Die Planeten: Pluto

von Dana Gerhardt

Im August 2006 degradierten die Astronomen Pluto von seinem Status als Planeten auf den eines Eiszwergs. Im Gegensatz zu wirklichen Planeten, so die Wissenschaftler, habe Pluto nicht genügend Kraft, andere Himmelsobjekte in PlutosymbolBewegung zu versetzen.* Doch aus genau diesem Grund werden wir Astrologen ihn weiterhin benutzen. Plutos Gravitationskraft mag ja andere Himmelskörper in Ruhe lassen. Doch sein Erscheinen im Horoskop, im Aspekt oder im Transit, lässt uns auf der Erde lebende Menschen definitiv nicht unberührt.

Hier eine Szene aus einem meiner eigenen Pluto-Transite: Ich liege schluchzend auf dem Fußboden zu Hause, halb nackt, die Hände um die Fußgelenke meines Mannes geklammert, der sich zu befreien sucht und zur Tür raus will, es schließlich schafft und mich mit auf den Bürgersteig schleift. Er war gerade dabei, unsere Ehe zu beenden. Ich muss wohl mit Selbstmord gedroht haben, jedenfalls hatte mein Mann in der nächsten Szene die Feuerwehr gerufen. Drei rot glänzende Feuerwehrautos hielten am Straßenrand. Die Nachbarn versammelten sich, eine Reihe uniformierter Männer kam ins Haus, um nach mir zu sehen, und ich hörte, wie mein Mann erklärte, dass er woanders unterkommen könne. Zu der Zeit hatte ich noch keine Ahnung von Astrologie. Später entdeckte ich, dass man Radix-Saturn in Skorpion steht, in Konjunktion zum Aszendenten meines Mannes, und dass Pluto gerade über diesen Punkt lief. Mein Mann veränderte seinen Zugang zur Welt (Pluto über seinem AC). Mein Saturn versuchte krampfhaft, ihn fest- und den Strom der Ereignisse aufzuhalten. Doch statt dessen flog mir meine ganze Lebensstruktur um die Ohren (Pluto auf meinem Saturn).

Pluto ging vor und zurück über den Aszendenten meines damals zukünftigen Ex-Ehemannes und bewegte sich auf das Quadrat zu seinem MC zu. Während dieser Zeit wurden wir nicht nur geschieden, er wurde auch trocken, zog mit seiner Freundin in einen neuen Bundesstaat, wurde Vater und begann einen neuen Beruf. Alles sehr kraftvolle Transformationen seiner Persönlichkeit und seiner Berufung. Auch ich veränderte mich. Es war hart. Ich lag tagelang auf dem Boden und starrte auf den kräftigsten Deckenbalken. So könnte es alles einfach enden. Meine Schwester hatte mir von einer Frau erzählt, deren Mann sie ebenfalls gerade verlassen hatte. Ihr neugeborenes Baby schlief nebenan, sie stellte sich auf einen Stuhl, warf eine Verlängerungsschnur über einen Deckenbalken, schlang die Schnur um ihren Hals und trat den Stuhl unter sich weg. Das tat ich letztlich nicht, doch in jedem anderen weltlichen Sinne starb auch ich. Es war die schmerzhafteste Zeit meines Lebens. Und die lohnenswerteste.

UnterweltIch reiste viele Monate durch die Unterwelt, völlig erschöpft, grenzenlos verängstigt, gezwungen, mich ganz dem Geschehen zu überlassen. Ich war so zutiefst gedemütigt, dass ich all die naiven und selbstsüchtigen Konzepte, die mich so weit gebracht hatten, loslassen musste. Aus diesem großen Loslassen ging ich neugeboren hervor. In dem Jahr darauf war ich so dankbar für diesen Transit, dass ich mich regelrecht in Acht nehmen muss, wenn ich über Pluto spreche. Ich fürchte, ich höre mich nämlich fast zu verrückt an, ähnlich wie der Transformationspsychologe Stanislas Grof, der behauptet, die Geburt eines Kindes könne eine angenehme, ja geradezu orgasmische Erfahrung sein (häh?!). Doch es stimmt: Das Leben, das ich heute genieße, begann, als Pluto über meinen Saturn lief. Weitere Reisen durch die Unterwelt haben noch mehr Geschenke zutage gefördert. Aus diesem Grunde will ein Teil von mir immer sagen: "Ah, ein Pluto-Transit naht? Was für ein Segen!"

