Die Sonne

von Dana Gerhardt

Symbol SonneBei uns in den USA gibt es in Supermärkten Verkaufsautomaten, aus denen man kleine Papierchen ziehen kann, die einem dann etwas über das eigene Sonnenzeichen verraten. Vor Jahren traf ich einmal den Gründer einer dieser Automaten-Firmen. Ich werde seinen Enthusiasmus nie vergessen. "Wo sonst", fragte er mich strahlend, "können Sie etwas kaufen, das nur von Ihnen handelt? Jede Zeile auf jeder dieser Seiten ist Ihre ganz persönliche Geschichte!" Wir können ihm seine Überbewertung der Tiefe und Genauigkeit von Supermarkt-Horoskopen sicherlich verzeihen. Doch zugleich weist er auf etwas hin, was einen Teil der grundlegenden Anziehungskraft der Astrologie ausmacht: Die Vermarktung einer angenehmen narzistischen Fiktion. Bei allen Bewegungen im Sonnensystem scheint es nur um uns zu gehen. Aus jedem von uns wird auf diese Art ein Stern, ein "Star".

Und auf Stars sind war ja ganz heiß. Unsere Besessenheit von berühmten Persönlichkeiten reflektiert ein tiefes Bedürfnis, das wir alle teilen: Wir alle wollen jemand sein. Wir wollen mehr sein als eine anonyme Laune der Natur, ein namenloses Pflänzchen, das unbeachtet am Wegesrand verblüht. Jeder von uns  hat seinen einzigartigen Lebenssinn oder brennt zumindest darauf, einen solchen zu haben. Wir befinden uns auf einer Reise – einer Heldenreise! Und gottlob versteht die Sonnenstandsastrologie unsere heldenhafte Mission. Astrologie, die einst nur etwas für Könige war, liefert heute Horoskope für jedermann.

Und doch scheint etwas im Argen zu liegen im Königreich. Denn so wie die Horoskopkolummnen uns in unserem Ehrgeiz bestätigen und unseren Ruhm feiern, uns mit Applaus durch die Woche begleiten, ist doch irgendetwas faul daran. Sonnenzeichen-Astrologen buckeln vor uns wie Diener vor dem König, der beständig beruhigt werden will. "Ja, Eure Hoheit, Ihr werdet einen wundervollen Tag haben! Ja, Ihr werdet Eure große Liebe und eine Truhe voller Gold finden, und siegreich aus dem Kampf hervor gehen!" Sind solche Platitüden wirklich eines Helden würdig? Das Richtige für kleine Sonnen? Können wir uns vorstellen, dass das strahlende Zentrum unseres Sonnensystems früh morgens zitternd die Tageszeitung aufschlägt, um nach den Tageseinflüssen zu schauen? ("Was Mars und Pluto wohl heute wieder mit mir vor haben?") Vielleicht fühlen sich viele Menschen deswegen gezwungen, sich Sonnen-Verstärkung mit Hilfe astrologischer Insignien auf Anhängern und Kaffeetassen zu holen. Ein Zusammenschluss aller Sonnen, die lautstark ihre Herrschaft proklamieren: "Hoch lebe der Widder! Hoch lebe der Stier! Zwillinge, sie leben hoch!"

