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Die lärmenden Vögel des Schützen

Von Dana Gerhardt

herculesUm einen klaren Verstand zu behalten, sollte ein Mensch mindestens einmal am Tag bis zum Horizont schauen. Ein Freizeitsegler hat mir das erzählt. Er hatte es von einem Navajo-Ältesten gehört. Ich habe von keinem der beiden ein Geburtshoroskop gesehen, aber ich vermute, dass Schütze stark vertreten sein muss. Zumindest haben der Segler und der Älteste eine wunderbare tägliche Praxis für Schützen empfohlen: Schützen, blickt über die Gatter eurer Gedanken hinaus, in die faszinierende Ferne, in den unbekannten Raum, wo ihr fremd seid. Verbindet euer Herz mit diesem unsichtbaren Territorium, und im Gegenzug zu dieser Ferne wird eure Gegenwart in die richtige Perspektive gerückt, eine vielversprechende Zukunft lockt.

Tun Sie dies Ihrer Schützesonne zuliebe, um ihre Kreativität anzufeuern und ihr Vertrauen zu nähren. Tun Sie es für Merkur im Schützen, um den Gedanken die richtigen Flügel zu verleihen. Tun Sie es für Venus in Schütze, um sich daran zu erinnern, wie wahrhaft gross und offen die Liebe ist. Tun Sie.... Ich könnte so fortfahren, aber solche astrologischen Formeln machen mich unruhig - speziell, wenn es um das Thema Horizont geht, wo wir das Leben eben gerade nicht in ordentliche Kästchen und Schubladen stecken. Horizont-Beobachten gleicht der Astrologie im besten Sinn. Sie wurde entwickelt, damit sich das Leben öffnen und durch neue Möglichkeiten wachsen kann.

Jeder Mensch braucht diese Weite. Darum gibt der Tierkreis auch jedem von uns ein Schütze-Haus. Wenn Sie sich in letzter Zeit nicht damit verbunden haben, versuchen Sie dieses Experiment. Betrachten Sie den Lebensbereich, der in Ihrem Horoskop von Schütze beherrscht wird. Verpflichten Sie sich, dort während der nächsten dreissig Tage täglich eine Horizont-Übung zu machen. Wenn Schütze Ihr 5. Haus regiert, machen Sie Horizont-Beobachten mit Kindern, schreiben Sie Gedichte, oder malen Sie, was Sie sehen. Wenn Schütze Ihr 6. Haus regiert, machen Sie ihre täglichen Kaffeepausen an einem Fenster mit Fernsicht. Wenn Schütze Ihr 7. Haus regiert, betrachten Sie während eines Monats mit Ihrem Partner zusammen Sonnenuntergänge. Wenn Schütze... Sie wissen schon. Lassen Sie sich von Ihrem inneren Kentauren führen; Ihr Geist wird folgen.

Aber seien Sie gewarnt. Wenn Sie zu lange auf den Horizont schauen, geschieht etwas Eigenartiges. Die Kümmernisse der Welt legen sich nieder wie Schlick. Sie verwandeln sich in einen unscheinbaren Kieselstein, den Sie vielleicht unbeabsichtigt und ziemlich sorglos wegkicken. Ihre Augen heben sich und ihr Geist schwebt - wie ein davonfliegender Luftballon! Dort oben sehen Sie alles! Sie wissen alles! Ihr Herz quillt über. Sie fühlen sich so positiv, so überschwänglich, so grossmütig, Sie wollen Ihre Wahrheit mit allen teilen! Rod Serling Musik lautet das Stichwort: Sie sind gerade eingetreten in die fernen Weiten der Schütze-Zone.

