Das
erste Haus
von Dana Gerhardt
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Es gibt Häuser an der Küste, direkt an den Klippen, die eine atemberaubende Aussicht auf den Himmel und das Meer haben. Wie wäre das Leben, wenn man in ein solches Zuhause hineingeboren würde? Oder wie anders wären die Aussichten für jemanden, der sein Leben im verzweifelten Wirrwarr eines Slums in der Bronx oder in einem trostlosen Streifen der australischen Wüste begonnen hätte. Genau wie im Leben hat auch in der Astrologie der Geburtsort eine formende Kraft. Wann Sie geboren sind, bestimmt in welchen Zeichen und auf welchen Graden Ihre Planeten stehen. Wo Sie geboren sind, lässt sie in bestimmte Häuser fallen. Das weist Ihnen eine völlig andere himmlische Bürgerschaft zu als jemandem, der im gleichen Augenblick an einem anderen Ort geboren ist.
Der
Ort zählt. Und er drückt sich am stärksten im ersten
Haus Ihres Horoskops aus. Wenn Sie gleich nach der Geburt durch das
Krankenhausfenster den Himmel am Osthorizont hätten betrachten
können, hätten Sie vielleicht die Sternenanhäufung
sehen können, die Ihren Aszendenten oder die Spitze Ihres ersten
Hauses ausmacht. Das erste Haus sagt etwas über Ihre Lebenskraft
aus, über Ihre Größe, Ihr Gewicht, die Form Ihres
Kinns, Ihre Erwartungen von Neuanfängen, wie Sie mit anderen
Menschen in Kontakt treten, und Ihre allgemeine Einstellung dem Leben
gegenüber. Manche sagen, es sei das Haus, das die Persönlichkeit
am besten beschreibt. John Frawley nennt das erste Haus in seinem
Buch The Real Astrology Applied die "Titelseite des Horoskops",
dessen Text alle anderen Häuser erweitern und näher erläutern.[1]
Wie verhält sich nun der Geburtsort zu all dem?
Die Sache ist ganzheitlich. Stellen Sie sich vor, Sie hätten Ihr Leben in einer Schachtel begonnen. Mit zunehmendem Wachstum hätte sich Ihr Körper vielleicht an ihre Form angepasst, wäre gebückt oder viereckig geworden. Wahrscheinlich würden Sie an den Dingen festhalten, und wenn Sie andere träfen, wären Sie verschlossen und geheimnisvoll. Wahrscheinlich würden Sie gerne im Dunkeln arbeiten. Der Aszendent ist eine symbolische Beschreibung des psychischen Behälters, den Sie als erstes betreten haben, nachdem Sie den Mutterleib verlassen haben und in diese Welt gekommen sind, und als Sie bei Ihren ersten, keuchenden Atemzügen bemerkt haben, "Ich bin an einem neuen Ort gelandet." Das erste Haus beinhaltet erste Eindrücke -- diejenigen, die Sie auf die Welt machen, und diejenigen, die die Welt auf Sie macht.
Mehr als ein Land, eine Stadt oder eine Straße ist wohl die Familie die stärkste formende Kraft Ihres Umfeldes. Als Kind ist Ihre Familie Ihre Welt. Die psychologische Astrologie interpretiert den Aszendenten als die Rolle, die man in diesem ersten Umfeld spielt. Die Familiensystemtheorie geht davon aus, dass jedes Kind unausweichlich eine einzigartige Stellung innerhalb des Familiensystems einnimmt, die weniger vom Wesen des Kindes als vielmehr von den Bedürfnissen des Ganzen abhängt. Die Familiendynamik fordert vielleicht, dass das erstgeborene Kind zum Helden oder zur Heldin wird, das drittgeborene aber zum Sündenbock. Ein Krebs-Aszendent könnte derjenige sein, der alle umsorgt, Jungfrau übernimmt die Rolle der Tugendhaften, Fische die des verlorenen Kindes, Schütze des Familienclowns.
Schließlich verlassen Kinder ihre Familien und erweitern
ihr Umfeld, sie erleben neue Möglichkeiten und neue Herausforderungen.