Die Astrologen von einst hätten sich dazu nur fragend am Kopf gekratzt. Denn erst in den letzten hundert Jahren wurden die Sonnenzeichen so beliebt. Die Sonnenstandsastrologie wurde natürlich von einer Löwe-Sonne erfunden. Im August 1860 kam William Frederick Allan zur Welt, der sich später in Alan Leo umbenannte und den wir heute als einen der ersten modernen Astrologen betrachten. Leo verstärkte das Bewusstsein von Charakter als Schicksal, und holte Horoskope aus der Ecke des vorhersagbaren Schicksals heraus, verwandelte sie in psychologische Profile mit einem Hauch von Spiritualität. Doch er war auch ein cleverer Geschäftsmann. Er unterhielt Büros in London, Paris und New York und beschäftigte fast ein Dutzend Angestellte, die jedes Jahr Tausende von Horoskopen produzierten. Und wie jeder schlaue Geschäftsführer, der ein Produkt herstellt, erkannte er die Notwendigkeit, seine Produktion zu vereinfachen. Und so kürzte er das Geburtshoroskop ohne langes Zögern auf einen einzigen Faktor zusammen: das Sonnenzeichen. Durch diesen meisterhaften Zug erfand er einen Weg, die Menschheit in zwölf einfache Gruppen zu unterteilen. Denn jeder kennt schließlich sein Geburtsdatum. Ohne etwas über die Komplexität echter Astrologie wissen zu müssen, konnte sich nun also jeder in einer dieser zwölf Gruppen einordnen. Und so waren die Zeitungshoroskope geboren.

LöweSonnenstandsastrologie ist ein profitables, doch letztlich mit Makeln behaftetes Geschäft. So ähnlich wie Fast Food sorgt sie zwar für mehr Masse, doch ohne uns wirklich zu nähren. Man bleibt am Ende hungriger zurück als vorher und fühlt sich unbefriedigt. Die Menschen machen sich heutzutage endlos Gedanken über ihre Identität. Die Wertschätzung für das Mysterium der persönlichen Reise ist verloren gegangen, es wird lediglich immer mehr angehäuft: "Im Enneagramm bin ich eine ‘4’, in der vedischen Astrologie eigentlich Krebs, im chinesischen Horoskop eine Ratte und meine persönliche Schicksalszahl ist die…" Astrologen erhalten Anrufe von Menschen, die zwar eine Arbeit haben, eine Familie, einen Ratenzahlungsvertrag und einen Führerschein – aber die nicht wissen, wer sie eigentlich sind und darauf hoffen, dass ihnen ihr Horoskop dies verraten kann. Wir sind so weit aus unserem Zentrum gefallen wie die berühmten Persönlichkeiten, die aufsteigenden und fallenden Sterne, die wir so eifrig verfolgen.

Aus dem Zentrum zu fallen ist das Gegenteil der traditionellen Bedeutung der Sonne – wie es schon in ihrem Symbol selbst sichtbar wird. Die Sonne wird als ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte gezeichnet. Eine Einheit mit einem Zentrum als Fokus. Es gibt Billionen Galaxien im Universum, jede mit hundert Milliarden Sonnen. Unser Universum ist für viele Zentren geschaffen. Doch diese Erkenntnis verlieren wir, wenn wir zuviel über unsere persönliche Identität grübeln. Unser natürliches Strahlen trübt sich, wenn wir uns als begrenzte Objekte fühlen und unsere Sätze beginnen wie: "Ich bin ein Mensch, der…" Wir werden von der Gravitationskraft – nämlich, uns zu Ernst zu nehmen - regelrecht erdrückt. Wie ein Stern, aus dem eine Supernova und schließlich ein Schwarzes Loch wird. Und so weicht die Zentrierung in uns selbst reiner Selbstbezogenheit.

Alan Leo wäre schrecklich gekränkt. Um also unseren Sonnen-Narzissmus zu heilen, schlage ich etwas noch Einfacheres vor als Leos Meisterstück. Anstatt jeden Morgen ihr Tageshoroskop zu lesen, sollten die Menschen anfangen, täglich ihr Herz zu lesen, denn das Herz bietet uns die lebendigste Erfahrung der Zentrierung. Versuchen Sie das direkt mal. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit einfach auf Ihren Herzschlag. Verweilen Sie ein paar Minuten bei dieser Empfindung. Fühlen Sie, wie die Lebenskraft Sie durchströmt. Beobachten Sie, wie Ihre Aufmerksamkeit Ihr Herz wärmer werden lässt. Vielleicht fühlen Sie nach einer Weile ein angenehmes Strömen oder Strahlen. Verlagern Sie jetzt Ihre Gedanken auf die Aktivitäten oder Menschen, von denen Sie sich energetisiert und inspiriert fühlen. Spüren Sie, wie Begeisterung Ihr Strahlen verstärkt. Wenn Sie aus dem Herzen heraus empfinden, dann leuchten Sie von innen. Andere werden durch Ihre Anwesenheit gestärkt. So wie die Sonne die Quelle aller kreativen Ereignisse auf der Erde ist, so kann Ihre Kreativität andere dazu inspirieren, ihr Licht leuchten zu lassen – wie eine Flamme, die nicht erlöscht, sondern sich immer weiter verstärkt, wenn sie weiter gegeben wird. Das trifft auf jedes Sonnenzeichen zu – Löwe, Skorpion und alles dazwischen.

