Das
siebte Haus
von Dana Gerhardt
|
Liebe April,
irgendwie traue ich mir nicht, wenn ich über das siebte Haus der Beziehungen und Partnerschaften schreibe. Daher bitte ich dich, meine liebe Freundin, diese Kolumne mitzugestalten. Du bist nicht nur glücklich verheiratet, sondern hast zudem noch einen ausdrucksstarken Mond im siebten Haus. Wenn irgendjemand meinen Ansatz ergänzen und ausgleichen kann, bist du es. Du weißt, wie ich zusammenzucke, wenn Klienten mich um eine Partnerberatung bitten, wie ich versuche, ihnen Horoskopvergleiche auszureden ("Sagen Sie mir -- sind Jake und ich das perfekte Paar?"), und warum ich sie an dich verweise, wenn sie weiter darauf bestehen. Das siebte Haus lüftet mein schuldbehaftetes Geheimnis: Ich gestehe, dass ich nicht an Seelenverwandtschaft glaube. Nach dem "perfekten Partner" zu suchen ist (für mich) genau so zum Scheitern verurteilt wie ein Einhorn oder einen Greif fangen zu wollen.
Du
siehst also, warum ich mir nicht traue. Das ist ein riskanter Standpunkt.
Die meisten Leute gehen zum Astrologen, nur um etwas Gutes über
ihren
"Seelenpartner" zu hören (zum Beispiel "Treffe
ich bald die Liebe meines Lebens?"). Ich befürchte, dass
meine Theorien hier falsch sind. Aber ich verstehe, warum die Leute
nach Seelenverwandten
suchen. Verantwortlich ist das siebte Haus. Hier ersehnen -
und bekommen - wir "den anderen". Es drängt uns,
im Duett zu spielen. Hier streben wir danach, im Einklang
zu
sein, eins-zu-eins,
nicht nur mit einem, sondern einer ganzen Reihe von bedeutungsvollen
anderen -- Lehrer und Berater, Geschäftskollegen und Geliebte.
Mit diesen Partnern können wir tanzen, nur
für einen
Augenblick, eine Sitzung lang, oder bis in alle Ewigkeit. Aber durch
sie treten wir aus uns heraus. Sie verlangen von uns, dass wir
wachsen. Durch die Menschen des siebten Hauses erreichen wir ein
bisschen mehr Ganzheit. Das klingt schön, aber in der Realität
ist es oft schmerzhaft, denn das siebte Haus ist nicht nur ein Zuckerschlecken.
Es ist auch eine Rasierklinge, die die Ecken und Kanten unserer Persönlichkeit
abfeilt. Das ist der Aufbau des Horoskops:
unser siebtes Haus steht dem Selbst des ersten Hauses gegenüber.
Deswegen herrscht das siebte über "offene Feinde" ebenso
wie über
unsere "wahre Liebe". (Und ist es nicht traurig,
wie viele wahre Lieben am Ende zu offenen Feinden werden?)
Wenn wir also mit Seelenverwandtschaft diesen idyllischen Partner meinen, der genau wie wir selbst Anchovybrötchen liebt und "Herr der Ringe" hasst, der feinen italienischen Marmor zu schätzen weiß und unverzagt unsere Launen hinnimmt, der uns versteht wie kein anderer, dann wird es zum riskanten Unternehmen, diesen Menschen im siebten Haus zu suchen. Es ist schade, dass unsere romantischen Märchen so oft damit enden, dass wir den Partner für genau das hassen, was uns anfangs angezogen hat.
Aber warum muss das so sein?
Es
fängt mit dem Aszendenten an, dem aufsteigenden
Zeichen oder unserer ersten Maske. Hier ist die Persona, die in
unserem frühesten Umfeld am
besten für uns funktioniert hat. Sie zeigt nur einen Bruchteil
unseres vollen Potentials, und doch zieht sie eine nützliche
Grenze ("Ich
bin ein Mensch, der dieses tut und jenes niemals täte.")
