ist der Zustand der Vorbereitung. Das ist in etwa die Zeit, die sich der Schauspieler nimmt, bevor sich der Vorhang hebt, die sich der Athlet nimmt, bevor der Wettkampf beginnt. In diesem Zustand braucht man ein gewisses Maß an Ruhe und Frieden, um all seine Kraft zu bündeln und um die eigene Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Es handelt sich damit um den Quadranten der Meditation und der Konzentration, der Vorbereitung und des Gewahrseins. Es ist jener Bereich, in dem man Stärke gewinnt, in dem man seine Kräfte konzentriert, die man nach der Geburt, nämlich nach Beginn einer Aktivität einsetzt. Je mehr Zeit und Sorgfalt man sich für diesen Prozess der Vorbereitung gibt, wenn man mit der Sonne in diesem Quadranten geboren ist, desto mehr Stärke und Selbstvertrauen gewinnt man.

Da dieser Quadrant das „Abnehmen der Dunkelheit“ symbolisiert, ist er auch der Quadrant der Intuition. Indem man seine Wahrnehmung mehr und mehr schärft, spürt man schließlich Dinge, bevor sie Form annehmen. Außerdem steht dieser Quadrant für einen Weg der Selbstbeherrschung. Da es sich um einen Quadranten handelt, der unterhalb des Horizonts ist (Dunkelheit), ist die Seele in ihrer Entwicklung auf sich selbst bezogen, da die Sonne im östlichen Teil des Himmels steht, also „zunehmend“, besteht der natürliche Ausdruck der Seele darin, Dinge zu schaffen, Dinge ins Geschehen zu bringen. Deshalb entwickelt sich diese Seele in diesem Leben am besten durch unmittelbare Erfahrungen. Der Mensch muss diese Erfahrungen allein machen, muss einen eigenen Lebensweg finden. Letztendlich ist man selbst sein bester Lehrer. Wahrscheinlich führt der Versuch, einen Meister oder Guru zu finden, nur zu Schwierigkeiten. Tiefes Lernen und Verstehen der Seele rührt aus schöpferischem Handeln, aus schöpferischer Initiative. Freilich wird solches Verstehen seinerseits durch entsprechend wirksame Vorbereitung gefördert, also zum Beispiel Meditation und Kontemplation, bevor man ins Handeln geht. Auf diese Weise ergibt sich für die Seele ein natürlicher Pfad der Entwicklung. Wenn das Individuum diesen Weg geht, wird es zum Vorbild für andere. Es mag sein, dass diese Seele als Führer ungeschickt oder schwierig ist. Dennoch kann sie durchaus zu einem Führer werden, mehr durch Beispiel als durch bewusstes Wollen. Tatsächlich muss diese Seele gar nicht das Bedürfnis haben, auf sichtbare Weise als Führer zu wirken, denn es könnte ihr Handeln sehr behindern, wenn sie Gefolgsleute um sich hat. Die Verantwortung für andere – diese wird ja von einem Führer erwartet – kann diese Seele zeitweise von ihren eigentlichen Zielen ablenken. Und schließlich ist diese Seele auch ungeeignet für Gefolgschaft. Eine solche Rolle würde zu einer spirituellen bzw. psychologischen Blockade führen. Die Persönlichkeit würde dann Reaktionsmuster entwickeln, die den Willen schwächen.

Hauptabschnitte
des Tages

Abbildung 1: Die vier Hauptabschnitte des Tages und ihre Beziehung zum Gesetz des Karma

Der zweite Quadrant in der Astrologie der Entwicklung umfasste die Häuser 12, 11 und 10. Dieser Quadrant wird in der traditionellen Astrologie üblicherweise als vierter Quadrant gezählt. In diesem Abschnitt des Tages, wenn die Sonne durch diese Häuser wandert, bewegt sich die Sonne in der Ortszeit zugleich von Sonnenaufgang bis zum Mittag. Das Licht nimmt also zu.

Wenn die Sonne über dem Horizont steht, geschieht Erwachen. Ganz allgemein wachen lebende Organismen in dieser Zeit auf. Sie verlassen den Zustand der Ruhe. Das ist Yang. Der Eintritt in die äußere Welt, da wo das Selbst sich auf ein Gegenüber bezieht, beginnt hier. Jetzt funktioniert das Individuum in der Welt des Maya, der Erscheinungen, nämlich in der äußeren dualistischen Welt. Die Sonne befindet sich zugleich östlich des Meridians, das ist ebenfalls Yang, und somit kann die Seele in schöpferischer Weise Taten vollbringen. Der Mensch bringt Dinge ins Geschehen.