In der Schütze-Zone fühlen Sie sich so fit und fröhlich wie ein hochalpiner Wanderer. Ausgestattet mit philosophischem Witz und dem barfüssigen Gang eines spirituellen Suchers, sind Sie begierig danach, auszubrechen und im Grossen Buch der Welt zu lesen! Sie könnten Gott auf einem überfüllten Gehsteig in Bangkok finden oder in einem muffigen Buch aus einem in Vergessenheit geratenen Bibliotheksregal. Wörter wie "Gerechtigkeit, Freiheit, Integrität" lassen Ihr Herz höher schlagen. Wenn Sie etwas Falsches sehen, wollen Sie es berichtigen. Wenn es dunkel ist, sind Sie voller Hoffnung. Wenn das Leben unergründlich wird, fallen Ihnen Antworten zu. In der Zone hechten Sie glücklich auf ihre Apfelsinenkiste, um zu Ihren Freunden zu predigen - aber eigenartigerweise ziehen sich diese entsetzt zurück.

Sie haben gerade deren Gefühle verletzt. Oder Sie haben eine Verabredung vergessen. Ihre Kentaurenfüsse stolpern über lästige Verpflichtungen, die andere Ihnen in den Weg legen. Die Leute werfen Ihnen vor, streitsüchtig, zügellos und ein Zauderer zu sein. Das stimmt. An manchen Tagen fühlen Sie sich alles andere als erwachsen. Kürzlich haben Sie bemerkt, wie oft Ihre Pfeile das Ziel verfehlen, wie schnell Ihre tollen Pläne langweilig werden. Sie stossen diesen Gedanken weg, aber er kommt immer wieder zurück: Vielleicht sind doch nicht alle anderen, sondern Sie selber das Problem? Könnte es sein ... dass Sie mit Ihren brillanten Ideen einfach ein Narr sind?

kentaurDie kurze Antwort lautet: "Ja!" Ich darf das sagen, weil ich selber eine Schützesonne habe, und ich habe viele schützebetonte Freunde. Wenn wir auf unsern vier Beinen herumgaloppieren, können wir ziemlich selbstvergessen sein und nicht mehr mit den Zweibeinern um uns herum harmonieren. Wir können strahlend, unbeschwert und geschwätzig sein, ausser wenn wir gerade empört, selbstgerecht, wissenschaftlich und trocken sind. Wir können so verantwortungslos und roh sein wie die Kentauren in der klassischen Mythologie, die Zecher waren und anfällig für Räusche und Prophezeiungen. Wir können so ärgerlich sein wie die Waldbewohner in Harry Potters Welt: "Versuche nie," sagt Wildhüter Hagrid gereizt, "eine direkte Antwort von einem Kentauren zu bekommen. Verdammte Sterngucker! Alles, was näher ist als der Mond, interessiert sie nicht."[1]

Wenn eine wichtige Arbeit getan werden muss, werden Schützen kaum als erste gerufen. Aber immer, wenn es Hunger nach mehr Sinn, Lachen und Abenteuer gibt, werden sie schliesslich geholt. Die Position des Schützen im Tierkreis ist lehrreich. Im Sandwich zwischen Skorpion und Steinbock, trennt er die zwei ambitioniertesten Zeichen (manche würden sagen, die grimmigsten). Aus der transformierten Asche des Skorpions setzt Schütze zu seinem Flug an. Auf seinen Flügeln freuen wir uns über die neue Freiheit, gehen wir über Grenzen hinaus, suchen Weisheit und Sinn durch Experimente oder über höhere Schulbildung. Wir erforschen neue Philosophien, Religionen, fremde Kulturen. Wir fordern unsern Körper und unseren Geist heraus. Wir folgen unserer Seele, um die Wahrheit zu befreien, wir gehen so weit wie unser inneres Feuer uns trägt - bis wir abstürzen oder landen. Schliesslich müssen wir unsere hohen Ideale im Steinbock erden: realistisch und pragmatisch.

Wenn Skorpion der dunkle Prinz und Steinbock der alte König ist, dann ist Schütze der Narr, der Hofnarr, der die Welt mit einem Trick dazu bringt, ihr Kinn fallen zu lassen, damit er ihr einen Nasenstüber geben kann. Der Narr hellt die Dinge auf, damit die Weisheit in den Raum treten kann. Mit seinen fröhlichen Anspielungen äussert der Narr harte Wahrheiten gegenüber dem König, ohne dass er dafür geköpft wird. Seine Verspieltheit rettet die Welt vor der Zerstörung. Seine Sichtweise bringt dem Königreich neues Leben.