Als wir diese Geschichte für uns erfanden, mussten
wir etwas mit den abgelehnten Anteilen in uns tun, die nicht zum
Mythos unseres
Aszendenten passten. Wir haben sie dem siebten Haus zur Aufbewahrung
gegeben, um sie später
wieder zu treffen. Daraus entsteht unsere tiefe Sehnsucht,
das wieder anzunehmen, was wir unbewusst
von uns gestoßen haben. Wenn Menschen unsere Bühne betreten,
die genau die Potentiale zeigen, die wir unterdrückt haben --
was für
eine geheimnisvolle und kraftvolle Anziehung spüren wir in diesem
Moment. Doch wenn wir sie besser kennen lernen, werden sie seltsamerweise
weniger begehrenswert. Unser fest verwurzelter Widerstand wird geweckt.
Geh durch jedes beliebige Einkaufszentrum, und du wirst das
endlose Gezänk zwischen unseren aufsteigenden Zeichen und den
dazugehörigen Spitzen des siebten Hauses hören.
Herr Stier Aszendent war einst fasziniert von der geheimnisvollen Tiefe seiner Geliebten (den verbotenen Früchten des Skorpions); jetzt hat er Angst vor dieser grüblerischen, dunklen Intensität. Fräulein Steinbock Aszendent bekommt Herzklopfen, wenn sie die nährende Einfühlsamkeit ihres Krebs-Prinzen spürt - bis er sich vor ihren Augen in einen bedürftigen, kindischen Frosch verwandelt. Ach -- die armen Männer, die mit mir zusammen waren! Mein Jungfrau Aszendent findet Fische unwiderstehlich; ich habe mich zu Dichtern, spirituellen Suchern und Musikern hingezogen gefühlt. Wir ziehen zusammen und, Presto Change-o -- alles ändert sich schlagartig! Herr Perfekt ist plötzlich ein lausiger Träumer -- chaotisch, unpraktisch und vage. Wenn du die Horoskope zweier beliebiger Partner betrachtest, wird dir auffallen, dass jeder von ihnen ein starkes Echo von Zeichen oder Planeten im siebten Haus des anderen in sich hat. Das ist der Haken. Aber ich gebe zu: hier endet mein Interesse an Horoskopvergleichen. Es ist mir völlig gleichgültig, ob Jakes Venus im Trigon zu Sues Mars steht. Es ist das Geburtshoroskop, das in den meisten Fällen für das Gelingen oder Zerbrechen von Beziehungen verantwortlich ist. Hier haben wir die rosarote Brille auf ... und die Papiertüte über dem Kopf. Jake kann ein wunderbarer Mann sein, aber wenn Sue ihre eigenen Projektionen nicht überwindet, ist ihre Liebesbeziehung zum Scheitern verurteilt.
Als gute Faustregel gilt, dass jedes Individuum, das in uns eine starke emotionale Reaktion hervorruft, das uns auf welche Weise auch immer berührt, uns unwissentlich zum Schattentanz mit unserem siebten Haus einlädt. Behalte die Nerven. Betrachte deine Vorwürfe aus der Distanz und erforsche sie. Lass dich von ihnen auf eine Schnitzeljagd nach gerade diesen Eigenschaften in dir selbst schicken. Natürlich verdirbt das den Spaß an der selbstgerechten Empörung. Aber die Mühe lohnt sich. Man kann tatsächlich etwas gegen sein tiefer sitzendes Leid tun -- nämlich innerlich aus dem Gleichgewicht zu sein. Auf mich selbst gestellt sehe ich nichts Fische-artiges in mir. Ich bin Jungfrau -- analytisch, organisiert, effizient. Aber durch die vielfältigen Unvollkommenheiten meines Partners gewinne ich einen Spiegel, der mir die Anteile zeigt, die ich vor mir selbst verstecke. Stell dir vor: ich habe entdeckt, dass ich auch vergesslich, doppelzüngig und realitätsfern sein kann! Meinen Partner anzunehmen wird jetzt ein bisschen leichter. Außerdem lässt das Annehmen meiner dunkleren Fischeseiten auch die positiven leichter an die Oberfläche kommen. Ich werde gelassener, präsenter, ruhiger. Vielleicht ist mein Partner, Robert, schließlich doch mein Seelenverwandter -- wenn wir unter "Seelenverwandten" die Menschen verstehen, die uns geduldig herausfordern ... uns mit der vergessenen Vollkommenheit unserer eigenen Seele zu vereinigen.
