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Das sechste Haus
von Dana Gerhardt

Anna Lee war eine meiner ersten Klientinnen. Als ich ihr Horoskop sah, schluckte ich erst einmal. Sie hatte fünf Planeten im sechsten Haus: Sonne, Venus, Merkur, Pluto und Uranus. Dazu kam, dass sie alle in der Jungfrau waren, der natürlichen Herrscherin dieses Hauses. Diese Information sprang meinem Anfängergeist mit vielen Ausrufezeichen entgegen. Aber was hatte das zu bedeuten? Damals hatte ich keine Ahnung. Ich freute mich auf den Tag, an dem ich ein Horoskop ansehen und sofort alles "wissen" würde. Aber offen gestanden, dieser Tag ist nie gekommen.

FiveIch bin abwechselnd neidisch und misstrauisch gegenüber denen, die Sofortanalysen nur aufgrund des Horoskops machen können, ohne die Person zu kennen, die es lebt. Aber es gibt schon genug Uneinigkeit über die richtige und falsche Art, Astrologie zu betreiben. Ich will hier nicht auch noch dazu beitragen. Ich mache nur ein Geständnis: Ich bin eine Niete was Landkarten angeht. Ich muss das Terrain betreten bevor ich etwas mit der Karte anfangen kann. Sogar etwas scheinbar einfaches, wie eine Planetenhäufung im selben Haus und Zeichen, lässt mich ewig raten. Für manche Menschen bedeutet das tatsächlich ein intensives und konzentriertes Leben. Für andere, wie Anna Lee, verhält sich das Stellium eher wie ein verwirrendes Durcheinander von Drähten, die sich, über Planetenherrschaften, durch das ganze Horoskop schlängeln. Ich erinnere mich noch, wie ich dachte, dass, wenn irgendjemand mir die Geheimnisse des sechsten Hauses beibringen könnte, dann müsste es Anna Lee sein. Saturn ging gerade in Opposition zu ihrer Sonne in sechs. Ich beobachtete die Auswirkungen dieses Transits mit großem Interesse.

Probleme bei der Arbeit oder mit der Gesundheit tauchen oft bei Transiten durch das sechste Haus auf. Es bestand eine große Wahrscheinlichkeit, dass bei Anna Lee einer der beiden Bereiche angesprochen sein würde. Was tatsächlich geschah, war, dass in den Monaten vor der genauen Opposition Anna Lees Chef Jerry Arbeits- und Gesundheitsprobleme hatte. Er musste die Firma verlassen und eine Bypass-Operation am Herzen vornehmen lassen. Manchmal leben enge Mitarbeiter die Transite für uns, aber wir kommen selten ganz ungeschoren davon. Anna Lee machte sich Sorgen um die Gesundheit ihres Chefs. Aber sein Ausstieg aus der Firma stellte auch ihre eigene Welt auf den Kopf. Vor zwei Dingen hatte sie Angst: Die obere Chefetage würde sie als nächstes entlassen, oder - vielleicht noch schlimmer - sie sollte bleiben und seine Stelle übernehmen.

Während der nächsten paar Monate, die im zermürbenden Tempo Saturns vergingen, kämpfte Anna Lee mit ihrer Situation. Anfangs hatte sie Panik. Dann hatte sie mehrere Bewerbungsgespräche. Sie bekam zwei Stellenangebote und lehnte beide ab. Als dann Gerüchte auftauchten, dass sie gehen wolle, ging sie geradewegs zum Firmenchef und stellte klar, dass sie blieb. Ihr Chef Jerry brauchte Monate, um eine neue Stelle zu finden, und die Firma sogar noch länger, um ihn zu ersetzen. Doch als die Saturn-Opposition exakt wurde, verließ Jerry schließlich die Firma, und einer seiner Erzfeinde bekam seinen Platz. Anna Lee war todunglücklich.

"Und warum haben Sie nicht gekündigt?"

shoesIhre Augen flackerten. Sie holte Atem, "Ich weiß es nicht, ich schätze, mir gefällt es dort." Nur wenige Augenblicke davor hatte sie ihre Stelle als Umfeld mit extremem Zeitdruck beschrieben, bei der ihr kaum eine ganze Mittagspause blieb; das obere Management zeigte nie Anerkennung dafür, wie viel sie, ihr Chef und die ganze Abteilung arbeiteten. Sie hielt ihre Abteilung für das Nervenzentrum des Unternehmens. An den Tagen, an denen Jerry nicht da war, hatte sie das Gefühl, die ganze Firma zusammenzuhalten. Ein Saturn-Transit belohnt manchmal frühere Anstrengungen und bringt eine Beförderung: "Und warum haben Sie sich nicht für die Stelle Ihres Chefs beworben?"

