Das zwölfte Haus
von Dana Gerhardt

Über die Jahre habe ich mehr Anfragen zu Haus zwölf bekommen als zu jedem anderen. Die Menschen, die mir schreiben, sind für gewöhnlich in Not. Manchmal sind es Astrologie-Neulinge, die panisch feststellen, dass sie Planeten in diesem Haus haben: "Ich habe gehört, das zwölfte Haus ist schrecklich. Bin ich zum Scheitern verurteilt?" Andere Male sind es Menschen, die alles über das zwölfte Haus wissen. Sie haben tatsächlich eine lange Leidensgeschichte mit dem zwölten Haus und hoffen, dass ich Ihnen genau vorhersagen kann, wann denn diese Prüfungen ein Ende haben werden. Die klassischen Astrologen nannten dieses Haus "das Jammertal", "die dunkle Kammer der Trauer und des Schreckens", "die Pforte der Qual" und das Haus des "Bösen Geistes".

number 12Hier ist das Karma. Das heißt, bösen Leuten passieren böse Dinge. Sogar gute Leute werden Unglück erleiden, wenn sie noch irgendwelche mysteriösen Schulden aus früheren Leben mit sich tragen. Dieses Haus kann Frustration, Angst, Einschränkung und Verlust mit sich bringen; ebenso Sklaverei, Krankheit und Gefangenschaft. Es herrscht über Krankenhäuser, Gefängnisse, psychiatrische Anstalten und Klöster (diejenigen, in die man früher geschickt wurde, wenn die Familie einen vor den Augen der Öffentlichkeit verstecken wollte). Das zwölfte Haus herrscht über versteckte Feinde. Das sind die Übeltäter, von denen wir überhaupt nicht wissen, dass sie existieren, wie zum Beispiel die lächelnde Kosmetikerin, die nebenberuflich als Hexe arbeitet, und gerade jezt Nadeln in eine Voodoo-Puppe steckt, die mit einer Haarsträhne von Ihnen gefesselt ist.

Zum Glück hat Dane Rudhyar, Vater der modernen Astrologie, verkündet: "Es gibt keine schlechten Häuser."[1] Und so trugen die modernen Astrologen, wie ein schaffensfroher Rundumsanierungs-Bautrupp, ihre Äxte in dieses Gebäude der Verdammnis. Sie höhlten seine schäbigen Zellen aus und machten aus dem zwölften Haus einen riesigen Schoß unsichtbarer Potentiale. Nun ist es die Matrix göttlicher Einheit, die das All-Eine enthält, aus dem wir alle hervorgehen und wohin wir wieder zurückkehren. Mit den hauchdünnen Schleiern von Neptun und Fische behängt, ist aus Haus zwölf eine innere Traumfabrik geworden, Wohnstatt des kollektiven Unbewussten, Quell der Symbole und Archetypen, Lieblingszuflucht der Vorstellungskraft. Es ist ein Haus der Intuition, des Mitgefühls und der spirituellen Transzendenz. Hier ist Ihnen angeraten zu dienen, auf dass Sie nicht leiden müssen. Denn selbst moderne Astrologen konnten nicht alle Schwierigkeiten dieses Hauses ausradieren. Sie warnen, man könne in einem solch mächtigen grenzenlosen Raum leicht die Orientierung verlieren. Die Funktionen und Gaben der Planeten seien hier schwer zugänglich. Ihnen könne eine klare Richtung im Leben fehlen oder Sie könnten verwirrt darüber sein, wer Sie wirklich sind. Vielleicht fühlen Sie sich schüchtern, unbedeutend oder anonym - oder Sie leiden an Größenwahn. In Haus zwölf leben Retter und Märtyrer. Ihre seelischen Grenzen sind vielleicht so durchlässig, dass Sie leichte Beute für Ihre Feinde darstellen oder sogar selbst zum aalglatten Bösewicht werden können. All das kann Sie schließlich in Selbstbetrug und Alkoholismus treiben.