Zurück zur Sonnenanbetung
Im Zentrum des Aztekischen Kalenders steht der Sonnengott Tonatiuh "Der, Der Strahlend Voranschreitet." Die Azteken verstanden, dass alle guten Dingen von der Sonne kommen, doch Tonatiuh war kein Nikolaus. Er hatte eine lange, bedrohliche Zunge, die immer bereit war, menschliches Blut zu lecken, das er im Gegenzug für seine lebensspendenden Geschenke benötigte. Aztekische Priester opferten ihm routinemäßig Menschenherzen, um ihren Sonnengott stark und gesund zu erhalten und so das Überleben des ganzen Volkes zu gewährleisten. Ohne die Blutopfer, so fürchteten die Azteken, würde die Sonne einfach anhalten und die Zeit still stehen. Ihre Welt würde dann entweder in ewiger Dunkelheit versinken oder zu einem Häuflein Asche verbrennen.

Natürlich wissen wir, dass die Sonne sich nicht um uns dreht. Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge geschehen, weil die Erde sich um ihre eigene Achse dreht. Die Erde dreht sich um die Sonne, und das definiert unser Jahr. Die Gesetze der Physik werden die ganze Show am Laufen halten, bis in ein paar Milliarden Jahren die Sonne zu einer Supernova wird. Unterdessen hat uns die Technologie von der Sorge um Sonnengötter befreit. Für Wärme und Licht gibt es ja schließlich Elektrizität, Lampen und Zentralheizung – dies ist unsere tägliche Erfahrung, dies ist, was unsere Kinder lernen. Wenn es zu kalt ist, dreh die Heizung höher. Wenn es zu dunkel ist, mach das Licht an.

Also ist auf eine gewisse Art und Weise die Sonne bereits aus unserem Leben Löwe in Kreisverschwunden, genau das, wovor die Azeteken sich so gefürchtet haben. Und was ist passiert? Unser Zeitgefühl ist durcheinander geraten. Das Leben hat sich beschleunigt. Gestresste Menschen, die zu viel zu tun und nie genug Zeit haben, sind überall. Neben manisch-depressiven Erkrankungen, dem ADS-Syndrom, Autismus, Schlaflosigkeit und Erektionsstörungen sind Depressionen und Burn-out die beiden großen Krankheiten in unserem Kulturkreis. Depression ist ein Zeichen dafür, dass wir unser Feuer verloren haben, dass unsere innere Sonne nicht mehr täglich erwacht. Ein Burn-out bedeutet, dass zu viel Feuer in uns ist, eine ständige innere Sonne, die unsere Stromkreise durchbrennen lässt. Obwohl der Himmel über uns Himmelblau ist, ist hier unten - physisch, psychologisch und spirituell gesehen – nicht alles Rosarot. Liegt es daran, dass wir die Sonne nicht länger verehren? Ist Tonatiuh vielleicht wütend? Falls dem so ist, wie können wir ins Zentrum zurück kehren? Vielleicht sollten wir den Sonnengott wieder besänftigen.