"Oh, ich glaube nicht, dass ich das könnte. Das ist ein riesen Druck ..." Ihre Stimme verlor sich. Ihre Augen blickten in die Ferne, dann kamen sie zurück. "Ich arbeite einfach gerne. Es macht mir auch nichts aus, viel zu arbeiten. Aber ich will keine Führungsposition. Ich bin eigentlich nicht ehrgeizig."

Schikane, Unsicherheit, verpasste Gelegenheiten, kombiniert mit der Bereitschaft wie ein Pferd zu arbeiten -- ich verglich diese Eigenschaften mit anderen Sechsthaus-Sonnen, die ich kannte. Es gab Ähnlichkeiten in ihren Geschichten. Nicht alle Menschen, die die Sonne im sechsten Haus haben, sind arbeitsame unsichere Opfer. Doch oft genug haben ihre Stimmen den gleichen zaghaften Ton, wenn sie über ihre Arbeit oder ihre Zukunft sprechen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sie sich beklagen, sie seien überarbeitet und bekämen nicht genügend Anerkennung. Ihr eingebauter Sechsthaus-Kritiker ist sicher auch keine große Hilfe: "Mach's besser, arbeite mehr" sind die üblichen Strategien des sechsten Hauses. Aber sie sind nicht immer die besten Lösungen im Leben. Vielleicht ist das die Schattenseite des lichten Aspekts des Dienens in diesem Haus -- Sonnen im sechsten Haus tendieren dazu, andere zu bedienen. Und wenn die anderen das nicht wollen, stecken diese Sonnen fest.

Die alten Astrologen hielten das sechste für ein unheilvolles Haus -- kein schöner Ort, um sich aufzuhalten. John Frawley, ein zeitgenössischer Astrologe, der mit den traditionellen Prinzipien arbeitet, schreibt über das sechste Haus: "Dies ist das Haus der Schlingen und Pfeile des ungeheuerlichen Schicksals: das Haus all der Dinge, zu denen sich die raue, grausame Welt und die sonderbaren Leute, die sie bewohnen, gegen uns verschwören." [1] Planeten in diesem Haus seien geschwächt und können anderen Häusern, die sie beherrschen, schaden. Das sei nicht das Haus der Gesundheit, behauptet Frawley, sondern der Krankheit. Das erste Haus zeige die Gesundheit oder Lebenskraft an; das sechste beschreibe, was sie untergräbt. Es sei auch nicht das Haus der Arbeit oder des Dienens, sagt Frawley. Das sei eine moderne Erfindung, die vage darauf beruhe, dass das sechste Haus Bedienstete und Geschäftsleute beherrsche -- also die, die für uns arbeiten. Unsere eigene Arbeit werde noch immer im zehnten Haus beschrieben. Die modernen Deutungen des sechsten Hauses seien schlichtweg falsch, meint Frawley. Sie seien das Ergebnis der Tendenz heutiger Astrologen alles schön zu reden, um jegliche schlechte Himmelsnachricht zu übertünchen.

Frawleys Erläuterungen klingen barsch für jemanden, der nur die modernen Deutungen gelernt hat. Und doch füllen sie eine Lücke: Planeten hier sind oft auf mysteriöse Weise unter Stress. Wenn Sie jedoch als beratende Astrologin arbeiten, ist es ziemlich unproduktiv, jemandem zu sagen "Mit diesen Planeten können Sie böse auf die Nase fallen". Vielleicht ist da Dane Rudhyars Sichtweise hilfreicher. Er beschreibt das sechste Haus als Krisengebiet -- das eine Neuorientierung und Anpassung braucht. Auf das fünfte Haus der Kreativität, Kinder und Liebesbeziehungen folgend, beschreibt das sechste, was passiert, wenn unsere Träume von Haus fünf mit der wirklichen Welt zusammenstoßen. Wir merken, dass unser kreativer Selbstausdruck nicht unsterblich ist. Wir stellen fest, dass unser Liebesleben seinen Glanz verloren hat. Und trotz größter Anstrengungen, meckern unsere Kinder herum und enttäuschen uns. Im sechsten Haus merken wir, dass das Leben nicht alles hält, was es versprochen hatte. Wir können in unseren Niederlagen ertrinken. Und wir können etwas dagegen tun. Wir können unsere Herangehensweise ändern, neue Methoden lernen. Wir können entweder leiden oder wachsen.