Das
siebte Haus schreibt viele Geschichten. Eine weitere erzählt der
Planet, der darüber herrscht. Seine Stellung
verrät ein zentrales,
immer wiederkehrendes Thema in Beziehungen. Jemand mit dem Herrscher
von sieben im zehnten Haus des Berufs könnte ihre Berufung in
der Ehe finden, ein Geschäft mir ihrem Partner zusammen eröffnen,
oder alleine bleiben und mit ihrem Lebenswerk verheiratet sein. Über
meinen Deszendenten
herrscht ein Waage-Neptun im zweiten Haus des Geldes.
Ich neige dazu, meine finanziellen Beziehungen zu persönlichen
zu machen und meine persönlichen zu finanziellen. Hier das
Romantischste, was ich je über die Ehe herausgebracht habe: "Liebling,
wir können
zusammen Geld sparen und ein Haus kaufen!" Um diesen Traum haben
sich zwei meiner Langzeitbeziehungen gesponnen und sich dann aufgelöst.
Neptun war ein ziemlicher Schwindler: er hat mein Einkommen fast
magisch vermehrt, aber gleichzeitig die Finanzen meiner Partner aufgelöst.
Alle drei sind an der Grenze des Bankrotts gelandet.
Geld spielte die Hauptrolle in der Beziehung meiner Eltern: sie stritten sich ständig darüber. Papa ließ das Geld zwischen seinen Fingern durchrieseln; Mama hatte einen grünen Daumen dafür, es wachsen zu lassen. Mir ist erst vor kurzem aufgefallen, dass die Spitze meines siebten Hauses zwischen sechs Oppositionsplaneten der Horoskope meiner Eltern gefangen ist. Da war ich also immer, ein kleiner Fisch, gefangen in dem langen Netz, das diese zwei Fischkutter in meinem unbewussten Meer zwischen sich aufgespannt hatten. Sind wir nicht alle der Macht unseres Ehemythos unterworfen? Unter "Ehemythos" verstehe ich die Geschichte der Beziehung unserer Eltern. Diese frühen Götter beherrschten unser unbewusstes Königreich mindestens so stark wie Zeus und Hera es je konnten. Wir können den Aszendenten entziffern, indem wir die Geschichte unserer Geburt betrachten. Vielleicht können wir die Geheimnisse des Deszendenten entlarven, indem wir unseren Ehemythos anschauen.
Das ist die Geschichte meiner Eltern: Keiner von beiden behauptet Glück in der Liebe zu kennen. Sie heirateten einander zweimal und ließen sich zweimal wieder scheiden. Mein Vater hat meine Mutter verlassen, als ich acht war; sie hat ihn verlassen, als ich vierzehn war. Danach blieben sie zusammen, kauften Häuser zusammen, lebten manchmal zusammen -- eine verschrobene Geschäftsbeziehung, die zur Zeit darin besteht, dass sie in verschiedenen Häusern in der gleichen Stadt leben. Ich wollte niemals das Unglück meiner Eltern wiederholen, aber meine Beziehungen waren auch meist ziemlich verschroben. Sie endeten in Zeitabständen, die die meiner Eltern widerspiegelten, die erste nach acht Jahren, die zweite nach vierzehn. Wie meine Mutter, verließ mich mein Partner beim ersten Mal, und ich ihn beim zweiten. Jetzt lebe ich in einer "GZL" Beziehung, was laut meiner Freundin die Europäer tun, "getrennt zusammen leben". Sie sagt es so, als ob es trendig und typisch kontinental wäre, aber ich weiß es besser. Es ist genau das, was meine Eltern in ihren späteren Jahren getan haben. Huch!
Zum Glück gehört zum siebten Haus mehr als nur die Ehe. Interessanterweise ist es das einzige Haus, bei dem sich moderne und traditionelle Astrologen völlig einig sind. Beide schreiben es Beziehungen zu, obwohl in der Stundenastrologie das siebte Haus für jeden x-beliebigen "Anderen" stehen kann, den wir vielleicht interessant finden könnten. Ein solcher wichtiger "Anderer" sind für meine selbständig arbeitenden Klienten die potentiellen Kunden. Astrologen sprechen selten von der Klientenakquise oder vom Aufbau eines Kundenstammes als Sache des siebten Hauses. Das wird in der Regel als Marketingherausforderung des zehnten Hauses gesehen. Aber ist es nicht auch eine Frage von Beziehungen? Über die Jahre habe ich von vielen erfolglosen Astrologen die Beschwerde gehört, dass die Schuld bei ihren potentiellen Klienten zu suchen sei: "Diese Versagerstadt lässt ja keinen anständigen Astrologen zu!" (Beachte die Emotionalität. Könnte hier Projektion im Spiel sein?) Was denkst du, April, nachdem du in den letzten gut drei Jahren deine Praxis in drei Städten neu aufgebaut hast?