Natürlich zittert auch ein Teil von mir immer ängstlich. In den vergangenen achtzehn Jahren bin ich durch verschiedene Pluto-Transite gegangen. Pluto lief in Konjunktion über meinen Merkur, meine Venus, meine Sonne; im Quadrat zu meinem Mond und Aszendenten; in Opposition zu meinem MC. Diese Phasen brachten immer Stress, Transformation und Neugeburt mit sich. Doch keine näherte sich mir mit einer solch tödlichen Intensität der ersten Pluto-Saturn-Erfahrung. Einige Transite kamen und gingen auf so leisen Sohlen, als wäre Pluto lediglich kurz auf Zehenspitzen durch mein Leben geschlichen. Aber dennoch unterschätze ich Plutos Macht nicht mehr. Das Jahr, in dem Pluto kurz vor dem Übergang über meine Sonne stand, rief ich meine Lieblingswahrsagerin an. Mit einem nervösen Lachen fragte ich sie: "Und, muss ich dieses Jahr sterben? Oder jemand anderes, den ich liebe?" "Nein", entgegnete sie. "Aber Sie werden sich ein bisschen verändern!"

Ich selbst kann niemandem die Zukunft voraussagen. Wenn Klienten mich anrufen, dann kann ich ihnen noch nicht einmal sagen, was Pluto genau mit sich bringen wird; noch kann ich vorhersagen, ob es ein sanfter oder ein harter Transit werden wird. Doch ich weiß, was danach kommt. Alle Pluto-Transite folgen dem gleichen Drehbuch – eine Kombination aus dem sumerischen Mythos von Inanna, die ihre dunkle Schwester Ereshkigal besucht, und dem griechischem Mythos von Pluto, der die süße Persephone raubt und sie in die Unterwelt entführt. Folgende Kombination aus diesen beiden Geschichten erzähle ich meinen Klienten häufig[1]: Sie wandern nichtsahnend und unschuldig durch die Blumenwiese Ihres Lebens, als Pluto plötzlich seine Hände um Ihre Fußgelenke krallt und Sie in die Unterwelt zieht. Dort zieht er Sie nackt aus und hängt Sie mit dem Kopf nach unten an einen Fleischerhaken. Wenn ich mit einem Klienten während oder nach seinem Pluto-Transit spreche, dann sagt er meistens: "Ja, genau so war es".

Plutonische Geschichten beginnen zumeist mit einer unliebsamen Überraschung. Der mittlere Teil der Geschichte, der im Untergrund, kann ein paar Tage dauern, ein paar Wochen oder sich auch über Monate hinziehen, ganz abhängig von der Wahl, die wir jeweils treffen. Sie leiden ganz allein und auf sich gestellt, bis auf einmal eine Tür in Ihrem Verlies dort unten aufgeht und Pluto eintritt. "Wie geht es dir?" fragt er. "Miserabel", lautet Ihre Antwort. "Würdest du gern vom Fleischhaken runter kommen?" "Ja!!" "Fantastisch", meint Pluto. "Alles, was du tun musst, ist das aufzugeben, was dir das Liebste ist, das, wovon du glaubst, nicht ohne es leben zu können.""Alles, nur das nicht!" "Du hast die Wahl", so Pluto. Er verlässt den Raum und Sie winden sich vor Schmerzen.

Pluto will, dass wir etwas aufgeben. Aber warum lässt er uns so leiden? Kann uns eine Gottheit nicht zu Transformation ohne Kummer verhelfen? Als ich zehn war, stellte ich dem Christengott eine ganz ähnliche Frage: "Wenn du so mächtig bist und alles tun kannst, was du willst, warum hast du deinen einzigen Sohn umgebracht, hast erlaubt, dass Menschen ihn demütigen und Nägel durch seine Hände und Füße schlagen? Konntest du keinen anderen Weg finden?" Das Motiv des leidenden Helden taucht auch in anderen Kulturen auf, wo Initianden auf schamanische Reisen gehen und im übertragenden Sinne zerstückelt werden, sich an den Rand des Todes begeben (und zuweilen darüber hinaus), bevor sie selbst schamanische Kräfte erhalten. Auch im Buddhismus werden einige große Meister zunächst von ihren Lehrern geschlagen und gedemütigt oder müssen unglaubliche Proben und Verluste überstehen, bevor sie sich der Erleuchtung öffnen. Warum geht es bei Pluto-Transiten, genau so wie in vielen mythologischen und spirituellen Traditionen, immer wieder um die gleiche schmerzvolle Erfahrung des Todes, der Transformation und der Wiedergeburt?