"Gerade weil das sechsten Haus grundsätzlich alles symbolisiert, was mit persönlichen Krisen zu tun hat und der Art, wie wir damit umgehen," schreibt Rudhyar, "zeigt es, mehr als jedes andere Element in der ganzen astrologischen Praxis, wie ein Mensch wachsen und sich verwandeln kann." [2] Für einen klassischen Astrologen hört sich das vielleicht nach Schönfärberei an. Es kommt darauf an, ob Sie sich mehr zum Schicksal oder zum freien Willen hingezogen fühlen. Worin sich klassische und moderne Astrologen einig sind, ist, dass das sechste Haus oft die Leidensprüfung bereit hält. Planeten, die hier stehen, brauchen Geduld, Ausdauer, Vertrauen und vor allem die Bereitschaft aus den Erfahrungen zu lernen. Keiner mit einem betonten sechsten Haus, meint Rudhyar, kann sich dem Ruf der Verwandlung entziehen.

Als Transit-Mars in Anna Lees sechstes Haus ging, hatte ich eine überraschende Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Anna Lee hatte eine neue Stelle in einer anderen Firma angenommen. Ich war begeistert von dem Selbstvertrauensschub, der diesen Wandel herbeigeführt hatte. Während ich die Nachricht abhörte, konnte ich nicht umhin, die Ironie zu bemerken. Sie übernahm eine Führungsposition -- genau das, was sie vorher abgelehnt hatte. Sie würde eine ganz neue Abteilung leiten, ja, sie sogar von Null aufbauen. Komisch, dass sie gerade jetzt ginge, meinte sie, denn sie hatte entdeckt, dass ihr neuer Chef in der alten Firma viel besser war, als sie befürchtet hatte. Die Chefetage veranlasste endlich die positiven Veränderungen, auf die sie so lange gewartet hatte.

WorkingIch fragte mich, warum sie ihre alte Firma gerade zu der Zeit verließ, als die Umstände sich endlich verbesserten. Aber dann fiel mir die Verbindung des sechsten Hauses mit Krankheit ein. Frawley erinnert uns daran, dass Krankheit eine vorübergehende Krise ist, die unser System wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Anna Lees Unzufriedenheit mit ihrer Arbeit war vielleicht ein nützliches Fieber. Es erlaubte ihr, ihre Passivität herauszuschwitzen und dem Leben auf einer höheren Ebene zu begegnen. Sobald dieses Fieber vorbei war, konnte sie weitergehen. Die Alten brachten das sechste Haus mit der Alchimie in Verbindung. Das könnte Rudhyars Sichtweise unterstützen, dass das sechste ein Haus der Verwandlung ist, in dem man das Blei des Lebens in Gold umwandeln soll. Das letzte, was ich von Anna Lee gehört habe, war, dass sie sehr erfolgreich war.


Die alten und modernen Astrologen sind sich einig, dass Merkur der natürliche Herrscher des sechsten Hauses ist. Merkur wird mit dem Verstand in Verbindung gebracht, insbesondere der Fähigkeit logisch zu argumentieren. Wenn Haus sechs Krisen bereithält, hilft uns die Logik von Merkur angemessen damit umzugehen. Mit Merkur analysieren und ordnen wir unsere Erfahrung. Wir teilen unsere Zeit in nützliche Arbeitseinheiten ein. Wir denken uns vorbeugende Strategien aus, um sowohl Krisen als auch Krankheiten im Zaum zu halten. Manchmal reden Astrologen über das sechste Haus wie nörgelnde Mütter, die uns daran erinnern, dass wir unsere Betten machen und die Kleider aufhängen sollen. Wenn dieses Haus durch Transite, Progressionen oder das Solarhoroskop betont wird, raten uns moderne Astrologen: "Essen Sie viel Gemüse, nehmen Sie Ihre Vitamine, treiben Sie Sport, geben Sie das Rauchen auf; gestalten Sie Ihren Arbeitsalltag effizienter, verringern Sie Stress, schaffen Sie Ordnung."