"Dinge, die Sie nicht sehen können" wäre die Quizshowkategorie für dieses Haus. Egal ob Sie die traditionelle oder moderne Sichtweise bevorzugen, die Analyse dieses Hauses stellt Sie vor ein ähnliches Problem: Wie können wir sein Territorium genau abstecken? All seine Gefahren sind unsichtbar, seien sie nun durch Karma, versteckte Feinde oder die verzerrte Logik des eigenen Unbewussten verursacht. Laut Ptolemäus entsprach Haus zwölf genau dem Teil des Himmels, der knapp über dem Horizont ist und wo die Sterne von den "dicken, nebelhaften Ausdunstungen der Feuchtigkeit der Erde" verschleiert sind. Nach den Ägyptern waren Sterne hier verloren und geschwächt durch das Licht der Sonne beim Sonnenaufgang. [2] Sowohl für Traditionalisten als auch Moderne stellt das zwölfte Haus einen riesigen blinden Fleck dar. Daher sollten wir mit dem Problem der Wahrnehmung anfangen. Sehen wir uns dazu doch die lehrreiche Erzählung über den Herrscher von Chin an.

KaiserDer erste Kaiser von Chin war ein Tyrann. Er war ehrgeizig und mächtig und eroberte ein riesiges Gebiet. Er vereinigte als Erster die Chinesen zu einem einzigen Reich. Da er besessen war von der Idee der Unsterblichkeit, strebte er auch danach den Tod zu besiegen. Er erlangte einen spirituellen Text, der versprach das Geheimnis ewigen Lebens zu enthalten. Aber das Buch war in esoterischer Sprache geschrieben. Aus dem ganzen Text verstand er nur einen einzigen Satz: "Der Chin zerstören wird ist Hu." Da er dachte, "Hu" sei ein Stamm aus Nordchina, mobilisierte er sein ganzes Land, um einen großen Verteidigungswall zu errichten. Dieser erstreckte sich über Tausende von Meilen um die angekündigten Angreifer fernzuhalten. Die Mauer steht noch, aber Chins Reich zerfiel nur wenige Jahre nach seinem Tod. Wodurch wurde es zerstört? Nicht durch den Stamm Hu aus dem Norden, sondern durch Chins unverantwortlichen und idiotischen Sohn mit demselben Namen "Hu". A propos blinde Flecken! Chin pflanzte buchstäblich selbst den Samen, der sein ganzes Reich zerstören sollte.

Die meisten von uns machen einen ähnlichen Fehler mit unserem zwölften Haus, denn es ist ebenfalls ein esoterischer spiritueller Text. Und seine kryptischen Sätze, die als Intuitionen, Störungen und Ängste kommen, führen uns vielleicht fälschlicherweise in eine Schlacht gegen irgendein "Hu" in der Außenwelt. Wie der Kaiser wenden wir vielleicht große Kräfte auf, um irgendwelche Phantomfeinde auszusperren und verkennen dabei die wirkliche Situation. "Selbstzerstörung", im Sinne von "das eigene Verderben herbeiführen", ist wohl das relevanteste traditionelle Stichwort, das im modernen zwölften Haus überlebt hat, und es ist mächtig genug, um uns genauso krank, gefangen oder versklavt zu machen wie all die anderen. Wenn Sie sich den verschleierten Toren dieses Haus nähern, seien Sie gewappnet mit einem gesunden Misstrauen gegenüber Ihren eigenen blinden Flecken. Achten Sie darauf, was Sie "dort draußen" verärgert oder ängstigt, denn es ist ziemlich wahrscheinlich, dass dieser Feind im Schatten Ihres eigenen Wesens lauert - und in Ihren Planeten oder Zeichen im zwölften Haus beschrieben ist.

Katie hat den Mond in Haus zwölf. Ingrid hat Krebs an der Spitze von Zwölf, beherrscht vom Mond. Beide Frauen haben einen ähnlichen "Feind" in der Außenwelt. Katies Nemesis ist eine Schauspielerin in Ihrer örtlichen Theatergruppe. Katie hat mir unzählige Male alles über sie erzählt. "Sie macht mich verrückt! Sie badet in Selbstmitleid. Sie ist nur Lehrerin an der Highschool, aber dauernd erzählt sie, wie viel sie arbeitet und wie stressig ihr Job ist. Sie bringt ständig Hausaufgaben mit zu den Proben und Theaterfeiern, damit sie auf einem Stapel Hefte einschlafen kann. Denkt sie vielleicht wir verleihen ihr einen Oscar für die Märtyrerin des Jahres?"