Die Welt, die Schütze gebracht hat

Auch wenn Sie selber keine Schütze-Planeten haben oder nicht einmal Schütze-Freunde, hat dieses Zeichen dennoch jahrzehntelang Ihren Horizont erweitert, Sie verletzt, inspiriert oder verärgert. Die Transite der drei äusseren Planeten durch Schütze (ungefähr von 1970 bis 2008) haben Schützethemen so tief in unsere postmoderne Welt verwoben, dass man problemlos sagen kann, dieses Zeichen befinde sich im Zentrum unserer zeitgenössischen Kultur, genau so wie das Galaktische Zentrum, das ebenfalls in Schütze steht.

Wenn Neptun nicht in diesem Zeichen der Erforschung, des Abenteuers und der spirituellen Suche gewesen wäre, wären wir auch so enthusiastisch in die Star Wars Galaxie gereist, so weit, weit weg, hätten die Lichtschwerter gekreuzt und zusammen mit Guru Yoda die Macht gemeistert? Als Neptun 1970 in Schütze trat, strahlte er einen neuen Geist ins kollektive Unbewusste aus, er steuerte für die nächsten 14 Jahre die Mode, Filme, Politik und Träume in Richtung Schütze. Beklagen Sie sich bei Neptun für die Popularität der Möwe Jonathan. Wir wurden zu denselben Gefühlen verführt wie die Möwe: philosophisch, freischwebend und verzweifelt in neue Höhen aufsteigend. Sogar Präsident Nixon wurde von diesem Geist erfasst, als er sich auf den Weg nach China machte und dabei Jahrzehnte der diplomatischen Distanz zwischen diesen beiden Nationen schmelzen liess. Falls Sie je auf dem Behandlungstisch eines Akupunkteurs gelegen haben, danken Sie Neptun in Schütze dafür, dass er Sie dorthin gebracht hat.

Neptun brachte uns unvergessliche Schütze-Avatare: die befreite Prinzessin Leia, der peitschenknallende Abenteurer Indiana Jones oder John Travolta als Discotänzer Tony Manero. Seine Schütze-Vitalität und sein ethischer Kodex führten ihn schliesslich aus seinem "falschen" Leben in Brooklyn, wie er es nannte, hinaus zum weiteren Horizont von Manhattan. Travoltas legendäre Pose im weissen Anzug, wo er mit ausgestrecktem Arm auf den Himmel zeigt, ist ein weiterer Schütze-Ausdruck. Das Feuerzeichen Schütze funkelte in den Disco-Spiegelkugeln und den glänzenden Stoffen; es stieg in hohe Plateau-Schuhe und begeisterte sich am energetisierenden Discotanz. Damals begann auch der Fitnesswahn. Erinnern Sie sich, wie die Schützefrau Jane Fonda von uns forderte: "Feel the burn?" ("Spürt ihr das Brennen?")

hashish shopEs war exotisch und befremdend, als die Beatles ihrem Guru nach Indien folgten; als Neptun in Schütze eingetreten war, wurde religiöses Suchen alltäglich. Hippies treckten regelmässig in den Osten, die Flughäfen quollen über mit Hare Krishna Tänzern, Reverend Moon und Jim Jones hypnotisierten ihre Verehrer. Die Musicals Godspell und Jesus Christ Superstar flössten dem Christentum neue Schützevitalität ein. Vieles, das in den 1960er-Jahren radikal war, erlangte mit Neptun im freiheitsliebenden Schützezeichen breite Akzeptanz. Die Frauenbewegung wurde Mainstream, das Misstrauen gegen die Regierung wuchs und Drogen wurden populärer.

