Das erste Haus
von Dana Gerhardt

Es gibt Häuser an der Küste, direkt an den Klippen, die eine atemberaubende Aussicht auf den Himmel und das Meer haben. Wie wäre das Leben, wenn man in ein solches Zuhause hineingeboren würde? Oder wie anders wären die Aussichten für jemanden, der sein Leben im verzweifelten Wirrwarr eines Slums in der Bronx oder in einem trostlosen Streifen der australischen Wüste begonnen hätte. Genau wie im Leben hat auch in der Astrologie der Geburtsort eine formende Kraft. Wann Sie geboren sind, bestimmt in welchen Zeichen und auf welchen Graden Ihre Planeten stehen. Wo Sie geboren sind, lässt sie in bestimmte Häuser fallen. Das weist Ihnen eine völlig andere himmlische Bürgerschaft zu als jemandem, der im gleichen Augenblick an einem anderen Ort geboren ist.

Der Ort zählt. Und er drückt sich am stärksten im ersten Haus Ihres Horoskops aus. Wenn Sie gleich nach der Geburt durch das Krankenhausfenster den Himmel am Osthorizont hätten betrachten können, hätten Sie vielleicht die Sternenanhäufung sehen können, die Ihren Aszendenten oder die Spitze Ihres ersten Hauses ausmacht. Das erste Haus sagt etwas über Ihre Lebenskraft aus, über Ihre Größe, Ihr Gewicht, die Form Ihres Kinns, Ihre Erwartungen von Neuanfängen, wie Sie mit anderen Menschen in Kontakt treten, und Ihre allgemeine Einstellung dem Leben gegenüber. Manche sagen, es sei das Haus, das die Persönlichkeit am besten beschreibt. John Frawley nennt das erste Haus in seinem Buch The Real Astrology Applied die "Titelseite des Horoskops", dessen Text alle anderen Häuser erweitern und näher erläutern.[1] Wie verhält sich nun der Geburtsort zu all dem?

Die Sache ist ganzheitlich. Stellen Sie sich vor, Sie hätten Ihr Leben in einer Schachtel begonnen. Mit zunehmendem Wachstum hätte sich Ihr Körper vielleicht an ihre Form angepasst, wäre gebückt oder viereckig geworden. Wahrscheinlich würden Sie an den Dingen festhalten, und wenn Sie andere träfen, wären Sie verschlossen und geheimnisvoll. Wahrscheinlich würden Sie gerne im Dunkeln arbeiten. Der Aszendent ist eine symbolische Beschreibung des psychischen Behälters, den Sie als erstes betreten haben, nachdem Sie den Mutterleib verlassen haben und in diese Welt gekommen sind, und als Sie bei Ihren ersten, keuchenden Atemzügen bemerkt haben, "Ich bin an einem neuen Ort gelandet." Das erste Haus beinhaltet erste Eindrücke -- diejenigen, die Sie auf die Welt machen, und diejenigen, die die Welt auf Sie macht.

Mehr als ein Land, eine Stadt oder eine Straße ist wohl die Familie die stärkste formende Kraft Ihres Umfeldes. Als Kind ist Ihre Familie Ihre Welt. Die psychologische Astrologie interpretiert den Aszendenten als die Rolle, die man in diesem ersten Umfeld spielt. Die Familiensystemtheorie geht davon aus, dass jedes Kind unausweichlich eine einzigartige Stellung innerhalb des Familiensystems einnimmt, die weniger vom Wesen des Kindes als vielmehr von den Bedürfnissen des Ganzen abhängt. Die Familiendynamik fordert vielleicht, dass das erstgeborene Kind zum Helden oder zur Heldin wird, das drittgeborene aber zum Sündenbock. Ein Krebs-Aszendent könnte derjenige sein, der alle umsorgt, Jungfrau übernimmt die Rolle der Tugendhaften, Fische die des verlorenen Kindes, Schütze des Familienclowns.

Schließlich verlassen Kinder ihre Familien und erweitern ihr Umfeld, sie erleben neue Möglichkeiten und neue Herausforderungen. Ihr ursprüngliches Netz vergrößert sich, aber die Mitte bleibt gleich. Die Rolle des ersten Hauses ist wie ein "ständiger Wohnsitz". Egal, wohin Sie gehen, das erste Haus bestimmt, was Sie wahrnehmen und wie Sie instinktiv darauf reagieren.
Das sind sehr nützliche Informationen über Menschen. Wenn ich zum Beispiel meine, dass die Welt hart ist wie Stein und dass jeder klettern sollte, und Sie meinen, die Welt ist flüssig wie Wasser und jeder sollte schwimmen -- was spielt sich dann ab, wenn ich Ihnen sage, dass Sie nicht ehrgeizig genug sind, oder Sie mir sagen, ich wäre glücklicher, wenn ich mich dem Fluss des Lebens anvertrauen würde? Meinen Sie, dass wir wirklich "kommunizieren"?