Ingrids Nemesis ist Katie. Sie redet die ganze Zeit über sie. Ihre Klage ist erstaunlich ähnlich. "Ich kann Katie einfach nicht ausstehen. Wenn ich ihr zuhöre, läuft es mir kalt den Rücken runter. Sie macht mich verrückt mit ihrem ständigen Opfergetue. Hört sie denn nie auf herumzujammern und sich selbst leid zu tun?" Einmal fragte ich Ingrid, warum Katie ihrer Ansicht nach so auf sie wirke. "Ich nehme an, weil ich es immer so schwer hatte. Meine Mutter war Alkoholikerin, weißt du, und ich musste mich immer selbst um mich kümmern. Ich konnte nie so herumjammern ... Es hat nie jemanden gekümmert, wenn ich geweint habe."

Trauriges KindÄhem, Moment mal, ich hole gleich meine Geige. Ich will ja nicht mitleidlos klingen, aber mein Mond ist auch in Zwölf. Deshalb schreibe ja ich über Katie und Ingrid. Ihr Jammern über Jammerer nervt mich! Der Alkoholismus ihrer Mutter beraubte Ingrid der emotionalen Geborgenheit ihres Mondes. Aber Katie und ich hatten es nicht viel besser. Menschen mit Mond in Zwölf haben oft Mütter, die krank, narzisstisch oder sonstwie wenig nährend und fürsorglich sind, und welche, die die Mutter-Kind-Dynamik umkehren, so dass das Kind die Mutter bemuttern muss. Der Mond im zwölften Haus lernt, die eigene Verletzlichkeit zu verstecken und so zu tun als ob sie nicht existiere. Er wird zum Meister der Selbstgenügsamkeit. Oft haben Menschen mit Mond in Zwölf ein besonderes Talent sich um andere zu kümmern. Aber durch das Unterdrücken ihrer eigenen Bedürftigkeit geht diese nicht weg; sie wird zum blinden Fleck von Haus zwölf, wo sie als gefühlshungriges Kind weiterlebt. Die kleine Waise rennt der kompetenten Fürsorgenden hinterher und ruft ein unbewusstes "Ich Arme!" aus - was jeder hören kann, außer der Person selbst.

Chin hatte zwei Söhne. Er schenkte seine ganze Aufmerksamkeit dem Erstgeborenen, Fu, dem designierten Thronfolger. Der zweitgeborene Hu wurde völlig übersehen und blieb ungebildet, dumm und launenhaft, ja, er wurde nie richtig erwachsen. Aber als Chin starb, hinderten boshafte Hofbeamte Fu an der Machtübernahme und setzen Hu als Marionette auf den Thron. Ein Reich, das ein paar hundert Jahre hätte währen sollen, starb praktisch über Nacht. Wenn Planeten in Zwölf Kinder wären, würden sie wohl so ähnlich aufwachsen wie der vernachlässigte Sohn Hu. Ohne unsere bewusste Zuwendung werden sie weder gelehrt noch geprüft. Sie bekommen nicht die gleichen Gelegenheiten zu wachsen und zu reifen. Doch in unbewussten Momenten übernehmen sie das Ruder und können eine Menge Schaden anrichten.

Stellen Sie sich einen Mars im zwölften Haus vor. Mars ist der archetypische Krieger, der die Fähigkeit Grenzen zu setzen repräsentiert, sich selbst behaupten kann und, wenn notwendig, wütend wird. Menschen mit Mars in Zwölf tun sich oft schwer damit, sich zu nehmen was sie wollen. Nach außen sind sie sanft und liebenswürdig, und meist fehlt ihnen die marsische Angriffslust. Sie können sie viele Male verärgern und dennoch keine Reaktion hervorrufen, aber eines Tages bekommt jemand - vielleicht Sie - eine ausgewachsene Mars-Explosion ab. Der 35-jährige Programmierer verschwindet und ein tobsüchtiger Zweijähriger übernimmt die Regie. Aber der Mensch, der den Ausbruch hat, weiß gar nicht, was Sie eigentlich haben. Vielleicht hat er Ihnen böswillige E-mails geschickt, Ihren Namen in der Öffentlichkeit durch den Schmutz gezogen, aber wenn eine Entschuldigung angesagt wäre, lässt er Sie einfach abblitzen. Um seine Taten wirklich zu bereuen, müsste sein Mars in Zwölf zuerst ans Bewusstsein kommen.