Ihr ursprüngliches Netz vergrößert sich, aber die
Mitte bleibt gleich. Die Rolle des ersten Hauses ist wie ein "ständiger
Wohnsitz". Egal, wohin Sie gehen, das erste Haus bestimmt, was
Sie wahrnehmen und wie Sie instinktiv darauf reagieren.
Das sind sehr nützliche Informationen über Menschen. Wenn
ich zum Beispiel meine, dass die Welt hart ist wie Stein und dass jeder
klettern sollte, und Sie meinen, die Welt ist flüssig wie Wasser
und jeder sollte schwimmen -- was spielt sich dann ab, wenn ich Ihnen
sage, dass Sie nicht ehrgeizig genug sind, oder Sie mir sagen, ich
wäre glücklicher, wenn ich mich dem Fluss des Lebens anvertrauen
würde? Meinen Sie, dass wir wirklich "kommunizieren"?
Meine
Mutter und ihre Schwester sprechen seit Jahren nicht mehr miteinander.
Der Funke, der diesen Streit angefacht hat, ist inzwischen verglüht,
so dass, wenn die beiden jetzt übereinander reden, ihre Kindheitserinnerungen
von Groll erfüllt sind. Wenn sie reden, könnte ich schwören,
dass sie sich über Fremde unterhalten und nicht über die
beiden Frauen, die ich kenne. Meine Mutter sagt über ihre Schwester
mit Skorpion-Aszendent, die Tante, die ich immer als empfindsam,
zäh und scharfsinnig gekannt hatte, "Meine Schwester war
grausam. Sie wollte nie, dass ich etwas hatte oder glücklich
war." Meine Tante sagt über ihre Steinbock-AC-Schwester,
die Mama, die ich oft über ihre einsame Schlüsselkind-Kindheit
klagen hörte -- "Deine Mutter war eine verwöhnte Göre.
Immer im Mittelpunkt, hat alles bekommen, was sie wollte."
Meinen Sie, dass die beiden in der gleichen Wirklichkeit leben? Sie sind Teil der gleichen Familie, aber da sie mit einem Abstand von sieben Jahren und an unterschiedlichen Horizontlinien (AC) geboren sind, wurden sie in unterschiedliche Netze in die Familie hineingewoben und wuchsen in sehr unterschiedlichen Welten auf.
Meine Mutter hat nicht nur einen Steinbock-Aszendenten -- ihr erstes
Haus beherbergt zudem noch Saturn in Wassermann. Mit Saturn in Wassermann
kann man Angst davor haben, unbedeutend zu sein, nicht wahrgenommen
zu werden, in der Masse unterzugehen. Meine Großmutter wurde
spät in ihrem Leben mit meiner Mutter schwanger. Monatelang
dachte sie, in ihrem Bauch wüchse ein Tumor in ihrem Bauch und
nicht ein Baby! Es ist nicht Saturns Schuld, dass meine Mutter so
klein ist, über 30 Zentimeter kleiner als ihr Bruder und ihre
Schwester, aber es ist mit Sicherheit Teil ihrer metaphysischen "Gestalt".
Eine Hellseherin sagte einmal, die Lebensaufgabe meiner Mutter sei
es, "aufzustehen und gesehen zu werden". Das ist ein Satz,
den meine Mutter oft sagt.
Meine Mutter wuchs in einer Erst-Haus-Saturn/Steinbock-Welt auf, voller
Erwachsener und Einsamkeit. Dass sie die Jahre der großen Depression
sehr deutlich wahrnahm, hat ihre Steinbock-Brille weiter geschärft.
Obwohl sie ehrgeizig und ziemlich erfolgreich ist, hat meine Mama immer
noch Angst, dass sie nicht genug haben könnte. Sie denkt sich
laufend Strategien aus, wie sie auch nach der Pensionierung -- die
sie sowieso schon immer weiter hinausgeschoben hatte -- noch weiter
Geld verdienen könnte, aus lauter Sorge, dass sie als Lumpensammlerin
mit einem Einkaufswagen durch die Stadt laufen müsste.