Meine Mutter und ihre Schwester sprechen seit Jahren nicht mehr miteinander. Der Funke, der diesen Streit angefacht hat, ist inzwischen verglüht, so dass, wenn die beiden jetzt übereinander reden, ihre Kindheitserinnerungen von Groll erfüllt sind. Wenn sie reden, könnte ich schwören, dass sie sich über Fremde unterhalten und nicht über die beiden Frauen, die ich kenne. Meine Mutter sagt über ihre Schwester mit Skorpion-Aszendent, die Tante, die ich immer als empfindsam, zäh und scharfsinnig gekannt hatte, "Meine Schwester war grausam. Sie wollte nie, dass ich etwas hatte oder glücklich war." Meine Tante sagt über ihre Steinbock-AC-Schwester, die Mama, die ich oft über ihre einsame Schlüsselkind-Kindheit klagen hörte -- "Deine Mutter war eine verwöhnte Göre. Immer im Mittelpunkt, hat alles bekommen, was sie wollte."

Meinen Sie, dass die beiden in der gleichen Wirklichkeit leben? Sie sind Teil der gleichen Familie, aber da sie mit einem Abstand von sieben Jahren und an unterschiedlichen Horizontlinien (AC) geboren sind, wurden sie in unterschiedliche Netze in die Familie hineingewoben und wuchsen in sehr unterschiedlichen Welten auf.

Meine Mutter hat nicht nur einen Steinbock-Aszendenten -- ihr erstes Haus beherbergt zudem noch Saturn in Wassermann. Mit Saturn in Wassermann kann man Angst davor haben, unbedeutend zu sein, nicht wahrgenommen zu werden, in der Masse unterzugehen. Meine Großmutter wurde spät in ihrem Leben mit meiner Mutter schwanger. Monatelang dachte sie, in ihrem Bauch wüchse ein Tumor in ihrem Bauch und nicht ein Baby! Es ist nicht Saturns Schuld, dass meine Mutter so klein ist, über 30 Zentimeter kleiner als ihr Bruder und ihre Schwester, aber es ist mit Sicherheit Teil ihrer metaphysischen "Gestalt". Eine Hellseherin sagte einmal, die Lebensaufgabe meiner Mutter sei es, "aufzustehen und gesehen zu werden". Das ist ein Satz, den meine Mutter oft sagt.
Meine Mutter wuchs in einer Erst-Haus-Saturn/Steinbock-Welt auf, voller Erwachsener und Einsamkeit. Dass sie die Jahre der großen Depression sehr deutlich wahrnahm, hat ihre Steinbock-Brille weiter geschärft. Obwohl sie ehrgeizig und ziemlich erfolgreich ist, hat meine Mama immer noch Angst, dass sie nicht genug haben könnte. Sie denkt sich laufend Strategien aus, wie sie auch nach der Pensionierung -- die sie sowieso schon immer weiter hinausgeschoben hatte -- noch weiter Geld verdienen könnte, aus lauter Sorge, dass sie als Lumpensammlerin mit einem Einkaufswagen durch die Stadt laufen müsste. Sie hat immer noch Ziele, macht ständig Pläne und schreibt Listen. Und all das, das Gute und das Schlechte, setzt sich in den Horoskopen ihrer Töchter fort, als eine Art astrologisches Erbe: als Mond-Saturn-Quadrat in meinem Horoskop und als Steinbock Mond in dem meiner Schwester.

In dem Jahr, in dem mein Sohn geboren wurde, spiegelte mein Solar das erste Haus meiner Mutter wider, mit einem Steinbock Aszendenten und Saturn in Wassermann. Es war, als ob ich in diesem Jahr in den Fußstapfen meiner Mutter umherging; ich bemerkte, dass ich ein tieferes Mitgefühl ihr gegenüber mehr Mitgefühl als vorher hatte. Als frisch-gebackene Mutter, mit dem gleichen erste Haus wie sie, machte ich die bittersüße Erfahrung, die Welt durch ihre Augen zu sehen.