Einige Astrologen sprechen über das sechste Haus mit einem metaphysischeren Einschlag, vielleicht als kleine Homage an seine alchmistischen Wurzeln. Sie empfehlen Dinge wie "die spirituelle Mitte zu finden", "heilige Rituale", "die Magie in den kleinen Alltäglichkeiten zu entdecken". Wenn das sechste Haus durch einen Transit aktiviert wird, könnte das ein Hinweis darauf sein, das Heilige mit dem Gewöhnlichen zu verbinden. Zweifellos würde sich Frawley bei solchen Aussagen winden. Aber sie sprechen tatsächlich ein verbreitetes Problem des sechsten Hauses an. Merkur herrscht über Maschinen. Im sechsten Haus verhalten wir uns oft so als ob wir eine wären. Als mein progressiver Mond ins sechste Haus ging, hatte ich keine monumentale Krise. Mein Leben drehte sich um die Arbeit; meine Tage waren öde. Wenn ich unter etwas litt, dann war es ein Mangel an Phantasie. Ich sehnte mich nach einer magischeren Wahrnehmung meines Alltags.

Haus sechs bezieht sich auf die Zeit im Alltag und wie wir sie verbringen. Hier fügen sich die meisten von uns der kulturellen Norm -- die da heißt, die Zeit mechanisch zu verbringen. Wir füllen sie mit produktiven Tätigkeiten. Wir arbeiten. Die meisten von uns haben keine Wahl. Das könnte in der Tat das "Unheil" sein, von dem die Alten sprachen! Und doch sind sich die meisten Menschen wahrscheinlich einig, dass Arbeit nicht nur schlecht ist. Es gibt etwas in uns, das einen geregelten Tagesablauf mag. Studien haben gezeigt, dass die depressivsten Leute nicht diejenigen sind, die einen Vollzeitjob haben, sondern diejenigen, die ihn nicht haben -- die Arbeitslosen, die Gebrechlichen, die Rentner --- diejenigen, die nichts zu tun und keine Ziele haben. Die Alten sagten, dass der aktive Mars in diesem Haus "gedeihe". Unser sechstes Haus will in Bewegung sein. Aber hat es auch das Potential magisch zu sein?

ChildIch merke, wie ich immer mehr von Kindern lerne. Sie sind natürlich die unangefochtenen Meister der Alltagsmagie. Anfangs habe ich gelacht, als mein Freund mir die folgende Geschichte von seinem dreijährigen Sohn Zack erzählte. Jetzt betrachte ich sie als das Koan der Weisheit eines sechsten Hauses. Zack hat zwei Zahnbürsten: eine blaue für abends und eine grüne für morgens. Eines morgens drückte Zacks Vater die Zahncreme aus Versehen auf die blaue Zahnbürste. Zack war außer sich. Der Vater dachte sich, dies sei eine gute Gelegenheit, Zack Flexibilität beizubringen, und versuchte ihn dazu zu bringen, die Zähne mit der blauen Bürste zu putzen. Zack hatte einen solchen Wutanfall, dass sein Vater ihn zum Frühstück hinunter tragen musste, steif und schreiend, mit ungeputzten Zähnen. Der Wutanfall dauerte so lange, bis Papa nachgab. Er trug Zack wieder die Treppen hinauf. Sie spulten den Tag zurück und fingen nochmal von vorne an, diesmal mit der grünen Zahnbürste.

Damals dachte ich, dass mein Freund ein ungewöhnliches Kind habe. Dann hatte ich irgendwann selbst ein Kleinkind. Branden lehrte mich wie wichtig Kindheitsrituale sind: die richtige Tätigkeit, mit den richtigen Dingen, zum richtigen Zeitpunkt. Als er zwei war, aß Branden sein Frühstück im grünen Stuhl mit dem karierten Kissen und sah fern. Mama musste ihren Kaffee aus der Tasse mit dem Vogel drauf trinken, und Papa musste seine Schlüssel aufs obere (nicht das mittlere) Regal legen. Eines Morgens gingen Branden und ich aus dem Haus und hatten dem Hund davor nur einen Keks gegeben anstatt zwei wie normalerweise. Die erbarmungslosen Schluchzer vom Rücksitz "Hund Keks, Hund Keks", haben mich dazu gezwungen, die zwei Blocks wieder zurück nach Hause zu fahren und den Fehler zu beheben. Das hat mir gar nicht gefallen (was die Hündin sofort bemerkte und sich ungläubig duckte, als ich hereinstürmte und ihr einen zweiten Keks hinwarf). Dieser Morgen war einer der klassischen "Willenskonflikte" zwischen Eltern und Kind, vor denen die alten Erziehungsbücher immer warnen. Alles ist verloren, heißt es dort, wenn das Kind "gewinnt". Doch als ich Brandens Gesichtsausdruck an diesem Morgen sah, stand darin nicht Triumph geschrieben, sondern Erleichterung. Seine Magie blieb erhalten. Der Tag hatte richtig angefangen.