Das ist der Quadrant der Stärke, der Vollmacht (Yang-Yang). Indem man von der Dunkelheit (Quadrant eins) zum Licht wechselt (Quadrant zwei), wechselt gewahr werden über in Form. Schöpferische Anstrengungen in der äußeren Welt führen zu Manifestationen. Damit sich ein Gedanke manifestiert, muss man etwas in Gang setzen. Um für ein Projekt eine schöpferische Anstrengung mit entsprechender Hingabe aufbringen zu können, bedarf es der Form, der Substanz. Hier ist Kraft im Spiel, die Kraft, um Form und Aktivität Wirklichkeit werden zu lassen. Hierfür ist ein gewisses Maß an Fertigkeit, Talent oder doch zumindest an Wissen nötig. Dieser Quadrant ist deshalb der Quadrant der Fertigkeit, des Antriebs, des Talents. Und der individuelle Weg eines Menschen, bei dem die Sonne in diesem Quadranten steht (geboren also zwischen Sonnenaufgang und der örtlichen Mittagszeit), ist der des Kriegers oder Magiers. Es handelt sich nicht um einen Magier im klassischen Sinn des Wortes, der Vorhersagen macht oder Beschwörungen murmelt. Vielmehr handelt es sich um einen Magier der Seele, der das Formlose in Form umwandeln kann, der eine Idee aufgreift und sie in etwas Substantiellem Realität werden lässt.

Der normale Weg einer Seele, die in diesem Tagesabschnitt geboren ist (Geburtssonne in den Häusern 12, 11 und 10), besteht darin, eine schöpferische Fertigkeit zu entwickeln und zum Ausdruck zu bringen. Anders als eine Seele, die nachts geboren ist, kann eine solche Seele ihr Potenzial nur schwer erfüllen, wenn sie allein oder isoliert ist. Es ist für sie wichtig, ihre kreativen Gedanken in der Außenwelt zum Ausdruck zu bringen, sei es in Sprache, durch Schreiben oder durch sonstigen künstlerischen Ausdruck. Damit das Individuum sich selbst begreift, ist die Kommunikation mit anderen wesentlich. In vielen Fällen wird ein solcher Mensch als Intellektueller betrachtet, als zumindest auf manchen Ausdrucksebenen äußerst geschult – ein Genie oder wenigstens ein großes Talent. Ein Mensch mit der Geburtssonne in diesem Quadranten, der diese Qualitäten nicht zum Ausdruck bringt, kann unter einer psychologischen oder spirituellen Blockade leiden, vor allem dann, wenn dieser Mensch keinerlei Fertigkeit entwickeln konnte oder wenn es ihm schwerfällt, mit anderen Menschen umzugehen. Wenn der Ausdruck der Sonne blockiert ist, egal, in welchem Quadranten sie sich befindet, scheint das Individuum generell sehr bescheiden zu sein oder müde, oder seine Vitalität ist herabgesetzt. Dann ist dieses Individuum nicht mit den Bedürfnissen seiner Seele in Verbindung oder ist sich derer nicht bewusst. Wenn die Sonne machtvoll zum Ausdruck gebracht werden kann, dann erscheint das Individuum strahlend und voller Selbstvertrauen. Dann steht es in enger Verbindung mit den Bedürfnissen seiner Seele. – Natürlich verhält es sich in Wahrheit komplexer, aber hier genügt es zu sagen, dass viele Individuen „ihrer eigenen Sonne nicht folgen“. Und damit ist das Leben für sie – entsprechend den Prinzipien der Astrologie der Entwicklung, wie ich sie hier vorstelle – eine Erfahrung, die eher emotional reaktiv, entfremdet und möglicherweise einsam ist. Es gibt keine Verbindung zwischen dem Ego (Persönlichkeit) und der Seele. Die Sonne ist der Spender des Lebens. Jede Seele wird zu ihrer Sonne. Für einige ist dieser Weg anziehend und lohnend. Andere vermeiden diesen Weg, und das Ergebnis sind komplexe sich wiederholende Reaktionsmuster im Lebensgang.