Vor Jahren war ich auf einer Astrologen-Party. Das Gespräch kam auf Aszendenten. "Er hat einen Skorpion-Aszendent, pass besser auf, wenn du mit ihm zu tun hast ... Ja, natürlich, sie mit ihrem Löwe-Aszendenten, immer im Mittelpunkt ..."
Verallgemeinerungen wie diese sind das tägliche Brot in der Astrologie, aber ich fühle mich sehr unwohl damit. Mit Intelligenz, Mitgefühl und einem gewisse Fachwissen muss ein Astrologe die Menschen als Menschen sehen und danach streben, die Person im Horoskop zu finden. Individuen werden reduziert, etikettiert und wie Objekte behandelt wo immer sie hingehen, aber in der Praxis eines Astrologen sollten sie in ihrer Vollständigkeit wahrgenommen werden, lebendig, kompliziert, begabt und ganz. Der Aszendent bietet den Schlüssel für eine solche Arbeit.

Das aufsteigende Zeichen ist eines der zartesten und empfindlichsten Tore zur Seele eines Menschen. Hier war er als Kind beeindruckbar und wie Wachs, hier hat er als erstes bemerkt, dass er eine Maske braucht und sich eine gebastelt. Wenn Sie das nächste Mal ein Horoskop deuten, versuchen Sie damit anzufangen, indem Sie in die Tiefen des ersten Hauses eintreten.

Tauchen Sie in die Qualität seines Elements ein, Wasser, wenn es im Skorpion ist, Feuer, wenn es in Löwe ist. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Kind, umgeben von diesem Element. Laden Sie Ihre Intuition ein, Ihnen eine Geschichte aus der Vergangenheit dieser Person zu erzählen. Was könnte sie verletzt haben? Was hat ihr Sicherheit gegeben? Auf welche Weise wurde sie ermutigt? Spinnen Sie Ihre Phantasien so lange weiter bis die Aszendenten-Maske dieser Person ihre eigene zu ersetzen beginnt. Lassen Sie diese Person erwachsen werden. Wie sieht die Welt jetzt durch ihre Augen aus? Sehen Sie hinüber in ihr siebtes Haus der Partnerschaft. Was für Menschen trifft sie? Wie fühlen sich die beruflichen Herausforderungen ihres 10. Hauses aus dieser Sicht an? Wenn Sie das Horoskop erst einmal vollständig aus der Sicht des ersten Hauses erlebt und erfahren haben, werden Sie den Menschen im Horoskop mit einer größeren Sensibilität wahrnehmen und schätzen können.

Manche Astrologen glauben, dass der Aszendent ein wahreres, persönlicheres Bild einer Person bietet als das Sonnenzeichen. Die Sonnenzeichen sind für alle gleich, die innerhalb einer Zeitspanne von 30 Tagen geboren sind -- während die Aszendenten innerhalb dieser Gruppe differenzieren, da sie exakt mit dem Geburtsmoment verbunden sind. In der Sonne-versus-Aszendent-Diskussion bin ich eher geneigt, mich der Meinung von Howard Sasportas anzuschließen, der sagt, dass der Aszendent uns zu der Identität führt, die uns vom Sonnenzeichen versprochen wird. "Der Aszendent sagt zwar etwas über unseren Anfang, wohin wir uns entwickeln, zeigt jedoch das Sonnenzeichen. Mit anderen Worten ist der Aszendent der Weg, der zur Sonne führt.” [2]

Das erste Haus stellt den Anfangspunkt auf dem Weg zur Selbstentdeckung dar. Es ist eine bequeme, aber frühe Identität. Wie ein abgetragener Mantel, und sehr ähnlich wie der Südliche Mondknoten, ist es ein Speicher von Denkgewohnheiten und Überlebensmechanismen, die Sie in Ihrem Leben in Gang gebracht haben, die Sie aber letztlich zurückhalten können. Mir ist aufgefallen, dass Leute, die sich bei der Erfüllung ihrer Bestimmung am meisten im Weg stehen, oft unsichtbar im Netz ihres ersten Hauses gefangen sind. Ich denke da besonders an einen Zwillinge-Freund von mir, bei dem Zwillinge-Tätigkeiten -- also zwischenmenschliche Beziehungen und Austausch über neue Ideen -- ganz oben auf seiner Liste der wichtigsten Dinge im Leben stehen. Und dennoch hindert ihn seine Skorpion-AC Persona daran, sich bei geselligen Anlässen unter die Menge zu mischen. Er steht dann still am Rand und sieht zu - abgeschirmt. Wir haben einige Seminare zusammen besucht (der Zwilling in ihm wollte nichts verpassen), und doch habe ich ihn jedesmal in der ersten Pause bei seinen skorpionischen Schutzmechanismen ertappt. Er ist dann ärgerlich und misstrauisch. "Der Redner ist zu charismatisch und falsch. Er manipuliert das Publikum", murrt er finster.