Das ist das sechste Haus für ein Kind, das sich weder um Arbeit noch um Gesundheit kümmert, ja, das noch nicht einmal ein ausgeprägtes Zeitempfinden hat. Kinder erfahren das sechste Haus durch ihre strukturierenden Rituale. Erwachsene haben ihre Routinen, Kinder haben Rituale. Rituale schaffen Energie; Routinen ziehen sie ab. Rituale laden Hilfe aus der unsichtbaren Welt ein. Sie haben eine magische, schützende Funktion -- genau so wie der Knoblauch und das heilige Kreuz, die die Vampire des sechsten Hauses in Schach halten. Was die Kinder an bestimmten Dingen oder Abläufen anzieht, ist ein Mysterium, aber die Kraft dieser Bindung ist unbestritten. Für Kinder ist das wichtig, was im Jetzt passiert. Das sechste Haus enthält die persönlichen heiligen Rituale, die ihrer Welt Bedeutung verleihen.

Wenn Kinder in die Schule kommen, werden diese sinngebenden Bindungen nach und nach durchtrennt. Auf ihr einzigartiges Zeiterleben müssen sie zu Gunsten der effizienteren Rhythmen der Gesellschaft verzichten. Die persönliche Magie macht Platz für Produktivität und praktische Erwägungen. Je älter wir werden, desto schlimmer wird es. In dem Jahr, als meine Sonne und vier weitere Planeten im meinem sechsten Solar-Haus standen, waren meine täglichen Verpflichtungen überwältigend. Ich bin fast geborsten vor produktiver, effizient geplanter Aktivität. Ich habe immer darauf gewartet, dass diese Lawine der Verantwortungen sich irgendwie auflösen würde. Das passierte nie. Gegen Ende dieses Jahres hörte ich einen Vortrag von Ray Merriman über die Sonne im sechsten Solarhaus. Er traf bei mir ins Schwarze, als er sagte: "Diese Leute sind selbst verantwortlich. Sie packen Ihre Terminkalender voll, und merken nicht, dass sie eigentlich das Gegenteil davon tun sollten: entspannen, mitgehen, fließen."

Merriman legte nahe, dass wir, um das sechste Haus auszugleichen, in das gegenüberliegende zwölfte schauen sollten. Das ist das Haus der unsichtbaren Welt. Es ist Neptuns Territorium. Um die merkuriale Effizienz in einem gesunden Maß zu halten, können wir mehr Neptun heraufbeschwören -- Phantasie, Spiritualität, die Unbewusstheit der Träume. Genauso wie Träume die Bilder unserer Tage enthalten, so könnten wir auch den Tagen erlauben, sich an die Bilder unserer Träume zu erinnern.

Jung sagt, es gibt zwei Wurzeln psychischer Krankheit: die Götter, die wir vergessen zu ehren, und die Götter, mit denen wir es übertreiben. Zu viel des merkurischen "Tuns" ohne Neptunisches "Schweben im leeren Raum" führt zu "Stress" als einem verbreiteten Sechsthaus-Syndrom. Wenn Neptun vergessen wird, liegt dieser ungeladene, im Stillen rachsüchtige Gast auf der Lauer, um uns zu verhexen. Wir fallen auf der Heimfahrt auf der Autobahn in eine tiefe Trance und wachen erst kurz vor der Ausfahrt wieder auf. Wir vergessen, warum wir den Kühlschrank aufgemacht oder ins Schlafzimmer gegangen sind. Unsere Körper arbeiten wie effiziente Maschinen, und gleichzeitig gehen wir wie betäubt durch den Tag. Wenn wir den Kontakt zu unserer Gegenwart verlieren, werden wir zur leichten Beute von Süchten. Es ist der entehrte Neptun, der uns das Bierglas, die Zigarette und die Fernbedienung in die Hand drückt.

Wenn das sechste ein dumpfes und verletztes Haus ist, liegt die Verantwortung dafür bei uns selbst. Wir könnten Bücher wie Die Göttin im Büro kaufen. Wir könnten an einem Marstag rot tragen, abends Räucherstäbchen anzünden, oder ein paar Zaubersprüche murmeln. Aber das "richtige" Ritual zu finden, wird uns nicht retten. Es geht darum, die Fähigkeit zu finden, uns mit ihm zu verbinden -- das, was im Moment passiert, wieder schätzen zu lernen. Ich sage nicht, dass wir wie ein Kind Wutanfälle bekommen sollen, wenn unsere täglichen Routinen gestört werden. Vielmehr sollten wir Merkur mit Neptun ins Gleichgewicht bringen. Lassen Sie uns unsere Vernunft nutzen, um die spirituelle Vorstellungskraft zu erhalten. Lassen Sie uns, wie die Kinder, zu den Hohepriestern und Hohepriesterinnen unseres Alltagslebens werden.