WutUnsere Planeten und Zeichen in Zwölf sind wie Kinder, die besondere Förderung brauchen. Sie haben bedenkliche Entbehrungen erlitten. Auf irgendeine Art hat unser frühes Umfeld ihren Ausdruck nicht ermutigt oder unterstützt. Vielleicht wurden sie von unseren Bezugspersonen an sich gerissen, verleugnet oder beschämt. Irgendwie haben wir die Botschaft erhalten, dass es nicht sicher ist, sie auszudrücken. Mit Mars oder Widder in Zwölf habe ich vielleicht Angst davor meinen Wettbewerbsgeist auszuleben oder verleugne meinen Eigennutz. Mit Pluto oder Skorpion ist es mir vielleicht peinlich meine Leidenschaft, meine Sexualität, meine Macht zu zeigen. Mit Merkur oder Zwillinge in Zwölf beschließe ich vielleicht meinen Mund zu halten. Mit Uranus oder Wassermann in Zwölf verstecke ich das, was mich von anderen unterscheidet und halte meinen kreativen Genius unter dem Scheffel. Mit Venus, Stier oder Waage weiß ich wahrscheinlich nicht wie schön, sinnlich, künstlerisch oder liebevoll ich sein kann.

Welcher Planet oder welches Zeichen auch zurückgewiesen wird, das unterbewusste Gewahrsein seines Verlusts führt zu einer Art Opferbewusstsein, ja sogar zur Überzeugung, dass es moralisch richtig ist uns selbst zu bemitleiden. Wurden wir schließlich nicht beraubt? Ein Geschäftsmann, den ich kenne, mit Mars in Zwölf war sich seiner Unfähigkeit zur Selbstbehauptung extrem bewusst: "Meine Mutter hat die ganze Wut in unserem Haus für sich in Anspruch genommen. Ich habe es nicht gewagt, sie zu verärgern. Aber so konnte ich nie ich selbst sein." Als er erfuhr, dass er unter seinen Kollegen den Ruf hatte, skrupellos und brutal zu sein - sein Mars-Schatten - war er sogar erfreut. "Macht es Ihnen nichts aus, dass Sie vielleicht wirklich Menschen verletzen?" fragte ich. In seinen Augen sah ich einen Moment der Verwirrung bevor sie verschwommen in die Ferne starrten. Verloren in Erinnerungen an die Vergangenheit und unfähig sie mit einem anderen Bild seiner Gegenwart in Verbindung zu bringen, schweifte er ab und vergaß meine Frage.


Ich mag die moderne Sicht des zwölften Hauses, schlicht und einfach, weil ich sie als nützlicher und wahrer empfinde. Um aus moderner Sicht Planeten in Zwölf zu erlösen, müssen wir uns zuerst bewusst werden, dass wir sie haben. Der nächste Schritt ist - metaphorisch gesprochen - zwischen den traditionellen Möglichkeiten zu wählen. Bringen Sie sich selbst ins Gefängnis, eine psychiatrische Anstalt, ein Krankenhaus oder ein Kloster? Sie könnten eine Gefängniszelle mit Ihren vergangenen Fehlern pflastern. Sie könnten vor Frust und Wut verrückt werden. Sie könnten auf einem Krankenbett aus Wunden liegen. Oder Sie könnten auf die Knie fallen und eine höhere Macht anrufen. In dieser großen inneren Welt haben Zeit und Raum keine Bedeutung. Beim Umbau Ihrer Haus-Zwölf-Psyche haben Sie unendlich viele Möglichkeiten. In Ihrer Phantasie können Sie, wie der junge Dalai Lama, eine innere Wohnstatt durchschweifen, die eine Viertelmeile lang ist und tausend Räume hat. Sie können diese wertvolle Inkarnation genießen und Jahrhunderte Geschichte nutzen um von diesen riesigen inneren Bibliotheken zu lernen. Unabhängig davon, wie Ihre Vergangenheit aussieht, kann sich Ihnen ein ganzes Feld neuer Möglichkeiten eröffnen, wenn Sie Licht in das Dunkel Ihres zwölften Hauses bringen.