Der natürliche Pfad der Entwicklung für eine Geburtssonne in diesem zweiten Quadranten beginnt mit Wissen. Dieses Wissen wird dann bei besonderen Aktivitäten eingesetzt. Das erfordert ein Bekenntnis für, eine Verpflichtung auf ein Ziel. Es erfordert eine Absicht. Ein derartiges Wissen, eine derartige Verpflichtung führt zur Entwicklung einer Fähigkeit oder eines Talents. Damit hat das Individuum das Potenzial, eine Idee oder einen Traum wahr werden zu lassen und in eine Form zu bringen. Darum ist dieser Quadrant auch der Quadrant der Manifestation. Das Bekenntnis zu einem Ziel steht symbolisch für den Krieger, und das Talent, das Formlose in eine Form zu verwandeln, steht symbolisch für den Magier.

Der dritte Quadrant umfasst die Häuser 9, 8 und 7. In der Ordnung des Tageslaufs ist das die Zeit zwischen Mittag und Sonnenuntergang. Das Licht nimmt ab. Die Sonne ist noch über dem Horizont (Licht und Yang), und so geht es nach wie vor um Aktivität in der äußeren Welt (Beziehung des Selbst zum Nicht-Selbst). Doch jetzt steht die Sonne westlich des Meridians (Yin), und das ist die Wirklichkeit, in der das Individuum die Folgen aus früheren Handlungen zu tragen hat (rezeptiv). In diesem Abschnitt des Horoskops sieht es für mich so aus, als würden mir die Dinge widerfahren, ganz anders, als wenn ich die Dinge selbst ins Geschehen bringe. Wie im ersten Quadranten besteht auch hier eine Balance zwischen Yin- und Yang-Prinzipien (aktiv – rezeptiv).

Dies ist das Reich der sozialen Beziehungen. Jetzt trägt man die Folgen eigener Handlungen an anderen. Jetzt wird man der Empfänger, das Gefäß von Zyklen, die zuvor in Gang gesetzt wurden. Im Leben des Geborenen kommt es nun zu Erfahrungen, über die man scheinbar keine Kontrolle hat. Das Individuum hat keine andere Wahl, als eben durch diese Erfahrungen hindurchzugehen. Natürlich gibt es noch innerhalb dieser Erfahrungen selbst eine Entscheidungsmöglichkeit. Man kann die Wahl treffen, wie man reagieren wird, was man lernen möchte. Eine solche Entscheidung beruht auf der Wahrnehmungsfähigkeit der Seele des Individuums, auf den Bedürfnissen der Seele.

Bei jeder größeren Lebenserfahrung, die augenscheinlich außerhalb der Kontrolle des Geborenen liegt, gilt es, etwas zu lernen. Zuallererst muss man begreifen, was verändert werden kann und was nicht. Das, was nicht verändert werden kann, muss schließlich akzeptiert werden. Der Prozess, in dessen Verlauf das Individuum dahinkommt, etwas als gegeben anzunehmen, erfordert ein tieferes Verständnis von sich selbst – und auf diese Weise beginnt der Lernprozess.

Glücklicherweise bringt dieser Quadrant in den meisten Fällen nicht nur Ereignisse ins Leben, die einem Lernzweck dienen, sondern es treten auch wichtige Menschen in das Leben des Geborenen. Diese machen den Prozess des Lernens und Akzeptierens leichter. Von diesen Menschen lernt der Geborene. Insofern ist dies auch der Quadrant des Studenten, des Schülers, des Lehrlings. Auch wenn man lernt, ist das Skript natürlich nicht vollständig. Erinnern Sie sich, dass dieser Abschnitt über dem Horizont liegt. Darum steht das Individuum „in der Welt“. Wenn der Student lernt, wenn der Schüler Meisterschaft entwickelt, dann muss der Geborene auch Lehrer, Meister, Mentor oder sogar Guru werden. Durch diesen Prozess setzt sich ein wechselseitiges Verstehen fort.

Dieser Quadrant steht auch für Assimilation und Verständnis, welche aus Erfahrung resultieren. Es sieht hier so aus, als wäre das Leben mit Krisen angefüllt, doch wenn das Individuum dessen inne wird, dass es sich um Gelegenheiten für die Seele zum Lernen und zum tieferen Verständnis des Lebens handelt, dann wird der Geborene nach und nach auch die tiefere Bedeutung seines eigenen Lebens begreifen. Auf diesem Weg wird die Seele ihrer Bestimmung gerecht, andere zu lehren, denn dies ist der Quadrant des Lehrers. Ein Mensch, der seine Seele in diesem Sinn als Lehrer entwickelt, indem er aus eigenen Lebenserfahrungen lernt, bringt damit die strahlenden und vertrauensvollen Qualitäten seiner Sonne zum Ausdruck. Diejenigen jedoch, die aus diesen Erfahrungen nicht lernen möchten und stattdessen weiter das Leben als bedauerliche Serie hilflos machender Krisen betrachten, finden es schwierig, den anderen Verständnis entgegenzubringen – ganz abgesehen davon, dass es ihnen schwerfällt, diese Fähigkeit von anderen zu lernen. Ihre Sonne wird wenig strahlen, und ihre Vitalität sowie ihr Selbstvertrauen dürften niedrig sein.