Es könnte interessant sein, in einer astrologischen Studie den Aufstieg und Fall bestimmter Drogen mit dem Lauf von Neptun durch die Zeichen zu vergleichen. Der Verbrauch von Marihuana und Kokain erhöhte sich, als Neptun durch Schütze transitierte. Donna Cunningham und Andrew Ramer spekulieren, dass Haschisch auf einer energetischen Ebene als "Wurzelchakra Phasenerneuerer" wirkt, was sehr anziehend war für eine Generation, die darauf erpicht war, von zu Hause, der Familie und uninspirierenden Karriermöglichkeiten auszureissen.[2] (Dies mag auch zur Faszination der 70er Jahre am heimwehkranken Weltraumfahrer E.T. beigetragen haben.) Der Wunsch der Haschisch-Raucher, die Realität durch eine visionäre Perspektive zu erweitern, ist sehr schützehaft. In den 1980er-Jahren, als sich der elektrifizierende Uranus zu Neptun in Schütze gesellte, schob sich Kokain in die Kulturszene. Dieses weisse Pulver aus den hohen Anden wurde vor allem von jenen konsumiert, welche sich zu neuen Höhen hinaufkatapultierten: in die Wolkenkratzer der Unterhaltungsbranche und der Finanzwelt. Cunningham und Ramer meinen, dass der metaphysische Reiz dieser Droge ihren Verbrauchern half, sich in den neuen Höhen ihres plötzlichen Reichtums zu akklimatisieren.

cocaineUranus befand sich von 1981 bis 1988 in Schütze, und er sandte einen rebellischen, bilderstürmerischen Stromstoss durch diese Dekade. Disco machte Punk Platz - eine intensive und frenetische Inversion des Schützeoptimismus. Der Rap - ein predigendes Musikgenre - wurde ebenfalls geboren. Der Rapper mit seinen glitzernden Goldketten war ebenfalls ein Schütze-Avatar. Uranus regiert auch die Technologie und den Raum. 1981 wurde Columbia lanciert, Amerikas erstes wiederverwendbares Raumfahrzeug, das die fantasievollen Welten aus Star Trek und Star Wars näher an die Realität brachte. In demselben Jahr stellte IBM Acorn vor, den ersten Personal Computer, und Microsoft sein neues Betriebssystem MS-DOS. Vielleicht hat keine einzelne Erfindung die Grenzen des Wissens weiter vorangetrieben als die des PCs. Als ob das höhere Bewusstsein, nach dem Schütze verlangt, just auf die Erde hinuntergestiegen wäre in diesen kleinen Kasten.

Neben Innovationen brachte Uranus auch Schocks. Es gab religiöse Skandale, einschliesslich den ersten Bericht über sexuellen Missbrauch durch den katholischen Klerus; Volksprediger wie Jim Bakker und Jimmy Swaggert fielen unter der Last ihrer heuchlerischen Lügen um. Es gab auch Katastrophen. 1986 explodierte nach dem Abheben die Raumfähre Challenger mit dem ersten Lehrer an Bord. 1987 tauchte die Börse. Das sind alles moderne Versionen des Ikarus-Mythos - ein Junge ist so beflügelt vom Fliegen, dass er zu nah an der Sonne fliegt, die seine Wachsflügel zum Schmelzen bringt und ihn in den Tod stürzt. Dies ist auch eine Lektion für Schütze, ein Zeichen, das zu Fanatismus, Übertreibung und Ausschweifung neigt. Die Tarotkarte, die mit Schütze assoziiert wird, heisst "Mässigkeit" und sie zeigt einen Engel mit zwei Kelchen, der Wasser und Wein mischt. Sie bedeutet, dass wir im Schützen Balance lernen müssen und durch klares Denken den Rausch mässigen.

