Cinderella am Nordknoten oder Warum sie vom Ball weg läuft
Die Mondknoten sind natürlich keine Planeten. Doch ihr Einfluss wird zu
Recht für genau so wichtig gehalten, aus welchem Grund ich sie in diese
Serie mit aufgenommen habe. Der nördliche und südliche Mondknoten sind
zwei sensitive Punkte, die anzeigen, wo die Bahn des Mondes um die Erde
die Ekliptik kreuzt (das Band, auf dem sich die Sonne und ihre Planeten
aus unserer Sicht von der Erde aus zu bewegen scheinen). Die westliche
Astrologie und die vedische Astrologie beschreiben diese Punkte auf
unterschiedliche Art und Weise. Ich stelle hier die westliche Sicht dar.
Ich mag Zauberformeln. Als ich den nördlichen Mondknoten kennen lernte, dachte ich, eine solche gefunden zu haben. Hier war er doch, mein Schlüssel zu Glück, Erfüllung und Erfolg – das Versteck von Exkalibur auf der Schatzkarte meines eigenen Lebens. Die Himmel würden aufgehen, wenn ich dorthin ginge und mein Schicksalsschwert mit wundersamer Leichtigkeit aus dem Stein zöge! So dachte ich jedenfalls. Eine zeitlang tat ich regelrecht, was mein Nordknoten zu verlangen schien, und arbeitete mit anderen zusammen, die das Gleiche versuchten. Damals erkannte ich, dass die Geschichte von König Artus gar nicht das relevante Vorbild ist. Ich schaute mir statt dessen genauer an, was mit Cinderella geschah, und zwar in der ursprünglichen Version der Brüder Grimm, nicht in der Disney-Version. Je näher wir am Ursprungstext eines Märchens sind, umso seltsamer werden die Handlung und die Symbolik, viel mehr wie im richtigen Leben, verstrickt und verzwickt, mit losen Enden, an denen man überall ziehen kann. Und wenn wir das tun, entfaltet sich möglicherweise unser eigenes archetypisches Drama.
Grimms Cinderella bzw. Aschenputtel geht nämlich auf drei Bälle, die zu
Ehren des Prinzen im Laufe einer Woche gegeben werden. In jeder dieser
Nächte schleicht sie sich davon, nicht weil die Uhr zwölf schlägt oder
eine Fee ihr das so sagt, sondern schlicht und einfach, weil sie nach
Hause möchte. Wie merkwürdig. Das Mädchen, das immer von allem
ausgeschlossen wurde, geht auf drei Spitzenparties, in sündhaft teure
Designer-Outfits gekleidet - Geschenke von dem Zaubervogel am Grab ihrer
Mutter. Sie tanzt die ganze Nacht durch mit einem Prinzen, der sie anbetet
und außerdem natürlich der bestaussehende und begehrteste Typ im ganzen
Königreich ist. Alle Frauen beneiden sie – und sie hat Heimweh?
Bedenken Sie dabei bitte, dass "Heim" für Aschenputtel ein
zerschlissenes Kleid, einen Berg von Arbeit und ein Schlaflager in der
Küchenasche bedeutet, mit einer bösen Stiefmutter und zwei verwöhnten
Stiefschwestern, die sie ständig piesacken. Nach Hause zu wollen ergibt
unter solchen Umständen nicht wirklich Sinn.
Genauso wenig Sinn wie der Fall einer Klientin von mir mit dem Nordknoten in Skorpion im ersten Haus, die dreimal hintereinander durch die Prüfung zur Chiropraktikerin gefallen ist. Skorpion ist das Zeichen des Heilers, und Angie ist eine der begnadetsten Heilerinnen, die ich kenne. Die Ausbildung zur Chiropraktikerin fiel ihr leicht. Und selbst ohne diese Ausbildung konnte sie mit ihrer intuitiven Berührung schon Wunder bewirken. Angies Großmutter war eine Heilerin. Die Nacht bevor sie starb, fuhr diese Großmutter zu Angies Eltern, nahm die kleine Angie aus dem Bettchen und verkündete, dass sie ihr Heilertalent an ihre Enkelin übergäbe. Doch seit zehn Jahren arbeitet Angie gegen bescheidene Bezahlung als Empfangsdame in einer chiropraktischen Klinik, nimmt Anrufe entgegen und führt Patienten zu Ärzten, die wesentlich weniger Talent haben als sie selbst. "Aber es kommt mir so vermessen vor, wenn ich heile." sagt sie. Langsam wird es Zeit für sie, ihr Bafög zurückzuzahlen. "Vielleicht sollte ich mir einen besser bezahlten Job im Computerbereich suchen", so meint sie. Hier haben wir also eine begabte Heilerin, die ihre Zulassung nicht bekommt! Wie auch bei Aschenputtel, das immer wieder nach Hause zu seinem Aschenlager läuft, scheint es nicht wirklich Sinn zu ergeben.