Sie
hat immer noch Ziele, macht ständig Pläne und schreibt Listen.
Und all das, das Gute und das Schlechte, setzt sich in den Horoskopen
ihrer Töchter fort, als eine Art astrologisches Erbe: als Mond-Saturn-Quadrat
in meinem Horoskop und als Steinbock Mond in dem meiner Schwester.
In dem Jahr, in dem mein Sohn geboren wurde, spiegelte mein Solar das erste Haus meiner Mutter wider, mit einem Steinbock Aszendenten und Saturn in Wassermann. Es war, als ob ich in diesem Jahr in den Fußstapfen meiner Mutter umherging; ich bemerkte, dass ich ein tieferes Mitgefühl ihr gegenüber mehr Mitgefühl als vorher hatte. Als frisch-gebackene Mutter, mit dem gleichen erste Haus wie sie, machte ich die bittersüße Erfahrung, die Welt durch ihre Augen zu sehen.
Vor Jahren war ich auf einer Astrologen-Party. Das Gespräch
kam auf Aszendenten. "Er hat einen Skorpion-Aszendent, pass
besser auf, wenn du mit ihm zu tun hast ... Ja, natürlich, sie
mit ihrem Löwe-Aszendenten, immer im Mittelpunkt ..."
Verallgemeinerungen wie diese sind das tägliche Brot in der Astrologie,
aber ich fühle mich sehr unwohl damit. Mit Intelligenz, Mitgefühl
und einem gewisse Fachwissen muss ein Astrologe die Menschen als Menschen
sehen und danach streben, die Person im Horoskop zu finden. Individuen
werden reduziert, etikettiert und wie Objekte behandelt wo immer sie
hingehen, aber in der Praxis eines Astrologen sollten sie in ihrer
Vollständigkeit wahrgenommen werden, lebendig, kompliziert, begabt
und ganz. Der Aszendent bietet den Schlüssel für eine solche
Arbeit.
Das aufsteigende Zeichen ist eines der zartesten und empfindlichsten Tore zur Seele eines Menschen. Hier war er als Kind beeindruckbar und wie Wachs, hier hat er als erstes bemerkt, dass er eine Maske braucht und sich eine gebastelt. Wenn Sie das nächste Mal ein Horoskop deuten, versuchen Sie damit anzufangen, indem Sie in die Tiefen des ersten Hauses eintreten.
Tauchen Sie in die Qualität seines Elements ein, Wasser, wenn es im Skorpion ist, Feuer, wenn es in Löwe ist. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Kind, umgeben von diesem Element. Laden Sie Ihre Intuition ein, Ihnen eine Geschichte aus der Vergangenheit dieser Person zu erzählen. Was könnte sie verletzt haben? Was hat ihr Sicherheit gegeben? Auf welche Weise wurde sie ermutigt? Spinnen Sie Ihre Phantasien so lange weiter bis die Aszendenten-Maske dieser Person ihre eigene zu ersetzen beginnt. Lassen Sie diese Person erwachsen werden. Wie sieht die Welt jetzt durch ihre Augen aus? Sehen Sie hinüber in ihr siebtes Haus der Partnerschaft. Was für Menschen trifft sie? Wie fühlen sich die beruflichen Herausforderungen ihres 10. Hauses aus dieser Sicht an? Wenn Sie das Horoskop erst einmal vollständig aus der Sicht des ersten Hauses erlebt und erfahren haben, werden Sie den Menschen im Horoskop mit einer größeren Sensibilität wahrnehmen und schätzen können.