Das ist leicht gesagt, doch wie schaffen wir das im richtigen Leben? Ich glaube nicht, dass es ein einfaches Rezept gibt, obgleich Merriman mit seinen Gedanken etwas auf der Spur war. Mir ist aufgefallen, dass diejenigen, die im sechsten Haus gut zurechtkommen, ein gutes Verhältnis zum zwölften haben. Sie genießen es, mal im luftleeren Raum zu schweben und dann wieder wach und konzentriert zu sein, wenn sie bei der Arbeit gefordert sind. Ich habe mich gefragt, ob das Zeichen an der Spitze des sechsten Hauses vielleicht den optimalen Tagesrhythmus vorgibt -- und die beste Art, mit Sechsthaus-Krisen umzugehen. Was ich herausfand, war, dass die meisten Leute im Stil ihres Aszendenten durch den Tag gehen. Ich habe einen Jungfrau Aszendenten, und das heißt, ich liebe es zu planen, Zeitpläne und Listen zu machen. "Eine Stunde für tibetische Gebete, eine zum Lesen, und dann an die Arbeit", sage ich mir. Aber dann sind da Telefonanrufe, E-mails, die beantwortet werden müssen, der Elektriker, der nicht zu der Zeit kommt, die er angekündigt hatte. Wassermann an der Spitze meines sechsten Hauses. Wassermann beschreibt die unvorhersehbaren Rhythmen besser, die ich im Alltag antreffe. Trotz bester Vorsätze brechen meine Jungfrau-Pläne für gewöhnlich zusammen. Wenn ein Horoskop den täglichen Rhythmus beschreibt, ist das Rezept eher das folgende: Der Aszendent zeigt, wie Sie sich den Tag vorstellen. Das sechste Haus zeigt, wie er tatsächlich abläuft.

waterIn den meisten Horoskopen ist das Zeichen an der Spitze des ersten Hauses im Quinkunx zum Zeichen an der Spitze von sechs. Das Quinkunx ist ein Aspekt des Ungleichgewichts. Es bringt uns aus der Balance und benötigt ständige Anpassung. Diese natürliche Spannung zwischen dem Aszendenten und der Spitze des sechsten Hauses ist wie ein Perpetuum mobile, das uns immer wieder zur ursprünglichen Aufgabe dieses Hauses zurückbringt. Die Wirklichkeit klopft an, und wir müssen uns wandeln. Im sechsten Haus analysieren wir unsere Erfahrungen und nehmen ihre Rückmeldungen auf. Wir verbessern unsere Methoden und Fähigkeiten, da wir vorwärts drängen zu einer wahrscheinlich unerreichbaren Perfektion. Das macht den Unterschied aus zwischen der Arbeit eines Menschen und einer Maschine. Es ist unmöglich, perfekte Artikel zu schreiben, perfekte Vorträge zu halten oder eine perfekte Mama zu sein. Aber ich versuche es immer wieder. Das Bewusstsein, dass ich dem nicht immer gerecht werde, ist oft schmerzlich. Und trotzdem drängt mich das Ungleichgewicht zwischen meiner Intention und deren Verwirklichung wieder weiter vorwärts -- hin zu neuen Methoden, Ansätzen, Einsichten. All das ist anders als bei meinem Computer, der seine Aufgaben immer auf die gleiche Weise erfüllt, und sich nie darum kümmert, wie sie bei anderen ankommen.

Im sechsten Haus werden wir zu Meistern unseres Handwerks. Vielleicht wollen wir nichts weniger als immerwährenden Erfolg, aber im Ungleichgewicht liegt die Magie. Kreativität kommt oft aus der Niederlage. Wir können aus unseren Sechsthaus-Krisen lernen. Und ist das nicht der Schlüssel dazu, unser Leben zu meistern?


Images©fotolia.com
Fußnoten:
  1. John Frawley, Die wahre Astrologie angewandt (arte poetica Verlag, 2008).
  2. Dane Rudhyar, Das astrologische Häusersystem (Rowohlt, 1992).

MOONPRINTS by Dana Gerhardt

Zu Moonprints Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhätlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen: Karin Hoffmann

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