Auftritt Südknoten. Direkt gegenüber dem Nordknoten gelegen, stehen sein Haus und sein Zeichen für das "Heim", das uns immer wieder anzieht. Es
ist unsere Komfortzone, die Eigenschaften und Talente beschreibt, die uns
im Guten wie im Schlechten leicht fallen zu leben und auszudrücken.
Astrologen sagen häufig, dass wir die Energien des Südknotens in einem
früheren Leben entwickelt haben. Zumindest sind sie gewöhnlich in der
Kindheit gut sichtbar und ihr Ausdruck wird in irgend einer Form von
unserer frühen Umgebung unterstützt. Wenn wir am Südknoten sind, wissen
wir, wer wir sind. Sein instinktives Verhalten und seine Überzeugungen
sind uns vertraut und fühlen sich sicher an, wenn auch nicht immer im
positiven Sinne. Der Einfluss des Südknotens ist wie die Kombination von
Cinderellas beiden Müttern: die verstorbene gute und die lebende böse.
Von Geburt an ist Cinderella mit natürlicher Schönheit und einem
liebevollen, nachgiebigen Naturell ausgestattet. Von ihr Stiefmutter
bekommt sie einen Haufen Belastungen und wertlose Überzeugungen über
sich selbst geliefert. Im Gesamtpaket steht beides für ihre Grundanlage
– die Talente und Begrenzungen, die Cinderella überwinden muss, um ihr
volles Potential zu entwickeln. Wenn sie im sicheren Schoß des
Südknotens bliebe, könnte dieses wunderbare Mädchen bis in alle
Ewigkeit Asche kehren.
Und da kommt jetzt der Nordknoten ins Spiel. Er verlangt, dass wir uns
entwickeln. Manchmal flüstert er, manchmal ruft er laut, doch er führt
uns immer in Richtung Wachstum. Die pflichtbewusste Cinderella ruft
Gelächter hervor, als sie verkündet, dass sie zum Ball gehen möchte.
"Du? Du machst wohl Witze? Du hast nichts anzuziehen und kannst nicht
tanzen. Wir würden uns deiner schämen." So der O-Ton der Stiefmutter.
Das Mädchen zieht sich weinend auf ihr Aschenlager zurück und fragt am
nächsten Tage wieder: "Bitte, kann ich mit meinen Stiefschwestern zum
Ball gehen?" Der Nordknoten erfüllt uns für eine gewisse Zeit mit
vorübergehendem Wagemut – er ermöglicht es uns, über unsere gewohnte
Rolle hinaus zu wachsen. Hier hören wir auf eine Autorität, die höher
ist als unsere familiäre und kulturelle Konditionierung und tiefer reicht
als unsere Persönlichkeit. In Ermangelung eines präziseren Begriffs
nenne ich es "Seele". Die Mondknoten sind die Flugbahn des Pfeils
unserer Seele. Der Südknoten ist der Bogen, der uns ins Leben schießt;
der Nordknoten ist das Ziel, das unsere Seele zu erreichen hofft. Wie
schwierig oder unrealistisch dieses Ziel auch erscheinen mag, wir haben
die Sicherheit, dass wir erfolgreich sein werden wie noch nie zuvor, wenn
wir einmal dort ankommen. Erfolgreicher als bei allem, was man mithilfe
des Südknotens erreichen kann.