Ein Blutopfer wird da allerdings nicht reichen. Unter den Azteken galt Blut noch als die rechte Währung im Austausch zwischen Göttern und Menschen. Götter gaben ihr Blut, um die Welt zu erschaffen, und die Menschen fühlten sich geehrt, ihnen dies zurück zu zahlen zu dürfen. Menschenopfer waren nicht barbarisch; es war eine Geste göttlicher Gegenseitigkeit. In unserer Kultur jedoch dürfte das Licht eine geeignetere Währung sein. Licht ist eine Metapher für Bewusstsein. Die Sonne erleuchtet unsere Welt, und wir können ihr etwas zurück geben, indem wir ihr unser Bewusstsein darbringen. Wir können die Sonne anerkennend in unserem Bewusstsein halten. Und die Astrologie bietet uns zum Glück zwei hervorragende Mittel, dies zu tun.

Nehmen Sie Ihr Geburtshoroskop zur Hand. Noch mehr als über unsere Persönlichkeit und unseren Lebenssinn sagt die Sonne etwas aus über die Zeit, und die ist eingebunden in unser Horoskop. Der äußere Kreis aus allen zwölf Zeichen? Der steht für ein Jahr, für die Zeit, die die Erde für eine vollständige Umrundung der Sonne benötigt, bzw. dafür, dass die Sonne einmal in allen zwölf Zeichen aufgeht. Die transitierende Sonne braucht ein Jahr, um durch alle Häuser Ihres Horoskops zu reisen, und erhellt auf ihrer Reise jedes für ungefähr einen Monat. Jetzt schauen Sie mal auf das Kreuz in der Mitte Ihres Horoskops, wenn es dort eingezeichnet ist, als Verlängerung der vier Eckhäuser. Die Eckhäuser sind eine Erfindung der Ägypter, die genau wie die Azteken die Sonne verehrten. Und so entwarfen sie die Eckhäuser entsprechend der täglichen Runde der Sonne.

Der Aszendent trägt das Gefühl und die Bedeutung des Sonnenaufgangs; Planeten, die über diesen Punkt transitieren, bringen Neuanfänge mit sich. Das MC lässt uns an die Sonne zur Mittagszeit denken, hoch am Himmel auf ihrer strahlendsten Position. Auch das MC steht für die Bereiche, in denen wir in der Öffentlichkeit strahlen. Der Deszendent ruft das Bild des Sonnenuntergangs in uns hervor, wenn das Tagwerk getan ist; als Beginn des Hauses der Partnerschaft zeigt es an, wo wir uns anderen Menschen hingeben. Und schließlich das IC, der Mitternachtspunkt, wo wir schlafen und auch die Sonne Ruhe hat vor unserer Welt. Es steht für die persönlichen Fundamente in unserem Leben – unsere Familie, unser Heim und unser essentielles Selbst.

Durch die Häuser bietet uns das Geburtshoroskop einen persönlichen Ausdruck der zweifachen Prägung der Sonne, in ihrem Jahresrhythmus und ihrem Tageslauf. Obwohl Astrologen selten darüber sprechen, sind diese zwei Horoskopkreise doch ein einfacher und zugleich eleganter Weg, den zentrierenden Einfluss der Sonne in unser Leben zu übertragen.

Ihr persönliches Jahr
SonneIn meiner ersten Horoskopberatung, die eine der besten war, die ich je bekommen habe, sagte mir die Astrologin den Schwerpunkt eines jeden Monats für den Lauf eines gesamten Jahres voraus. Diese Sitzung habe ich nie vergessen. Woher wusste sie so genau, was ich tun würde und was mir in jedem Monat wichtig sein würde? Meine Interessen und Aktivitäten entwickelten sich genau wie sie vorher gesagt hatte. Viele Jahre später, als ich selbst Astrologin wurde, grub ich ihre Kassette wieder aus, natürlich mit der Absicht, ihre brillante Technik zu enthüllen. Zog sie Transite zu Rate? Sekundärprogressionen? Arbeitete sie mit dem Solar?