Das ist eine Lektion, die wir in den Jahren 1995 bis 2008 immer wieder lernen mussten mit Pluto in Schütze. Dem dotcom-Boom folgte die dotcom-Pleite, obwohl der Schützeoptimismus weiterhin das Kaufen und Geldausgeben befeuerte. Angebote für Kreditkarten überschwemmten unsere Mailboxen, und der astronomische Anstieg der privaten Schulden passte zum Anstieg der Privatinsolvenzen. Die Immobilienblase wurde grösser und grösser, bis sie platzte. Risikoreiche Hypotheken und Jahre der Deregulation ruinierten das Finanzsystem (ein Chaos, das Pluto in Steinbock immer noch aufräumen muss). Der frühere Chef der Federal Reserve Bank, Alan Greenspan, fasste die blinden Flecken unserer glänzenden Schützejahre so zusammen: "[Finanzkrisen] sind nie gleich, aber sie haben eine grundlegende Quelle ... die nicht auszulöschende menschliche Annahme, dass lange Zeitspannen des Wachstums sich fortsetzen würden."[3] Schütze mit seinen nach oben gerichteten Pfeilen muss entdecken, dass das, was raufgeht ... schliesslich auch wieder herunter kommt.

temperancePluto ist ein kleiner, aber mächtiger Planet.[4] Er führte den Schützen in noch grössere Extreme und speiste seinen Schatten mit Energie. Fanatiker gewannen an Macht. Religiöse Intoleranz verdichtete sich und polarisierte. Die Wahrheit wurde gedehnt bis zur Bruchstelle. Während der eine Präsident uns wegen eines Blowjobs angelogen hatte, lügte uns der nächste in einen Krieg. Überall auf der Welt kämpfte schützehafte Selbstgerechtigkeit gegen ebenso schützehafte Empörung - obwohl der Engel der Mässigung auf der Tarotkarte sicher etwas anderes gewollt hätte: dass wir trotz aller Unterschiede erkennen könnten, dass wir aus derselben Substanz sind; ein säkularer Gedanke, der ebenfalls an Beliebtheit gewann. Während die Katholische Kirche durch Skandale weiter geschwächt wurde, wurden die Fronten zwischen den Christen, den Muslimen und den Juden härter. Die Popkultur verschlang inzwischen Spiritualität als wäre sie Konfekt. Als Pluto den Schützen verliess, waren spirituelle Reisen durch Bestseller wie Eat, Pray, Love, Eine neue Erde und Das Geheimnis zu einer kulturellen Obsession geworden.

Wäre Oprah's Buchklub ebenso erfolgreich geworden, wenn Pluto nicht im Zeichen des Verlagswesens gestanden hätte? Diese Branche wurde in den Jahren mit Pluto in Schütze ebenfalls transformiert. Hörbücher wurden populär, sie erlauben uns während des Lesens zu trainieren oder zu reisen! Durch das Projekt Gutenberg können wir nun ganze Bücher online bekommen. Grosse Kaufhäuser wie Border's, Barnes & Noble und Amazon veränderten die Art ihres Bücherverkaufs. Es gab auch Skandale nach Schütze-Manier: enthüllte Plagiate oder Memoiren stellten sich in Wahrheit als Fiktion heraus. Bis zum Ende dieses Transits jedoch hatte eine keineswegs so ruhige Revolution stattgefunden. Möchtegernautoren brauchen keine Verlage mehr oder Redaktionen. Jeder, der eine Meinung hat, kann sie in einem Blog aus der Cyberwelt herausschreien.

In den Jahren mit Pluto in Schütze wuchs das Internet wie eine Kudzu Pflanze. Die Computer hatten durch das World Wide Web Grenzen zusammenbrechen lassen und den Horizont erweitert - sie haben ihre Schützefunktion erfüllt. Wir können nun ganze Bibliotheken und Universitäten in unser Schlafzimmer holen. Wir können reisen ohne eine einzige Tasche zu packen. Nixons historische Reise nach China erscheint nun kurios. Ich muss nicht mehr in den Osten reisen, um spirituelle Inspiration zu erhalten; Meister des tibetischen Buddhismus besuchen nun regelmässig meine Stadt. Die Raumstation irgendwo über meinem Kopf ist mit einer internationalen Mannschaft besetzt. Ich kann am Morgen aufwachen und habe Bestellungen für meine Moonprint-Analyse aus Norwegen, Südafrika oder Hongkong. Mittags kann ich einer Guatemaltekischen Weberin oder einer kenianischen Kuchenverkäuferin einen Mikrokredit über kiva.org geben. Nachts kann ich den neuen Blogeintrag eines Freundes in Bhutan lesen. Die Transite der äusseren Planeten durch Schütze haben uns in der Tat "die Welt" gegeben. Wären sie noch ein paar Jahre länger in diesem Zeichen herumgelungert, hätten wir vielleicht das ganze Universum bekommen?