Nehmen wir einmal an, Sie waren Shakespeare in einem früheren Leben. Vielleicht erstaunen Sie Ihre Eltern mit einem altklug klingenden Wortschatz oder damit, dass Sie im Alter von fünf Jahren bereits ein Dutzend Theaterstücke geschrieben haben. Sie bekommen vielleicht viel Anerkennung für ihre tollen Reime, doch im Laufe der Jahre flüstert eine innere Stimme: "Möchtest du nicht lieber das mal probieren?" Und "das" wird etwas sein, das Shakespeare vernachlässigen musste, wofür er nicht die Zeit oder nicht den Mut hatte, um es zu versuchen. Zwischen achtzehn und neunzehn, zum Zeitpunkt unserer ersten Mondknotenwiederkehr stehen wir möglicherweise an einer Wegkreuzung.
Wir könnten uns dafür entscheiden, das zu tun, was uns leicht fällt oder eben den anderen Weg einschlagen. Die Seele sucht nach Ganzheit. Am Nordknoten sollen wir unsere Reichweite erweitern und ein neues Verständnis und neue Kompetenzen gewinnen. Wenn Sie als abenteuerlustiger Narzist ins Leben gestartet sind, könnte das größere Abenteuer darin bestehen, sich zu verlieben und eine Familie zu gründen. Wenn Sie im früheren Leben ein Mönch waren, sind der Lärm des Marktplatzes und der Reiz des Wettbewerbs vielleicht die Dinge, die jetzt nach Ihnen rufen. Am Nordknoten liegt häufig ein verrückter Traum, der nie so ganz verschwindet. Egal, wie oft er begraben wird, er ersteht immer wieder neu aus dem Grab auf. Jedes Mal, wenn Angie den Gedanken aufgibt, Chiropraktikerin zu werden, überlegt sie ein paar Monate später wieder neu, die Prüfung doch zu machen. Bestrebungen in Richtung Nordknoten haben nicht immer oberste Priorität in unserem Kopf, doch sie kommen uns immer wieder in den Sinn.
Kürzlich fragte ich meinen Freund Jack, der einen Skorpion-Aszendenten hat, was er gern noch erreichen wolle und er antwortete mir: "Chef von einem mächtigen ‚grünen' Unternehmen werden." Doch im Laufe der vergangenen Jahre hörte ich mehr die Sehnsüchte seines Nordknotens in Wassermann im dritten Haus heraus. Er möchte etwas "anders" machen, seinen Genius und seine Originalität mit der Welt teilen, vielleicht ein neues Konzept entwickeln oder eine wissenschaftliche Erfindung machen. Da kommt der progressive Wassermann zu Wort. Außerdem möchte er Artikel schreiben, die Menschen überzeugen und zur Rettung unseres Planeten beitragen. Das ist die kommunikative Orientierung in seinem dritten Haus. Und am allermeisten hofft er darauf, Teil einer fortschrittlich denkenden Gemeinschaft von Gleichgesinnten zu werden – ein Traum, der sowohl sein drittes Haus als auch die Wassermann-Energie befriedigt. Er hat bereits Anstrengungen in diese Richtung unternommen, doch leichter Erfolg war im bislang nicht beschieden.
Da die Sehnsucht am Nordknoten so stark ist, würden wir eigentlich erwarten, dass es leichter ist, dorthin zu gelangen. Doch wie fühlt es sich an, etwas ganz Neues zu machen – etwas, worin wir bislang noch keine Erfahrung und noch viel weniger Vertrauen haben? Ganz gleich, wie sehr wir es uns also wünschen, wird es sich dennoch ein bisschen ungemütlich anfühlen, uns in diese Richtung zu bewegen. Wie eine Comic-Figur, die aus dem Fenster des vierten Stocks nach hinaus tritt und auf einmal feststellt, dass sie in der Luft geht, geraten wir an unserem Nordknoten häufig in Panik, selbst dann, wenn wir Erfolg haben. Wie Cinderella treibt es uns vom Ball weg nach Hause.