Als ich mir die Kassette nochmals anhörte, war ich überrascht. Sie hatte nichts weiter getan als die transitierende Sonne zu beschreiben. "Im Januar", so sagte sie "ist es Zeit, sich über Ihre Ziele klar zu werden, unternehmen Sie Schritte zur Verbesserung Ihrer beruflichen Zukunft. Ein kreatives Projekt könnte besonders wichtig werden." Sie hatte völlig Recht. Mein Hauptfokus in besagtem Januar lag darauf, mich den Vorbereitungen für einen Roman zu widmen, den ich damals zu schreiben hoffte. Und alles, was sie sich dazu angesehen hatte, war die Sonne in Steinbock, die durch mein fünftes Haus lief. Kein Saturn, kein Pluto, keine Halbsummen. Es war so einfach, ich wollte mein Geld zurück! Und doch hatte ihre schlichte Vorhersage eine fast unheimliche Genauigkeit. Im Laufe diesen Jahres, von dem sie gesprochen hatte, folgte ich ihrem Rat buchstabengetreu und fühlte mich dabei energetisch immer richtig eingestimmt. In einem Monat erlebte ich einen bedeutsamen beruflichen Bruch, der meine Lebensausrichtung noch Jahre später mit bestimmte. Als ich mir im Nachhinein die Transite dazu anschaute, war der einzig relevante Faktor die transitierende Sonne durch mein zehntes Haus.

Wir Astrologen lieben komplexe Zusammenhänge. Gehen Sie auf irgendeinen Astrologiekongress und Sie sehen uns alle Schlange stehen, um eine Unzahl von wahnsinnig raffinierten Techniken zu erlernen. Wenn ich mich auf eine Beratung vorbereite, dann schwimme ich geradezu in Horoskopausdrucken – Transite, Progressionen, Sonnenbogendirektionen, Solare, manchmal auch Lunare. Doch nach Jahren des Studiums der Ephemeride bleibt nur noch eine einzige Technik übrig, die ich regelmäßig für mich persönlich benutze: Ich verfolge die Sonne in meinem Horoskop. Ich habe die Sonne sogar zu einem zentralen Faktor meiner monatlichen e-mail-Workshops gemacht, weil ich gemerkt habe, dass dieser Zugang trotz seiner Schlichtheit sehr wichtig und heilsam für meine Klienten sein kann. Kollektiv gesehen ist der Einfluss der Sonne im Laufe der Jahreszeiten natürlich unwidersprochen, doch auch im individuellen Erleben gibt es diesen einzigartigen Jahresrhythmus, der es Wert ist, genauer betrachtet zu werden.

Die meisten Menschen leben ohnehin instinktiv nach diesem Rhythmus. Wenn ich Menschen befrage, wann sie sich am optimistischsten und energiereichsten fühlen, nennen sie mir im Allgemeinen am ehesten den Monat, in dem die Sonne in ihr erstes Haus läuft. Der Monat davor, wenn die Sonne noch in zwölf steht, ist häufig einer mit einem niedrigen Energielevel, leicht depressiv, wo Dinge auseinanderstreben oder man sich zurück zieht. Berufliche Höhepunkte gehen oft mit dem Sonnenstand in Haus zehn einher. Es ist daher eher nicht so schlau, zu dieser Zeit Urlaub zu machen. Planen Sie Ihren Urlaub lieber für die Zeit, wenn die Sonne durch Haus fünf oder Haus acht läuft, je nachdem, wie Sie sich erholen wollen. Doch glauben Sie mir nicht einfach alles ungeprüft, was ich Ihnen hier erzähle. Verfolgen Sie die Sonne einmal über den Zeitraum eines Jahres (oder kommen Sie in meinen Workshop) und entdecken Sie diese Rhythmen für sich selbst!

Ihr idealer Tag
Sonnenaufgang, Mittag, Sonnenuntergang und Mitternacht sind traditionsgemäß Stärkungszeiten, in denen wir essen und ausruhen, wieder zu Kräften kommen. Die entsprechenden Eckhäuser im Horoskop sind also Signifikatoren für einen energetischen Erneuerungsprozess. Sie sind eine Art Muster für die optimale Art und Weise, sich durch den Tag zu bewegen.