Mein erstes Jahr als Astrologin war ein einsames. Wenn das Telefon einmal alle sechs Wochen klingelte, war es ein geschäftiger Monat. Mein täglicher Gang zum Postfach hatte nur den Zweck diese Einmal-im-Monat-Anfrage zu erwischen, falls sie gerade an diesem Tag ankam. Ich machte Werbung, vielleicht an den falschen Orten, aber im Rückblick glaube ich, dass das wirkliche Problem in meinem siebten Haus lag: Ich war nicht bereit für diese Beziehungen! Über der Oberfläche bat ich inständig um Klienten; unter der Oberfläche hatte ich höllische Angst. Was könnten sie von mir wollen?! Was auch immer es war, ich wusste, dass ich es ihnen nicht geben konnte. Mein Widerstand war stärker als meine Sehnsucht. Es ist das gleiche, wenn ein Astrologe eine neue Liebe am Horizont prophezeit und der Klient kommt ein Jahr später wieder und beschwert sich, dass keine kam. Ich weiß, dass das wie eine bequeme Ausrede für eine falsche Vorhersage klingt; nichtsdestotrotz, ich könnte wetten, dass diese Person ein "Eintritt verboten!" Schild an ihrem siebten Haus hatte.
Ich fing an, mehr Klienten anzuziehen, nachdem ich eine wichtige Entscheidung getroffen hatte: Ich sagte mir, dass ich mich nur auf die Leute einlassen würde, die ich mir auch als Freunde vorstellen könnte. Vielleicht hat das meiner Panik einfach den Stachel genommen, aber ehrlich, das waren genau die Leute, die kamen. Über die Jahre ist mir noch ein sonderbares Phänomen aufgefallen: die meisten Horoskope zeigten, dass meine Klienten ausgesprochen intuitiv waren. Das ist natürlich eine Fische-Eigenschaft (sprich: mein siebtes Haus). Haus sieben zeigt uns, welche Art von Leuten wir anziehen; mehr noch, es sagt uns den Zweck unseres Treffens. Ich habe meine Vorgehensweise dahingehend einwickelt, dass ich das herauslocke, was meine intuitiven Klienten schon wissen. Zusammen erforschen wir ihre Gefühle, unbewussten Symbole, und ihre reiche Vorstellungskraft. Mit anderen Worten, wir haben einen Fische-Kaffeeklatsch! Ich stelle die Tassen zur Verfügung. Sie bringen den Kaffee mit.
Aber nun genug von meinen Siebthaus-Geschichten. Jetzt ist es Zeit für deine!
Alles Liebe,
Dana
Liebe Dana,
Na gut, ich gebe zu -- ich liebe das siebte Haus! Ungeachtet deiner wunderbaren Hypothese -- und ich kann auf jeden Fall die Theorie dahinter verstehen -- scheint mein siebtes Haus nicht der Aufenthaltsort meiner am wenigsten geliebten Eigenschaften zu sein. Philosophin, Clown, Besserwisserin, ich bin mein Schütze Aszendent. Journalistin, Klatschbase, Mitteilende: ich nehme die Eigenschaften meines Zwillinge DCs für mich in Anspruch, obwohl ich auch das Glück habe, sie in denen, die ich liebe und die mir nahestehen wiederzufinden.
Dein
Konzept vom "Ehemythos" des siebten Hauses und seinen Einfluss
auf unsere Erwartungen an die Ehe hat mich jedoch fasziniert; es
hat
mir reiche neue Erkenntnisse eröffnet, als ich es auf mein Horoskop
angewandt habe. Merkur herrscht über mein siebtes Haus, und
Themen des dritten Hauses/Merkur/Zwillinge (Kommunikation, Briefe,
sogar
Autos) spielen eine bedeutende Rolle in meinem Mythos. Ich habe nur
eine Handvoll Erinnerungen an meine Eltern zusammen, denn mein Vater
starb in meiner Kindheit. Aber ich erinnere mich an den Klang ihrer
Stimmen, die vom Schlafzimmer über den Gang kamen und mich in
den Schlaf wogen, als sie den Tag Revue passieren ließen --
Stimmen, diese süßesten aller Zwillinge-Schlaflieder!