Dann ist da Paul. Er hat mich von seinem Autotelefon aus angerufen; seine Worte waren nur unterbrochen zu hören, sich immer wieder ein- und ausblendend. "Ich habe Ihr Bild gesehen und hatte das Gefühl, dass Sie mir helfen können, ich bekomme immer fast hellseherische Eindrücke von Leuten ... jetzt brauche ich einen Fokus ... Ziele ... Ich weiß nicht ... ich bin an einem Scheideweg ... meine Beziehung ist gerade zuende gegangen ... vielleicht will ich meine Fähigkeiten als Heiler weiterentwickeln ... ich interessiere mich auch für Kunst."

Ich versuche normalerweise nicht, nach einem Gespräch das Horoskop zu erraten (das Spiel ist andersherum viel bereichernder), aber als ich Pauls Horoskop sah, war ich nicht im geringsten überrascht. Er hatte direkt aus seinem Waage-Neptun am Aszendenten gesprochen. Vor der Sitzung dachte ich über Pauls Horoskop nach und was er sich von der Deutung erhoffte. Sollte man einem Neptun am Aszendenten einen "Fokus" und Ziele geben? Kann man das? Oder wäre es fast einfacher, den Himmel zu bewegen und stattdessen Pluto oder Saturn dorthin stellen? Ich begab mich in seinen Aszendenten. Ich meditierte über Nebel. Kann man sich auf einen Fokus in der Ferne konzentrieren, wenn man durch Nebel geht? Sieht man das Ziel vor einem? Nein. Man kann die Hand vor dem Gesicht sehen und das war's auch schon. Wenn man durch Nebel fährt, muss man langsam fahren, auf das achten, was nah ist, nicht auf das Ferne. Man braucht einen fast sechsten Sinn des Vertrauens, um zu spüren, was in den Nebelschleiern ist. Wenn ich an diesem Scheideweg für Paul von Nutzen sein wollte, musste ich ihm diese Fähigkeit ins Bewusstsein rufen.

Ich erlebte Paul als intelligenten, kreativen, mitfühlenden Mann. Als er über seine Kindheit in seiner Familie sprach, verstand ich, warum er als Junge die Fähigkeit seiner Waage-Neptun-Maske brauchte, sich wie ein Chamäleon überall anzupassen und immer auszugleichen. Um zu überleben wurde er zu all dem, was die anderen von ihm erwarteten. Der Preis dafür war natürlich, dass der echte, kreative und leidenschaftliche Paul, der Paul der eine Sonne-Pluto Konjunktion hat, sich abmelden musste. Und jedes Mal, wenn er sich von seiner momentanen Wirklichkeit distanzierte, glitt die Zukunft, die er sich wünschte, weiter weg.

Paul wollte über seine Möglichkeiten in der Zukunft sprechen -- wieder auf die Schule gehen oder sich zum Künstler ausbilden lassen, vielleicht in eine andere Gegend umziehen. Ich wollte über seine Gegenwart sprechen. Ich fragte ihn, ob er sich darauf konzentrierte, wo er war, ob er seine Entscheidungen nach seinen momentanen Gefühlen treffe, ob er darauf vertraute, dass er das erreichen würde, was er immer hatte erreichen wollen, egal ob das die Schule oder die Kunst sei, ob in dieser Gegend oder einer anderen? Mit der Zeit kam seine Stimme etwas mehr in seinem Körper an: "Ja ... wenn mein Geist zur Ruhe kommt ... weiß ich, dass das stimmt." Den Rest der Sitzung sprachen wir über seine Beziehung, die gerade zu Ende gegangen war. Durch seinen Schmerz hindurch konnte selbst Paul spüren, dass es besser so war, für beide. Sein Horoskop stimmte damit überein.
Zwei Wochen später erhielt ich wieder einen Anruf von Pauls Mobiltelefon aus. Seine Stimme war weicher, wieder ein- und ausblendend. Er hatte gerade seine frühere Freundin angerufen, die schon mit einem anderen Mann zusammenlebte. Er hatte sie gebeten, mit ihm in die Ferien zu fahren, an diesen magischen Ort, an dem sie sich ineinander verliebt hatten. "Sie sagte, sie würde mich zurückrufen ... sie war verwirrt ... sie wollte mich nicht verletzen ... sie wusste nicht, was sie tun sollte." Paul hatte sich wieder im Nebel verirrt. Er hatte den Kontakt zu seinen momentanen Gefühlen verloren (zu dem Schmerz seiner Einsamkeit) und sich wieder den fernen Phantasien seiner Neptun-Maske ergeben.