Ägyptischer SonnengottIch habe angefangen, mich näher damit zu befassen, als meine Arbeitstage ihren vorgegebenen Rhythmus verloren. Nach sechszehn Jahren als Angestellte fing ich an, als Selbständige zu arbeiten. Anstatt mich frei zu fühlen, fühlte ich mich hundeelend, völlig strudelnd und ohne tägliche Routine. Jeder Tag war wie ein einsamer Aufstieg auf einen steilen Berg. Als sich nach einem Jahr meine Depression nicht verbesserte, sondern verschlimmerte, brauchte ich dringend Hilfe. Und so schaute ich mir unter anderem die Eckhäuser meines Horoskops an, um zu sehen, wie ich den Beginn, die Mitte und das Ende meiner Arbeitstage verbessern und gestalten könnte. Die Ergebnisse waren unglaublich.

Ich habe Zwillinge am MC stehen. Meine Mittagszeiten als Angestellte waren durch viele soziale Aktivitäten gesegnet – Meetings, Mittagessen und Gespräche über einer Tasse Kaffee, einfach nur anderen Menschen zuschauen… Nichts davon hatte ich in meinem Alltag allein zu Hause. Dann kam ich auf die Idee, Talkshows aufzuzeichnen und mein Mittagessen gemeinsam mit den Talkgästen einzunehmen. Von da an veränderte sich mein ganzer Tag.

Ich erprobte meine Theorie dann im Weiteren an Klienten. Was ich dabei entdeckte, war, dass Menschen tatsächlich unterschiedliche Tagesabläufe präferieren und dass sich dies in ihren Horoskopen wieder spiegelt. Was könnte persönlicher sein als der tägliche An- und Abstieg der eigenen Energie? Und doch untersuchen wir diesen Energiefluss nur selten. Wenn wir es jedoch tun, sind die Vorteile, die wir davon haben, beträchtlich. Jeder, den ich auf diese Art coachte, wurde sich seines persönlichen Rhythmus bewusster, alle berichteten von gesteigertem Energiefluss und erhöhter Effektivität. Doch bevor wir damit beginnen, astrologische Formeln für den idealen Tag festzulegen, sollten wir zuvor noch einen anderen Schritt tun. Hören Sie zunächst aufmerksam zu, wie alle Menschen, die intuitiv arbeiten. Ich stelle meinen Klienten nämlich zunächst eine Reihe von Fragen – insbesondere, damit sie sich daran erinnern, welche Tage bislang gut gelaufen sind und welche nicht. Aus diesen Puzzlesteinen setzen wir dann ein Bild zusammen, das vom Horoskop untermalt wird.

Annie ist Teilzeitschauspielerin mit Zwillinge am AC. Luftzeichen werden durch mentale und soziale Aktivitäten energetisch aufgeladen. Annie gestand mir, dass sie morgens am liebsten ihren Computer anschmeißt, ihre e-mails und ihre Lieblingstageszeitung online liest, und das alles innerhalb von fünfzehn Minuten zwischen Aufstehen und aus dem Haus gehen. Duschen unwichtig. Sie liebte es, ihre Tage so zu beginnen und kopfüber in das Weltgeschehen einzutauchen. Als ich das einer Freundin mit Löwe-AC gegenüber erwähnte, war sie entsetzt. Feuerzeichen sind gern kreativ. Ihre Vormittage sind entsprechend sehr produktiv, inspiriert und hingebungsvoll, der Höhepunkt ihres Tages, zu dem sie als Schriftstellerin ihre Höchstleistung erbringt und jede Einmischung der äußeren Welt abwehrt.