Herkules' Schütze-Herausforderung

stymphalian birdsFreilich hätte es unsere Welt vielleicht nicht überlebt, wenn die äusseren Planeten nicht in den Steinbock eingetreten wären, um uns zu festigen, zu restrukturieren und mit neuem Realismus zu erden. Wer die letzten vier Schützedekaden erlebt hat, mag vielleicht denken, wir hätten genug mit diesem Zeichen gearbeitet. Aber gehen wir doch ein paar Tausend Jahre zurück und schauen, was wir von Herkules' Schützearbeit lernen können. Es ist seine sechste Aufgabe; der König will, dass er das Stymphalische Ried in Arkadien räumt.

Das Ried in Arkadien wird von einer Horde menschenfressender Vögel heimgesucht, die einen Stolz vergleichbar mit demjenigen von Löwe oder Leopard haben. Als Herkules dort ankommt, findet er ihren Lärm unerträglich. Ihre scharfen Schnäbel können Eisen und Bronze durchdringen, sein Harnisch nützt ihm nichts. Sie haben sich im Ried eingenistet wie Pinguine, doch Herkules' Pfeile prallen auf ihren metallischen Federn, die ihren Körper beschützen, einfach ab. Herkules weiss nicht, was tun. Um etwas Ruhe und eine Idee zu haben, klettert er auf einen nahegelegenen Berg. Dort trifft er auf Athene, die ihm ein Paar göttliche Kastagnetten überreicht, die der unsterbliche Hephaistos geschmiedet hat. Herkules schlägt die bronzenen Kastagnetten. Ihr freudiger Lärm schreckt die Stymphalischen Vögel auf, die schnell die Flucht ergreifen. Einige fliegen für immer fort. Die restlichen holt er einen nach dem anderen mit seinen Pfeilen, die jetzt die weichen Bäuche erreichen, herunter.

Herkules gibt uns eine perfekte Formel für den Schütze-Erfolg. Egal, welche Herausforderung zu meistern ist, als Schütze müssen Sie zuerst an einen weitläufigen Ort gehen, vorzugsweise an einen erhöhten Platz, wo es Raum zum Atmen gibt, wo sich der Geist ausdehnen und sich dem höheren Bewusstsein öffnen kann. Wenn eine Inspiration kommt (wie etwa die göttlichen Kastagnetten), erlauben Sie sich, sich zu begeistern. Lassen Sie neue Ideen einfliessen so wie Musik, die die Luft erfüllt. Wirbeln Sie herum wie Julie Andrews in Sound of Music und werden Sie lebendig mit der Inspiration! Dann fokussieren Sie. Nehmen Sie den Bogen. Üben Sie, die Augen auf das Ziel zu halten. Feuern Sie Ihre Pfeile so lange ab, bis Sie Ihren Gegenstand erreicht haben.