Manche Astrologen glauben, dass der Aszendent ein wahreres, persönlicheres Bild einer Person bietet als das Sonnenzeichen. Die Sonnenzeichen sind für alle gleich, die innerhalb einer Zeitspanne von 30 Tagen geboren sind -- während die Aszendenten innerhalb dieser Gruppe differenzieren, da sie exakt mit dem Geburtsmoment verbunden sind. In der Sonne-versus-Aszendent-Diskussion bin ich eher geneigt, mich der Meinung von Howard Sasportas anzuschließen, der sagt, dass der Aszendent uns zu der Identität führt, die uns vom Sonnenzeichen versprochen wird. "Der Aszendent sagt zwar etwas über unseren Anfang, wohin wir uns entwickeln, zeigt jedoch das Sonnenzeichen. Mit anderen Worten ist der Aszendent der Weg, der zur Sonne führt.” [2]
Das
erste Haus stellt den Anfangspunkt auf dem Weg zur Selbstentdeckung
dar. Es ist eine bequeme, aber frühe Identität. Wie ein
abgetragener Mantel, und sehr ähnlich wie der Südliche
Mondknoten, ist es ein Speicher von Denkgewohnheiten und Überlebensmechanismen,
die Sie in Ihrem Leben in Gang gebracht haben, die Sie aber letztlich
zurückhalten können. Mir ist aufgefallen, dass Leute, die
sich bei der Erfüllung ihrer Bestimmung am meisten im Weg stehen,
oft unsichtbar im Netz ihres ersten Hauses gefangen sind. Ich denke
da besonders an einen Zwillinge-Freund von mir, bei dem Zwillinge-Tätigkeiten
-- also zwischenmenschliche Beziehungen und Austausch über neue
Ideen -- ganz oben auf seiner Liste der wichtigsten Dinge im Leben
stehen. Und dennoch hindert ihn seine Skorpion-AC Persona daran,
sich bei geselligen Anlässen unter die Menge zu mischen. Er
steht dann still am Rand und sieht zu - abgeschirmt. Wir haben einige
Seminare zusammen besucht (der Zwilling in ihm wollte nichts verpassen),
und doch habe ich ihn jedesmal in der ersten Pause bei seinen skorpionischen
Schutzmechanismen ertappt. Er ist dann ärgerlich und misstrauisch. "Der
Redner ist zu charismatisch und falsch. Er manipuliert das Publikum",
murrt er finster.
Dann ist da Paul. Er hat mich von seinem Autotelefon aus angerufen; seine Worte waren nur unterbrochen zu hören, sich immer wieder ein- und ausblendend. "Ich habe Ihr Bild gesehen und hatte das Gefühl, dass Sie mir helfen können, ich bekomme immer fast hellseherische Eindrücke von Leuten ... jetzt brauche ich einen Fokus ... Ziele ... Ich weiß nicht ... ich bin an einem Scheideweg ... meine Beziehung ist gerade zuende gegangen ... vielleicht will ich meine Fähigkeiten als Heiler weiterentwickeln ... ich interessiere mich auch für Kunst."
Ich versuche normalerweise nicht, nach einem Gespräch das Horoskop zu erraten (das Spiel ist andersherum viel bereichernder), aber als ich Pauls Horoskop sah, war ich nicht im geringsten überrascht. Er hatte direkt aus seinem Waage-Neptun am Aszendenten gesprochen. Vor der Sitzung dachte ich über Pauls Horoskop nach und was er sich von der Deutung erhoffte. Sollte man einem Neptun am Aszendenten einen "Fokus" und Ziele geben? Kann man das? Oder wäre es fast einfacher, den Himmel zu bewegen und stattdessen Pluto oder Saturn dorthin stellen? Ich begab mich in seinen Aszendenten. Ich meditierte über Nebel. Kann man sich auf einen Fokus in der Ferne konzentrieren, wenn man durch Nebel geht? Sieht man das Ziel vor einem? Nein. Man kann die Hand vor dem Gesicht sehen und das war's auch schon. Wenn man durch Nebel fährt, muss man langsam fahren, auf das achten, was nah ist, nicht auf das Ferne. Man braucht einen fast sechsten Sinn des Vertrauens, um zu spüren, was in den Nebelschleiern ist. Wenn ich an diesem Scheideweg für Paul von Nutzen sein wollte, musste ich ihm diese Fähigkeit ins Bewusstsein rufen.
Ich
erlebte Paul als intelligenten, kreativen, mitfühlenden Mann.