geheime PforteDie unsichtbare Welt funktioniert nicht wie die Welt der Materie, also sollten wir auch nicht so zu tun als ob. Wenn ich in der sichtbaren Welt verletzt werde, kann ich herumjammern und jemanden beschuldigen. Wenn ich nur ein materielles Wesen bin, und mein frühes Umfeld hat meine Venus oder meinen Merkur nicht unterstützt, kann ich sagen, ich sei bloß ein Stück genetisches Material, das das Pech hatte in trostlose Umstände hineingeboren worden zu sein. Nicht so in der geistigen Welt. Wenn ich mein spirituelles Wesen annehme, muss ich auf irgendeine Art Verantwortung für meine Existenz vor und nach der Geburt übernehmen. Vielleicht glaube ich dann, dass meine Entscheidungen den weiteren Gang meiner Seele beeinflussen, dass vergangene Taten meine Situation in diesem Leben bestimmt und mich an den richtigen Ort für die nächste Phase meiner Entwicklung gebracht haben, und dass das, was ich jetzt tue, Einfluss darauf hat, was nach meinem Tod geschieht. Wenn wir unsere Perspektive über dieses Leben hinaus erweitern, sieht das zwölfte Haus ganz anders aus. Wir übernehmen neue Verantwortung. Planeten oder Zeichen in Zwölf sind nun nicht mehr Opfer oder Benachteiligte. Was auf der materiellen Ebene aussieht wie ein Verlust wird zur heiligen Initiation oder zum rituellen Opfer im spirituellen Reich.

Eric hat die Sonne in Widder in Zwölf - in Opposition zu Saturn und Neptun. Mit fünf verlor er seinen Vater. Sein alkoholkranker Spieler-Vater ging zur Tür hinaus und kam nie wieder zurück. Die Sonne beschreibt unseren Willen, unsere Bestimmung, auch unsere Erfahrung des Vaters (genau wie der Mond unsere Erfahrung der Mutter beschreibt). Nicht jeder mit Sonne in Zwölf verliert seinen Vater so buchstäblich, aber auf irgendeine Art wurde der väterliche Einfluss gedämpft oder geopfert. Es fehlt die Ermutigung und Förderung der besonderen Gaben des Kindes durch den Vater. Eric hat eine Vielzahl unterschiedlicher Identitäten an- und ausprobiert als er aufwuchs, zuerst war er Randalierer, dann Sportler im Universitätsteam, dann rebellischer Journalist und schließlich wurde er Dichter. An der Uni hatte er das Glück einen starken Poesie-Mentor zu bekommen, und unter dem Einfluss dieses Ersatzvaters fand er seinen Weg in der Welt. Astrologische Kochbücher sagen oft, dass Sonne in Zwölf schüchtern sei und hinter den Kulissen arbeite. Aber man kann diesen Kochbüchern nicht immer glauben. Eric ist ein starker und eigenwilliger Widder, der sich - wie ein wahrer Individualist - weigerte in irgendeine gesellschaftliche Form zu passen. Er gründete seinen eigenen Verlag und schrieb weiterhin preisgekrönte Gedichte. Trotz - oder vielleicht gerade wegen - seiner Haus-Zwölf-Geschichte wurde er hingebungsvoller Vater dreier Kinder und diente vielen jungen Autoren als Vaterfigur, indem er sie unterstützte, förderte und ihre Arbeiten veröffentlichte. Das frühe Opfer seines zwölften Hauses war die Initiation, die zu seinem späteren Erfolg führte.