Annie hat das nebulöse Fischezeichen an ihrem MC. Zur Mittagszeit fühlt sie sich oft verloren. Insbesondere wenn sie im Büro sitzt, sinken zu dieser Zeit ihr Energieniveau und ihre Fähigkeit zur Konzentration beträchtlich. Wenn zu Hause arbeitet, nimmt sie mittags gern ein Bad; dies regeneriert sie für den Rest des Tages. Und das ist genau das, was das Horoskop ihr mit Fische auch vorschlägt: träumen, sich treiben lassen – nichts, was gesellschaftlich sanktioniert wäre. Doch was für den einen Zeitverschwendung sein mag, ist für den nächsten der direkteste Weg zur Produktivität. Eine andere Klientin, die ihr MC in den frühen Wassermanngraden stehen hat, hält gern kurz vor Mittag einen kleinen Mittagsschlaf. Das entspricht der Zeit, wenn die Sonne durch den Fische-Teil ihres Horoskops läuft, ihr elftes Haus. Mittags fühlt sie sich dann sehr wach, wie wenn sie unter Strom stehen würde (Wassermann am MC). Wieder eine andere Frau mit einem hart arbeitenden Jungfrau-MC liebt es, in der Mittagszeit einfach durchzuarbeiten. Wenn sie das mal nicht tut, fühlt sie sich furchtbar, so als hätte sie ihren ganzen Tag vergeudet. Am Ende eines Arbeitstages fühlt Annie sich besinnlich und philosophisch aufgelegt, passend zu Schütze an ihrem Deszendenten. Sie liebt es, sich dann mit ihrem Partner zu unterhalten und einen Rückblick auf ihren Tag zu halten. Morgens ist sie eher zu vielen kleinen Schwätzchen aufgelegt, immer ein wenig auf dem Sprung, abends mag sie es gemäßigt und nachdenklicher – der Unterschied zwischen Zwillinge und Schütze.

Annie hat Jungfrau am IC. Dieses Eckhaus ist natürlich das Schwierigste von allen, dann da schlafen wir meistens. Ich stelle daher zunächst Fragen über das Schlafzimmer, später dann über das Schlaf- und Traumerleben. Annie hat die Neigung, im Schlaf mit den Zähnen zu knirschen. Das passt zur Jungfrau, die alles gut durchkauen, verarbeiten und verdauen muss. Annies häufigster Wiederholungstraum ist einer, in dem sie sich selbst gebiert. Pluto, der Signifikator für Wiedergeburt, steht an ihrem IC. Als ich ihr sagte, dass Pluto ja auch ein Magier sei und dass sie mal versuchen könne, während des Schlafs mit magischer Energie zu arbeiten, erinnerte sie sich daran, dass ihr eine Hellseherin einmal geraten hatte, ihre Wünsche auf ein Stück Papier zu schreiben, es zusammen zu falten und über Nacht unter ihr Kopfkissen zu legen. Sie hat es nur ein einziges Mal ausprobiert, damals wünschte sie sich einen neuen Kleiderschrank, hatte aber nicht genügend Geld dafür. Am nächsten Tag entdeckte sie in der Garage ihrer Friseurin genau das, was sie suchte, und erwarb den Schrank für wenig Geld.

Sandra gehörte zu den Menschen, die völlig unzufrieden mit ihrem Tagesablauf sind.Sonnenblume Sie hatte das Gefühl, viel zu viel fern zu sehen. Geringste Zwischenfälle lenkten sie ab. Sie bekam nie genügend geschafft. Doch als wir ihr Horoskop anschauten, fanden wir heraus, dass es nur halb so schlimm war. Ihr eigentliches Problem waren ihre Erwartungen. Morgens erwartete sie von sich, aus dem Bett zu springen und sich sofort an die Arbeit zu machen. Doch mit Krebs am Aszendenten war es viel natürlicher für sie, den Tag langsam zu beginnen, ihre Stimmungen zu beachten, gut zu frühstücken und Dinge zu tun, die ihr ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. "Morgens fühle ich mich anderen Menschen gegenüber regelrecht ausgeliefert", so lauteten ihre Worte. Als ich ihr vorschlug, dass sie sich einfach dem Lauf der Dinge überlassen solle, so wie Wasser, und nur das tun solle, was ihr leicht fiel, und ihren Tag erst mittags beginnen solle (mit Widder am MC), lachte sie, weil das genau das ist, was sie ohnehin immer tut. Doch jetzt hatte sie endlich die Erlaubnis dazu erhalten.