-- und die beiden, wie sie am Küchentisch saßen, und sich
mit Leichtigkeit unterhielten und miteinander lachten. Eines Sommers
ging meine Mutter mit mir
und meinen Geschwistern in die Ferien, während mein Vater zurückblieb,
um die Ernte einzubringen. Viele Jahre später habe ich ein Bündel
Briefe gefunden, die er an sie geschrieben hatte, während wir
weg waren -- wunderschöne, einfühlsame, witzige Briefe.
Die Art von Brief, den man an seinen besten Freund schreibt. Meine
Zwillinge-DC-Erwartung: Der Mensch, den du heiratest, sollte dein
bester Freund und Vertrauter
sein. Meine Beziehung zu meinem Mann entwickelte sich über
lange Gespräche
am Kaffeetisch. Tatsächlich lassen sich alle wichtigen Beziehungen
in meinem Leben zu einer gemeinsamen Quelle zurückverfolgen:
Kommunikation.
Aber es gibt, letzten Endes, ein tragisches Ende meines Mythos (mein Mond im siebten Haus ist quadrat Pluto). Eines Tages fällt Zeus von einer Wolke (oder stirbt bei einem Autounfall, im Falle meines Vaters), und lässt Hera ohne ihren besten Freund zurück. Was tust du mit einem solchen Skript, wenn du jung und leicht zu beeindrucken bist? Ich wählte eine Reihe von romantischen Beziehungen mit eingebautem Verfallsdatum. "Ach, er wird sowieso irgendwann ins Gefängnis gehen." "Er ist hundert Millionen Jahre alt und wird lange vor mir sterben." Ich konnte das Verlassen planen, verstehst du? Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle zu haben (wieder dieser Mond/Pluto). Und meine romantische Projektion -- entfernt angelehnt an die Situation meiner Eltern -- war, dass du dich nur gegenüber jemandem öffnest, wenn du sicher bist, dass sie dich verlassen werden.
Als ich dann schließlich meinen besten Freund und Vertrauten fand, war ich sofort in einer Zwickmühle: Ich wollte nicht ohne ihn leben, aber auf der anderen Seite fehlte ihm ein klar definiertes Verfallsdatum! Ich hatte eine wahnsinnige Angst, weil ich keine Kontrolle hatte. Um glücklich verheiratet sein zu können, musste ich meine Angst verlassen zu werden überwinden und lernen, jemanden zu lieben und zu vertrauen, dessen geschätztes Abreisedatum nicht eindeutig definiert war.
Wie sich das Ganze mit Klienten verhält -- woher soll ich das wissen, diese lausige Stadt lässt ja keinen anständigen Astrologen zu! (Har har). Ach, zur Hölle, Dana, ich weiß es nicht. Ich bin Mitglied bei der "Mach das Horoskop von jedem"-Astrologieschule -- ein Schleppnetz-Ansatz. Funktioniert gut, wenn du viel umziehst. Ich schätze, wenn ich genügend Leute berate, werde ich rein durch die Zahl der Klienten letztlich zu einem Kundenstamm kommen. Und zu einem vielseitigen noch dazu -- muss diesen Zwillingsmond bei Laune halten!
Wogegen dein Standpunkt -- nur Klienten zu nehmen, die du auch als Freunde haben wolltest -- weise und perfekt für dich klingt. Ein Fische-Deszendent hat nur eine Geschwindigkeit in Beziehungen: völliges Eintauchen. Das ist wunderbar, aber sicher auch anstrengend. Du bist also weise in der kritischen Auswahl deiner Klienten (hilfreicher Jungfrau-Aszendent), denn du weißt die Tatsache zu schätzen, dass jede Sitzung auf subtile Weise deine kosmische DNA auf eine tiefgreifende Art verändert. Jede deiner Sitzungen ist ein schöner, beseelter, künstlerischer kleiner Edelstein -- klingt das nach Fische? Für meinen Zwillinge-Deszendenten ist jede Sitzung eine Gelegenheit, Barbara Walters [eine amerikanische Talkshow-Moderatorin, Anm. d. Ü.] zu spielen -- "Reden wir mal über Sie!" Ich finde Leute einfach unglaublich interessant. Ich höre gerne ihre Geschichten, und erzähle ihnen dann ihre Geschichten wieder auf eine Art zurück, die ihnen, hoffentlich, hilft eine andere Perspektive auf ihre Situation zu finden. Aber ich werde nicht unbedingt eins mit ihnen.