Als der progressive Mond in Erics zwölftes Haus ging, ging es mit seinem Verlag bergab. Das zwölfte Haus hat eine einzigartige Stellung im Horoskoprad - es ist das letzte Haus bevor im ersten alles wieder anfängt. Und so markieren Transite und Progressionen durch dieses Haus ein Ende, das einem Neuanfang vorausgeht. Wenn der progressive Mond oder Transit-Saturn durch dieses Haus geht, kann dieser Übergang etwa zwei Jahre dauern. Lebensstrukturen, die Ihren Zweck erfüllt haben, lösen sich auf. Beziehungen können enden, Verluste erlitten werden. Vielleicht werden wir daraufhin überprüft, wie weit wir dieses Haus entwickelt haben, was wir aus unserem anfänglichen Opfer gelernt haben, wie klar wir unseren blinden Fleck gesehen und entschlüsselt haben. Während der Mondprogression hat Eric mit dem Erbe seines Vaters zu kämpfen; er begann zu trinken, sich mit seiner Frau zu streiten und Geld zu verlieren - genau wie sein Vater damals. Ein ganzes Leben lang hatte er gesagt "Ich werde nie tun, was mein Vater mir angetan hat.", und doch kam er jetzt an den Punkt, wo er demselben Potential in sich gegenüberstand. Transite und Progressionen durch Zwölf nehmen uns mit in die Tiefe. Sie zeigen uns Teile unserer selbst, die wir vorher nie gesehen haben. Das ist nicht immer schlecht. Neue Schönheit, Stärke und Talente können sich ebenfalls hinter unserem blinden Fleck versteckt halten. Als der progressive Mond sein zwölftes Haus verließ, war Eric ein neuer Mensch. Er hatte sein Leben aufgeräumt, einen völlig neuen Weg gefunden, und war - unter neuen Voraussetzungen - wieder eine starke und inspirierende Widder-Sonne.


Paul ist Schriftsteller und Photograph mit Neptun im zwölften Haus. Ich habe ihm einmal Neptun beschrieben, wie er durch Musik, Kunst und Poesie spricht. Astrologen bringen das zwölfte Haus mit der Empfängnis in Verbindung. Ich deutete an, dass Neptuns Prägung ein Wissen sein könnte, das Paul schon im Mutterleib gewonnen hat. Seine Augen leuchteten auf. Er sagte, dass seine Mutter während der Schwangerschaft Klavier gespielt habe, und er habe immer gespürt, dass dies ihn das aufs Tiefste beeinflusst habe; seine Gedanken bewegen sich in musikalischen Mustern. Mit seiner Skorpion-Sonne im Quadrat zu einer kontrollierenden Saturn-Pluto-Konjunktion ist Paul seine Privatsphäre sehr wichtig, und - nicht überraschend - er ist bekannt für seine plötzlichen Anfälle von Intoleranz und Unnachgiebigkeit. Wie man aus seinem Horoskop ablesen kann, hatte er einen strengen Vater. Als Kind durfte Paul nicht tagträumen oder sich treiben lassen oder in Neptuns Meeren schwimmen; das war der frühe Verlust dieses Planeten. Als junger Mann leistete Paul Militärdienst und studierte später, um eine Laufbahn in der Wirtschaft anzutreten. Aber in den vergangenen zehn Jahren habe ich beobachtet wie er sich nach und nach aus weltlichen Angelegenheiten zurückzog, um in die neptunische Welt seiner Kunst einzutauchen. Seit zwei Jahren ist er so tief in Neptuns Reich versunken, dass er oft monatelang verschwindet. Doch jedes Mal, wenn ich ihn sehe, ist er zutiefst lebendig. Paul lebt mehr als jeder andere, den ich kenne, ein Künstlerleben, völlig in Künstlerzeit. Er kann Stunden auf genau das richtige Licht für ein Photo warten. Er schläft tagelang nicht und lebt mit den Figuren seiner Romane als ob sie seine Mitbewohner wären. Sein Neptun in Zwölf ist zum Zentrum seines Lebens geworden. Er ist der versunkene Schatz, an dessen Bergung er sein Leben lang gearbeitet hat. Er ist etwas wahrhaft Göttliches.

Neptuns WeltWenn ich das Horoskop eines Menschen betrachte und Planeten in Zwölf sehe, sind "Verdammnis" und "Leid" nicht die ersten Worte, die mir einfallen. Ich denke eher, dass dort eine große Gabe liegt, ja sogar der wahre Reichtum des Horoskops. Aber es ist wie ein Treuhänderfonds. Der Haus-Zwölf-Mensch muss zuerst volljährig werden - spirituell volljährig. Das Ego kann sich den Rest des Horoskops gierig zu eigen machen, aber dieses Haus gibt seine Talente nicht so leicht Preis. Dort muss es ein Opfer geben; dort gibt es Unreife, Schwäche und Jammern; dort müssen wir uns auf eine lange Reise begeben, die Selbst-Gewahrwerdung, Demut und spirituelle Verantwortung verlangt. Wie lange sie auch dauern mag, der Schatz des zwölften Hauses verschwindet nicht. Er ist tief und instinktiv, vielleicht über viele Leben hinweg gewonnen. Das Potential einer breiten Würdigung seiner Gaben ist ebenfalls groß.