Das bringt uns zur zentralen Frage des ersten Hauses: Wie schaffen wir es, dass dieses frühe Gefäß nicht zu unserem Gefängnis wird? Der Jungsche Psychologe James Hillman formulierte es einmal so: "Sie müssen das Leben, das Sie haben, aufgeben, um das Leben zu erreichen, das Sie erwartet." [3] Das ist die geheime Botschaft, die sich in den Sternen versteckt, die bei Ihrer Geburt am Osthorizont aufstiegen. Mit Ihrer Geburt haben Sie den Beweis für die Wahrheit dieses Satzes erbracht: Sie mussten den Mutterleib verlassen, um zu dem neuen Leben zu kommen, das Sie draußen erwartete. Das ist ein Naturgesetz der Entwicklung. Das zu verstehen ist der Schlüssel zum Meistern der Herausforderungen des ersten Hauses. Beim Schreiben über das erste Haus betont der Astrologe Dane Rudhyar, dass es notwendig ist, sich von seinen frühen Einflüssen, von der persönlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Konditionierung zu lösen, die Sie mit der Muttermilch aufgesaugt haben. [4] Die Arbeit des ersten Hauses ist es, sich immer wieder neu zur Welt zu bringen, das bedeutet, sich immer wieder zu lösen, immer wieder das zu ehren, was Sie von den anderen unterscheidet. Ihre "Andersartigkeit", sagt Rudhyar, ist nicht das Gleiche wie die selbst auferlegte Bürde der Entfremdung ("Keiner versteht mich"). Es geht vielmehr darum, das Geschenk des Andersseins und des Getrenntseins anzunehmen. Auf einer zutiefst spirituellen Ebene mögen wir erkennen, dass wir alle eins sind, miteinander verbunden und voneinander abhängig. Doch es ist auch wahr, dass erst die Individuen das Ganze am produktivsten und kreativsten machen. Wenn Sie Ihre Individualität mit offenen Armen empfangen, kommen Sie der Erfüllung Ihrer Bestimmung näher. Sie erhalten Zugang zu mehr inneren Ressourcen. Sie erhalten eine authentischere Gestalt.

Das Zeichen an Ihrem Aszendenten ist nicht das Ziel der Individuation, es ist vielmehr das Mittel. Es ist weniger die authentische Person als vielmehr die Persona, die Art, wie Sie Ihren Geist in der Welt ausdrücken. Dieses Bild ist eher ein Prozess, ein Werden, das sich durch Ihr ganzes Leben hindurch fortsetzt. Betrachten Sie Ihren Aszendenten als eine flexible, elastische Hülle, die dehnenbar ist und sich Ihrem Wachstum anpassen kann. Stellen Sie sich für einen Moment vor, Ihr erstes Haus, sein Zeichen und seine Planeten, seien eine Maske, die Sie abnehmen und erforschen können. Legen Sie sie vor sich auf den Tisch. Wie sieht sie aus? Welchen Ausdruck hat sie? Wie könnte sich eine Person, die eine solche Maske trägt, durch die Welt bewegen?

Nehmen Sie wahr wie biegsam das Material der Maske ist. Wie könnten Sie ihren Ausdruck verändern? Ohne das ganze Ding auseinanderzureißen und ein anderes Aszendentenzeichen zu installieren - wie könnten Sie diese Persona so umgestalten, dass Sie mehr von dem bekommen, was Sie wollen? Nehmen Sie die besten Eigenschaften des Zeichens, seines Herrschers und aller Planeten Ihres ersten Hauses und gestalten Sie Ihre Maske neu. Was ist nun anders als die Maske, die sie am Anfang auf den Tisch gelegt haben? Drückt sie besser aus, was an Ihnen besonders ist?
Bewusst oder unbewusst ist es genau das, was Sie tun, wenn progessive oder transitierende Planeten in Ihr erstes Haus treten. Die himmlische Logik lässt diese Planeten vorher durch das zwölfte Haus wandern. Das ist das Haus der Enden, der Abschiede. Während der Zwölfthaus-Transite löst sich die alte Betrachtungsweise auf. Sie atmen aus, so dass Sie den neuen Geist einatmen können und Ihre Maske neu erschaffen können, wenn dieser Transit das erste Haus erreicht.