Der natürliche Pfad der Entwicklung für das Individuum mit der Sonne im dritten Quadranten beginnt mit Erfahrung. Diese Erfahrungen sehen aus wie Krisen und sind es wahrscheinlich auch – jedenfalls im Vergleich mit dem Leben anderer Menschen. Allerdings haben diese Erfahrungen und Krisen einen bestimmten Zweck, nämlich die Erfüllung karmischer Zyklen und ebenso die Entwicklung tieferer Einsicht, welche dazu dient, genau diese Zyklen zu überwinden. Darum ist es wichtig, dass der Geborene aus diesen Krisenerfahrungen lernt. Dies geschieht durch Integration und Assimilation dieser Erfahrungen, nicht durch Abwehr. Nimmt das Individuum diese Erfahrungen an, assimiliert sie und versteht ihre tiefere Bedeutung, dann kann es zu einer Transformation kommen. Man nimmt sich schließlich so an, wie man ist, bzw. man erkennt einen Weg, um das zugrundeliegende Skript zu verändern. Dies bedeutet zugleich, dass man ein Opfer bringt. Man erkennt nämlich, dass das eigene Leben dazu dient, das Leben anderer zu verbessern. An diesem Punkt der Entwicklung kommt es wahrscheinlich dann zu einem ausgeprägten Verantwortungsgefühl gegenüber anderen. Wenn die Entwicklung stagniert oder wenn sich das Individuum auf bestimmte Dinge fixiert, dann wird stattdessen die Verantwortung verweigert, gehe es nun um Dinge, die dem Individuum selbst widerfahren sind, oder handele es sich um die Verantwortung anderen Menschen gegenüber. Wenn sich die Seele jedoch auf natürliche Weise entwickeln kann, dann geht es darum, zunächst durch Erfahrung zu lernen, um dann andere zu lehren.

Der abschließende vierte Quadrant umfasst die Häuser 6, 5 und 4. Im Tageslauf ist das die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht, natürlich in Ortszeit. Jetzt läuft die Sonne unter dem Horizont, es ist die Region, in der man erneut im Dialog mit sich selbst steht und seine Erfahrungen deutet. Es handelt sich um die innere Welt, die Welt der Einheit (Yin). Dieser Quadrant ist ebenfalls westlich des Meridians (Yin), und so fällt er in jene Wirklichkeit, in der die Dinge dem Individuum scheinbar widerfahren. Dem Individuum begegnen Ereignisse, die nicht einfach nur kausal erscheinen.

Diese Welt ist eine sehr subjektive Welt (Yin-Yin). Die Ereignisse im Lebensgang muss das Individuum aus sich selbst heraus interpretieren und eine entsprechende Bedeutung finden. Äußere Reize, die eine innere Wirkung auslösen, sind die Grundlage für Inspiration. Um ein Beispiel zu geben: Eine Person fährt in einer sternklaren Nacht über eine Autobahn und hört im Radio ein Lied. Der Text des Liedes nimmt die Aufmerksamkeit des Zuhörers gefangen und löst eine Reihe von Assoziationen aus. Wenn der Betreffende zu Hause angekommen ist, setzt er sich vielleicht hin und schreibt selbst ein Gedicht oder ein Lied. Bei diesem Beispiel wurde das Individuum durch ein Ereignis inspiriert, das ihm widerfahren ist, aber es hat dieses Ereignis gleichsam nach innen genommen und dann auf subjektive Weise auf seine eigenen Lebenserfahrungen bezogen und gedeutet. In diesem Quadranten neigt die Seele sehr dazu, äußere Ereignisse zu internalisieren. Es ist, als wäre man ein Kanal für äußerst feine Kräfte.