So wurde es mir vor Jahren erklärt, als Pluto gerade wieder meinen Saturn verließ. In dem Raum einer Schule, wo ein Treffen der Angehörigen Anonymer Alkoholiker stattfand, das mich wieder zum Leben erweckte, sagte einer der alten Veteranen: "Es geht so. Nehmen wir einmal an, Sie haben eine kleine Tochter mit einem Schnuller. Wenn sie weiter an dem verdammten Ding nuckelt, werden ihre Zähne krumm. Und weil Sie wollen, dass Ihr Kind schön und selbstbewusst wird, weil Sie möchten, dass sie sich auch ohne das Plastikding zu beruhigen lernt, nehmen Sie es ihr weg. Sie brüllt und schreit. Sie versteht nicht, dass Sie es aus Liebe zu ihr tun. Wenn sie es verstünde, würden Sie es ihr erklären; doch das kann sie nicht, also können Sie es nicht. Statt dessen brüllt sie wie am Spieß, bis sie eines Tages loslässt. Sie betritt einen größeren Freiraum des Lebens ohne ihren Schnuller. Und weil sie keinen Schnuller mehr hat, sehen Sie irgendwann danach ein bezauberndes Lächeln auf ihrem Gesicht."

Pluto verhält sich wie ein liebender Elternteil oder wie ein weiser spiritueller Lehrer. Er Gehörnteist nicht die Ursache unseres Leidens; das ist unsere eigene Verwirrung. Es ist nicht der Transit, sondern unser Widerstand, der den Schmerz verursacht. Wir halten an etwas fest, das uns die Macht nimmt; es hält uns zurück. Der entscheidende Teil von Plutos Befragung ist es, das zu identifizieren, "was uns das Liebste ist", damit wir wissen, was wir aufgeben müssen. Anfänglich befürchten wir, dass es etwas Äußeres ist, das wir verlieren – eine Ehe, ein Kind, unser Status in der Welt. Das mag so sein oder auch nicht. Doch meist ist der Schnuller, an dem wir nuckeln, einfach nur eine blöde Vorstellung, die unsere begrenzte Welt aufrecht erhalten hat. Und dieser dysfunktionale gedankliche Rahmen muss zerschlagen werden, wenn wir wachsen wollen. Um Albert Einstein zu paraphrasieren: "Wir können unsere Probleme nicht in dem gleichen Geisteszustand lösen, in dem wir sie erschaffen haben."

Sie sind erschöpft von Ihrem Leiden und können einfach nicht mehr. Als Pluto das nächste Mal vorbei kommt, sagen Sie: "Nimm es. Ich gebe auf." Und wie von Zauberhand erscheinen seine Helferinnen, heben Sie von diesem gräßlichen Haken. Sie baden Sie in duftenden Ölen und kleiden Sie in neue Gewänder. Sie sehen aus wie eine Königin oder ein König. "Du kannst nun in das Land der Lebenden zurückkehren", sagt Pluto. "Doch bevor du gehst, nimm dies kleine Geschenk meiner Anerkennung." Es ist eine kleine Schatztruhe, in der ein Juwel von exquisiter und außergewöhnlicher Schönheit liegt.

Pluto ist der Gott des Reichtums. Und seine Transite bereichern uns wahrhaftig. Trotz seiner recht grimmigen Vorgehensweise hat er das Ziel, uns wohlhabender zurück zu lassen als er uns vorgefunden hat. Ermächtigung, nicht Zerstörung, heißt sein Spiel. Nach dem Pluto-Transit in Opposition zu meinem MC wurde mir eine echte Beförderung zuteil. Doch zuvor musste ich durch eine Phase der Demütigung gehen und befand mich gefährlich nah an der Kündigung. Die Zwillingssonne meines Chefs stand in Konjunktion zu meinem MC. Auch er ging durch diesen Pluto-Transit. Die Gerüchte über seine familiären Problemen kochten ziemlich hoch. Auf der Arbeit war er meist wütend und erkor mich zu seinem Opfer. Doch weder verteidigte ich mich, noch ließ ich mich zum Opfer machen. Ich wollte so viel wie möglich aus jedem seiner Angriffe lernen. Was ich aufgab? Das Konzept, dass ein braves, erfolgreiches Mädchen wie ich immer für alles geliebt wird, das es tut. Es war nicht leicht, doch das Wissen darum, dass Pluto Hingabe verlangt, mäßigte meinen Schmerz erheblich. Ein paar Monate später kam ein neuer Geschäftsführer in die Firma. Auf Hinweis meines Chefs schaute dieser sich meine Leistungen genau an, um mich eventuell zu feuern. Doch am Ende beschloss er, dass ich eine Beförderung verdient hätte.