Als er über seine Kindheit in seiner Familie sprach, verstand
ich, warum er als Junge die Fähigkeit seiner Waage-Neptun-Maske
brauchte, sich wie ein Chamäleon überall anzupassen und
immer auszugleichen. Um zu überleben wurde er zu all dem, was
die anderen von ihm erwarteten. Der Preis dafür war natürlich,
dass der echte, kreative und leidenschaftliche Paul, der Paul der
eine Sonne-Pluto Konjunktion hat, sich abmelden musste. Und jedes
Mal, wenn er sich von seiner momentanen Wirklichkeit distanzierte,
glitt die Zukunft, die er sich wünschte, weiter weg.
Paul wollte über seine Möglichkeiten in der Zukunft sprechen
-- wieder auf die Schule gehen oder sich zum Künstler ausbilden
lassen, vielleicht in eine andere Gegend umziehen. Ich wollte über
seine Gegenwart sprechen. Ich fragte ihn, ob er sich darauf konzentrierte,
wo er war, ob er seine Entscheidungen nach seinen momentanen Gefühlen
treffe, ob er darauf vertraute, dass er das erreichen würde,
was er immer hatte erreichen wollen, egal ob das die Schule oder
die Kunst sei, ob in dieser Gegend oder einer anderen? Mit der Zeit
kam seine Stimme etwas mehr in seinem Körper an: "Ja ...
wenn mein Geist zur Ruhe kommt ... weiß ich, dass das stimmt." Den
Rest der Sitzung sprachen wir über seine Beziehung, die gerade
zu Ende gegangen war. Durch seinen Schmerz hindurch konnte selbst
Paul spüren, dass es besser so war, für beide. Sein Horoskop
stimmte damit überein.
Zwei Wochen später erhielt ich wieder einen Anruf von Pauls Mobiltelefon
aus. Seine Stimme war weicher, wieder ein- und ausblendend. Er hatte
gerade seine frühere Freundin angerufen, die schon mit einem anderen
Mann zusammenlebte. Er hatte sie gebeten, mit ihm in die Ferien zu
fahren, an diesen magischen Ort, an dem sie sich ineinander verliebt
hatten. "Sie sagte, sie würde mich zurückrufen ... sie
war verwirrt ... sie wollte mich nicht verletzen ... sie wusste nicht,
was sie tun sollte." Paul hatte sich wieder im Nebel verirrt.
Er hatte den Kontakt zu seinen momentanen Gefühlen verloren (zu
dem Schmerz seiner Einsamkeit) und sich wieder den fernen Phantasien
seiner Neptun-Maske ergeben.
Das bringt uns zur zentralen Frage des ersten Hauses: Wie schaffen wir es, dass dieses frühe Gefäß nicht zu unserem Gefängnis wird? Der Jungsche Psychologe James Hillman formulierte es einmal so: "Sie müssen das Leben, das Sie haben, aufgeben, um das Leben zu erreichen, das Sie erwartet." [3] Das ist die geheime Botschaft, die sich in den Sternen versteckt, die bei Ihrer Geburt am Osthorizont aufstiegen. Mit Ihrer Geburt haben Sie den Beweis für die Wahrheit dieses Satzes erbracht: Sie mussten den Mutterleib verlassen, um zu dem neuen Leben zu kommen, das Sie draußen erwartete. Das ist ein Naturgesetz der Entwicklung. Das zu verstehen ist der Schlüssel zum Meistern der Herausforderungen des ersten Hauses. Beim Schreiben über das erste Haus betont der Astrologe Dane Rudhyar, dass es notwendig ist, sich von seinen frühen Einflüssen, von der persönlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Konditionierung zu lösen, die Sie mit der Muttermilch aufgesaugt haben. [4] Die Arbeit des ersten Hauses ist es, sich immer wieder neu zur Welt zu bringen, das bedeutet, sich immer wieder zu lösen, immer wieder das zu ehren, was Sie von den anderen unterscheidet. Ihre "Andersartigkeit", sagt Rudhyar, ist nicht das Gleiche wie die selbst auferlegte Bürde der Entfremdung ("Keiner versteht mich"). Es geht vielmehr darum, das Geschenk des Andersseins und des Getrenntseins anzunehmen. Auf einer zutiefst spirituellen Ebene mögen wir erkennen, dass wir alle eins sind, miteinander verbunden und voneinander abhängig. Doch es ist auch wahr, dass erst die Individuen das Ganze am produktivsten und kreativsten machen. Wenn Sie Ihre Individualität mit offenen Armen empfangen, kommen Sie der Erfüllung Ihrer Bestimmung näher. Sie erhalten Zugang zu mehr inneren Ressourcen. Sie erhalten eine authentischere Gestalt.