Ich bin nicht die Einzige, die so denkt. Michel Gauquelin, ein Psychologe, der die Genauigkeit der Astrologie mit Hilfe statistischer Modelle untersuchte, hat entdeckt, dass - während viele astrologische Faktoren keine Relevanz zeigten - Planeten in Haus zwölf sich deutlich im beruflichen Erfolg eines Menschen widerspiegelten. [3] Mars in Zwölf kam oft in den Horoskopen von Sportlern vor. Schauspieler, Politiker und Journalisten zeigten Jupiter in Zwölf; Wissenschaftler und Ärzte Saturn und Mars; Maler und Musiker Venus; und Schriftsteller den Mond. Diese Erkenntnis überraschte selbst Astrologen, die Berufsindikatoren typischerweise in Haus zehn lokalisieren. Der zeitgenössische Astrologe Maurice Fernandez macht sogar noch stärkere Behauptungen über Planeten im zwölften Haus. [4] Laut Fernandez haben Menschen, die berühmt oder sehr einflussreich sind, öfter ein betontes zwölftes als ein starkes zehntes Haus. Da Haus zwölf sowohl über das kollektive Unbewusste als auch die Massen herrscht, deuten Planeten hier auf das Potential hin, zu spüren, was gerade populär ist und ein breites Publikum zu erreichen. Sie können auch die Last von Massenprojektionen tragen und die Gefahr bergen das Privatleben zu opfern, um zu einem Produkt oder Symbol zu werden. Denken Sie nur daran, welch unterschiedliche Arten von Ruhm diese Menschen mit Sonne in Zwölf erzielt haben: Ghandi, Madonna, George Bush und Rodney King.

Wie bei allen astrologischen Faktoren ist das, was wirklich zählt, was das Individuum damit macht. Ich weiß, dass hinter jeder ängstlichen E-mail, die ich zum zwölften Haus bekomme, jemand mit großem Potential für Erfolg steckt. Seit ich die besondere Eigenschaft des zwölften Hauses zu schätzen gelernt habe, erscheint mir der Rest des Horoskops geradezu blass. Ohne Frage ist dieses Haus der Selbstauflösung, Einschränkung und des Verlustes mein Lieblingshaus im Horoskop.


Fußnoten:
  1. Dane Rudhyar, Das astrologische Häusersystem (Rowohlt: 1996)
  2. See Deborah Houlding, The Houses: Temples of the Sky (Ascella Publications, 1998), S. 56 und 115 enthalten einen Exkurs über die Ptolemäische und Ägyptische Sichtweise.
  3. Gauquelins Studien ergaben, dass Planeten in Neun und in gewissem Grad in Haus drei und sechs einen ähnlichen Einfluss haben. Siehe Michel Gauquelin, The Truth About Astrology, (Hutchinson, 1984).
  4. Maurice Fernandez, Neptune, The 12th House and Pisces (Trafford, 2004).

TWELVE MOONS WORKSHOP

12 Moons Workshop Als engster Verbündeter der Erde hat der Mond einen mächtigen Einfluss auf das tägliche Leben, aber nur wenige Menschen nehmen seine Rhythmen wahr. Wenn Sie Ihr Bewusstsein für die Mondzyklen erweitern wollen, dann ist dieser Workshop etwas für Sie. Jeden Monat vor dem Neumond erhalten Sie ein 26-seitiges Arbeitsheft, das individuell auf Ihr Geburtshoroskop und Ihren aktuellen Standort zugeschnitten ist. Sie lernen die astrologischen Besonderheiten kennen — den Neumond und Sonneningresse, wie diese Ihr Horskop beeinflussen, begleitet von Mondphasen, Leerläufen, und Transiten des Mondes durch Zeichen und Häuser. Während des ganzen Zyklus werden Sie an die immer vertrauter werdenden Einflüsse des Mondes auf Ihr tägliches Leben herangeführt.
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