Angie behandelt einen der Ärzte kostenlos und dieser sagt ihr, sie sei die Beste in der Klinik. Zwei Stunden später jedoch ist sie wieder davon überzeugt, dass sie niemals Geld verdienen kann, wenn sie ihr Talent zum Beruf macht. Ihr Südknoten in Stier im siebten Haus lässt sie glauben, dass es sicherer sei, für jemand anderen zu arbeiten; selbst wenn die Entlohnung bescheiden ist, so ist sie doch zumindest verlässlich. Und wer weiß schon, was sie alles aufgeben müsste, wenn sie eine laufende Praxis hätte? Jack hat eine plötzliche Inspiration für einen neuen Artikel, schreibt ihn aber doch nicht, weil er sich sagt, dass die Welt ihn ohnehin nicht verstehen würde. Sein Löwe-Südknoten im neunten Haus macht es leichter für ihn, ausschweifende Kommentare in seinem Kopf zu entwerfen als sich der tatsächlichen Arbeit zu widmen, Informationen zu sammeln, die seine Idee unterstützen. Warum sollte er Abweisung riskieren, indem er seine Ideen konkretisiert?
Ich mag die Art, wie der Astrologe Laurence Hillmann dieses Muster
beschreibt. Stellen Sie sich vor, das Leben sei eine Uni, und als Sie
sich eingeschrieben haben, waren Sie entschlossen, Ihren Abschluss in
Mathematik zu absolvieren. Das ist der Nordknoten. Doch Sie nehmen an
keiner Mathevorlesung teil. Statt dessen belegen Sie Literatur, Musik und
Kunst. Das ist der Südknoten. Die Aufgabe des Astrologen besteht darin,
Sie daran zu erinnern, wo die Mathevorlesungen stattfinden. Das trifft
insbesondere dann zu, wenn das Leben an Glanz verliert und Sie das Gefühl
haben, alles sei sinnlos. Sich in einer solchen Phase in Richtung des
Nordknotens zu bewegen, kann Ihnen helfen, Ihr Gefühl für Orientierung
wieder zu finden. Nichts zaubert das Empfinden von Sinnhaftigkeit und
Enthusiasmus so gut und schnell wieder herbei wie der Nordknoten.
Wenn der Glasschuh passt, sollten Sie ihn tragen!
Dreimal verlässt Cinderella ihren heimatlichen Südknoten, um zum Nordknoten-Tanz und anschließend wieder nach Hause zu gehen. Die "Drei" ist eine magische Zahl, die in psychologische Begriffe übersetzt so viel bedeutet wie "oft genug, um es endlich zu kapieren". Doch es ist nicht Cinderella, die es kapiert, sondern der Prinz. Wenn er nicht nach Cinderella gesucht hätte, würde sie heute vielleicht immer noch kochen, abwaschen und in der Asche schlafen. Doch beim dritten Ball ist der Prinz schlauer als zuvor. Er ahnt bereits, dass Cinderella wieder abhauen wird und lässt eine klebrige Substanz auf die Treppe schmieren. So kann sie zwar entkommen, doch ihr Glasschuh bleibt auf der Treppe kleben. Jetzt hat der Prinz nichts mehr weiter zu tun als den Fuß zu finden, der zu diesem Schuh passt.
Wenn wir Schwierigkeiten haben, unseren Nordknoten zu erreichen, müssen wir unseren inneren Prinzen zum Leben erwecken und einen Schuh zurücklassen. Der Prinz ist der Sohn eines reichen Königs, und er ist sich sicher, dass er Cinderella heiraten will. Er repräsentiert also den Teil von uns, der zielgerichtet ist, eine klare Absicht verfolgt, über starke Ressourcen verfügt und an unsere kreativen Talente glaubt. Sein Wunsch zu heiraten, ist der Wunsch nach Ganzheit, in einer heiligen Verbindung von aktiven und rezeptiven Qualitäten. Er sieht uns nicht durch die Augen unserer Begrenzungen, sondern auf die Art und Weise, wie unsere gute Fee uns betrachtet hätte, als die strahlende Vision unseres voll erfüllten Potentials. Doch er braucht einen Schuh.