Der Pluto-Clan

Pluto-Transite definieren auch Generationen. Da Pluto ungefähr zehn bis zwanzig Jahre in jedem Zeichen verbringt, beschreibt er insbesondere die jeweiligen Obessionen und leidenschaftlichen Interessen der zu dieser Zeit geborenen Gruppe. Das Zeichen, in dem er steht, ist ein Hinweis darauf, wie diese Gruppe jeweils die Welt transformiert. Von 1913 bis 1938 stand er in Krebs. Die während dieser Jahre geborene Generation, die die Depression und zwei Weltkriege miterlebte, war sehr, sehr sicherheitsbewusst, auf Schutz ausgerichtet und zutiefst nationalistisch. Das sind ganz tief verwurzelte Krebs-Eigenschaften, gepaart mit einem sentimentalen Fokus auf Heim und Familie. Passenderweise definierte diese Gruppe den Traum, dessen Version viele von uns heute immer noch leben oder vehement ablehnen – die glückliche 2,4 Kinder-Familie im schuldenbeladenen Heim hinter einem sicheren Zaun.

Viel wurde schon über die "Guck-mal-ich"-Generation mit Pluto in Löwe geschrieben (1937-1958), zu denen auch die Baby Boomers gehören. Jedes Tierkreiszeichen beinhaltet eine Reaktion auf die Übertreibungen des vorhergehenden Zeichens; das trifft insbesondere auf die Pluto-Generationen zu. Wenn Krebs die archetypischen Eltern sind, dann ist Löwe das Göttliche Kind. Kreativ, exhibitionistisch, verspielt und narzisstisch, war es der Traum der Boomers, "sich selbst zu finden" oder zumindest ein Rockstar zu werden. Mittlerweile in ihren Fünfzigern und Sechzigern spielen viele immer noch in Rock 'n' Roll Bands oder suchen danach. Diese Menschengruppe hat viel Zeit in Therapie verbracht und über ihre Kindheit nachgedacht, und sie haben Millionen von Euros dafür ausgegeben, ihre eigenen Kinder zu verwöhnen. Sie sind darauf versessen, ewig jung zu bleiben.

Ich erinnere mich noch gut an das Unwohlsein in meiner Firma, als die Gruppe der Pluto-in-Jungfrau-Generation (1957-1972) erwachsen wurde. Diese Grünen in Cordhosen waren wesentlich bodenständiger und auch zynischer als ihre Eltern, außerdem hochgebildet und häufig arbeitslos. Man konnte sie nicht mit den gleichen Karotten locken, die uns mit Pluto in Löwe noch geködert hatten. Wir gaben Ihnen eine Gehaltserhöhung und sie kündigten einfach in der Woche darauf – um eine interessantere Gelegenheit wahrzunehmen, und wieder ganz von vorne in einem völlig neuen Bereich anzufangen. So geht es mit veränderlichen Zeichen. Passend für das Erdzeichen Jungfrau ist diese Gruppe sehr ökologisch ausgerichtet und setzt neue Standards im Bereich Recycling und biologisch angebautem Obst und Gemüse. Entsprechend des Interesses an Gesundheit ist die Alternativmedizin in dieser Generation zu der gängigen Alternative geworden. Hoffentlich haben sie noch Zeit genug, unseren Planeten und unser krankes Gesundheitssystem zu retten!