Das Zeichen an Ihrem Aszendenten ist nicht das Ziel der Individuation,
es ist vielmehr das Mittel.
Es
ist weniger die authentische Person als vielmehr die Persona, die
Art, wie Sie Ihren Geist in der Welt ausdrücken. Dieses Bild
ist eher ein Prozess, ein Werden, das sich durch Ihr ganzes Leben
hindurch fortsetzt. Betrachten Sie Ihren Aszendenten als eine flexible,
elastische Hülle, die dehnenbar ist und sich Ihrem Wachstum
anpassen kann. Stellen Sie sich für einen Moment vor, Ihr erstes
Haus, sein Zeichen und seine Planeten, seien eine Maske, die Sie
abnehmen und erforschen können. Legen Sie sie vor sich auf den
Tisch. Wie sieht sie aus? Welchen Ausdruck hat sie? Wie könnte
sich eine Person, die eine solche Maske trägt, durch die Welt
bewegen?
Nehmen Sie wahr wie biegsam das Material der Maske ist. Wie könnten
Sie ihren Ausdruck verändern? Ohne das ganze Ding auseinanderzureißen
und ein anderes Aszendentenzeichen zu installieren - wie könnten
Sie diese Persona so umgestalten, dass Sie mehr von dem bekommen,
was Sie wollen? Nehmen Sie die besten Eigenschaften des Zeichens,
seines Herrschers und aller Planeten Ihres ersten Hauses und gestalten
Sie Ihre Maske neu. Was ist nun anders als die Maske, die sie am
Anfang auf den Tisch gelegt haben? Drückt sie besser aus, was
an Ihnen besonders ist?
Bewusst oder unbewusst ist es genau das, was Sie tun, wenn progessive
oder transitierende Planeten in Ihr erstes Haus treten. Die himmlische
Logik lässt diese Planeten vorher durch das zwölfte Haus
wandern. Das ist das Haus der Enden, der Abschiede. Während der
Zwölfthaus-Transite löst sich die alte Betrachtungsweise
auf. Sie atmen aus, so dass Sie den neuen Geist einatmen können
und Ihre Maske neu erschaffen können, wenn dieser Transit das
erste Haus erreicht.
Ich habe die Astrologie mit dem modernen "Alphabet"-System gelernt, das lehrt, dass Widder, Mars und das erste Haus dem gleichen astrologischen Buchstabe entsprechen. Das macht Mars zum natürlichen Herrscher des ersten Hauses. Seine spontane, impulsive, energiegeladene und durchsetzungsfreudige Energie passt zu dem Gefühl, das wir haben können, wenn ein Transit-Planet ins erste Haus tritt. Die modernen Texte drängen uns dazu, die Initiative zu ergreifen, uns der Welt zu stellen, neue Gelegenheiten aufzutun, nach dem zu streben, was wir wollen. Es war dann anfangs verwirrend für mich, als ich erfuhr, dass die traditionelle Astrologie Saturn zum Herrscher des ersten Hauses macht. Aber wie John Frawley deutlich macht, herrscht Saturn über Tore und Grenzen, und es gibt wahrscheinlich keine stärkere Grenze als den Aszendenten, wenn es darum geht, das Lebendige von dem zu unterscheiden, was nicht lebendig ist. [5]
Mars
mag zum Drang des ersten Hauses passen, Neues anzufangen, Saturn
beschreibt seine grundlegende Aufgabe. Saturn herrscht über
die Form. Und während der Transite durch das erste Haus re-formieren
wir - sowohl uns selbst als auch wie wir die Welt sehen. Saturn herrscht
sowohl über Abschiede als auch über die Gesellschaft --
die zwei Kräfte, die in diesem Haus zusammenstoßen --
oder konspirieren. Traditionelle Astrologen geben auch Merkur besondere
Würden in diesem Haus. Er fühlt sich wohl hier, verständlicherweise,
denn dadurch, dass wir uns selbst im ersten Haus neu definieren,
schreiben wir auch unserer Umgebung neue Eigenschaften zu. Wir tun
Merkur-Dinge: wir benennen was wir sehen, wir erzählen Geschichten.