Der Glasschuh ist der Beweis dafür, dass wir das schöne, wahre Selbst, das wir zu werden hoffen, auch wirklich sind. Er ist das, was uns davon überzeugt, dass der Traum unseres Nordknotens es tatsächlich wert ist, in die Realität umgesetzt zu werden. Bevor wir jedoch unseren Fuß in den Schuh stecken können, müssen wir zunächst unser Südknotenversteck verlassen und seine dysfunktionalen Strukturen entlarven. In vielen Versionen des Märchens sendet der Prinz seine Diener aus, um das Land zu durchkämmen. In der Grimmschen Version übergibt der Prinz den Schuh persönlich an Cinderellas Vater, der ihn auf direktem Weg zu seinen hocherfreuten Stieftöchtern trägt. Die erste Schwester schneidet sich einen Zeh ab, damit ihr der Schuh passt, die zweite eine Ferse. Der Prinz reitet mit jeder von beiden zunächst davon, bis das Blut aus dem Schuh quillt und ein singendes Taubenpaar den Betrug offenbart.
Warum verrät Cinderellas Vater seine eigene Tochter und händigt den
Schuh zuerst seinen Stieftöchtern aus? Man versteht die Symbolik im
Märchen sehr gut, wenn man alle Charaktere als Teile einer einzigen
Psyche betrachtet. Der Vater steht dann für die unbewusste Autorität
vergangener Leben und die Konditionierung durch die Familie. Er
repräsentiert das dominante und zum Großteil unhinterfragte
Glaubenssystem, das uns immer wieder sabotiert, bevor die heilige Hochzeit
uns vollständig macht. Einmal fragte ein Student den buddhistischen
Lehrer Chogyam Trungpa Rinpoche, was es denn sei, was wiedergeboren wird,
wenn wir uns von einem zum nächsten Leben reinkarnieren. "Nun, ich sag
es nicht gern", antwortete dieser, "doch es sind zum Großteil unsere
schlechten Angewohnheiten". Die schlechten Angewohnheiten unseres
Südknotens müssen wie die Stiefschwestern "geoutet" werden, bevor wir
unser wahres Glück finden können.
Die Astrologie kann uns dabei helfen, mögliche selbstbegrenzende Überzeugungen von uns selbst in der Südknotenposition zu identifizieren. Und nichts beschreibt sie besser als eine persönliche Geschichte aus dem Leben. Sie erinnern sich an Angie mit dem Südknoten in Stier im siebten Haus? Stier-Südknoten sind für gewöhnlich widerspenstig und stur. Eine typische Überzeugung mit dieser Position könnte sein, dass man alles selbst machen muss, sich nur auf seine eigenen Ressourcen verlassen kann und dass niemand einem hilft. Der Südknoten im siebten Haus ist oft bedürftig und abhängig und macht sich selbst klein, weil er überzeugt davon ist, dass andere kompetenter oder wichtiger sind als er selbst. Es ist nicht ganz leicht, die Eigenschaften von Bedürftigkeit und Unabhängigkeit in einer Person zu vereinen, doch Angies Geschichte zeigt das Ergebnis recht deutlich.
Angie ist das vierte Kind und die einzige Tochter in einer Familie mit drei Söhnen. Ihre Mutter war zu der Zeit, als Angie geboren wurde, bereits ziemlich überfordert, so dass Angie von Kindesbeinen an angehalten wurde, der Mutter bei der Versorgung der Brüder zu helfen, da sie ja das Mädchen war. Angies inneres Kind hungert immer noch nach der Zuwendung, die sie nie bekommen hat. Doch am härtesten traf es sie, dass ihr Vater allen ihren Brüdern eine Ausbildung ermöglichte, jedoch, als sie schließlich an der Reihe war, gerade neu geheiratet hatte und sie nicht unterstützen wollte. Im Gegensatz zu ihren Brüdern musst Angie also ein Darlehen aufnehmen, das sie bislang nicht zurückzahlen konnte. Als Erwachsene ist sie immer noch im Netz ihrer Südknotenüberzeugungen gefangen: Sie hätte gern Unterstützung, doch glaubt nicht daran, welche bekommen zu können; sie verlässt sich auf sich selbst, fühlt sich aber wertlos dabei.