Vögel sind ein universelles Symbol für das Denken. In der Region Arkadien jedoch, der ein mythischer Ort ist und bekannt für seine sorglose Freude und Ungezwungenheit (wie Schütze!), ist diese Versammlung der Vögel verstörend und dunkel. Die Stymphalischen Raubvögel zeigen, wie der Schatten des Schützen funktioniert. Sümpfe sind stillstehende Orte, wo sich unbewusste Instinkte versammeln und gären können. Schütze ist dazu geschaffen, in die Zukunft zu schauen, seinen Horizont zu erweitern, diejenigen Experimente anzustreben, die Weisheit ermöglichen. Aber Schütze kann auch mit der Vergangenheit verstrickt sein, seinen Horizont verlieren und sich selber verletzen, ohne weiser zu werden. Die Stymphalischen Vögel sind solche unbewussten Glaubenssätze, die eine klare Vision und ein Urteil blockieren. Es sind die gewohnten Gedanken, die uns daran hindern, unser Potenzial zu verwirklichen. Rastlosigkeit, Aufgeblasenheit, Selbstgerechtigkeit und Selbstsüchtigkeit gehören zu den Instinkten, die einen Schützen niederdrücken können.

Die metallartig gefiederten Vögel sind Glaubenssätze und Instinkte, die nirgendwohin führen. Mit roher Kraft oder Entschlossenheit wird man sie nicht los. Schütze muss sich selber in Bewegung bringen. Sein Bewusstsein muss sich verändern. Durch eine Reise vielleicht. Oder die Entdeckung eines neuen Autors. Es könnte auch Meditation sein. Schützen haben viele Möglichkeiten, ihren inneren Sumpf zu räumen. Der Moment aber, wenn die Negativität verschwindet - wird immer ein Geschenk sein. Er ist nicht das Resultat eigener Anstrengung. Schützen können sich nur selbst öffnen und müssen warten, dass eine höhere Intelligenz erscheint, wie göttliche Musik, die aus den Sphären kommt. Schützen, die das wirklich verstehen, werden demütig und sind bereit, ihre wahre Aufgabe auszuführen. Die Fähigkeit, die Schütze entwickeln muss, ist das Bogenschiessen - die Fähigkeit, zu fokussieren und Ziele zu erreichen. Ein Schütze, der bloss spielt und das Göttliche überstürzt hereinlässt, wird sein volles Potenzial nicht erreichen, wenn er sich nicht auch an die Arbeit macht.

archerIn Archetypes of the Zodiac erzählt Kathleen Burt eine wunderbare Geschichte über den Schützen und seinen Fokus.[5] Ein Meister der Bogenschiesskunst - ein alter Mann, dessen Zeit kostbar ist - interviewt Studenten. Er unterrichtet die Kunst des Bogenschiessens ungern irgendjemandem. Jeder angehende Student muss den Bogen halten und sich konzentrieren, dann fragt der Meister, was er sehe. Der erste sieht den Berg über dem Tal, den Himmel, die Bäume und einen Vogel in einem der Baumdächer. "Verschwinde von hier", sagt der Meister. Der nächste sieht dieselben Dinge und aus den Augenwinkeln auch den Meister. "Du bist auch durchgefallen", sagt der alte Mann. Andere Möchtegern-Studenten geben ähnliche Antworten, bis schliesslich der junge Prinz an der Reihe ist. "Was siehst du?" fragt der Meister. "Ich sehe nur den Vogel." "Schau noch mal und konzentriere dich noch mehr", instruiert ihn der Meister. "Ah, ich sehe nur den Punkt in der Mitte der Vogelstirn." "Gut," sagt der Meister. "Spanne den Pfeil aus. Du wirst mein Schüler sein."

So wird man ein erfolgreicher Schütze!


  1. J. K. Rowling, Harry Potter and the Sorcerer's Stone, Scholastic Press, 1998, S. 254.
  2. Donna Cunningham and Andrew Ramer, Further Dimensions of Healing Addictions, Cassandra Press, 1988.
  3. http://wallstreetblips.dailyradar.com/story/bbc-news-business-market-crisis-will-happen-again/
  4. Trotz Plutos Degradierung durch die Astronomen, betrachte ich ihn weiterhin als Planeten, weil sein Transit einen unbestreitbar starken Einfluss hat.
  5. Kathleen Burt, Archetypes of the Zodiac, Llewellyn Publications, 1988,
    S. 321.

Übersetzt aus dem Englischen von Trudy Baumann

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