Ich habe die Astrologie mit dem modernen "Alphabet"-System gelernt, das lehrt, dass Widder, Mars und das erste Haus dem gleichen astrologischen Buchstabe entsprechen. Das macht Mars zum natürlichen Herrscher des ersten Hauses. Seine spontane, impulsive, energiegeladene und durchsetzungsfreudige Energie passt zu dem Gefühl, das wir haben können, wenn ein Transit-Planet ins erste Haus tritt. Die modernen Texte drängen uns dazu, die Initiative zu ergreifen, uns der Welt zu stellen, neue Gelegenheiten aufzutun, nach dem zu streben, was wir wollen. Es war dann anfangs verwirrend für mich, als ich erfuhr, dass die traditionelle Astrologie Saturn zum Herrscher des ersten Hauses macht. Aber wie John Frawley deutlich macht, herrscht Saturn über Tore und Grenzen, und es gibt wahrscheinlich keine stärkere Grenze als den Aszendenten, wenn es darum geht, das Lebendige von dem zu unterscheiden, was nicht lebendig ist. [5]

Mars mag zum Drang des ersten Hauses passen, Neues anzufangen, Saturn beschreibt seine grundlegende Aufgabe. Saturn herrscht über die Form. Und während der Transite durch das erste Haus re-formieren wir - sowohl uns selbst als auch wie wir die Welt sehen. Saturn herrscht sowohl über Abschiede als auch über die Gesellschaft -- die zwei Kräfte, die in diesem Haus zusammenstoßen -- oder konspirieren. Traditionelle Astrologen geben auch Merkur besondere Würden in diesem Haus. Er fühlt sich wohl hier, verständlicherweise, denn dadurch, dass wir uns selbst im ersten Haus neu definieren, schreiben wir auch unserer Umgebung neue Eigenschaften zu. Wir tun Merkur-Dinge: wir benennen was wir sehen, wir erzählen Geschichten.
Während eines Transits durch das erste Haus erhalten wir die Gelegenheit, unser Selbstbild neu zu erfinden und unsere Wahrnehmung der Umgebung neu auszurichten. Vor kurzem habe ich mit Julie gesprochen. Die Sonne ging gerade im Transit durch ihr erstes Haus. Obwohl Astrologen nicht oft über Sonnen-Transite sprechen, habe ich bemerkt, dass die jährliche Reise der Sonne durch das Horoskop sehr tiefgreifend sein kann. Sie bezeichnet unsere persönlichen Jahreszeiten, die Monate, in denen die Arbeit jedes Hauses wichtig wird. Julie wusste wenig über Astrologie, aber als ich erklärte, was die Sonne im ersten Haus bedeutet, lachte sie wie jemand, die sich darin wiedererkennt. "Ach, deshalb!"

Als Kind hatte Julie krumme Zähne. Diese Unvollkommenheit machte sie unsicher, sie traute sich nicht zu lächeln oder gar zu laut zu lachen. Vielleicht war es aus Geldmangel oder aus Gleichgültigkeit, aber ihre Mutter hat sie nie zum Kieferorthopäden gebracht. "Meine Mutter hat immer gesagt, ich sehe gut aus, aber ich wusste es besser." In diesem Jahr, als die Sonne in Julies erstes Haus trat, machte diese 45-jährige Frau den Termin selbst. Jetzt würde sie endlich ihre Zahnkorrektur bekommen. Diese äußerliche Veränderung läutete eine Trennung von ihrer Vergangenheit ein und eine Geburt in eine hellere, selbstbewusstere Persona. Mögen auch Sie Ihre Ersthaus-Transite gut nutzen!


Fußnoten:
  1. John Frawley, Die wahre Astrologie angewandt, (arte poetica Verlag, 2008).
  2. Howard Sasportas, Astrologische Häuser und Aszendenten (Knaur, München, 1987), S. 51.
  3. Zitiert aus "Sacred Contracts" von Carolyn Myss (New York: Harmony Books, 2001), S. 2.
  4. Dane Rudhyar, Das astrologischen Häusersystem (1993).
  5. John Frawley, op cit.

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Aus dem Englischen übersetzt von Karin Hoffmann

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