Ich schätze, wenn ich ehrlich bin, sind meine Begegnungen mit Klienten die ultimativen Beziehungen mit eingebautem Verfallsdatum. ("Sie gehen in 90 Minuten wieder. Es ist in Ordnung mich zu öffnen.") Wenn ich meinen "Ehemythos" auf diese Art von Beziehung anwende, kann ich leicht nachvollziehen, warum ich mich gelegentlich in Machtkämpfen mit meinen Klienten befinde, für gewöhnlich zum Thema Zeit. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Leute zu spät kommen, überhaupt nicht auftauchen oder nicht rechtzeitig bezahlen. Ich habe das Gefühl, keine Kontrolle zu haben, und die darauffolgenden Machtkämpfe dienen dazu, mich daran zu erinnern dass ich, um die anderen auf mich wirken zu lassen, über die Sicherheitsschranke des Verfallsdatums klettern und Frieden mit der Machtlosigkeit schließen muss.
Es gibt eine alte astrologische Binsenweisheit, die behauptet, das siebte Haus beschreibe die Art der Partner, die wir haben werden, und ich bestreite das nicht. Aber mir scheint, es gibt noch eine weitere Dimension des siebten Hauses: nämlich, dass es ein Abbild dessen ist, was andere antreffen, wenn sie sich auf eine enge Partnerschaft oder Feindschaft mit uns einlassen -- die Art Beziehungsumgebung, die wir anderen bieten.
Zum Beispiel, obwohl du den Akzent auf den heftigen emotionalen Pragmatismus deines Jungfrau-Aszendenten setzt, Dana, erlebe ich dich nicht so. Ich kann dich so sehen -- das heißt, wenn ich deine Persönlichkeit betrachte, sehe ich die sorgfältige, bodenständige Seite deines Wesens -- aber das ist nicht die Seite von dir, die ich erlebe, wenn ich mit dir in Beziehung trete. Was ich empfinde, wenn ich dein siebtes Fischehaus betrete, ist Zeitlosigkeit. Wenn ich mit dir zusammen bin, wunderbare Freundin, trete ich in einen Garten voller Spaß, Phantasie, freier Assoziation, und -- wundervoll, herrlich -- Zeitverschwendung. Mit dir zu plaudern oder einen Brief von dir zu lesen fühlt sich an wie ein wunderbarer Kurzurlaub. Es ist ein Spiel. Und das ist ein Aspekt der Fische-Erfahrung, der oft vergessen wird -- ekstatisch im Moment zu leben. Den Prozess zu genießen.
Sobald jemand unser siebtes Haus betritt (ob als Ehepartner, Geschäftspartner oder Todfeind), erleben sie eine Seite von uns, die oft sehr anders ist, als die erste "Willkommen"-Fußmatten-Version unserer Aszendenten-Persönlichkeit. Indem sie mit uns das Geröll unserer abgelehnten Träume, Impulse und Charaktereigenschaften durchsuchen, und uns uns selbst durch unser eigenes siebtes Haus widerspiegeln, sind unsere Partner wie Peter Pans Wendy, die Peter seinen Schatten wieder annäht: sie "nähen" den Schatten (siebtes Haus) des Selbst wieder an unsere Persönlichkeit (Aszendent) und machen uns wieder ganz.
Ich sehe den Deszendenten als einen Filter, durch den all die anderen Themen, die wir in eine Beziehung einbringen, hindurch müssen. Nachdem wir potentielle Kandidaten für eine Beziehung aufgetrieben haben, interviewen wir sie, basierend auf unseren Deszendenten-Erwartungen, und lassen ein paar in unser siebtes Haus. Vielleicht verlangen wir sogar eine Gebühr, indem wir erwarten, dass unsere Partner die Rollen von einem oder mehreren Planeten in unserem siebten Haus spielen, sozusagen als Eintrittspreis. Heißt das letztlich, dass wir eine Reihe von Partnern wählen, mit denen wir immer wieder die gleichen Beziehungsmuster durchspielen? Vielleicht. Oder vielleicht lernen wir, Frieden zu schließen mit den Deszendenten-Eigenschaften, die wir vorfinden.