Wasser möchte sich zurücklehnen und entspannen. Es umfließt Hindernisse und kann seine Arbeit am besten verrichten, wenn es von außen so aussieht, als würde es gar nichts tun. Patrizia, die das Wasserzeichen Skorpion am AC hat, lässt es morgens auch gern langsam angehen. Während Sandra ihre Morgende als Kuschelzeit empfindet, sieht Patrizia sich selbst eher in einer Art Höhle. Passend zu ihrem Skorpion-Muster erneuert sie ihre Kraft in der Einsamkeit. Nina hat ebenfalls einen Skorpion-Aszendenten, sie macht morgens gern Fitness-Training – doch sie sucht dabei keinesfalls Kontakt. Diese Zeit gehört ihr allein. Und wenn sie die nicht hat, fühlt sie sich unwohl.

Der Deszendent beschreibt unser Verhaltensmuster um Sonnenuntergang herum. Menschen, die unter einem Burn-out leiden, haben häufig ein Deszendenten-Problem, weil sie vergessen, ihren Tag zu beenden. Es ist wichtig, ganz bewusst in einen anderen Rhythmus zu wechseln. Cilly mit ihrem sozial engagierten Wassermann-DC liebt es, abends Freunde zum Essen einzuladen; Rebecca mit dem gleichen Zeichenstand geht gern zu Verabredungen und bastelt an ihren sozialen Netzwerken. Luftzeichen bevorzugen eine mentale oder soziale Stimulierung. Marina, mit Fische-Deszendent und einem sehr stressigen, hochintensiven Arbeitstag zieht abends gern völlig den Stecker aus der Steckdose und lässt sich in einen Zustand des Nichtdenkens fallen. Am liebsten brutschelt sie dann in ihrer Küche vor sich hin, ohne jegliche Zielstrebigkeit oder Erwartungshaltung.

Sandra mit ihrem geschäftigen Steinbock-DC hingegen liebt es, wie alle Erdzeichen, abends ergebnisorientiert aktiv zu werden. Am frühen Abend fühlt sie sich am fittesten und erledigt einen Großteil ihrer geschäftlichen Anrufe. Sie fängt damit um den Zeitpunkt der Dämmerung herum an und arbeitet bis in den Abend. Zwei andere Frauen mit Stier am Deszendenten mögen es abends auch gern produktiv. Eine von ihnen arbeitet in der Abendschicht, die um den Zeitpunkt der Dämmerung beginnt. "Es fällt mir so leicht. Es fühlt sich so an, als hätte ich gar keinen Arbeitstag."
Sandra und Jane haben beide die ästhetische Waage am IC, ein schönes Bett ist ihnen daher wichtig. Jane hatte eine Bettdecke, die ein paar Zentimeter zu kurz war; das sorgte bei ihr für nächtliche Irritationen, bis sie schließlich eine Borde annähte und endlich gut schlafen konnte. Waage ist das Zeichen der "Prinzessin auf der Erbse". Es ist außerordentlich sensibel. Sandras Wohnung ist so gebaut, dass sie ihre Schlafzimmerwand mit ihrem Nachbarn teilte – dabei war ihr höchst unwohl zumute. Wir besprachen, dass sie ihr Bett verschieben und noch zusätzlich einen Vorhang vor die Wand hängen könne, um sich das Gefühl einer größeren Privatsphäre zu verleihen. Patrizia mit Wassermann am IC wacht häufig mitten in der Nacht auf. Sie meditiert dann oder liest bis zum frühen Morgen, wo sie dann meist in tieferen Schlaf fällt. Robert hat Löwe am IC, ein Feuerzeichen. Er wacht auf und schreibt dann viel, mitten in der Nacht – es ist seine kreativste Zeit.

Doch genug der Beispiele! Nehmen Sie Ihr eigenes Horoskop zur Hand. Wie sieht Ihr idealer Tag aus?

MOONPRINTS by Dana Gerhardt

Zu Moonprints Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

 

 

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