Vor einer Beratung stelle ich meinen Klienten normalerweise einige diagnostische Fragen, inklusive der, dass sie sich vorstellen mögen, wer sie im vorherigen Leben gewesen sind. Ich bitte sie, nicht zu lange darüber nachzudenken, sondern in einem leichten, träumerischen Geisteszustand einfach das erste Bild zu nehmen, das auftaucht. In neun von zehn Fällen ist die Antwort ein nützliches Abbild der festgefahrenen Glaubenmuster am Südknoten. Das Bild von Angies vergangenem Leben war das eines Waisenkindes, das die Straßen von Paris durchstreifte, ein Mädchen, das wahrscheinlich starb, noch ehe es erwachsen wurde. Wir benutzten dieses Bild und waren dadurch in der Lage, Angies begrenzende Überzeugungen von sich selbst zu definieren. Mit diesem Ausgangspunkt konnten wir uns der Arbeit widmen, über diese Glaubenssätze hinaus zu gelangen.
Angie hing zwar in bestimmten Stier-Botschaften fest, doch die Begriffe "Schulden", "Groll" und "Ohnmacht" sind eigentlich negative Skorpion-Begriffe, das Zeichen an ihrem Nordknoten. Das geschieht häufig. Häufig kommen die Schlüsselworte beider Zeichen in unserem Mondknotendilemma vor. Nur in den seltensten Fällen schaffen wir einen sauberen Übergang von dem negativen Ausdruck des Südknotenzeichens in den positiven Ausdruck des Nordknotens. Die Energien beider Seiten der Polarität müssen häufig auf die ein oder andere Art und Weise ausbalanciert werden. Geld und Unterstützung sind sowohl Themen für Menschen mit dem Südknoten in Stier als auch für die mit dem Südknoten in Skorpion. Die mit der Knotenachse in Steinbock und Krebs schlagen sich mit Themen des Nährens und Genährtwerdens, mit Autorität und Elternschaft herum. Die mit der Knotenachse in den Zeichen Waage und Widder haben aller Wahrscheinlichkeit nach starke Beziehungsthemen.
Das Bedürfnis, die Mondknotenpolarität auszugleichen ist bei den Menschen am ausgeprägtesten, bei denen sich kontrastierende Zeichen und Häuser miteinander verbinden, wie bei meiner Freundin Lisa. Ihr Südknoten liegt im unabhängigen Widder im partnerschaftsorientierten siebten Haus. Sie ist hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, allein zu leben und einen Partner zu haben. In ihrer Kindheit gab es sowohl Missbrauch als auch Unterstützung. Wenn Freunde zu Besuch kommen, dann begrüßt Lisa diese wie einen hochverehrten Gast und gibt ihnen das Gefühl, wichtig und etwas Besonderes zu sein. Doch wenn das Gespräch dann einmal begonnen hat, dreht es sich allein um sie. Nach ein paar Stunden fühlen sich die meisten Besucher völlig ausgelaugt. Lisa verliert immer wieder Freunde und versteht nicht warum. Für sie besteht die größte Herausforderung im Leben darin, zwischen der Konzentration auf sich selbst und der Zuwendung zu anderen ihr Gleichgewicht zu finden. Märchen können wahr werden.
Als das wahre Gesicht der Stieftöchter erkannt ist, fragt der Prinz den Vater, ob er noch eine Tochter hat. "Nur ein kümmerliches Aschenbrödel, das meine verstorbene Frau mir hinterließ. Es ist unmöglich, dass sie die Braut ist", lautet seine Antwort. Selbst wenn wir bewusst sind, können wir uns schwer damit tun, unsere falschen Erwartungen loszulassen. Ich kann doch wohl kaum wichtig sein? Und doch, vor den versammelten Zuschauern schlüpfen wir mit unserem altvertrauten berußten Fuß in den wunderschönen Glasschuh – was soviel heißt wie: Das, was wir sind, war die ganze Zeit über schon genug. Wir verhelfen den Talenten unseres Südknotens zu einer neuen Bühne, wo sie mit frischer Kreativität glänzen können.
Der Prinz erkennt Cinderella als seine schöne Tanzpartnerin und ruft: "Das ist meine wahre Braut!" Wir brauchen den Moment des Wiedererkennens. Zuweilen ist dieser Augenblick tatsächlich der Traum unseres Nordknotens, der wahr wird. Doch genauso oft ist dieser Traum nur der Antrieb, die Karotte, die den Esel voran zieht, während das wirklich Erreichte etwas ist, das wir immer als selbstverständlich hingenommen oder nie bewusst gesucht haben. Unser Moment der Nordknoten-Erkennung kann in der Entdeckung bestehen, dass wir in etwas gut waren, das wir so nie erwartet hätten.