Die natürliche Erhöhung von Saturn im siebten Haus impliziert, dass wir dafür verantwortlich sind, die Siebthaus-Umgebung zu schaffen, die wir wollen. Aber es ist frustrierend auf dem Weg zu befriedigenden Beziehungen immer wieder in die gleichen Hindernisse zu laufen! Es macht einen verrückt, zu spüren, dass man, so sehr man sich auch bemüht, dazu verdammt ist, immer wieder die gleichen alten erfolglosen Beziehungsmuster zu wiederholen. Und das letzte, das wir hören wollen, wenn wir frustriert und halb wahnsinnig sind ist, dass wir ganz alleine dafür verantwortlich sind, diese unbefriedigende Situation zu ändern. Anstatt uns durch diese Sichtweise eigenmächtig und gestärkt zu fühlen und die Herausforderung anzunehmen uns mit unserem Schatten zu versöhnen, bestehen wir darauf, dass andere unsere Überzeugung bestätigen, dass das Universum nur auf uns herumhacken will!
Mein Mond in sieben hat aus mir eine lebenslange Schülerin in Sachen Beziehung bemacht und hat mich schon öfter als ich zählen kann in die Rolle der astrologischen "Liebe Abby" gebracht. Und trotzdem, Dana, ich habe keinesfalls den endgültigen Einblick in das siebte Haus. Aber ich habe das Gefühl, und ich denke, dass du mir zustimmst, dass es zu kurz greift zu sagen, das siebte Haus sei lediglich das Haus, in dem wir "andere finden"; es ist genau so berechtigt, zu sagen, es ist das Haus, in dem wir uns selbst durch die Augen der anderen finden. Aber wenn du meinst, das siebte Haus sei ein harter Brocken ... warte bis du in deinem nächsten Artikel mit dem achten Haus fertig werden musst!
Deine April
April Elliott Kent ist Astrologin, Schriftstellerin und Web-Designerin in San Diego, Kalifornien. Neben telefonischen und persönlichen Beratungen bietet April individuelle Horoskopdeutungen in ihren Spezialgebieten Elektionen für Hochzeitsdaten und individuelle Finsterniszyklen an. Aprils Artikel sind im Mountain Astrologer und Wholistic Astrologer erschienen, und sie ist Mitautorin des Mondzeichenbuches 2005 vom Llewellyn Verlag.
TWELVE MOONS WORKSHOP |
Als
engster Verbündeter der Erde hat der Mond einen mächtigen
Einfluss auf das tägliche Leben, aber nur wenige Menschen
nehmen seine Rhythmen wahr. Wenn Sie Ihr Bewusstsein für
die Mondzyklen erweitern wollen, dann ist dieser Workshop etwas
für Sie. Jeden Monat vor dem Neumond erhalten Sie ein 26-seitiges
Arbeitsheft, das individuell auf Ihr Geburtshoroskop und Ihren
aktuellen Standort zugeschnitten ist. Sie lernen die astrologischen
Besonderheiten kennen — den Neumond und Sonneningresse,
wie diese Ihr Horskop beeinflussen, begleitet von Mondphasen,
Leerläufen, und Transiten des Mondes durch Zeichen und Häuser.
Während des ganzen Zyklus werden Sie an die immer vertrauter
werdenden Einflüsse des Mondes auf Ihr tägliches Leben
herangeführt. |
| Twelve Moons Workshop bei mooncircles.com |
Aus dem Englischen von Karin Hoffmann
19-Jun-2013, 01:18 Weltzeit | ||||
![]() | Sonne | 27 | 56'31" | |
![]() | Mond | 26 | 53'55" | |
![]() | Merkur | 20 | 59'37" | |
![]() | Venus | 19 | 28'36" | |
![]() | Mars | 13 | 8'52" | |
![]() | Jupiter | 28 | 23'30" | |
![]() | Saturn | 5 | 6'54"r | |
![]() | Uranus | 12 | 11'30" | |
![]() | Neptun | 5 | 20'14"r | |
![]() | Pluto | 10 | 36'52"r | |
![]() | Mondkn.(w) | 16 | 7'18" | |
![]() | Chiron | 13 | 49'52"r | |