Frau mit TattooIn Cordhosen und Wanderschuhen sieht man die Pluto-in-Waage-Generation (1971-1984) nicht gerade herumlaufen. Tattoos, Piercings, Haarentfernung – diese Gruppe versteht den menschlichen Körper als eine Art Kunstwerk. Die Frauen dieser Generation folgen in ihrem Sexualverhalten ganz ihrem herrschenden Planeten, der Venus, und geben sich dem Sex ohne Schuld- oder Schamgefühle hin. Gemeinsam mit ihren auf das Äußere bedachten männlichen Gegenstücken haben sie das Spiel der Geschlechter transformiert und uns Hochgeschwindigkeits-Dates, online-Partnersuche und bestens nachgefragte städtische Single-Treffs beschert. Das schönheitsliebende und idealistische Zeichen Waage ist das Zeichen der Beziehungen. Und es hat Schwierigkeiten, sich zu entscheiden. Diese Generation will einfach alles – aufregende Verabredungen, eine romantische Ehe, wundervolle Babies – doch viele dieser Menschen in ihren Zwanzigern und Dreißigern tun sich scheinbar schwer, den idealen Partner zu finden, mit dem sie sich endlich niederlassen können. Viele Fernsehsendungen sind auf diese Gruppe zugeschnitten, all die Reality TV-Shows, in denen Haarstylisten, Innendekorateure, Spitzenköche, Models und Modedesigner miteinander konkurrieren. Pink ist die Farbe dieser Generation.

Bei der Gruppe mit Pluto in Skorpion (1983-1995) kommt hingegen Schwarz nie aus der Mode. Diese Kids färben sich die Haare schwarz, kleiden sich im Gothic-Stil und drapieren überall Ketten um sich herum. Plutos Heimatgefilde sind dunkel, tiefgründig und auf das Unsichtbare ausgerichtet. Ob Harry Potter wohl so berühmt geworden wäre, wenn diese Generation nicht regelmäßig um Mitternacht zur Neuerscheinung eines weiteres Buches Schlange gestanden hätte? Diese Generation lässt sich von der innewohnenden Gewalt oder den sexuellen Untertönen ihrer Gangsta Music und ihrer Videospiele nicht aus dem Konzept bringen. Ganz im Gegenteil zu ihren Waage-Vorgängern tragen sie mit Sicherheit keine kleinen Hunde in die Tanzclubs oder gehen mit grellbunten Matten in den Yoga- oder Pilates-Unterricht. Die erste Welle dieser Gruppe ist gerade erst an den Unis gelandet. Einige kämpfen bereits im Irak, vielleicht um mit einer neuen Liste dunkler Themen in unseren Kulturkreis zurück zu kehren. Die Todesschützen an diversen Schulen in den USA und Europa sind die Slytherins dieser Generation. Wir werden sehen, wie die Harry Potter-Helden aus den Skorpion-Reihen darauf reagieren werden.

Unterdessen sind die Plutos in Schütze (1996-2008) noch dabei, geboren oder gerade eingeschult zu werden. Auf sie müssen wir achten, um die Prinzipien von "The Secret" zu perfektionieren und andere erhellende Lichtblicke zu erhalten.

Von der Raupe zum Schmetterling

Plutos kulturelle Transformation und die Themen jeder seiner Generationen machen uns auf ein zentrales Paradoxon aufmerksam, das Pluto innewohnt. Im Transit kennen wir ihn als einen machtvollen Initiator für Veränderung, doch im Radix scheint er eine unglaublich starke fixierende und fokussierende Kraft zu sein. Pluto kann darauf hinweisen, wo wir Macht haben. Er kann uns aber auch zeigen, wo wir feststecken. Im jeweiligen Haus oder in seinen Aspekten macht er uns darauf aufmerksam, in welchem Hamsterrad nicht enden wollender Themen wir lange Phasen unseres Lebens atemlos hechelnd verbringen.

Kürzlich bekam ich eine e-mail von einem Klienten, der sehr darum gekämpft hat, seinen Platz in der Welt zu finden, sowohl im Beruf als auch zu Hause, wo er immer noch bei seinen Eltern lebt. "Im Augenblick sind alle Menschen um mich herum so wie die Schlimmsten aus meiner Familie", schrieb er mir. "Auf der Arbeit bin ich mit Kollegen zusammen, die total unbewusst, gemein, wütend, giftig und hoffnungslos sind. Genau wie zu Hause. Es ist schon lustig, wie mir das immer wieder passiert. Ich frage mich, warum ich von diesem Ort nie weit genug weg komme."