Wenn die Sonne aus der Welt des Lichts in die Welt der Dunkelheit wandert, begibt sich die Seele aus der Welt des Bekannten in die Welt des Unbekannten. In der Welt des Lichts geschieht das Handeln gemäß vorhersagbarer und allgemein akzeptierter Regeln oder Gesetze. In der Welt der Dunkelheit gelten natürlich auch Gesetze, ganz natürliche, aber es sind nicht dieselben wie die Gesetze „der Welt“. Diesen Schwenk vom Lichte zur Dunkelheit zu machen, erfordert ein hohes Maß an Vertrauen, denn es ist, als würde man ins Leere springen. Vertrauen erfordert, dass man die Angst überwindet. Es gibt ein gewisses Risiko, man muss bereit sein anzunehmen, was kommt, denn das Resultat des eigenen Handelns ist nie schon im Voraus bekannt. Das Ergebnis dieses „Schwenks“ kann man nicht kennen, solange man sich nicht selbst zur Ausführung verpflichtet. Konsequenterweise erlebt diese Seele das Leben als ein Geheimnis. Wenn die Sonne stark ist und auf normale Weise verwirklicht werden kann, dann begibt sich diese Seele eventuell auf Abenteuer in unbekanntes Gebiet, wo die Resultate und Konsequenzen eigenen Handelns nicht im Voraus bestimmt werden können. Wenn das Vertrauen des Individuums groß ist, dann hat es auch ein inneres Gefühl von Vertrauen darauf, dass jedes Abenteuer einen tiefen Wert in sich trägt. Furcht und Risiko sind hier normale Begleiter, aber das Individuum, das das Risiko auf sich nimmt und den Sprung ins Leere wagt, kann seine Furcht überwinden und auf diese Weise eine Verbindung zu seiner Seele knüpfen. Die Seele, die diese Herausforderung annimmt und erfolgreich besteht, erlebt sich als ausgesprochen vital und vermehrt ihr individuelles Maß an Vertrauen. Menschen, die das Risiko vermeiden, die kein Vertrauen in sich selbst entwickeln, bleiben wahrscheinlich in der Angst stecken. Damit wird ihr Leben zu einer Abfolge von sich wiederholenden, wenig inspirierenden Routinen, man fühlt sich gezwungen, sich ganz an Terminpläne zu halten.

Der natürliche Weg der Seele, die zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht geboren ist (Geburtssonne in den Häusern 6, 5 und 4) ist der Weg des Mystikers. Die Seele versucht nicht, Ereignisse zu kontrollieren oder gar zu manipulieren, sondern sie lernt, diese Ereignisse zu akzeptieren. Es wächst das Vertrauen, dass sich alles in einer göttlichen Ordnung befindet, und dass die Dinge nicht um der Gesetze der äußeren Welt willen bewiesen und abgesichert werden müssen.

Regionen des
Universums

Abbildung 2: Die vier Regionen des Universums und ihr Zusammenhang mit den Pfaden der Selbstverwirklichung

So gibt es insgesamt vier Quadranten im Horoskop (s. Abb. 2). Jeweils nach Tageszeit steht die Sonne in einem der vier Quadranten. Derjenige, in dem sich die Sonne zur Zeit der Geburt aufhält, bezeichnet einen Weg für die Entwicklung dieser Seele. Es gibt bestimmte Qualitäten und Prozesse, die sich dann auf natürliche Weise entwickeln und die den Weg dieser Seele bereichern, entsprechend dem Quadranten, in dem die Geburtssonne steht.

Die Sonne im ersten Quadranten bezeichnet Meisterschaft des Selbst, eine Seele, die eine hohe Empfindung von Wahrnehmung und Intuition hat. Die Sonne im zweiten Quadranten verweist auf den Pfad des Magiers oder Kriegers, auf jemanden, der eine Fertigkeit, einen Antrieb, ein Talent oder ein Wissen darum hat, wie man Ideen in eine Form transformieren kann. Eine Sonne im dritten Quadranten verweist auf den Weg des Lernenden und Lehrenden, des Lehrlings und des Meisters. Diese Seele entwickelt ein tiefes Verständnis von Leben, indem sie Erfahrungen assimiliert und indem sie Krisen als eine Möglichkeit und Gelegenheit zum Lernen erkennt. Die Geburtssonne im vierten Quadranten verweist auf den Weg des Mystikers, dessen Vertrauen in die göttliche Ordnung und Harmonie des Universums ihn durchlässig macht für Inspiration und Durchgaben (Channeling).

Hat man diesen vierfältigen Pfad spiritueller Aktivität und persönlichen Wachstums verstanden, kann man die Seele und ihren Weg klarer erkennen.

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