Während eines Transits durch das erste Haus erhalten wir die Gelegenheit,
unser Selbstbild neu zu erfinden und unsere Wahrnehmung der Umgebung
neu auszurichten. Vor kurzem habe ich mit Julie gesprochen. Die Sonne
ging gerade im Transit durch ihr erstes Haus. Obwohl Astrologen nicht
oft über Sonnen-Transite sprechen, habe ich bemerkt, dass die
jährliche Reise der Sonne durch das Horoskop sehr tiefgreifend
sein kann. Sie bezeichnet unsere persönlichen Jahreszeiten, die
Monate, in denen die Arbeit jedes Hauses wichtig wird. Julie wusste
wenig über Astrologie, aber als ich erklärte, was die Sonne
im ersten Haus bedeutet, lachte sie wie jemand, die sich darin wiedererkennt. "Ach,
deshalb!"
Als Kind hatte Julie krumme Zähne. Diese Unvollkommenheit machte sie unsicher, sie traute sich nicht zu lächeln oder gar zu laut zu lachen. Vielleicht war es aus Geldmangel oder aus Gleichgültigkeit, aber ihre Mutter hat sie nie zum Kieferorthopäden gebracht. "Meine Mutter hat immer gesagt, ich sehe gut aus, aber ich wusste es besser." In diesem Jahr, als die Sonne in Julies erstes Haus trat, machte diese 45-jährige Frau den Termin selbst. Jetzt würde sie endlich ihre Zahnkorrektur bekommen. Diese äußerliche Veränderung läutete eine Trennung von ihrer Vergangenheit ein und eine Geburt in eine hellere, selbstbewusstere Persona. Mögen auch Sie Ihre Ersthaus-Transite gut nutzen!
TWELVE MOONS WORKSHOP |
Als engster Verbündeter der Erde hat der Mond einen mächtigen Einfluss auf das
tägliche Leben, aber nur wenige Menschen nehmen seine Rhythmen wahr. Wenn Sie
Ihr Bewusstsein für die Mondzyklen erweitern wollen, dann ist dieser Workshop
etwas für Sie. Jeden Monat vor dem Neumond erhalten Sie ein 26-seitiges
Arbeitsheft, das individuell auf Ihr Geburtshoroskop und Ihren aktuellen
Standort zugeschnitten ist. Sie lernen die astrologischen Besonderheiten
kennen - den Neumond und Sonneningresse, wie diese Ihr Horskop beeinflussen,
begleitet von Mondphasen, Leerläufen, und Transiten des Mondes durch Zeichen
und Häuser. Während des ganzen Zyklus werden Sie an die immer vertrauter
werdenden Einflüsse des Mondes auf Ihr tägliches Leben herangeführt.
|
| Twelve Moons Workshop bei mooncircles.com |
Aus dem Englischen übersetzt von Karin Hoffmann
11-Feb-2012, 14:30 Weltzeit | ||||
![]() | Sonne | 22 | 15'46" | |
![]() | Mond | 11 | 9'27" | |
![]() | Merkur | 25 | 31' 9" | |
![]() | Venus | 3 | 56'27" | |
![]() | Mars | 20 | 51'49"r | |
![]() | Jupiter | 4 | 1'46" | |
![]() | Saturn | 29 | 29'37"r | |
![]() | Uranus | 2 | 14'59" | |
![]() | Neptun | 0 | 17'29" | |
![]() | Pluto | 8 | 41'31" | |
![]() | Mondkn.(w) | 11 | 21' 5"r | |
![]() | Chiron | 4 | 18'48" | |