Wir könnten nun sagen, das ist Plutos Schuld. Er steht in Dieters viertem Haus, dem des Heims und der Familie und herrscht über seine Skorpion-Sonne in Haus sechs, dem Arbeitsbereich, und im Quadrat zu seinem Aszendenten. In den Häusern, die Pluto berührt, finden wir ein hohes Potential für dramatische Transformationsprozesse vor – und auch dafür, das verweigert zu bekommen, was wir uns am meisten wünschen. Ein Pluto im vierten Haus sehnt sich zwar danach, sich genährt und unterstützt zu fühlen, doch wird er dies nie bekommen. Mit Pluto programmieren wir unser eigenes Versagen und beschwören unbewusst genau die Szenarien herauf, die wir am meisten fürchten. Im sechsten Haus sehnen wir uns danach, Einfluss auf unsere Arbeitsumgebung zu haben, und doch liegen wir ständig im Streit mit Kollegen und Vorgesetzten. Mit Pluto im Quadrat zum Aszendenten wünschen wir uns nichts mehr als Loyalität und Anerkennung in unseren Beziehungen und finden uns permanent in Machtspielchen wieder oder, noch schlimmer, werden von unserer Umgebung ganz ignoriert.

UnterweltDer Name "Hades", des alten griechischen Gottes der Unterwelt, bedeutet "unsichtbar". Unsichtbarkeit ist ein wichtiges Merkmal unserer plutonischen Landschaften, unsichtbare Kräfte halten uns in Plutos Höhle gefangen. Oberirdisch fühlen wir uns machtlos, als ob unsere inneren Dämonen ihre Kraft nur aus ihrem dunklen Versteck heraus beziehen könnten. Um sie zu besiegen, müssen wir sie ans Licht bringen. Das bedeutet, dass wir uns ihrer bewusst werden müssen – eines der ganz großen Themen während Plutos Transit durch Skorpion. In den 80er-Jahren wurden buchstäblich alle Geheimnisse aufgedeckt, und zutage kam ein Berg physischen und psychischen Missbrauchs: häusliche Gewalt, Abhängigkeiten, Kindesbelästigung und Inzest. Tiefenpsychologisches Wissen wurde Mainstream und veränderte auch die Astrologie. Astrologen laufen seitdem nicht mehr länger mit Kristallkugeln durch die Gegend, sondern verwandelten sich in psychologische Berater.

Doch seit Plutos Wechsel in das Zeichen Schütze sind uns die Offenbarungen ein wenig über. Meine Klienten und ich hatten zunehmend weniger Interesse daran, das Unbill ihrer Kindheit durchzuforsten. Nicht dass die Kindheit irrelevant wäre. Es ist einfach nur so, dass mit Plutos Eintritt in den Skorpion eine Orgie psychischer Schuldzuweisungen einsetzte, die ironischerweise genau die Ermächtigung verhindert hat, die wir ursprünglich damit zu erreichen hofften. Bei dem großen Potential, sich zum Opfer machen zu lassen, das wir in Plutos Reichen haben, wurde es zu einem trickreichen Unterfangen, die Schwierigkeiten der Klienten anzuerkennen, ohne dabei das Gefühl der Ohnmacht und des Missbrauchs in ihnen noch zu verstärken.

Als Pluto Mitte der Neunziger in den philosophischen Schützen eintrat, wuchs unser Hunger nach Sinn und Bedeutung. Wir brauchten etwas Numinöseres. Wir wollten auch von den Planeten Schütziges – inspirierende, spirituelle Horoskopberatungen mit mehr Abenteuer und Optimismus. Wir wollten uns nicht länger an unsere Vergangenheit gebunden fühlen, wollten wissen, was wir jetzt tun können, um unsere Zukunft zu beeinflussen. Astrologen betrachteten Pluto aus einer neuen Perspektive: Jetzt stand er für die Matrix unserer Glaubenssysteme. Das stattete uns mit neuer Macht aus, denn Glaubenssätze können wir verändern. Unsere frühe Erfahrung mit Pluto war nur eine Realität. Wie spirituelle Adepten begriffen wir, dass es noch andere gibt.

In Kürze läuft Pluto in das Zeichen Steinbock. (Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde bereits vor einigen Jahren geschrieben. Am 26. Januar 2008 trat Pluto in das Zeichen des Steinbockes ein, ging im Juni des selben Jahres nochmals zurück in das des Schützen und steht seit dem 27. November 2008 wieder im Steinbock.) Und wieder wird sich die Perspektive wandeln. Und doch gibt es etwas, das Pluto immer zugrunde liegt. Durch diesen Planeten sollen wir uns unsere Macht verdienen.