Ich habe diese Erfahrung mit meinem geschäftsorientierten Steinbock-Nordknoten gemacht. Ich war erfolgreich in der Schule, hatte immer führende Positionen. Ich machte meinen Abschluss am College mit magna cum laude. Doch danach bekam ich plötzlich Angst vor der "richtigen Welt". Eine meiner Astrofreundinnen nennt den häuslichen, nach Geborgenheit suchenden Südknoten im Krebs den "Baby-Knoten", weil Menschen mit dieser Stellung der Knotenachse häufig nicht von zu Hause weg wollen. Ich wollte zwar nicht in meiner Ursprungsfamilie bleiben, doch nachdem ich die Ausbildung abgeschlossen hatte, begab ich mich geradewegs in die Ehe und wurde Hausfrau – allerdings eine komische, da ich keine Kinder hatte, nicht kochte und auch nicht besonders gut putzen konnte. Meine Zwanziger verbrachte ich zu Hause, bis meine Ehe scheiterte. So bekam ich meinen ersten Job erst im Alter von 32 Jahren, und begann als Korrekturleserin von Texten. Ich wurde alle paar Jahre befördert, bis ich schließlich stellvertretende Geschäftsführerin im Organisationsbereich war. Ich war Topmanagerin (Steinbock), zuständig für alle unterstützenden Abteilungen (Krebs) eines Multikonzerns. Ich habe nie etwas über Geschäftsführung oder Management gelernt. Ich musste selbst lachen, wenn ich mich über Verträge, Termine und Managementfragen reden hörte – ich hatte nicht den blassesten Schimmer, woher ich all das wusste. Das war kein intuitives Wissen aus einem vergangenen Leben. Und ich habe auch als Kind nie "Chefin" gespielt. Es war eher so, dass alles, was ich je gemacht, woran ich je interessiert war und was ich je gelernt hatte, in meinen Erfolg in diesem Job einfloss. Doch ich hätte es niemals so geplant.
Zum Glück hören wir niemals auf zu wachsen. Das heißt, dass wir für unseren Nordknoten einiges an Anerkennung im Laufe unseres Lebens erhalten. Es ist niemals nur eine einzige Sache. Einen Monat vor Jacks zweiter Mondknotenwiederkehr (das ist ungefähr im Alter von 37 Jahren), bekam er die endgültige Ablehnung vom amerikanischen Patentamt für ein neues Konzept zur Datenspeicherung, das er entwickelt hatte – einer seiner Wassermann-Dritthaus-Nordknoten Träume. Zunächst kam ihm das vor, wie das unrühmliche Ende eines zweijährigen Kampfes, währenddessen er viele Male den Mangel an Unterstützung von Seiten seiner Familie und von Freunden beklagt hatte. Doch zur elften Stunde erschien eine gute Fee in Form eines Patentanwaltes, der an seine Idee glaubte. Sie legten Widerspruch ein. Und ein Jahr später hielt Jack sein Patentzertifikat in den Händen. Ich habe ihn noch nie so glücklich gesehen. Ihm war, als hätte er einen Meilenstein seines Lebens erreicht. Und genau das hatte er. Ich wünsche ihm den gleichen Erfolg zu seiner nächsten Runde von Nordknoten-Träumen!
Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends
19-May-2013, 09:58 UT/GMT | ||||
![]() | Sun | 28 | 35'20" | |
![]() | Moon | 12 | 55'49" | |
![]() | Mercury | 7 | 37' 9" | |
![]() | Venus | 12 | 1'33" | |
![]() | Mars | 21 | 20'30" | |
![]() | Jupiter | 21 | 26'25" | |
![]() | Saturn | 6 | 40'23"r | |
![]() | Uranus | 11 | 10'21" | |
![]() | Neptune | 5 | 16'37" | |
![]() | Pluto | 11 | 15'50"r | |
![]() | TrueNode | 16 | 47'38" | |
![]() | Chiron | 13 | 28'17" | |