Dies ist nach den Aussagen der Autorin und Lehrerin Caroline Myss der eigentliche Sinn unseres Lebens: unsere Kraft und Macht zu verwalten.[2] Auf seinem Weg durch den Tierkreis lehrt uns Pluto, dass es mindestens zwölf Wege gibt, dies zu tun! Doch was behindert uns eigentlich noch? Caroline Myss, eine medizinisch Intuitive, hat lange darüber nachgedacht, warum Heilung für manche Menschen nicht möglich ist. Als Astrologin stecke ich häufig in einem ähnlichen Dilemma. Warum kommen einige Menschen niemals über ihre Familienthemen hinaus, sind scheinbar unfähig, in die Richtung zu wachsen, die sie sich wünschen? Caroline Myss schreibt dazu, dass der Schuldige hier vor allen Dingen die unglaubliche Naivität der Menschen ist, insbesondere der Glaube, dass "bewusst" oder "spirituell" zu werden bedeutet, dass alles Schwierige mit einem Schlag endet. "Das ist ein kindischer Glaube," lautet ihre Aussage. Wenn wir uns die großen Lehrer von Jesus bis Buddha anschauen, stellen wir fest, dass keiner von ihnen jemals einen sicheren oder gar perfekten Platz für sich gefunden hat. Was bedeutet das? Vielleicht, dass wir plutonische Schwierigkeiten nicht fürchten oder gar vermeiden sollten. Sondern dass wir sie wertschätzen sollten.

Wenn Pluto in Steinbock läuft, wird unsere schützehafte Naivität (z.B. der in "The Secret" postulierte Anspruch, dass wir alles erschaffen können, was wir uns wünschen) von Steinbocks Pragmatismus neu definiert. Pluto-Transite bringen immer neue Wege mit sich, die Realität zu sehen. Traditionelle Sichtweisen werden in vielen Bereichen wieder an Popularität gewinnen, auch in der Astrologie. Wir werden sicherlich einiges an Veränderungen in steinböckischen Institutionen zu sehen bekommen – in Regierungen, Führungsriegen, im Geschäftsleben. Es liegt bereits in der Luft.

Doch es ist gar nicht nötig, für uns selbst so weit in die Ferne zu schweifen. Transformation ist ohnehin unvermeidlich. Durch sie hindurch zu gehen hält seine ganz eigenen Geschenke für uns bereit. Pluto bittet einfach nur darum, dass wir uns dem Wandel furchtlos überlassen, dem Unvorhersagbaren im Leben, dem fantastischen Tanz der Energien. Seinen Symbolen der Transformation, dem Phoenix und der Schlange, könnten wir die bescheidene Raupe noch hinzufügen. Denken Sie einmal über die folgenden meditativen Worte nach: "Ich bin Raupe. Die Blätter, die ich jetzt fresse, schmecken bitter. Doch ganz schwach kann ich den Schein einer großen Veränderung fühlen. Was ich euch anzubieten habe, ihr Menschen, ist meine Bereitschaft, mich aufzulösen und zu transformieren. Ich tue dies, ohne das Resultat bereits zu kennen. Und so teile ich auch meinen Mut mit euch."[3]


* Die Amateur Astronomin Laurel Kornfeld http://laurele.livejournal.com hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Debatte über den Status von Pluto als Planeten weiter geht. Frau Kornfeld schreibt: "Nur vier Prozent der IAU hat für diese Abwertung gestimmt, und die meisten Versammelten waren nicht einmal auf Planeten spezialisierte Wissenschaftler. Gegen diese Entscheidung legten Hunderte von Berufsastronomen mit einer Petition formellen Protest ein." Die Petition kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://www.ipetitions.com/petition/planetprotest/

  1. Ich bin Georgia Stathis sehr dankbar, von der ich diese Geschichte zum ersten Mal in einem Vortrag von ihr hörte:"Pluto: The Planet of Choice," während der First International Cycles & Symbols Conference,  26.-30. Juli 1990, San Francisco, CA.
  2. Das hier mit meinen eigenen Worten wiedergegebene Gedankengut stammt von der Kassette: Caroline Myss, Ph.D., Anatomy of the Spirit (Sounds True Audio, 1996).
  3. Aus Joanna Macy, "The Council of all Beings", erschienen in World As Lover, World As Self (Parallax Press, 1991, p. 205).
Zu Moonprints

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Venus-Horoskop von Dana Gerhardt

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Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

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